• #1

Kühle knappe Verabschiedung

Heute habe ich auch mal eine vielleicht etwas naiv klingende Frage. Aber sie beschäftigt mich nun mal.

Ich bin seit einiger Zeit heimlich verliebt. Dieser Mann ist ein Therapeut, ich eine Patientin. DER Klassiker, ich weiß. Ich habe mir das nicht ausgesucht. Heimlich Verliebte versuchen ja oft, die banalsten Dinge zu interpretieren. Völlig normale Unterhaltungen werden im Nachhinein auseinandergepflückt und was weiß ich noch alles. Manchmal denke ich, im Verliebtheitszustand verblödet man in gewisser Weise, denn viel später, wenn man wieder "normal" tickt, fragt man sich nicht selten: Wie konnte ich nur so denken, fühlen, handeln ...

Leider befinde ich mich zur Zeit in einem solchen Zustand ...garantiert ohne Happyend.

Selbst wenn wir uns richtig gut unterhalten, ich an seinem Lachen, Lächeln, Gesten am liebsten interpretieren möchte, er empfindet durchaus eine gewisse Sympathie für mich ... so sehr fürchte ich mich vor den Verabschiedungen, die oftmals sehr knapp und kurz gehalten sind. Schneller Händedruck, kaum Lächeln im Gesicht, sofortiges Abwenden danach.

Und das wäre nun meine Frage: Kann ich schon ALLEIN an der Körpersprache bei der Verabschiedung davon ausgehen, dass wirklich null Interesse an mir als Person besteht?

Es geht bei meiner Frage nicht darum, ob ich mir überhaupt Chancen auf ihn ausrechnen kann (ich versuche, trotz meiner Gefühle realistisch zu bleiben), sondern NUR um die Art der Verabschiedung.

Ich gehe halt davon aus, interessierte Männer betrachten die Frau bei Verabschiedung auch irgendwie mit wohlwollendem Blick, sehen ihr vielleicht noch kurz nach (oder so ähnlich). Hier schreiben viele Frauen und Männer, die deutlich mehr Lebenserfahrungen gesammelt haben als ich. Wie schätzt ihr das ein? Sollte ich endgültig von meinem rosaroten Trip runterkommen?
 
  • #2
Egal wie alt man ist. Sowas passiert. Und der wache Teil von Dir ist ja sehr reflektiert. Und der andere hoffentlich auch bald wieder:)).

Vermutlich wird es Dir erst gelingen ihn zu vergessen, wenn Du ihn nicht mehr sehen musst, bzw. wirst.

Und ja, ich gehe durchaus davon aus, dass er Dich einfach als nette Patientin sieht. Und Dich einfach normal verabschiedet. Alles andere wäre auch sehr unprofessionell.

Ich weiß, der verliebte Teil von Dir sucht sich immer wieder Nahrung. Und die findet er nicht. Weil es auch keine gibt. Schon grausam, wenn man da immer wieder runtergeholt wird. Auch ich kann Dich da nicht bestärken. Viel Glück.
 
  • #3
"Verabschiedungen, die oftmals sehr knapp und kurz gehalten sind. Schneller Händedruck, kaum Lächeln im Gesicht, sofortiges Abwenden danach."

Ja, liest sich distanziert. Dem Therapeuten ist die verliebte Patientin schon 100 Mal passiert. Der Therapeut wäre schön dumm, wenn er in irgendeiner Weise darauf eingeht. Der wird nichts machen, um Deine Verliebtheit zu fördern.

Es kann ja immer mal vorkommen, dass man sich in eine Person verliebt, in die man sich nicht verlieben "darf". So ist es dir jetzt passiert mit Deinem Therapeuten, oder man verliebt sich in einen verheirateten Mann oder den Lehrer usw. Es bringt jetzt nichts, sein Verhalten zu analysieren und an der Art des Händedrucks zu erforschen, ob er auch Gefühle hat. Solange das Patient-Therapeut Verhältnis besteht, wird das nichts werden.

In diesen Fällen muss sich erst die Situation passend verändern, dass es was werden könnte.
 
  • #4
Ja komm bitte auf jeden Fall von deinem rosaroten Trip runter. Da besteht keinerlei Anzeichen von romantischem Interesse seinerseits. Wenn er ein korrekter und professioneller Psychologe ist, wird er auch unter allen Umständen eine Beziehung oder gar nur eine Verabredung vermeiden; alles andere wäre höchst unethisch.
Behalte auch im Hinterkopf, dass dieser Mensch dafür bezahlt wird, empathisch zu sein, dir zuzuhören, für dich da zu sein.

Es ist unglaublich leicht, sich in den Therapeuten zu verlieben und in etwas hineinzusteigern, weil man dort auf jemanden trifft, der Interesse am Wohl des Gegenübers hat, sich dessen Geschichten anhört, ohne je eigene Bedürfnisse anzumelden, der einen im tiefsten Innersten kennt und dennoch nicht verurteilt und an einen glaubt, auch wenn man nicht in Höchstform ist. Wann hat man so etwas denn schon vereint in einer Person, wenn man normal datet? Eben, du verrennst dich da ganz ungesund. Im Notfall: spreche es offen an oder wechsle den Therapeuten.
 
  • #5
Wenn du ihn darauf ansprichst, was du unbedingt solltest, um nicht den Therapieerfolg zu gefährden, wird er dir das Konzept von Übertragung erklären. Gefühle für den Therapeuten zu entwickeln kommt oft vor und kann ein Teil des Heilungsprozesses sein. Aber nur, wenn man es anspricht und bearbeitet!
Natürlich ist es schon vorgekommen, daß Therapeut und Patient eine Beziehung entwickelt haben. Das kommt aber nur bei unethisch handelnden Therapeuten vor, ein seriöser gefährdet damit seinen Ruf und hat eventuell mit rechtichen Folgen seiner Standesvertretung zu rechnen.
 
  • #6
Zunächstmal denke ich das nicht, dass man an der Verabschiedung schon was erkennen kann. Ich sehe den Grund eher darin, dass er sich schon auf den nächsten Patienten konzentriert und man Männern nachsagt, die wären so, dass sie während der Arbeit eben arbeiten. Ich bin eine Frau und ich bin auch so, nur mal nebenbei gesagt. Also während der beruflichen Tätigkeit ist man in einem anderen Modus.

Dann muss einem erstmal einfallen, dass diese Person in einen verliebt ist. Also wenn ich im Arbeitsmodus bin, fällt mir das gar nicht auf, dass einer dreimal mehr kommt, als er muss, und eventuell komische arbeitsmäßige Sachen von mir will, an denen mir auffallen könnte, dass das nur ein Vorwand ist.

Weiterhin denke ich auch, dass er diverse Frauen als Patientinnen haben wird, die ihn anhimmeln. Vermutlich merkt er das mitunter doch, wenn die Dame zu auffällig ist. Du bist es zum Glück nicht, sonst wäre er vielleicht während der Behandlung auch noch unterkühlt.

Ich frage mich jetzt natürlich, was für ein Therapeut das ist. Wenn es was körperliches ist, geht es ja noch, aber ein Psychotherapeut? Der sucht doch eine Frau ohne Probleme, denke ich, eine, bei der es auch mal um seine Malessen geht und die auf Augenhöhe ist.
Sollte ich endgültig von meinem rosaroten Trip runterkommen?
Das sowieso unbedingt, damit Du den Mann realistisch betrachten kannst.

Also wie gesagt, ich würde an seiner Verabschiedung nichts ableiten, aber die Sache an sich mal betrachten. Professionelle Freundlichkeit, Arbeitsmodus, viele Patientinnen und vor allem: Was ist es für ein Therapeut.
 
  • #7
Wenn er ein guter, korrekt arbeitender Therapeut ist: Sollte er tatsächlich etwas für dich empfinden, wird er die Therapie mit dir abbrechen und dich an einen Kollegen/Kollegin weiterreichen. Weil er merkt, dass er nicht mehr professionell-distanziert dir gegenüber agieren kann. Das ist aber unerläßlich, um als Therapeut zu helfen, statt zu schaden.
Eventuell wird er dich auch ohne eigene Gefühle "weitergeben", wenn er merkt, dass du zu stark in ihn hineinkippst und er dies nicht verhindern kann, denn auch dann wäre ein therapieerfolg kaum noch möglich. m44
 
  • #8
Er wird kein Interesse haben, weil du eine Schutzbefohlene bist!!!! Sowas auszunutzen für seine persönlichen Interessen, gleicht Missbrauch! Natürlich gibt es auch Psychologen, Anwälte und Ärtze, die regelrechte Schweine sind und sowas für ihre eigenen private Vorteile ausnutzen, aber ich hoffe, du bist an eine ordentliche Person geraten, die ihren Job ernst nimmt und aufrichtiges Interesse hat, dir zu helfen. Sonst verschwendest du dein Geld mit einem Mann, der eine hilflose, abhängige Lage ausnutzt.

Als Patienten eines Psychologen bist du eine gebrochene Person, keine potentielle Partnerin. Aber er kennt jede Menge Schwächen und Probleme von dir. Selbst wenn ihr ein Paar werden würdet, du wärst gleich wieder das nächste Opfer eines neuen Mannes, der alle deine Schwachstellen sofort kennt! Unheimlich gefährlich! Ein Mann, der sich mit einer Schutzbefohlenen einlässt, der nutzt das, um sie ausnutzen!

Was hätte er denn an dir? Du bist ja derzeit keine selbstbewusste Frau, die ihr Leben alleine auf die Reihe bekommt.
Dass du dich in ihn verliebst ist logisch. Du siehst ihn als neuer Erretter deiner Lage.
Wenn er wirklich dein Erretter ist, wird er schauen, dass er sich dir professionell und distanziert verhält, um dir zu helfen und dich nicht weiter ins Schlamassel zu bringen.

Da du in einer Therapie bist, spricht dafür, dass du vermutlich zu viel Empathie bei Menschen empfindest, die dein Leben sabotieren könnten. Deswegen auch das schnelle Verlieben in so eine "Macht"-Person. Kannst du vielleicht den Thereupten wechseln und zeitweise gegen eine Frau austauschen? Das würde ich dir nämlich raten!

Es ist ja nicht schlimm, sich zu verlieben, aber selbst wenn ich mich verliebe, überlege ich rational, ob das Sinn macht oder gut für mich ist. Ich kann dann am Anfang gleich noch umlenken.
 
  • #9
Grundgütiger, natürlich wird dieser Mann, längst bemerkt haben, dass du verliebt in ihn bist. So etwas lässt sich nicht wegschauspielern.
Bevor es unangenehm wird, würde ich auf den Boden der Tatsachen zurückkehren, oder wenn nichts hilft, das offen ansprechen, bzw. den Therapeuten wechseln. Du machst dir Hoffnung, dass er mehr für dich empfindet. Wenn das so wäre, dann müßtest du nichts herauslesen und rätseln.
 
  • #11
Ich war nach meiner Scheidung in einer Therapie.
Mein Therapeut hat mir damals gesagt, dass man Probestunden hat um sich kennenzulernen.
Die Thematik aber auch das menschliche muss passen. Eine sichere und offene Atmosphäre ist wichtig.
Er hat sich genau so verhalten, wie dein Therapeut.
Fühlte sich anfangs komisch an, wenn man gerade noch so nah war.
Jetzt war er ein netter älterer Herr und bei mir keine Spur von Verliebtheit.
So habe ich ihn einfach mal gefragt.

Sehr herzlich und offen, damit ich mich besser öffnen kann.
Kühl bei der Verabschiedung, weil ich die Grenze brauche um wieder ins normale Leben zu gehen.

Somit würde ich es genau so bei Dir sehen liebe FS.
 
  • #12
ISehr herzlich und offen, damit ich mich besser öffnen kann.
Kühl bei der Verabschiedung, weil ich die Grenze brauche um wieder ins normale Leben zu gehen.

Sehr interessant, was du hier schreibst. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich so ein wechselhaftes Verhalten, auch wenn es therapeutischen Sinn haben könnte (zumindest aus Sicht eines Therapeuten) als kleines Sensibelchen, das ich nun mal leider bin, nicht so toll finde. Ich bin auch eher ein ruhiger Typ, der niemals ungestüm mit der Tür ins Haus fallen würde, oder den man gar künstlich auf Distanz halten müsste. Ich bin mir gar nicht sicher, ob so ein vom Therapeuten gewollter Distanzaufbau nach einem tollen Gespräch/einer angenehmen Therapiestunde eventuell einem eher unsicheren Patienten tatsächlich guttut ...
 
  • #13
Ja mit deinem Physiotherapeuten darfst du auch eine Beziehung anfangen, ohne daß es unethisch ist, ist doch kein Thema.

Tut mir leid, dass ich das nicht am Anfang erwähnt habe. Ich ging allerdings auch bisher davon aus, dass Therapeut/Patienten-Geschichten generell nicht gehen. Zumindest wurde dieses Thema - ich glaube sogar hier - vor einigen Jahren mal kontrovers diskutiert. Manche meinten ja, andere nein ...
 
  • #14
Hm, meine Physios plaudern auch immer mal was privates ... lässt sich da nicht erkennen ob der Herr vergeben ist? Hobbies bei denen man nachhaken könnte ob Single?

Du schreibst "mehr Lebenserfahrung als ich" ... seid ihr beide noch eher jung?

Auch Physios haben eigtl den Kodex nichts mit Patienten anzufangen ... da habe ich einige im Freundeskreis, die sagen, dass das ein NoGo ist.

Auch mein Therapeut lacht und scherzt und ist mir sehr aufmerksam zugewandt ... bis die Zeit um ist ... dann folgt auch die professionelle Verabschiedung und zack zum nächsten.

Ich würde nichts vermuten dabei und die Sache auf sich ruhen lassen.
 
  • #15
vor den Verabschiedungen, die oftmals sehr knapp und kurz gehalten sind. Schneller Händedruck, kaum Lächeln im Gesicht, sofortiges Abwenden danach.
Das erlebe ich manchmal am Ende des ersten Date von der Frau. Bedeutet: Kein Interesse (mehr) - Entscheidung.

Wenn der Psychotherapeut sich so verhält, dann ist das ganz normal.
Verhältnis Therapeut contra Patient.(Egal ob Mann oder Frau)
In diesem Beruf muß man sich emotional abgrenzen können, um ihn bewältigen zu können. Man ist ja nicht der Einzige dort.
 
  • #16
In, männliche wie weibliche, Physiotherapeuten verlieben sich Patienten oft. Ich war auch mal sehr angetan von einem Physio, bei dem ich in Behandlung war. Das hängt mit der intensiven körperlichen Nähe zusammen, die bei Physiotherapie nun mal naturgemäß gegeben ist und welche man in dieser Intensität sonst im Alltag nicht hat. Selbst wenn man in einer guten Beziehung lebt, ist diese professionelle Fähigkeit noch einmal etwas ganz anderes. Mich fasziniert daran immer, dass der Physio meinen Körper zu kennen scheint, wie sonst niemand, obwohl man sich kaum kennt. Wenn man den Therapeuten dann zufällig noch attraktiv und sympathisch findet, kann man sich schnell mal verlieben.
Meiner hat sich sogar nach der eigentlichen Behandlung jeweils noch eine halbe bis ganze Stunde mit mir unterhalten, ich war immer die letzte Patientin abends und wir waren alleine in seiner Praxis. Irgendwann erwähnte er aber seine Frau und sein Kind … da war mir klar, dass er (leider) tabu für mich ist.
Du musst unbedingt herausbekommen, ob dein Physio Single ist. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht sehr hoch, aber wenn es so sein sollte, gibt es theoretisch keine ethischen Einwände. Dann muss er natürlich noch genau so stark an dir, wie du an ihm interessiert sein. Auch hier ist leider die Wahrscheinlichkeit gering, da, im wahrsten Sinne des Wortes, viele Frauen durch seine Hände gehen, und viele genau so begeistert sind, wie du, er also große Auswahl hat.


w51
 

Laleila

Cilia
  • #17
Und das wäre nun meine Frage: Kann ich schon ALLEIN an der Körpersprache bei der Verabschiedung davon ausgehen, dass wirklich null Interesse an mir als Person besteht?

Ich denke ja liebe @Cassel.
Mit Therapeuten habe ich nicht soviel Erfahrung, da ich es nicht mag fremden Männern körperlich oder seelisch so zwangsnah zu sein. Ich gehe grundsätzlich zu Frauen.
Aber ich erlebte es in meinem Leben 3 mal, dass ein Arzt persönlich an mir interessiert war. Beim ersten mal war ich 18 und er junger Assistenzarzt. Er behandelte mich auffällig anders als es alle anderen Ärzte es taten. Als mein Fieber sehr hoch war blieb er auch nach Dienstschluss und hielt während der Nacht meine Hand, streichelte mich. Wenn er das Zimmer, welches ich mit 3 anderen Patientinnen teilte, verließ, drehte er sich an der Tür immer nochmal um und schenkte mir einen langen liebevollen Blick. Wir trafen uns nach meiner Entlassung noch ein paar Monate.
Der 2. war vor 7 Jahren ein älterer Orthopäde. Es war mir extrem unangenehm. Er umarmte mich immer beim Abschied und irgendwann schrieb er mir seine Handynummer auf einen Zettel. Danach wechselte ich den Arzt.
Der dritte ist etwa in meinem Alter. Wir mögen uns sehr. Er sagte mir, dass er oft an mein Lächeln denkt und dass es ihm dann gut geht. Einmal schenkte ich ihm ein Shirt mit einem persönlichen Insider. Er umarmte mich erfreut und es kam zu einem Kuss. Wir waren beide erschrocken und verlegen.
Wann immer ich dort bin, so 3x im Jahr, immer zu Praxisschluss, unterhalten wir uns sehr persönlich. Körperlich nahe kamen wir uns nicht mehr, aber beim letzten mal streichelte er beim Abschied kurz mit der Rückseite seiner Hand meine Wange und sah mich liebevoll an.

Therapeuten , Ärzte usw. sind auch nur Menschen und wenn sie jemanden mögen zeigen sie es auch deutlich. Meine Erfahrung.....
 
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