• #1

Ist Zuneigung immer spürbar?

Ich bin verliebt und überlege hin und her, ob der Mensch, der mir gefällt irgendetwas für mich übrig hat. Gedanken können zu allen möglichen Ansichten verleiten. Eine Leserin schrieb in diesem Forum, dass sie stets bemerkt hat, wenn jemand Interesse an ihr hatte, -wenn sie nachdenken musste, war in Wirklichkeit nichts vorhanden. Ich glaube, dass sie Recht hat. Wie denkt Ihr darüber?
 
  • #2
Das ist eine Frage, die sicher vor allem viele Dauersingles beschäftigt: "Hatte wirklich nie jemand Interesse an mir oder habe ich es vielleicht einfach nur nicht bemerkt und dadurch Chancen verpasst?"

Ich fürchte auch, dass die Leserin recht hat (das wäre sehr betrüblich für mich, denn dann hatte über 8-9 Jahre meiner schönsten Jugendjahre wirklich nie eine Frau Interesse an mir) , aber letztenendes kann man das wohl nur herausfinden, wenn man immer bei der jeweiligen Person des Interesses sein Glück probiert, oder?
 
  • #3
Ich bin mit 17 von meinem ersten Freund nach einem Jahr für mich sehr überraschend verlassen worden.
Ganz besonders schlimm war für mich, dass ich völlig blind gewesen war und keine Anzeichen gesehen hatte. Ich Nachhinein sah ich sie und bei den folgenden Kontakten sah ich alle Anzeichen. Auch die, die gar nicht vorhanden waren.
Das hat mein Verhalten zu Männern also nachhaltig geprägt.

Auch später hatte ich noch einige Erlebnisse, die meine Angst vor Verletzungen weiter geschürt haben.

Was ich deswegen immer wieder gemacht habe, ist, die Reißleine zu ziehen, wenn ich den leisesten Verdacht hatte, dass er mich nicht wirklich will oder sich trennen will oder dergleichen.
Ich habe das in der Anbahnungsphase gemacht und auch in bestehenden Beziehungen.

Manchmal hatte ich später noch Kontakt zu diesen Männern oder ich hörte über Freunde über sie. Und mehr als einmal hatte ich mich getäuscht. Ich war zu voreilig.

Ich kann also von mir sagen, dass ich nicht in der Lage bin, zu erkennen, ob mich jemand wirklich will oder liebt.
Außer wenn jemand so eindeutig ist wie mein Schatz, aber dann ist es keine Kunst.

Aus meiner verkorksten Sicht würde ich also sagen, wenn du hin und her überlegen musst, ob der Mann an dir ein wirkliches Interesse hat, hat er keins. Aber ich rate dir, meine Einschätzung nicht entgegen zu nehmen. Positiv zu denken ist viel besser und sympathischer.

w 48
 
  • #4
Definitiv "nein"!

Ich war etwa 2 Jahre in einen Bekannten (H.), der damals auch Single war, verliebt.
Etwa weitere zwei Jahre später heiratete ich und 4 Wochen danach klingelte es nachts an der Türe.
Es war H., überraschenderweise stark angetrunken, obwohl er so gut wie keinen Alkohol konsumiert.
Er meinte er müsse mir etwas sagen, sich aber erst ein paar Minuten hinlegen. Er schlief sofort im Gästezimmer ein. Als ich am morgen erwachte war er verschwunden.
Kurz danach ging er für ein paar Jahre ins Ausland.

Während dieser Zeit traf ich einen weiteren guten, gemeinsamen Bekannten und der meinte während des Gespräches, er fände es gut, dass H. verzogen ist denn H.'s jahrelange Liebe zu mir wäre für ihn und sein Umfeld schon lange nicht mehr tragbar.

Vor einiger Zeit konnten H. und ich uns aussprechen, und stellten fest, wir waren beide zur selben Zeit schwer ineinander verliebt, wobei jeder vom anderen annahm, nie eine Chance bei ihm zu haben.

Du siehst liebe FS.... man kann trotz gegenseitiger Zuneigung blind füreinander sein.
 
  • #5
Was ich deswegen immer wieder gemacht habe, ist, die Reißleine zu ziehen, wenn ich den leisesten Verdacht hatte, dass er mich nicht wirklich will oder sich trennen will oder dergleichen.
Ich habe das in der Anbahnungsphase gemacht und auch in bestehenden Beziehungen.
Ist das nicht auch ein Zeichen von geringem Selbstwertgefühl? Man interpretiert das Verhalten des Anderes und kommt zwangsweise zu dem Ergebnis: "Der/die will nichts von mir, denn das kann ja auch gar nicht anders sein, weil ..." etc. pp. Und der zweite Schritt ist dann der Rückzug, um sich aus der unangenehmen Situation zu befreien, sich keine Blöße zu geben und sich davor zu schützen, emotional noch mehr in die Sache hineinzurutschen und dann später umso mehr zu leiden.

Ich mache das genauso, schon in der allerersten Kennenlernphase und sogar dann, wenn es nur um das Kennenlernen potenzieller neuer Bekannter geht, und ich führe das bei mir darauf zurück.

Aus meiner verkorksten Sicht würde ich also sagen, wenn du hin und her überlegen musst, ob der Mann an dir ein wirkliches Interesse hat, hat er keins. Aber ich rate dir, meine Einschätzung nicht entgegen zu nehmen.
Ja, dem schließe ich mich absolut an! :)
 
  • #6
Nein, ich glaube nicht, dass es immer spürbar ist. Zumindest am Anfang.

Wenn du den Stein ins Rollen gebracht hast, also eine Aktion zeigst und er darauf reagiert usw, da braucht man dann ein paar Wiederholungen (Aktion, Reaktion, Aktion….), dann kann man das schon merken. Aber wenn du nur still und heimlich verliebt bist und ihm mal Hallo sagst, wenn du ihm begegnest, dann eher nicht.
 
  • #7
Eine Leserin schrieb in diesem Forum, dass sie stets bemerkt hat, wenn jemand Interesse an ihr hatte, -wenn sie nachdenken musste, war in Wirklichkeit nichts vorhanden.
Es gibt einen netten Spruch für Assistenzärzte, ob du nachts um 3 Uhr deinen Oberarzt aus dem Bett klingeln sollst oder nicht.

"Wenn du überlegst musst, ob du nachts deinen Oberarzt
rausklingeln sollst, dann solltest du ihn in jedem Fall anrufen"

So hat die Leserin mit ihrem Spruch recht.
 
  • #8
Hm.
Vielleicht überlegst du aber auch nur hin und her, weil du Angst hast, er könnte weniger für dich als du für ihn empfinden. Und nicht, weil er keine Interesse erkennen lässt. Nimms mir nicht übel. Aber die meisten Frauen (besonders Junge, die noch in dem Gefühl leben alle Optionen zu haben) sind meiner Erfahrung nach sehr passiv. Es werden mehr oder weniger Signale gesendet (die manchmal auch was ganz anderes heißen können), aber den ersten Schritt und den Mund auf soll der Mann machen. Dazu muss ich dir aber sagen, dass es ebenso Männer gibt, die das Risiko fürchten einen Korb zu bekommen. Je sympathischer die Frau, desto größer unter Umständen die Hemmung. Auch und besonders, wenn jemand schon schlechte Erfahrungen gemacht hat.
Was tust du denn ihm gegenüber, das von deinem sonstigen Verhalten klar abweicht, um ihm dein Interesse zu demonstrieren?

m/36
 
  • #9
Natürlich ist Zuneigung spürbar. Wenn Du in einen Menschen bereits verliebt bist, aber dessen Zuneigung hinterfragst, ist sie nicht da. Zuneigung kann man immer zeigen. Das müssen nicht die großen Worte sein. Wenn da bisher gar nichts kam und Du Dir die Frage stellst, ob dieser Mensch "irgendetwas für mich übrig hat", geht es da gerade aneinander vorbei. Während bei ihm gar nichts zu erkennen ist, sprichst Du schon von "verliebt". Meine Meinung: das ist eine einseitige Sache. Schütze dich, indem Du Dich da nicht weiter reinsteigerst.
 
S

Stierchen

  • #10
Es gibt Menschen, die ihre Gefühle sehr gut verstecken können, so wie Laleila es beschrieben hat. Zum Teil verhalten sie sich sogar recht abweisend, so dass man nie auf die Idee käme, dass sie Gefühle für einen haben.

Es gibt Menschen, die sehr offen und sehr freundlich mit anderen Menschen umgehen, was wiederum zu Fehlinterpretationen führen kann und andere glauben lässt, dass diese Person in sie selber verliebt sei.

'Gefährlich' sind die von dir genannten eigenen Gedanken, da man gerne mal etwas zu seinen Gunsten auslegt, wenn man möchte, dass der andere verliebt ist.

Also nein, man kann es nicht unbedingt erkennen. Um rauszufinden, ob er für dich Gefühle hat, musst du dann doch aktiv werden und nicht weiter versuchen, Zeichen zu deuten.
 
  • #11
Ist das nicht auch ein Zeichen von geringem Selbstwertgefühl?
Na selbstverständlich, was sollte sonst dahinter stehen ?

Mein Selbstwertgefühl in Sachen Beruf ist sehr gut entwickelt und ich finde auch, dass ich einigermassen gut aussehe und dass ich gut singen kann und was-weiß-ich noch.
Aber im ganzen, als Mensch, als Frau fühle ich mich ziemlich klein.
Mein kalter Vater, bei dem ich aufwuchs, seit meine Mutter uns verließ, als ich drei war, hat mir nie vermittelt, dass ich gut und erwünscht bin, einfach weil ich da bin.
Das kleine bißchen Zuneigung und Anerkennung, das er für mich übrig hatte, bekam ich nur, wenn ich besonderes leistete.
Also leistete ich immer etwas besonderes. Was soll ein Kind auch sonst machen ?

Jedenfalls kann ich es bis heute nicht glauben, dass mich jemand mag nur weil ich existiere.
Und deswegen nehme ich sehr schnell an, dass der jeweilige Mann mich nicht mehr mag, wenn ich irgendwie nachlasse.

Wahrscheinlich arbeite ich deswegen so gerne.
Da bekomme ich die Anerkennung, die ich gut annehmen kann.

w 48
 
  • #12
Vielen Dank für diese Beiträge!

an Laleila: Ist es nicht so, dass man jede Gelegenheit nutzt, diesen besonderen Menschen zu sehen oder mit ihm zusammenzusein? Soetwas muss doch der andere merken!

Und ist die Angst vor Enttäuschung nicht ein besonders weibliches Problem? Werden Männer davon genauso tangiert?

Dieser Mensch, den ich im Sinn habe, ist ein Kollege in meiner Abteilung. Er verhält sich zu mir genauso sachlich, freundlich und distanziert wie ich es bin. Zwischen uns gibt es nichts besonderes als eine besondere interne Kommunikation.
 
G

Gast

  • #13
Eine Leserin schrieb in diesem Forum, dass sie stets bemerkt hat, wenn jemand Interesse an ihr hatte, -wenn sie nachdenken musste, war in Wirklichkeit nichts vorhanden. Ich glaube, dass sie Recht hat. Wie denkt Ihr darüber?
Ich denke, das ist falsch.
Richtig wäre es dann, wenn alle Menschen auf gleiche Art und völlig frei von Hemmungen ihre Zuneigung äußern und auch alle Menschen Zuneigung annehmen können und nie zweifeln und damit den anderen auch vor den Kopf stoßen.
Aber sobald da was verdreht wurde in der Kindheit, funktioniert das nicht mehr, mal abgesehen davon, dass Menschen unterschiedlich Liebe ausdrücken.

Es blendet auch völlig schlechte Erfahrungen aus, z.B. wenn er früher mal betrogen wurde oder manipuliert, ist er vielleicht vorsichtig geworden.

Also wenn er sich komisch verhält, hat er entweder Interesse und Probleme, seine Gefühle zu zeigen, warum auch immer, oder er hat keins.
Mittlerweile bin ich so drauf, dass ich denke, ich habe keine Probleme, meine Gefühle zu zeigen, also wäre die Beziehung mit einem, der da Probleme hat, für mich schwierig und mühsam. Dh. es wäre egal, ob es echtes Desinteresse oder Probleme bei der Äußerung von Zuneigung ist, die Beziehung könnte so nicht funktionieren.
 
  • #14
Gast 9

Ich muss Dir da völlig recht geben.

Ich könnte wahnsinnig in jemand verliebt sein, aber ich habe ein Pokerface und kann meine Körpersprache absolut kontrollieren, so daß kein Mann der Welt dies auch nur "erahnen" könnte.

Manche gehen offen und locker damit um, andere nicht.
 
  • #15
Ich denke auch, dass scheue/unsichere Menschen gut verbergen können, in wen sie verliebt sind. Ich war am Gymnasium nacheinander in zwei Jungs verliebt, die ich aber für unerreichbar hielt. Einer war ein Freund meines älteren Bruders, der andere ein sehr gutaussehender und beliebter Schüler aus einer anderen Klasse, immer umringt von Freunden und Verehrerinnen. Ich fand mich unscheinbar und dachte, sie wüssten nicht mal, wer ich bin. Bei beiden habe ich später rausgefunden, dass sie sogar Interesse an mir hatten, mich aber für unnahbar hielten. Ich litt an mangelndem Selbstwertgefühl und kompensierte das mit Leistung, ähnlich wie frei.

W45
 
  • #17
Dass Zuneigung immer spürbar ist kann ich widerlegen.
Häufig in Single- und zu Studentenzeiten erlebt - auf dem Campus ist einem wiederholt jemand unter vielen hundert Menschen optisch aufgefallen. Und dann plötzlich steht er an der Fußgängerampel genau gegenüber. Und was mache ich genau in der Mitte der Kreuzung?! Bloß nicht angucken geschweige denn lächeln, er könnte ja merken, dass ich ihn attraktiv finde! Aus Sorge ich könnte ertappt werden gucke ich (idiotischerweise) extra weg. Dieser Mann müsste schon sehr komisch gepolt sein, das als Zuneigung zu interpretieren oder sonst irgendwie zu "erspüren"...

Ich denke auch, dass es auf den Kontext ankommt. Kennt man sich bereits persönlich kann man es mit Feingefühl und Menschenkenntnis schon merken. Eine heimliche und unpersönliche Schwärmerei bleibt unentdeckt.

w, 33
 
  • #18
auf dem Campus ist einem wiederholt jemand unter vielen hundert Menschen optisch aufgefallen.
Wir reden doch nicht von einer Schwärmerei oder optischem Auffallen. Die Frage war, ob man Zuneigung spürt. Die empfinde ich nicht für einen Menschen, der mir aufgefallen ist, weil er optisch aus der Menge raus sticht. Hier werden mal wieder Äpfel mit Birnen verglichen.
 
  • #19
Hier werden nicht Äpfel mit Birnen verglichen, Kaktus. Eventuell hilft es, wenn du anstatt zu stänkern dir den Inhalt nochmal verdeutlichst:

Die Frage war, ob man Zuneigung spürt. Die empfinde ich nicht für einen Menschen, der mir aufgefallen ist, weil er optisch aus der Menge raus sticht.
Na aber selbstverständlich empfinde ich Zuneigung!
Und zwar ab dem Zeitpunkt, von dem an ich mich für diesen Menschen interessiere und mehr wissen möchte, er mir sympathisch zu sein scheint, wodurch ausgelöst ist völlig nebensächlich. Fakt ist, ich bin diesem Menschen z u g e n e i g t.
Dass diese Person das nicht spürt, ist doch jedem klar. Deshalb ja auch meine Antwort, dass Zuneigung eben nicht immer spürbar ist.

w, 33
 
  • #20
Und ist die Angst vor Enttäuschung nicht ein besonders weibliches Problem? Werden Männer davon genauso tangiert?
Wie kommst du denn darauf bzw. wie alt bist du denn?
Das ist deine subjektive Sicht auf andere Verhaltensweisen. Nur weil Männer ihre Gefühle selten demonstrativ nach außen zeigen oder gefühlt 6 Stunden am Tag darüber reden, heißt das nicht, dass sie diese Gefühle nicht haben.
Ich kann zwar schlecht für alle Männer sprechen. Aber es gibt keine weiblichen und männlichen Gefühle/Emotionen. Der Unterschied liegt im Umgang mit diesen Empfindungen. Das ist (geschlechtsunabhäng) eine Frage der Persönlichkeit und Erfahrungen eines Menschen.

Dieser Mensch, den ich im Sinn habe, ist ein Kollege in meiner Abteilung. Er verhält sich zu mir genauso sachlich, freundlich und distanziert wie ich es bin. Zwischen uns gibt es nichts besonderes als eine besondere interne Kommunikation.
Dass es ein Kollege ist, hatte ich mir fast gedacht. Dazu kann ich von mir sagen, dass ich aus Prinzip (auch wenn ich die Frau sehr gern habe) keine Beziehungen oder Techtelmechtel mit Kolleginnen anfange. Da das neid- und missgunstbedingt zu bösem Blut und Intrigen im Kollegium führen kann bzw. sehr oft führt.
Und da sich heute eher eine neue gute Beziehung finden lässt als ein guter Job mit einem befriedigenden Arbeitsklima, was die Voraussetzung für eine gute Beziehung ist, lasse ich sowas.

m/36
 
  • #21
Aber im ganzen, als Mensch, als Frau fühle ich mich ziemlich klein.
Mein kalter Vater, bei dem ich aufwuchs, seit meine Mutter uns verließ, als ich drei war, hat mir nie vermittelt, dass ich gut und erwünscht bin, einfach weil ich da bin.
Das muss auch noch andere Ursachen haben können: Ich wurde von meinen Eltern sehr geliebt und respektvoll behandelt, auch gelobt etc. Aber trotzdem ist mein Selbstwertgefühl seit dem Alter von 8-10 Jahren sehr niedrig.

Ist es nicht so, dass man jede Gelegenheit nutzt, diesen besonderen Menschen zu sehen oder mit ihm zusammenzusein? Soetwas muss doch der andere merken!
Aber nein! Wenn man schüchtern ist (Stichwort: geringes Selbstwertgefühl), dann meidet man diesen besonderen Menschen gerade erst recht.

Und ist die Angst vor Enttäuschung nicht ein besonders weibliches Problem? Werden Männer davon genauso tangiert?
Na, und ob!