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  • #1

Ist ein Partner der krank ist und dies verschweigt akzeptabel?

Meine Frage richtet sich vorallem an Frauen. Stellt Euch vor, der Mann in den ihr Euch gerade verliebt habt, unterlässt es darauf hinzuweisen, dass er an Parkinson im mittleren Stadium erkrankt ist. Er hat spezifische Symptome noch sehr gut unter Kontrolle und Laien ist es fast unmöglich diese zu identifizieren. Erst nach einigen Wochen/Monaten bekennt er sich auf Nachfrage zu seinem Krankheitsbild. Was für Empfindungen, Überlegungen, welche Konsequenzen wären damit verbunden?
 
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  • #2
Ich finde das Verschweigen absolut inakzeptabel und für mich wäre das ein Trennungsgrund.
Mir ging es selber so, dass ich einen Mann kennenlernte, der an einer depressiven psychischen Erkrankung litt. Es war auf den ersten Blick auch nicht zu erkennen. Mit der Zeit fielen mir dann ungewöhnliche Verhaltensweisen auf und ich fragte nach. Von ihm kam aber immer nur in Salamitaktik verschiedene Andeutungen über sein Problem. Weil mit ihm kein offenes Gespräch möglich war, musste ich mich mit Freunden und bei Fachleuten, die ich befragte über sein Verhalten erkundigen. Ich habe für mich dann entschieden, die Beziehung zu beenden.
Ich empfand es als Zumutung, so feige und verantwortungslos von dem Mann, in eine Beziehung zu starten. Dabei mochte ich ihn sehr und hätte mir auch trotz der Krankheit die Beziehung vorstellen können. Aber wer weiss, was er mir im Laufe der Zeit noch so verschwiegen hätte. Dieses Risiko muss man nicht eingehen.
 
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  • #3
Sicherlich muss man nicht gleich bei den ersten Treffen über Krankheiten sprechen. Aber zu lange warten sollte man auch nicht. Ich selbst bin auch chronisch krank. Man sieht es mir nicht an, lebe ganz normal und bin sowieso von je her eine positiv eingestellte und aktive Frau. Ein potentieller Partner sollte aber bescheid wissen. Wenn er sich nach dem Erzählen abwendet, ist er eh der Falsche.
 
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  • #4
Das Vertrauen wäre sehr arg in Mitleidenschaft gezogen. Es ist eine Krankheit, die das weitere Zusammenleben stark beeinflusst. Nicht jeder hat die Stärke oder den Willen, das durchzustehen bzw. freiwillig sich damit zu belasten. Zwar kann den Partner die Krankheit auch treffen, wenn man bereits zusammen ist, aber das ist dann doch eine andere Lage, als sich wissentlich in so eine Situation zu begeben. (Da stehe ich natürlich meinem Partner bei.)
Nach einigen Monaten der Beziehung...da sind die Gefühle schon sehr stark. Ich weiß nicht, ob ich mich trennen würde oder nicht. Wenn ich mich trennen würde, läge es nicht an der Krankheit, sondern an dem Vertrauensbruch. Man muss von so einer Krankheit ja nicht gleich bei den ersten Treffen erzählen. Aber sobald es auf eine feste Beziehung zusteuert, wäre es notwendig gewesen.
Also, akzeptabel wäre das Verschweigen für mich ganz bestimmt nicht. Es würde einen Knacks in der Beziehung hinterlassen. Aber jeder reagiert anders.
 
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  • #5
In Meiner aktiven EP- Phase lernte ich einen sehr sympatischen Mann kennen, der mir, vor dem ersten, bereits geplanten Treffen, von seiner Krebserkrankung erzählte. Die Chancen waren wohl sehr gut, dass er alles ohne weitere Folgen überstehen würde. Durch mich an seiner Seite könnte er noch zuversichtlicher in die Zukunft blicken, hoffte er.

Ich war schockiert! Fühlte mich von der Situation total überfordert! Da wir schon längere Zeit telefonischen Kontakt hatten, war er mir tatsächlich schon ein klein wenig ans Herz gewachsen - umso schlimmer das Ganze! Aber eine ernsthafte Beziehung mit so einer Verantwortung schon von Beginn an? Das schlechte Gewissen plagte mich! Ich fühlte mich total überfordert und wusste: Ich kann das nicht!

Ich rief ihn an und sagte ihm das, aber bis heute belastet mich der Gedanke an diese Entscheidung.
Angela
 
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  • #6
Ich (w, Anfang 40) sehe das genau so wie Nr. 1.
 
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  • #7
Ich (w, 33) bin selber chronisch krank. Aber es beeinträchtigt mein Leben überhaupt nicht! Meine Freunde haben alle mitunter 10 Jahre davon nichts gemerkt, weil ich mein Dasein nicht davon bestimmen lassen wollte. Das finde ich nämlich falsch. Und genau da liegt der Punkt: "Wann sag ich es ihm?", "Sag ich es ihm so, dass er sich von Angst und Vorurteilen leiten lässt"? Es ist so ein schwieriges Thema und natürlich auch von der Schwere der Erkrankung abhängig. Ich bin für völlige Offenheit in einer Beziehung aber gleichzeitig will ich auch nicht, dass diese Offenheit sie UNNÖTIG belastet. Soll er mich nicht so kennen lernen, wie ich wirklich bin? Abwägen ist doch hier angebracht. Der sofortige Rückzug kann gedankenlos sein. Verheimlichen eines offensichtlichen Defekts ist sinnlos und kurzlebig und lässt Rückschlüsse auf den Charakter zu. Aber eine Erkrankung überbewerten, die eine Beziehung nicht belastet?...
 
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  • #8
Man kann in solch einer Situation als Betroffener wohl nichts richtig machen. Sagt man es sofort, so ist die Reaktion wie #4, der andere ist schockiert. Sagt man es erst später,wenn der Kontakt schon intensiver ist, gilt es als Vertrauensbruch. Nur eines ist sicher: Einem chronisch oder Krebskranken tut man mit solch einem Verhalten ganz sicherlich nur weh.

Ablehnung ist ganz sicher nicht dass, was der Betroffene jetzt braucht. Der Betroffene möchte einfach nur als er selbst gesehen werden und nicht als seine Erkrankung. Das ist eigentlich selbstverständlich und doch so schwer.

Aus dieser Konsequenz bin ich der Meinung, der Betroffene sollte es für sich behalten und selbstverantwortlich damit umgehen, weder vom anderen Verständnis noch Unterstützung in dieser Hinsicht erwarten, aber umgekehrt hat der andere auch nicht das Recht, davon zu erfahren, wenn er ohnehin seine Unterstützung bzw. sein Verständnis verweigert. Da muss sich der Betroffene nicht noch zusätzlich verletzen lassen.

Der Umgang mit der Erkrankung erfordert sehr viel Reife von beiden, die nicht vorausgesetzt werden kann, sondern erst wachsen muss.
 
  • #9
@#7: Du betrachtest hier nur die Interessen des Erkrankten. Aber auch das Gegenüber hat gewisse Interessen in diesem Szenario. Gerade bei dem Beispiel eines Krebspatienten möchte ich wissen, ob eine Beziehung langfristig eine Chance hat. Ich sage damit nicht, dass ich eine Krebspatientin automatisch immer ablehnen würde, aber die Entscheidung darüber möchte gerne ICH treffen. Ich möchte nicht, dass sie mir durch Verschweigen der Krankheit implizit vom Erkrankten abgenommen wird.

Mitgeteilt werden muss sowas daher auf jeden Fall. Die Frage ist nur wann. Der richtige Zeitpunkt ist vielleicht, wenn man deutliche Interessens- oder sogar schon Verliebtheitssignale beim Gegenüber feststellt, also etwa körperliche Annäherungsversuche.
 
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  • #10
@#7: Du vergisst, dass in einer Partnerschaft nicht nur der Kranke ein Recht auf Glück und Zufriedenheit hat. Der (die) Andere ist ganz genauso wichtig und hat es nicht verdient, dass eine so wichtige Sache verschwiegen wird.
Angela
 
  • #11
Ich finde, nicht offen sichtbare Krankheiten oder Behinderungen gehen fremde Personen (inkl. Kollegen und Freunde) nicht zwingend etwas an. Onlinedating sollte man wie ganz normales Dating handhaben und wer jemanden in freier Wildbahn kennenlernt, anmacht, datet, sich verliebt, der kriegt solche Krankheiten oder Behinderungen auch nicht gleich gesagt.

Der springende Punkt ist eben "fremde Person": Ab wann bezieht man einen Person in so intime Dinge wie Krankheiten und Behinderungen mit ein, aber wann ist jemand "vertraute Person"? Genau das ist die Frage, um die es eigentlich geht. Spätestens wenn es zu Intimitäten kommt, man sich küsst, man sich als Paar fühlt (!), dann sollte man auch über intime Dinge wie Krankheiten und Behinderungen sprechen -- dieses Recht hat der Partner einfach. Wer nach der ersten Nacht noch viele Wochen oder gar Monate mit der Wahrheit wartet, der begeht einen Fehler. Man muss vielleicht aber auch nicht den ersten verliebten Tag danach mit Krankheitsgerede belasten -- ich kann mir vorstellen, dass es für Betroffene wirklich schwierig ist, hier den richtigen Punkt zu erwischen.

Mir persönlich wäre es aber sicherlich am liebsten, wenn er spätestens nach dem ersten Kuss oder noch vor der ersten Nacht damit herausrücken würde. Das würde ich einfach anständig finden. Hier stimme ich #8.2 ThomasHH wirklich zu.
 
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  • #12
Also bei mir würdest du auf Verständnis stoßen!

Allerdings könnte ich mit einem menschen der mir von Anbeginn von seiner Krankheit berichtet besser umgehen.

l.g. aus Bayern
 
  • #13
@#10: Dann sind wir uns einig mit dem Zeitpunkt. Meiner Meinung nach ist das für beide ein guter Kompromiss. Der Erkrankte kann zu diesem Zeitpunkt schon hoffen, dass das Gegenüber innerlich vielleicht schon so weit ist, über seinen Schatten zu springen und mit der Krankheit zu leben. Andererseits, wenn sich der Kontakt doch gegen die Beziehung entscheidet, ist die Enttäuschung und Falltiefe in diesem Stadium noch nicht so groß.

Ein anderer Punkt ist: Welche Krankheiten sollte man kommunizieren und welche nicht? Schilddrüsenunterfunktion und Migräne bei Frauen ist sicherlich nicht der Rede wert. Krebs, MS und Parkinson schon. Dazwischen gibt es aber eine große Grauzone.
 
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  • #14
Ich war sehr krank, bin sozusagen nochmal von der Schippe gesprungen und bin jetzt geheilt. Ich gehe da auch sehr offen damit um, denn ich denke, mein Gegenüber hat sehr früh ein Recht darauf zu wissen, was mit mir los war bzw. los ist. Wie sollen sonst Ehrlichkeit und Vertrauen wachsen können?!
 
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  • #15
Christina 56
@13 Ich sehe das so wie Du.Ich möchte schon wissen, ob jemand einen insulinpflichtigen Diabetes , Asthma oder oder einen Bypass hat.Bekomme ich ja doch früher oder später mit. Da ist es schon gut, wenn man denkt, dass sich eine Beziehung entwickelt, das diese wichtigen Dinge angesprochen werden.Ich sehe das als eine gewisse Achtung dem anderen gegenüber an.
 
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