• #61
Liebe FS,

ich kenne das, ich hatte das viele viele Jahre lang, auch aus Liebe, und ich bin dabei verhungert wie eine Primel, die man nicht gießt. Immer in der Hoffnung, dass es sich doch noch bessert. Hat es nicht.
Nochmal ohne Nähe und Kuscheln, Zärtlichkeiten leben mit einem Partner? Nie wieder! Hab inzwischen gemerkt, dass es so viel besseres gibt.

Überleg es Dir gut, ob Du damit leben kannst und willst. Vermutlich wird sich nicht viel daran ändern dauerhaft. Egal welche Erklärungen sich dafür finden....keiner ändert sich um 100 % und das wäre hier nötig.

Ich wünsch Dir alles Gute!
 
  • #62
Ich denke, dieses Muster ist eine Art Selbstschutz. Wenn man ihm das nimmt, könnte das fatale Folgen haben, wie ein Schutzpanzer, der fehlt.
Eine Möglichkeit könnte sein, sich zu im Bett an Stellen zB wie Arm zu berühren in nicht sexueller Weise, sprich Zärtlichkeiten zuzulassen ohne dass Sex stattfindet. Allerdings muss er da mitmachen wollen. Dass sind so Grundmatrixen, die sich schwer ändern lassen.
Ich empfehle das Buch "Soul Sex" von Zuhorst.
 
  • #63
Mir fällt auf, dass du, liebe FS, dich körperlich und sexuell schon selbst zurückgenommen hast aufgrund des distanzierten Verhaltens deines Freundes. Irgendwie scheinen sich seine Art und Sichtweise auch schon auf dich übertragen zu haben. Dafür spricht allein schon die Frage, ob du bei diesem Problem übertreibst. Ich kann mir kaum vorstellen, dass man als Frau (und das gilt andersrum für Männer genauso) über Jahre und Jahrzehnte mit einer so reduzierten Form des Sex und fast keinen Zärtlichkeiten zwischendurch zufrieden und glücklich leben kann, wenn man es eigentlich liebt, zu kuscheln, sich zu küssen und Sex in mehr als einer Stellung geniessen kann.

Einen anderen Menschen kann man nicht ändern, nur sich selbst bis zu einem gewissen Maß, wenn man denn einen Leidensdruck verspürt. Das probierst du ja schon, indem du deine eigenen Bedürfnisse dementsprechend reduzierst, aber du spürst ja deine Unzufriedenheit und Unausgeglichenheit und diesen "Hunger", wie du es genannt hast. Das kann dann auch auf Dauer dazu führen, dass deine zärtlichen Gefühle und die Liebe zu deinem Freund auf der Strecke bleiben und du dich wieder entlieben wirst.

Trotz eurer Gefühle füreinander passt die körperliche Kommunikation so wenig zueinander, dass ihr euch beide irgendwie unglücklich machen werdet bzw. schon macht, da ja dein Freund auch nicht glücklich mit deinen Wünschen ist. Für ihn würde eine Frau besser passen, die ähnlich körperlich distanziert veranlagt ist wie er; für dich ein Mann, der ähnlich zärtlich und sinnlich veranlagt ist wie du. Natürlich muss man dann andere Kompromisse eingehen, aber dann bräuchte sich keiner von euch mehr so stark zu verbiegen bzw. seine Bedürfnisse so sehr zu unterdrücken wie es jetzt der Fall ist.

w 51
 
  • #64
Liebes Forum,

ich danke noch einmal für eure Inputs.
Vielleicht nochmal der Hinweis: Er möchte ja Streicheleinheiten, möchte Kuscheln. Nur: Er möchte gekuschelt werden. Geküsst werden. Usw. Er tut das nicht von sich aus. Würde ich aber das, was ich eh tue, weglassen, dann würde er wohl fragen, ob was nicht in Ordnung sei.

Wir haben dieses Woe nochmal gesprochen. Darüber, was mir fehlt, darüber, was er geben kann und will, über den Ort, die Mitte, wo wir uns treffen könnten. Er scheint gemerkt zu haben, dass ich da nicht bloss blöd rumtu', sondern dass mir wirklich was fehlt. Er ist mir gestern sehr entgegengekommen.

Ich werden sehen. In mich spüren. Und mit ihm einen Diskurs darüber suchen bzw. ausbauen.

Ich danke euch allen sehr für eure Inputs. Sie haben mich zum denken bzw. weiterdenken angeregt. Das bringt mir schon sehr viel.
 
  • #65
Mir fällt auf, dass du, liebe FS, dich körperlich und sexuell schon selbst zurückgenommen hast aufgrund des distanzierten Verhaltens deines Freundes. Irgendwie scheinen sich seine Art und Sichtweise auch schon auf dich übertragen zu haben. Dafür spricht allein schon die Frage, ob du bei diesem Problem übertreibst.
...
Das kann dann auch auf Dauer dazu führen, dass deine zärtlichen Gefühle und die Liebe zu deinem Freund auf der Strecke bleiben und du dich wieder entlieben wirst.
Das ist tatsächlich so und im Grunde genommen auch sehr tragisch, denn in einer Liebesbeziehung ist immer der Partner der bestimmende, welcher viel weniger Bedürfnis nach körperlicher Nähe hat. Wenn der andere, welcher sich viel mehr Berührungen, Streicheln, körperliche Nähe und abwechslungsreiche Sexualität wünscht, den Partner nicht verlieren möchte muss er sich tatsächlich anpassen und zwar seine Bedürfnisse reduzieren oder gar sogar ignorieren und nicht mehr äussern.

Man geht tatsächlich ein, man verhungert emotional und das wird glaube ich auch die zärtlichen Gefühle und die Liebe zum Partner langsam aber sicher absterben lassen. Dann wird man empfänglich für Zuwendung von aussen, aus lauter Sehnsucht lernt Frau andere Männer kennen und verliebt sich. Somit ist der erste Schritt in Richtung fremdes Bett getan.

Das ist genau gleich, wie bei den Katzen. Gibt man ihnen kein Futter und Wasser und keine Streicheleinheiten, so holen sich die Katzen das alles bei jemand anderem. Man kann sagen Hunde sind treu doof, denn sie bleiben immer beim Herrchen.

Werden elementare Grundbedürfnisse nicht erfüllt, so stellt der Partner seine eigenen Bemühungen ein und orientiert sich neu. Am besten und am traurigsten zugleich ist es, die Beziehung zu beenden bevor man fremdgeht.

Ansonsten ist vielleicht eine Paartherapie oder eine Einzeltherapie des Partners nötig. Das würde ich der FS empfehlen.
 
  • #66
Vielleicht nochmal der Hinweis: Er möchte ja Streicheleinheiten, möchte Kuscheln. Nur: Er möchte gekuschelt werden. Geküsst werden. Usw. Er tut das nicht von sich aus. Würde ich aber das, was ich eh tue, weglassen, dann würde er wohl fragen, ob was nicht in Ordnung sei.
Siehst du so einen hatte ich vor kurzem und mit ihm eine Beziehung begonnen und auch er fürchtet die körperliche Nähe, wie der Teufel das Weihwasser. Wann er mit Zärtlichkeiten angefangen hätte und ob überhaupt weiss ich nicht, wenn ich nicht zumindest seine Hand genommen hätte, um sie dann auch loszulassen, weil ich nicht immer die Erste sein wollte, die damit beginnt. Das schlimme ist, dass wir beide in der gleichen Stadt wohnen aber er nicht zu mir kommen möchte (bis auf einmal), sondern ich sollte immer zu ihm gehen. Ich finde es auch sehr rücksichtslos und egoistisch von ihm zumal ich so viele Sachen immer packen müsste, die ich brauche, wenn ich bei ihm übernachten bleibe. Er ist schon drei Jahre Single und ich konnte ihn zu keinen anderen Freizeitaktivitäten bewegen, wobei er immer auf meine Vorschläge gesagt hatte: "ja das könnten wir auch machen" aber von sich aus hat er keine Initiative gezeigt.

Deshalb frage deinen Freund folgendes: "du wunderst dich und fragst dich, ob etwas nicht in Ordnung sei, wenn ich nicht auf dich zukomme und dir keine Nähe gebe. Aber hast du dich jemals gefragt, dass ich genau das gleiche brauche, wie du und, dass ich mir auch wünsche, dass du genauso beginnst? Wenn du das, was ich dir gebe, geniesst, dann weisst du, dass auch ich das geniessen würde, wenn du es freiwillig und von dir aus ohne Aufforderung tust."
 
  • #67
Liebe Mandoline,

meine Erinnerung sagt mir, dass ich es mal geschrieben habe; möglich, dass ich mich täusche: Wir werden beide supervisorisch begleitet. Dies eher wegen unseren Berufen, wohl aber können wir beide hier auch solche Dinge besprechen. Dieses Angebot nehmen wir in Anspruch.
Dein kursiv geschriebenes habe ich mir hin und wieder schon gedacht – und dann aber nicht gesagt, weil ich es irgendwie kindisch finde. Liebe bzw. Beziehung ist für mich nicht 'wie Du mir so ich Dir' oder umgekehrt. Lieben bedeutet für mich (aus meiner Kinderstube), dass ich eben genau hier Dinge tue, die ich von mir aus möchte. Ich muss im Bereich der Beziehung (anders als zB im Beruf) nicht immer darauf aus sein, dass die eine Hand immer die andere wäscht.
Das ist meine Meinung.
Hier spricht aber die Frau Anfang dreissig und nicht das Mädchen in mir, das betüddelt werden will.
Ich denke momentan sehr viel nach, denke an meine Kindheit, meine Eltern, meinen Vater, der mehr auf Reisen war als zuhause, meine sehr unterkühlte und gleichzeitig hörige Mutter.
Ich sehe: Hier ist ein Kind, das Muster wiederholt. Ich bin analytisch (therapeutisch) geschult, ich denke nicht das erste Mal nach, sehe aber hier Parallelen, die stärker sind, als bisher gedacht.

Ich mein': Er kommt ja nicht nie. Er kommt. Aber kühler als ich und weniger häufig als ich. Das ist sein Wesen.
Ich bin eine erwachsene Frau, die zwar sehr impulsiv und leidenschaftlich ist, aber auch kein Schosslieger und Dauerkuschler.
Und dann knallts in mir: Das Kind will in den Arm genommen werden, will gesagt bekommen, dass man es liebt.
Dabei lebt dieser Mann (seinem Wesen entsprechend) eine Loyalität, Verbindlichkeit und Verbundenheit zu mir, die ich in diesen Momenten übersehe.
Ich habe gestern lange lange geschrieben, Facts & Figures, dann Bauchgefühle.

Ich bin nicht am Ende angekommen. Aber ich sehe ein wenig klarer. Sehe (neben meinen sonstigen Baustellen) hier auch einen grossen Schutthaufen, den es abzutragen gilt.

Es ist mir einfach ein Anliegen, mich fair zu Verhalten. Ihm, aber und mir und uns gegenüber.
Denn bitte: Eine Katze ist ein Tier. Katzen sind die grössen Opportunisten, die man rumlaufen sieht. Sowas ist mE nicht erstrebenswert.
 
  • #68
Hi,

es klingt ja positiv, dass bei deinem Partner anscheinend angekommen ist, dass Du nicht zufrieden bist und eine Lösung gefunden werden muss. Ich denke, da liegt ein langer Weg vor euch, denn es bedarf einer änderung festgefahrerener Muster.
Meine Empfehlung wäre es, hier mit gezielten Übungen vorzugehen. Zum Einen muss er sein Körpergefühl verbessern und auch Nacktheit nicht mehr so problematisch ansehen. Vielleicht hilft es zusammen Schwimmen oder in die Sauna zu gehen. Aber auf jeden Fall muss es für euch irgendwie auch normal sein, einfach nackt zu sein. Sich dabei einfach ansehen und berühren, ohne dass es zu mehr kommen muss. Das ganze am besten Schrittweise, also erst einmal ohne Oberbekleidung und dann Schritt für Schritt weiter.
Auch mit anderen Aktivitäten kann man das Körpergefühl verbessern, es gibt da doch einige Sportarten, die das Unterstützen.
Zum anderen müsst ihr an eurem Verhalten/Wahrnehmung im Paar arbeiten. Denn ihr scheint ein unterschiedliches Verahlten zu haben, was Geben und Nehmen angeht. Ob es nur daran liegt, dass ihr da verschiedene Schwerpunkte/Arten habt oder ob es unterschiedlich ausgeprägt ist, kann ich an deinen Beiträgen bisher nicht erkennen. Auf Dauer wird diese Baustelle aber ein Problem, wnen ihr euch da beide nicht angleichen könnt.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #69
Danke Dir. Ua. darüber denke ich nach. Solche Lösungswege scheinen mir produktiv. Dank! Es ist toll, wie hier alle mitdenken. :)
 
  • #70
Liebe alle,

da ich es mir als Mitleser und Mitdenkender hin und wieder wünsche, dass Fragesteller sich später wieder melden und berichten wie die Sache ausgegangen ist, tue ich das hier nun.

Ich habe mich im Sommer 2018 getrennt. Seit Sommer 2017 haben wir eine mehr oder weniger kaputte WG geführt, aus der ich raus wollte. Habe lange halbherzig nach einer Wohnung gesucht, aber nichts gefunden mangels Herzblut.

Im Januar 2018 habe ich mich dann dummerweise so stark verliebt wie noch nie. Ich habe mir daraufhin 6 Monate Zeit genommen, um in mich zu gehen und zu schauen, ob diese unfassbare Zuneigung gegenüber diesem neuen Menschen nur eine Projektion meines Mangels ist - oder wahrhaftig sein kann.
Meine Konklusion hat dann dazu geführt, dass ich auch die physische Trennung vorgenommen habe, ausgezogen bin. Seither geht es mir so gut wie wohl noch nie in meinem ganzen Leben (mit jemandem).

Nichts desto trotz bin ich dankbar für diese Jahre des Nachdenkens, da ich vermute mich besser kennengelernt zu haben, besser zu wissen wer ich bin und was ich brauche. Ich bin insgesamt ruhiger. Meine Verlustängste bin ich noch nicht los, alte Wunden heilen nur langsam.

Ich habe an Mandolines kursive Zeilen denken müssen, als ich im Sommer einen Brief von meinem Ex erhalten habe. Darin stand auf 4 Seiten (!) computergeschrieben (!) all das, wofür er sich bei mir bedankt - all das, was ich gegeben habe und nie bekommen habe. All die Nähe.

Autsch.

Learning: Ich habe 2013 einen Mangel in mein Tagebuch geschrieben. 2016 mich hier beraten. 2018 habe ich mich aus genannten Gründen getrennt.

Danke noch einmal an alle, die hier mitgedacht haben.
 
  • #71
Ich finde Körperlichkeit auch zentral und ja, ich wöllte, dass man an mir herumstreichelt und mich krault. Es ist doch toll, sich abends auf dem Sofa anzukuscheln und gekrault zu werden. Ich schlafe am liebsten dabei ein, wenn man mir den Rücken streichelt. Und nein, da fühle ich mich nicht wie ein Haustier.
 
  • #72
Liebe FS,

Dein Problem hatte ich in meiner letzten Beziehung. Mein Ex hat mir seine Liebe im Alltag nicht durch Küsse, durch Streicheln oder Umarmungen gezeigt. Auch er war ein edler Charakter, aber körperlich wie ein starres Stück Holz. Ich denke, er hat Zärtlichkeiten in der Kindheit nicht bekommen.

Ich habe sehr darunter gelitten. Gespräche brachten nichts. Er sagte, das sei sein Wesen, an dem er arbeiten wolle, dass er mir seine Liebe doch anders zeige (Essen kochen, mir kleine Aufmerksamkeiten mitbringen, verlässlich sein, mich überall abholen etc.). All dies konnte mein Bedürfnis aber nicht ersatzweise befriedigen. Ich könnte mir das auch nicht mehr schönreden. Insofern kann ich dem nicht zustimmen:

Er widerum macht ganz viel im Alltag für mich, bringt mir Aufmerksamkeiten mit, tut mir liebe Gefallen, durch die ich mich doch angenommen fühle.
Der Mann kann sich nicht ändern. Gib diesen Gedanken direkt auf. Für mich wäre es nichts mehr heute... Diese Steifheit überträgt sich im Übrigen auch auf den Rest des Charakters. Ich brauche jemanden, der zwar klug und analytisch im Denken ist, aber trotzdem auch mal herzlich lacht, mich packt und umarmt und leidenschaftlich küsst ETC. Sonst geh ich ein wie ne getrocknete Blume.

W30
 
  • #73
Liebe Liiee,

danke für die Rückmeldung.

Ich denke, es war auch keine "verlorene" Zeit, Dinge müssen reifen.
Man braucht Zeit, sich selbst zu entdecken, seine Bedürfnisse, Prioritäten und Grenzen.
Zeit dafür, um zu entdecken, warum einem eine bestimmte Situation nicht passt, nicht gut tut.
Zeit für Lösungswege
Und Zeit für die Umsetzung,arabisch und noch mehr Zeit für die innerliche.

Dir alles Gute

W,49