• #1

Lebe getrennt und will mich scheiden lassen, aber wie?

Hallo ihr Lieben,

Ich bin neu hier und hoffe ihr könnt mir helfen. Momentan lebe ich von meinem Partner getrennt. Wir haben keine Kinder, nur eine gemeinsame Wohnung aus der ich ihn rausgeschmissen habe. Und bevor dazu jetzt was kommt, wie das ganze mit der Wohnung geregelt wird, klären wir natürlich noch.
Ich bin jetzt 31 Jahre alt. Wir haben (sehr verliebt damals) mit 26 geheiratet und erst lief auch alles gut. Aber wer kennt das nicht, der Alltag mit allen möglichen Problemen hat uns eingeholt. Ich habe mittlerweile damit abgeschlossen, dass diese Beziehung nicht mehr zu retten ist, was mir mein lieber (Noch)Ehemann auch durch diverse Seitensprünge bestätigt hat.
So das als Background Story,
Meine Frage ist jetzt, ob ihr irgendwelche Tipps habt für die Scheidung. Ich kenne mich mit dem Thema leider gar nicht aus und in meiner Umgebung ist auch niemand geschieden. Vor allen Dingen interessiert mich, wie viel Geld ich in das ganze investieren muss und ob es möglich ist das ganze ohne viele Termine mit einem Anwalt zu regeln. Habe gerade erst meinen Master gemacht und bin noch nicht lange im Beruf.
Hoffe ihr könnt mir helfen, Google hat so viele Vorschläge.. da sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht.
 
  • #2
Hallo,
also meine Scheidung vor 2,5 Jahren hat mich insgesamt 2500 Euro gekostet und wir hatten wirklich alles schon vorher geregelt.
Termine hatte ich keine, nur den Scheidungstermin.
Wir hatten uns für einen gemeinsamen Anwalt entschieden und die Termine mit Diesem hat mein Ex-Mann wahrgenommen.
Allerdings gab es sehr viele Formulare zum Ausfüllen, bezüglich Rente etc.
Wie das allerdings bei die aussieht kann ich nicht sagen, da ich nicht weiß ob alles so friedlich ablaufen wird wie bei mir.
 
  • #3
Wie die Scheidung bei dir ablaufen wird, kannst du verbindlich nur von einem (Familienrechts-)Anwalt erfahren. Aus dem Forum bekommst du so viele unterschiedliche Tipps wie dir unterschiedliche Personen antworten.

Du brauchst aber »maßgeschneiderte« Angaben! Also nix wie hin zu einem vertrauenswürdigen Anwalt - den brauchst du für die Durchführung sowieso.
 
  • #4
Man spart, wenn man sich bei der Scheidung einig ist. Einvernehmlich.
Gemeinsamer Anwalt, Scheidungsvereinbarung vorher.

Lass Dich von einem Anwalt beraten.

M, 54
 
  • #5
Also grober Ablauf.
Trennung - jeder hat eine unterschiedliche Meldeadresse für 1 Jahr - evtl. Trennungsunterhalt wird an den wirtschaftlich schwächeren Partner als Ausgleich gezahlt - kurz vor Ablauf des Trennungsjahres muss zumindest ein Anwalt beauftragt werden (einseitig, ohne das die Gegenseite anwaltlich vertreten sein muss; beide Parteien können einen Anwalt gemeinsam beauftragen oder jeder hat seinen eigenen Anwalt) den Scheidungsantrag beim Amtsgericht zu stellen. - alle Fragen laufen dann zwischen Amtsgericht und Anwalt bzw. falls dein Partner auf seinen Anwalt verzichtet, zwischen Amtsgericht und Gegenpartei direkt - jede Partei wird über jeden Schriftwechsel informiert und umfassend in Kenntnis gesetzt - in jedem Fall wird der Versorgungsausgleich geprüft, d. h. der Rentenausgleich (d. h. die eingezahlten Rentenbeiträge von Dir und ihm in der Ehezeit werden zusammengerechnet, durch 2 geteilt und entsprechend zu gleichen Teilen verteilt), wenn ihr notariell den Versorgungsausgleich ausgeschlossen habt, also ihr darauf verzichtet und auch weiter sonst nichts zu regeln ist - erfolgt ein Scheidungstermin/mündliche Anhörung - seid ihr beide anwaltlich vertreten durch 2 oder 1 gem. Anwalt - seid ihr mit der darauffolgenden Zustellung des Beschlusses des Amtsgerichtes rechtskräftig geschieden (falls nur einer anwaltlich vertreten war und der andere nicht, gilt noch eine Widerspruchsfrist von 1 Monat gegen den Beschluss, d.h. gegen das Scheidungsurteil; erst nach Ablauf dieser Frist wird der (Scheidungs-)Beschluss rechtskräftig zugestellt und man ist dann geschieden).

Die Kosten belaufen sich nach dem Streitwert (wenn alles problemlos im Vorfeld geregelt wurde, dann nur nach dem Versorgungsausgleich, einschließlich der Betrieblichen Altersvorsorge in eurer Ehezeit) und daraus berechnen sich die Gebührensätze des Anwaltes, was er in deinem Auftrag regelt.

Teuer wird es, wenn viele Dinge nicht einvernehmlich geregelt sind, Wohnung, Eigentumswerte, bei Kindern die Umgangsregelung, Aufenthalt und Unterhalt, der Trennungsunterhalt, etc. all das liegt entweder ein finanzieller Wert zugrunde, der den Streitwert erhöht und dadurch die Gebührensätze, als auch, wenn sich viel zu streiten gibt, dann gibt es für den Anwalt viel zu klären, schlichten und regeln, und damit stellt er Dir eine entsprechende Rechnung seiner Arbeit aus.
 
  • #6
Friedlich abwickeln. Einvernehmliche Scheidung. Gemeinsamer Anwalt, der euch beide gut berät, keine Schmutzwäsche.

Alles Gute.

w, 53
 
  • #7
Man spart, wenn man sich bei der Scheidung einig ist. Einvernehmlich.
Gemeinsamer Anwalt, Scheidungsvereinbarung vorher.

So war das bei mir auch. Die Kosten beliefen sich nur auf 1.700 €, wenn ich es noch recht in Erinnerung habe. Der Scheidungstermin am Gericht hat nur 10 Minuten gedauert.

Man kann aber auch einen 6-stelligen Betrag verprozessieren, eine Schrankwand an Leitzordnern voll Schriftsätzen der Anwälte füllen und sich ein Jahrzehnt an Nervenkrieg bereiten. Das hängt ganz von den Beteiligten ab.

Tendenziell wird es einfach, wenn keine Kinder da sind, beide arbeiten und die Dauer der Ehe kurz ist (< 3 Jahre).

Der Interessensverband Scheidung und Unterhalt (ISUV) vermittelt gute Anwälte. Seine Webpräsenz hat auch ein Forum, wo die Antworten der erfahrungsreichen Teilnehmer so gut wie eine Anwaltsauskunft sind. Mitgliedsbeitrag Größenordnung 60 € im Jahr .
 
  • #8
Kurzer Hinweis: einen "gemeinsamen" Anwalt gibt es juristisch gesehen nicht. Offiziell darf der Anwalt immer nur eine der beiden Seiten vertreten. Wenn ihr euch allerdings untereinander einig seid und es nichts weiter zu klären gibt, reicht es, wenn eine/r von euch zwei sich einen Anwalt nimmt und der zweite Partner auf einen Anwalt ganz verzichtet. Dann kann man sich die Kosten für ihn und für das Verfahren inoffiziell teilen.
Ich empfehle das wirklich nur, wenn ihr euch gegenseitig sehr wohl gesonnen seid und ihr euch einander wirklich vertrauen könnt. Ansonsten ist die Seite ohne Anwalt definitiv benachteiligt.
 
  • #9
Hi Lara,

wie viele hier schon gesagt haben, am besten suchst du dir, wenn du pfiffig bist, jetzt selbst einen Anwalt oder eine Anwältin.

Dann machst du deinem Ehemann den Vorschlag, dass ihr die Scheidung einvernehmlich, am besten mit nur einem Rechtsbeistand, machen solltet. Große Probleme sollte es bei euch ja sowieso nicht geben.

Du kannst damit eigentlich auch nichts falsch machen. Denn wenn ihr nur einen Anwalt zur Scheidung verwendet, dann muss dieser die Belange beider Parteien im Auge behalten und darf keinen bevorzugen. Andernfalls muss er das Mandat für eine Partei ablehnen. Wenn du die erste warst, die ihn konsultiert hat, wird er dich, in der Regel, auch dann weiterhin vertreten.

Die Schuldfrage ist heute unerheblich!

Es versteht sich von selbst, dass du jetzt keinen Blödsinn machst, um dich an ihn zu rächen. ;)

Ich hoffe auch, der Rausschmiss aus eurer gemeinsamen (?) Wohnung verlief im Einvernehmen. Denn für seine Unterbringung im Hotel oder das Anmieten einer vorübergehenden (teuren) Wohnung könnte er dich, unter Umständen, in Regress ziehen.

Der, meist wertlose, Hausrat wird fifty-fifty aufgeteilt und für alles andere sieht das Gesetz eine Regel vor.

Am besten machst du noch diese Woche einen Termin. De schneller ihr euch einigt, desto früher kann die Ehe geschieden werden.

Wünsche Dir alles gute und liebe Grüße…
Leo69 - m50
 
  • #10
Wer den Scheidungsantrag stellt muss anwaltlich vertreten sein. Gemeinsamer Anwalt geht nicht, soweit ich weiß. Der Noch-Partner hat dann keinen Anwalt.
Vermögen haben wir vorab notariell geklärt. Auch was das Erben während der Trennungszeit betrifft nicht vergessen. Beurkundungstermin war beiden frühstmöglich wichtig (acht Wochen nach Trennung waren unsere Eigentumsverhältnisse geklärt).
Scheidungstermin dauerte 10 Minuten (nach zwei Jahren Trennung).
Anwaltskosten 1700€ (für meinen Anwalt), die wir geteilt haben. Notarkosten weiß ich nicht mehr, aber auch geteilt - den hatten wir schließlich gemeinsam.
Kinder habt ihr nicht, das macht es einfacher.
Trennungs- oder nachehelichen Unterhalt habe ich nie eingefordert. Dazu kann ich nicht viel schreiben.
Bei Einigkeit (sehr zu empfehlen) geht alles seinen Weg.
Geh' zu Deinem Anwalt und lass Dich beraten. Oder regelt notariell Euer Eigentum und lasst Euch später scheiden.
 
  • #11
Hi Lara,

ich binn‘s nochmal…

Auch wenn es juristisch korrekt ist, dass ein Anwalt niemals zwei Parteien vertreten darf, so wird ein Anwalt den du konsultierst auch berücksichtigen, dass es in deinem Interesse ist, die Kosten niedrig zu halten und somit nur einen Anwalt für die Scheidung zu haben.

Das ist in einfachen Fällen gängige Praxis.

Es schadet daher natürlich nicht, wenn du die erste bist, die einen Anwalt oder Anwältin aufsucht. Du kannst aber nicht verhindern, dass er sich auch anderweitig vertreten lässt.

Das ist im Netz viele Kanzleien gibt, die ihre Dienste gerne auch als zweiter Anwalt vermarkten möchten ist klar.
 
  • #12
...
Meine Frage ist jetzt, ob ihr irgendwelche Tipps habt für die Scheidung.

Ja. Zum Anwalt gehen und eine Erstberatung in Anspruch nehmen. Kostet nicht die Welt. Die günstigste Scheidung bekommt man, wenn man gemeinsam einen Anwalt nimmt, ob das in eurem Fall möglich ist, müsst ihr entscheiden. Kosten bemessen sich nach Einkommen und Vermögenswerten. Scheidungsvereinbarung vorher hilft, Vermeiden von langen Streitereien um Vermögen auch.
Es gibt Bücher und Webseiten zum Thema. Da kann man sich wunderbar reinlesen für spezifische Fragen, die man dann mit dem Anwalt nochmal abklären sollte.
 
  • #13
Erst einmal machst du einen Termin bei einem Anwalt oder eine Anwältin (KEINEN gemeinsamen Anwalt) für eine sogenannte Erstberatung. Die kostet 180-200€ und dauert so eine bis 1,5 Stunden. Zu dem Termin nimmst du schon mal finanzielle Unetrlagen mit - deine STeuererklärung, evtl. seine wenn du drankommst, Euren Mietvertrag usw.
Danach siehst du klarer.
Meine Scheidung hat mich 17.000€ Anwaltskosten gekostet und nochmal ca. 12.000€ für das Drumherum (Mediation, Gerichtskosten, Einklagen von Unterhalt usw.). Aber mein Exmann ist auch krankhft geizig und psychisch gestört. Sowas wie den gibts nur einmal :)
 
  • #14
In jedem Falle rate ich eine jur. Beratung beim Fachanwalt für Familienrecht.
Dieser kann dann aufgrund der individuellen Situation einen Vorschlag machen. Du kannst dir das als Kuhhandel vorstellen - ein geben und nehmen. Je mehr ihr einvernehmlich regelt, umso preisgünstiger.
Natürlich kann man um jede Klopapierrolle feilschen .... sinnvoll ist das nicht.
Bisher hattest du übrigens Glück - du hättest ihn nicht aus der gemeinsamen Wohnung werfen dürfen.
Also - möglichst wenig Streit und möglichst einvernehmlich vieles selbst regeln - dann wird das gar nicht soooo teuer.
Übrigens - anwaltliche Vertretung vor dem Familiengericht ist obligatorisch .... es muss aber nur ein Rechtsanwalt sein. Das klappt aber bei Streit auch nicht .....
 
  • #15
Also ich bin erst seit einer Woche geschieden, viel älter als du, hab den Seitensprüngen meines Mannes viel zu lang zugeschaut. Find ich schon mal toll von dir, dass du schnell einen Schlussstrich ziehst... mein Mann hat mir viel angetan und ich habe schon den Rat einer Anwältin beigezogen. Er wollte gar nix zahlen ( hat das doppelte Einkommen von mir) keinen Unterhalt, keine Einmalsumme..ich wäre bereit gewesen ihn zu klagen und hätte vermutlich nach längerem Streit gewonnen und viel Geld den Anwälten bezahlt. Schlussendlich hat meine Anwältin für mich eine einvernehmliche Scheidung mit einer kleineren Einmalsumme ausverhandelt und ich bin froh dass es vorbei ist. Die Konsultationen meiner Anwältin von April 2019 bis März 2020 hat 5000 Euro gekostet.
Alles Gute für dich!
 
  • #16
Noch ein Nachsatz , ja du hättest ihn nicht aus der Wohnung werfen dürfen, ABER wenn er doch ausgezogen ist, ist das nach österreichischem Recht, so skurril es klingen mag, eine Eheverfehlung!! Man darf nicht einfach so ausziehen, es sei dem du hast schriftlich dein Einverständnis gegeben, dass du den Auszug nicht als Eheverfehlung geltend machst!!
 
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