S

Smn254

Gast
  • #1

Lohnt es sich zu kämpfen?

Hallo,
ich weiß momentan nicht so recht was ich machen soll. Meine Freundin hat sich vor gut 3 Wochen von mir getrennt. Unsere Beziehung hatte 6 1/2 Jahre gehalten.

Der Grund für die Trennung war, dass sie mit meinen Problemen nichtmehr klar kam. Ich habe Angstzustände, wenn ich unter Leuten bin die ich nicht kenne. Dazu kommt noch, dass ich mich immer selbst unter starken Druck setze, egal worum es geht, dadurch stehe ich dauerhaft unter Stress. Das ganze führte dann leider dazu, dass ich keine Motivation aufbringen konnte etwas zu unternehmen. Ich habe es nicht einmal geschafft mich gescheit mit um den Haushalt zu kümmern, wo ich mich dann im Nachhinein über mich selbst geärgert habe und mich noch mehr unter Druck gesetzt habe.

Aber das schlimmste war eigentlich, dass ich es nicht geschafft habe mich ihr zu öffnen. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich ihr alles sagen konnte, sei es nun positiv oder negativ, aber dann kamen immer wieder meine Ängste durch. Ich konnte dann meine Gefühle zu ihr nicht so zeigen wie ich eigentlich wollte oder wie sie es verdient hätte.

Ich habe irgendwo schon gewusst, dass bei nicht alles in Ordnung ist, dass es nicht normal ist wenn ich anfange mich zu isolieren, aber ich habe es nicht verstanden, ich habe gedacht ich bekomme das schon alles irgendwie hin. Das war wohl der größte Fehler den ich je gemacht habe. Nun habe ich schon den ersten Schritt getan, dass ich mich in die Reihe bekomme und war erstmal bei meinem Hausarzt und habe ihm alles geschildert. ich habe dann eine Überweisung zu einem Psychotherapeuten bekommen, damit dieser mir helfen kann mit meinen Problemen umzugehen oder besser sie aus meinem Leben zu verbannen.

Ich habe auch bereits eine neue Wohnung gefunden, wo ich zwar erst im nächsten Monat rein kann aber ich habe sie. Dies war nun meine Problemschilderung. Ich hoffe, dass ich mich da verständlich ausgedrückt habe, es ist selbst beim Schreiben etwas schwierig für mich.

Ich habe im Moment keinen blassen Schimmer ob es sich lohnt um die Beziehung zu kämpfen. Von meiner Seite aus würde ich alles geben um sie doch wieder zurück zu gewinnen. Alleine schon, da diese Beziehung von meiner Seite her doch sehr ernst genommen wurde. Ich wollte ihr auch einen Heiratsantrag machen, ein Ring war schon ausgesucht und ich hatte schon ganz genaue Vorstellungen wann und wo ich es machen wollte. Diese Tatsache macht es für mich natürlich auch nicht einfacher.

Das einzige was ich in so einer Richtung von ihr gehört habe war (sie weiß, dass ich eine Therapie beginnen will um an mir zu arbeiten), dass sie mich unterstützen will, dies aber für sie als Paar nicht möglich ist. Sie meinte aber auch, sie wüsste ja nicht was die Zukunft so bringen mag.

Ich würde also gerne mal wissen, was Außenstehende dazu zu sagen haben. Habe ich da noch eine Chance wieder mit ihr zusammen zu kommen? Lohnt es sich überhaupt noch zu kämpfen?

Ich danke Euch hier schon mal fürs Lesen und für Eure Antworten/Ratschläge.
 
  • #2
Erst mal Hut ab, dass du das alles hier so offen erzählst.
Denn das ist ein schwerer Brocken, den du rumschleppst.

Ich finde es sehr gut, dass du versuchst, dein Leben in den Griff zu bekommen. Dir eine Therapie suchst, überhaupt erkennst, dass du Hilfe brauchst.
Dass du dir eine Wohnung gesucht hast und dort jetzt eigenverantwortlich leben wirst und dann eben auch was im Haushalt tun mußt, um nicht zu versumpfen.
Bislang hat deine Freundin das alles allein getan und dich damit auch ein bißchen daran gehindert, dich zu entwickeln.
Weil du ja nichts tun MUSSTEST.
Jetzt mußt du und das wird dich wahrscheinlich weiterbringen.

Dass du sie gerne zurückhaben willst, ist verständlich, denn du springst ins kalte Wasser, wenn du demnächst allein bist.
Aber es ist fraglich, ob das wirklich gut für dich wäre.
Klar, am Anfang wird es hart, aber du bekommst eine Chance.
Erst mal das äußere Leben in den Griff zu bekommen.
Morgens aufstehen und jeden Tag arbeiten.
Essen einkaufen, weil du sonst am Abend einfach nichts hast.
Wäschewaschen, weil du sonst in dreckigen Klamotten gehen mußt usw. Da wird keiner mehr sein, der das abfedert und das ist deine Chance.
Später schaffst du es dann vielleicht auch, ein soziales Leben zu haben, Freunde zu treffen etc. und auch in dieser Hinsicht unabhängig zu sein.
Ich denke, dass dein Wunsch, von ihr geheiratet zu werden, der Angst vor dem selbständigen Leben entspringt, aber das sollte kein Motiv für eine Hochzeit sein und es wäre auch dem Partner gegenüber nicht fair.

Du wirst aus der Abhängigkeit rauskommen. Unabhängigkeit ist Freiheit. Du wirst frei sein.
DAS ist die Chance.
Ich empfehle, nicht zu versuchen, die Frau zurückzugewinnen.

Übrigens im Sinne der Fairness wäre es ohnehin besser, wenn du sie in Ruhe lassen würdest, denn auch sie hat ein Recht auf Freiheit und darauf, glücklich zu sein. Beides hat sie mit einem Partner, der solch tiefe Probleme wie du hat, nicht.
Gönne ihr ihre Chance auf ein anderes Leben.

w 49
 
  • #3
Wie immer ist @frei `s Beitrag eigentlich gar nichts mehr hinzuzusetzen.

Beim Lesen deiner Geschichte hatte ich auch das Gefühl, dass du es besser bei der Trennung belässt. Ich denke es ist eine große Chance für dich, dass sich dein Leben bessert und dass du - entschuldigung - mal langsam deinen Hintern hoch bekommst. Es ist super, super stark dass du dich so klar erkennen kannst und du scheinst verstanden zu haben, was eigentlich das Problem ist. Mach dich auf den Weg zu einem erfüllten Leben ohne Ängste!

Ich drück dir alle Daumen und wünsche dir viel Kraft, und ich WETTE, dass es dir in spätestens einem Jahr besser geht als zuvor!

w(28)
 
  • #5
Lieber Smn,

Zunächst einmal finde ich es toll, dass du trotz der für dich schmerzhaften Trennung aktiv wirst und dich deinen Problemen stellst. Die Therapie und die eigene Wohnung sind richtige und sehr mutige Entscheidungen. Du bist auf einem sehr guten Weg.

Wenn deine Ex-Freundin sagt, es sei ihr nicht möglich, dich als deine Freundin auf dem Weg, der vor dir liegt, zu unterstützen, leuchtet mir das vollständig ein. Therapeutin und Partnerin in einem, das kann nicht gut kommen. Bitte respektiere ihre Entscheidung, auch wenn es nicht leicht ist für dich.

Nimm dir die Zeit, dich um dich zu kümmern. Du wirst lernen, mit deinen Ängsten umzugehen und dich auf eine Partnerin einlassen zu können.

Ich wünsche dir von Herzen alles Gute.
Frau 50
 
  • #6
Hallo FS,

toll, dass Du so offen über Deine Lebenssituation sprichst, wir alle können mal mehr oder weniger aus der Spur geraten.

Deine Ex-Partnerin hat über 6 Jahre sehr viel gegeben und ich denke, dass sie heute die Zeit für sich einfach braucht. Vermutlich muss sie nach all der Zeit, in der sie wahrscheinlich öfter mal mehr an Dich, wie an sich gedacht hat, wieder aufholen, sie hat eine sehr grosse Leistung erbracht und Dir damit auch die Kraft gegeben, Deine heutigen Schritte zu gehen.

Ganz gleich, was die Zukunft diesbezüglich bringen mag, siehe es als Chance für Deinen Neubeginn und pflege jetzt vorrangig Dich. Klammere Dich weniger daran, dass sie Dich als Freund noch unterstützen würde, sondern suche Dir diese Unterstützung an anderer Stelle. Gib ihr die Chance, sich jetzt erst einmal um sich zu kümmern, ich denke, der Schritt wird ihr auch nicht leicht gefallen sein.

Denk an das, was gut war, an das, was Dich bereichert hat. Denk daran, dass sie es aus Liebe zu Dir getan hat und bewahre Dir dies. Halte es Dir in weniger guten Zeiten vor Augen und halte Dir vor Augen, dass trotz Deiner aktuellen Lage, sehr viel möglich ist.

Ich kenne auch sehr schwere Zeiten, aber wenn man wirklich will, dann geht fast Alles!

Viele Grüße
 
  • #7
Es ist schon viel Gutes gesagt worden.
Ich möchte noch mal betonen, dass Du Deine gesamte Energie für Dich brauchen wirst und wenn Du jetzt um die Beziehung kämpfen wolltest, was meiner Ansicht nach nicht geht, weil sie nicht mehr will, würdest Du Deine Energie ja wieder weglenken von Deinen Problemen.
Ich finde wichtig, dass Du das für Dich lösen kannst, denn erstens wird es Dir Dein Leben leichter machen, weil Du lernst, "normaler" zu leben und mehr zu machen, nicht mehr so eingeschränkt zu sein. Und zweitens wird es eine Partnerschaft auch viel erfüllender machen, denn auch wenn das jetzt böse klingt und absolut nicht böse gemeint ist: Solche Probleme schränken einen Partner auch immer sehr ein. Also wenn er von sich aus nicht auch lieber so lebt wie Du, wird er sich sehr an Dich anpassen müssen. Und wenn Du Deine Ängste erfolgreich bearbeiten kannst, was ich Dir sehr wünsche, bist Du flexibler.
Ich bin fest davon überzeugt, dass man aus einem introvertierten Menschen niemals einen extrovertierten machen kann, aber wenn man weiß, dass man introvertiert ist, ist es was anderes, als wenn man von seinen Ängsten gesteuert wird.
 
  • #8
Erst mal solltest du sehr stolz auf dich sein, weil du einen großen Teil deiner Probleme zumindest realisiert hast. Das ist bei weitem nicht selbstverständlich. Die Trennung hast du wahrscheinlich einfach gebraucht um wachgerüttelt zu werden und du bist nun an dem besten Punkt um einen Neustart zu schaffen. Jetzt solltest du aber nicht den Fehler begehen und alles von deiner Ex-Freundin abhängig machen. Tu es für dich selbst, male dir aus wie dein neues Leben aussehen könnte, wie du dich selbst zum Positiven verändern wirst.
Wenn wir etwas nur für andere tun, dann sind unsere Erfolge auch abhängig von anderen. Du würdest sofort Rückschläge erleiden wenn deine Ex beschließt keinen Kontakt mehr zu dir zu wollen oder deine Therapie sogar ganz abbrechen.

Ich kann mir auch gut vorstellen, dass deine Ex nach über 6 Jahren sehr viel Kraft investiert hat und jetzt einfach nicht mehr kann und will. Ihr werdet sicher beide Zeit für euch selbst brauchen und die solltet ihr euch auch nehmen.
 
  • #9
Hallo FS, deine Priorität muss jetzt sein dich selbst wieder in Ordnung zu bringen. Du wirst vermutlich nicht an zwei Fronten gleichzeitig kämpfen können, also gegen deine Angsstörung und um deine Exfreundin zurückzugewinnen. Letzteres muss durchdacht und anschliessend gestemmt werden. Du sagtest selbst, du hast während der Beziehung aufgrund deiner Probleme nicht auf sie als deine Partnerin eingehen können, warst unfähig, sich ihr gegenüber zu öffnen oder ihr im Haushalt unter die Arme zu greifen, also bezweifle ich, dass du jetzt solche Kräfte in dir mobilisieren kannst dass du um sie wirbst und kämpfst. Auch nicht mit einem Heiratsantrag. Dein Rückzug war eine Art Schutzreaktion von dir und er war notwendig, leider hat er sich negativ auf deine Beziehung ausgewirkt. Also konzentriere dich auf dich selbst, setze deine Priorität bei deiner Heilung von der Angststörung und nimm dir dafür Zeit. Falls deine Exfreundin dich zurückhaben will, ergibt sich das vielleicht irgendwann in ferner Zukunft, aber nicht unter solchen Umständen. Alles Gute und ich hoffe, dass du bald einen guten Therapeuten findest!
 
  • #10
Lieber FS,
in 6,5 Jahren ist es Dir nicht gelungen, Deine Probleme zu lösen. Warum sollte es Dir von jetzt auf gleich gelingen? Nur weil die Frau nicht mehr konnte, keine gemeinsame Zukunft mit Dir gesehen und Dich deswegen verlassen hat? Das sll ausreichen, um jetzt alles zu verändern - sorry, aber das ist extrem unwahrscheinlich.
So wie es Dir in den letzten 6 Jahren nicht gelungen ist, wird es Dir jetzt auch nicht gelingen oder Du hast nur simuliert, weil Du Dir davon einen Nutzen erhofft hat (Krankheitsprofiteur).

Wenn es Dir in der Beziehung nicht gelungen ist, wo sie Dich unterstützt hat, aus dem Angst- und Lethargiesumpf herauszukommen und Du jetzt den Antrieb für Veränderungen hast, dann nutz' die Chance zur Veränderung statt den alten Zustand wieder herstellen zu wollen. Davon hast Du in Deinem zukünftigen Leben wirklich mehr.

Bis eine Psychotherapie wirkt vergehen Monate bis Jahre, bei vielen chronifizierten Fällen nützt es nie.
Fang' an, Dich nach einer Partnerin umzusehen, wenn Du Dein Leben im Griff hat und wieder zusätzliche Belastungen hinzunehmen kannst, denn Beziehungen sind nicht nur eitel Freude und Sonnenschein.

Ich habe im Moment keinen blassen Schimmer ob es sich lohnt um die Beziehung zu kämpfen. ........dass sie mich unterstützen will, dies aber für sie als Paar nicht möglich ist.
Damit hat sie doch klar gesagt - sie will nicht. Ergo brauchst Du nicht versuchen zu kämpfen (wie soll Dir das mit der Symptomatik gelingen?) sondern konzentrier' Dich auf Deine Therapie und mach' erste kleine Schritte im tägliche Leben, auch wenn der Therapiebeginn noch Monate auf sich warten lässt. Du weißt doch was schlecht läuft und woran Du Dich versuchen kannst.
 
  • #11
Es ist jammerschade, dass sehr oft, der Partner verlassen wird, bei Krankheit und bei Schicksal, .... ob da Liebe ist bezweifle ich!

Der FS schreibt, dass er mit der Frau 6,5 Jahre zusammen war und in der gesamten Zeit die Beziehung durch seine Krankheit belastet war, er seinerseits nichts dazu beigetragen hat, den Zustand zu verbessern, sondern sich komfortabel in seiner Krankheit eingerichtet hat. Seine sozialen Bedürfnisse wurden durch ja die Partnerin befriedigt, sodass er sich um die Reduzierung der Krankheitssympome nicht bemühen musste - bereitet ja Unbehangen, strengt an.

Er hingehen hat nichts für sie getan, das es ihr in der beziehung gut geht. Nach 6,5 jahren war ihre Zuneigung zu ihm verschlissen. Daraus leite ich ab, dass der FS seine Partnerin nicht geliebt hat, wenn er sich in keiner Weise bemüht hat, dass auch sie an seiner Seite ein angenehmes Leben führen kann. Er denkt erst daran aus dem Quark zu kommen, als für sie die Grenzen des Erträgliche überschritten sind und sie sich trennt, denn das bereitet ihm jetzt Unbehagen.

Liebe verlangt, dass beide sich bemühen und nicht, dass einer von Anbeginn der Beziehung nur liefert und damit bis zum Sankt Nimmerleinstag weitermacht, weil der andere durch die gute emotionale Versorgung keinen Grund hat, sich ins Zeug zu legen.
Wer krank ist, ist auch selber verpflichtet, sich um seine Gesundung zu kümmern. Der FS hatte 6,5 Jahre Zeit, sich um eine Therapie zu bemühen, tut das aber erst, als die Frau weg ist. Er hat sie nicht geliebt und somit hat sie ihn zu Recht verlassen.

Ich kann nicht erkennen, was daran jammerschade ist, weder für die Partnerin, noch für den FS, der nun die Chance hat, durch den Verlust der Komfortzone aus der ihn stark beeinträchtigenden Krankheit herauszukommen. Das ist für beide ein Gewinn, für den FS vermutlich ein größerer.
 
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