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  • #1

Ist Intoleranz nicht DER Garant für das Scheitern aller Beziehungen?

Die eigene Freiheit ist auch immer die Freiheit der anderen. Warum haben so viele Forumsteilnehmer selbst hier in der anonymen virtuellen Welt ein Riesenproblem damit anderen Menschen zuzuhören, nachzudenken, und Fragestellung konstruktiv zu lösen?
 
  • #2
Haben wir das?

Ich habe eher das Gefühl dass die meisten Schreiber sehr wohl über diese Fragestellungen nachdenken und dann durchaus auch mal Ihre Meinung ändern können. Mir zumindest geht es so, konnte hier etliches lernen, neue Facetten und Ansichten kennenlernen. Sonst würd ich auch die Zeit nicht investieren. In anderen Bereichen, ja da wurde meine Meinung sogar gefestigt durch die Erfahungsberichte einiger (z.B. dass es sinnlos ist Fremdgängern eine zweite Chance zu geben).

Weisst Du, ich kann bei Freunden vieles tolerieren was in einer Liebesbeziehung und in einem zusammenleben nicht funktionieren würde. Leben und Leben lassen ist etwas anderes als alles wahllos zu tolerieren.
 
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  • #3
Das Riesenproblem haben sie doch gar nicht. Sieh dir doch mal die heissen Diskussionen um Intimbehaarung, Penisgrössen, Vaginagrössen, böse Männer gute Frauen oder umgekehrt an...;-) Oder noch besser: Autosmarken. Da wird heiß diskutiert über Dinge, die jeder für sich selber entscheiden könnte und die nicht weltbewegend sind.

Andere Fragen, wo ersichtlich ist, dass der/die FS wirklich Not hat, werden abgewürgt mit Hinweisen wie: "Schieß ihn/sie ab", Lern daraus", Mach ne Therapie". Unterhaltungswert hat dieses Forum ja durchaus - ernst nehmen muss man es nicht. Für fachliche Beratung wende ich persönlich mich an Fachleute, nicht an ein anonymes Forum.
 
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  • #4
Gute Frage.

Vermutlich ist es wie im Real Life: Das bedeutet ein Mindestmaß an Mühe, an "Arbeitseinsatz".

Und den ist Mensch über bezahlte Arbeit hinaus seltenst bereit zu leisten.

Bis hierhin also eher Faulheit denn Intoleranz.

Die kommt nicht selten in Kombination mit geradezu dümmlichem Egoismus einher Motto: Der Rasenmäher des Nachbarn ist eine Frechheit, meinen eigenen möchte ich aber gerne 24 Stunden am Tag, ganz nach meinem Gusto, nutzen. Das können die Nachbarn doch bitteschön mal akzeptieren.

Die Umkehrung des kategorischen Imperativs sozusagen. Überall im Leben zu beobachten.
 
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  • #5
Das hängt ganz von der Persönlichkeit (= Sozialisation, neuere Erfahrungen, Eigenschaften) desjenigen und der Art des Problems (= aktuelle Situation), welches zu besprechen ist ab - ganz "einfach".

Diese beiden Dinge hängen Zusammen und der größte Störfaktor ist ANGST. Ja, Angst davor, nicht so akzeptiert zu werden, wie man ist und in der Konsequenz - Angst davor verlassen zu werden.

Entweder geht man dann zu viele (= faule) Kompromisse ein oder man öffnet sich gar nicht erst richtig, ergo macht zu wenig Kompromisse - geht auf den Anderen nicht ein etc.

Die allgegenwärtige Angst ist die Wurzel des Übels: Ihre Symptome sind Minderwertigkeitskomplexe, Aggression, Rückzug und all die anderen "feinen" Dinge, welche die Beziehung letztendlich scheitern lassen und das Anfangen einer neuen Beziehung erschweren.

Was ist die Lösung:

1. Reflexiv und selbstehrlich AN SICH ARBEITEN oder eine Therapie machen, um die eigenen Ängste kennenzulernen und mit ihnen umgehen zu lernen:
- Dies verändert die (Selbst)Wahrnehmung;
- Hilft bei der Wahl eines geeigneteren Partners;
- Nimmt ein Stück der Trennungsangst und hilft dabei in der Beziehung loszulassen - ein Stück der Kontrolle abzugeben und den Dingen ihren Lauf zu lassen = dem Partner die Luft zum Atmen zu geben.

2. Das PASSENDE Gegenstück finden - jemanden mit ähnlchen Wertvorstellungen, Hoffnungen, Zielen - wo es intellektuell, emotional und sexuell passt... UND - ja, jemanden mit möglichst ähnlichen Ängsten!

Wenn diese beiden Kriterien gegeben sind, werden es die eigenen Ängste (die man wohl nie ganz loswerden wird) zulassen, dass man dem anderen zuhört und empathisch und authentisch auf seine Bedürfnisse eingehen kann, ohne das Gefühl zu haben (= Angst davor zu haben), selbst dabei unter die Räder zu kommen bzw. "schwach" oder "uncool" zu wirken und infolgedessen verlassen zu werden.

Dies ist die "allgmeine" Sicht. Natürlich kann es im individuellen Fall noch andere Problematiken, welche sich störend auf die Beziehung auswirken können: Alkoholismus (= verändert die Persönlichkeit), psychische Störungen und/oder Traumata (etwa aus der Kindheit) etc., etc...

m37
 
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  • #6
Intoleranz ist der Oberbegriff, die beiden drunter heissen Sex und Geld, danach kommt Eifersucht

Man tut sich immer leicht die Probleme anderer zu kommentieren oder den Oberlehrer zu geben.

Ich geb dir Recht..

M (52) aus M.
 
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  • #7
Intoleranz ist nur ein Aspekt unter anderen, jedoch kein Garant dafür, dass Beziehungen scheitern.
Jeder und jede hat seine höchstpersönliche Toleranzschwelle für alle denkbaren Eigenarten und Charakterzüge eines potentiellen Partners. Wenn dem nicht so wäre, könnte es ja jede mit jedem aushalten! Weil er/sie über eine universelle Toleranz verfügen würde! Das ist nicht wünschenswert.

Oder möchtest du einen Partner der dich permanent betrügt?
Oder einen der Frau und Kinder prügelt?
Oder einen der dich nicht achtet und respektiert?

Wo bitte liegt denn DEINE ganz individuelle Toleranzschwelle? Ganz sicher verfügst auch du über eine solche.
Hier im Forum kannst du über das Gelesene nachdenken, dir einen eigenen Standpunkt bilden und ihn mitteilen. Ob diese Ansicht zur Problemlösung beiträgt ist eine andere Frage. Eine andere Meinung kann ich respektieren, das heisst aber noch lange nicht, dass ich sie auch gut heissen und tolerieren muss. Von daher ist es völlig legitim die Meinung der anderen argumentativ zu entkräften.
Die Kunst bei der Partnersuche ist es ja, ein Gegenüber zu finden das über eine ähnliche Weltanschauung und Wertehaltung verfügt. Dann müßte man sich keine, den eigenen Überzeugungen widersprechende, Toleranz abnötigen!
 
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  • #8
@4

Sehr gut!

Diese Dimension hatte ich völlig außer Acht gelassen.

Sie aufzuarbeiten ist allerdings auch "anstrengend". Therapie scheint selbst hier im Forum bei überdurchschnittliche gebildeten Teilnehmern nicht hoch im Kurs zu stehen.

#3
 
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  • #9
zu #4

Ich bin beeindruckt von deinen Zeilen!

Diese sollten sich viele TE hier ausdrucken und oft durchlesen und auch danach handeln. Dann gebe es m.E. viel weniger Probleme in den Beziehungen.

w (46)
 
  • #10
Partnerschaften entwickeln sich im Spannungsbogen zwischen ,,gleich und gleich gesellt sich gern" sowie ,,Gegensätze ziehen sich an". Es folgt der Spannungsbogen zwischen Selbstsucht und partnerschaftlichem Einsatz. Hier gibt es mitunter drastische Veränderungen - zumal dann, wenn die eigene partnerschaftliche Liebesfähigkeit nicht stabil, sondern schwankend bis verlustreich ist.
Die Toleranzschwelle betrifft die eigene physische und psychische Belastbarkeit in gleichem Maße. Finde ich mein Gegenüber anziehend, interessant, liebenswert, so nehme ich sogar Situationen hin, die ich mir selbst nicht durchgehen lassen würde. Ist das Feuer auf Sparflamme geschrumpft, nerven mich Situationen, über die ich einst nicht einmal nachgedacht hätte.
 
  • #11
Ich glaube nicht, dass Toleranz so wichtig ist -- eher ein oft missverstandener Modebegriff, der als Totschlagargument, leere Worthülse und "passt immer Bla-Bla" herhalten muss. Partnerschaften funktionieren, wenn die Chemie stimmt und man kompatibel zueinander ist -- passen muss es, bloßes Erdulden ist gar nicht förderlich.

@#4: Nein, ich glaube nicht, dass Partnerschaftsprobleme primär auf Angst zurückzuführen sind. Ganz im Gegenteil werden sie meist durch Inkompatibilitäten hervorgerufen, durch die falsche Partnerwahl und mangelnde Harmonie. -- Ich kann "Therapie" echt nicht mehr hören und halte diesen Ansatz für grundfalsch. Menschen müssen sich nicht verbiegen und standardisieren lassen, sondern sie selbst bleiben und zu ihren ureigensten Meinungen und Ansichten stehen. Dieses Sozialgequatsche von Therapeuten hat noch keinem wirklich geholfen.
 
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