• #1

Kann eine Beziehung auf Englisch gutgehen?

Hallo zusammen,

mal eine Frage an euch, weil mich das Thema gerade sehr interessiert.

Wie sind eure Erfahrungen mit Beziehungen bzw. Dates in der englischen Sprache?

In meinem Fall habe ich vor kurzem einen Engländer kennengelernt, den ich wirklich sehr gerne mag.
Wir lachen viel und hatten gestern das erste Mal Sex, der wirklich traumhaft gut war.

Allerdings lebt er noch nicht lange in Deutschland und spricht dementsprechend noch kein gutes Deutsch.
Wir unterhalten uns hauptsächlich in Englisch.
Mein Problem ist, dass ich mich während den Gesprächen teilweise seehr begrenzt fühle und einfach nicht so frei und unbeschwert sein kann, wie ich gerne wollen würde.
Ich verstehe so gut wie jeden einzelnen Satz, selber sprechen fällt mir aber noch schwer und es wird mit Sicherheit einige Zeit dauern, bis ich mich ganz normal mit ihm unterhalten kann und auch mal tiefere Gespräche führen kann.
Ich bin leider absolut aus der Übung.

Ist hier jemand im Forum, der schon mal ähnliche Erfahrungen gemacht hat bzw. an alle anderen, wie schätzt ihr so eine Situation ein?

Fleißig am Lernen bin ich momentan schon :)

Liebe Grüße,
Hannah (25)
 
  • #2
Liebe FS, zweisprachige Beziehungen sind sicher eine etwas größere Herausforderung, da es doch häufiger zu Missverständnissen kommt, selbst wenn beide die Sprache des anderen recht gut sprechen. Es gibt einfach bei der Verwendung von Worten zusätzlich zu eventuellen kulturellen Unterschieden mehr Zwischentöne als man denkt.
Ich selbst habe zwar auch einen ursprünglich englischsprachigen Partner, der aber schon seit seinem Teenagerjahren hier lebt und daher fast perfekt Deutsch spricht. Aber ein Freund vom Studium hat eine Amerikanerin geheiratet und sie haben ein Kind, leben in den USA. Da habe ich nie Probleme aufgrund der Sprache mitbekommen. Eher war die Frage: In welchem Land wollen wir leben, wer gibt seine Familie und Heimat dauerhaft auf usw. Sowas ist dann durchaus problematisch und man sollte das nicht auf die lange Bank schieben, sondern recht am Anfang klären.
Daher denke ich: Wenn es gut passt, bekommt man das auch hin. Ideal ist es natürlich, wenn beide sich bemühen, die Sprache des anderen zu lernen, also er auch Deutsch, nicht nur du Englisch. Mit der Zeit wird die Kommunikation dann sicher immer besser.
Binationale Beziehungen sind heute ja sehr häufig, und da gibt es viel größere Unterschiede, z.B. kenne ich viele Japanerinnen mit deutschen oder amerikanischen Männern. Auch da klappt es meist sehr gut, auch wenn die Scheidungsraten statistisch etwas höher sind.

w, 36
 
  • #3
Unter meinen ersten fünf Beziehungen war keine Frau dabei, deren Muttersprache Deutsch war. Der Vorteil ist, dass ich im Zuge der Jahre so 6 Sprachen gelernt habe. Mir ist die Sprache egal in Beziehungen. Oft ist es sogar gut, wenn man nicht alles versteht. Erspart viel Streit. Ich kann auch besser flirten auf Englisch. Obwohl meine Muttersprache deutsch ist, fällt es mir in dieser am schwersten eine Frau anzusprechen, weil ich beinahe unendlich viele Möglichkeiten habe etwas zu sagen. Durch die Einschränkung durch die Fremdsprache ist man ungehemmter, finde ich.
 
  • #4
Ja, das kann gut gehen, wenn Ihr beide Geduld und Verständnis aufbringt. Ich war 20+ Jahre mit einer Amerikanerin verheiratet, bis sie dann verstarb. Die Probleme, die es gab waren:
- In der Fremdsprache kann man sich anfangs nicht so exakt und spontan und schnell ausdrücken, wie in der Muttersprache. Hier braucht es viel Geduld.
- Unterschied im Grad der Höflichkeit: Bei Angelsachsen ist alles immer eine Spur höflicher als bei uns. Wenn ich also Dinge auf Englisch so formuliert habe, wie ich es auf Deutsch gewohnt war, kam es als unhöflich rüber. Über die Jahre habe ich angewöhnt, immer einen Ticken zu höflich zu sein und das war dann genau richtig.
- Die Sprache, mit der man die Beziehung beginnt, bleibt meist auch die Sprache in der Familie. Wir haben es nie geschafft, von Englisch weg zu kommen
- Es sind die kleinen, unerwarteten Dinge, bei denen es knirscht. Die großen (Sprache, Politik, Geschichte) hat man auf dem Radar, dafür erwischt es einen bei vermeintlich alltäglichem Kleinkram.

M, 52
 
  • #5
Eine gute Beziehung besteht in erster Linie in der Emotion, und in der Kommunikation, damit ist alles schon gesagt! Wenn man sich nicht gut unterhalten kann, wird es sehr schwierug sein, sich zu verstehen und wenn man sich nicht versteht, wird es kaum möglich sein, eine gute Beziehung zu führen, für ausschließlich Sex reicht das bei sehr vielen Menschen auch ohne gute Beziehung!!
 
  • #6
Mein Problem ist, dass ich mich während den Gesprächen teilweise seehr begrenzt fühle und einfach nicht so frei und unbeschwert sein kann, wie ich gerne wollen würde.
Also, eine Beziehung auf Englisch kann grundsätzlich schon gut gehen, aber dein Englisch scheint ja nicht besonders gut zu sein?
Ich hatte mal eine lange Beziehung mit einem Franzosen, wir sprachen Englisch miteinander anfangs, was er nicht so gut beherrschte, dabei kam es zu einigen Missverständnissen. Es ist wichtig, dass er da Verständnis für dich hat und gegebenenfalls nochmals nachfragt. Später lernte ich noch französisch, dass hat sehr geholfen in der Kommunikation, dh. du solltest definitiv an deinem Englisch arbeiten und er an seinem Deutsch.
Die Kultur der Engländer unterscheidet sich aber auch von den Deutschen, Ironie und Sarkasmus ist denen sozusagen in die Wiege gelegt. Ich persönlich finde den englischen Humor grossartig, aber es gibt, gerade wenn man die Sprache nicht kann, bestimmt einige Fälle in denen du das nicht als Humor erkennst. Daher, nicht alles wörtlich nehmen und viel englische Filme etc. schauen.
 
  • #7
Wo soll das Problem liegen? Stellen Sie diese Frage im Ernst? Ihr Freund belegt einen Deutschkurs und Sie sprechen schoen langsam und deutlich mit ihm deutsch und uebersetzen, wo es noetig ist, mit Hilfe eines Woerterbuchs in englisch.

Wie ich vor 31 Jahren nach Italien gezogen bin, konnte ich nur ein paar Touristensaetze italienisch. Mein neuer Freund und ich verstaendigten uns in einer Mischung aus englisch, italienisch und franzoesisch. Er spach kein Wort deutsch. Der Rest wurde mit Haenden und Fuessen bewaeltigt. Ich lief staendig mit dem Woerterbuch italienisch-deutsch unter dem Arm herum, weil es mich verrueckt machte, mich nicht richtig ausdruecken zu koennen. Ich habe dann in Florenz fuer 2 Monate eine Sprachenschule besucht, und von da an ging es besser. Auch kaufte ich mir Zeitschriften, zuerst die Regenbogenpresse, wo ich die Ueberschriften las, spaeter Zeitungen. Es ergaben sich auch lustige Episoden, wenn ich z.B. meinen spaeteren Mann um eine "forca" (Mistgabel) bat anstatt um eine "forchetta" (Essgabel).

Ihr Freund arbeitet ja wahrscheinlich in Deutschland, da lernt er die Sprache doch sowieso. Mit anderen Worten: Die Sprache ist das kleinste Hindernis, wenn der Rest stimmt. Banal, aber wahr: Die Liebe, love, amore, amour ist international. Hier wuerde ich jetzt ein Herzchen, a little heart, un cuoricino, un petit coeur setzen.
 
  • #8
Klar geht das....
Du kannst bei Netflix die Filme auf Englisch umstellen, mach den Untertitel drunter und dann hörst du und siehst du es. Wenn du dich daran gewöhnt hast, schaust du keine Filme mehr auf Deutsch wenn das Original Englisch ist.
Besorg dir einfachere Bücher auf Englisch, das hilft ungemein.
Stell dein Tablet, pc, handy auf englisch um, hilft auch.
Und so weiter und so weiter.....
Je nach Deinem Level besuch einen Abendkurs, es gibt auch Gruppen wie Internations die auf Englisch basieren.
Diese investition ist ja in diesem Fall nicht nur für die Beziehung sondern heutzutage notwendig wenn du etwas weiter als das nächste Dorf willst.
Ich höre Deutsche oft mit grauenhaften Englisch und ertrage das fast nicht. Ich habe schon CEOs bei Besprechungen gehört die einfach nur peinlich waren!
Dasselbe gilt für ihn, er kann alles auf Deutsch umstellen, nützt ihm ebenfalls.
Klar kann die Unterhaltung mal etwas holpriger sein aber das legt sich. Du hast zumindest hier den Vorteil dass du mehr überlegst was du sagst und das ist nicht immer verkehrt.
Wie hier jemand schrieb, die Engländer sind möglicherweise auch das ist ein Vorteil, finde ich.
Nur zu, ich liebe Engländer und bin mir auch sicher das ich da mal landen werde....
 
  • #9
Ich hab vor vielen Jahren mal ziemlich lange in Cambridge gewohnt und dort eine Beziehung zu einem Mann gehabt. Ich kam hin mit ziemlich rudimentären Englischkenntnissen und hatte überhaupt kein Problem mit der Kommunikation. Er hat alles meistens verstanden, was ich meinte, selbst wenn ich mal eine falsche Vokabel benutzt habe.

Ich habe damit nur gute Erfahrungen gemacht, also probier es aus. Ist doch nicht schlimm, wenn es scheitert. An sowas scheitert es - wenn, dann - schnell, und wenn es später scheitern sollte, dann nicht daran.
 
  • #10
Ihr Freund arbeitet ja wahrscheinlich in Deutschland, da lernt er die Sprache doch sowieso.
Das ist nicht gesagt.
Wenn er z.B. Informatiker ist, aber auch was anderes in einem internationalen Konzern, spricht er im Büro nur Englisch.
In der Kantine sprechen die Deutschen dann zwar deutsch, aber nur, wenn kein anderer Kollege mit am Tisch sitzt.
Das ist bei meiner Tochter im Büro z.B. so.
Meine italienische Freundin hat einen 33-jährigen Sohn, der seit 5 Jahren in Berlin lebt. bei ihm ist das auch so. Er kann nur wenig Deutsch. Inzwischen ist er mit einer Deutschen verheiratet und sie kann kein Italienisch, sie reden nur Englisch miteinander.
Meine Freundin kann sich mit ihrer Schwiegertochter nicht unterhalten, nur den allerkleinsten Smalltalk auf deutsch, denn mehr kann meine Freundin nicht.

Dort in Italien hat meine Freundin holländische Freunde, die seit 12 Jahren in Venedig leben. Die Frau spricht inzwischen perfekt italienisch, der Mann hingegen kann weniger als ich, die ich noch nicht dauerhaft dort war, immer nur wochenweise.
Der Mann kommt im Büro mit Englisch klar. Alles Notwendige ansonsten regelt seine Frau und den Smalltalk macht er mehr recht als schlecht auf italienisch.
Nach 12 Jahren !
Das kommt nicht von allein, man muss es wollen und üben, so wie du mit deinem Wörterbuch und dem Kurs.

Noch was anderes, mehr zur Frage der FS:
Ich habe zwar keinen andersprachigen Partner, aber eben diese Freundin. Das ist tatsächlich inzwischen meine beste Freundin, man könnte auch sagen, meine einzig wirkliche.
Und es geht gut.
Weil ich bei ihr ganz anders bin als im deutschen RL.
Ich ordne mich unter.
Ich halte öfter die Klappe, wenn mir etwas nicht paßt, schlicht und einfach, weil ich es nicht richtig ausdrücken kann. Und lieber nichts falsch machen will, vor allem, wenn es nur eine Kleinigkeit ist.
Ich bin ihr sprachlich unterlegen und außerdem mache ich, was sie will oder empfiehlt, weil ich mich dort assimilieren will.
Sie sagt mir z.B. wie ich mich dem Kellner gegenüber verhalten soll und das mache ich dann so, obwohl mich sein Benehmen empört.
Sie hat mich jetzt rund um meinen Häuschchenkauf von einer anderen Seite, meiner wahren, erlebt, weil ich da nicht grundsätzlich ihren Empfehlungen folgte, denn es hing da einfach zu viel dran.
Das hat sie irritiert, aber wir sind immer noch befreundet.

w 52
 
  • #11
Meinen verstorbenen ersten Mann lernte ich hier auf einem Festival kennen, er war US-Amerikaner und auf Besuch in Deutschland. Mein Englisch war damals grauenhaftes Schulenglisch und ich hab etwas verstanden, wenn er langsam sprach. Selber hatte ich große Hemmungen frei zu sprechen, aber durch die Liebe auf den ersten Blick haben wir die Hürden überwunden, am Anfang mehr mit Händen und Füßen.

Nach unseren ersten Tagen haben wir uns über ein Jahr nicht mehr gesehen, nur geschrieben per Luftpost. Ich hab dann Sprachlabor-Training gemacht und er hat mit seinem Freund Deutsch sprechen geübt, der hat Verwandte hier und hat das von klein auf gelernt.

Als ich ihn ein Jahr später besuchte, konnte ich mich gut mit ihm verständigen.

w/46
 
  • #12
Hatte eine Weile eine Beziehung mit einem Spanier, er sprach kein Deutsch, ich kein Spanisch, also haben wir uns auf Englisch unterhalten. Ich hatte das Glück, schon vorher viel Sprecherfahrung mit Amerikanern gesammelt zu haben weil ich da Familie habe, hab daher einen Amerikanischen Akzent, den er zunächst nicht gut verstanden hat. Er hatte auch schon viel Englisch sprechen müssen, allerdings viel mit Touristen, die teils auch schlecht Englisch sprachen, deshalb hatte er anfangs eher Hemmungen zu sprechen. Das ging dann aber, hat sich aber durchgezogen, dass es ihm unangenehm war, wenn er doch mal ein Wort nicht gleich wusste. Was mir auch immer sehr geholfen hat, ist, Filme und Serien auf Englisch zu schauen, da hört man sich schnell in die Sprache rein und bekommt auch Redewendungen mit, oft werden die Dinge ja auch nicht Wort für Wort übersetzt sondern in einer anderen Sprache mit anderen Worten ausgedrückt, wenn man nicht alles versteht auch mal Untertitel in CC anmachen, damit man das Gehörte vergleichen kann. Irgendwann habe ich dann tatsächlich auch englisch geträumt und gedacht bzw Sätze kamen mir eher auf Englisch als auf Deutsch in den Sinn.
Allerdings ist es wirklich nicht so, wie wenn beide Partner in ihrer Muttersprache unterwegs sind. Gerade wenn die Kulturen auch etwas unterschiedlich sind und das Niveau in der Sprache nicht das gleiche ist, ist es schwieriger, Dinge auszudrücken bzw. gibt eher mal Missverständnisse. Je nachdem wo ihr lebt, kann es auch im alltäglichen Leben eher mal Stolpersteine geben, wenn einer von euch dem anderen ständig übersetzen muss, wenn im Freundeskreis natürlich die eigene Muttersprache gesprochen wird, Kino etc.
mich Persönlich hat das selten gestört, aber es gab doch einige Momente, in denen eine gemeinsame Muttersprache einiges erleichtert hätte.
 
  • #13
Weder das Alter noch die Herkunft sind ein Hinderniss, geschweige denn Problem für eine Beziehung. Es gibt bestimmte Voraussetzungen, die eine Partnerschaft etwas komplizierter machen, wie Altersunterschied, Patchwork oder eben andere Kultur, das schon, die sind aber nie der Grund für Trennung, sondern mangelnde Passung und Unwissenheit, wie man eine Beziehung gestaltet. Ich habe eine Sendung über russische Frauen geschaut, die im Nahen Osten verheiratet waren. Unterschiedlicher könnten die Kulturen nicht sein. Alle Frauen hatten gleiche Mentalität und trotzdem waren ihre Schicksale sehr unterschiedlich. Von Kindesentführung und Einsperren der Frau im Haus bis Frauen, wo der Mann der richtige Pantofelheld war, und das als Moslem, und im anderen Fall war die eine als Schwiegertochter verhasst und hat sich dann zum Liebling der Schwiegereltern und als Vorbild für Schwägerinen gemausert. Sie ist freiwillig zum Islam konvertiert und hat Kopftuch getragen, wo sogar der Ehemann ehe dagegen war und wollte, dass seine Töchter modern aufwachsen, hat aber taktvoll zu verstehen gegeben, er wird die Wahl seiner Frau überlassen. Sie hat ein kleines Laden mit russischen Süßigkeiten aufgemacht, für Exilrussen, das Geschäft lief leider nicht so gut, da die Russen ehe knauserig sind, sehr anspruchsvoll und alles selber machen wollen, statt Geld auszugeben . Der Ehemann hat im Interview erzählt, dass er das Geschäft am liebsten kleingehackt hätte, weil er die Tränen seiner Frau nicht sehen könne, wenn mal die Kunden wieder frech werden.