• #61
Religion und Glaube sind für mich etwas vollständig unterschiedliches.

Mir ist mein Glauben wichtig, haltgebend, ein Ankerpunkt.
Sehr oft Dankbarkeit, Vertrauen, Stärkung.
Eine gewisse Spiritualität.

Es gibt für mich besondere Orte, das können Kirchen sein, auch Moscheen. Für mich sehr friedliche Orte, zum Innehalten, Nachdenken.
Es gibt noch andere Orte, in der Natur finde ich ähnliches.
Bestimmte Rituale pflege ich, und wenn es die Christmette, die gesamte Weihnachtszeit mit zur Ruhe kommen, Besinnlichkeit, und der Freude, oder die Osternacht ist oder ich in einer Kirche eine Kerze anzünde.
Als Kind bin ich von mir aus regelmäßig Sonntag früh zur - evangelischen - Kirche knappe 2km gelaufen, mir war es wichtig und ich fand da einen ganz besonderen Frieden.
Meine Eltern verbal eher Atheisten, allerdings lebte mein Vater die streng katholischen Moralvorstellungen, mit diesem Verständnis mag ich nichts zu tun haben.
Deswegen die Trennung Glaube und Religion.

Mit einem religiösen Partner hätte ich evtl. Schwierigkeiten, wie mit jedem, der extrem unterwegs ist. Also genauso mit dem Atheisten. Und missionieren möchte ich nicht werden, ich tue es auch nicht.

Aber ein Partner sollte meine Haltung zumindest akzeptieren, lieber wäre mir Verständnis und vielleicht sogar ein Teilen.
 
  • #62
Ich persönlich bin ein gläubiger und auch tatsächlich praktizierender (evangelischer) Christ.... ich bin theologisch und kirchenpolitisch ziemlich liberal eingestellt.

Du hast vergessen, dass Du auch moralisch ziemlich liberal eingestellt bist, denn in Sachen ehebrechen und Familie verlassen bist Du ja recht erfahren.

Das ist Religion/Kirche wie ich sie bis zum Abgewöhnen erlebt habe: verlogen bis zum Anschlag und ach ja, Begründung: der Mensch ist fehlbar und Gott verzeiht's.

Da habe ich doch lieber einen atheistischen Partner, der ehrlich ist.

Ziemlich krass, was Ihr in Bezug auf @mightyMatze äußert - darf eurer Meinung nach ein Mensch, der Fehler macht... nicht gläubig sein? Wie begründet Ihr das?
Doch, er darf sich als gläubig bezeichnen, aber er soll sich nicht wundern, wenn man ihn als doppelt verlogen bezeichnet und ihn in seiner "Gläubigkeit" auslacht/nicht ernst nimmt.

Ich würde erwarten, dass Menschen die sich als gläubig/spirituell bezeichnen und Standards des fairen Umgangs miteinander definieren/aufgrund ihrer Religiosität übernehmen, diese wesentlich leichter einhalten können, als Menschen, die diese formalen Leitlinien nicht haben.

Defacto ist es doch eher so, dass Grenzüberschreitung/Regelverletzung religiös verbraemt nachträglich legitimiert oder entkräftet werden, frei nach dem Motto "der Mensch ist fehlbar". So lässt sich die Eigenverantwortung für jegliches Fehlverhalten locker-flockig ablegen und frohgemut so weitermachen.
 
M

mightyMatze

Gast
  • #63
Du hast vergessen, dass Du auch moralisch ziemlich liberal eingestellt bist, denn in Sachen ehebrechen und Familie verlassen bist Du ja recht erfahren.

Ja, stell Dir vor, sowas passiert. Auch bei gläubigen Menschen. Sogar bei Pfarrern, Pfarrerinnen, Bischöfen oder Bischöfinnen.

Und ja, du hast insofern recht als dass ich mir noch nie angemaßt habe, anderen Menschen moralische Vorschriften zu machen. Und das tun die Kirchen, namentlich die katholische, auch viel zu sehr meiner Meinung nach. Das steht ihnen (und mir selbst erst recht) nicht zu. Was in den Schlafzimmern der Leute passiert geht uns nix an, sofern es nicht illegal ist.

Doch, er darf sich als gläubig bezeichnen, aber er soll sich nicht wundern, wenn man ihn als doppelt verlogen bezeichnet und ihn in seiner "Gläubigkeit" auslacht/nicht ernst nimmt.

Weißt Du, wie ich hier bezeichnet und ob ich hier ernstgenommen werde oder nicht, ist mir ziemlich egal.

Ich habe das, was ich hier geschrieben habe rund um meine Ehe und Familie auch mit einem Seelsorger besprochen, und ich wurde nicht verurteilt. Denn es ist nicht so dass ich das alles locker-leicht unter einen Hut gebracht hätte. Ich habe mich schon gefragt ob ich mein Ehrenamt angesichts meiner "nicht mehr vorbildlichen" Familiensituation überhaupt noch ausüben darf. Aber es ist kein Problem. Und dafür bin ich auch dankbar.
 
  • #64
Es ist einfach, nun auf Matze herumzuhacken. Mag sein, dass sein Verhalten und seine Religion nicht zusammen passen ......
Immerhin steht Matze zu seinem Leben, hat noch nie behauptet, keinerlei Fehler gemacht zu haben, schwingt weder die Moralkeule noch will er andere Menschen unbedingt von seiner Religion überzeugen.
Nicht die Religion, sondern dieses "Immerhin" würde ich bei einer "Mätzin" durchaus positiv bewerten..... denn für mich kommts mehr auf den Menschen an als auf seinen Gott.
 
  • #65
Das ist Religion/Kirche wie ich sie bis zum Abgewöhnen erlebt habe: verlogen bis zum Anschlag und ach ja, Begründung: der Mensch ist fehlbar und Gott verzeiht's.

Ich habe selten religiöse Menschen solche liberalen Einstellungen laut vertreten gehört. Bei anderen sind sie meist äußerst moralisch. Bei sich selbst akzeptieren sie natürlich "Ausrutscher" in beliebiger Menge.
Das ist wie bei der ganzen Sexualmoral: natürlich sollen die Schäfchen sich brav verhalten, die Mitglieder der Amtskirche verzeihen sich ihre Fehltritte und im Zweifel werden die Alimente aus dem Kirchensteuertopf bezahlt.
 
  • #66
Martin Luther wird der Satz zugeschrieben: "Sündige tapfer, aber glaube noch tapferer".

Genau wegen dieser Einstellung mag ich keinen gläubigen Mann haben.

Denn diese Einstellung haben fast alle Menschen, die gläubig sind, die ich kenne, gemeinsam: Eigenverantwortung abschieben: " Ich wurde in Versuchung geführt" = ich bin nicht daran schuld. "Gott vergibt alles" = Ich kann tun und lassen,was ich will es ist nicht schlimm. Sei DU nicht so kleinlich.

Prägend war für folgendes: ich bin atheistisch erzogen, aber dennoch recht neugierig auf anderes. So besuchte ich vor nicht allzu langer Zeit mit einem Freund einen katholischen Gottesdienst. Es wurde dort über Nächstenliebe gesprochen, mir hat das Ganze recht gut gefallen. Zum Schluss gingen die Kollekte um und es lagen sogar 5 € Scheine drin.

Als wir aus der Kirche kamen, saß ein Bettler davor. Keiner derer, die eben noch so fleißig für die Kirche spenden konnten, gab dem Bettler auch nur 1 €. Das hat mich fassungslos über soviel Scheinheiligkeit gemacht. Seit dem bin ich mit dem Thema durch.
 
  • #67
Natürlich spielt die Religion auch bei der Partnerwahl eine Rolle. Ich würde mich als spirituellen Menschen bezeichnen und von daher könnte ich mir eine Atheistin an meiner Seite nicht vorstellen. Irgendwie würde dann der gemeinsame Nenner fehlen.

Bei Freunden und Bekannten ist mir sowas herzlich egal. Jeder so wie er mag. Aber mit denen müßte ich ja auch nicht zusammenleben.

Und nur an etwas zu glauben, macht ja aus einem keinen besseren Menschen. Von daher finde ich das Rumhacken auf matze völlig daneben.
 
  • #68
Weißt Du, wie ich hier bezeichnet und ob ich hier ernstgenommen werde oder nicht, ist mir ziemlich egal.
So egal scheint es einen doch nicht zu sein. Wäre es einen egal, dann schreibt man nicht mehr darüber. Jeder kann doch glauben an was er will, von mir aus auch an die heilige Wildsau und wenn es dafür am Abend einen Wildscheinbraten gibt, dann hat sich ja der Glaube auch gelohnt.:)

Was mich auch immer wundert, wie sich die Gläubigen selber Schaden zufügen können. Ich habe bis zur ca. 4 Jahren für das Jugendzentrum der Küche gearbeitet und dort ehrenamtlich den Jungs und Mädels, bei den Schulaufgaben geholfen, bis ich als Atheist dann entsorgt wurde. Manche Jungs + Mädels sind im Englisch, Spanisch, Mathe usw. von einer 4 auf eine 2 aufgestiegen und das hat mir schon viel Spaß gemacht. Nachdem ich ja entsorgt wurde, habe ich dies ehr bei den Jugendlichen gemacht. Eine Mutter wollte mich sogar dafür bezahlen, aber dies wollte ich natürlich nicht. Am Ende hat die Mutter jeden Samstag Topfenstrudel gebacken, den ich dann bekam. Eventuell war dies dann eine Bezahlung, wie sie vor über 100 Jahren üblich war.
 
  • #69
...Denn diese Einstellung haben fast alle Menschen, die gläubig sind, die ich kenne, gemeinsam: Eigenverantwortung abschieben: " Ich wurde in Versuchung geführt" = ich bin nicht daran schuld. "Gott vergibt alles" = Ich kann tun und lassen,was ich will es ist nicht schlimm. Sei DU nicht so kleinlich...

Also nachdem ich mich auch als gläubig - nicht religiös - bezeichnet, mag ich das für mich korrigieren.

Meine Haltung - für das was ich tue, bin ich ganz alleine verantwortlich, ich entscheide, ich wäge ab, mache meine Fehler.
Was mir aber hilft, ich glaube einfach an Fügung, dass alles irgendwie so wird, wie es soll. Dass meine Irr- und Umwege zu meinem Weg gehören, dass es Denk- und Handlungsimpulse sind. Die kann ich wahrnehmen, nutzen oder ignorieren.
Ich mag daran glauben, dass wir alle unsere Fähigkeiten, unsere Persönlichkeit mitbekommen haben, was wir daraus machen ist unseres.
Da sitzt keiner mit seinem Notizbuch, und schreibt jeden "falschen" Gedanken auf, lächerlich. Das ist der Katholizismus, den ich ablehne, Sünde, Schuld, Fegefeuer, ewige Verdammnis... Und mit dem ich aufgewachsen bin.

Für mich ist der Glaube etwas Leichtes, Positives, Kraft- und Haltgebendes.
In kritischen Momenten mich einfach mal sammeln, und ein Vertrauen loszuschicken, darauf das es wird, wie es werden soll, oder ein Danke, in besonderen Momenten.
Ich war nach etlichen Jahren nicht mehr Berg gehen können endlich wieder oben, das sind Momente für Dankbarkeit.

Bekehren will ich niemanden, und Verantwortungen habe ich noch nie abgeschoben.

Ich bin in meinem Leben sehr krachend unten aufgeschlagen, ohne diesen Ankerpunkt hätte ich das Wiederauferstehen nicht so geschafft.
Und die Bücher und Gedanken von Anselm Grün haben mich dabei gut begleitet.
Wenn das jemand lächerlich findet, ok.
Aber als Partner möchte ich ihn dann nicht.

Ich versuche, meinem Wertesystem gerecht zu werden, und das ist ganz sicher christlich geprägt, wie unsere Gesellschaft. Und die meisten von uns haben eines, wie auch immer geprägt und ausgestaltet.
Mein Maßstab ist dabei, dass ich nur so handle, dass ich mich danach noch in Spiegel anschauen kann, und dass ich nichts tue, was ich umgekehrt nicht von anderen erleben möchte.
 
  • #70
Ganz ehrlich ich kann mit diesem "Ich glaube an die Bibel & die 10 Gebote & lebe danach, wenn ich dann aber doch Lust auf Ehebruch habe ist es auch egal, weil Gott vergibt mir sowieso" auch nichts anfangen.
Na was jetzt? Wird der Glaube jetzt gelebt oder doch nur die Teile davon, die ich für mich selbst als richtig empfinde? Entweder ich stehe zu meinen Überzeugungen oder nicht. So etwas kann ich irgendwie nicht ernst nehmen. Wenn dann bei anderen Leuten auch noch mit zweierlei Maß gemessen wird, noch weniger.

Das Bild mit der Nächstenliebe das #Joggerin beschreibt sieht man gerade auch beim aktuellen Flüchtlingsthema oder bei LGBT auch ganz gut.. Die Nächstenliebe gilt dann sehr oft nur für Leute, die genauso denken wie man selbst.

Mir wurde als Atheist auch schon oft von Gläubigen unterstellt ich hätte ja keine Moral & wollte nur sündigen & interessanter weise waren es dann genau die, die "gesündigt" haben, das aber ganz locker gesehen haben, da Gott ihnen das ja vergibt..

Ein gläubiger Partner käme für mich dementsprechend wirklich nur in Frage, wenn er auch zu 100% dahinter steht. Ich mag keine wischi waschi Leute die sich wie ein Fähnchen im Wind drehen, je nachdem wie es für sie gerade am passendsten ist. Das gilt aber auch für alles andere & nicht nur für den religiösen Glauben.
 
  • #71
Was mir aber hilft, ich glaube einfach an Fügung, dass alles irgendwie so wird, wie es soll.
Das widerspricht dem hier
Ich mag daran glauben, dass wir alle unsere Fähigkeiten, unsere Persönlichkeit mitbekommen haben, was wir daraus machen ist unseres.
Oben sagst du, das Leben ist fremdbestimmt und unten sagst du, es ist selbstbestimmt.
Ich bin in meinem Leben sehr krachend unten aufgeschlagen, ohne diesen Ankerpunkt hätte ich das Wiederauferstehen nicht so geschafft.
Auch das verstehe ich nicht. Wenn das Schicksal, die Fügung, eine höhere Macht sagt, "es" soll so sein, das man ganz unten liegt und man das so annimmt, dann kämpft man ja nicht mehr…. denn es soll ja so sein das man z.B. betrogen, ausgeraubt, misshandelt, ausgenutzt, etc. wird.
Warum sollte man gegen die "Fügung" ankämpfen?

Ich empfinde mich weder als gläubig, noch als ungläubig und deswegen hinterfrage ich alles. Ich tue das nicht um andere zu erschüttern oder zu kränken (was aber so empfunden wird) sondern um es selber zu verstehen und nachvollziehen zu können.

Bei der Partnerwahl gilt für mich das Gleiche wie beim Humor, bei der politischen Einstellung, Humor, Ausdrucksweise, etc… Je mehr Gemeinsamkeiten, desto besser.
 
  • #72
Glaube und Kirche haben für mich nichts miteinander zu tun. Ebenso nicht, ob jemand ethische Grundsätze hat und lebt.
Ich hatte, ohne das so zu nennen, früher einen Glauben, also dass da was ist, das aufpasst, bewertet, belohnt, bestraft usw.. Ich hab es irgendwie gebraucht, um das Gefühl zu haben, dass ich Einfluss nehmen kann auf Glück und Unglück, das Chaos und die Ungerechtigkeiten, die im Leben passieren. Also quasi eine Art Deal, dass wenn ich mich in irgendwas abmühe, auch was bei rumkommt. Diese Haltung ist mir bei religiösen Menschen auch begegnet - die denken, die bewirken was Gutes in ihrem Leben, wenn sie glauben, als könnten sie es steuern, indem sie den Gott zufriedenstellen durch Beten und Geldgeben und er belohnt dann. Das geht teilweise so weit, dass sie Andersgläubige, in deren Ländern Krieg herrscht, verantwortlich machen, indem sie sagen "mit dem richtigen Glauben wäre das nicht passiert".

Als ich den toten kleinen Jungen auf dem Foto gesehen habe, das Kind, das ertrunken ist bei der Flucht, habe ich gedacht, es kann Gott nicht geben. Auch dass er Kinder "nimmt", um die Eltern zu bestrafen - ist das Kind ein Mittel zum Zweck oder was? Das ist mir bei Religiösen aufgefallen - das Opfer ist immer nur dafür da, um wen auf den rechten Pfad zu bringen, und wird nicht weiter beachtet. Es geht nur um die Seele des Täters, die sich Gott zugewandt hat. (konkret ging es um Fritzl. Ich will nicht wissen, wie oft vielleicht die Tochter im Keller gebetet hatte und nicht erhört wurde)

Ich denke, man kann die Kraft nur aus sich selbst schöpfen. Das kann man machen, indem man die Stärke und die Schicksalslenkung nach außen abgibt an einen Gott. Aber ich denke dann auch, wieviele Menschen haben unermessliches Leid erfahren, vielleicht noch, als sie Kinder waren und gar nicht die Möglichkeiten hatten, es irgendwie abzuwenden durch eigenes Handeln. Vielleicht kann man es besser verarbeiten, wenn man den Sinn in etwas sucht (warum hat Gott das zugelassen).

Jedenfalls finde ich auch extreme Zyniker unter den Gläubigen, die das Leid, das einem anderen geschieht, als Strafe Gottes sehen, und demjenigen dann nicht helfen, weil er sich das selbst eingebrockt haben muss.

Was die Nat.wiss. angeht - der Wunsch, dass da ein Wesen ist, das diese Welt und den Menschen gemacht haben muss, der so toll sein soll (seine Kinder quält, seine Umwelt vergiftet, ...), ist für mich nur Ausdruck davon, sich als was Besonderes zu sehen und nicht zu sehen, dass der Mensch immer noch ein Bestandteil der Natur ist, in manchem reagiert wie Tiere usw., und aber seinen Lebensraum kaputt macht, obwohl er es besser wissen müsste. Klar, die Bestrebungen, von der Natur unabhängig zu werden, tragen Früchte, aber ganz davon abkoppeln wird der Mensch sich nicht können. Ich denke, es läuft darauf hinaus, dass es immer mehr eine Frage des Geldes wird, wer saubere Luft und sauberes Wasser haben darf. (ist es ja jetzt schon)
 
  • #73
Doch, er darf sich als gläubig bezeichnen, aber er soll sich nicht wundern, wenn man ihn als doppelt verlogen bezeichnet und ihn in seiner "Gläubigkeit" auslacht/nicht ernst nimmt.
Ich würde erwarten, dass Menschen die sich als gläubig/spirituell bezeichnen und Standards des fairen Umgangs miteinander definieren/aufgrund ihrer Religiosität übernehmen, diese wesentlich leichter einhalten können, als Menschen, die diese formalen Leitlinien nicht haben.
Verstehe ich nicht. Warum soll ein religiöser Mensch ein besserer Mensch sein oder sein müssen als wir anderen? Dass er einen Glauben hat, macht ihn doch nicht zu einem Heiligen. Er darf gleichermassen scheitern an den Ansprüchen, die er an sich selber stellt, wie jeder andere Mensch auch. Wir alle haben Standards eines fairen Umgangs miteinander. Die wir zuweilen nicht einhalten können. Wir "Gottlosen" sind nicht orientierungslose, unethische Kreaturen.

Immerhin haut Matze - im Gegensatz zu etlichen anderen hier - seine Prinzipien niemandem um die Ohren, was ihn mir sympathisch macht. Ich mag bei Menschen gleich welcher Überzeugung eine Haltung von leben und leben lassen.

Frau 51
 
  • #74
Warum soll ein religiöser Mensch ein besserer Mensch sein oder sein müssen als wir anderen? Dass er einen Glauben hat, macht ihn doch nicht zu einem Heiligen.
Ich denke, das Problem ist nicht, dass diese Menschen nicht besser sind, aber manche sich für besser halten. Das ist mir bei vielen Gläubigen so begegnet, sie halten sich für auserwählt, da sie den richtigen Glauben haben und dadurch in den Himmel kommen werden, was sie von den anderen Menschen nicht denken. Das kommt in manchen Bemerkungen indirekt durch, dass sie denken, sie seien besser. Schon, dass manche Gläubige denken, dass Menschen ohne Religionszugehörigkeit keine Ethik oder Moral hätten, ist doch ein Zeichen von Arroganz. Vielleicht verbinden sie das nun so, dass nur Religion einen guten Menschen bewirkt, aber wenn man mit offenen Augen seine Mitmenschen betrachtet, muss einem ja irgendwann mal auffallen, dass ein Mensch, der Gutes tut und achtsam lebt, keine Religion dafür braucht. Ich könnte mir auch vorstellen, dass sich religiöse Menschen mitunter nur aus Druck und Zwang an ihre Regeln halten.
Wenn manch einer sogar meint, nach dem Beichten wäre alles weg oder Jesus nähme alle Sünden anderer Menschen auf sich, deswegen müsse man sich keinen Kopf machen, verkehrt sich das Gute ja sogar noch ohne Skrupel in das Gegenteil.

Ich kenne aber auch katholische und evangelische Menschen, die absolut nicht so sind, Demut empfinden und Hoffnung und Trost im Glauben finden. Die teilen die anderen nicht ein.
 
  • #75
In Deutschland ist es den meisten nicht mehr wichtig. Habe es im Umfeld allerdings schon erlebt. Einmal bei einer strengen Christin, die große innere Probleme damit hatte, dass sie sich in einen Atheisten verliebt hat, wegen der Kindererziehung. Dann bei den Zeugen Jehovas; da gab es ein riesiges Drama. Sie hat dann lieber einen alten Mann aus der Gemeinde geheiratet als den, den sie liebte, der aber nicht konvertieren wollte. Und dann bei ganz vielen muslimischen Familien. Da musste immer alles geheim sein vor den Eltern und dann musste die Frau konvertieren.
Ich selbst bin davon ein großer Gegner, von dieser externen Religiosität. Es ist schon schwierig genug einen passenden Partner zu finden, und dann machen es die Religionen noch mal schwerer mit diesen künstlichen Regeln. Wenn jemand für sich selbst gläubig ist, und dann eben auch den Kindern die freie Wahl lässt, was sie mal glauben wollen (so sollte das auch sein), gibts gar keine Probleme. Mein Ex war katholisch, ich Atheist, das war nie ein Thema. Bei seinen Eltern war der Vater katholisch, die Mutter Agnostikerin, und er hat sich dann eben für den Glauben entschieden.
Ich reagiere allergisch auf das Thema, da mein Freund aus einer muslimischen Familie kommt und es ein riesiges Drama war, dass er eine deutsche ungläubige Freundin hat. Die Mutter hatte sogar den Kontakt zu ihm abgebrochen. Jetzt denkt sie sicher, ich konvertiere, und ihr Sohn kann ihr niemals sagen, dass er selbst gar nicht glaubt. Dieser Anspruch, dass nur das, was sie glaubt, gilt, diese fehlende Toleranz, die bringt mich bei fanatisch religiösen Menschen auf die Palme.
 
  • #76
Ich bin Atheistin.
Allerdings hab' ich auch kein Problem mit religiösen Menschen.
Solange mich deren Religionsausübung nicht tangiert, soll jede/r tun und lassen, was sie/er mag.
Auch bei meinem Partner würde mich nicht wirklich stören, wenn er religös wäre - solange er das nur mit sich ausmacht.

Schwierig wird es nur dann, wenn jemand meint, mich missionieren zu müssen oder selbst aufgrund seiner Religion Probleme hat, die dann auch mich und/oder die gemeinsame Lebensführung betreffen.
Allerdings hab' ich auch noch nie einen wirklich religösen Menschen getroffen, maximal die üblichen "Weihnachten-und Ostern-Gläubigen", die eher aus sozialen Gründen Mitglied einer Kirche sind. Und mit denen liessen sich gut Kompromisse finden (z.B. er ging Weihnachten in die Kirche, ich nicht).
 
  • #77
Auch wenn hier so viele schereiben, dass sie Atheist sind, dann glaube ich dies nicht so.
In Spanien und Italien kann der Steuerpflichtige nur wählen, ob seine Steuergelder der Kirche oder einer sozialen Einrichtung zufließen sollen. Am Ende erhalten die sozialen Einrichtungen nur ca. 1 % der Menschen Gelder.
Vielleicht sollte Deutschland auch einen obligatorischen Steuerbetrag einführen und dann würde es den sozialen Einrichtungen besser gehen. Offiziell gehören ja ca. 15 Mio. keiner Kirche an und wäre viel für die sozialen Einrichtungen vorahnden, aber wahrscheinlich ist es in Deutschland nicht anderes, als in Spanien oder Italien und nur 100.000 geben das Geld den Einrichtungen und die anderen zahlen es an die Kirche.

Jeder Mensch hat ja das Rech zu Glauben oder nicht zu Glauben und nicht alle Moslem unterstützen die IS und genauso Namen ja nicht alle Christen an den Kriegen im Namen des Christentum teil. Zum Schluss waren es vielleicht höchstens 1 % der gläubigen Menschen, wenn nicht sogar die Zahl 1 % viel zu hoch angesetzt ist.

Äh? Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Wenn hier Leute sich als Atheist bezeichnen, dann werden sie das wohl auch sein. Man kann auch aus der Kirche austreten (viele sind aufgrund von Missbrauchsskandalen ausgetreten!) und trotzdem gläubig sein, warum sollte man sich in diesem Fall als Atheist bezeichnen? In der ehemaligen DDR wurde Glauben sehr zurückgedrängt, daher waren in meiner Klasse wirklich nur sehr wenige, die an einen Gott glauben - also die meisten Atheisten oder Agnostiker. Warum du das nicht glaubst, nur weil du an einen Gott glaubst, verstehe ich nicht. Es gibt Länder, da ist die Atheismus-Quote noch wesentlich höher.
Ich bin absolut Atheist, ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es einen Gott gibt. Punkt. Das hat mir der Kirche oder damit, was für arme Leute zu spenden, erst mal gar nichts zu tun. Mir ist es egal, was andere Leute denken, aber ich lass mir nicht von anderen erzählen, dass sie mir das nicht glauben.
 
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