Ist der erste, der etwas realisiert, immer fürs Ansprechen zuständig?
Ja, also idealerweise. Mir ist auch klar, dass es dazu braucht, dass man sich selbst gut kennt, dass man Selbstachtung hat, seine Bedürfnisse kennt usw.. Das ist ja nicht oft, dass Menschen so aufwachsen, dass sie hier schon gefestigt sind in jungen Jahren, in denen sie ihre Beziehungen eingehen, wenn es nun langjährige sind.

Aber ja, der dem zuerst auffällt, dass ihm was fehlt in der Beziehung, der ist zuständig fürs Ansprechen. Denn der tut ja dann was - sich absetzen innerlich, betrügen, auf Durchgang schalten, sich nach neuen Partnern umschauen, ertragen wollen, sich passend machen wollen ... ER ist die Person, die sich mit dem Problem befasst. Und eben nicht immer eine gute Lösung findet, weil er auch an der Beziehung hängt und denkt, wenn er es anspricht, geht der andere. Oder eben, dass er es anspricht, aber nicht gehört wird, und aber selbst nicht geht, sondern anfängt, es laufen zu lassen.

Wie das mit dem Verzeihen ist ... Dazu muss man selbst bei sich den Fehler sehen oder der andere deutlich zeigen, dass er sein Verhalten als Fehler sieht und es nicht noch mal macht, oder beides zusammen. Wie hier schon oft geschrieben wurde.
Aber ist jemand immer mit schuld an einem Seitensprung des Partners? Also haben immer BEIDE haben die Beziehung schlecht geführt und einer war nicht reif genug, die Beziehung zu verlassen, sondern ging fremd?
Es gibt auch Menschen, die in gewisser Weise gar nicht so viel merken wie andere, ohne dass sie auf ihnen wirklich verletzend rumtrampeln. Es sind nur andere Wesenszüge.
Der Mann meiner einen Cousine hatte mir mal sein Herz ausgeschüttet, dass sie so unromantisch sei. Die ist eben so, es bedeutet ihr nichts. Ihm schon. Was soll er nun machen? Ihre Trampeligkeit dahingehend ertragen, sich ändern, ihr immer wieder sagen, was er sich wünscht, aber sie sich eben definitiv nicht, sich eine Romanze "gönnen" mit einer Frau, die genauso romantisch wie er ist? Die Beziehung ist ansonsten nicht schlecht oder problematisch, sie besteht seit über zwanzig Jahren. Aber es passt hier eben nicht und er hätte sich fragen müssen, ob das die richtige Partnerin für ihn sein kann.
 
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Nach all den zahlreichen Antworten sehe ich: »Fremdgehen« ist das, womit die meisten ihre Probleme haben. Hier liegt die Messlatte besonders hoch und es wird kaum unterschieden zwischen »einmalig« und ohne Gefühle oder wiederholtem Seitensprung (ein viel schöneres Wort, denn da ist der »Rücksprung« fast schon enthalten).

Zwar hatte ich das Beispiel von @carefull angeführt, weil dort die Verweigerung zur Nachsicht (oder Einsicht) so offensichtlich ist. Aber es geht mir vielmehr um die »Haltung«, was macht das Verzeihen für viele von uns so schwer?
Es sind noch andere, für mich sehr viel schwerwiegendere unverzeihliche Dinge aufgetaucht, z.B. Gewalt, besonders die an Schwächeren. @Lionne69 hat das angeführt - hier würde auch ich hart bleiben.

Wichtig finde ich auch den Punkt von @Tom26, der einfordert, dass auch ihm an der einen oder anderen Stelle verziehen werden sollte. Stimmt, ohne diese Erfahrung spürt man oft nicht, wie wichtig diese Eigenschaft ist.

Mich hat auch schon der offensichtliche Diebstahl meines geistigen Eigentums wütend gemacht, ein Verzeihen - nachdem es unter falschem Namen veröffentlicht wurde - fast unmöglich. Aber keine Wut über Jahre, ich habe halt danach immer einen großen Bogen um den Dieb gemacht; manchmal war der Vertrauensverlust auch sehr schmerzlich.

Zurück zum alten Thema, und ja, auch das ist mir nicht fremd:
Deswegen kannst Du auch nur hoffen dass du gelassen reagierst, solltest du erfahren dass Dein Mann mit einem Seitensprung eine aufregende Zeit hatte. Auch wenn es nur ein einziger Seitensprung war, geht bei Dir das Kopf Kino los und der Film läuft ohne Pause.
Ich habe das in meinen verschiedenen Liebesbeziehungen auch erlebt, war geknickt, enttäuscht ... aber wir haben geredet, beide unsere Seiten dazu angesehen und dann verziehen; einmal auch die Konsequenzen daraus gezogen.

Dennoch bin ich froh, dass ich Verzeihen gelernt habe. In meinem Elternhaus und in meiner Therapie vor vielen Jahren. Nicht zuletzt auch mit/bei (fast) allen meinen Partnern.
Das gebe ich weiter, an meine Kinder. Und wir fahren gut damit.
 
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Liebe @Amytan, ich denke, vieles in den heutigen Reaktionen kommt von zwei unterschiedlichen Strömungen.

Auf der einen Seite steht einem heute praktisch jede Möglichkeit, Beziehung zu leben, offen. Sei es F+, sei es Affäre, sei es offene Beziehung, Polyarmorie, monogame Ehe - all das steht offiziell gleichberechtigt nebeneinander.
Nun muss jeder Mensch schauen, welche dieser Möglichkeiten zu ihm passt und den oder die entsprechende(n) Partner dafür finden.

Die andere Seite ist, dass wir heutzutage zunehmend darauf geeicht sind (manchmal durch bittere Erfahrung), uns nicht schlecht behandeln zu lassen. Und auch hier muss jeder Mensch selbst schauen, wo "schlechte Behandlung" für ihn anfängt und wo er in der Beziehung womöglich in Nachteil gerät (@Kirovets Auführungen über das Thema Machtkampf lassen grüßen). Und da habe ich mittlerweile das Gefühl, dass Menschen in ihrem Bestreben, das bestmögliche für sich herauszuholen, gern über das Ziel hinausschießen. Wie unsicher Menschen sind, was die akzeptablen Grenzen sind (oder für sie sein sollten), kann man hier jeden Tag in irgendeinem Thread nachlesen. Nachsicht mit dem Gegenüber kommt zumindest hier fast nicht vor - man könnte ja über den Tisch gezogen werden ...

Vor vielen Jahren habe ich in einer christlichen Familienzeitschrift einmal den Bericht einer Frau gelesen, die auf Sex nicht sonderlich viel Wert legte (und entsprechend oft verweigerte) und deren Mann irgendwann einmal fremdging. Er hat es ihr gestanden, hat ihr die Umstände erklärt und durch die Gespräche wurde ihr immer klarer, welchen Anteil ihr eigenes Verhalten gehabt hatte. Zitat: "Sollte die Not wirklich so groß gewesen sein?" Das ist mir im Gedächtnis geblieben.
Fremdgehen ist nicht immer ein Zeichen eines miesen Charakters. Manchmal ist es - wie viele andere Dinge - einfach eine Reaktion auf eine Situation, mit der der Mensch nicht klar kommt. Menschlich eben. Wie der andere Part damit umgeht, ist dann wiederum ... menschlich. Manchmal kommt dabei Weiterentwicklung heraus, wie in der oben genannten Geschichte.

Ich selbst war früher immer der Meinung, dass außerhäusiger Sex ein Trennungsgrund für mich wäre. Inzwischen bin ich da gar nicht mehr so sicher - es gibt tatsächlich Dinge, die ich schlimmer und unverzeihlicher fände, obwohl mein eigener Kodex Fremdgehen ausschließt.
Es gibt Dinge, die mein Ex gesagt / getan hat, die irgendwann ein weiteres Zusammenbleiben unmöglich gemacht haben, die rein gar nichts mit Untreue zu tun hatten. Und ich reagiere immer noch unglaublich empfiindlich, wenn das Thema auftaucht.
 
Aber es geht mir vielmehr um die »Haltung«, was macht das Verzeihen für viele von uns so schwer?

Es ist um so schwerer, je tiefer man persönlich betroffen ist. Je länger die Verletzung andauerte, ob ein Vertrauensmissbrauch oder Anderes - wobei alles letzten Endes ein Vertrauensmissbrauch ist - und je tiefer die Beziehung zum Anderen.

Wir benötigen alle das Vertrauen, im Idealfall als Urvertrauen in die Eltern mitbekommen, dann ist man später robuster.
Vertrauen ist die Basis jeder positiven Beziehung - ob im Beruf, Kolleg*innen, Kund*innen, Freundeskreis, Familie, Partner*in.
Man vertraut, sonst ist ein Einlassen nicht möglich, selbst im Geschäfts, Berufsleben kann ich nicht alles vertraglich regeln, auch da braucht es Vertrauen.
Man muss es lernen, einen für sich adäquaten Weg damit umzugehen, dass man vertraut, und gelegentlich enttäuscht wird.
Manche misstrauen dann generell, Generalverdachte, manche schaffen Distanzen.
Mein Weg - ich weiß, ich kann ggf. mit der Enttäuschung umgehen, also gibt es Vertrauensvorschuss. Welche Konsequenz ich ziehe, hängt von der Beziehung ab, meinen Gefühlen zu der Person.
Bei Geschäftspartner*innen, Bekannten, loseren Beziehungen etc. reduziere ich den Kontakt in solchen Fällen aufs Notwendigste, beende. Aber bei anderen? Es kommt darauf an.

Generell ist es schwer, Vertrauensbrüche verletzen.
Du schreibst es, Du hast es in Therapien gelernt, ich brauchte auch lange.
Ich habe da gelernt, erstmal MEINE Gefühle als richtig anzuerkennen. Verletzung,, Schmerz, die Wut, etc. - eine Weile ist z. B. Wut hilfreich. Zur Mobilisierung von Energie, zum Wiederaufstehen, nur irgendwann kehrt es sich um. Meist unbewusst.
Man bleibt in der Opferrolle, Kopfkino, evtl. zusätzlich Schuldgefühle. Man verbittert...

Aber letztendlich muss jede*r seine Werte und Grenzen festlegen.
Man kann nicht Vergebung, Verzeihen fordern. Das muss alleine aus der betroffenen Person kommen.

Mir wurde auch öfters gesagt, es ist doch Dein/e Vater/Mutter... 😠. Ich muss doch.
Nein, ich muss nichts.
Vergeben - es ihnen zurück gegeben, abgeschlossen soweit es geht, habe ich. Es ist ihr Thema, ihr Verhalten. Mit den Verletzungen habe ich gearbeitet, soweit möglich geheilt, ab und zu zupfen die Narben.

Verzeihen/entschuldigen werde ich es nie. (ich unterscheide semantisch Vergeben und Verzeihen) Das bin ich mir selbst schuldig. Es war falsch.

Aber das sind die großen Vertrauensbrüche.
Bei Fehlern, Missverständnissen, vielleicht einem Straucheln - nun, wir sind Menschen.
Ich habe auch schon oft genug Menschen verletzt, enttäuscht, meist nicht mit Absicht.
Manchmal auch mit Absicht, weil ich nicht alle Erwartungen erfüllen kann/will.
Aber das wäre ein anderes Thema.

W, 51
 
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Fremdgehen ist nicht immer ein Zeichen eines miesen Charakters. Manchmal ist es - wie viele andere Dinge - einfach eine Reaktion auf eine Situation, mit der der Mensch nicht klar kommt. Menschlich eben. Wie der andere Part damit umgeht, ist dann wiederum ... menschlich.
Du fasst meine Vorstellung - hier im Zusammenhang mit Fremdgehen und dem was folgt, bzw. folgen sollte - sehr gut zusammen, liebe Serenissima.
Es mag daran liegen, dass ich, seit ich im Forum lese, ziemlich erschrocken bin, was für Vorstellungen, Erwartungen, Verzweiflung, Unverständnis und in deren Folge dann dieses »nie und nimmer!« auftaucht. Ich bin zwar nicht weltfremd (das funktioniert ab einem gewissen Alter ohnehin nicht mehr), aber ich freue mich über die vielen »guten Gedanken«, die ich hier auch lese.

Am Ende kamen bei mir doch Dinge an die Oberfläche, die ich erfolgreich verdrängt habe, z.B. eine bestimmte Sache, die ich meiner Mutter (die nicht mehr lebt) nie verziehen habe - und nach wie vor denke ich, das war richtig so. Und ich habe dabei gelernt, ihr damaliges Verhalten nicht weiterzugeben. Danke, @Lionne69!

Man kann nicht Vergebung, Verzeihen fordern. Das muss alleine aus der betroffenen Person kommen.
Das stimmt, aber wir sollten (vielleicht) öfters darüber nachdenken.
 
Viele Menschen können nicht verzeihen, weil sie glauben, dass die andere Person ihr Recht behält in dem, was sie tut. Verzeihen bedeutet aber nichts anderes, als zu akzeptieren, dass bestimmte Situation stattgefunden hat. Solange man nicht verzeiht, macht man wie ein kleines Kind Augen zu und meint "das bin ich nicht, das geschieht nicht mir". Ich rede jetzt nicht von frischen Wunden, wo noch Schock vorhanden ist und man ist noch viel zu verletzt, um klar zu denken, sondern vom jahrelangen Groll.
Ausserdem wurde man in die Rolle des Opfers gezwungen und solange man nicht verzeiht, behält man die Kontrolle über die Situation, wie man reagiert, weil es das einzige ist, was einem hilft, sich nicht hilflos und wehrlos zu fühlen.
Man hat viele Opfer oder Menschen, die jahrelange Prozesse führen, befragt und die meisten haben gemeint, dass es ihnen nicht um Bestrafung des Täters geht, sondern darum die Gerechtigkeit herzustellen und ein aufrichtiges Einsehen, was der Täter getan hat. Einige waren sogar bereit, milderes Urteil zu akzeptieren, wenn sie die Reue des Täters gesehen hätten, weil sie meinten, dass er auch sein Leben zerstört hat und mit seiner Tat leben muss.
 
Ich denke, wer absolut nicht verzeihen will und kann, der liebt nicht stark genug, sondern kreist ein bisschen zu viel um sich selbst und die eigenen Interessen und Vorteile, die durch das jeweilige Vergehen verletzt wurden. Denn wenn man einen anderen Menschen bedingungslos liebt, einfach liebt und ihn glücklich sehen will, kann man dann nicht alles verzeihen? Nicht gutheißen, aber verzeihen? Man sagt manchmal, dass die Liebe zu den eigenen Kinder bedingungslos sei. Vergibt man denen nicht auch nahezu alles, selbst wenn sie großen Mist bauen? So ähnlich sehe ich das mit einem Partner, den ich wirklich liebe. Wenn er fremdginge oder sonst was täte, wäre ich wahrscheinlich traurig und verletzt und wütend, ja, ich fände es nicht schön, aber verzeihen könnte ich es gewiss, denn Menschen haben immer Gründe, warum sie irgendwie handeln, am Ende ist jedes Verhalten immer irgendwie verständlich und nachvollziehbar. Wenn mein geliebter Partner aus irgendwelchen Gründen den Seitensprung für sich gebraucht hat, dann ist das eben so. Er ist doch deswegen kein schlechter Mensch! Vielleicht soll das mit uns nicht sein, vielleicht müssen wir was verändern oder getrennte Wege gehen, aber dann ist das eben so, dann ist es doch gut, dass wir das jetzt wissen.
Natürlich gibt es Menschen, die sich andauernd respektlos und rücksichtslos benehmen, aber in so einen Mann würde ich mich ja nicht verlieben. Der Mann, den ich liebe, ist ein guter Mensch, sonst würde ich ihn ja nicht lieben. Und wenn er mal etwas macht, was mir nicht gefällt, dann ändert sich meine Meinung über ihn nicht grundsätzlich -- wie egoistisch und egozentrisch müsste ich sein? --, sondern ich versuche, ihn zu verstehen, und ich verzeihe ihm (wenn ich überhaupt in der Position bin, über ihn zu "richten", denn an sich ist er ja ein freier und unabhängiger Mensch und wir sind freiwillig zusammen, weil es uns zusammen gut geht und wir einander mögen).

Ja, ich denke wirklich, es kommt darauf an, wie groß die Liebe ist. Das sieht man ja auch im Nachbarthread. Wenn die Ehe sowieso nicht mehr so gut läuft und nicht mehr so viel Liebe vorhanden ist, dann gibt es auch kein Verzeihen, dann wird ewig nachgetragen, vielleicht auch, weil man an die eigenen Opfer oder Anstrengungen denkt und dem anderen bestimmte Dinge nicht gönnt oder alles in Gefahr sieht. Da ist viel Egoismus, Besitzdenken und negative Energie, aber kaum Liebe. Eine wirklich glückliche Beziehung, wo beide sich sehr lieben, wird nicht an einmal auswärtigem Sex scheitern. Allerdings passiert das in wirklich glücklichen Beziehungen auch in der Regel nicht. Tja ...
 
Es gibt diesen Aha Effekt nicht in dieser Form.
Also EINEN Aha-Effekt gab es bei mir in meiner Exbeziehung (gerade der, der mit sexueller Unpassung zu tun hatte, also DIE Voraussetzung, um fremdzugehen, wenn man das Unpassungsproblem als "ist ja nur Sex, ansonsten ist die Beziehung ja gut" gesehen hätte). Andere Aha-Effekte gab es, glaube ich, nicht, da habe ich versucht, mich anzupassen, weil ich emotional auch abhängig war. Hier kam es erst nach der Trennung. Bei meinem Ex würde ich sagen, kam nie ein Aha-Effekt, weil er bis zum Ende sein Bild nicht ändern konnte, das er von seiner Idealfrau hatte und natürlich auch von sich als "Mann in Beziehung" und dessen Rolle.

Es gab ansonsten andere Aha-Effekte, wo wir voneinander lernten, aber das waren ja keine, bei denen es darum ging, dass die Beziehung auf dem Prüfstand war. So war es, wie gesagt, nur einmal bei mir (nach 3 Jahren Beziehung), und ich dachte dann, wie vermutlich viele: "mit einem anderen Mann wird es andere Probleme geben, sonst finde ich meine Beziehung richtig, also versuche ich, einen Kompromiss hier zu finden". War aber an meinem Wesen und meinen Bedürfnissen vorbei gedacht.

Da ist eine Partnerschaft, die läuft sich ein. Routine, viel Alltag, man funktioniert als Paar, aber eben immer mehr Funktion, immer weniger Wir.
So eine Beziehung hätte ich nie geführt. Aber mir ist schon klar, dass es aber schnell so kommt, wenn man zusammenzieht und ein gemeinsames Alltagsleben führt, aber sein eigenes Leben mit Arbeit usw. ja auch noch weiterführt. Ich denke auch, wenn man eine Familie gründen will, geht das nicht anders als mit einem gewissen routinierten Alltagsleben.
 
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Man redet, aber nur über Banalitäten, man tauscht sich immer weniger aus.
Aus eigener Erfahrung denke ich, dass so ein Gelaber sicherstellt, dass die Probleme nicht wieder diskutiert werden, die beide emotional extrem belasten und die Beziehung an einen kritischen Punkt bringen könnten. Und wenn das zu viel ist und die Menschen Tiefe in Gesprächen eh nicht SO vermissen, dass dies ein Trennungsgrund wäre, wird das immer mehr so banal. Ich kann das auch bei mindestens drei Paaren meines Umfeldes so beobachten. Bei zweien weiß ich ganz sicher, dass die Frauen sich mehr Austausch gewünscht hätten, weil sie irgendwann entdeckten, dass ihr Mann sehr wohl mit anderen Leuten darüber redet, was ihn innerlich bewegt. Bei dem dritten Paar reden beide total oberflächlich zu anderen, er will was darstellen und sie tratscht viel. Ironie und Selbstironie sind beiden total fremd. (Hat mich echt mal schockiert, dass sie eine selbstironische Bemerkung meinerseits für ernsthaftes Defizitempfinden nahmen. Ich will gar nicht wissen, was die über mich wirklich denken, wenn sie dachten, ich meine das als wahre Selbstbeschreibung.)

Es wird bestimmt bei jedem Paar Dinge geben, die man gern bereden würde mit dem Partner, also wenn hier nicht geredet wird, hat das Gründe. Entweder versteht einer den anderen nicht oder fühlt sich in seiner Sicherheit bedroht (wenn sowas wie "ich wollte schon immer nach Buxtehude ziehen" fällt oder "ich würde gern ein halbes Jahr nach Alaska gehen" oder "ich würde gern meinen Beruf wechseln, dafür muss ich jetzt jeden Abend in eine Lerngruppe").

Gerade mit dem Partner müsste man doch super reden können. Wenn man von den Problemthemen absieht, war das mit meinem Ex durchaus so. Der Humor war super und bekloppte Gespräche, die wirklich amüsant waren, hatten wir jede Menge.

Ich denke, es gibt auch Menschen, die übers REDEN keine Nähe empfinden. Also es ist bei ihnen wesensmäßig so.
Für die ist es besonders schwer, Probleme zu bereden, weil man sie ja auch totschweigen kann, wenn nach einer Weile EMOTIONAL und UNVERBAL wieder Nähe zu spüren ist. Dann ist ja wieder alles gut.
 
wundere ich mich über Haltungen, die ganz schön unnachgiebig sind...... Auch für mich gibt es Vertrauensbrüche, die unverzeihlich sind......

Du entrüstest Dich, das andere nicht verzeihen können, hast aber selber Dinge, die Du unverzeihlich findest. Warum kannst Du nicht akzeptieren, dass es unterschiedliche Wertesysteme gibt und es garkeinen Unterschied ausmacht, ob jemand anderer bei einmal fremdgehen genauso am Rad dreht, wie Du wenn Dir jemand Kohle abgeknöpft hat?

Wer wenig hat und materialistisch eingestellt ist, der dreht halt am Rad, wenn ihn jemand um sein Geld gebracht hat. Mir z.B. ist Geld relativ egal. Ich wiederum habe sehr viel Verständnis dafür, dass jemand der zu dumm und/oder zu faul ist um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, in einer konsumorientierten Gesellschaft wie unserer versucht jemand anderen um sein Geld zu bringen. Mein Exmann hat, um seineAffären für sich zu begeistern auch das Konto geplündert. das war mit ziemlich egal - ist doch nur Geld, es kommt und es geht, egal wofür.

Mir ist mein Körer wichtig. Mir ist auch mein Ruf wichtig. Es wäre mir zutiefst peinlich vor meiner Gyn, wenn mein Partner mit irgendeine Seuche aufhalst, die er sich bei einer genauso liederlichen Person eingefangen hat, wie er es ist. Ich mag nicht belogen, betrogen werden, ich mag kein Verheimlichen, weil ich ohnehin Probleme habe mit Vertrauen und Sicherheit.
Warum sollen meine Werte weniger wert sein als Dein Geld?

Ist es wirklich so schwer, sich - wenigstens kurz - in den/die Andere/n hinein zu versetzen?
Wer sagt denn, dass man das nicht tut? Das bezweifele ich stark. Ich habe mich sehr wohl in meinen Ex hineinversetzt und verstanden warum er das braucht. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich es gut finden oder akzeptieren muss.
Ich habe verstanden, dass er es braucht, warum er es braucht und dass er es auch immer brauchen wird. Genauso habe ich verstanden, dass ich es niemals mehr akzeptieren will weil es mir schadet.

Sich selbst zu hinterfragen, was ist/war MEIN Anteil?
Auch hier kann ich mir nicht vorstellen, dass man es nicht tut. Aber das muss nicht zwangsläufig am Ergebnis was ändern. Ich kannte meinen Anteil am Geschehen eher und besser als seinen, hat aber nichts am Ergebnis geändert, sondern es zementiert.
Wenn ich mich immer zurückziehe, mir alles gefallen und mich ausnehmen lasse, dann brauche ich keinen Mann der das tut und keine Einstellung, dass es ok ist. Im Gegenteil: ich brauche ich einen anständigen Mann mit einem Wertesystem für den sowas ein NoGo ist und ich muss mich wehren lernen.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Ich denke, wer absolut nicht verzeihen will und kann, der liebt nicht stark genug, sondern kreist ein bisschen zu viel um sich selbst und die eigenen Interessen und Vorteile, die durch das jeweilige Vergehen verletzt wurden.

Für das Liebeskonzept:

Denn wenn man einen anderen Menschen bedingungslos liebt, einfach liebt und ihn glücklich sehen will, kann man dann nicht alles verzeihen?

hast Du Recht. Das ist nicht mein Konzept von Liebe, aber da hat ja jede ihre Freiheit. Für mich ist im Leben nichts bedingungslos, auch Liebe nicht. Sonst kann ich ja fremdgehen wie ich will, weil das bedingungslos verziehen wird. Bedingungen wie Treue passen dann ja nicht in dieses Konzept.

Verzeihen hat für mich auch viel mit dem Umgang mit sich selbst zu tun. Wer nicht verzeiht, kann eigentlich auch nicht vollständig verarbeiten und trägt dann immer ein ungutes Gefühl mit sich herum.
Das ist ja bei den Frauen hier der Fall, die betrogen wurden und dann jedem neuen Mann erstmal mit Argwohn begegnen. Oder der FS im Reha-Thread, die doch letztlich vermutlich viel mehr und länger unter ihrer Wut leidet als ihr Mann.

Von Konsequenzen ist das für mich sogar losgelöst. Ich kann mich wegen Betruges von einer Frau trennen, weil das nicht mein Konzept von Beziehung ist und ihr das trotzdem nicht nachtragen, weil es eigentlich nicht mehr mein Problem sein sollte, wenn die Beziehung beendet ist. Den Betrug also verstehen und verzeihen und trotzdem dem Menschen nicht mehr böse sein. Mit etwas Abstand war das nach dem Ende meiner Ehe so.
 
Es mag daran liegen, dass ich, seit ich im Forum lese, ziemlich erschrocken bin, was für Vorstellungen, Erwartungen, Verzweiflung, Unverständnis und in deren Folge dann dieses »nie und nimmer!« auftaucht.
Ach Amytan, ich gönne es dir, dass du mit solchen Leuten erst hier im Forum zu tun haben musstest.
Mein Vater hat immer gesagt:
Ein Mensch mit starker Persönlichkeit kann alles verzeihen, weil er weiss, dass er nicht muss. Dazu muss man aus einer eigenen Position der Stärke mit Gelassenheit nachdenken. Dann kann man grosszügig sein - weil man es will.
Ja, er hat recht. Denn all die Kleingeister, die sich auf Regeln und Verbote stützen müssen wie ein Lahmer auf seine Krücken, haben weder die Kapazität zum Nachdenken noch die Kapazität, im Einzelfall mit Gelassenheit und Grosszügigkeit zu agieren. Die sind so klein und mickrig, dass sie immer auf Regeln, Verbote und Moral pochen müssen.
Ja, die Schwachen jammern dann, gar keine andere Chance gehabt zu haben. Aufgrund irgendwelcher irrwitzigen Regeln. Und die Starken kreieren sich eine neue Chance. Weil sie auf die Regeln scheissen können.
Jeder kann selbst entscheiden, ob er mit einem kleinen Kläffer zusammenleben will, sein leben mit Machtkämpfen im privaten statt im beruflichen Bereich vertrödelt - oder ob er lieber der Berner Sennhund sein will, der einmal tief und laut bellt und die kleinen Kläffer spuren wieder. Der Berner Sennhund weiss, dass er auch dann noch gross und stark ist, wenn die Kleinen kläffen .... die Kleinen wissen aber nicht, dass der Grosse sie viel eher respektieren würde, wenn sie mal die Klappe halten würden.
 
Liebe FS, warst du selber jemals in dieser Situation? Wurdest Du jemals selber betrogen und hast danach verzeihen können? Hast Du betrogen und man hat dir verziehen? Oder ist es für dich eine rein theoretische Diskussion, worüber du nur durch Forum in Berührung gekommen bist?
Es sind noch andere, für mich sehr viel schwerwiegendere unverzeihliche Dinge aufgetaucht, z.B. Gewalt, besonders die an Schwächeren.
Für mich ist ein systematisches Fremdgehen (kein ONS) auch eine Art seelischer Gewalt. So etwas kann einen Menschen wirklich seelisch sehr verletzten. Wie kommst du überhaupt darauf sich auf Seite von Menschen zu stellen, die Anderen seelisch so dermaßen verletzen?
Warst du selber jemals in dieser Rolle? Wenn nicht, wie kommst du darauf eine Vergebung anzuklagen, worüber du null Ahnung hast und selber niemals erlebt hast? Denke doch darüber nach!
Ich denke man hat immer eine Wahl. Man kann sich trennen, wenn es nicht mehr rund läuft. Diejenigen, die sich für Betrug entscheiden, wissen was sie tun. Sie nehmen die seelische Verletzung des Partners/der Partnerin voll im Kauf. Natürlich sagen sie danach, dass sie einen Fehler gemacht haben. Was bleibt ihnen auch übrig?
 
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Naja, ich denke mal, jeder hat Punkte wo verletzbarer ist und dafür jemand anders an einem anderen Punkt.

Manchen bedeutet sexuelle Treue nicht viel, weil Ihnen Sex nichts bedeutet oder als eine Art Sport angesehen wird, dafür aber absolute Loyalität in der Familie/engen Freunden. Das wurde hier auch schon
postuliert, dass illoyale Personen sofort fliegen-nix mit verzeihen.

Und für manch ist eben Fremdgehen Illoylität.
Ich denke auch, zwischen einer Daueräffäre und einem Seitensprung ist zu unterscheiden. Weil eben die Daueraffäre mit permanenten Lügen einhergeht, d.h. der andere wird nicht nur sexuell, sondern auch in anderen Bereichen betrogen. Wer wissenentlich eine von beiden Seiten gewollte monogame Beziehung eingeht und sich dann umentscheidet, ohne den Partner mit einzubeziehen, ändert eben die Übereinkunft stillschweigend, heimlich und einseitig.
Verzeihen heisst für mich nicht, das Handeln des anderen gut zu heissen.
Das heisst auch nicht, um jeden Preis z.B. eine Beziehung fortzuführen.
Aber es heisst eben, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, sie gehen zu lassen. Verzeihen macht man ja nicht für den anderen, sondern für sich.
Man kann es loslassen. Rache und Wutgedanken erzeugen in einem selbst negative Emotionen, die sich auf auf einen selbst negativ auswirken würden.
D.h. nicht, dass es immer gleich gelingt.
Das kann dauern.
Das höchste Gut ist der eigene innere Frieden.
Unbewältigte Dinge aus der Vergangenheit, die immer wieder hochkochen, kosten Energie, und Energien beeinflussen die Gegenwart, obwohl sie eigentlich aus der Vergangenheit kommen.
 
Warst du selber jemals in dieser Rolle? Wenn nicht, wie kommst du darauf eine Vergebung anzuklagen, worüber du null Ahnung hast und selber niemals erlebt hast? Denke doch darüber nach!

Warum den Angriff?
Ich verstehe Amytans Frage nicht als Aufforderung, zu verzeihen, sondern als Frage, warum man nicht verzeihen kann /mag.
Und es geht auch nicht nur um Betrug - in sexueller Form, sondern grundsätzlich um Verzeihen.

Vielleicht könnte ich z. B. einen Seitensprung verzeihen, eine längere Affäre, schwierig. Auch wenn mir Sexualität /Intimität und sexuelle Treue wichtig ist.
Gewalt - Ende der Beziehung.

Naja, ich denke mal, jeder hat Punkte wo verletzbarer ist und dafür jemand anders an einem anderen Punkt.

So sehe ich es auch, jede*r hat seine Werte, Grenzen.
Deswegen ist es beim Kennenlernen so wichtig, zu schauen, dass man bei grundlegenden Werten ähnlich tickt.

Und, aus eigener Erfahrung, "Betrug" gibt es auch in anderer Form. Das muss nicht Untreue sein.


Verzeihen heisst für mich nicht, das Handeln des anderen gut zu heissen.
Das heisst auch nicht, um jeden Preis z.B. eine Beziehung fortzuführen.
Aber es heisst eben, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, sie gehen zu lassen. Verzeihen macht man ja nicht für den anderen, sondern für sich.
Man kann es loslassen. Rache und Wutgedanken erzeugen in einem selbst negative Emotionen, die sich auf auf einen selbst negativ auswirken würden.
D.h. nicht, dass es immer gleich gelingt.
Das kann dauern.
Das höchste Gut ist der eigene innere Frieden.
Unbewältigte Dinge aus der Vergangenheit, die immer wieder hochkochen, kosten Energie, und Energien beeinflussen die Gegenwart, obwohl sie eigentlich aus der Vergangenheit kommen.

Das ist ein tolles Resümee, danke.

W, 51
 
Wurdest Du jemals selber betrogen und hast danach verzeihen können? Hast Du betrogen und man hat dir verziehen?
Non, la vie n'est pas toujours belle, auch für mich nicht. Ich diskutiere gerne auch mal theoretisch den Lauf der Dinge, doch bei Wesentlichem rede ich nicht nur ins Blaue hinein. Das beruht dann immer auf persönlichen Erlebnissen.

@Tom26 beglückwünscht mich weiter oben dazu, dass ich dieser Basta-Mentalität wohl erst im Forum begegnet bin, das stimmt nicht ganz, aber ich hab sie nie so gehäuft erlebt.
Da ich aber in der Lage bin, überwiegend glücklich durch die Welt zu marschieren, d.h. meist die Sonne am Horizont sehe, bin ich auch in der Lage, die meisten Kränkungen, die mir widerfahren sind, zu verzeihen. Oder besser: sie demjenigen, der involviert ist oder sie ausgelöst hat, nicht hinterher zu tragen. Das betrifft manchmal auch mich selbst (leider bin ich hier weniger nachsichtig).

Großzügig sein zu können (und ich meine nicht »gönnerhaft«) tut gut - probier's mal!
Lies mal die Beiträge von @Inanna*, @Pfauenauge und @Lionne69 in diesem Thread. @Tom26 gehört auch dazu. Nicht, weil sie hier Beifall klatschen - eher, weil sie alle die Größe haben, nicht immer »kleinherzig« reagieren zu müssen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich glaube, so ist es nicht. Es gibt diesen Aha Effekt nicht in dieser Form.

Da ist eine Partnerschaft, die läuft sich ein. Routine, viel Alltag, man funktioniert als Paar, aber eben immer mehr Funktion, immer weniger Wir.
Man redet, aber nur über Banalitäten, man tauscht sich immer weniger aus.
Frauen neigen dann dazu, immer mehr zu "Reden", Männer immer mehr wegzuhören und zu schweigen. Oder es schweigen beide, oder man führt Scheingefechte über Nebenthemen.
Sehr leicht passiert es mit Partnerschaften, die jung anfangen. Man hat Ideen, Vorstellungen, Ziele. Dann setzt man um, eigentlich schön. Nur ist man die ganze Zeit beschäftigt, Karriereaufbau, Familiengründung, Hausbau... Die Zeit für Wir verschwindet. Man entwickelt sich, und weil es zuwenig wir gibt, nicht miteinander sondern voneinander weg. Man verlernt die Sprache der /des Anderen, die Kommunikation. Man verliert Achtsamkeit, Respekt, Liebe.

Aber man realisiert es nicht, nimmt es als - es ist halt so, Höhen und Tiefen - Gewohnheit. Nicht gut, nicht schlecht.

Dann passiert etwas, wie im Parallelthread. Jetzt wäre das Momentum, die Realität zu prüfen. Ohne Schuldzuweisungen.

Und dann gibt es nur ein Fazit, echter Neustart oder Trennung.

Ich glaube, die Frage ist nicht so leicht zu beantworten.
Generell, verzeihen, vergeben - ja. Das durchaus, es kommt aber auf den Sachverhalt an. Bei Gewalt tue ich mich mit Vergebung schwer.

Die Frage lautet aber, wie gehe ich mit den Folgen von dem, was ich vergeben soll, um? Was gab es für Folgen?

Es gibt Dinge, die ich nicht verzeihen kann, vergeben ja, aber dann will ich mir dieser Person nichts mehr zu tun haben.

In einer Partnerschaft ist für mich Vertrauen ein absolut unabdingbarer Wert.
Ist dieses Vertrauen weg, trenne ich mich.

Ich würde aber prüfen, liebe ich noch, vielleicht ist diese Liebe längst zur Gewohnheit geworden und weg, dann stellt sich die Frage sowieso nicht.
Wenn ich noch liebe, würde ich prüfen, wie Verletzungen heilbar wären, Vertrauen wieder aufbaubar. Was hat gefehlt..

Ich denke, dass ich bei einer längeren Affäre, regelmäßigen ONs, definitiv weg wäre, ebenso wie bei anderen Täuschungen. Es gibt bei weitem nicht nur Vertrauensbrüche in Hinsicht sexueller Untreue.
Da gibt es einiges, was für mich schwerer wiegen würde als ein einmaliger ONs. (und da wäre es mir lieber, es nicht zu wissen)

W, 51
Hallo Lionne69......diese und Ihre anderen Antworten sprechen mir sehr aus meiner eigenen Seele......danke!!!!!
Ich bin zu 100% da bei Ihnen u.habe es jetzt nochmals schwarz auf weiß vor mir, was ich mir für eine Partnerschaft wünsche und so auch leben möchte!
Bisher hat sich ein Mann dazu noch nicht "hinreißen" lassen ;-)))
LG w52
 
Das war kein Angriff sondern eine Frage, ob die FS jemals selber in dieser Rolle gewesen sei. Die FS hat selber mehrere Partnerschaften hinter sich. So wie es aussieht hat sie selber nicht verzeihen können, Jedenfalls hat sie die Beziehungen beendet.

Das beobachte ich sehr oft, dass Menschen Sachen propagieren, die selber niemals dulden würden.

Für mich ist es so: Ich habe mit der Vergangenheit meinen Frieden gefunden. Ich habe es akzeptiert. Und für mich ist das Leben trotzdem sehr schön. Es ist wirklich so, wie ich es schreibe.

was uns verbietet nachsichtig zu sein? Ist es wirklich so schwer, sich - wenigstens kurz - in den/die Andere/n hinein zu versetzen?
Nachsichtigkeit ist keine Einbahnstraße. Auch Empathie ist keine einseitige Sache.
Das ist genauso, wenn jemand sagen würde, die Frau ist selber schuld, wenn der Mann sie betrügt.
Großzügig sein zu können (und ich meine nicht »gönnerhaft«) tut gut - probier's mal!
Du kennst mich nicht geehrte Amytan. Wenn du mich wirklich gekannt hättest, würdest du diesen Satz gar nicht schreiben. Aber wie auch oben geschrieben, viele schreiben Sachen, wofür sie gar keine Ahnung haben. Sei es dir aber gegönnt. Ein schönen Sonntag dir.
 
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Oder besser: sie demjenigen, der involviert ist oder sie ausgelöst hat, nicht hinterher zu tragen. Das betrifft manchmal auch mich selbst (leider bin ich hier weniger nachsichtig).

Ein wichtiger Punkt, sich selbst zu verzeihen. Manchmal der schwerste.

Wie oben gesagt, dass ist ein Prozess. Jeder hat sein eigenes Tempo.
Dazu gehören auch vorbereitende Schritte.
Dazu gehört auch, zu akzeptieren, dass etwas geschehen ist, was man nicht wollte. Wo man evtl. machtlos war, nichts tun konnte, ausgeliefert war, ohnmächtig, verraten etc.

Diese Geschehnisse können zu Wut, Angst, Ohnmacht, sich schuldig fühlen etc. führen.
Das Geschehene zu akzeptieren heiß die Realität zu akzeptieren. Teile der Realität auszublenden, zu verdrängen, sich anders zu wünschen, funktioniert auf Dauer nicht bzw. führt zu dauerhaftem inneren Unfrieden. Erst das Ganze mit positiven wie negativen Seiten zu sehen und zu akzeptieren bedeutet Frieden.

Die Verantwortung dort zu lassen, wo sie hingehört.
 
Die FS hat selber mehrere Partnerschaften hinter sich. So wie es aussieht hat sie selber nicht verzeihen können, Jedenfalls hat sie die Beziehungen beendet.

Liebe Lavieestbelle,

Auch ich habe mehrere Partnerschaften hinter mir.
Beendet habe ich, weil die Differenzen zu groß wurden, um noch Brücken zu schlagen, weil es schlicht nicht mehr passte.
Vielleicht weil es von Anfang an bei Wesentlichem nicht passte, was ich nicht sehen konnte /wollte. Manchmal entwickelte sich die Nichtpassung.

Vergeben habe ich mir selbst, meinen Anteil, den es gab, und auch gegenüber meinen Ex-Partnern trage ich nichts nach.
Beim Thema Vergebung gehören immer die Eigenanteile dazu, die realen Eigenanteile, die man sich auch erst eingestehen muss.

Der Lebensweg ist selten gerade, es braucht die Um- und Irrwege, manchmal mehr, bis man lernt, was man lernen soll.

Die Trennungen hatten aber definitiv nichts mit nicht vergeben zu tun.
Auch Vergebung macht eine Partnerschaft nicht mehr passend.

Umgekehrt kann ich aber in einer Partnerschaft, die grundsätzlich stimmig ist, sich gut anfühlt, auch vergeben UND die Partnerschaft bewahren.
Es wird immer Situationen geben, wo etwas suboptimal läuft, wo man den anderen unbewusst verletzt, Fehler macht... Auch da muss es abgehakt werden und nicht Thema der nächsten 10 Jahre. Da muss ich mich auch an die Nase fassen, ich habe ein Gedächtnis wie ein Elefant. Das muss ich aktiv (für mich) bearbeiten.

Bei einer Partnerschaft, in der es zu größeren Vertrauensbrüchen kommt, stelle ich die Passung in Frage, prüfe und entscheide für ich, ob ich weiterführen will.
D. H. Aber nicht, nicht zu vergeben, abzuhaken und positiv weiter zu gehen.

Wir tragen alle Enttäuschungen, Verletzungen in uns, es kommt aber darauf an, ob ich diese mein Leben beherrschen lasse, mit Misstrauen, Verbitterung - Stichwort @Pfauenauge "negative Energie" oder vielleicht einen anderen Weg finde.

Denn man macht auch viele gute Erfahrungen... Vertrauen, das passte, Unterstützung, mit der man nie rechnete, Freundschaften, ein Lächeln, Verständnis - oder ein Willkommen... In einem kleinen Dorf als Neuzugezogene, im Freundeskreis des Partners... Eine unerwartete Großfamilie, mit 6 jungen Leuten, die trotz ihrer Unterschiede erstaunlich gut harmonieren... Oder so manche das Herz berührende Komplimente...

W, 51
 
Zuletzt bearbeitet:
Man sagt, die Seele eines "verletzten" Menschens braucht ca 7 Wiedergutmachungen.
Hört sich ja ziemlich einfach an, sag 7 x sorry und gut ist es.
Klappt nur so nicht, hab ich erprobt.
Nicht mal, wo ich so gerne hätte verzeihen wollen.

Hätte ich eine gute Ehe von 26Jahren, wo sich der Alltag zu sehr eingeschlichen hat, zuviel Selbstverständlichkeit, sich langsam nicht mehr sehen, obwohl man sich täglich sieht, keinen Sex....
Ich würde verzeihen wollen und es als Wachrütteln und neue Chance sehen wollen.

Aber was, wenn es nicht weggeht, belastet, Stein im Magen, Kloss im Hals...
Welche 7 Wiedergutmachung bräuchte ich? Weiß man das, kann man das benennen? Und was wenn der andere vieles richtig macht....aber irgendwie am Thema vorbei?
Zumindest wird so viel Arbeit auf den zukommen, der verzeihen will und gleichzeitig, die Frage: Ist hier meine Grenze, ob ich will oder nicht?

Seid ihr alle immer so klar mit Euch selbst?
Ich würde mir wohl Hilfe für mich suchen, um mich wirklich zu sortieren.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Verzeihen, heißt nicht alles mitzumachen, in destruktiven Beziehungen zu verharren, sich schlecht behandeln zu lassen.
Man darf sehr wohl Grenzen setzen, unpassende Beziehungen beenden.
Man darf auch mal wütend sein, etc.
Und gleichzeitig das Geschehene zu akzeptieren, ändern lässt es sich ja eh nicht mehr.
Den Groll und die Wut loslassen. Dem anderen und sich vergeben.
In Frieden weiterleben.
Kriege sind aus Rache entstanden. Nachbarn haben angefangen sich gegenseitig zu hassen und umzubringen, weil einer angefangen hat.
Der andere wollte ihm "heimzahlen". Das ist alles menschlich nachvollziehbar, führt aber zu gar nichts ausser zu einem nicht endenen Kreislauf. Nebenkläger können es oft nur schwer der Rechtssprechung überlassen, für Recht zu sorgen. Auch wenn der Täter hart bestraft wird, oder wie in den USA umgebracht wird, bekommen sie oft keinen inneren Frieden. Wenn schwere Verbrechen begangen werden oder jemand deren verdächtigt wird, kritisieren viele, dass derjenige überhaupt einen Anwalt bekommt und verteidigt wird und dassdas Gericht ein Urteil fällt und nicht die öffentliche Meinung, Da sind wir oft noch nicht übers Mittelalter hinaus.
Das alte Testament spricht von "Auge und Auge", "Zahn um Zahn".
Jesus Worte waren: "Vater, vergib Ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun."
Dies soll nicht der Start einer Religionsdiskussion werden. Es gibt auch Christen, die nicht vergeben können, was ihre Vergangenheit angeht.
Es geht nicht darum, irgendwelche Worte nachzuplappern an der Oberfläche, um vor sich und nach außen gut dazustehen, während im Innern alles weiterbrodelt.
Nelson Mandela z. B. ist aus dem Gefängnis nicht mit Hass gegangen. Er hat seine Liebe und sein Charisma behalten.
Niemand sagt, dass das leicht ist. Es gibt aber Menschen, die das geschafft haben obwohl sie Ungerechtigkeiten, Gewalt, Demütigung etc. erlebt haben.
 
Die FS hat selber mehrere Partnerschaften hinter sich. So wie es aussieht hat sie selber nicht verzeihen können, Jedenfalls hat sie die Beziehungen beendet.
Ja, ich habe mehrere Partnerschaften hinter mir - und jede davon war auf ihre Weise schön. Zu verzeihen gab es nichts. Und nicht jede Partnerschaft endet infolge eines Seitensprunges (auch wenn das, statistisch gesehen, der häufigste Trennungsgrund ist).

Ich behaupte ja nicht, dass ein Seitensprung nicht schmerzhaft sein kann, egal, von welcher Seite er ausgeht.
Ich meine auch nicht,
die Frau ist selber schuld, wenn der Mann sie betrügt.
Ich plädiere nur dafür, dass beide Seiten sich ihren Anteil anschauen mögen, was, im übrigen nicht nur für Seitensprünge gilt. Geschieht dieses »sich anschauen« fair, offen und ohne Aggression, kann auch die daraus resultierende Erkenntnis gemeinsam getroffen werden.
DAS habe ich (fast) immer hinbekommen, und das sage ich bewusst einschränkend: denn ich bin natürlich auch kein Engel, dem alles gelingt.
 
Seid ihr alle immer so klar mit Euch selbst?
Ich würde mir wohl Hilfe für mich suchen, um mich wirklich zu sortieren.

Liebe Pixi,
Ich bin es auch nicht.
Ich bin bei manchen Entscheidungen eine perfekte Zerdenkerin. Du hast völlig recht mit allen diesen Gedanken.
Ich glaube, diesen Weg würde ich, wenn ich mich so im Kreis drehe, auch gehen.

Einfach ergebnisoffen noch mal mit jemandem Professionellem reden, mich sortieren - bis ich eine klare Antwort in mir spüre.
Ich habe auch manchmal erst das Thema ruhen lassen müssen, Abstand gewinnen. Irgendwann ist die Antwort da, manchmal, meine Erfahrung, muss eine Entscheidung reifen.

Und dann war es, nach dem vielen rationalem Zerdenken, die Bauchentscheidung. Was passt für mich, vom Gefühl her. Die Konsequenzen hatte ich ja schon beäugt.

W, 51
 
Wie möchte ein solcher Mensch lernen, ein bessere Mensch zu werden, wenn keine notwendigen Sanktionen geliefert werden?
Ich denke, es ist viel mehr für den Menschen, der zuviel Rücksicht nimmt, nämlich: eine Ausrede, einen Vorwand, um die eigenen Defizite in der eigenen Persönlichkeit zu kompensieren!
Ja, genau .... die IM's waren ja schon immer sehr gut, die "besseren Menschen. Sie haben das Recht, Sanktionen zu fordern, festzulegen, wer sich wo verbessern muss und wer Defizite in welchem Bereich hat
.
Man bessere alle so, dass sie auch IM's werden .....
(Ja, ich habe das bewusst so geschrieben.... in Anspielung auf die Blockwartmentalität der vordergründigen und selbsternannten "Gutmenschen").

Ich weiss nicht, was sich hier manche Leute einbilden. Man kann entscheiden, ob eine Person zu einem passt .... aber nicht, dass diese Person Defizite hat, die ich verbessern muss.
Ich persönlich denke nicht, dass ich eine Pixi, eine Lionne, eine Amytan, eine realwoman oder einen Lebenslust, Apfeldieb oder Neverever verbessern könnte. Selbst wenn diese Personen mir erlauben würden an ihnen rum zu pfuschen. Und das gilt auch für die Leute, die ich nicht schätze. Die ich kritisiere und über die ich mich lustig mache.

Ich verstehe, dass für einige Menschen ein gewisses Verhalten als "passt nicht zu mir" klassifiziert wird. Ich verstehe auch, dass man Dummheit diagnostizieren kann. Solche Menschen will ich aber gar nicht im persönlichen Umfeld.
Was ich kann - jemandem meine Sicht der Dinge zu erklären. Verbessern kann ich teilweise sein Wissen und Können. Aber damit das klappt muss eines da sein: SEIN WILLE - von mir zu lernen.
Ich habe in meinem persönlichen Umfeld Menschen, die ich mag, schätze, gern habe ..... und denen verzeihe ich gerne all ihre "Fehlerchen" - sie verzeihen mir nämlich auch meine Böcke. Ich bin gerne grosszügig - und nehme gerne die Grosszügigkeit anderer an.
Ab und zu trennen sich Wege - aber das muss nicht zwingend mit Hass, Feindschaft o.ä. verbunden sein.
Grosszügigkeit maag eben keine kleinen Geister .....
 
Wie möchte ein solcher Mensch lernen, ein bessere Mensch zu werden, wenn keine notwendigen Sanktionen geliefert werden?

Für mich ist das kleingeistiges Denken. Lernen geschieht durch Eigenmotivation, nicht durch Druck von außen. Die meisten moralisierenden Menschen, die ich kenne, sind sich selbst gegenüber sehr großzügig, bei anderen schreiben sie gerne vor, wie die sich zu benehmen haben.
So funktioniert für mich keine Beziehung. Als "Sanktion" bleibt dann nur, seinerseits die Trennung zu liefern.

Deine Denkweise ist offenbar: ich suche mir einen Menschen, ohne zu schauen, ob der zu mir passt und dann erziehe ich ihn mit Druck passend. Funktioniert nicht.

Nach 25 Jahren Ehe habe ich ein Gesamtbild. Wenn die Ehe vorher schon wackelig war, dann ist sie nach dem Fremdgehen sicher tendenziell am Ende. Wenn vorher alles toll war, wird das keine Rolle spielen. Es ist eben ein Abwägen.

Erziehungsversuche sind sinnlos.
 
Man sagt, die Seele eines "verletzten" Menschens braucht ca 7 Wiedergutmachungen.
Hört sich ja ziemlich einfach an, sag 7 x sorry und gut ist es.
Ich denke, das sind Wiedergutmachungen genau in dem Bereich, dass der andere sieht, dass er wieder Vertrauen haben kann. Also nichts Dahergesagtes sieben Mal, sondern echte Beweise, dass der "Täter" sich mit seinem Fehlverhalten echt auseinandergesetzt hat und die Sicherheit geben kann, dass es nicht noch mal passiert.

Schwierige Sache, wenn z.B. einer meint, er würde doch nur Scherze machen und sein Partner hätte wohl keinen Humor. Eigentlich generell schwierig, wenn eben NICHTS eingesehen wird, warum der andere jetzt verletzt ist und wie groß die Verletzung ist, sondern man einfach selbst einschätzt, dass das so schlimm ja wohl nicht sein kann.

Ich finde ein bisschen, dass in der ganzen Diskussion eine Wertung stattfindet: Verzeihen ist Größe, Nicht-Verzeihen ist falsch, niedrig, böse, charakterschwach. *)
Warum? Wenn einer damit leben kann, nicht zu verzeihen und auf den Menschen, der ihn verletzt hat, in Zukunft zu verzichten, ist es doch auch ok.

Ich könnte mir vorstellen, das *) ist bei manchen sowas wie "über Tote nur Gutes". Das kommt daher, dass man Angst hatte, die könnten sich rächen.
Wenn man jemandem was nicht verzeiht (nicht: nicht vergibt), was für mich verbunden ist mit "es ist wieder gut", was sollte da Negatives passieren für beide? Nichts. Es sei denn, man glaubt an Karma oder schlechte Energien, die andere einem schicken könnten.
Mit dem eigenen Schuldempfinden muss man selbst fertig werden. Ich denke, das ist oft der Fehler, dass man meint, wenn der andere sagt, es sei wieder gut, dass es damit auch erledigt ist. Aber es ist man selbst, der sich selbst zeigte, wozu er fähig ist und was er beim anderen angerichtet hat. DAS muss erstmal verarbeitet werden, damit alles wieder gut werden kann und eben auch diese Besserung eintritt, das Vertrauen wieder da sein kann beim anderen, dass es nicht noch mal passiert.

Dumm wäre, wenn der, dem was angetan wurde, nun mit Groll weiterlebt und sich ständig den Tag versaut, indem er sich aufräufelt.
Wikipedia meint: " Vergebung ist der Verzicht einer Person, die sich als Opfer empfindet, auf den Schuldvorwurf. Dieser primär innerseelische Vorgang kann unabhängig von Einsicht und Reue des Täters vollzogen werden."
Das halte ich für sinnvoll. Vergeben und Vergessen, wenn man auch nicht verzeihen kann.

Und auch schlecht ist es, wenn dem "Täter" signalisiert wird, dass man weiter mit ihm zu tun haben will, aber dann dauernd das Geschehene wieder auftischt. Dann konnte man nicht vergeben und nicht verzeihen. Oder wenn der Täter innerlich büßt und eine Art Paranoia entwickelt, der andere würde ihn jetzt wieder bestrafen wollen, weil er ihm nicht auf ihn zugeschnitten signalisiert "ja, ich habe verziehen, ja, ich habe verziehen".
 
Zuletzt bearbeitet:
ch plädiere nur dafür, dass beide Seiten sich ihren Anteil anschauen mögen, was, im übrigen nicht nur für Seitensprünge gilt. Geschieht dieses »sich anschauen« fair, offen und ohne Aggression, kann auch die daraus resultierende Erkenntnis gemeinsam getroffen werden.
Das mit den eigenen Anteilen gilt sicher für für vieles, aber nicht für alles.
Kleine Kinder z.B., die von den Eltern misshandelt werden.
Erwachsene, die Opfer von Gewaltverbrechen werden.
Verkehrsunfälle, weil jemand betrunken am Steuer sitzt.
Menschen, die unschuldig im Gefängnis sitzen usw.

Das kann sonst schnell in victim blaming umschlagen.
Das hatten wir hier auch schon. Nein, das Opfer ist nicht selber immer mit Schuld. Das sind häufig Versuche von Tätern, sich zu entlasten, in dem sie den Opfern eine Mitschuld geben, um keine Verantwortung zu übernehmen.
Daher schrieb ich oben: Verantwortung da lassen, wo sie hingehört. Sich nichts aufbürden, was einem gar nicht gehört. Das annehmen, was zu einem gehört und dazwischen unterscheiden.
 
Ich plädiere nur dafür, dass beide Seiten sich ihren Anteil anschauen mögen, was, im übrigen nicht nur für Seitensprünge gilt. Geschieht dieses »sich anschauen« fair, offen und ohne Aggression, kann auch die daraus resultierende Erkenntnis gemeinsam getroffen werden.
Das wäre die ideale Situation. Da bin ich bei dir aber im Praxis läuft es so nicht ab. Ich habe hierfür zwar keine Statistik aber wer macht so etwas?
Angenommen, der Mann geht mit einer aus dem Büro Essen, danach gehen sie zusammen ins Kino und dann umarmen sich auch ganz innig. Vielleicht wechseln sie auch Küsse. Später auch noch mehr. Danach geht er nach Hause und setzt sich gemeinsam mit seiner Frau an den Tisch und die beiden besprechen wie sie vorgehen. Die Frau verzeiht ihren Mann und ab sofort geht sie jede Woche einmal mit ihm aus.

THE END


Es läuft m. E. anders ab. Er/Sie fängt eine Affäre an, weil er/sie das möchte und kann. Irgendwann fliegt alles auf. Dann gibt es die Übergangsphase, wo er emotional hin und her pendelt und dann entscheidet er sich für eine Seite. Die andere Seite bleibt zurück.

Generell soll man von Anfang an miteinander reden. Einander zuhören, füreinander da sein. Die Sorgen und Probleme gemeinsam besprechen und eine Lösung gemeinsam finden. Das wäre dann die Grundlage für jede langjährige und erfolgreiche Partnerschaft. Die Realität sieht auch hier anders aus. Eine Seite spricht ein Problem an und die andere Seite möchte nicht zuhören, möchte es nicht akzeptieren oder etwas ändern.
 
Zuletzt bearbeitet:
Jesus Worte waren: "Vater, vergib Ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun."
Wenn man Spaß dran hat, könnte man hier tatsächlich sehr gut auch theologisch argumentieren:
Weil Gott/Jesus die Menschen so sehr liebt, vergibt er ihnen alle ihre Sünden, und zwar -- jedenfalls lese ich es so -- selbst dann, wenn sie nicht glauben, nicht bereuen, ja sogar, wenn sie ihn umbringen. Sollten wir einander dann nicht auch lieben und vergeben? In die Richtung ging auch das, was ich oben meinte: Wenn man mit sich selbst im Reinen ist, sich selbst, die Menschen und besonders seine*n Partner*in liebt, müsste man auch verzeihen können, eben weil jeder nur so handelt, wie er kann und es für richtig hält. Das heißt nicht, dass man an einer destruktiven Beziehung festhalten sollte, das nicht. Aber man muss seinen Partner auch nicht hassen, nur weil man Meinungsverschiedenheiten hat oder es nicht passt. Ich meine nicht, dass man alles durchgehen lässt, sondern würde selbst nur mit einem Partner zusammen sein, wenn sich beide gut dabei fühlen. Wenn nicht mehr, kann man sich in Frieden(!) trennen.

Für mich ist im Leben nichts bedingungslos, auch Liebe nicht. Sonst kann ich ja fremdgehen wie ich will, weil das bedingungslos verziehen wird. Bedingungen wie Treue passen dann ja nicht in dieses Konzept.

Ich bin in meinem Leben tatsächlich bisher ganz gut gefahren mit dem, was ich "bedingungslose Liebe" genannt habe, das heißt, ich liebe einen Menschen, einfach weil ich ihn wunderbar und großartig finde, weil er ein schöner Mensch ist. Ich treffe nicht oft solche tollen Menschen, aber wenn ich einen Mann liebe, dann liebe ich ihn auch, wenn er mich nicht zurücklieben sollte, auch dann, wenn er mich nicht heiraten will oder sonst was, eben einfach, weil ich ihn mag und ihm das Beste und ein schönes Leben wünsche. Sollte er auch wollen, können wir die romantische Liebe leben und zusammen was ganz Tolles erschaffen. Wenn nicht, können wir auch einfach gute Freunde sein, denn er ist gut und tut mir gut, ich möchte diesen Menschen dann gerne in meinem Leben haben, in irgendeiner Form, je mehr, desto besser. Weil ich ihn schätze und glücklich sehen möchte -- am liebsten mit mir, aber wenn es nicht sein soll, dann ohne mich --, lasse ich ihm seine Freiheit: Wenn er gehen will, darf er gehen, wenn er sich in eine andere verliebt, darf er das, und er darf auch Schwächen und Fehler haben, wie wir alle. Meiner Meinung nach dient eine Beziehung dazu, das Leben beider zu bereichern und schöner zu machen. Man sollte sich nicht gegenseitig einschränken, kontrollieren und quälen. Wir sind einander treu, weil wir es beide wollen und keinen anderen brauchen. Wenn er eine andere fände, wäre das ok für mich, ich wäre zwar traurig, aber wir könnten drüber reden, weitermachen oder unsere Beziehung in eine Freundschaft umwandeln. Mir geht es gut damit.
 
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