• #1

Ist es fair zu sagen: „Ich mache mir Sorgen um Dich?“

Hatte vorgestern ein Telefonat mit einem Freund. Ein Bekannter von ihm hat sich in den letzten Monaten verändert, aus der Gesellschaft zurückgezogen. Er sei eh immer ein bisschen „auffällig“ gewesen. Kenne ihn nicht. Es besteht kein persönlicher Kontakt mehr, Telefonate werden nicht angenommen, nur noch sporadisch WA. Aus dem Umfeld zeigen sich Gründe für eine depressive Veränderung.

Da ich selbst derzeit (einige kennen mein letztes Thema) in einer ähnlichen Lage bin, kamen wir auf die obige Frage.

Wir haben uns beide entschieden (ich vor Monaten), der entsprechenden Person eine Nachricht zu schicken, in dem wir unsere Sorgen ausgedrückt und Unterstützung angeboten haben. Beide erhielten wir keine Antwort. Für mich war das aus der speziellen Situation heraus okay. Ich wollte bei ihr eine Sensibilität erreichen. In dem „keine Antwort“ sehen wir beide eine Bestätigung für unsere Sorgen.

Wie fühlt sich aber der Empfänger bei dieser Nachricht?

Setze ich ihn unter Druck? Wie würdet ihr reagieren, wenn die Bedenken gerechtfertigt sind und wie wenn nicht? Kann man eine Antwort „erwarten“?

Wird es als übergriffig empfunden, weil der Andere es so verstehen kann, dass ich ihm nicht zutraue allein mit seinen Problemen fertig zu werden?


Wir gehen davon aus, dass man zu dieser Person einen so „guten“ Zugang hat/hatte, dass man es „sehen“ und ansprechen kann, kein Wald-und Wiesenkontakt. Ich habe diese Art der Ansprache zuvor noch nie gewählt.

Ich habe selbst vor 10 Jahren völlig unerwartet eine Freundin (37) durch Suizid verloren, die als überaus lebenslustige Frau in eine tiefe Depression gerutscht ist und sich in einer Klinik fernab der Heimat (sie war überregional bekannt) das Leben nahm. Wenige Monate zuvor hatten wir uns auf einer Veranstaltung gesprochen und sie sprach das Thema „Depression“ an. Ich erkannte keinen Zusammenhang. Leider wurde unser Gespräch von außen unterbrochen, nie wieder fortgesetzt.

Um euch gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen. Nein, ich habe keinerlei Schuldgefühle aus dieser Situation heraus, es geht mir auch nicht darum jemanden „zu retten“. Ich weiß, dass ich das nicht kann. Wenn jemand das Spiel beenden will ist es für mich okay.

Es wäre schön, wenn ihr euch auf die Fragen im Text konzentriert.
 
  • #2
Setze ich ihn unter Druck? Wie würdet ihr reagieren, wenn die Bedenken gerechtfertigt sind und wie wenn nicht? Kann man eine Antwort „erwarten“?

Wird es als übergriffig empfunden, weil der Andere es so verstehen kann, dass ich ihm nicht zutraue allein mit seinen Problemen fertig zu werden?

Ich kann nur für mich persönlich sprechen, ich kenne die Situation von der anderen Seite.

Ich hätte mich nicht bedrängt gefühlt.
Es hätte mich berührt, da denkt jemand an mich.

Allerdings, und das wird Dich nun evtl. nicht beruhigen, in Phasen, wo es mir so einigermaßen ging, hätte ich mich mit Danke, passt alles gemeldet, vielleicht mit einem Naja...

In den Zeiten, wo ich eigentlich jemanden gebraucht hätte, habe ich geschwiegen.
Ich wollte nicht lästig werden, belasten...

Da war es gut, dass es tatsächlich Freund*innen gab, die auf einmal da waren, plötzlich an der Tür. Auf einen Kaffee, so ganz zufällig 😉.

Allerdings auch, die Gratwanderung ist schwer, ich war zwar dankbar für Unterstützung, mir war es aber auch wichtig, es für mich zu schaffen. Ich brauchte das Gefühl, noch atmen zu dürfen, ohne Panik auszulösen.

Dies ein bisschen zu Deinem anderen Thread. Ich hoffe, Du verstehst - und nicht als Angriff.

Nein, und verhindern kann es von außen niemand.
Es hilft aber, wenn man solche Gedanken aussprechen kann, es gilt schon, solange man redet, tut man es nicht.

W, 51
 
  • #3
Die eigene Sorge anzusprechen finde ich normal bis liebevoll - vorausgesetzt, die Person, um die ich mich in dem Moment sorge, stand mir einmal sehr nahe.

Kommt keine Reaktion - sollte das aber akzeptiert werden. Denn es könnte ja sein, dass sie (also vermutlich in diesem Fall deine Ex) wirklich den umkehrlosen Abstand zu dir sucht. Ein weiteres Mal würde ich, an deiner Stelle, also nicht nachfragen.

Selbst wenn das bedeuten (könnte), dass sie - die Ex - gerade in einer misslichen Situation ist und dringend Hilfe brauchen würde. Als Erwachsene sollte sie das aber selbst entscheiden dürfen. »Keine Antwort« kann auch »kein Interesse« bedeuten. Das wäre zu respektieren.
 
  • #4
Ein französisches Reporter-Team hat Amy Winehouse am Ende eines Interviews die besorgte Ansage, doch auf sich aufzupassen, mitgegeben. Winehouse hat das als übergriffig empfunden und sinngemäß geantwortet, man solle sich um seinen eigenen Kram kümmern. Nicht viel später war sie tot.

Du hat es nicht in der Hand, wie der Betreffende eine besorgte Nachricht und Unterstützungsangebot aufnimmt. Du hast Dich bemüht. Mehr kannst Du nicht machen.
 
  • #5
Ich hatte eine lange, sehr schlechte Phase und ich hätte mich bedrängt, bzw. unter Druck gesetzt gefühlt, dass ich die Kraft, die ich nicht mehr hatte aufbringen muss um andere zu befriedigen sich keine Sorgen mehr zu machen, statt die Restfragmente für mich nutzen zu können, damit ich eine Chance habe da raus zu finden.

Ich habe einen strikten Begriff von Intimsphäre (Amy-Winehouse-Typ), d.h. wenn ich mit wem reden will, dann tu ich das, wenn ich es nicht will, dann möchte ich nicht unter Druck gesetzt werden.
Wenn es einem so richtig schlecht geht, kann eh kein Laie was machen und man setzt sich besser mit einem Profi zusammen und geht die Sache an - ist in dem Fall so, den Du beschriebst, der dann im Suizid endete. Da kann eine falsche Intervention (Laiengespräch) eher eine gefährliche Krise auslösen.

"Ich mache mir Sorgen um Dich" klingt für mich so bevormundend. Vielleicht eine andere Formulierung "ist alles ok bei Dir? Ich habe den Eindruck ....", also konkret werden was Du siehst und damit auf Augenhöhe bleiben, statt sich väterlich-entmündigend drüber erheben.
 
  • #6
Wie fühlt sich aber der Empfänger bei dieser Nachricht?
Das kommt darauf an, wie er dich sieht oder das Verhältnis zu dir. Du findest es gut, er vielleicht schlecht.
Setze ich ihn unter Druck? Wie würdet ihr reagieren, wenn die Bedenken gerechtfertigt sind und wie wenn nicht? Kann man eine Antwort „erwarten“?
Wenn du nur einmal nachfragst, setzt du niemanden unter Druck. Wenn er durch dich genervt ist, wird er evtl. gar nicht reagieren oder kurz sagen, nee, passt schon alles, alles ok.
Antworten erwarten kann man nicht.

Ich war schon einmal in einer Lage, die mich überfordert hat und war froh, dass Freunde einfach da waren und dort geholfen haben, wo es nötig war. Sie haben ganz konkret geholfen (und sind nicht zum labern gekommen, was mich noch mehr überfordert hätte).
Wird es als übergriffig empfunden, weil der Andere es so verstehen kann, dass ich ihm nicht zutraue allein mit seinen Problemen fertig zu werden?
Laberei und ständige Diskutiererei, wenn ich es nicht will, empfinde ich als übergriffig.
Übergriffig ist für mich auch jemand, der mir ständig sein eigenes Weltbild aufschwätzen will, obwohl ich ein anderes habe.
Einer, der meint, dies und jenes wäre jetzt gut für mich, obwohl ich etwas anderes möchte.

Es ist durchaus möglich, dass du die ungeeignete Person in diesem Moment für jene Person bist. Du könntest dann vielleicht jemand anderen hinschicken, der ebenfalls zu dem Bekanntenkreis gehört. Vielleicht öffnet diese Person sich ihm gegenüber anders.
 
  • #7
Ich selbst habe eine Depression nur kurz gestreift und hätte in der Zeit bei meinen Menschen kurz reagiert.

Eine Freundin von, hatte es stärker getroffen.
Da war in der Zeit bei: sie hätte das innerlich als übergriffig sehen können oder auch...sie las aber war unfähig zu reagieren.

Was ich hätte nie tun dürfen, wäre genauer auf das Thema einzugehen.
Höchstens ein
Denke an Dich, kannst Dich immer melden
Aber ich lass Dich bis dahin in Ruhe

Mehr wäre ihr zuviel gewesen
 
  • #8
Wie fühlt sich aber der Empfänger bei dieser Nachricht?
Kommt darauf an wer es sagt und in welchem Zusammenhang.
"Ich mach mir Sorgen um dich" löst bei mir persönlich massiven Widerstand aus.
Ich hatte es schon erlebt.
Was sollte ich damit anfangen?
Es wird einem aufgedrückt, dass man anscheinend gerade so schräg rüberkommt, dass der andere es kaum aushält.
Und der Satz bietet einem auch nichts.
Es soll eine Verhaltensänderung bedingen, meistens.
Beispiel: Person A meldet sich nicht, Person B schreibt in die Konversationspause diesen Satz und will, dass man sich meldet. Dann ist ja alles wieder gut.

Besser wäre: ich hab schon lange nichts mehr von dir gehört. Hoffentlich geht's dir gut? So oder so, du kannst dich jederzeit bei mir melden.

Wie würdet ihr reagieren, wenn die Bedenken gerechtfertigt sind
Leider gar nicht, zu wenig Motivation und Nerven auf Diskussion.
Wenn nur dieser Satz gesendet wird? Also von mir nicht.
Vielleicht noch ein störrisches " ach was"

Ich finde es wäre ehrlicher mehr zu schreiben warum man es so einschätzt. Wie man helfen möchte

Wenn aber die psychische Verfassung sehr schlecht ist, dringt man kaum durch.
Es ist ja gerade die ( tatsächliche oder gefühlte) Perspektivlosigkeit die so lähmt.

Melde dich trotzdem, deiner selbst willen. Aber mehr als ein Satz sollte es denke ich sein.

Das sind ja auch nur meine Wahrnehmungen.
Vielleicht fühlt ein andere sich endlich erkannt und berührt. Keine Ahnung
 
  • #9
Auf mich löst diese Frage auch eher Beklemmung bzw. Abwehr aus.
Wenn's ein Freund ist, würde ich den Kontakt aufrecht erhalten, ...würde ich schauen, dass man etwas unternimmt, ...würde ich die Möglichkeit schaffen, dass er reden kann, falls er möchte.
Das Aussprechen, des sich Sorgen machen, drückt den Beladenen vielleicht noch weiter runter.
Bei einem Bekannten würde ich gar nichts tun.
 
  • #10
Laberei und ständige Diskutiererei, wenn ich es nicht will, empfinde ich als übergriffig.
Übergriffig ist für mich auch jemand, der mir ständig sein eigenes Weltbild aufschwätzen will, obwohl ich ein anderes habe.
Einer, der meint, dies und jenes wäre jetzt gut für mich, obwohl ich etwas anderes möchte.
Das ist für mich ebenfalls übergriffiges Verhalten, sich Sorgen zu machen hingegen nicht.

Natürlich kommt es auch immer darauf an, ob es ein Freund oder nur Bekannter ist. Bei Bekannten würde ich vermutlich auf engere Freunde/ Familie zugehen und ihnen meinen Eindruck schildern.

In dunklen Zeiten nicht auf Nachrichten zu antworten, ist vielleicht nicht höflich, aber nicht ungewöhnlich. Habe ich auch schon so gemacht. Manchmal ist es auch so, dass man selbst nicht weiß, was gerade los ist und Zeit für sich braucht. Es tut aber gut zu wissen, dass es Leute gibt, die für einen da wären.
 
  • #11
Ich kenne das auch von früher, als ich nett gemeint schrieb: Hey lange nicht gehört, mache mir Sorgen. 2x gab es eine sehr deutlich widerwillige Reaktion, dass man schon im Leben erwachsen ist und weiß, zu handeln; es auch nicht Absicht wäre, anderen Sorgen zu breiten, aber es letztlich einen nichts anginge, was Sorgen rechtfertigen würden.
Die Wortwahl ist es einfach. Und manchmal schwierig den richtigen Ton zu treffen, aber nachdem mir das zweimal so gegangen ist und ich mich mit anderen über die Wortwahl, wie hier im Forum ausgetauscht habe, wähle ich andere Worte, die das Gleiche bedeuten, aber dem anderen seine Autonomie belässt, immer noch für sich selbst zu entscheiden und nicht aufgrund einer formulierten Erwartung sich gezwungen sieht, reagieren zu müssen.
 
  • #12
Das ist eine schwierige Frage. Es ist sicherlich von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Es gibt Menschen, die würden sich bedrängt fühlen. Andere würden sich freuen. Ich kenne allerdings diese Situation auch, dass man auf ein bestimmtes Thema reduziert wird und alle relevanten Kontakte und Konversationen laufen dann nur noch über dieses eine Thema. Das finde ich nicht gut und würde mich bedrängt fühlen. Falls Ihr Freunde seid, kannst Du dieser Person schreiben. Einfach nur ein kurzes Hallo und dass du an sie/ihn denkst.
 
  • #13
Ein französisches Reporter-Team hat Amy Winehouse am Ende eines Interviews die besorgte Ansage, doch auf sich aufzupassen, mitgegeben. Winehouse hat das als übergriffig empfunden und sinngemäß geantwortet, man solle sich um seinen eigenen Kram kümmern. Nicht viel später war sie tot.

Du hat es nicht in der Hand, wie der Betreffende eine besorgte Nachricht und Unterstützungsangebot aufnimmt. Du hast Dich bemüht. Mehr kannst Du nicht machen.
So sind sie, nicht alle aber viele, Suchtkranke und Coabhängige.

Auch hier sind ja einige Relativisten von Suchtthemen, Missbrauch und psychischen Problematiken emsig am Werk und verteilen z.T. toxische Tipps die zum Verbleiben in Sucht und destruktiven Verhaltensweisen animieren sollen.

Immerhin musste sich das Kamerateam anschließend nicht vorwerfen lassen nichts gesehen, nichts gehört und nichts gesagt zu haben.

Aus dem Grunde zücke ich bei solchen Themen auch unerschrocken weiterhin meine Moralinpistole wenn ein Relativist um die Ecke kommt.

Unabhängig davon wenn ich mir Sorgen mache teile ich das auch mit, kümmere mich auch weiter gehend. Ich akzeptiere aber auch wenn ich dann zurück gewesen werde und moralisiere dann natürlich nicht.

Darüber wie der Empfänger darüber nachdenkt denke ich in der Regel erst nach seinem Feedback nach.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #14
Ich mag die Formulierung auch nicht. Möglicherweise liegt das daran, dass ich sie nur von meiner Mutter kenne und da nur mit extremem Augenrollen ertrage.

Für mich schwingt darin etwas Überhebliches mit, im Sinne von „Du bist auf keinem guten Weg, und ich zeig dir mal wie du es richtig machen musst“.

Es handelt sich ja um erwachsene Menschen, die in der Regel wissen was sie tun. Und wenn ich tatsächlich Schwierigkeiten habe, dann will ich vielleicht durchaus darüber reden, aber nicht mit jemandem, der „mir dann den rechten Weg“ zeigt. Denn dann bin ich von Anfang an nicht auf gleicher Augenhöhe - ich bin die Bedürftige und du der Retter. Gefällt mir nicht.
w45
 
  • #15
Lieber @Kimi 48,

erstmal finde ich es generell toll, wie aufmerksam du dich gegenüber deinen Mitmenschen verhältst. Auch in diesem Fall schätze ich deine gute Absicht, würde aber auch zu einer anderen Wortwahl als "Ich mache mir Sorgen um dich" raten.

Würde ich gerade in einer Depression stecken (und das hab ich schon hinter mir), in der ich alles als sinnlos und mich selbst als Last empfinde, und bekäme diese Aussage von einem Bekannten, würde ich mir denken: "Toll, jetzt geht's auch noch anderen schlecht wegen mir. Die Welt wäre wirklich besser dran ohne mich..."

Es würde die negativen Gefühle also verstärken, nicht mindern. Meine Probleme gefühlt vermehren, statt sie zu reduzieren. Ich bekäme ein schlechtes Gewissen und würde mich zu dem immensen Kraftakt genötigt fühlen, diese Sorgen nun entweder ausräumen oder mich der Person offenbaren zu müssen. Wobei letzteres bei einem nur-Bekannten nie infrage gekommen wäre.

Daher meine Frage: Hat diese Person, um die es bei dir geht, denn keine engeren Kontakte als euch Bekannte? Familie, beste Freundin, Partner...? Solche Menschen hätten eine wesentlich höhere Chance, zu ihr durchzudringen.

Bei mir zumindest haben es damals nur mein Vater, der selbst depressiv gewesen war und folglich genau erkannte, was los war, und meine beste Freundin geschafft. Und das auch nur, weil sie einfach nicht locker gelassen haben mit ihren Kontaktaufnahmen, Besuchen und Gesprächen. Eine gewisse Übergriffigkeit, oder vielmehr erzwungener Antrieb von außen, habe ich damals gebraucht, um dann selbst den entscheidenden Schritt zur Lösung machen und eine Therapie anfangen zu können.

Aber das hätte niemals funktioniert, wenn es von einem Bekannten gekommen wäre (oder wie bei Amy Winehouse von einem komplett Fremden - da hätte ich auch total abgeblockt). Diese können meiner Meinung nach maximal ehrlich interessiert nachfragen, wie es einem geht, und sich zB für Gespräche (eher nicht für "Hilfe" oder "Unterstützung", denn das zieht schon wieder eine Hierarchieebene ein zwischen dem "Starken" und dem "Schwachen" ein) anbieten.

W, 27
 
  • #16
Naja, die Aussage "Ich mache mir Sorgen um dich" ist für jemanden, der gerade in einer wirklich schweren Depression steckt nicht hilfreich.
Ich konnte es lange Zeit nicht wirklich nachvollziehen, bis ich selber einmal ganz tief drin steckte...
Ich reagierte auf gar nichts. Keine Anrufe, keine Nachrichten, öffnete die Tür nicht. Ich wollte mit niemanden reden, jeder Kontaktversuch "stresste" mich noch weiter und zog mich weiter runter, auch wenn es gut gemeint war.

Wie fühlt sich aber der Empfänger bei dieser Nachricht?
Nicht gut. Steckt man einmal so tief drin fehlt einem die Kraft, der Antrieb, die Motivation darauf zu antworten. Man möchte niemanden zur Last fallen, aber erhält indirekt den Vorwurf, dass es einer anderen Person schlecht geht bzw. sich wegen einem sorgt. Man fühlt sich eh schon schlecht, unbrauchbar, wertlos etc. Außerdem wird einem indirekt unterstellt nicht selbst klar kommen zu können und man seinen bedauernswerten Zustand bereits nach außen trägt.
Setze ich ihn unter Druck? Wie würdet ihr reagieren, wenn die Bedenken gerechtfertigt sind und wie wenn nicht? Kann man eine Antwort „erwarten“?
Du kannst darauf keine ehrliche Antwort erwarten, wenn es der Person wirklich sehr sehr schlecht geht.
Das Einzige was man machen kann wäre z.B. etwas in der Richtung zu schreiben, dass man an die Person denkt und bei Redebedarf gerne jederzeit zur Verfügung steht oder irgendetwas Positives erwähnen, was man an der Person schätzt oder sowas.
Wird es als übergriffig empfunden, weil der Andere es so verstehen kann, dass ich ihm nicht zutraue allein mit seinen Problemen fertig zu werden?
Das wird vermutlich unterschiedlich wahrgenommen. Ich persönlich lasse mir Schwäche nicht anmerken bzw. versuche sehr sehr lange die Fassade "Alles ist super" aufrecht zu erhalten bis ich zusammenbreche, dann ziehe ich mich zurück und möchte keinen Kontakt zu irgendwem und einfach für mich alleine sein. Es ist mein Problem und nur ich kann daran etwas ändern.
Als es mir ein wenig besser ging, konnte ich auch wieder mit anderen reden. Aber dazu musste ich erstmal selbst wieder aus dem düsteren Loch finden.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #17
Vielen Dank für Eure Antworten. Das deckt sich weitgehend mit meiner Meinung. Bin überrascht wie viele von Euch schon (selbst) damit in Berührung gekommen sind.

Ich habe einen strikten Begriff von Intimsphäre (Amy-Winehouse-Typ),
Intimsphäre = Amy-Winehouse-Typ ist für mich ein Widerspruch. Amy W. war eine Person des öffentliches Lebens und hat sich m.M.n. als solche vermarktet/ vermarkten lassen. Sie hat mit dem Image einer BPD bewusst gespielt und sich so irgendwann verloren. Dann bist Du schon eher der Jennifer-Nitsch-Typ würde ich sagen.


Beispiel: Person A meldet sich nicht, Person B schreibt in die Konversationspause diesen Satz und will, dass man sich meldet. Dann ist ja alles wieder gut.

Nein, nein, es gibt schon eine Vorgeschichte. Und nur weil Du Dich wochenlang nicht bei mir meldest @Liviana, schreibe ich Dich niemals so an. Das wäre ja albern.


Wenn nur dieser Satz gesendet wird? Also von mir nicht.
Vielleicht noch ein störrisches " ach was"

Ich habe in diesem Fall ein communication skill (SET) aus der Borderlinewelt verwendet. Also 3-4 möglichst kurze klare Sätze, die Dein Gegenüber schnell erfasst, auch wenn er/sie die Nachricht "gar nicht" gelesen hat.
 
  • #18
Es würde die negativen Gefühle also verstärken, nicht mindern. Meine Probleme gefühlt vermehren, statt sie zu reduzieren.
Das sehe ich ähnlich. Wenn du schreibst, ich mache mir Sorgen, dann geht es um dich und um deine Bedürfnisse und nicht um die Person, die gerade ein Problem hat. Die Formulierung ist sehr wichtig und muss neutral sein. Das letzte was ein depressiver Mensch hören möchte, sind irgendwelche gutgemeinte Ratschläge und Sorgenbekundungen.
 
  • #19
Für mich schwingt darin etwas Überhebliches mit, im Sinne von „Du bist auf keinem guten Weg, und ich zeig dir mal wie du es richtig machen musst“.

Du sprichst genau das an, was ich vermeiden will. Das ist dieses Vabanquespiel. Aber letztlich weiß nur ich wie ich die Worte meine. Wie der andere es aufnimmst liegt nicht in meiner Macht.

Denn dann bin ich von Anfang an nicht auf gleicher Augenhöhe - ich bin die Bedürftige und du der Retter.

Genau darum geht es: Augenhöhe!
 
  • #20
Auch ich bin ein Mensch, der sich zurückzieht und sehr gerne alleine sein kann, besonders wenn es mir schlecht geht. Ich habe Gott sei Dank keine Erfahrungen mit Depressionen. Wenn es mir nicht so gut geht, brauche ich keinen. Auch keinen Anruf und keine Nachrichten. Jetzt ist es sogar noch so bei mir, dass ich froh bin, wenn ich von irgendwas nach Hause komme, wenn ich sehe, es hat keiner angerufen.
Dieses "Ich mache mir Sorgen um Dich" würde mich nicht weiter stören, käme es von einem Bekannten, Freund oder Kollegen oder gar von meinem Sohn. Dann würde ich mich kurz zurückmelden und alles ist gut. Ich finde, das ist ein netter Zug. Ich würde sowas auch machen, wenn mir etwas komisch vorkommt.
Als Jugendliche oder ganz junge Frau hatte ich mich tatsächlich bevormundet bzw. erdrückt gefühlt, man traut mir nichts zu.
Meine Mutter und meine Schwester, sie ist etwas älter als ich, hat das manchmal noch drauf. Dann beachte ich das nicht groß.
Aber in Deinem Fall @Kimi 48 ist das eine sehr menschliche Geste.
 
  • #21
Wie fühlt sich aber der Empfänger bei dieser Nachricht?
Hm, das ist vermutlich ganz unterschiedlich. Bei echten Depressionen ist einem das egal. Würde ICH sagen.
Bei nur verbitterten Leuten würde ich sagen, machen die eine innere höhnische Bemerkung, dass die Sorgenmacher sich ja früher auch nie interessiert haben, als es dem Verbitterten schon schlecht ging. Für den sind ja alle anderen schuld an allem.

Manche werden auch denken, dass ihr nichts tun könnt, und dann fehlt der Nerv, es wichtig zu finden, das Angebot höflich abzulehnen.

Mit Hilfsangeboten KANN (nicht muss) man auch den anderen kleinmachen. Also Menschen mit sehr viel Stolz wollen sowas gar nicht annehmen, weil sie nicht das "Sorgenkind" der Freundesgruppe werden wollen. Es muss nicht sein, dass die anderen das so sehen. Aber es KANN sein, dass das Kleinmachen nicht erkennen, weil sie blind sind dafür, wie sie doch auf den Hilfebrauchenden heruntersehen, und das nicht mal in böser Art. Der zählt einfach nicht dazu, automatisch, und wird, wenn die Hilfeanbieter mal Hilfe brauchen, z.B. nicht gefragt, weil er den unsichtbaren Stempel "der Schwächste" hat.

Ich hatte eine lange, sehr schlechte Phase und ich hätte mich bedrängt, bzw. unter Druck gesetzt gefühlt, dass ich die Kraft, die ich nicht mehr hatte aufbringen muss um andere zu befriedigen sich keine Sorgen mehr zu machen, statt die Restfragmente für mich nutzen zu können, damit ich eine Chance habe da raus zu finden.
Beachtenswerter Punkt.
Vor allem will man manches auch nicht haarklein erzählen, weil es zu privat ist.

"Ich mache mir Sorgen um Dich" klingt für mich so bevormundend. Vielleicht eine andere Formulierung "ist alles ok bei Dir?
Finde ich auch besser.

Ich finde aber gut, dass Du Dir Gedanken machst. Es darf nur nicht so sein, dass Du, weil Du Hilfe anbietest, meinst, dann auch entscheiden zu können, was das Beste für den anderen ist, und ihn daraufhin bearbeiten wollen würdest.
Und ich finde, man muss selbst sehen, ob man so ein guter Bekannter ist, dass man vom anderen überhaupt vermuten kann, dass er sich öffnen will. Soll nicht heißen, dass man nicht Hilfe anbieten kann, aber vorsichtig, die Distanz, die da ist, respektierend.
 
  • #22
Ich hatte eine lange, sehr schlechte Phase und ich hätte mich bedrängt, bzw. unter Druck gesetzt gefühlt, dass ich die Kraft, die ich nicht mehr hatte aufbringen muss um andere zu befriedigen sich keine Sorgen mehr zu machen, statt die Restfragmente für mich nutzen zu können, damit ich eine Chance habe da raus zu finden.

Ich habe einen strikten Begriff von Intimsphäre (Amy-Winehouse-Typ), d.h. wenn ich mit wem reden will, dann tu ich das, wenn ich es nicht will, dann möchte ich nicht unter Druck gesetzt werden.
Wenn es einem so richtig schlecht geht, kann eh kein Laie was machen und man setzt sich besser mit einem Profi zusammen und geht die Sache an - ist in dem Fall so, den Du beschriebst, der dann im Suizid endete. Da kann eine falsche Intervention (Laiengespräch) eher eine gefährliche Krise auslösen.

"Ich mache mir Sorgen um Dich" klingt für mich so bevormundend. Vielleicht eine andere Formulierung "ist alles ok bei Dir? Ich habe den Eindruck ....", also konkret werden was Du siehst und damit auf Augenhöhe bleiben, statt sich väterlich-entmündigend drüber erheben.
Das wäre bei mir ähnlich. Verhälrnismäßig konkret gefragt würde ich am ehesten noch was damit anfangen können. Im Sinne von "Ich habe den Eindruck, dir geht es nicht gut." Eventuell sogar noch konkreter. Ne depressive Person kann vielleicht mit einer Aussage über eure oder deine Gefühlswelt nichts mehr anfangen. Sich über deine Gefühlswelt Gedanken zu machen - also so ungefragt und spontan - könnte in der Tendenz schon wieder als Überforderung aufgenommen werden, könnte ich (jedoch eher ahnungslos) mir vorstellen. Wenn man aber dabei bleibt, was man beim anderen wahrnimmt kommt dieser gar nicht erst in Verlegenheit dich quasi (rein von der Redefloskel und der Standardfrage aufs Wie geht's - Gut... Is ja immer "Gut") "beruhigen" zu wollen und dafür lügen zu müssen. Vielleicht hilft auch ne Frage/Aussage, die ganz leicht auch aus der Reserve lockt. Sowas wie "Ich habe beobachtet, dass du... Vielleicht habe ich das auch falsch beobachtet, aber kann es sein, dass es dir grad nicht gut geht?" Da die Unfähigkeit Entscheidungen zu treffen in depressiven Phasen wohl auch flöten geht, würde ich nicht zu viele oder wenige offeme Fragen stellen evt. Z.B. später "Ich habe zu viel Kuchen gebacken, der wird mir schlecht. Ich möchte dir gern ein paar Stücke vorbeibringen. Würde dich das stören?" Aber ich kenne die die bekannte Person natürlich gar nicht. Vielleicht ist sie gar nicht der Typ für so was. At sie allerdings grad ne Depression kriegt sie evt. den Alltag auch nicht hin. Also bestimmte Selbstverständlichkeiten wie dir sofort die Tür aufzumachen, kannst du dann nicht voraussetzen. Je nachdem wie ausgeprägt sowas ist, werden alltäglichste Dinge nicht mehr bewältigt. Eine lockere Atmosphäre wäre da gut.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #23
Weshalb übermittelt Du und Dein Freund das, was Ihr durch Euer "Ich mache mir Sorgen um Dich" ausdrücken möchtet, denn nicht PERSÖNLICH? Weshalb via sms/ WA?!

Vor allem in so krassen Fällen, wo man wirklich eine echte Depression oder sogar Suizid vermuten kann, "klärt" man doch nichts durch so einen Satz, nicht nur digital.

Wieso ruft man nicht wenigstens an?!

(Bei einem Freund wäre eine schriftliche Nachricht hier viel zu wenig und völlig unangebracht. Und bei einem "entfernten Bekannten" kann man das doch gar nicht realistisch einschätzen.)

Übrigens: Wenn man wirklich ahnt, dass jemand ernsthaft Selbstmord vor hat, ruft man in Deutschland professionelle Hilfe! Derjenige wird dann in eine Psychiatrie gebracht, wenn auch die Seelsorger den Eindruck haben, es könne "Ernst werden" bei dem/derjenigen. Und dies wird selbst dann gemacht, wenn er/ sie sich wehren sollte. Dies gilt in Deutschland nicht als "Eingriff in die Privatsphäre": Ein Mensch hat offiziell nicht das "freie Recht", im Sinne von "nicht die freie Wahl", sich umzubringen.

Man geht davon aus, dass ein Mensch in dem Moment eines Selbstmord-Gedanken eine Psychose (die nur vorübergehend ist) haben kann. Man leistet ihm sozusagen Hilfestellung, dass er seinen (manchmal ja nur sehr kurzzeitigen) Drang, sich das Leben zu nehmen, NICHT vollziehen kann.
 
  • #24
Ich verstehe es nicht - die Person, um die es geht ist ein Bekannter von einem Freund? Wie gut kennst du ihn denn?
Ich finde es ehrlich gesagt, etwas übergriffig aber ich bin auch voreingenommen weil du der Frau aus deinen letzten Treads auch auf die Pelle gerückt bist ohne das sie das wollte.
Daher kommt mir schon wieder so ein "Edler Ritter in Rüstung der die Welt verbessern will"- Gehabe komisch vor.
Wenn es nur ein entfernter Bekannter ist dann kannst du ihn ja mal kontaktieren mit einem "Hallo wie geht's?, Weißt du schon mehr über Arbeit/Impfung..." oder sonst etwas.
Aber nicht dieses gönnerhafte Getue - bei mir würdest du totale Abwehrhaltung auslösen.
Und ja, ich habe auch Freunde durch Suizid verloren und bin sogar relativ feinfühlig was das angeht.
Aber dies scheint nur ein entfernter Bekannter zu sein und weil er einen anderen Lebensstil hat, ist er noch lange nicht gefährdet.
Und nur weil er sich nicht meldet, auch nicht.
Manche Menschen melden sich nicht mehr bei andern weil sie keinen Bock mehr auf den anderen haben - und nicht weil sie depressiv sind.
Es ist doch dasselbe mit Mann und Frau - meldet er oder sie sich nicht mehr, werden hier alle Analysen erstellt: Beziehungsunfähig, Borderliner, Narzisst, schwere Kindheit und blablabla. Das die Person einfach keine Lust mehr auf die andere Person hat, scheint hier oft nicht anzukommen.
Nur weil jemand keinen Kontakt will, ist er noch lange nicht krank! Ich denke mal das er oder sie zu 98% schlicht und ergreifend keinen Bock mehr hat und da dies nicht verstanden wird, wird halt auch von Aussprachen und allem abgesehen da es eh nur ein weiterer Ringeltanz ist. .
Nicht fair aber ich hatte auch schon so Männer irgendwann blockiert und fertig.

Vielleicht kannst du etwas mehr Auskunft geben und dann ändere ich meine Meinung gerne.
Aber im Moment und aufgrund deiner ewigen vorherigen Ausführungen aus den anderen Treads in denen du auch 1 Million Gründe hast warum du etwas besser über eine Person weißt als die Person selbst, finde ich es total daneben.

Vielleicht möchtest du mal aufführen warum du dir Personen aussuchst die du dann retten willst oder musst - wäre vielleicht auch interessant.
 
A

*a_n_s_i_n*

Gast
  • #25
Wie fühlt sich aber der Empfänger bei dieser Nachricht?
Wird es als übergriffig empfunden, weil der Andere es so verstehen kann, dass ich ihm nicht zutraue allein mit seinen Problemen fertig zu werden?

Das kommt vor allem auch darauf an, wer der Absender der Nachricht ist. Und ja, ich persönlich würde es als übergriffig empfinden, wenn Menschen, die nicht zu meinem engsten Freundeskreis gehören und zu denen ich schon lange gar keinen persönlichen Kontakt mehr habe, mir Nachrichten schicken, in denen sie äußern sich um mich "zu sorgen". Aber nicht aus dem Grund, den Du anführst, sondern weil ich mich fragen würde, was diese Person das angeht. Anders ist es natürlich bei engen Vertrauenspersonen, aber zu denen gehört Ihr hier ja beide nicht.

Das ist tragisch, dass eine Freundin von Dir Suizid begangen hat. Wenn ein Mensch das wirklich will, kann man ihn nicht davon abhalten, bestens temporär. Nicht wenige sind aus der psychiatrischen Abteilung einer Klinik gestiefelt und haben sich danach das Leben genommen. Weil sie es wollten.

Aber hier geht es ja nicht mal um Freunde, sondern um Bekannte, zu denen kein wirklicher Kontakt mehr besteht. Die wollen sicherlich alles, aber nicht DEINE "Sorge" oder die Deines Bekannten, den Du erwähnst... es kann durchaus auch nervig sein, jemandem als Fokus für sein Retter-Syndrom dienen zu müssen, vor allem wenn das so penetrant und merkbefreit angelegt ist wie bei Dir (ich beziehe mich auf Deinen anderen Thread).
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
A

*a_n_s_i_n*

Gast
  • #26
Ich verstehe es nicht - die Person, um die es geht ist ein Bekannter von einem Freund? Wie gut kennst du ihn denn?
Ich mußte das auch zwei Mal lesen, um es zu verstehen... es ist wohl etwas unglücklich beschrieben und handelt sich scheinbar um zwei verschiedene Personen...

Denn der FS schreibt ja zu dem Bekannten vom Bekannten:
Wenn ich ihn richtig verstehe, vermischt er hier zwei Themen, das des Bekannten vom Bekannten und sein eigenes aus seinem vorherigen Thread...
Wir haben uns beide entschieden (ich vor Monaten), der entsprechenden Person eine Nachricht zu schicken
Damit meint er wohl, dass der Bekannte seinem Bekannten eine Nachricht gechickt hat, und der FS dieser Frau aus seinem anderen Thread, in die er verliebt ist, die er sehr penetrant väterlich-freundschaftlich "therapieren" wollte, die aber nichts von ihm wissen möchte...
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #27
Eine starke Depression führt zur Antriebslosigkeit. Das bedeutet, oft können nicht mal mehr die grundlegendsten Dinge angegangen werden. Es könnte sein, dass die beschriebene Person jeden Anruf oder Kontaktversuch ignoriert. Weil es überfordert.
Wird es als übergriffig empfunden, weil der Andere es so verstehen kann, dass ich ihm nicht zutraue allein mit seinen Problemen fertig zu werden?
Nein, das denke ich nicht.
Ich denke, es wird so empfunden, dass sich andere Menschen sorgen. Das darf man auch zum Ausdruck bringen.
Es könnte aber sein, dass sich betreffende Person schämt. Zum Beispiel, weil alles schwer fällt. Weil sie Angst davor hat, dass andere merken, wie es in ihr aussieht und die Person dann erst Recht Nachteile erfährt, oder weil sie Angst hat, nicht verstanden zu werden in ihrer Lage usw. usf.
Dennoch muss man ja irgendwas tun, um der Person zu helfen, wenn diese das selbst nicht mehr kann. Das sollten dann am besten nahestehende Personen machen. Wenn entsprechende umsorgende Verwandtschaft nicht vorhanden ist, dann sind das natürlich Freunde. Aber auch beim Nachbarn kann man natürlich mal nachfragen, ob alles in Ordnung ist.

Ich würde anstelle des Freundes vorbeisehen und direkt Unterstützung anbieten. Zum Beispiel bei der Suche nach einem Therapieplatz, oder Terminvereinbarung beim Arzt (Falls nötig). Auch Begleitung anbieten.
Bei der Erledigung von Schriftverkehr usw.
Denn selbst das, wenn jene es wollten, kann in manchen Fällen nicht erledigt werden.
Ich würde aber vorher schreiben, dass ich vorbei komme, so dass die Person ausreichend Zeit hat, sich darauf vorzubereiten. Damit sie dann auch entsprechend die Tür aufmacht und nicht tut, als wäre sie nicht daheim.
 
  • #28
Kenne ihn nicht.

Wir haben uns beide entschieden (ich vor Monaten), der entsprechenden Person eine Nachricht zu schicken, in dem wir unsere Sorgen ausgedrückt und Unterstützung angeboten haben.

Wie fühlt sich aber der Empfänger bei dieser Nachricht?
Ich versuche gerade, mich hineinzuversetzen, dass ein Wildfremder mir Unterstützung anbietet, ohne mich oder meine Situation zu kennen. Eigentlich völlig übergriffig. Habe ich noch nie gehört.

Im Normalzustand würde ich mir Sorgen um denjenigen machen und meine Hilfe anbieten? Nein, bei Fremden sicher nicht. Der Sender hat bedauerlicherweise psychische Probleme, ein langweiliges Leben, meint, sich ungefragt einmischen oder bevormunden zu müssen. Mutter-Theresa-Syndrom? Verwählt?
Hängt wohl von der Person ab. Könnte die Situation verschlimmern.
Wird es als übergriffig empfunden, weil der Andere es so verstehen kann, dass ich ihm nicht zutraue allein mit seinen Problemen fertig zu werden?
Ja. Nein. Es geht Dich schlicht nichts an. Ich denke, wenn man zu einer wildfremden Person per WhatsApp Kontakt aufnimmt, weil man irgendetwas annimmt, muss man schon ziemlich gestört sein. Die Person ist einem dann ja nicht mal die Zeit und Mühe eines persönlichen Kontaktes wert.
Um euch gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen. Nein, ich habe keinerlei Schuldgefühle aus dieser Situation heraus,...
Ich denke, die solltest Du aber haben.

Übrigens: Wenn man wirklich ahnt, dass jemand ernsthaft Selbstmord vor hat, ruft man in Deutschland professionelle Hilfe! Derjenige wird dann in eine Psychiatrie gebracht, ...
Man stelle sich die Folgen vor, wenn jemand ungefragt wie @Kimi 48 jemand anderen in die Psychiatrie bringt, gerade, wenn die Person vielleicht wirklich gerade leichte Probleme hat. Der Makel dürfte nicht gerade helfen und den wird jemand empfinden, der sozusagen hineingezwungen wird.
Wir hatten hier neulich den Thread mit dem schlicht unerwünschten Kontakt früherer Bekannter....

Für mich ist völlig klar und normal, dass ich unter bestimmten Umständen die Freiheit haben möchte, mein Leben zu beenden. Wie kommt eigentlich ein Wildfremder auf die Idee, dass ihn das etwas angeht? Da kann es doch eigentlich nur um sein eigenes „sich besser fühlen“ auf meine Kosten gehen...
 
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  • #29
"Edler Ritter in Rüstung der die Welt verbessern will"- Gehabe komisch vor.
Hat als „betreutes Leben“ aber aktuell Konjunktur. Anderen erklären, was sie zu tun haben. Natürlich mit guter solidarischer Absicht...

Ich habe das Gefühl, ich bin aktuell gesellschaftlich von immer mehr Menschen umgeben, die ihr eigenes Leben nicht wirklich auf die Reihe bekommen und das kompensieren, indem sie sich ungefragt um andere kümmern, weil sie sich dann besser fühlen.

Ich persönlich empfinde diese „Solidarität“ als schreckliche Bedrohung meiner Freiheit. Ohne dass ich jetzt eine Impfdiskussion lostreten möchte, aber man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen - manche sind ernsthaft der Meinung, andere müssten sich aus unerklärlichen Gründen gegen irgendwas impfen lassen, obwohl sie selbst sich doch durch eine Impfung einfach schützen können. (Nein, ich bin kein Impfgegner, aber bei Bedrohung meiner Freiheit, das selbst entscheiden zu können, werde ich zu einem)

Und dann meinen sie, man müsse andere zu etwas zwingen, ohne dass überhaupt die Möglichkeit dazu besteht. Finde ich völlig irre. Kein Sommerurlaub für Familien, weil Kinder ja überhaupt nicht geimpft werden können, damit man ein paar Wirrköpfe zur Impfung zwingt?

Irgendwelche „christlichen“ Politiker stellen sich hin und meine, sich etwas Gutes tun zu müssen, indem sie Suizid einfach pauschal untersagen. Nur weil sie sich besser fühlen, wenn sie „Leben gerettet“ haben. Es gäbe doch genug Probleme in der Kirche zu lösen...

Wenn ich so sehe, wie es meinen Eltern am Lebensende ergangen ist, möchte ich das Recht auf einen wohlschmeckenden, sanften Schlummertrunk haben.

Also mich macht diese Entwicklung depressiv. Schon die Diskussion hat doch was Verrücktes. Da klingelt morgen einer an meiner Tür und sagt „Guten Tag, ich habe gehört, es geht ihnen nicht gut. Wollte ich mal prüfen und wenn sie jetzt nicht mit mir reden, rufe ich den psychiatrischen Notdienst“. Und fragt hier ernsthaft, wie ich mich dann wohl fühle?
Bei normalem Verstand ordne ich das als neue Masche der Zeugen Jehovas ein.
 
  • #30
Wir leben schon in komischen Zeiten.
Freiheit - bedeutet wenigen Menschen noch viel. Früher hiess es, wir brauchen Orgien. Heute heisst es, wir brauchen Regeln. Demnächst wohl noch zum Hintern Abwischen - angesichts des Klopapiernotstandes, der schon wieder am Horizont erscheint.
"Schöler, Sie werden emmer dömmer" sagt Prof. Schnauz in der Feuerzangenbowle. Können wir heute mit "Bürger" und mit hysterisch korrekt synonym bestücken.

Ist es fair, sich um Jemanden Sorgen zu machen ? Nun ja, wenn wir uns die Diskussionen um vernachlässigte Kinder, um alte Menschen, die Monate tot in ihren Wohnungen liegen und das Verhalten der Nachbarn ansehen .... ja, absolut fair.
Was bitte soll eine Belästigung an einer netten, kurzen Mail sein ? "Ich hab dich lange nicht gesehen, nix von dir gehört ... Geht es dir gut ?"
Klar, man schreibt nicht : "Hast du dich schon umgebracht? Oder hat dich deine Nichte ermordet ? Bist du so krank, dass du nicht mehr raus gehst ?" Aber ein kleiner, freundlicher Gruss schadet doch nicht .....
Ich verstehe es nicht - wir lassen uns Regeln vorschreiben und merken noch nicht einmal, dass wir dadurch die Fähigkeit einbüssen, kleinste persönliche Entscheidungen zu treffen. Merkt das ausser Lebenslust und mir denn niemand ?
 
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