• #1

Kristina Schröder - Trendwende im Geburtenrückgang?

Laut der Familienministerin Kristina Schröder gibt es eine Wende im Geburtenrückgang.
Viele Frauen würden mit 30 Jahren noch Ihren Kinderwunsch erfüllen. Laut Schröder sind verheiratete Paare mit Kindern nach wie vor die häufigste Familienform. Drei Viertel würden bei Eltern mit Trauschein aufwachsen. Die Wertschätzung von Familie ist gerade für junge Leute bis 30 Jahren besonders hoch.

Welchen Stellenwert hat die Familie für Sie? Ist es Ihnen wichtig, dass Kinder bei Eltern mit Trauschein aufwachsen?
 
Zuletzt bearbeitet:
G

Gast

  • #2
Ich möchte Kinder, habe aber überhaupt nicht das Bedürfnis zu heiraten. Mit der Ehe verbinde ich nur Biederkeit, Eingefahrenheit und konservative Strukturen, da auf dem Dörfchen, auf dem ich aufgewachsen bin, alle Verheirateten die typische Hausfrauenehe führten. Dieses Modell ist mir zuwider und einen Versorger brauche ich dank meiner guten Ausbildung auch nicht. Kann sein, dass ich, wenn ich mal lange Zeit (10 bis 15 Jahre) mit meinem Partner zusammen bin, rein aus romantischen Gefühlen, Liebe und aus dem Gefühl heraus, dass es für immer halten wird, doch heiraten will, aber in der Familiengründungsphase sehe ich mich eher als Teil eines Paares, das in "wilder Ehe" lebt.

w, 28
 
G

Gast

  • #3
Ich denke, es wird in den nächsten Jahren eine Trendwende hin zu mehr Geburten geben. Auch wird die Familie wieder eine zentralere Rolle einnehmen.
Ich sehe die Gründe darin, dass gerade junge Leute, also ab dem Alter ab 18 vielfach in Patchworkverhältnissen bzw. bei Alleinerziehenden aufgewachsen sind.
Und fragt man nämlich mal genau diese Kinder, so hört man Erstaunliches. Nämlich diese jungen Menschen finden Patchwork und Alleinerziehend aus eigener Erfahrung ziemlich doof.
Da setzt ein Umdenken ein...
So sind zumindest meine Erfahrungen.
 
G

Gast

  • #4
Wenn man eine Geschichte nur lange genug erzählt, wird sie irgendwann als Wahrheit angenommen und in Erinnerung bleiben. Natürlich fängt Frau Schröder jetzt schon mal damit an, damit in 9 Monaten bei der Geburt der nächsten Regierung auch alles glatt läuft. Wer das nicht als Wahlkampftaktik erkennt, tut mir leid.
 
G

Gast

  • #5
...gerade junge Leute, also ab dem Alter ab 18 vielfach in Patchworkverhältnissen bzw. bei Alleinerziehenden aufgewachsen sind.
Und fragt man nämlich mal genau diese Kinder, so hört man Erstaunliches. Nämlich diese jungen Menschen finden Patchwork und Alleinerziehend aus eigener Erfahrung ziemlich doof...
Das Erstaunlichste ist, dass diese Umfragen vor 20 bis 30 Jahre diegleichen Ergebnisse zustande brachten!!!

Zu einer glücklichen Familie im konservativen, traditionellen Sinn gehört mehr als der bloße Wille dazu. Es muss diesen Familen auch ermöglicht werden durch sichere Arbeitsplätze ein gewisses Maß an Nachhaltigkeit zu entwickeln. Zur Zeit sieht es doch so aus, dass kaum jemand Kinder möchte, weil diese die zeitliche und lokale Flexibilität erheblich einschränken. Heute Hong Kong, morgen New York ist mit Kindern / Familie nicht machbar, wird aber von Arbeitnehmern verlangt. Zusätzlich gibt es ja immer noch die Jobs, die schlecht bezahlt werden, was ein Familienleben ebenfalls unmöglich macht.

Also ich denke Frau Schröder ist genauso blind wie andere Politiker und somit nicht imstande die Realität zu erkennen.
 
G

Gast

  • #6
Nein gibt es nicht. Wenn überhaupt kann eine Trendwende in der Geburtenrate aufgezeigt werden. Eine natürliche Rate unterliegt Schwankungen, so wie wir das immer in der "Aktienkurve" sehen. Je nachdem welches "Zeitfenster" ich mir anschaue bzw. mir der Anlagenberater zeigt, geht es entlang der Zeit beliebig nach unten oder nach oben - wobei der Anlagenberater das Zeitfenster so auswählt, dass die Kurve nach oben zeigt, also die mit der "positiven" Entwicklung. Ich kann auch problemlos als Politiker ein Zeitfenster finden, wo die Gebrutenrate nach oben geht, die mit der "positiven" Entwicklung halt. Innerhalb nächster Woche kann ein anderer Politiker mit Aufsetzpunkt von Frau Schröder eine Kurve zeigen, die unten endet, also "negativ". Ziemlich stupide, reine Meßdatenstatistik.

Der eigentliche Geburtenrückgang der hier zitiert wurde ist bereits eingeleitet, da wird es in absehbarer LANGFRISTIGER Zeit keine Trendwende geben.

Mütter die selbst nicht geboren wurden können keine Kinder gebähren, da es diese Mütter nicht gibt.

M45
 
G

Gast

  • #7
<Mod. Danke für den Hinweis.>
 
G

Gast

  • #8
Naja, wenn ich mir Berlin anschaue, dann scheint es hier keinen Geburtenrückgang zu geben, sondern im Gegenteil. Zu meiner Zeit (1996-2000) konnte ich mir Krippen und Kita-Plätze aussuchen. Derzeit, ich habe beruflich mit Kitas zu tun, sind Eltern froh, wenn sie überhaupt einen Krippen bzw. Kita-Platz in ihrer Nähe bekommen. Es gibt Wartelisten und besondere Ansprüche darf man nicht stellen, oder man nimmt sich eine Privat-Kita.

w 50
 
G

Gast

  • #9
Ich bin Lehrer in der gymnasialen Oberstufe und kann seit ca. einem Jahrzehnt bei den jungen Leuten zwei gänzlich getrennte Entwicklungen feststellen.

a) Es gibt immer häufiger den WUNSCH, einmal eine heile, intakte Familie zu haben.
Insofern kann ich die Position von Ministerin Schröder und auch von #2 bestätigen. Die jungen Leute finden,
die Familie [solle] wieder eine zentralere Rolle einnehmen. ...
diese jungen Menschen finden Patchwork und Alleinerziehend aus eigener Erfahrung ziemlich doof.
Da setzt ein Umdenken ein...
Ein solches Denken setzt oft schon mit dem Ende der Pubertät ein und betrifft beide Geschlechter, die jungen Frauen jedoch in stärkerer Weise, als die jungen Männer.

Als Beispiel kann ich anführen, dass heute in Abiturzeitungen viele Abiturientinnen bei ihren Zukunftswünschen detailliert angeben, wie viele Kinder sie einmal haben möchten. Noch vor zehn Jahren wäre dies gänzlich undenkbar gewesen.
Männliche Abiturienten gehen meist nicht so ins Detail. Durchaus häufig geben aber auch junge Männer in der Abizeitung explizit an, dass sie einmal eine Familie haben möchten. Vor zehn Jahren hätte so etwas im Kreise junger Männer noch Lachsalven ausgelöst.


b) Andererseits gibt es hier keinen Grund, um zu jubilieren. #2 hat sehr korrekt noch einen zweiten Trend erspäht (ohne es zu merken).

gerade junge Leute, also ab dem Alter ab 18 [sind] vielfach in Patchworkverhältnissen bzw. bei Alleinerziehenden aufgewachsen
Es mag wohl sein, dass gerade diesem Personenkreis eine intakte Familie als erstrebenswert vorschwebt. Jedoch muss man sagen, dass der WUNSCH nach einer intakten Familie nicht ausreicht, um eine zu haben. Dazu braucht man allerlei Fähigkeiten, und eben diese werden unter jungen Leuten im seltener. Von wem sollen sie lernen, "in guten, wie in schlechten Tag" zusammenzuhalten? Von ihren Patchwork-Müttern vermutlich nicht, von meinen überaus emanzipierten Lehrerkolleginnen wohl ebenso wenig. Gender Mainstreaming wird da auch nicht weiterhelfen.

Wir haben da auf dem Altar der Selbstverwirklichung Fähigkeiten geopfert, die wir nun nicht mehr an die nächste Generation weitergeben können. Da mögen sich die jungen Leute eine intakte Familie wünschen, wie sie wollen - vom Wünschen alleine wird der Wunsch nicht wahr.

m (49)
 
  • #10
@8: Ich kann Deine Beobachtungen teilweise teilen, nicht jedoch Deine Folgerungen.

Alle jungen Mädchen unter zwanzig wissen, ob und wie viele Kinder sie einmal haben wollen. Ich glaube, das war schon immer so und ist nichts Neues. Allerdings verschieben sich möglicherweise die Sichtweise und Prioritäten wenn die Mädels an der Uni sind und bemerken, daß das Liebesleben nichts mit den gelesenen Liebesromanen gemein hat.

Das Elterngeld ist ein echter Fortschritt. Weil es kalkulierbare Sicherheit gibt. Staatliche Transferleistungen bringen allerdings keine erhöhte Geburtenrate. Dies ist nur zu schaffen, wenn das Kinderkriegen und -aufziehen nicht (mehr) mit dem großen Risiko verbunden ist, beruflich völlig abgehängt zu werden, den Anschluß/Wiedereinstieg ins Berufsleben nicht zu bewältigen. Ein größeres Verständnis der Arbeitswelt sowie eine größere Rücksichtnahme der Firmenchefs auf die Anforderungen eines normalen Familienlebens (pünktlich Feierabend, keine unangekündigten Überstunden etc., Teilzeitmöglichkeiten) könnte da bahnbrechend wirken.

Die Geburtenrate in der ehem. DDR war nicht deswegen bedeutend höher als heute, weil es großartige staatliche Transferleistungen gab (da gibt es heute mehr davon), sondern weil sich Frauen keine übermäßig großen Sorgen machen mußten, daß sie nach der von ihnen gewünschten Kinderanzahl wieder in ihren alten Beruf zurück konnten.
 
  • #11
Ich sehe das ähnlich wie #5.

Ist die ehemalige Geschichts- und Politikstudentin Köhler jetzt Expertin für multivariate Zeitreihenanalyse?
Sympatisch finde an ihr allerdings, dass sie ihre Thesen nicht mit dieser fanatischen Verbohrtheit vorträgt, wie ihre Kabinettskollegin Feminsterin von der Layen.

M.,38
 
G

Gast

  • #12
Die Geburtenrate in der ehem. DDR war nicht deswegen bedeutend höher als heute, weil es großartige staatliche Transferleistungen gab (da gibt es heute mehr davon), sondern weil sich Frauen keine übermäßig großen Sorgen machen mußten, daß sie nach der von ihnen gewünschten Kinderanzahl wieder in ihren alten Beruf zurück konnten.
Als ehem. DDR-Kind sehe ich das auch so. Die berufliche Sicherheit und die Unterstützung seitens des Arbeitgebers, die Anerkennung des Arbeitgebers habe ich nie wieder so gut erlebt. Es ist für mich schon komisch zu sagen, dass ich den besten Arbeitgeber meines Lebens in der DDR hatte. Ich musste damals hart arbeiten, anscheinend hätte mein Job damals nur noch ein Ausländer gemacht. Aber für meine Leistung wurde ich nicht nur durch ein für DDR-Verhältnisse nicht schlechtes Gehalt bezahlt, sondern es gab auch die persönliche Anerkennung durch Vorgesetzte, Prämien und Auszeichnungen usw.

Meine berufliche Tätigkeit ist heute Luxus, Teilzeit, Arbeitsweg 10 min zu Fuß, warmes Büro und angemessen bezahlt, aber es gibt wenig Anerkennung vom Arbeitgeber, von Kollegen und ein wenig positives Miteinander. Mein Kind habe ich erst Jahre nach der Wende bekommen. Ich hatte Glück als Single-Mama, aber es war der Horror immer wieder geschickt vorzugehen, alle arbeitsrechtlichen Mittel ausschöpfen zu müssen, um den Arbeitsplatz zu behalten usw. Es haben alle Arbeitgeber versucht mich loszuwerden, geschafft hat es keiner. Ein Einzelfall bin ich nicht.

Es ist also kein Wunder, dass viele halbwegs gebildete Frauen es sich gut überlegen, eine Familie zu gründen, wenn sie im Umfeld, oder wo auch immer, oder durch eigene Erfahrungen immer wieder merken, wie wenig Mütter im Arbeitsleben durch Arbeitgeber geschätzt und gefördert werden. Zwar wird viel erzählt in Politik usw., aber die Realität vor Ort sieht oft anders aus. Ja, es gibt auch positive Fälle, aber die sind noch viel zu wenig.

w 50