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  • #1

Ist Hinweis auf Therapieefahrung abschreckend?

Wie ist das, wenn jemand in seinem Profil auf seine "Therapieerfahrung" hinweist. Meine Vermutung: Eher anziehend für Ältere und Leute mit eigener Therapieerfahrung und natürlich für Therapeuten. Eher anziehend für Frauen und für Leute, die mit dem Begriff Selbstreflexion etwas positives verbinden....
 
  • #2
Ich glaube nicht, dass Menschen mit Therapieerfahrung grundsätzlich für jemanden mehr ansprechend sind als für andere. Es kommt doch viel zu sehr darauf an wieso jemand eine Therapie gemacht hat. Gerade Therapeuten werden sich eher hüten sich genau so einen Partner auszusuchen.

Der Hinweis im Profil wirkt für mich sehr abschreckend. Genau wie Hinweise auf überwundene Krankheiten oder wenn jemand betont wie schlimm er es findet betrogen zu werden (und vielleicht dann noch anmerkt, wie oft ihm das schon passiert ist). Das klingt für mich nicht nach einem interessanten Menschen sondern nach Arbeit. Gerade wenn man soetwas betont oder gleich zu beginn auf den Tisch bringt, ist das für mich ein Zeichen, dass er es noch nicht überwunden hat.
 
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  • #3
Therapieerfahrung KANN heißen, dass ein Mensch reifer, wissender, reflektierter, sensibler, selbstbewusster, eigenständiger und beziehungsfähiger ist.

Es ist jedoch immer noch die Frage WELCHE Therapie und WIE LANGE, denn es ist ein großer Unterschied zwischen beispielsweise 2 Wochen Physiotherapie und 2 Jahren Psychotherapie. Therapie ist nicht gleich Therapie. Das Wort alleine sagt gar nichts außer "Behandlung", klärt noch nicht mal, ob die Behandlung eine körperliche, seelische oder mentale war.

Leider geistert immer noch durch ignorante Gehirne, dass Physiotherapie ein Dasein als Krüppel bedeutet und Psychotherapie ein Dasein als Irrer. Nun gut, wer so denkt, hat nun mal keine Ahnung, könnte sich aber doch um ein etwas Information, Offenheit, Reflexion, Realität und um weniger Klischee, Einredungen und private Horrorvorstellungen bemühen.

Sind wir nicht aufgeklärte Menschen?

War da nicht die Rede von Elite??
 
  • #4
Ich möchte nicht mit Problempartnern zusammenleben und "Therapieerfahrung" stößt mich doch sehr ab. Ne, nichts für mich.
 
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  • #5
Mag ja sein, dass ein solcher Hinweis Leute anzieht, die sich auch gerne über ihre Therapieerfahrungen austauschen. Für mich wäre es eher abschreckend, denn wie # 1 würde ich auch befürchten, dass das zum Dauerthema wird. Aber es kommt natürlich auch darauf an, wie die Information "verpackt" ist. Obwohl ich selbst therapieerfahren bin, wäre mir ein Hinweis auf den Wunsch zur persönlichen Weiterentwicklung lieber, denn Psychotherapie ist nicht immer das allein selig machende Mittel.
Dass der Hinweis Therapeuten anspricht, möchte ich eher bezweifeln. Zum einen: Wer nimmt schon gerne Arbeit mit nach Hause. Zum anderen: Privat suchen Therapeuten oft einen Ausgleich und verhalten sich ganz anders als in den Sitzungen.
 
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  • #6
Es würde so manchem Menschen auf dieser Erde gut tun, sich einmal auf die Coach zu begeben ,um ein bisschen mehr über sich nachzudenken, zu reflektieren, sich besser zu spüren, und einmal ein ganz neutrales Feedback über sein Verhalten zu bekommen. . Ich kenne so viele Menschen, denen ich dazu raten kann - und es manchmal auch tue.

Selbst auch therapierefahren, einmal nach dem Tod eines Partners, hat es mich jedesmal viel gelehrt und mir mein Selbstvertrauen in die eigenen Kräfte wieder gegeben.
Allerdimgs kommt es auch auf die Therapeutin an. Eine Therapie sollte bei einem Problem jedoch nach ca. 10 Sitzungen beendet sein und man sollte dann allein damit fertig werden.
 
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  • #7
Tja, das ist eben die irrige Annahme, dass "therapieerfahren" gleich Problempartner heißt.

Ganz im Gegenteil kann es heißen, dass er seine Probleme angeschaut und gelöst hat.

Möglicherweise im Gegensatz zu den Nicht-Therapie-Erfahrenen, die ihre Probleme evtl. noch mit sich rumschleppen, vielleicht sogar schön unbewusst, so dass sie dann so sagen wir in 10 oder 20 Jahren an die Oberfläche kommen. Na, dann viel Vergnügen mit dem sorgfältig ausgesuchten Nicht-Problem(sondern-lieber-Verdränger-oder-Kontrollier-)Partner.
 
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  • #8
Mich würde "Therapieerfahrung" auf den ersten Blick auch nicht ansprechen. Allerdings sollte man sich wirklich erkundigen, warum und wie lange diese Therapie war, wie Schreiber #2 es schreibt.

Denn ich war auch für ein knappes halbes Jahr in "Therapie". Und der Grund: Mein Vater war unerwartet und plötzlich im Alter von 46 Jahren gestorben und wie es manchmal so ist, kamen nach seinem Tod einige Sachen heraus, die mich dann massivst überfordert haben und mit denen ich nicht umgehen konnte.

Ich schmiss damals mein Studium und bewarb mich für ein anderes Fach in einer anderen Stadt (was ich dann auch bekam und tierisch glücklich damit bin) und ich trennte mich von meinem damaligen Freund (mit dem ich immerhin schon drei Jahre glücklich gewesen war).

Ich brauchte jmd., der mir eine zusätzliche Sicht/Perspektive auf die Geschehnisse verschafft und meinen Horizont erweitert. Bestimmt hätte ich es auch alleine geschafft, aber so ging es schneller mit den Erkenntnissen und ich denke auch, dass ich meinem Vater so schneller verzeihen konnte. Was wohl unser beider Seelenheil gut tat. Mittlerweile ist es auch nur noch der Trauerschmerz vorhanden und nicht mehr der "Enttäuschungsschmerz".

Somit würde ich empfehlen: Erst vorsichtig nachfragen, dann ein Urteil bilden.

Grüße, Lisa (23J)
 
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  • #9
Wenn "therapieerfahren" heißt "ich bin ein besserer Mensch und Ihr seit alle gestört, weil nicht therapiert" dann wirkt es allerdings abschreckend.
 
  • #10
Fragt Euch doch mal, warum jemand überhaupt so etwas wie "therapieerfahren" in ein Profil schreibt?

Belastet es ihn? Ist er ein typischer Problemmensch? Oder sogar noch stolz darauf? Ich befürchte oft, dass sind Leute, die über alles ewig reden, aber nichts dabei sagen. Nein, also ich sehe darin wirklich nichts Positives, sondern eine deutliche Warnung, auf einen problembelasteten Menschen zu treffen, der zumindest mit mir inkompatibel wäre.

Zudem ja auch noch offen ist, um was für eine Therapie es ging! Drogen? Familie? Magersucht? Selbstmord? Mir fällt gar kein Beispiel ein, das ich gut finden würde...
 
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  • #11
@#9/Frederika: tja, das sind deine drei Interpretationen.

Für dich hat er entweder "einen Nagel damit" (was immer - womöglich Abfälliges - das auch heißt) oder er ist "der totale Problememensch" oder er ist "auch noch stolz darauf" (wer übrigens eine Therapie erfolgreich hinter sich hat, hat wahrlich Grund, stolz auf sich zu sein!! Aber das nur am Rande).

Es gibt noch ganz andere Gründe, über die du bisher noch nicht nachgedacht hast:

vielleicht will er einfach nur informieren (so wie ein anderer schreibt "habe Buch XYZ gelesen und gut gefunden" oder "war schon oft in den Bergen u.a.m.)

vielleicht will er damit sagen, dass er etwas mehr über sich erfahren und nachgedacht hat, dass ihm Selbstreflexion gewohnt ist

vielleicht...
vielleicht...
vielleicht...

wir werden's nicht heraus finden, was er mit dieser Mitteilung bezweckte, so lange wir das nicht von ihm selbst hören.


Dass du, Frederika, jedoch so selbstverständlich davon ausgehst (ohne ihn zu kennen!!!), dass er als Partner nicht ok ist, weil therapieerfahren, halte ich doch schon für sehr überspannt.
 
  • #12
Kommt darauf an was für für einen Grund es hatte, ich zb reagiere inzwischen allergisch auf Magersüchtige therapie hin oder her.
 
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  • #13
Christina 56
Ich finde so ein Wort wie Therapieerfahrung, was ja erst einmal gar nichts aussagt, gehört nicht in ein Profil.Sollte es diesbezüglich wichtige Dinge mitzuteilen geben, würde ich dies in einem der ersten persönlichen Gespräche wesentlicher besser platziert sehen.
 
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  • #14
@#9

Du scheinst dich gut auszukennen, tust es aber offensichtlich nicht.

Es ist überhaupt nicht klar, weswegen der Mensch seine Therapieerfahrung im Profil erwähnte und schon unterstellst du ihm

- möglicherweise ein "typischer Problememensch" zu sein (DIE hat er ja gerade in seiner Therapie möglicherweise bearbeitet und hinter sich gelassen??)

- vielleicht sogar noch stolz darauf zu sein (ich würde sagen, dass jede/r die/der eine Therapie erfolgreich hinter sich brachte, ordentlich Grund hat, wahrhaft stolz auf sich zu sein. Therapie - und ich meine eine professionelle und keine, die diese Bezeichnung nicht verdient - ist echte Arbeit, sie braucht Mut und Einlassen und kann schmerzhaft sein. Letztlich ist sie befreiend, d.h. erleichternd und integrativ.)

- evtl. ein Mensch zu sein, "der über alles ewig redet aber nichts dabei sagt". Das hat nun wirklich mit Therapie gar nichts zu tun! Gerade in einer Therapie geht es nicht um hohles Gerede, sondern um viel Echtheit. Das sollte allgemein bekannt sein, auch wer keine Therapie bisher machte.

Vielleicht wollte er sich einfach mitteilen?
Vielleicht will er damit sagen, dass er gelernt hat, sich selbst zu reflektieren?
Vielleicht will er rüberbringen, dass er ein achtsamer Mann ist?

Wir sollten ihn fragen, bevor interpretiert und ihm alles mögliche unterstellt wird, nicht wahr?

Die Frage war, ob der Hinweis auf Therapieerfahrung abschreckend ist.

Als erstes müsste die Fragestellerin klären, um welche Therapie es sich handelte. Denn der Begriff sagt wenig aus. Jeder, der schon einen Skiunfall erlebte, musste sich etlichen Therapien unterziehen, die seine Knochen wieder richteten, seine Muskulatur stärkten usw. und das hat mit "Drogen? Familie? Magersucht? Selbstmord?" und vielem anderem überhaupt nichts zu tun.

Da wir alle - ohne zu wissen, ob das stimmt - von einer Psychotherapie ausgingen (und auch davon gibt es viele verschiedene, die verschiedenes tun und bewirken in ihrer unterschiedlichen Vorgehensweise!!!), ist sogar dann, wenn das stimmte, immer noch nicht klar, ob es sich

a) um eine Kurzzeittherapie handelte, in die sich der Mensch begab, als er Unterstützung brauchte (das weißt auf ein hohes Maß an Selbstverantwortung oder/und Verzweiflung hin. Wir wissen nicht, was bei ihm die Motivation gewesen sein mag, falls die Annahme überhaupt zutrifft), oder ob es sich

b) um eine Langzeittherapie handelte. DIESE könnte auf eine komplexere Problematik hinweisen. Da er die Therapie möglicherweise HINTER sich hat (das Wort "therapieerfahren" sagt NICHT, ob er die Th. abgeschlossen hat oder sich noch mitten in einer laufenden befindet!!!), sind in einem solchen Fall die Konflikte bearbeitet und verarbeitet.
WENN das so ist, wird die Antwort einfach: abschreckend? NÖ! Ganz im Gegenteil. Einer der gelernt hat, auf sich, sein Maß und seine Grenzen zu achten und das mit in die Beziehung einbringt, der Selbstrespekt praktiziert und deshalb mit in die Beziehung bringt, der sich lassen kann und deshalb auch seine Partnerin usw. usw.

Es KÖNNTE sich um einen überaus attraktiven, selbstreflektierten, achtsamen Mann handeln. Es ist heraus zu finden, ob das so ist. Schnelle Abwertungen und Interpretationen sagen dazu gar nichts aus, höchstens etwas über die Schreiberin solcher Kurzsichtigkeiten.
 
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  • #15
Hab selber negative Erfahrung mit einer therapieerfahrenen Bekanntschaft gemacht.
Die Therapie hatte in diesem Fall zum Ergebnis, dass die Person für ihre Problematik eine medizinische Begründung (Rechtfertigung) bekommen hatte....schlimme Kinheit, Suchtproblematik im Elternhaus etc. Für denjenigen wars quasi ein Freibrief, die übelsten A.....loch Nummern zu bringen und von seinen Mitmenschen obendrein dafür jede Menge Verständnis zu erwarten, eben wegen der schlimmen Vergangenheit. Es gibt (Persönlichkeits-) Störungen, die sind schlichtweg nicht therapierbar. Das muss man wissen. Und wenn jemand das Attribut therapieerfahren schon vor sich herträgt, schau ich 3x genau hin.
 
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  • #16
Es stößt mich keineswegs pauschal ab, wenn jemand eine Psychotherapie hinter sich gebracht hat (kommt halt auf die Therapie an). Es würde mich allerdings wohl eher schon nachdenklich machen, wie Frederike auch schreibt, wenn damit hausieren gegangen würde - ich würde mich fragen, warum man Vorurteile, die - man sieht es an der Diskussion hier - unweigerlich aufkommen, bewusst in Kauf nimmt bzw überhaupt erst provoziert.

Ich habe in *noch* jüngeren Jahren *g* selbst mal eine wegen Sozialphobie (krankhafte Schüchternheit) gemacht und seitdem ist Persönlichkeitsarbeit zu einem meiner größten Hobbys geworden und die 180°-Wende im Vergleich zu meiner früheren Introvertiertheit rückt in immer greifbarere Nähe ;)

Für alle "Gesunden" *g* unter uns: Es ging dabei darum, meinen Perfektionismus zu hinterfragen und abzubauen, Entspannungstechniken zu erlernen, mein negatives Selbstbild zu verbessern und meine Glaubensgrundsätze besser an der Realität auszurichten. Wir haben dort bedauerlicherweise weder Tiere noch Menschen geopfert. Ich hätte das ja irgendwie schon gerne mal gesehen...

Jedenfalls ist dies ohne Zweifel das beste gewesen, was mir in meinem Leben widerfahren ist. Der eigene Geist ist mein wichtigstes Werkzeug. Was könnte also eine noblere Beschäftigung sein, als ihn zu schärfen?
Vor diesem Hintergrund schließe ich mich teilweise #5 an (auch wenn er/sie leider von der klischeebehafteten Couch spricht): Ich denke, viele Leute könnten *wesentlich* glücklicher durch ihr Leben gehen, wenn sie die Gelegenheit hätten, sich, ähnlich dem Vorgehen beim Arzt, einfach mal beim Psychologen "anschauen" zu lassen ;)
Das hielte ich doch mal für eine sinnvolle Anwendung meiner Krankenversicherungsbeiträge.

Nochmal in kurz: Persönlichkeitsarbeit ist auch unter Anleitung nichts Unanständiges. Genau so, wie manche physischen Unannehmlichkeiten nicht so gut von selbst verschwinden, verhält es sich auch mit einigen solchen des Geistes. So hat es die Natur eben einfach eingerichtet :)
 
  • #17
@#15: Danke für Deinen aussagekräftigen Beitrag! Sehr interessant.

Erzählst Du Partnern oder gar Kandidaten offen von Deiner Therapieerfahrung? In welchem Stadium der Beziehung würdest Du das in betracht ziehen?
 
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  • #18
90% der Menschen würde es ausgesprochen guttun, sich sich selbst zu stellen und damit die Chance auf ein bewussteres Leben zu bekommen.

Evtl. könnte der Planet sogar ganz anders aussehen, da viel weniger Kompensation erforderlich.

Die allermeisten Menschen haben nur viel zu viel Angst vor ihren inneren Abgründen und verkriechen sich lieber hinter fadenscheinigen intellektuellen Rationalisierungen.

Sicher, es gibt auch die Therapieerfahrenen, die ewig herumlaborieren oder wenig begriffen haben, aber grundsätzlich macht mich ein Hinweis auf Therapieerfahrung im positiven Sinne hellhörig!

Umgekehrt möchte ich eher mit diesen Menschen, die sich ständig nur, fern jeglicher Selbstkritik, im Außen bewegen und dabei ständig neue Schleifen ziehen, meine kostbare Zeit lieber nicht mehr vergeuden.

Einmal durch Therapie so richtig wach geworden - und ich möchte nie wieder in den Halbschlaf der Massen zurückfallen!
 
  • #19
@#17
Ich gebe dir ja vollkommen Recht. Nichts ist mir lieber als ein Mensch der an sich selbst arbeitet, sich weiterentwickelt und sein Handeln und Denken überprüft. Jemand der die Auslöser seiner Probleme grundsätzlich bei anderen sucht darf mir gerne fern bleiben. Sich selbst und seine Reaktionen und Muster zu kennen ist mehr als wünschenswert.

Leider habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass Menschen die dieses Thema so schnell auf den Tisch bringen auch gerne viel darüber reden, noch mitten im Prozess sind und dann womöglich noch auf Mitleid hoffen. Wenn man sich schon besser kennt, sich die Gespräche immer vertrauensvoller entwickeln ist das ja kein Problem über diese Themen zu sprechen, aber den Inhalt seiner letzten Therapie ins kleinste zu kennen noch bevor ich herausgefunden habe ob man sich im Kino auf einen Film einigen könnte ist mir schlicht zu viel, zu persönlich.
 
  • #20
Ich fand Eure Antworten sehr spannend und darf nun verraten, dass ich die "Therapieerfahrung" in meinem Profil stehen habe. Ich weiß, dass ich manche Frauen damit abschrecke, denke aber, dass das überwiegend die sind, die mich ohnehin nicht interessieren würden. Ich glaube, dass ich eher Frauen anspreche, die selbstkritisch, selbstreflektierend und bewusst ihr Leben gestalten. Solche suche ich :) Wie so häufig äußert sich Frederika erfrischend klar. Allerdings finde ich Deine Einschätzung, dass Therapierte und sich gerade in Therapie befindliche Problemmenschen seien, unzutreffend. Ich erlebe es immer wieder, dass gerade die RICHTIGEN Problemfälle NICHT zur Therapie gehen, also gerade die Leute, die es am „nötigsten“ hätten, das am vehementesten von sich weisen. Auch aus eigener Erfahrung und Begegnung finde ich, dass Therapieerfahrene sehr spannende, anregende und selbstreflektierte Gesprächspartner sind. Vielen Leuten, die Therapie gemacht haben, merke ich das im positiven Sinne an. Sie gehen deutlich bewusster mit ihrem Leben, ihren Wünschen und Gefühlen um. Auch die Kommunikation ist häufig offener, zugewandter, verständnisvoller. Die „Problemmenschen“ sind häufig allerdings sensible, verletzliche, psychosomatisch veranlagte Personen, die eben im „Problemfall“ nicht einen saufen, Sport treiben, sich in hektische (Freizeit-) Aktivitäten, in Work- oder sonstige -aholics stürzen, sondern die Entscheidung getroffen haben, das Übel an der Wurzel zu packen und es zu bearbeiten.
Allerdings gibt es auch hier - wie überall - Extreme: Die sog. „Übertherapierten“, also Leute, die z.B. bei jeder Alltagsentscheidung erst mal in sich reinhorchen (gar ihr Unterbewusstsein befragen) und sich dann entscheiden, ob ihr Ei 5 oder 6 Minuten kochen soll. Die sind mir auch schon begegnet und die fand und finde ich ziemlich nervig.
 
  • #21
@#19: Ich finde deine Zusammenfassung und die vermutliche Konsequenz, "Therapieerfahrung" in deinem Profil zu belassen, etwas merkwürdig.

Dieser Thread hat ganz klar gezeigt, dass das bloße Wort von nicht wenigen als nicht aussagekräftig oder gar negativ verstanden wird. Man fragt sich als Leser natürlich zuerst: In WELCHER Therapie erfahren? Man vermutet vielleicht ein psychologisches Problem dahinter.

Zudem empfinde ich das Wort als leicht euphemistisch. "Erfahren" klingt erstmal positiv, aber letztlich bedeutet der gesamte Ausdruck ja nur, dass du wegen irgendeiner Krankheit in ärztlicher Behandlung gewesen bist. Viel wichtiger wäre zu wissen, ob diese Therapie erfolgreich war. Ganz gewiefte Leser vermuten vielleicht sogar eine Art Werbetrick hinter dem Wort und fragen sich: Warum schreibt er nicht "therapiert" statt "therapieerfahren"? Will er mir etwa eine gescheiterte Therapie als was Positives verkaufen?

Ich bin mir allerdings ziemlich sicher, Klaus, dass sich der normale Leser um all diese Punkte gar nicht so große Gedanken macht. Da hat jemand 75 Partnervorschläge vor sich und überfliegt jetzt die Profile. Diejenigen, bei denen vermeintliches "Problempotenzial" besteht, werden als erste auf "--" gesetzt. Und unter denen, die sowas machen, sind mit Sicherheit auch etliche dabei, die nach zwei oder drei Dates bestimmt gelassen auf diese Therapiegeschichte und das dahinterstehende gesundheitliche Problem reagieren würden, da bin ich mir sehr sicher.

Mein Fazit aus der Diskussion wäre gewesen: Den Begriff rausnehmen und lieber direkt das Positive herausstellen, das dir diese Therapie gebracht hat: Selbstkritik, Selbstreflexion und bewusste Lebensführung. Und auf die Krankheit erst eingehen, wenn du nach mehreren Dates mit der Kandidatin warm geworden bist und Verliebtheitssignale spürst (egal auf welcher Seite).
 
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  • #22
@ #19, Klaus

Bin die Schreiberin # 13 und ich freue mich, dass du durch deine offenen und reflektierten Mitteilungen meine Vermutungen (die ich im posting beschrieb) bestätigst und NICHT dem Klischee, das bei manchen Schreiberinnen und Schreibern dieses Forums durch die Köpfe geistert und entsprechende Vorurteile bzw. unangemessene Reaktionen hervor bringt.

Anstrengende Menschen gibt es überall. Sowohl unter denen, die eine Therapie hinter sich haben oder sich darin befinden, als auch bei denen (und dort erfahrungsgemäß sogar verstärkt), die noch nie in die Nähe einer Therapie kamen oder sich vehement davor verschließen.

Das Gros derer, die reifer, verstehender (sich selbst und andere), freudiger und lebens- bzw. beziehungszugewandter aus einer Therapie kommen ist überwiegt bei Weitem die Ewig-Unselbständigen, die ihre Therapie als Ausweichmöglichkeit benutzen, so wie andere das mit ihrer Überarbeitung, Sex, Drugs und anderen Ablenkungsmanövern tun.

Ist Hinweis auf Therapieerfahrung abschreckend? Nö, noch nie gewesen. Ganz im Gegenteil.

Wer weiß, vielleicht überdenken manche nach der Diskussion dieses Threads ihre Einstellung...
 
  • #23
@#20: Ich finde, ThomasHH hat das sehe logisch und konsequent beschrieben. Genau so sehe ich das auch. "Therapieerfahren" ohne Angabe von Details und Erfolg ist auf jeden Fall kontraproduktiv, weil man so lange gar nicht drüber nachdenkt, sondern zunächst einmal Probleme wittert.
 
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  • #24
@ #22
sehe ich ganz anders.
"Therapieerfahren" sagt mir etwas über geübte Selbstreflexion und selbstverantwortliches Alltags- und Beziehungsverhalten, wie das schon einige im Thread beschrieben.

Details und "Erfolg" (???) anzugeben, halte ich für übertrieben. Soviel Veröffentlichung intimer Daten würde mich in einem Profil äußerst befremden. Das hat genug Platz bei späterem Kennenlernen. Oder würdest du solches von dir schreiben wollen??.

Wer so lange gar nicht darüber nachdenkt, sondern zunächst einmal Probleme wittert, ist sicherlich auch nicht der angemessene Partner oder Partnerin, sondern von vorneherein mit Vorurteilen behaftet, folglich weder offen noch neugierig, diesen Menschen kennen zu lernen. Von daher passt es doch ganz gut. Denn ein therapieerfahrener Mensch ist in den meisten Fällen achtsam, reflektiert und integriert und sucht eine/n ebensolche/n Partner/in. Und das ist die/derjenige, der abwertend und ablehnend mit seiner Info umgeht sicherlich nicht. Ist also schon recht so.

mit ThomasHH #20 bin ich allerdings nur mit dem letzten Absatz einig.

Der Satz "Dieser Thread hat ganz klar gezeigt, dass das bloße Wort entweder nicht aussagekräftig ist oder negativ verstanden wird." stimmt so nicht!
Von MANCHEN hier im Forum wird das Wort "therapieerfahren" negativ verstanden (ich gehe mal davon aus, das sind allesamt Menschen, die keine Therapie-Erfahrung bzw. eine Einstellung contra Therapie haben), von anderen wird diese Info jedoch ganz im Gegenteil dazu als ein positives Kriterium in der EP-Wahl gesehen siehe # 2/ 5/ 6/ 10/ 13/ 15/ 17/ 19/ 21 !!!

Ich finde den Hinweis "therapie-erfahren" aussagekräftig. Ich weiß, was eine Therapie sein kann. Wenn mich dieser Mensch interessieren würde und ich ein Date mit ihm hätte, würde ich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nachfragen, was das für eine Therapie war und wann diese statt fand. Dann würde ich vielleicht etwas von meiner Therapieerfahrung erzählen, die über 25 Jahre zurück liegt, nicht inhaltlich, sondern mit dem Hinweis, wie überaqus hilfreich sie mir damals war und ich bis heute davon profitiere, ähnlich wie #15, Markus schreibt: "...seitdem ist Persönlichkeitsarbeit zu einem meiner größten Hobbys geworden...Jedenfalls ist dies ohne Zweifel das beste gewesen, was mir in meinem Leben widerfahren ist. Der eigene Geist ist mein wichtigstes Werkzeug. Was könnte also eine noblere Beschäftigung sein, als ihn zu schärfen?..." Das kann ich nur bestätigen und auch für mich in Anspruch nehmen. Oder auch wie #19 Klaus schreibt: "...Sie gehen deutlich bewusster mit ihrem Leben, ihren Wünschen und Gefühlen um. Auch die Kommunikation ist häufig offener, zugewandter, verständnisvoller..." Ja, auch das kann ich bestätigen.

Therapie, soweit sie von einer/einem professionellen Therapeutin/en begleitet wird, kann nicht nur einen großen momentanen Nutzen haben, sondern ein Werkzeug vermitteln, das ein Leben lang benutzt werden kann und die Persönlichkeit sehr bereichert.

Deshalb meine Antwort auf die Frage: "Ist Hinweis auf Therapieefahrung abschreckend?" Nein, ganz und gar nicht.
 
  • #25
@#23: Zunächst mal ist es doch schön, dass wir beide zur gleichen Empfehlung für Klaus gekommen sind - und das auch noch auf unterschiedlichen Wegen. ;)

Wir steuern so ein bisschen in Richtung "diskutieren um des Diskutierens Willen", was mir eigentlich nicht besonders liegt. Dennoch möchte ich anmerken, dass von deinen referenzierten Postings (# 2/ 5/ 6/ 10/ 13/ 15/ 17/ 19/ 21) #2, #10, #13 in die Kategorie "nicht aussagekräftig" fallen. Da aber ja noch ein paar andere übrig bleiben, korrigiere ich gleich mein Posting #20.

Ich finde diesen Aspekt aber auch nicht so furchtbar wichtig. Es ist auffallend, dass hier einige den Begriff "Therapieerfahrung" im Profil befürworten, die selbst so etwas mitgemacht haben. Davon war aber ja eigentlich von vornherein auszugehen. Und so denke ich, dass Klaus seine Frage insbesondere an die neutralen Leser gerichtet hat, weil er nämlich völlig zu Recht natürlich auch Kandidatinnen aus den Kreisen kennenlernen möchte. Und unter diesen Kandidatinnen dürfte das Bild dann doch eher anders aussehen. Es wäre schade, wenn er sich diese Chance vergäbe. Und was den Klischee-Aspekt angeht: Menschen sind halt so. Man kann dagegen wettern, man kann es aber auch einfach hinnehmen und das Beste draus machen.

Dieses Thema ist ja jetzt eigentlich hinreichend diskutiert. Aber es bleibt grundsätzlich festzuhalten, dass man sich bei der Profilgestaltung auch stark in die Lage des neutralen Lesers versetzen muss, sonst wird man irgendwann betriebsblind. Und vielleicht ist das ja auch ein Grund, warum manche einfach keine Anfragen erhalten und dann hier im Forum ihr Leid darüber klagen.
 
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  • #26
Hinweis: es gab schon mal einen Thread ("Gefragt am 17.04.2009, 22:06:
Eine intime Frage: hat jemand von euch Psychotherapie gemacht.. "), in dem die Tatsache "Psychotherapie" von fast allen als sehr positiv eingeschätzt wurde.
 
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  • #27
Hallo an die Gruppe ;-),
find ich schon cool, dass es zu diesem Thema so viele Reaktionen gibt.
Nennt man, glaube ich, "Affinintät" oder so...
Ich persönlich finde es sehr an der Zeit, dass das Thema "Psychotherapie" auch in unseren Breitengraden "entmystifiziert" wird. Wer Zahnschmerzen hat, geht zum Zahnarzt. Bei Halschmerzen gibts den HNO-Spezi. Aber wer hilft bei "mentalen" Schmerzen?
Der "Seelendoktor"! Trauen sich bei uns nur nicht alle, das zu erkennen oder wahrhaben zu wolllen( in diesem Punkt sind uns die Ami's, die ich nun wirklich nicht richtig mag, mal einen großen Schritt voraus.Dort hat ein Jeder seinen "Menaltrainer" mit einer weichen Couch). Aber auch hier gehts nichts ohne profenionelle Hilfe weiter.Wer hat schon in der Schule gelernt, wie die Psyche funktioniert? Da wird eher auf die "Selbstheilungskräfte", als auf Profis gesetzt.
Wohl gemerkt: Bin selber eher "Couchkuschler", als "Profi". Bin aber auf einem "guten Weg".
Würde dieses Thema aber auch nicht gerade auf meine Vistitenkarte für mein erstes Date schreiben. Das sind Themen, die sich finden (oder auch nicht). Wer das vodergründig zum Thema macht, sollte die Therapie fortsetzen :). Wer es nicht versteeht, sollte eine Therapie anfangen :)).
" Wer klug ist, versteht die Anderen, wer weise ist, versteht sich selber", sagt mein Therapeut...

Frank :)
 
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  • #28
@#16: Nein, ganz und gar nicht. Ich stehe nicht auf sinnlose Provokation *g*
Mein Beitrag #15 mag Anderes vermuten lassen, aber eigentlich ist es so, dass sowohl die Therapie als auch das alte Problem in meinen heutigen Gedanken kaum noch eine Rolle spielen. Ich habe gerade meine letzten Bewerbungsunterlagen durchgesehen um zu sehen, ob ich das da eigentlich reingeschrieben habe ;)
Wenn ich darüber spreche, dann muss ich vorher ein gewisses Vertrauen zu der Person aufgebaut haben und es muss sich in der Situation anbieten. Das ist dann kein bedeutungsschwangeres Gespräch oder so, normalerweise ernte ich erst ziemliche Überraschung. Ich gehe dann kurz darauf ein, wie es sich vorher angefühlt hat und manchmal auch, was so ungefähr in der Therapie besprochen wurde. Nach ein- bis zwei Minuten ist das durch. Ich habe nie erlebt, dass man sich dann mir gegenüber anders verhalten hätte als vorher oder mir das irgendwie zum Vorwurf gemacht hätte oder mein Verhalten fortan nur noch im Lichte dieser alten Angelegenheit betrachtet worden wäre. Wobei ich schon sagen muss, dass ich trotzdem nur mit ganz wenigen Menschen darüber spreche. Nicht einmal unbedingt, weil es mir peinlich ist, darüber bin ich hinaus, denke ich, sondern weil es als Teil der Krankengeschichte einfach etwas Persönliches ist, das nicht jeder wissen muss.

Es ist jedenfalls so, dass die Therapie einen Samen gepflanzt hat. Der Mensch scheint mir so beschaffen, dass er bevorzugt die Dinge wahrnimmt, die seinem Weltbild entsprechen, und gleichsam bevorzugt und unbewusst Dinge übersieht, die seinem Weltbild schaden könnten. Ein Glaubenssystem bestärkt sich selbst, indem die die Sinneseindrücke filternde Instanz überwiegend diejenigen Komponenten wahrnimmt, die geeignet sind, die Glaubensgrundsätze zu bekräftigen. Es ist daher sehr hilfreich, die Axiomatik eines Betroffenen zu reparieren, denn dann wird er anfangen, positive Aspekte wahrzunehmen. Die Wahrnehmung von positiven Aspekten bestärkt nun aber das positivere Weltbild und dies wiederum bewirkt, dass noch mehr positive Aspekte bemerkt werden können.

Wird nun das Weltbild oder Axiomensystem, die "Landkarte" für die NLPler, so eingerichtet, dass der Besitzer daraus wünschenswertes Verhalten ableitet, so ist ihm geholfen. Bemerkenswert ist dabei, dass eigentlich keine Rolle spielt, ob die Axiomatik realitätsgetreu oder "korrekt" ist. Was zählt ist, welche Schlussfolgerungen der Besitzer daraus zieht.

Meine Schlussbemerkung soll sein, dass ich nichts von Elitarismus halte. Ich mag es nicht, wenn ein, sagen wir, Professor sich auf seine Kompetenz etwas einbildet, ein "Therapierter" sich für erleuchtet hält, ein Religiöser seine Moralität betont etc.
 
  • #29
Zu #23 und #24
Mein Ansatz war, dass ich den Profilpunkt "Das Besondere an mir ist, dass ..."
nicht mit "dass ich so bin wie ich bin" o.ä. relativ nichtssagenden Aussagen füllen wollte. Den Vorschlag von ThomasHH, das Positive hervorzuheben, hatte ich zumindest teilweise bereits realisiert: "...aufgrund meiner Therapieerfahrung die Fähigkeit zur Selbstreflexion habe". Ich werde aber darüber nachdenken, vielleicht die anderen positiv besetzten Begriffe auch noch dazu zu nehmen.
 
  • #30
@#28: Ich finde nach wie vor, dass der Begriff Therapieerfahrung super abschreckend ist und wahrlich keine positive Komponente übermittelt. Schreib doch lieber das, was Dich jetzt ausmacht, also die positiven Eigenschaften, die Du durch die Therapie gewonnen hast. Die Therapie selbst muss man nicht erwähnen. Wozu sollte das gut sein? Ist Dir das Thread-Ergebnis nicht eindringlich genug?
 
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