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  • #1

Kann die Beziehung zwischen zwei Einzelkindern gut gehen?

Habe zum ersten Mal einen potentiellen Partner getroffen, der wie ich Einzelkind ist. Alle meine früheren "Männer" hatten Geschwister.

Ich habe meinen Status nie als Makel empfunden, sondern das Beste daraus gemacht. Freunde ersetzten die Geschwister, und ich bin bewusster und aufgeschlossener auf andere zugegangen in der Gewissheit, dass sie für mich nicht so leicht ersetzbar sind. Mir wurde im Affekt schon mal vorgeworfen, "Prinzesschen" zu sein, aber ich konnte mich immer auf die Partner einstellen, so dass die Beziehung weiterbestand. Ein weiterer Punkt, in dem ich mich anders wahrnehme ist, nicht darauf eingestellt zu sein, um Aufmerksamkeit buhlen zu müssen, und ich kenne keinen Neid.

Nun bin ich schon längere Zeit single und treffe einen Mann, der wie ein Spiegel meiner selbst ist: Sehr selbstsicher und selbstbezogen, aber in einem gewissen Maß fähig, auf andere einzugehen.
Bei ihm bemerke ich zugleich, dass er eine sehr geringe Frustrationstoleranz hat. Er will, was er sich vorstellt, und das bitte sofort.

Ich frage mich nun rein hypothetisch, ob so eine Konstellation überhaupt gut gehen könnte. Müssten wir eventuell "Beziehung" lernen, und können wir das ü40 überhaupt noch?

Ich freue mich über Eure Erfahrungsberichte.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #2
Niemals kann das gut gehen. So wie bestimmte Sternzeichen nicht zueinander passen. *Ironie off*

Klar kann das gehen. Und warum müsst Ihr Beziehung lernen? Ihr seid beide über 40 und da nehme ich an, jeder von hatte schon Beziehungen?
 
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  • #3
Naja, ich bin selber kein Einzelkind, aber lass nach nicht guten Erfahrungen mit männlichen Einzelkinder, die eine hohe Form des Egozentrismus hatten, gibt es ja auch bei weiblichen Einzelkinder, einfach die Finger.

Sicherlich ist es möglich, wenn beide Einzelkinder sich ihrer Problematik bewusst werden und an sich arbeiten. Meine Erfahrung nach 30zig Berufsjahren, wollen das männliche Einzelkinder gerade in meiner Generation nicht. Die bestehen darauf, sie kenne es ja seid der Geburt nicht anders. weiterhin der König zu sein.

w50
 
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  • #4
Ich sehe es ähnlich wie Gast, #2.

Meines Erachtens ist es doch ein ziemlicher Unterschied für die soziale und emotionale Entwicklung, wenn man mit Geschwistern lernt. Das ist immer etwas anderes als mit Freunden - von Freunden kann man sich zeitweilig Auszeit nehmen, von Geschwistern erstmal nicht. Auch entstehen durchaus tiefe Verbindungen mit Geschwister, Verhaltensweisen und Rollen werden manchmal exzessiv ausprobiert - was manchmal Vor- und manchmal Nachteil sein kann. Einzelkinder dagegen müssen sich 'nur' mit den Erwachsenen, meist Eltern, auseinandersetzen und entwickeln dabei ganz andere Kommunikations-, Lösungs- und Bewältigungsstrategien.

Wnn ich es genau betrachte - hatte ich fast vergessen aber anhand der Fragestellung taucht es wieder auf - waren alle meine ziemlichen Flops (als älteste Schwester aus meiner Familie) mit Einzel- oder Quasi-Einzelkindern. Nesthäkchen würde ich auch in diesen Kreis rechnen.

Kann es also gut gehen wenn zwei Einzelkinder zuammenkommen? Die Frage kann ich gar nicht beantworten, weil meine Konstellation eben war, als ältere den Weg freizumachen und bei den kleineren mich mit aus eigener Sicht ziemlich viel kindischem Verhalten auseinanderzusetzen (wer einen kleinen Bruder hat, ahnt was gemeint ist). Ich frage mich dann nur, was jemand, der solche Erfahrung nicht hat, macht wenn der andere sich mal aus eigener Sicht sehr kindisch verhält. Drüberstehen - geht das?

Die Frage ist an sich glaube ich auch allgemeiner wichtig, da es immer mehr Einzelkinder gibt. Irgendwoher muss ja die Nachkommazahl bei der deutschen Durchschnittsgeburtenrate von 1,x kommen.
 
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  • #5
Ich würde den Erfolg einer Beziehung nicht an irgendwelche Hypothesen festlegen. Viele Faktoren tragen dazu bei, ob eine Beziehung funktioniert oder nicht. Ich habe neulich in Welt am Sonntag gelesen, dass am wichtigsten ist, wie gut die Kommunikation zwischen den Menschen ist. Wenn Mann und Frau gut über alles, incl. Probleme sprechen können.

Ich, WÜ40, Einzelkind mit einem Mann Ü40, Einzelkind
 
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  • #6
Ich kann eurer Glorifizierung von Partnern mit Geschwistern nichts abgewinnen. Meine Partnerin ist die Älteste mit zwei jüngeren Geschwistern. Was sie dabei gelernt hat und sich im Laufe der Jahre immer mehr verstärkt: Kommandoton und immer Recht haben.
 
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  • #7
Liebe FS,
da heute die Kinderquote mittlerweile bei ca. 1,3 Kindern pro Paar liegt, Tendenz sinkend, ist es wahrscheinlicher, dass zwei Einzelkinder zusammen kommen, als Menschen, die Geschwister haben. Wenn jetzt alle noch Einzelkinder auf ihre NoGo-Liste schrieben, gibt es bald keine Partnerschaften mehr.

Ich komme selber aus einer kinderreichen Familie und das merkt man an meinem Sozialverhalten - das ist sehr variantenreich.
Am Sozialverhalten der jungen Kollegen merkt man ganz deutlich, dass die meisten Einzelkinder sind. Wenn sie im echten Leben mal Druck bekommen und ihnen keiner Standing Ovations gibt, wenn sie Mist abliefern, können sie psychisch kaum verkraften. Die meisten sind extreme Egozentriker, daran gewöhnt, dass sich alles um sie dreht. Es wundert mich nicht, dass ihnen ständig ihre Bezieungen um die Ohren fliegen und Partnersuche soviel Raum einnimmt wie der Hauptjob.
Die jungen Paare hier im Haus ziehen so schnell ein und aus, dass man sie garnicht mehr kennenlernen muss - bei Trennung kann keiner die Miete allein wuppen. Das sind schon Indizes.

Ich hatte insgesamt 4 Partnerschaften in meinem Leben:
- 2 mit Einzelkindern. Sie waren unfassbar verwöhnt und nicht in der Lage, Probleme zu lösen, also Modellwechsel. Bei der Trennung zeigte sich dann, wie sozial inkompetent und empathiefrei sie waren. Außer ihrem eigenen Unglück kannten sie nichts und hinterliessen bei mir emotionales Ödland.

- Mit meinem Exmann war ich 20 Jahre verheiratet. Er kam auch aus einer kinderreichen Familie. Bei der Trennung merkte man, dass er, genau wie ich ans faire Teilen gewöhnt war und daran, Verabredungen einzuhalten - er behielt das Haus, ich dafür meine Rentenansprüche. Es gab so eine konfliktfreie, saubere und billige Scheidung - das war lehrbuchmäßig. Dabei hatte er mich betrogen und ich hätte allen Grund der Welt und auch die Möglichkeiten gehabt, ihm das Leben zur Hölle zu machen. Aber ich war von Kindheit dran gewöhnt, Probleme zu lösen und mich dabei auch selber zu reflektieren.

- Mein aktueller Partner (seit 5 Jahren) hat 2 Brüder und ist dörflich in einem sehr großen Familienverbund mit vielen Cousins und Cousinen aufgewachsen. Er hat den gleichen lösungsorientierten Kommunikationsstil, spricht Probleme direkt an, lässt mich nicht im dunkeln tapsen, zickt nicht beleidigt rum und ist mental robust. Er weiß, dass es noch andere Menschen gibt als ihn und dass man die Dinge aushandeln muss. Er kann sich selber hinterfragen, dass muss ich garnicht tun.

In meinem Alter ist es kein Problem, einen Partner mit Geschwistern zu finden, daher ist so ein Mann meine erste Wahl. Bei der jüngeren Generation ist es fast unmöglich. Einzelkind zu streichen, heißt schon fast auf Partnerschaft zu verzichten. Das wichtigste ist, dass Du die Problemquelle siehst.
w, 55
 
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