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Gast

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  • #1

Ist Flirten in einer Beziehung ein Hinweis auf Fremdgehen wollen?

Ich unterscheide zwischen freundlichen und aufgeschlossenen miteinander und Flirten.

Wenn ich von mir ausgehe, sende ich beim Flirten andere Signale als sonst. (ANDERER Augenkontakt, Mimik, Gestik etc.). Ich lasse den „Bedürfnis“ eine gewisse Freiheit.

Wenn meine Theorie stimmt, bin ich in diesem Moment schon nicht mehr zu 100% in meiner Beziehung.
Der Spruch: „Appetit holen geht überall, gegessen wird zuhause“ ist doch kein Trost. Es wird damit gesagt, dass ich bzw. mein Partner nicht mehr appetitanregend ist. Wenn ich Appetit auf etwas Besonderes habe, kann ich mir das auch zu Hause „anrichten“.

Sich Anregungen holen ist was anderes als Appetit holen. Somit wird für mich an dieser Stelle klar das in der eigenen Beziehung etwas nicht stimmt.

Wo ist mein Denkfehler?

w43
 
  • #2
Liebe Fragestellerin, ich glaube, der Denkfehler, nach dem Du fragst, liegt darin, dass Du nur eine Kategorie an Flirten in betracht ziehst. Ich dagegen finde, dass man Flirten genauer definieren müsste, um zu so einer pauschalen Ablehnung zu kommen.

Für mich gibt es so etwas wie "richtiges Flirten", bei dem man wirklich zumindest gefühlte Beziehungsanbahnung betreibt, mit betonter Mimik, Gestik, Gesprächsinhalt, und der Mann dies auch genau als solches empfindet und mitzieht. Hier wird quasi mit dem Feuer gespielt, mit dem was-wäre-wenn gespielt und ein Begehren und eine gewisse Bereitschaft signalisiert.

Das gibt es aber auch noch so etwas wie "flirtives Miteinander", das auch mit Kollegen oder Geschäftspartner auf einer ganz oberflächlichen Schiene abläuft, eben Augenkontakt, eher formale Komplimente, Lächeln, sich sympathisch sein, miteinander scherzen, aber natürlich dabei professionell bleiben und eben keine echte Bereitschaft signalisieren. Das gehört meiner Meinung nach einfach zum Sozialleben dazu und ist erlaubt. Sympathie, ein klein wenig ermitteln, ob dieWellenlänge passt, das ist einfach ein flirtives, scherzhaftes Spielen miteinander.

Der zweite Denkfehler in Deiner Argumentation liegt meines Erachtens darin, dass der Spruch "Appetit holen darf man sich, aber gegessen wird zuhause" so wie ich ihn kenne, eher auf Angucken und Hinterschauen angewandt wird als auf richtiges Flirten. In diesem Sinne finde ich den Spruch in Ordnung, in Deiner Interpretation finde ich ihn auch nicht korrekt.

Meine Meinung zum Thema:
+ Flirtiv miteinander umgehen, schäkern scherzen, lächeln darf man.
+ Richtig Flirten darf man in einer Beziehung nicht, denn echtes Flirten ist eben Anbahnung und Bereitschaft und beides sollte und darf nicht der Fall sein.
 
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Gast

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  • #3
Bei allem Respekt erscheint mir deine Denkweise vollkommen verquert.

Es ist ein weithin bekannter Fakt, dass es auf dieser Welt viele attraktive Männer gibt. Wenn die Verliebtheisphase rum ist, wird man sich dieses Faktes auch hin und wieder bewusst. An sich ist dein Verhalten erst mal unproblematisch:
Wenn ich von mir ausgehe, sende ich beim Flirten andere Signale als sonst. (ANDERER Augenkontakt, Mimik, Gestik etc.). Ich lasse den „Bedürfnis“ eine gewisse Freiheit.

Es gibt dabei aber natürlich eine ganz klare Grenze, wie weit man gehen kann, wenn man in einer Beziehung ist. Das setzt natürlich voraus, dass man sich im Griff hat und (auch dann wenn sich Möglichkeiten bieten) über das nötige Maß an Integrität verfügt.

Deine Schlussfolgerung ist daher falsch:
Wenn meine Theorie stimmt, bin ich in diesem Moment schon nicht mehr zu 100% in meiner Beziehung.
Der Spruch: „Appetit holen geht überall, gegessen wird zuhause“ ist doch kein Trost. Es wird damit gesagt, dass ich bzw. mein Partner nicht mehr appetitanregend ist. Wenn ich Appetit auf etwas Besonderes habe, kann ich mir das auch zu Hause „anrichten“.

Da ist durchaus ein Denkfehler. Man kann hier keineswegs daraus schließen, "dass der Partner nicht mehr appetitanregend ist". Man kann vielmehr schließen, dass sich Heterosexuelle prinzipiell für das jeweils andere Geschlecht interessieren (was wahrlich nicht neu ist). Das ist an sich auch vollkommen unproblematisch. Das Problem ist nur, dass man dieses Interesse eben nicht mit allen interessanten Angehörigen des anderen Geschlechts ausleben kann, wenn man in einer Beziehung ist.

Deine letzte Aussage mag allerdings schon stimmen:
Somit wird für mich an dieser Stelle klar das in der eigenen Beziehung etwas nicht stimmt.

Man hat hier sehr den Eindruck, dass Du deine Beziehung nicht ernst nimmst. Als Du dich mit deinem Partner zusammengetan hast, hast Du da ernsthaft gedacht, es gäbe außer ihm keine anderen interessanten Männer mehr auf dieser Welt? Es ist logisch, dass immer eine Versuchung da ist, aber Integrität und Treue sollten halt auch da sein.

Mit deiner Auffassung stehst Du aber keineswegs alleine, sie ist auf eine Weise geradezu "modern". Oft wird sie von jungen Macho-Männern vertreten, die schnell mal ihre Freundin abschießen und sich dann eine neue angeln. Häufig ist sie auch bei Ehefrauen in der mittleren Altersgruppe, die wissen, dass sie bei einer Scheidung weich fallen werden.

m
 
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Gast

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  • #4
Es wird damit gesagt, dass ich bzw. mein Partner nicht mehr appetitanregend ist ... Wo ist mein Denkfehler?

Genau das ist Dein Denkfehler - zu glauben, daß Dein Partner mit einer anderen flirtet, weil Du ihm nicht (mehr) genügst. Stimmt aber nicht nicht. Flirten kann Beziehungsanbahnung sein, muß aber nicht. Auch der treueste Mann flirtet gerne mit einer anderen Frau, einfach um des Flirtens willen. Es ist, wenn Du willst, eine Form von Smalltalk.
 
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Vicky

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  • #5
Ich muss sagen, dass ich mit dem Satz "Appetit kann man sich draußen holen, gegessen wird zu Hause" auch meine Probleme habe. Ich habe mal mit Frederika darüber diskutiert, die mir eine andere Interpretation aufgeführt hat als ich sie habe und daraufhin konnte ich den Satz besser verstehen.

Für mich stellt es sich bei meiner Interpretation des Satzes wie folgt dar: Mein Partner geht durch die Stadt und sieht hübsche Frauen - gut möglich, dass sie hübscher sind als ich. Dies regt dann seine Fantasie an, wie es wäre, diese Frau zu küssen, mit ihr zu schlafen usw. Oder er flirtet sogar mit einer solchen Frau und denkt sich dabei: "Wie wäre es wohl wenn wir ein Paar wären? Wie wäre es wohl, sie zu berühren, mit ihr zu schlafen?" (Ich habe keine Ahnung, ob mein Partner tatsächlich sowas denkt aber es ist ja möglich.)

So, wenn er also durch diese Beobachtungen, Flirtereien und Gedankenspiele angeregt, nach Hause käme und wollte nun spontanten Sex auf dem Küchentisch mit mir, dann wäre das doch ziemlich klar ne ziemlich blöde Sache, denn er hätte sich ja quasi richtig aufgegeilt an anderen Frauen, nur mit denen konnte / wollte / durfte er diese Fantasien nicht ausleben, mit mir schon. Und während ich vielleicht denken würde: "Wow, der scheint mich immer noch richtig scharf zu finden!", bin ich in Wahrheit nur diejenige, die gerade zur Stelle ist, um seine Sexlust zu stillen, die andere in ihm wachgerufen haben.

Wann immer beim Flirten - und sei es auch nur im Hinterkopf und ganz kurz - der Gedanke aufblitzt: "Was wäre, wenn wir ein Paar werden würden / wären..?" ist für mich Flirten nicht mehr in Ordnung wenn jemand gebunden ist. Denn ich sehe das als Fremdgehen im Geiste an. Andererseits kann man solche aufblitzenden Gedanken nicht kontrollieren und nicht verhindern. Vielleicht sind sie auch normal in einer längeren Beziehung. Aber traurig machen würden sie mich auf jeden Fall.

Und dann gibt es noch das absolut harmlose Flirten, wo man als Frau einem Mann vielleicht einen ironisch-verführerischen Blick zuwirft, in den Haaren rumfummelt, lächelt usw. ohne auch nur im Entferntesten an mehr zu denken, wo dieses Flirten einfach nur das Öl im Getriebe des Alltags ist, quasi Smalltalk zwischen den Geschlechtern.
 
V

Vicky

Gast
  • #6
Noch ein Zusatz:

Vor kurzem wurde ja hier heiß diskutiert darüber, ob sich ein männlicher FS richtig verhalten habe, der der Meinung war, seine Freundin würde sich nicht sexy (genug) anziehen und der seiner Freundin auf der Straße eine Frau zeigte, die er gut angezogen fand. Er gab ihr den Hinweis, so könne sie sich doch auch mal anziehen.

Die Mehrheit - selbst viele Männer - fand, dass er sich äußerst ungeschickt angestellt habe dabei, weil das eben kränkend für seine Freundin sei, eine andere Frau als Beispiel vorgeführt zu bekommen. Ich konnte das einerseits verstehen, andererseits nicht. Es ging halt nur um die Kleidung, nicht um ihren Charakter, nicht um ihr eigentliches Aussehen. Er hätte ihr genauso gut eine Schaufensterpuppe zeigen können, nun war aber gerade diese Frau in der Nähe. Wie dem auch sei. Ich war erstaunt, dass so viele Leute dem FS vorwarfen, sich absolut unmöglich verhalten zu haben während doch sehr viele Leute es ok finden, wenn ein gebundener Mensch mit anderen flirtet. Und teilweise finden es Leute sogar ok, mit einem anderen zu flirten wenn der Partner dabei ist. Das erstaunt mich immer sehr, da ich das für regelrecht unsensibel empfinde.
 
  • #7
Und teilweise finden es Leute sogar ok, mit einem anderen zu flirten wenn der Partner dabei ist. Das erstaunt mich immer sehr, da ich das für regelrecht unsensibel empfinde.
Ja, das geht mir genauso. Ich finde es auch wahnsinnig gefühlskalt, wenn jemand in Anwesenheit seines Partners so richtig flirtet. Was sol das? Will er zeige, wie begehrt er noch ist? Will er den Partner eifersüchtig machen (und sich dann hinterher über mangeldnes Vertrauen und Eifersucht aufregen)? Will er einfach nur seine ach-so-große Freiheit beweisen und ausleben und sind ihm die Gefühle des Partners dabei egal? Ist es solchen Typen wirklichen egal, was sich andere Zuschauer dabei über Treue, Partnerschaftlichkeit und den Zustand der Beziehung denken?

Und dann gibt es noch das absolut harmlose Flirten, [...] quasi Smalltalk zwischen den Geschlechtern.
Ja, diese beiden Arten von Flirten unterscheide ich auch streng und sie fühlen sich sowohl aktiv wie passiv auch völlig verschieden voneinander an. Insofern diskutieren wir hier natürlich eigentlich nur über das "richtige" Flirten.

Wann immer beim Flirten [...] der Gedanke aufblitzt: "Was wäre, wenn wir ein Paar werden würden / wären..?" ist für mich Flirten nicht mehr in Ordnung wenn jemand gebunden ist. Denn ich sehe das als Fremdgehen im Geiste an.
Geht mir genauso. Richtiges Flirten ist Beziehungsanbahnung, ist Spiel mit dem Feuer. Wer vergeben ist, sollte das einfach nicht machen -- denn wer mit dem Feuer spielt, kann sich eben auch verbrennen, hier also z.B. verführt werden oder sich verlieben.

Andererseits kann man solche aufblitzenden Gedanken nicht kontrollieren und nicht verhindern. Vielleicht sind sie auch normal in einer längeren Beziehung. Aber traurig machen würden sie mich auf jeden Fall.
Sicherlich blitzen solche Gedanken mal auf. Das ist nicht weiter schlimm und man erzählt das dem Partner ja auch nicht und vermeidet insofern Eifersucht und Traurigkeit. Aber man sollte sich eben auch selbst soweit in Griff haben, eben nicht weiter mit dem Feuer zu spielen, sondern es beim kurzen Blitz der Gedanken zu lassen. Genau in diesem Moment muss eben auch Anstand und der Wille zur Treue einsetzen.
 
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Gast

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  • #8
Prinzipiell gibt es nur dann Probleme wenn beide Seiten eine unterschiedliche Auffassung von Treue/Loyalität haben. Das sollte man vorher klären.

Für manche ist es erst Untreue, wenn man der ganzen Sache körperlich Ausdruck verleiht, sei es durch Berührungen, einen Kuss, Umarmungen usw…. D.h. verbales Flirten ist hier erlaubt, um zu sehen wie weit jmd. anderes gehen würde oder um sich im Interesse einer anderen Person zu sonnen, das Selbstwertgefühl zu pushen, aber eben nicht weiter zu gehen. Die Grenze ist dann jede Form der körperlichen Zuneigung.

Andere finden schon das sich Einlassen auf einen Flirt bedenklich, einer anderen Person trotz Beziehung eine gewisse Bereitschaft zu signalisieren. Dahinter steckt die Angst, seinem Partner nicht zu genügen, dass dieser evtl. unbefriedigte Sehnsüchte auf eine andere Person projiziert oder Dinge miteinander teilt, die eine gewisse Intimität voraussetzen.

Eine Lösung gibt es meiner Erfahrung nach oft nicht, wenn zwei Personen mit unterschiedlichen Auffassungen zusammentreffen, nämlich diejenigen, die bereits geistige Untreue als solche werten und die anderen, die ihre Grenze erst bei körperlicher Zuneigung ziehen. Denn einer muss letztendlich verzichten oder akzeptieren, was oft zu endlosen Streitereien, Unterstellungen und Zerwürfnissen führt. Deswegen sollte man vor einer Beziehung die Einstellung zur Treue miteinander abklären, denn hinterher ist es zu spät.
 
  • #9
Wenn meine Theorie stimmt, bin ich in diesem Moment schon nicht mehr zu 100% in meiner Beziehung.Sich Anregungen holen ist was anderes als Appetit holen. Somit wird für mich an dieser Stelle klar das in der eigenen Beziehung etwas nicht stimmt.w43

Jo. Du hast es erfasst. Das Ganze beginnt im Kopf. Von da aus gehts weiter und weiter und weiter ... und hinterher heißt es dann: Es ist eben passiert ...
 
  • #10

Dein Fehler ist: Du betrachtest Flirten als Vorstufe zum Sex. Ist es aber nicht. Flirt ist ein eigenständiges Element und wird auch von Menschen praktiziert, die dabei nicht im Traum an Sex mit dem- oder derjenigen denken. Eine 80jährige kann mit einem Jugendlichen flirten, und es kann beiden großen Spaß machen.

Hüte Dich davor, alles nur noch mit dem Partner machen zu wollen. Mit Flirten fängt es an, dann kommt Ausgehen, Mailen, Telefonieren, Reden, Anschauen .... und am Ende erstarrt alles in totaler Symbiose.
 
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