• #1

Ist es Liebe?

Ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin aber hätte gerne eine Meinung.

Ich bin Ende 30/m und - auch wenns mir schwer fällt das zu sagen - hatte noch nie eine richtige Beziehung. Nicht dass ich keine wollte aber es kam einfach nie dazu. Bin weder hässlich, cholerisch, untreu etc.

Seit Februar habe ich jemanden kennengelernt und es war nicht Liebe auf den ersten Blick aber ein sehr angenehmes Gefühl von Verständnis und Zuneigung und das erste Mal, dass ich jemand bereit war sich zu öffnen. Das hatte ich vorher immer vermisst, viele Menschen tragen eine Maske.

Die Beziehung war von Anfang an sehr harmonisch, wir sind uns in vielerlei Hinsicht ähnlich, verstehen uns auch ohne viele Worte und haben einen ähnlichen Humor. Den Sex fand ich in Ordnung aber es fehlte das Prickeln. Wir waren gemeinsam in Urlaub und es war schön, ohne Streit, vielleicht ein bisschen zu ruhig - dachte im ich Nachhinein. Nun wollen wir zusammen ziehen. Allerdings kommt in mir, jetzt, wo der Umzug fast fertig ist, ein Zweifel auf.

Bei vergangenen Bekanntschaften war mehr Prickeln und Aufregung dabei und es war sexuell schöner - allerdings stellte sich dan nach einiger Zeit meist heraus, dass der Alltag eben nicht so gut funktioniert. Jetzt ist alles sehr harmonisch, wir streiten kaum, verstehen uns, geben einander etwas, den Sex empfinde ich eher routiniert und wir habe auch unterschiedlich oft Lust.

Ich frage mich, ob es Liebe ist oder ob ich mir unbewusst das nur einrede, um nicht allein zu sein. Oder hab ich einfach falsche/zu hohe Erwartungen? Sind wir uns vielleicht zu ähnlich?
Freunde in Beziehungen sagen mir immer, Verliebtheit und Sex - lässt alles über kurz oder lang nach, wenn man sich dann noch versteht, ist es auch eine gute Basis für die Zukunft. Oder gibt es einfach gar keine Beziehung, in der es emotional und sexuell optimal läuft?
 
  • #2
Was verstehst du unter einer richtigen Beziehung und warum waren es die vorherigen nach deiner Definition nicht?
Sonst: schwierige Frage. Klingt nach einer Freizeit- und Zweckbeziehung. Für mich wärs nix, wenn nie das Kribbeln und die Aufregung des Verliebtseins da war. Kann mir aber vorstellen, daß man irgendwann ein wenig resignierend sich damit zufrieden gibt. Aber ich denke, langfristig angelegt ist das dann auch nicht....
 
  • #3
Also ich kann nur von meiner Definition von Liebe ausgehen; für mich wäre es keine. Deine Freunde haben insofern Recht, dass das Begehren irgendwann nachlässt und freundschaftliche Vertrautheit stärker wird. Eine intensive sexuelle Phase zu Beginn (für mich ca. schon mind. 3 Jahre), die dann vielleicht gemütlicher wird, wäre für mich selber aber ein Muss, um eine gute Basis zu haben.
Davon zehrt man dann später, wenn das Fahrwasser etwas rauher wird.
 
  • #4
Vergiß es, es wird immer ein Defizit bleiben, wenn es sexuell nicht passt, egal wie gut ihr charakterlich harmoniert.

Am besten hättest Du mit dieser Frau nur eine Freundschaft, wäre für manche Paare auch besser gewesen, als sich in Beziehung zu verkrampfen. Viele meinen, Freundschaft ist fade, somit zwingen sie sich regelrecht zum Sex, obwohl das prickeln fehlt und es wird für beide ein Druck aufgebaut, welcher wirklich nur Stress ist.

Sinnlichkeit und Genuß beim Sex sind was anderes.

Laß Dir bitte nicht einreden, es gibt nur das eine oder das andere.
Entweder guten Sex oder gute charakterliche Übereinstimmung, das raten oft die ewig Enttäuschten oder anspruchsmäßigen Tiefstapler.

Du hast einfach die falsche Frau, es gibt die Frau, die sexuell mit Dir auf Wolke 7 schwebt und mit der Du Dich super gut verstehst, suche sie.....
 
  • #5
Lieber FS,

Liebe muß wachsen und lebt vom Verständnis füreinander und auch Harmonie. Entscheidend ist für das Wachsen eure Gesprächsbereitschaft und die Bereitschaft, den anderen zu entdecken. Auch die Sexualität, wo das Prickeln fehlt, ist eine Entwicklung, die man sich gemeinsam erobert und prickelnd werden kann. Prickeln und Aufregung ist kein Garant für eine sich entwickelnde Liebe. Liebe kann auch auf leisen Sohlen kommen und sich mit leisen Tönen bemerkbar machen. Meiner Meinung nach, sind viel zu viele Menschen auf ein bestimmtes Programm fixiert, welches statt zu finden hat und vorgaukelt, eventuell verliebt zu sein, oder zu lieben. In einer wirklichen Liebesbeziehung gibt es auch nicht den sogenannten Gewöhnungs- und Abnutzungsprozeß, weil beide offen für den anderen ist und immer wieder neu entdecken kann. Sexualität läuft optimal, wenn ihr euch auf einer geistigen Ebene sehr nahe seid, oder kommt.
Laß dich nicht von den Ratschlägen deiner Freunde irre führen und vertraue lieber deinem Gefühl, welches immer der beste Ratgeber ist und treffe entsprechend deine Entscheidungen. Viel Glück !
 
  • #6
Liebe Zartbitter,
Leidenschaft und Liebe bedingen sich nicht zwangsläufig. Wann immer ich leidenschaftlich verliebt war, starben die Beziehungen früher oder später. Ganz klar, wenn es in Kopf, Herz und Bauch kribbelt, man die ganze Welt rosarot sieht, verliert man häufig den Blick fürs Wesentliche.
Strohfeuer brennen heiss und verglühen so schnell wie sie entflammen.

Meine Ehe begann, emotional gesehen, wie die Beziehung welche Du beschreibst. Dieser wunderbare Mann ist in den folgenden 20 Jahren meine große Liebe geworden. Ich würde ihn für nichts in der Welt aufgeben.

Allerdings gestehe ich offen, dass mir das Gefühl der Leidenschaft von Zeit zu Zeit fehlt, damit wirst auch Du irgendwann konfrontiert sein.

Dieses intensive, gleichwohl oberflächliche Gefühl, lebe ich dann hin und wieder über Romanzen aus. Dies ist nicht jedermanns Sache aber Du solltest Dich damit auseinandersetzen, dass Du es irgendwann vermissen wirst und eine Strategie für Dich finden, wie Du dann damit umgehst.

Das was Du beschreibst klingt für mich nach der Chance für eine stabile, wachsende Liebe und ein glückliches Paarleben.
 
  • #7
Vergiß es, es wird immer ein Defizit bleiben, wenn es sexuell nicht passt, egal wie gut ihr charakterlich harmoniert.

Am besten hättest Du mit dieser Frau nur eine Freundschaft, wäre für manche Paare auch besser gewesen, als sich in Beziehung zu verkrampfen. Viele meinen, Freundschaft ist fade, somit zwingen sie sich regelrecht zum Sex, obwohl das prickeln fehlt und es wird für beide ein Druck aufgebaut, welcher wirklich nur Stress ist.

Sinnlichkeit und Genuß beim Sex sind was anderes.

Laß Dir bitte nicht einreden, es gibt nur das eine oder das andere.
Entweder guten Sex oder gute charakterliche Übereinstimmung, das raten oft die ewig Enttäuschten oder anspruchsmäßigen Tiefstapler.

Du hast einfach die falsche Frau, es gibt die Frau, die sexuell mit Dir auf Wolke 7 schwebt und mit der Du Dich super gut verstehst, suche sie.....
Das ist ja toll. Leichter gesagt (von DER absoluten Theoretikerin in diesem Forum) als getan. Ich hatte (habe) genau dieses Glück, aber es ist so selten wie ein Sechser im Lotto. Das sollte man(n) dann faiererweise hinzufügen. Auch eine Herakles ist nicht ganz (...) ohne Grund Single bis heute...
 
  • #8
Lieber FS,
hast Du schonmal daran gedacht, dass das Prickeln bei Dir fehlt, weil mit Ende 30 der Testesteronspiegel schon deutlich abgesunken ist, im Vergleich zu Mitte 20 und dass er vermutlich ohnehin niedrig ist bei Dir mangels Frauen in Deinem Leben. Woher soll also das Prickeln kommen?
Hinzu kommt auch, dass Du bei Deinen bisherigen ergebnislosen Versuchen zu einer Partnerschaft zu kommen, mit Sicherheit diverse negative Erfahrungen gemacht hast. Das hat zur Folge, dass die meisten Menschen in Deinem Alter neue Beziehungen überkritisch und zögerlich eingehen, vorschnell abbrechen, weil sie idealisierte Vorstellungen haben, für welche sie selber aber garnicht das erforderliche Rüstzeug haben, selber die Vorraussetzungen dazu zu erfüllen - sich Zeit nehmen, sich einlassen, die Dinge sich entwickeln lassen.


Warum versuchst Du es nicht einfach und schaust, wie es läuft? Die Alternative ist, das Ganze abzubrechen und noch nichtmal die erste Beziehung in Deinem Leben hinzubekommen. Viele Möglichkeiten wirst Du nicht mehr haben, wenn es bisher nicht geklappt hat.
 
  • #9
Ich schließe mich #4 an. Wir alle haben schon so viele Filme gesehen, in denen wir leidenschaftliche Liebe erleben, unterstrichen mit Küssen bei Sonnenuntergang und begleitet von Melodien, die uns Gänsehaut verschaffen und uns die Tränen der Rührung in die Augen schießen lassen. Hast Du das je schon einmal im normalen Alltag erlebt?
Ja, ich habe es erlebt. Das war zwar schön, aber es war eben ein Strohfeuer. Nur einige Momente im Leben.
Wahre Liebe aber ist anders. Sie wächst stetig, mal mehr und mal weniger. Manchmal entwickelt sie sich sogar zurück. Aber es geht immer weiter und sie wird immer tiefer.
Sie fühlt sich anders an. Besser.
Deine Freunde in Beziehungen teilen Dir ihre Erfahrungen mit und ich kann mich ihnen anschließen.
Aus meiner Sicht könnt Ihr ruhig zusammen ziehen. Alles weitere wird sich letztendlich herausstellen.
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!
 
  • #10
Das ist ja toll. Leichter gesagt (von DER absoluten Theoretikerin in diesem Forum) als getan. Ich hatte (habe) genau dieses Glück, aber es ist so selten wie ein Sechser im Lotto. Das sollte man(n) dann faiererweise hinzufügen. Auch eine Herakles ist nicht ganz (...) ohne Grund Single bis heute...
Was soll an einer sexuellen und charakterlichen Kompatabilität sonderbar sein, versteh ich nicht und mit Verlaub mit 52 bin ich weder immer Single gewesen noch Theoretikerin, im Gegenteil, ich bin sehr rational und realistisch, will sagen, lebenserfahren.

Somit würde ich nie und nimmer jemandem raten auf sexuelle Harmonie aufgrund guten Verstehens zu verzichten, wenn man beides haben kann, wohl mit anderem Partner.

Die Beiträge über ein sexuelles Ungleichgewicht häufen sich hier im Forum, trotz guten verstehens - also - es wird zu einem Problem werden und dem kann man entgegensteuern - rechtzeitig.
 
  • #11
Es muss in einer Beziehung beides harmonieren, die Leidenschaft beim Sex und eine ausgeglichene Beziehung in Verständnis und Zuneigung.

Das sexuelle Verlangen nimmt in den kommenden Jahren noch mehr ab, was bleibt dann noch?

Ihr seid doch jetzt schon eher wie Bruder und Schwester, und in Jahren dann wohl eher wie Mutter und Sohn. Naja wer's mag.
 
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