• #1

Langzeitorientierung vs. Kurzzeitorientierung

Starke Anziehung die ggf. zur Verliebtheit führt und eine neue Beziehung beginnt. Oft entpuppt sich diese Verliebtheit aber irgendwann als Strohfeuer, man geht getrennte Wege und das Spiel beginnt von vorn. Irgendwann stellt man fest dass Verliebtheit eher auf Oberflächlichkeiten basiert, und man die Beziehung(en) hätte vermeiden können wenn man etwas nüchterner geblieben und sich mehr Zeit fürs kennenlernen genommen hätte. Auch ich habe das schon erlebt, was zu einem Sinneswandel bei mir führte.

Eigentlich sollte man ja meinen, dass es nicht falsch sein kann seinen (momentanen) Gefühlen zu folgen. Dass die Evolution uns da einen Streich spielt, scheinen wir aber gerne zu übersehen. Bei Aussagen wie: "ich liebe ihn/sie nicht mehr" wurde mir schon immer etwas übel. Wie kann man ernsthaft behaupten jemanden geliebt zu haben, wenn man gleichzeitig behauptet es nicht mehr zu tun? Die richtige Aussage wäre: "ich habe festgestellt ihn/sie nie wirklich geliebt zu haben." Alles andere ist für mich Verlogenheit.

Viele Menschen scheinen nicht zu erkennen dass Liebe nicht auf Emotionen allein basiert, sondern in erster Linie eine Entscheidung ist, und der Anspruch darauf von einem selbst noch mehr erfüllt werden sollte.

Mich würde interessieren ob ihr ähnliche Feststellungen gemacht und evtl. auch einen Sinneswandel durchlebt habt. Ob ihr euren Beziehungsmustern weiter folgt, nun seit langem glücklich liiert seid, oder vielleicht schon aufgegeben habt?


Gruß, Heiko
 
  • #2
Die richtige Aussage wäre: "ich habe festgestellt ihn/sie nie wirklich geliebt zu haben."
Das sehe ich genauso, obwohl ich das nicht verurteile, weil Leute es halt nicht so präzise bezeichnen und vielleicht - wie oft - Verliebtheit, Projektion und Liebe verwechseln und es noch lernen müssen (oder auch nicht).

Ich sehe das so, dass man, wenn man total verliebt war, zusammenkam und dann dachte "er/sie ist ja ganz anders, als ich mir wünschte", einer Projektion unterlag. Es sah nach dem aus, was man sich wünschte, aber man hat eine Menge dazugedichtet an Perfektheiten.
Eigentlich muss man ja "nur" akzeptieren, dass man sich was vorgemacht hat, aber anscheinend war der gewählte Projektionspartner nur dafür gedacht, das Ideal zu erfüllen, was er natürlich nicht konnte, also "muss" man weiter suchen.

Wenn man total verliebt ist und es schafft, diese Verliebtheit und die Realität in Einklang zu bringen, dh. der Partner passt auch gut vom Charakter her usw., ist es meiner Ansicht nach optimal.

Manche Paare lernen sich ja lieben, das ist was, das ich nicht nachvollziehen kann. Vielleicht meint es aber das, was ich unter "man muss für eine Beziehung und die Liebe arbeiten". Denn das Gefühl allein reicht ja tatsächlich nicht. Kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen, obwohl es ja Paare gibt, für die das alles total einfach ist.

Liebe empfinde ich relativ schnell, wenn ich einen Menschen sehe, der das Gefühl in mir auslöst (ob nun Mann, Frau, Kind). Aber mehr ist es dann auch nicht und hat nichts mit sonstigen anderen Gefühlen zu tun. Sexuell schon mal gar nicht, das muss hinzukommen und da sind es nur Männer, die das auslösen können.

Dass Liebe eine Entscheidung ist, kann ich nur soweit nachvollziehen, dass man sich dafür entscheidet, sich richtig Mühe in der Partnerschaft zu geben, damit es auch klappt, was die Reife voraussetzt, dass man auch seine eigenen Bedürfnisse kennt und achtet, und begriffen hat, dass der Partner mitunter andere hat.
Ich kann mich nicht dazu entscheiden, jemanden zu lieben, den ich nicht lieben kann, weil er das Gefühl nicht auslöst. Ich kann mir Liebe auch nicht erarbeiten, einreden usw. Es ist ein Gefühl und das ist bei manchen schnell da, bei anderen wächst es langsam, aber es ist einfach ein Gefühl und man kann nichts dafür, wenn es wegbleibt.
 
  • #3
Die richtige Aussage wäre: "ich habe festgestellt ihn/sie nie wirklich geliebt zu haben." Alles andere ist für mich Verlogenheit.

Viele Menschen scheinen nicht zu erkennen dass Liebe nicht auf Emotionen allein basiert, sondern in erster Linie eine Entscheidung ist, und der Anspruch darauf von einem selbst noch mehr erfüllt werden sollte.
DAS sehe ich ja nun wieder ganz anders. Natürlich basiert Liebe auf Emotionen. Das, wofür du dich entscheidest, ist nicht die Liebe, sondern die verbindliche Beziehung. Liebe ist die hinreichende Bedingung zum Führen einer Beziehung, aber keine Notwendigkeit. Ich kann mich entscheiden, mich mit einem Menschen zu verpartnern, den ich nicht liebe. Ich muss aber nicht jemanden lieben, mit dem ich mich entschieden habe, eine Beziehung zu führen. Ich finde, da muss man unterscheiden. Außerdem ist es wohl so, dass mal Liebe für einen Menschen da gewesen sein kann, 10 Jahre später aber leider nicht mehr. Somit war die Grundlage der Beziehung fort, und die Entscheidung wurde getroffen, getrennte Wege zu gehen.

Ich habe mein persönliches Muster dahingehend geändert, dass ich misstrauisch werde, wenn ich ganz besonders stark verliebt bin, und dies sehe ich heute nicht mehr unbedingt als tollen Start in eine liebevolle Beziehung an. Ich will also auch jicht mehr unbedingt eine, nur weil ich verliebt bin. Und genau andersrum ist es, ich bin im Moment mit meinem Partner zusammen, bei dem solche tiefen und intensiven Gefühle anfangs komplett ausgeblieben sind. Ob wir zusammen alt werden, weiß ich nicht, das ist aber nie mein Anspruch gewesen.
 
  • #4
Ich teile meine Antwort mal in zwei Unterthemen auf: 1. In welche Eigenschaften verliebe ich mich und 2. welche Bedeutung messe ich dem Gefühl "Verliebtheit" bei der Partnerwahl zu.

Was 1. angeht, hat bei mir schon ein gewisser Wandel stattgefunden - ich springe nicht mehr auf reine Optik an und "verliebe" mich nicht mehr in Männer, mit denen ich noch nie gesprochen habe. Heute wird ein Mann für mich v.a. dadurch interessant, dass ich mich in seiner Gegenwart außerordentlich wohl und auf angenehme Art und Weise gespiegelt fühle. Ein gefälliges Äußeres - bezogen auf Optik, Bewegungsmuster, Stimme etc. muss allerdings auch gegeben sein.

Auch wenn ich mich weiterentwickelt habe, würde ich auch mein heutiges "Verliebtsein" noch als eher oberflächliches Gefühl bezeichnen, weil es auf Eigenschaften basiert, die nichts mit dem Charakter des Mannes zu tun haben, sondern eher mit seinem Talent, sich zu verkaufen.

Bei 2. bin ich meiner Linie treu geblieben: ohne Verliebtheit will ich keine Beziehung. Auch wenn das Gefühl nichts über Kompatibilität aussagt - ich brauche es einfach als Motivator, mich einem Mann auch körperlich anzunähern bzw. Nähe zuzulassen.

Mir bleibt gar nichts anderes übrig, als Verliebtheit als Hauptkriterium bei der Partnerwahl beizubehalten. Zumindest, wenn man "Partnerschaft" als monogame Lebensgemeinschaft mit sexueller Komponente definiert.

Ich könnte mir aber vorstellen, eine andere Form von "Partnerschaft" einzugehen: indem ich mit einer verlässlichen, seelenverwandten, alltagskompatiblen und vorzugsweise gleichgeschlechtlichen Person eine auf langfristiges Zusammenleben ausgerichtete WG gründe. Diese platonische Lebensgemeinschaft würde unser beider Bedürfnis nach Nähe, Halt und seelischem Austausch befriedigen (= Langzeitorientierung) - unsere romantisch-sexuellen Bedürfnisse würden wir jeweils in Affären ausleben, die solange dauern, wie die Verliebtheit/sexuelle Anziehung eben anhält (Kurzzeitorientierung). Ich persönlich kann mir vorstellen, dass man auf diese Weise glücklicher, erfüllter und entspannter leben würde - sexuelle Spannung und große Vertrautheit sind nunmal schwer in Einklang zu bringen. Es gibt aber wohl kaum Menschen, die dauerhaft so leben wollen. Die meisten geben sich entweder mit Beziehungen zufrieden, in denen ihre Bedürfnisse nur zum Teil befriedigt werden oder versuchen immer weiter, das Unvereinbare in einer Person zu finden.
 
  • #5
Hallo Heiko,
das ist ein sehr interessantes Thema,und von mir einmalig gleichermaßen erlebt vor vielen Jahren.
Starke Verliebtheitsgefühle,die plötzlich nach ca 12 Wochen von einer auf die andere Minute verschwanden ,im Nachgang die Erkenntnis,dass dann so ziemlich gar nichts passte .
Hängt meiner Meinung nach damit zusammen ,dass Verliebtheit schlichtweg immer nur aus dem einem selbst hervorgeht,sie hat relativ wenig mit unserem Gegenüber zu tun.
Wir wollen uns verlieben ,weil es so schön ist,und so tun wir es auch...
Ich für meinen Teil schätze mich aber glücklich,auch schon geliebt zu haben,über so lange Zeit,und ja,6 Jahre nach der Trennung bleibt diese Liebe Teil von mir und betreffender Mensch wohl immer in meinem Herzen.
Mich aber deshalb vor neuer Liebe verschließen/ "aufzugeben" wäre mir einfach zu traurig.
Ich wünsche es mir einfach weiter,Liebe nochmal leben zu dürfen.
Ich glaube allerdings auch daran,dass man mehrere Menschen lieben kann.
Hm,dass unsere Hormone uns da manchmal an der Nase herumführen auf dem Weg,das ist nunmal so,und das es selten passt von beiden Seiten eben auch.
Aber ich glaube ,wenn man so eine negative Verliebtheitserfahrung wie oben von mir beschrieben einmal erlebt hat,dann wars das auch ,ist mir seitdem nicht wieder passiert.
Wahrscheinlich geht man infolge dann doch etwas neutraler an die Dinge heran.
 
  • #6
Viele Menschen scheinen nicht zu erkennen dass Liebe nicht auf Emotionen allein basiert, sondern in erster Linie eine Entscheidung ist, und der Anspruch darauf von einem selbst noch mehr erfüllt werden sollte.
Klares JA!

Der Singlemarkt im 3x, 4x und 5x Alter besteht praktisch zu 99% aus solchen Leuten. Die verstehen auch nicht, dass sie mir "den anderen" irgendwann gar nicht mehr zusammen passen, bzw. von diesen abgelehnt werden (wenn mal jemand von "den anderen" durch ein unverschuldetes Aussenereignis in den Singlemarkt kam)

V.m45
 
  • #7
Hi Heiko,

Du bist ganz schön auf der Suche.

Ich kenne beide Situationen:

1 a). Sich begegnen, verlieben, 26 Jahre zusammen sein. Da war ich 18!
1 b). Sich begegnen, verlieben, 3 Monate zusammen sein, den Glauben daran verlieren. Da war ich 45!

2. Sich begegnen, nicht verlieben, über ein Jahr zusammen sein und sich immer noch kennenlernen, da war ich 47!

Ich stelle für mich fest, dass ich den Glauben an eine Beziehung und die Liebe, wie ich sie mit 19 kennengelernt habe, nicht wiedergefunden habe und finde. Aus Selbstschutz würde, man(n) beachte den Konjuktiv, ich einer (ersten) Verliebheit nicht mehr nachgeben und schauen, ob eine Beziehung (auch) viele andere tragfähige Konstrukte hat.
Auf der einen Seite ist diese Abgeklärtheit schade. Auf der anderen fühlt es sich unbelasteter und freier, besser, an.
 
  • #8
Früher habe ich auch gedacht, dass das Gefühl ausreicht und man als Paar mit diesem Gefühl alle Unterschiede überwinden könnte. Vielleicht stimmt das auch für Teenager, die sich im gemeinsamen Umfeld kennenlernen und noch entscheidend gemeinsam weiter entwickeln.
Heute weiß ich, dass wir als Erwachsene Wertvorstellungen haben, die schon im Kindesalter festgelegt wurden und die wir nicht mehr einfach verändern können.

Deshalb ist es notwendig, dass man bei aller Verliebtheit auch die Gemeinsamkeiten bei Wert- und Lebensvorstellungen prüft.

Das Gefühl, dass genau diese Person etwas ganz Besonderes ist und sie Dich bezaubert, sollte am Anfang immer vorhanden sein und das Gefühl solltest du versuchen, auch über die Jahre hinweg zu retten.
 
N

nachdenkliche

  • #9
Viele Menschen scheinen nicht zu erkennen dass Liebe nicht auf Emotionen allein basiert, sondern in erster Linie eine Entscheidung ist,
Das war schon immer auch meine Meinung, habe diese Frage vor ca. einem Jahr hier reingestellt.
Wenn ich sage, ich habe mich verliebt, etwas später mit dem näheren Kennenlernen, ja, ich liebe ihn, dann liebe ich ihn. Ist etwas vorgefallen, wie Untreue, Lüge, Feigheit, habe ich mich in diesem Menschen geirrt. Ich sage aber nicht, ich habe ihn nie richtig geliebt. Das war tatsächlich in diesem Moment so gemeint.
Liebe ist ein Gefühl, was kommt und bleibt, wenn ich es will. Ich bin diesem Gefühl nicht hilflos ausgeliefert.
Wenn ich mich entscheide, mich von diesem Mann zu trennen, leide ich wirklich sehr, vielleicht, weil ich mich gewaltsam entlieben muss und ent- täuscht wurde. Oder bin ich einer Täuschung aufgesessen?
 
  • #10
Ich habe es leider bisher nur 2x erlebt, daß ich mich verliebt habe. meine Jugendliebe ist irgendwann zu dem Schluß gekommen, es mit jemand anderem zu versuchen. Tat in dem Moment wirklich weh und ich war wohl auch nicht allzu gut auf sie zu sprechen. Heute freue ich mich für sie, daß sie eine Familie hat, in der sie glücklich ist.

Meine Partnerin habe ich sehr viel später kennengelernt und mich auch nur sehr langsam in sie verliebt, einfach, weil ich noch immer diese Enttäuschung im Hinterkopf hatte und meinen eigenen Gefühlen nicht getraut habe. Trotzdem habe ich mich irgendwann vollständig in Sie verliebt und damals für diese Frau tatsächlich viele meiner ursprünglichen Pläne und Wünsche aufgegeben.
Ich habe es nie bereut, weil ich in den Jahren tatsächlich eine verläßliche Partnerin hatte, die mir ebenfalls gezeigt hat, daß sie mich liebt. Selbst heute, nachdem wir getrennt sind, empfinde ich ihr gegenüber noch immer tiefe Dankbarkeit für die schönen Jahre, die wir gemeinsam hatten.
So gesehen stimme ich dir zu, wer wirklich liebt, trägt diese Liebe auch noch in sich, wenn die Beziehung längst vorüber ist.
Allerdings sehe ich auch oft, daß eine Partnerschaft nicht auf Liebe, sondern auf Zweckmäßigkeit oder Statusdenken basiert. Dieses Modell funktioniert wohl auch, solange beide Partner sich darüber im klaren sind.
Problematisch wird es immer, wenn Liebe und Statusdenken verwechselt werden.
Bsp.:
"Ich möchte eine Beziehung und kann mir ihn als Partner gut vorstellen." Wäre für mich eine klare Aussage, das es hier nicht um den Partner geht sondern um einen Partner - wäre also statusbasiert, da der Partner austauschbar ist und nur die Beziehung als solche angestrebt wird. Kann funktionieren, wenn er es genauso sieht und zumindest Einigkeit über die Zukunftsplanung besteht, aber genau an diesem Punkt beginnt das Problem, meist wird zumindest ein Partner über die wahren Grundlagen der Beziehung getäuscht (Selbsttäuschung nicht ausgeschlossen).
 
  • #11
. Dass die Evolution uns da einen Streich spielt, scheinen wir aber gerne zu übersehen
Guten Morgen,
ich glaube weniger, dass die Evolution uns einen Streich spielt, sondern die Vielfältigkeit, die unsere Sinne in alle möglichen Richtungen treibt. Der Mensch will von Natur aus, immer für sich das Optimale und greift zu, wenn sich ihm dieses zu bieten scheint.
Sich auf etwas zu konzentrieren, fällt zunehmend schwerer und lässt den Faden verlieren. Bevor man die Person für sich ergründen konnte, ist es schon vorbei, weil andere Lockstoffe und visuelle Eindrücke in andere Richtungen zu lenken scheinen und auch die Zeit fehlt, um sich ganz auf diese eine neue Person zu konzentrieren und in ihrem Wesen zu erfassen.
Vorrangig geht es um unsere Bedürfnisbefriedigung, weniger darum, uns erfahren und entwickeln zu dürfen mit dem Anderen im Einklang, der auch seine Bedürfnisse und Vorstellungen hat. Das Defizit an tief empfundener und gelebter Liebe wird ausgeglichen durch übersexualisierte Ansprüche umgesetzt in Affären und dergleichen mehr und man wird immer die/der ewig Suchende sein und bleiben, weil es kurzlebige Rauschzustände produziert und uns auch verlernen lässt, Liebe zu geben und zu erfahren.
Verliebt im eigentlichen Sinne, so wie ich es bei anderen erlebt habe, war ich nie. Meine Liebe begann immer leise und baute sich beständig und zuverlässig auf. Nicht durch den Sex kam ich in diesen Rauschzustand, sondern durch das Erfassen des Gedankengutes und das entsprechende Handeln meines Partners. Dementsprechend schön fiel dann auch der Sex aus.
Die Zeit, mich auf eine Person zu konzentrieren, habe ich mir immer genommen, ohne andere Optionen durch Paralleldatings und dergleichen mehr, noch im Kopf zu haben.
Strohfeuer blieben mir vielleicht deshalb Gott sei Dank erspart.
 
  • #12
Ja, eine gewisse Verliebtheit muss schon unbedingt sein, damit ich mich in eine neue Beziehung mit einer Frau begebe bzw. begeben will... ansonsten habe ich ja genügend Freunde usw., und meinen Haushalt schmeiße ich auch alleine.

Das ist vielleicht nicht bei allen Menschen so... es gibt schon Paare, bei denen ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass sich da jemals einer in den anderen verliebt hat... sie fühlen sich einfach besser zusammen, verbessern dadurch ihre wirtschaftliche Situation, wollen nicht alleine leben, vermissen in diesem Sinne auch den anderen, wenn er nicht da ist, teilen Hobbies, haben vermutlich auch Sex...

"Langzeit" versus "Kurzzeit"... diese Trennung mache ich eher nicht bzw. nicht mehr. Das Leben ist sowieso schon so kurz, und es kommt doch auf die Intensität und Qualität der Erfahrungen an... ist z.B. ein Jahr denn lang? Würde ich auf eine intensive Beziehung verzichten wollen, weil sie vielleicht nur ein paar Wochen hält?

manchmal
 
  • #13
Bei Aussagen wie: "ich liebe ihn/sie nicht mehr" wurde mir schon immer etwas übel. Wie kann man ernsthaft behaupten jemanden geliebt zu haben, wenn man gleichzeitig behauptet es nicht mehr zu tun? Die richtige Aussage wäre: "ich habe festgestellt ihn/sie nie wirklich geliebt zu haben." Alles andere ist für mich Verlogenheit.
Sie unterstellen mir Verlogenheit, ich unterstelle Ihnen intellektuelle Schlichtheit!

Ist Ihnen wirklich nicht klar, dass Ihre These allenfalls unter der Prämisse trägt, dass weder der Liebende noch der Geliebte in der Lage sind, sich zu verändern?

Eine gewagte Unterstellung! Für intellektuell anspruchsvolle Menschen ist es ein primäres Lebensziel beständig zu lernen, das Gelernte kritisch zu reflektieren und ihre Werte und Anschauungen entsprechend zu modifizieren. Denkende Menschen ändern sich also beständig, das gilt besonders in jungen Jahren, wo es noch viel zu lernen und zu erfahren gilt.

Für einen denkenden Menschen ist es deshalb nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich, dass sich seine Definition von "liebenswert" über einen Zeitraum von mehreren Jahren ändert.

Wer seine Einschätzung in diesem Punkt noch nie revidieren musste, hatte entweder sehr viel Glück, weil er und die geliebte Person sich stets kompatibel weiterentwickelten, oder ist, sehr viel wahrscheinlicher, geistig einfach äußerst schlicht gestrickt!

Dass es daneben auch Menschen gibt, die zwischen spontaner Begeisterung und tiefen Gefühlen nicht unterscheiden können oder wollen, ist zwar richtig, das macht die Aussage "ich liebe dich nicht mehr" aber nicht zwangsläufig zur Lüge!
 
G

Ga_ui

  • #14
Der Philosophiker Osho meinte mal, Menschen können nicht lieben, sie betteln den Gegenüber an wie ein Verdurstender, der ihnen helfen oder irgendwas geben soll. Das ist aber keine Liebe.

Liebe ist Selbstliebe. Wer sich selbst liebt, der braucht im Prinzip keine zweite Person mehr, denn er ist zufrieden und erfüllt in seinem Leben.

Die meisten Menschen suchen aber nach einer Mutter- oder Vaterfigur, jemand der wie ein König über ihm oder wie ein Sklave unter ihm steht. Die meisten Menschen betteln schlichtweg nur nach Beachtung und Anerkennung im Leben, aber es ist eben keine Liebe. Wer liebt, der trennt sich auch nicht, denn er ist ja zufrieden mit sich. Wenn man sich trennt, dann weil man mit seinem eigenen Verhalten und Selbstwert nicht konform geht.

Ein gutes Buch dazu: Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest.
 
  • #15
Liebe ist doch keine erzwungene Verpflichtung, Liebe erzeugt die "Lust" auf Partnerschaft und ist gemessen unter der Summe der Gesamtheit letztendlich eine Einstellung, hervorgehend aus einem Gefühl. Wenn dieses Gefühl weg ist, dann ist auch die Einstellung weg, dann ist es nur noch Gefängnis und Zwang. So möchte doch niemand leben und muss es zum Glück auch heute nicht mehr. Eine langfristige Partnerschaft mit einem wirklich tollen Menschen kann man sich auch nicht erzwingen und kaufen, dafür muss man schon selbst ein außergewöhnlicher und toller Mensch sein.
 
  • #16
Also Liebe hat mit Verliebtheit so wenig zu tun wie Mond und Sonne. Flirt, Hooneymoon oder mal was sexuelles kann mit Verliebtheit einhergehen. Liebe ist wesentlich ernsthafter und vor allem dann da, wenn o.g. Attribute nicht mehr vorhanden sind.
Mit dem Wort "Liebe" wird viel zu oberflächlich umgegangen.
Und sie muss wachsen über lange Zeit, hingegen Verliebtheit sofort da sein kann.

Mit 20 verliebt man sich anders als mit 40 oder 50.
Also ich würde mich nie wieder im reifen Alter so verlieben wie mit naiven, unerfahrenen 20 oder als Teenager.

Heute könnte ich mir nur noch eine wachsende Gefühlsbasis aufgrund einer tiefen Freundschaft vorstellen, welche intensiver wird.
Schnell mal daten, schnell mal Sex, schnell wieder vorbei und dann schnell wieder aufs neue ist mir suspekt, zum Glück.
 
  • #17
Diese These kann keinesfalls Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben:
Bei Aussagen wie: "ich liebe ihn/sie nicht mehr" wurde mir schon immer etwas übel. Wie kann man ernsthaft behaupten jemanden geliebt zu haben, wenn man gleichzeitig behauptet es nicht mehr zu tun? Die richtige Aussage wäre: "ich habe festgestellt ihn/sie nie wirklich geliebt zu haben." Alles andere ist für mich Verlogenheit.
So viele langjährige und zumindest lange Zeit glückliche Beziehungen gehen aus einer sehr spontanen Verliebtheit hervor... tief zu bedauern, wer das nicht erleben durfte.

Irgendwie wird mit deiner These impliziert, dass man dieser Verliebtheit besser nicht hätte folgen dürfen, sondern irgendwelche langfristig ausgerichtete Überlegungen (welche denn?) hätte anstellen sollen und sich zusätzlich noch irgendwie hätte zwingen müssen, obwohl es vielleicht keine Verliebtheit gab - und dann hätte die Beziehung noch langfristiger (ewig?) gehalten.

Sorry, Heiko. Aus deiner Frage spricht einfach deine Enttäuschung darüber, dass du deine Verliebtheiten bisher nicht in langfristige Beziehungen überführen konntest. Daraus eine Regel ableiten zu wollen... ist nicht zielführend.

manchmal
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #18
Oft entpuppt sich diese Verliebtheit aber irgendwann als Strohfeuer, man geht getrennte Wege und das Spiel beginnt von vorn.
Verliebtheit ist ja nicht Liebe. Wenn man das weiß und trennt, ist man vorsichtiger, wenn man sich verliebt hat, und bleibt bei Verstand und bei sich, um zu sehen, wie sich das ganze entwickelt.

Irgendwann stellt man fest dass Verliebtheit eher auf Oberflächlichkeiten basiert, und man die Beziehung(en) hätte vermeiden können wenn man etwas nüchterner geblieben und sich mehr Zeit fürs kennenlernen genommen hätte.
Sehe ich auch so. Allerdings ist ja das Schlechte nicht die Verliebtheit, sondern der Umgang damit. Und Beziehungen sind nicht dazu da, Dich glücklich zu machen. Das tun sie im besten Fall, aber eigentlich suchst Du Dir ein Gegenüber, von dem Du was über Dich lernen kannst.

Eigentlich sollte man ja meinen, dass es nicht falsch sein kann seinen (momentanen) Gefühlen zu folgen
Ja und nein. Blindes Gefühlenfolgen ist genauso falsch wie Gefühle mit dem Verstand zu terrorisieren (gern von Intellektuellen geglaubt, dass Gefühlen mit dem Verstand beizukommen ist, ohne die Gefühle zu kennen)

sondern in erster Linie eine Entscheidung ist
Welche Entscheidung meinst Du genau? Man kann sich nicht zu einem Gefühl entscheiden, weil man es eben fühlen muss. Du kannst Dich ja auch nicht entscheiden, dass Du Angst hast oder Dich verlassen fühlst, wenn das nicht so ist.
Man kann sich aber dazu entscheiden, andere Kriterien an eine Beziehung anzulegen als nur die oberflächlichen, von denen Du geschrieben hattest, und die ich als Projektion des Idealpartners auf einen anderen Menschen sehe.
 
  • #19
Viele Menschen scheinen nicht zu erkennen dass Liebe nicht auf Emotionen allein basiert, sondern in erster Linie eine Entscheidung ist, und der Anspruch darauf von einem selbst noch mehr erfüllt werden sollte.
Somit: Man findet einen Menschen, mit dem es "passt" - und trifft dann die Entscheidung, dass das nun eine Beziehung werden sollte.

Man investiert viel, kümmert sich, sieht den Menschen positiv - und dann wird das schon? Dann werden beide glücklich bis ans Ende ihrer Tage?

Das meinst Du jetzt nicht ernst, oder?

Eine arrangierte Ehe (und um eine solche handelt es sich im Grunde) kann gut gehen, kann vielleicht sogar glücklich machen. Aber vor Allem tut sie das, wenn beide Ehepartner wissen, dass Trennung einfach keine Option ist und dass sie sich durchbeissen müssen - wirklich müssen. Da gibt es nämlich garantiert zwischendurch Phasen, die möchte keiner der Anwesenden erleben. Ich auch nicht. Es kann sich wieder berappeln, mit viel Glück, harter Arbeit und einem guten Teil Resignation.

So etwas findest Du erstrebenswert? Rede mal lieber mit jemandem, der solch eine arrangierte Ehe geführt hat.
 
  • #20
Irgendwann stellt man fest dass Verliebtheit eher auf Oberflächlichkeiten basiert, und man die Beziehung(en) hätte vermeiden können wenn man etwas nüchterner geblieben und sich mehr Zeit fürs kennenlernen genommen hätte.
Vielleicht hat das etwas mit dem Alter zu tun, mit reflektierter Erfahrung und Reife, denn das ist mir nur einmal in jungen Jahren passiert. Daraus ist aber auch keine Liebe geworden - zumindest das, was ich darunter heute verstehe - sondern nur eine kurze Beziehung, weil es für mehr als starke, vorübergehende Verliebtheit nicht ausgereicht hat. Bereut habe ich es aber nicht, weil es ein toller Mann war.

Wie kann man ernsthaft behaupten jemanden geliebt zu haben, wenn man gleichzeitig behauptet es nicht mehr zu tun? Die richtige Aussage wäre: "ich habe festgestellt ihn/sie nie wirklich geliebt zu haben." Alles andere ist für mich Verlogenheit.
Hört sich für mich an, als wenn Liebe, sofern als solches wahrgenommen, erlebt und gegenseitig bekundet dann ewig bleibt und nie mehr vergeht? Klares Nein. Liebe kann vergehen, dafür gibt es (leider) viele Gründe.

Viele Menschen scheinen nicht zu erkennen dass Liebe nicht auf Emotionen allein basiert, sondern in erster Linie eine Entscheidung ist, und der Anspruch darauf von einem selbst noch mehr erfüllt werden sollte.
Sicher basiert Liebe nicht allein auf Emotionen, aber sie bilden ein elementares Fundament. Neben Kognitionen, die ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Was das mit "Entscheidung" zu tun hat, leuchtet mir nicht ein. Ich kann mich dafür entscheiden, mit einem Menschen, den ich liebe, eine feste Partnerschaft aufzubauen oder ihn zu heiraten. Aber nicht, jemanden zu lieben. Liebe ist ein tiefes Gefühl füreinander, es entwickelt sich im Idealfall aus einer Verliebtheit heraus oder eben nicht, das kann nicht "entschieden" werden.

w, Ü50
 
  • #21
Also ich sehe das wohl ähnlich. Für mich ist echte Liebe immer für immer. Zwei meiner Ex haben einen festen Platz in meinem Herzen. Egal was die machen, insgeheim würde ich diese beiden auch wieder für eine Beziehung in Betracht ziehen. Alle anderen Beziehungen waren im Nachhinein eben keine echte Liebe.
 
  • #22
Starke Anziehung die ggf. zur Verliebtheit führt und eine neue Beziehung beginnt. Oft entpuppt sich diese Verliebtheit aber irgendwann als Strohfeuer, man geht getrennte Wege und das Spiel beginnt von vorn. Irgendwann stellt man fest dass Verliebtheit eher auf Oberflächlichkeiten basiert, und man die Beziehung(en) hätte vermeiden können wenn man etwas nüchterner geblieben und sich mehr Zeit fürs kennenlernen genommen hätte. Auch ich habe das schon erlebt, was zu einem Sinneswandel bei mir führte.
M.E. korreliert das mit der Marktwert-Diskussion. Menschen, die die Auswahl haben, mit wem sie einen Beziehungsversuch eingehen, gehen die "Sache" anders an als solche, die wenig Auswahl haben.
Wenn man die Möglichkeit hat mit ein bisschen Online-Dating oder mit ein paar Mal ausgehen, neue Kontakte kennen zu lernen, ist man eher bereit, eine Beziehungsanbahnung abzubrechen.
Klingt zwar ganz schön unromantisch aber die Liebe scheint sich weiter zu entwickeln im Vergleich zu den Großeltern. Die Ansprüche sind gewachsen und man bleibt nicht mehr nur deswegen zusammen, weil man sich beim Tanztee kennengelernt hat und Kinder gekriegt hat.
 
  • #23
Das Thema ist interessant.
Aber nach wie vor entstehen die Mehrzahl der Ehen, auch gerade die langjährigen stabilen Ehen, eben nicht aus lauter Liebe, sondern aus Berechnung, Kalkühl und Verstand mit einem Funken Sympathie, somit stimmt es schon - Ehe ist eine Entscheidung.

Liebe hat mit Ehe nicht immer was zu tun, auch wenn sie damit zu tun haben sollte.

Ich kenne geschiedene Frauen, welche mir erzählten, diese Ehen wären aus Liebe eingegangen worden und....sie sind gescheitert.
Dann kenne ich Frauen und Männer, wo ich weiß, dass Vermögen, Stabilität, den Kindern eine optimale Zukunft bieten, Familientradition etc. etc. wichtiger als große Gefühle waren, diese "Ehen" halten bzw. hielten dem Alltag stand.

Ein Bekannter sagte mir mal, Vernunftehen halten länger.
Ich glaube das stimmt, weil man mit realistischen Vorgaben eine Bindung eingeht, als mit zu romantisierten und emotionsbeladenen Vorstellungen, welche wirklich meist "daneben" gehen.
 
  • #24
Aber nach wie vor entstehen die Mehrzahl der Ehen, auch gerade die langjährigen stabilen Ehen, eben nicht aus lauter Liebe, sondern aus Berechnung, Kalkühl und Verstand mit einem Funken Sympathie, somit stimmt es schon - Ehe ist eine Entscheidung.
Denke ich auch, ich versteh nur nicht den Sinn dahinter, so eine Beziehung anzugehen, es sei denn, es geht darum, seinen Nachwuchs lebensstandardmäßig abzusichern oder zumindest gemeinsam mehr Geld sparen zu können und sich das abzusichern (ansonsten täte es ja auch eine WG). Hat aber mit Verlieben und auch mit Liebe nichts zu tun, weil die ja geopfert wird, sobald klar ist, dass der Deal nicht erfüllt werden kann (z.B. weil der Mann zu wenig Geld bringen wird).

Wie es anderen Menschen geht, weiß ich ja nicht, aber ich kenne das Gefühl, dass man sich mit einem Menschen an seiner Seite viel einsamer fühlen kann als allein. Ergo erschließt sich mir nicht, warum sich manche ihre Beziehungen noch antun, weil zumindest einer Person klar ist, dass sie, wenn sie die Wahl hätte (hat sie ja, außer ihr ist die Absicherung wichtiger), nicht mehr mit diesem Menschen so dicht leben wollen würde, ihn vielleicht sogar gar nicht mehr in ihrem Leben wollte.
 
  • #25
Klar halten "vernunftorientierte" Beziehungen oft länger als Beziehungen, die auf romantischen Gefühlen basieren.

Ich wüsste allerdings nicht, was eine Beziehung ohne Romantik und (anfängliche) Verliebtheit mir überhaupt geben soll. Würde mir heute einer sagen, dass es Beziehung mit Verliebtheit gar nicht gibt; dass das nur eine Erfindung der Filmindustrie ist, dann würde ich sagen: okay, dann werde ich halt gar keine Beziehug führen, weil ich das, was ich suche, dort nicht finde.

Eine Beziehung ohne Verliebtheit bzw. später Liebe wäre für mich nur eine Last. Sex, zu dem ich mich mangels Lust auf den Mann zwingen muss, nervige Absprachen, Einschränkungen, nicht nach Männern Ausschau halten dürfen, auf die ich wirklich stehe....Klar hat man als Mensch ein Bedürfnis nach Nähe und Austausch, aber das kann man auch in Freundschaften finden, dafür muss man sich keine halbgare Beziehung antun.

Dann lieber ein kurzes, aber intensives Abenteuer, auch wenn der Absturz hinterher tief ist.

Zumal das LEBEN ist - Begegnung und Abschied, Höhen und Tiefen, Licht und Schatten. Dass man sich durch kluge Entscheidungen absichern kann, ist eine Illusion, weil es keine Sicherheit, keine Stabilität, keine Kontinuität gibt, solange wir leben. Ich kann nur müde lächeln über junge Leute, die "endlich ankommen wollen" - "angekommen" ist man, wenn man auf dem Friedhof liegt! Und da landet man u.U. schneller als gedacht. Wäre doch schade, wenn man sein Leben bis dahin nur dem Planen einer perfekten Zukunft gewidmet hat...
 
  • #26
Zumal das LEBEN ist - Begegnung und Abschied, Höhen und Tiefen, Licht und Schatten. Dass man sich durch kluge Entscheidungen absichern kann, ist eine Illusion, weil es keine Sicherheit, keine Stabilität, keine Kontinuität gibt, solange wir leben. Ich kann nur müde lächeln über junge Leute, die "endlich ankommen wollen" - "angekommen" ist man, wenn man auf dem Friedhof liegt! Und da landet man u.U. schneller als gedacht. Wäre doch schade, wenn man sein Leben bis dahin nur dem Planen einer perfekten Zukunft gewidmet hat...
Ich sehe das eigentlich auch so. Aber ich habe das Gefühl mit ü40 und Job und Karriere und Kind, dass mir die Kraft und die Zeit dazu fehlt. Ich habe diesen -wie ich es nennen würde- eher hedonistischen Lebensstil nie leben können. Dieses ex und hopp und dann kommt der/die nächste und so.
 
  • #27
@Andriana

Mag ein, dass Du wirklich zu romantisiert bist, aber Männer können auch Sex ohne Liebe haben und stehen somit einer Vernunftehe, wenn sonst alles kompatibel ist, nicht skeptisch gegenüber.
(Auch Frauen können das).

Viele geben es hier doch zu, das dicke Bankkonto ist wichtiger als Optik und heisse Leidenschaft.
(Früher sagte man: für einen armen Vater kann man nichts, aber für einen armen Schwiegervater!)

Früher wurden Ehen gestiftet nach Vermögen und Status.
Liebe? Soll das ein Witz sein, Liebe war Luxus.

Ist es auch heute noch.

Und was Schnulzen und TV als "Liebespaare" so vorgauckeln ist eine heile Welt und hat sehr wenig mit Realismus zu tun.
Soziologen warnen sogar, dies für bare Münze zu halten und nach einer "Liebe" auszuschauen, welche auf rosa Wolken basiert.

Affären und sexuelle Techtelmechtel können überall stattfinden, allerdings haben auch diese nichts mit Liebe, sondern mit Trieben mehr zu tun.

Echte Liebesehen, welche ein Leben lang halten gibt es, allerdings sind sie so selten wie ein Solitär.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #28
Ich möchte mich bei euch allen für eure Offenheit bedanken.

Welche Entscheidung meinst Du genau? Man kann sich nicht zu einem Gefühl entscheiden, weil man es eben fühlen muss. Du kannst Dich ja auch nicht entscheiden, dass Du Angst hast oder Dich verlassen fühlst, wenn das nicht so ist.
Man kann sich aber dazu entscheiden, andere Kriterien an eine Beziehung anzulegen als nur die oberflächlichen, von denen Du geschrieben hattest, und die ich als Projektion des Idealpartners auf einen anderen Menschen sehe.
Das Problem der Diskussion liegt darin dass viele das Verliebtheitsgefühl mit Liebe gleichsetzen. Aber: Liebe ist kein Gefühl, sondern eine Fähigkeit. Eine Entscheidung die bewusst herbeigeführt werden kann, die durch nichts zu erschüttern ist.

Diejenigen für die eine Partnerschaft ohne Verliebtheitsgefühle nicht in Frage kommt, scheinen das nicht so zu sehen. Schade dass gleich in Richtung Zweckbeziehung argumentiert wurde. Eigentlich ist es doch eher ein ausnutzen, wenn ich den Partner aufgrund meiner projizierten Idealvorstellungen wähle und zu meiner Bedürfnisbefriedigung einsetze, um ihn dann bei Gelegenheit auszutauschen, weil meine Bedürfnisse sich geändert haben. Ich halte es auch nicht für erstrebenswert "falsche" Gefühle als Fundament einer Partnerschaft zu sehen. So oberflächlich möchte/könnte ich nicht sein.
 
  • #29
Aber: Liebe ist kein Gefühl, sondern eine Fähigkeit. Eine Entscheidung, die bewusst herbeigeführt werden kann
Das stimmt einfach nicht. Zumindest ich bin der Gegenbeweis. Ich weiß, wie oben geschrieben, recht schnell, ob ich jemanden liebe oder nicht. Was danach passiert, hängt von ganz anderen Dingen ab. Und wie oben geschrieben liebe ich auch Frauen und Kinder gleich, wenn sie das Gefühl in mir auslösen. Und ich kann mich nicht dazu entschließen, jemanden zu lieben. Ich kann mich entschließen, fair zu sein, ehrlich zu sein usw., aber nicht zu einem Gefühl, das er nicht auslöst.
Die Fähigkeit, die Du meinst, ist vermutlich, ob man, so man einen Vertreter des gewünschten Partnergeschlechts liebt, auch eine Beziehung führen kann. Dh. ob man überhaupt beziehungsFÄHIG ist. Denn was nützt die ganze Liebe, wenn man Angst hat vor Beziehungen oder ein Egoist ist oder Illusionen über andere Menschen in Beziehungen hat (die dauerhafte rosa Brille der Verliebtheit, die dann Bedingung ist für eine Partnerschaft, was völlig unrealistisch ist).

Liebe kann man meiner Ansicht nach nur empfinden, wenn man für dieses Gefühl auch offen ist, dh. keine Angst vor seinen Gefühlen hat. Insofern ist es tatsächlich eine Fähigkeit, nämlich die, Gefühlen nicht auszuweichen oder sie als verletzlichmachend zu empfinden und deswegen allerhand intellektuelle Vermeidungsmanöver zu vollführen, um das Gefühl nicht zu merken.
Oder jene armen Menschen, die meinen, Gefühle machen schwach. Deswegen denken sie, wenn sie jemand liebt, können sie ihn am Nasenring herumführen und manipulieren.
Wer wirklich lieben kann, liebt sich auch selbst, lässt sowas nicht mit sich machen und schützt dieses Gefühl vor Missbrauch. Er ist auch nicht abhängig davon, dass andere ihn zurücklieben. Er weiß: Das ist mein Gefühl, und wenn du es nicht haben willst, behalte ich es für mich.
 
  • #30
Noch was:

Eine feste Gemeinschaft einzugehen kann auch mit starker Sympathie - bei manchen - funktionieren. Die große Liebe muss es wiederum nicht sein, sie entsteht für meine Begriffe nach wie vor durch zuviele verfilmte Romane, denn wer will schon die Realität verfilmt sehen, die erlebt man schon selbst.

Paare, welche eine feste Bindung inkl. Verantwortung eingehen müssen sich nicht zwangsweise lieben, aber schätzen, respektieren und sich vertrauen.

Ich kenne junge Mütter, die gerade geheiratet haben, diese erzählten mir offen, dass ihr Mann nicht der "Traum-Mann" sei, aber ein super Vater, treu, ehrlich, beruflich engagiert - von der großen Liebe war in diesen Gesprächen nie die Rede.

Fazit: Alles schön und gut, allerdings kann die Vernunft irgendwann kippen, alte vernachlässigte Emotionen/Sehnsüchte/Begierden kommen hoch (welche eben aufgrund der Vernunft nicht ausgelebt wurden) und....es kommt zum Warmwechsel, zum scheitern und zur Trennung, nicht immer, aber immer öfter.