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  • #1

Machen wir uns in der Liebe zuviel Illusionen?

Man kennt das ja.
Wir sehen einen schönen Liebesfilm, sei es a la Hollywood oder Rosamunde Pilcher
oder auch was anspruchsvolles, aber eben so eine Klitsche, wo sich beide am Ende
ihre Liebe gestehen am knisternden Kaminfeuer. Wie schön und wie unrealistisch.

Viele denken danach, so was gibt es garnicht. Die Liebe kommt ganz anders.
Nur wie anders? Realistisch eben und was ist realistisch?
Sollen die Romantiker unter uns jetzt besser Vernunftbindungen eingehen um nicht mehr
alleine zu sein?

Sollen wir alle unsere Ansprüche auf Mindestniveau herunterfahren um eine "realistische"
Partnerschaft zu haben, sprich Erfolg zu haben, nur welcher Erfolg ist es, wenn wir am Ende etwas haben, was wir ursprünglich nicht wollten??
Was meint ihr, sollten wir uns endlich von zuviel Illusion trennen und vernünftig werden
bei der Partnerwahl?

Eine soziologische Studie bestätige außerdem dass Romantiker nicht beziehungstauglich wären, sie schwärmen zuviel und übersehen den Alltag, die Realisten wären die besten Partner.
Hm, schmunzel....
 
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  • #2
In jungen Jahren ist man voller Illusionen. Das Leben steht noch vor einem, hat alle Optionen und Möglichkeiten noch vor sich. Man hat wenig Erfahrung, alles ist neu, will entdecken, Wünsche und Sehnsüchte, Vorstellungen und Ziele, Gesellschaftsnormen unterstützen die Bildung von Illusionen. Auch in der Liebe und Sexualität.

Heiraten ist der romantische Akt schlechthin. Obwohl die Scheidungsstatistiken ernüchternd sind, lassen sich viele nicht davon abhalten, es selber zu versuchen, eine glückliche und langfristige Ehe zu führen bzw. anzustreben. Man geht voller Illusion in eine Ehe. Werbung Mann-Frau-Kind suggeriert und festigt das Bild, wie es denn eben sein sollte. Die Realität sieht aber anders aus: Hier überwiegen mit zunehmender Dauer die Probleme in der Ehe: der Alltag, Abnahme des körperlichen Intimitäten etc.

Das Kind ist die Krönung der Liebe. Romantischer Aspekt, festigt und schweisst die Liebenden zusammen. Die Realität sieht ernüchternd aus: Baby-/Kinder-Geschrei, durchwachte Nächte, 1000 Mal dasselbe predigen. Erziehungsalltag, Aber man gewinnt eine neue Art der Liebe: die zu seinem Kind.

Die Liebe im Alltag zu retten ist die Herausforderung in der Partnerschaft. Sich Auszeiten gönnen, die Liebe und die Romantik geniessen, Zweisamkeiten aber auch Distanz und Eigenständigkeit bewahren. Ohne Illusion hätte ich nie geheiratet oder ein Kind bekommen, trotz all der Liebe nicht. Ohne Liebe würde ich mich nicht auf eine Partnerschaft einlassen - dazu fehlt mir die Illusion. Aber ich mache mir auch keine Illusion, wenn die Liebe erkaltet, die Partnerschaft zu Ende ist.

Liebe und Illusion gehören für mich zusammen. In jungen Jahren noch mehr als jetzt. Anstelle der Illusion (Naivität?) tritt bei mir (w) die Erfahrung in den Vordergrund. Ich wäge stärker ab*. Romantik fühlt sich nun anders an. Und jede Liebe ist anders. Es ist nicht mehr so selbstverständlich, so leicht und auch nicht mehr so leichtsinnig. Fehler, die ich in jungen Jahren gemacht habe, würden mir jetzt nicht mehr passieren, dafür fehlt mir manchmal die Illusion, es einfach zu wagen und mich kopfüber einzulassen.

Ich halte nichts davon "Ansprüche zu definieren", "runterlassen", "Vernunftverbindungen" oder ähnlichen Mist. Liebe passiert oder eben nicht. Man kann sie nicht herbeireden. Man hat keine Garantie, dass es hält und es bleiben immer auch ein Stück weit Illusion, Naivität und der Glaube daran verbunden. Und das möchte ich mir - egal in welchem Alter - bewahren. Was wäre ein Leben ohne Liebe?

* Kopfmensch, mehr als je zuvor.
 
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  • #3
Auch wenn ich diese Gedanken nachvollziehen kann - gerade jetzt in der Vor-Weihnachtszeit - so bringen sie herzlich wenig. Denn zu DER großen Erkenntnis wird man - wenn überhaupt - erst am Ende des eigenen Lebens angelagt sein. Wenn man zurückblickt und ein Fazit von alldem zieht, was man getan und erlebt hat. Im Nachhinein ist man immer schlauer, wie es so schön heißt.

Ansprüche "künstlich" oder aus rein rationalen Gründen herabzusetzen mag einigen Menschen gelingen. Ich habe das in meinem Umfeld bei einigen Frauen beobachten können. Ich denke, dass Frauen schon biologisch bedingt, eher pragmatisch sind und dies umso mehr, je älter sie werden bzw. je lauter "die Uhr tickt".

"Romantik" ist ja nichts anderes als Unschärfe, Unwissen, Vermutung und somit Verklärung. Kein Wunder, dass die weitaus meisten Familien in jüngeren Jahren gegründet werden, wo man eben noch eher unerfahren, unbedarft und unvorbelastet ist und somit eher gewillt Risiken einzugehen und Experimente zu wagen. Natürlich spielen da auch gesundheitliche Aspekte eine wichtige Rolle, keine Frage.
Das Wunder einer (erfolgreichen) Partnerschaft besteht ja darin, die Entzauberung, die "Entromantisierung", quasi "Demaskierung" der beiden Partner auszuhalten.

Keine meiner bisherigen Beziehungen hat diese "Entzauberung" überdauert. Einer der Verbindungen ist immerhin mein Sohn entsprungen. Und dennoch - ich bereue nichts. Ich würde mich immer für den "emotionalen" oder "biologischen" Weg entscheiden. Ich möchte das Leben spüren, das Feuer erleben und nicht auf Spaarflamme dahinvegetieren.

Statistisch sind die "Vernunftsehen" die stabilsten und langlebigsten Ehen. Na und? Lieber ein Vulkan über kürzere Zeit als ein lebenslages laues Lüftchen! Ich behalte meine Ansprüche bei. Ein Hoch auf sie!

m40
 
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  • #4
Ich mache mir auch Illusionen, habe grade einen Mann kennengelernt, nur beruflich, und dann habe ich nichts Besseres zu tun, als dauernd an ihn zu denken. Er ist auch noch wesentlich jünger als ich, schätze mal fast zehn Jahre jünger. Ich denke daran, wie toll er ist, was er wann gesagt, gemacht hat, wie schön es war, mit ihm essen zu gehen, ob er auch an mich denkt usw. Es ist ein schönes Gefühl. Aber ich fürchte, er sieht das nur als beruflichen guten Kontakt. Wir sehen uns etwa einmal im Monat am Wochenende seit einem Jahr und noch zwei weitere Jahre (Weiterbildung). Generell neige ich zu Illusionen in der Liebe: Wenn mich ein Mann auf eine bestimmte Art anschaut oder total nett zu mir ist bzw. er sich mit mir oft unterhält und das, was er sagt, interessant ist, dann verknalle ich mich total schnell. Bescheuert, oder?
 
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  • #5
Hi,

mein Exfreund schaute auch immer Rosamunde, brr.
Und Hugh Grant -Liebeskomödien.
Ausserdem steigerte er sich in die Romanwelt von Thomas Mann rein.
Ich habe ihm gesagt ich bin eine Frau aus dem späten 20. Jh.
und werde das nicht ändern bloss weil er hofft eine Frau aus diesen Filmen zu treffen.
 
  • #6
Was meint ihr, sollten wir uns endlich von zuviel Illusion trennen und vernünftig werden
bei der Partnerwahl?

Eine soziologische Studie bestätige außerdem dass Romantiker nicht beziehungstauglich wären, sie schwärmen zuviel und übersehen den Alltag, die Realisten wären die besten Partner.

Und schon wieder: Herz ODER Verstand?

Ich setzte dagegen: Herz UND Verstand.

Mit kühlem Kopf und heissem Herzen.

Ja, ich dürfte ein Romantiker sein. Ich wollte nie wieder was halbes, sowas Solala. Entweder es reisst mich richtig oder ich lass es. Ich will zusammen alt werden, in guten wie in schlechten Zeiten, Ich will auch nach vielen Jahren noch geilen Sex haben, ich will Ihr auch noch in 10 Jahren in die Augen schauen und diese Schmetterlinge fliegen spüren.

Ich bin aber auch Realist und weiss daher- Dieses Ziel bedarf einer ständigen Pflege und Weiterentwicklung der Partnerschaft und der eigenen Entwicklung, der Weg ist das Ziel den man gemeinsam gehen will.

Ich kenne etliche solcher Partnerschaften, teilweise im 20igsten Jahr. Und wähne mich auf dem Weg dorthin, zumindest haben wir es mittlerweile 4 Jahre geschafft....

"Romantik" ist ja nichts anderes als Unschärfe, Unwissen, Vermutung und somit Verklärung
sehe ich anders, Romantik ist einfach eine Vorstellung, eine die durchaus mit Wissen zu tun hat- nämlich dem Wissen darüber die unser Hirn und unser Hormonsystem denn so funktioniert. Nur dann weiss ich ja auch was ich zu tun habe dass es wie gewünscht funktioniert- indem ich eben gewisse Dinge zulasse und gewisse Dinge nicht (Ärger zum Beispiel, man ärgert SICH).
 
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  • #7
Wir sehen einen schönen Liebesfilm, sei es a la Hollywood oder Rosamunde Pilcher
oder auch was anspruchsvolles, aber eben so eine Klitsche, wo sich beide am Ende
ihre Liebe gestehen am knisternden Kaminfeuer. Wie schön und wie unrealistisch.

Sollen wir alle unsere Ansprüche auf Mindestniveau herunterfahren um eine "realistische"
Partnerschaft zu haben, sprich Erfolg zu haben, nur welcher Erfolg ist es, wenn wir am Ende etwas haben, was wir ursprünglich nicht wollten??

Eine soziologische Studie bestätige außerdem dass Romantiker nicht beziehungstauglich wären, sie schwärmen zuviel und übersehen den Alltag, die Realisten wären die besten Partner.
Hm, schmunzel....

Die Ansprüche sollten nicht auf "Mindestniveau" heruntergefahren werden, sondern auf ein realistisches Niveau. Ebenso wie Pornos nicht dem Alltag entsprechen tun dies auch keine Actionfilme, keine Komödien und keine Liebesfilme. Bei den ersten dreien ist dies jedem klar, nur beim Liebesfilm scheint es da manchmal Realitätsverzerrungen zu geben. :)

Der Studie würde ich meinem reinen Bauchgefühl nach zustimmen. Weil diejenigen, die gerne ein Leben wie in einem Liebesfilm hätten, extreme Erwartungen an den anderen haben und damit sehr anstrengend sind.
 
  • #8
Zur Liebe gehören auch starke Gefühle - daran ist nichts verkehrt.

"Vernunft"-Ehe klingt mir nach: Keine Liebe, aber dafür abgesichert. Angst vor starken Gefühlen, und dessen Risiko.

Wenn ich meine Liebe und Gefühle nicht zeigen darf, weil ich "vernünftig" sein soll - dann ist das für mich nicht schön und nicht erstrebenswert.

(m,52)
 
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  • #9
wo sich beide am Ende ihre Liebe gestehen am knisternden Kaminfeuer. Wie schön und wie unrealistisch.

Zu einer richtigen Liebesschnulze gehört aber auch, daß es vorher zu allerlei Irrungen und Wirrungen kommt, daß zumindest einer von beiden völlig am anderen vorbeidenkt. Leider steht uns im richtigen Leben kein Regisseur zur Seite, der die Auflösung des Knotens erwirkt, und so bleiben gerade bei Menschen, die moralische Ansprüche an den Partner stellen, die Irrtümer oft bestehen, obwohl beide ein perfektes Liebespaar abgäben, legten sie nur ihre Vorurteile vom anderen Geschlecht ab.
 
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