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Gast

  • #1

Karriere statt Liebe?

Wenn man seinen Partner liebt und irgendwann die Frage stellt, was der andere sich von der Beziehung miteinander wünscht, was die Träume, Wünsche und Vorstellungen in Bezug auf die Partnerschaft sind und man dann die Antwort bekommt: "Ich wünsche mir, dass du Karriere machst" - was haltet ihr von so einer Antwort?

Wenn die ganze Beziehung davon geprägt war, dass der Partner in einem grosse Möglichkeiten gesehen hat und versucht hat, diese finanziell zu fördern, wenn man selbst sich behindert fühlte davon, weil man immer das Gefühl hatte, etwas Bestimmtes sein zu müssen, um geliebt zu werden? Wenn der Partner einem erklärt hat, dass es ja ein Zeichen für wahre Liebe sei, den anderen fördern zu wollen und dass man selber egoistischer hätte sein sollen, die finanziellen Möglichkeiten mehr ausnutzen sollte - kurz, etwas aus der Situation hätte machen sollen, statt sich nach Liebe zu sehnen...hat der Partner dann ein Bild von einem geliebt statt die Person selber?

Ich kann sehr viel besser Karriere machen, wenn ich mich als Mensch so wie ich bin geliebt fühle - oder wenn ich single bin, auf jeden Fall fühlt sich Liebe irgendwie anders an oder sehe ich das falsch?
Was ist das für ein Mensch, der, selber 50 und beruflich gelangweilt und auf der Suche nach einem "Schenkelklopfer", der Partnerin in Liebesfragen von ihrer Karriere erzählt?
 
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Gast

  • #2
Klingt irgendwie mehr nach einer Vater-Tochter-Beziehung als nach einer Partnerschaft. Grade das mit der finanziellen Unterstützung und die ganzen Äußerungen.

Hast du mit ihm schon einmal über deine Bedenken gesprochen?
 
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Gast

  • #3
Was ist daran denn negativ? Ein reifer Mann - oder auch ein intelligenter junger Mann - schätzt an einer Frau nicht nur die Optik, sondern auch ihre Intelligenz, ihren Fleiß, ihr Potential und das, was sie daraus macht, eine, die beruflich ihren Weg geht, sich nicht von einem Mann aushalten lassen will und auf die man stolz ist.
 
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Gast

  • #4
Manager coachen oft Sängerinnen, Künstlerinnen, Sportlerinnen. Die Konstellation "fördernder Ehemann und Karriere-Coach" ist aber hochexplosiv. Du lässt jemanden auf zwei wichtigen Ebenen ganz nah an dich heran. Im Unglücksfall ist dann beides zum Scheitern verurteilt. Wenn du es trennst kannst du es besser steuern.

[Mod.= gelöscht]
 
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Griet

  • #5
Ich meine, dass das eine das andere nicht unbedingt ausschliessen muss. Es ist eine grosszügige Geste und ein Privileg, das und was er dir da anbietet, und gerade zu perfekt, wenn du diesbezüglich die selben Vorstellungen hast.
Dennoch sehe ich derartige Wünsche eher in der, wie auch #1 bereits schrieb, Vater-Tochter/Sohn-Beziehung. Von (m)einem Lebenspartner würde ich mir doch andere Wünsche erhoffen.
Intelligenz, Fleiss, und gut im Leben stehend, -wie #2 es darstellt, heisst ja gerade nicht, dass man das AUF Kosten des Lebenspartners macht.
 
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Gast

  • #6
Liebe FS,
vor lauter abstrakten mans, ist Dein Text schwer lesbar. Vermutlich fühlst Du Dich Dir selber auch schon so entfremdet, weil Dein Partner Dir eine Beziehung in Form einer Karriereförderung überstülpt, die Du garnicht willst. Es ist hilfreich, wenn Du konkreter schreibst, was denn nun Dein Problem ist - in der Ich-Form.

Ich lese: er fördert Deine Karriere, sitzt selber beruflich gefrustet in der Sackgasse und Du musst wie das Kind von der Eislaufmutti die Karriere machen, die er selber nicht geschafft hat. Dabei willst Du den beruflichen Erfolg nicht in dieser Ausschleießlichkeit, Du willst um Deiner selbst Willen geliebt werden.
Das frustriert Dich enorm, weil Du eine andere Art Partnerschaft willst, ihn für Deine berufliche Karriere nicht brauchst und nicht willst. Du klingst abwertend. Was sind Deine Wünsche an ihn als Mann, an Eure Beziehung? Willst Du eine anderes Leben, eine berufliche Auszeit mit Kindern? Kennt er Deine Wünsche? Männer sind keine Hellseher, Du wirst Dich mitteilen müssen.

Wenn mir jemand sagt, der einzige Wunsch, den er an mich als Partner hat ist, dass ich Karriere mache, dann würde ich das beziehungstechnisch interpretieren:
- er sucht finanzielle Absicherung, damit er seinen Jobfrust in absehbarer Zeit beenden kann, schließlich hat er Dich lange genug gefördert. Er ist ja auch bald im Frührentenalter
- er will klar machen, dass Du ihm jetzt bloß nicht mit einem Kind kommen sollst, er will die Früchte seines Investments in Deine Ausbildung genießen
- er liebt nicht Dich, sondern den Status, den Du ihm als Karrierefrau verleihst

Persönlich würde ich daraus ableiten:
- ich bin nicht liebenswert als Mensch
- ich bin als Mensch nur so gut, wie ich erfolgreich bin
- ich musss erfolgreich sein, um geliebt zu werden
- meine Wünsche sind nicht wichtig
So steuert man Menschen in Depressionen und Burnout. Ich wurde als wehrloses Kind so von meinem Vater instrumentalisiert, von meinem Partner würde ich mir das nicht gefallen lassen. Wenn er Dich als Menschen nicht liebt, soll er sich eine andere suchen, die ihm jemseits vom beruflichen Erfolg anspricht bzw. die damit zufrieden ist, dass er sie nur so sieht. Und Du solltest das auch tun, jemanden suchen der Dich liebt, weil Du bist, wie Du bist und Dich zusätzlich wegen Deiner Klugkeit, Deines Fleisses schätzt.

Wie ist übrigens der Altersunterschied zwischen Euch - klingt nach etwas mehr.

w, 55
 
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Gast

  • #7
Für mich siehst du das vollkommen richtig ... ich finde auch, dass Liebe sich anders "anfühlt. Ich habe mich von meinem "Karrieremann", viel zu lange durch solche Äußerungen unter Druck setzen lassen. Das hat alles mit mir gemacht, nur weitergebracht hat es mich nicht. Habe ich einen beruflichen Erfolg präsentiert, so war er nie gut genug ... immer hätte es noch einen Tick mehr sein müssen. Phasenweise war ich vor lauter Druck, wie gelähmt. Wurde magersüchtig, was mir die Augen geöffnet hat. Die gesundheitlichen Probleme habe ich hinter mir gelassen und heute sind wir getrennt, auch weil er zwischendurch immer mal etwas "besseres", als seine eigene Frau ausprobieren musste. Glücklicher gemacht, hat ihn das allerdings auch nicht. Mich aber. Heute komme ich beruflich immer weiter voran. Ohne Druck - ganz von selbst. Ich weiß was ich Wert bin und das merkt man mir natürlich auch Privat an.

w/44
 
  • #8
Ich lese: er fördert Deine Karriere, sitzt selber beruflich gefrustet in der Sackgasse und Du musst wie das Kind von der Eislaufmutti die Karriere machen, die er selber nicht geschafft hat. Dabei willst Du den beruflichen Erfolg nicht in dieser Ausschleießlichkeit, Du willst um Deiner selbst Willen geliebt werden.
Das habe ich bei der Fragestellung der FS auch gedacht. Sie dreht immer schön die gewünschten Pirouetten und hofft, dafür Liebe zu bekommen. Tatsächlich erhält sie bestenfalls Anerkennung, solange sie planmäßig funktioniert.
Im Gegensatz zu Kindern, denen eine solche Eltern-Kind-Beziehung aufgezwungen wird, kann sie als Erwachsene für sich selbst eintreten. Sie kann ihrem Partner sagen, was sie von einer Beziehung erwartet, was sie sich von ihm wünscht. Vielleicht wacht er auf und geht darauf ein. Vielleicht versteht er gar nicht, was sie meint. Ob er das geben kann und will, muss sie schon selbst herausfinden und dann ggf. die notwendigen Schlüsse für sich ziehen.
 
  • #9
Das ist gar nicht so selten und meist schaufeln die Förderer der Beziehung das Grab. Sie programmieren ja jemanden darauf, wesentlich weiter zu kommen, als sie selbst. Aus Ängstlichkeit, Altersgründen, Trägheit... Dsa ist unsexy. Und irgendwann ist das "Kind" so weit und geht eigene Wege.
Da ist von vorn herein ein ganz verfrickeltes Ungleichgewicht in so einer Beziehung. Eine sich selbst abbauende Dominanz. Ich habe das selbst erlebt und um mich herum gibt es das auch. Mkz großem Altersunterschied mag es ja noch gehen, das ist der pädagogische Eros (und solche Beziehungen sidn sehr endlich), bei gleichaltrigen Partnern ist es ziemlich schräg.
Ein freund von mir hat seit Jahren Kunststudentinnen, die er fördert, als Freundin. Wenn die junge Dame dann fertig studiert hat, geht sie zu einem gleichaltrigen Mann, um mit ihm eine Familie zu gründen.