• #151
@Mooseba,

Ich kann mich heute frei entscheiden, was, wo und wie ich leben will. (...) ob ich mit Kindern Voll-, Teilzeit oder gar nicht arbeite (wohlgemerkt unter der Prämisse, ich habe einen zuverlässigen Partner und bin finanziell nicht darauf angewiesen).
Die heutige Gesellschaft ist gegen alle Wechselfälle abgesichert. Wir haben vielseitige Angebote zur Kinderbetreuung, Anlauf- und Beratungsstellen bei familiären Problemen, finanzielle Unterstützung von Ämtern, usw. (...).ich finde es schön, dass heute alles sein kann, aber nicht muss.
Die schreibst dir die Situation von Familien in der heutigen Zeit aber wirklich schön... die Wahlmöglichkeiten sind doch eher theoretischer Natur und viel öfter von Notwendigkeiten geprägt. Die beschriebenen vielseitigen Angebote zur Kinderbetreuung sind an vielen Orten gar nicht so toll - ich habe drei Kinder und weiß wovon ich rede... da geht es schon los, wenn man mehr als ein Kind in der gleichen Einrichtung betreut haben möchte, geschweige denn hat man große Auswahl. Ich habe einen zuverlässigen akademischen Mann, der nicht so schlecht verdient. Trotzdem: um uns und unseren Kindern ein angenehmes Leben (ohne großen Luxus, aber doch sollte mal eine nette Unternehmung für alle oder ein bescheidener Urlaub drin sein), MUSS ich schlicht und ergreifend auch arbeiten gehen. Mecker ich auch nicht drüber, ich wollte drei Kinder und ich möchte einen normalen Lebensstandard, der über das pure "Über-die-Runden-Kommen" hinausgeht - aber wenn ich wirklich frei wählen könnte, dann wäre ich einige Jahre "Nur-Hausfrau" gewesen. Finanzielle Unterstützung von Ämtern sichert i.d.R. ein Überleben, mehr auch nicht. Beratungs- und Unterstützungsangebote sind oft überlaufen oder qualitativ schlecht bzw. es gibt erst gar keine. Als Mutter muss man sich beruflich viel schwerer Erfolg erkämpfen, weil man es von vorneherein schwerer hat (Teilzeit, überhaupt erst eingestellt zu werden, ohne Einbußen Elternzeit nehmen etc.) Familien mit Kindern wird es schwer gemacht, dass weiß ich aus eigener Erfahrung und andere Familien/Frauen machen da ähnliche Erfahrungen - alles andere ist Schönfärberei und unsere Geburtenrate (und vor allem auch die Verteilung der Kinder in den Gesellschaftsschichten) zeichnet ein deutliches Bild. Trotz dieser ungünstigen Voraussetzungen wollten wir eine Familie... das ist aber schon der einzige Punkt, an dem ich wirklich freie Wahl hatte.
 
  • #152
Die schreibst dir die Situation von Familien in der heutigen Zeit aber wirklich schön... die Wahlmöglichkeiten sind doch eher theoretischer Natur und viel öfter von Notwendigkeiten geprägt. Die beschriebenen vielseitigen Angebote zur Kinderbetreuung sind an vielen Orten gar nicht so toll - ich habe drei Kinder und weiß wovon ich rede... da geht es schon los, wenn man mehr als ein Kind in der gleichen Einrichtung betreut haben möchte, geschweige denn hat man große Auswahl. Ich habe einen zuverlässigen akademischen Mann, der nicht so schlecht verdient. Trotzdem: um uns und unseren Kindern ein angenehmes Leben (ohne großen Luxus, aber doch sollte mal eine nette Unternehmung für alle oder ein bescheidener Urlaub drin sein), MUSS ich schlicht und ergreifend auch arbeiten gehen. Mecker ich auch nicht drüber, ich wollte drei Kinder und ich möchte einen normalen Lebensstandard, der über das pure "Über-die-Runden-Kommen" hinausgeht - aber wenn ich wirklich frei wählen könnte, dann wäre ich einige Jahre "Nur-Hausfrau" gewesen. Finanzielle Unterstützung von Ämtern sichert i.d.R. ein Überleben, mehr auch nicht. Beratungs- und Unterstützungsangebote sind oft überlaufen oder qualitativ schlecht bzw. es gibt erst gar keine.
Liebe Tulaya, ich gebe dir uneingeschränkt recht, doch Herakles, der FSin ging es eben darum, was ist, wenn ausreichend Geld da ist, der Vater sich ihn die Versorgerrolle einfügt und die Mutter dafür sich ausschließlich nur um die Kindererziehung und Förderung der Talente und Interessen ihrer Kinder kümmern kann, ob nicht dieses Rollenbild attraktiver ist, als das der berufstätigen Frau. Diesen Luxus in unserer Gesellschaft und hat nicht jede Familie. Das die meisten Frauen durch ihren Beruf zum Haushalt und Lebensstandard beitragen müssen, um über Runden zu kommen, war schon Thema.
Wir drehen uns sonst endloss im Kreis.
Ich denke, es kommt wie Mooseba schrieb, auf die Eltern an, welche Werte sie ihren Kindern vermitteln und welches liebevolle zu Hause sie ihren Kindern ermöglichen, ob beruftätig oder nicht. Dies war der Knackpunkt und Ausgang der Diskussion.
 
  • #153
Die beschriebenen vielseitigen Angebote zur Kinderbetreuung sind an vielen Orten gar nicht so toll - ich habe drei Kinder und weiß wovon ich rede... da geht es schon los, wenn man mehr als ein Kind in der gleichen Einrichtung betreut haben möchte, geschweige denn hat man große Auswahl. Ich habe einen zuverlässigen akademischen Mann, der nicht so schlecht verdient. Trotzdem: um uns und unseren Kindern ein angenehmes Leben (ohne großen Luxus, aber doch sollte mal eine nette Unternehmung für alle oder ein bescheidener Urlaub drin sein), MUSS ich schlicht und ergreifend auch arbeiten gehen.
Als Mutter, die vorrausschauend in der großen Stadt geblieben ist, aber gezielt in einen grünen, ruhigen Stadtbezirk gezogen ist, als es die Auswahl noch gab, lang ist her, weiss ich auch, dass es regional in Deutschland sehr große Unterschiede in der Versorgung von halbwegs guter Kinderbetreuung gibt. Gerade wenn man noch ländlich, oder sehr ländlich wohnt, braucht man dazu zwei Autos und das Haus muss abbezahlt werden. Leider.

Ein Leben auf dem Land ist oft teurer als vorerst gedacht und die sogenannte Landidylle hört dann meistens auf, wenn die Kinder Teenies sind und ständig rumgefahren werden müssen. Ich habe meine Kollegin gefragt, ob sie daran gedacht hat, als sie damals mit den drei kleinen Kindern aus der Stadt rausgezogen sind. Geantwortet hat sie mir nicht.

Heute, mit fast 50 sieht sie abgearbeitet, fertig aus, hatte je kaum Zeit für sich, im Gegensatz zu mir, die Kinder sind alle, sobald die Schule zu Ende war, weggezogen aus dem Kaff und sie sitzt nun allein abends im Haus, weil der Mann nur rackern geht, es muss ja weiterhin alles abgezahlt werden. Was für ein Leben....? Jetzt in Ruhe mit dem Mann in Urlaub fahren ist auch nicht so möglich, weil die noch unterhaltspflichtigen Kinder doch noch unterstützt werden müssen mit mehr Geld als früher.

w
 
  • #154
@Herakles

Alleinverdiener-Modell: Sicherlich größtenteils wünschenswert!

Aber: Warum formulierst du hier nicht geschlechtsneutral? Warum MUSS deiner Ansicht nach die Mutter die Familienzeit automatisch übernehmen (nach Geburt/ggfs. Stillphase)? Warum ist das Hausmann-Modell nicht ebenso legitim (und das scheint es nicht zu sein, wenn man es NIE thematisiert)?

Ich glaube heutzutage sind v.a. Frauen in dieser Hinsicht unglücklicher, ja. Liegt aber meiner Ansicht nach nicht an den Freiheiten, die sie jetzt haben, sondern an Menschen wie hier im Forum, die sich dauernd anmaßen über die Rolle der Frau zu urteilen. Und weil dieser Schuldkomplex, den man uns Frauen dahingehend einreden will (egal was man macht), zu einer Doppelbelastung vor allem für die erwerbstätige Frau führt. Denn selbst bei gleicher Arbeitszeit der Partner fühlen sich Frauen wohl immer noch automatisch als primär zuständig für Familie und Hausarbeit. Das ist nicht automatisch auch (geteilte) Männeraufgabe - nein, Männer "helfen" wenn dann nur mit. Das ist verdammt traurig.
 
  • #155
Frau ... primär zuständig für Familie und Hausarbeit. Das ist nicht automatisch auch (geteilte) Männeraufgabe - nein, Männer "helfen" wenn dann nur mit. Das ist verdammt traurig.
Es muss individuell vom jeweiligen Paar für sich vereinbart werden, anders geht es gar nicht. Es gehören also immer genau zwei dazu, niemals aber "die [ganze] Gesellschaft". Anders wäre es nur, schlösse man sich so totalitären wie unfreiheitlichen Parolen an wie "Das Private ist politisch" usw.
Was die angeblich "neue Rolle" der Männer angeht, so wird das auch manchmal überdramatisiert. Ich kenne beispielsweise viele Studenten, die können besser kochen und ihren kleinen Haushalt führen als viele ihrer Kommilitoninnen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sie diese Rolle später in einer Familie übernehmen werden (auch sie dürfen wählen...) - und erst recht nicht, dass "die" (Vorsicht an dieser Stelle) ihnen das tatsächlich danken würden.
 
  • #156
Es muss individuell vom jeweiligen Paar für sich vereinbart werden, anders geht es gar nicht. Es gehören also immer genau zwei dazu, niemals aber "die [ganze] Gesellschaft".
Genau deshalb bin ich ja für eine geschlechtsneutrale Formulierung. Denn wenn man immer nur von Frauen- und Männeraufgaben spricht und diese gesellschaftlich vordefiniert, fällt es sicherlich auch dem Einzelnen schwieriger, ob dieser Prägung eine wirklich freie Entscheidung zu treffen. Und nicht nur das, selbst wenn sich ein Paar wirklich frei und individuell dazu entscheidet, dass es ein Modell entgegen der klassischen Mann-/Frau-Rollenverteilung leben möchte, werden ihnen gesellschaftlich dazu eher Steine in den Weg gelegt und dies schreckt ab. Individuelle Entscheidungen sind daher zwangsläufig immer von der Gesellschaft abhängig.
 
  • #157
Rollenverteiung an sich schon ein fragwürdiges Wort.

Es ist für mich eine individuelle Sache eines Paares, wie Aufgaben verteilt werden, wie flexibel das System gehandhabt wird, je nach dem was ansteht, welche Lebensphase, nach Alter der Kinder, nach Kompetenzen, Fähigkeiten.
Es ist eine persönliche Einstellung, wie gerade Kinderbetreuung gestaltet werden soll - bleibt jemand für bestimmte Phasen zuhause, wer, wie lange, welche Betreuungsangebote gibt es, welche möchte man nutzen.
Wie ist die gemeinsame Lebensplanung...

Was ich mir wünsche ist Toleranz - ich war die ersten 5 Jahre Zuhause, für mich eine Zeit, die ich nicht missen möchte.
Da gibt es böse Kommentare.
Während Erziehungszeit Fernstudium. Später AE und Vollzeit - noch mehr böse Kommentare...

Was nicht geht, das ist nicht leistbar,
Vollzeit Mama,
Vollzeit Berufstätigkeit
Vollzeit Haushalt...
Alles zusammen, leider oft genug Realität.
Und dann soll Frau auch noch die sexi, leidenschaftliche, einfühlsame Partnerin sein.

Und Mann - erfolgreich, Karriere, global unterwegs, sicher kein 9 to 5 Job, trotzdem auch noch privat engagiert, Vater, Zuhause anpackend, Sport treibend um fit zu bleiben...

Neue Rollenverteilung? Vielleicht mal Anspruch an Leistbarkeit anpassen und mal hinterfragen, wo ist die Lebensqualität...

Darüber nachdenken, ob wenn 2 Teilzeit arbeiten, mehr Qualität möglich wäre. Solche Modelle sehe ich bei jüngeren Paaren, da ist viel mehr wirklich gemeinsam.

Dafür bräuchte es aber gesellschaftliche Akzeptanz, und die Akzeptanz von Unternehmen, dass solche Konstrukte zwar mehr Organisation bedeuten, aber Mitarbeiter Innen, die flexibel arbeiten können, zufriedener sind, weniger Fehler machen, effektiver und effizienter arbeiten (Anwesenheit ist nicht gleich Arbeitszeit), weniger Burnout gefährdet sind, usw. Solche Modelle funktionieren in anderen Ländern auch. Es ist nur ein Wollen.
 
  • #158
Man ist doch schon ohne Kinder mit Vollzeitjob oft total gestresst, bekommt unter der Woche vieles nicht gebacken, weil einfach keine Zeit übrig ist. Wie soll das dann bitte mit Kindern funktionieren?! Die Realität jenseits der Nutellawerbung sieht doch häufig so aus: Beide Elternteile dauergestresst, jede Stunde des Tages ist verplant, kleinsten Planänderungen sorgen schon für Chaos, ein Kita-Streik oder ein krankes Kind sowieso, morgens schon gestresst in der Kita ankommen, nach der Arbeit gestresst zurück, noch schnell mit den Kindern einkaufen, Stau, noch mehr Stress, abends noch Haushalt, dann müssten noch die Hausaufgaben kontrolliert werden, aber alle sind zu müde, am nächsten Tag dasselbe Spiel von vorne usw.. Ja, die moderne Rollenverteilung hat wirklich viel bewirkt, manches zum Positiven und manches zum Negativen.
 
  • #159
Claire74 beschreibt den deutschen Alltag leider absolut korrekt.
Allerdings - ein Gedankenanstoß.
Warum tun sich dies beide Partner an?
Weil es hier in Deutschland Usus ist?
Viel Stress ist hausgemacht, weil man einfach dem folgt, was "man " angeblich machen muss.

In anderen Ländern gibt es gut funktionierende Teilzeitmodelle, die ganz selbstverständlich je nach Lebenssituation in Anspruch genommen werden. S. Skandivische Länder.
Auch in Deutschland verändert sich einiges.
Argument Rente? Wer rechnet denn noch mit einer ordentlichen staatlichen Rente?
Dass man privat vorsorgen muss, sollte längst bewusst sein.

Geldeinbußen?
Nun, irgendwelche Kompromisse müssen dann vielleicht sein.
 
  • #160
Die allermeisten Menschen scheinen fixe Regeln und ein enges Korsett zu benötigen, um überhaupt den Tag bewältigen zu können.

Kaum sind die Möglichkeiten gewachsen - werden sie durch Regeln, Denkverbote oder "gesellschaftl. Akzeptanz" stärker eingeschränkt als je zuvor. Zur Not kann man dann auch noch Religion, Moral oder Ersatzreligion - oder auch alles zusammen - hinzuziehen.

Ganz einfach - wer sich total verschuldet, der Werbung glaubt, dass er auf nichts warten muss, wer natürlich immer das Neueste und Teuerste haben muss, obwohl er noch nicht einmal das Alte und Einfachste beherrscht, der hat eben Stress. Dann ist die Rollenverteilung klar - alle schuften bis zum Anschlag. Und sind auf Dauer unzufrieden.
Mit persönlicher Freiheit und Eigenverantwortung können nur wenige Menschen etwas anfangen - daher engen sie sich mit immer mehr Regeln ein. Weil sie sonst nicht überlebensfähig wären. Das Dumme ist nur - die Regeln vermehren sich wie die Ratten und werden immer mehr zur Plage. Und damits einem nicht zu wohl wird, schafft man sich auch noch Stress.
Wer freut sich denn heute noch auf seine Arbeit? Wer geniesst sein Leben? Wer nutzt denn die Möglichkeiten des Geldes?
So, ich bin fertig, bin runtergekommen, werde nun 5 Stunden schlafen und dann meine Arbeit präsentieren. Danach freue ich mich aufs WE ....
 
  • #161
Also manche Antworten hier machen einem angst!
Meine Oma hat mich mal vor ca 18 Jahren (da war ich 25) gefragt ob ich heiraten und Kinder möchte. Ich meinte wohl eher nicht. Viel lieber würde ich die Welt bereisen wollen, mir schöne Dinge kaufen können und generell mein Leben genießen wollen. Ihre Antwort.... recht hast du, ich habe mein Leben lang geschuftet, deinen Opa bedient und selbst nur zurückgesteckt. Sie hat sicherlich ihre 3 Kinder geliebt, war aber immer eine Marionette meines Opas und seiner Willkür ausgeliefert.
Meine Mutter ging als ich 3 Jahre alt war wieder TZ arbeiten. Einfach um Input zu erhalten, der sich nicht nur um Kinder und Haushalt drehte. Und nein sie hätte nicht arbeiten müssen...mein Dad verdient sehr, sehr gut. Trotzdem liebe Herakles gab es niemals Futter aus der Mikrowelle und ich bin auch nicht vorm TV verblödet.
Jeder sollte das Leben führen können und dürfen das er möchte und für richtig hält. Außenstehende die sich anmaßen darüber zu urteilen....ohne Kommentar!
By the way, weil manche immer die Feministinnenkeule schwenken. Meine Mutter wollte sich in den 80igern sterilisieren lassen. Durfte sie nicht bzw sie benötigte die schriftliche Erlaubnis meines Vaters. Umgekehrt war das übrigens nicht der Fall!!!!
 
  • #162
Weil es zum anderen Thread passt-

Was ist die heutige Rollenverteilung?
In den NachkriegsWohlstandsjahren war es Usus, dass Frau Zuhause die Aufgaben übernahm, Mann war Ernährer. Zu sagen hatte Frau wenig, Rechte kaum.
Ab wann könnte Frau über ihren eigenen Verdienst verfügen, selbst arbeiten, wählen, etc.? Ab wann waren Trennungen möglich?
Vor dem Krieg mussten beide Vollzeit arbeiten, Haushalt, Kind Frauenrechte - kam auf die Schichten an.
Aber wie war das Leben einer Bäuerin früher, die Arbeiterinnen in Zeitalter der Frühindustrialisierung?

Heute ist jedes Paar frei, welche Rollenverteilung sie leben wollen, von der klassisch konservativen Variante, über beide Vollzeit, beide Teilzeit (in vielen skandivischen Ländern gerade bei Familien sehr üblich) oder er als Hausmann.
Ist doch wunderbar, dass man dies abstimmen kann, dass man diese Chancen nutzen kann.

Den Stress, da gebe ich Tom recht, schaffen wir uns selbst.
Wenn wir der Meinung sind, dass alle maximal Karriere machen müssen - vor allem aufgrund des Einkommens und Status, gleichzeitig Familie perfekt zu wuppen, am besten noch irgendwo engagieren, Sport machen, Hobbys pflegen und sozial Netzwerken?

Warum sind wir der Meinung, dass wir alle alles haben und machen müssen? Wo steht das???

Für die Auswahl, die Prioritäten aus diesen vielen Möglichkeiten bin ich ganz alleine verantwortlich und in der Partnerschaft dann beide.

Schön, dass wir heute alle diese Gestaltungsfreiheit haben.
 
  • #163
Was ist die heutige Rollenverteilung?
In den NachkriegsWohlstandsjahren war es Usus, dass Frau Zuhause die Aufgaben übernahm, Mann war Ernährer. Zu sagen hatte Frau wenig, Rechte kaum.
Früher gab es eine klare Rollenverteilung. Heute gibt es die nicht mehr. Wir leben in einer Zeit, in der es dazu keine klaren Richtwerte mehr gibt. Die alte Rollenverteilung wurde abgeschafft und ich denke, es wird noch ein paar Generationen brauchen, bis sich das wieder eingependelt hat.
Das gibt Freiheit, damit jedes Paar das für sich selbst regeln kann, aber erfordert eben auch, das individuell zu regeln.
 
  • #164
Warum sind wir der Meinung, dass wir alle alles haben und machen müssen?
Sind denn ALLE das?
Bei vielen sieht es doch eher so aus: Job macht keinen Spaß, der Mensch hat eher keine Sicherheiten, seine Arbeit zu behalten, und zusätzlich verdienen so einige zu wenig, um wenigstens sorgenfrei zu leben. Hinzu kommt bei manchen die Wohnungssituation und dass sie sich weder ein Hobby noch soziales Leben leisten können.

Was ist HEUTE Glück? Schon, ALLES zu haben. Eine Familie, einen liebenden Partner, sich selbst verwirklichen können, dh. genügend Zeit für Hobbys, genügend Geld zum Leben, einen schönen Job, Anerkennung der Arbeit.
Das mit dem Partner war schon immer schwierig und betrifft ja arm und reich. Aber die Job- und Wohnsituation war wohl früher wesentlich besser für die Masse. Dass sie mit ihrer Karriere nicht vorankommen, weil irgendwelche Bösen das verhindern, darüber weinen doch nur sehr wenige.

Dass jeder Partnerglück finden will, zumindest eine Zeitlang, finde ich normal. Dass man als junger Mensch denkt, dass alle Verpartnerten dieses Glück gefunden hätten, auch. Also das erzeugt dann schon Frust und dass man es auch unbedingt will. Dass viele karrieregeil sind, kann ich absolut nicht sehen. Nur, dass viele sich angestrengt haben, im Job im sicheren Sattel zu sitzen und genügend zu verdienen, um Haus und Kinder sich leisten zu können. Eigentlich auch normal, aber heute nicht mehr für die breite Masse erreichbar.

Vielleicht sind Dein "Wir" im Zitat ein paar Privilegierte, die bei allem Stress immer noch genügend Zeit zum Langweilen haben und unzufrieden werden, wenn sie sich vergleichen mit den anderen, die mehr zu haben scheinen.
Vielleicht ist sind Dein "Wir" die Suchenden nach dem erfüllten Leben, aber solche Menschen denken ja auch mal nach und kommen irgendwann drauf, dass sie gar nicht das alles brauchen, dem sie nachjagen. Insbesondere den Neid von anderen braucht doch kein Mensch. Es ist ein Ersatz, dass der andere durch seinen Neid einem sagen soll "Ja, stimmt, DU hast es geschafft". Müsste man ja eigentlich selbst merken, wenn es so weit ist, und dazu müsste man wissen, was einen wirklich glücklich macht. Marken konsumieren und sich auf Instagram posten, wird das nicht sein.

Der Mensch, der auch mal reflektiert, kommt doch drauf, dass er a) nicht alles haben kann und Partnersache und Chancen im Job auch Glück sind. Und b) bestimmt nicht alles braucht, dem er bislang hinterherhetzte und meinte, darin das Glück zu finden. Insbesondere beim Konsum oder zum Repräsentieren, damit die anderen neidisch werden sollen. Wer das als Lebenselixier hat, der hat halt Stress.
 
  • #165
Eine Familie, einen liebenden Partner, sich selbst verwirklichen können, dh. genügend Zeit für Hobbys, genügend Geld zum Leben, einen schönen Job, Anerkennung der Arbeit.
Anerkennung generell, Wertschätzung, lieben / geliebt werden. Wirkliche Freunde. Gesundheit. Zeit / Muße, zum Träumen, Innehalten, Genießen.
Meine Ergänzung für mich.

Aber ich habe eben den Eindruck, dass dieses für nicht so viele zählt, sondern wer hat welchen Job, welchen Status, den wievielten Urlaub kann man sich wo leisten, welches Auto, etc.
Im weiteren Bekanntenkreis gibt es genügend Leute, die jammern, wie knapp sie es haben und wie schwierig alles ist. Wie stressig es ist, nicht nur den normalen Job zu haben, sondern noch zusätzlich zu arbeiten, oder noch mehr Überstunden
Und parallel wird das nächste Auto gekauft, das nächste E- Bike, der Kurztripp mit der Tochter nach Rom, Paris, Mallorca oder sonst wohin geplant,... zu den Familienurlauben.
Die Arbeit schafft man aber nur noch mit Happy Pills.
Kein Einzelfall.
Und wenn man sagt, das und jenes braucht man nicht, wird man groß angeschaut, mit Unverständnis.

Es wird diskutiert, wie teuer Weihnachtsgeschenke sein dürfen / müssen - sagt nicht auch diese Diskussion sehr viel?

Ich sehe sehr viele gestresste Menschen. Langeweile nicht, aber anscheinend zunehmend die Befürchtung gerade hier im Speckgürtel von München den Anschluss zu verlieren - den Anschluss an einen bestimmten Lebensstandard.
Über Lebensqualität wird nicht geredet bzw. ansatzweise nachgedacht, gehört nicht zum Gradmesser des Standards.

Und als letztes Beispiel - 10. Klasse Gymnasium, Klassenfahrt, 1 Woche Barcelona, Kosten 600€ ohne Taschengeld.
Anmerkung der Direktorin, dass könne man den Kindern ja zu Weihnachten schenken. Reaktion der Eltern, das ist doch selbstverständlich, dies den Kindern zu gönnen. Und das war noch günstig, im Nachbarort kann bei ähnlichen Reiseziel noch ein Flug, da waren es dann über 1000€.
Mein Sohn fuhr nicht.
Das war es mir nicht wert, er durchaus, aber nicht dafür. Er hat es verstanden.
 
  • #166
Aber ich habe eben den Eindruck, dass dieses für nicht so viele zählt, sondern wer hat welchen Job, welchen Status, den wievielten Urlaub kann man sich wo leisten, welches Auto, etc.
Hm. Solche Bekannten habe und hatte ich nicht. Doch einen mal, der Partner einer Freundin, der musste dauernd erzählen, was er kaufen kann und wo er Schnäppchen gemacht hat. Aber der ist schon lange Geschichte. Es ist eher peinlich, wenn man so eine Lebensphilosophie hat, wie im Zitat steht. Vielleicht weil bei meinen Bekannten in "unserer" Gruppe keiner damit punkten kann, weil es manche einfach nicht haben. Also man trifft sich nicht, um mit irgendwas anzugeben. Kommt vielleicht daher, dass wir uns schon lange kannten, bevor einige erfolgreich wurden. Wie es nun aussieht, wenn die "unter sich" sind, also auf Arbeit, weiß ich nicht. Vielleicht geht es da auch so ab, dass großes Theater drum gemacht wird, wer sich mehr leisten kann, wer öfter essen oder zur Kosmetik geht oder sich welches Auto leisten kann. Allerdings könnte ich mir schon vorstellen, dass manche dann eben Unternehmungen machen und andere da nicht mitfahren. Aber man grenzt die nicht aus der Gruppe aus, bei anderem sind sie wieder dabei und es wird auch nicht peinlich geschwiegen darüber, dass man was unternommen hat, was der andere sich nicht leisten hätte können. Es ist einfach so, dass Geld kein Thema ist in den Köpfen. Ist bislang mein Eindruck, wenn wir Partys feiern. Die, die mehr haben, wissen das, und zahlen auch mehr, die anderen bringen Kuchen/Salat mit. Steckt ja auch mehr Arbeit drin, als wenn man zwei Kästen Bier kauft. Kosten macht auch Backen.

Und wenn man sagt, das und jenes braucht man nicht, wird man groß angeschaut, mit Unverständnis.
Wahrscheinlich denken die dann, man würde es nur nicht zugeben, weil man es sich nicht leisten kann.

Befürchtung gerade hier im Speckgürtel von München den Anschluss zu verlieren - den Anschluss an einen bestimmten Lebensstandard.
Kann schon sein, dass das Umfeld das bewirkt. Wenn man erstmal einen Lebensstandard hat, wäre eine Verschlechterung ja ein Schritt zum Abgrund hin. Sein Umfeld will man auch nicht verlieren. Und ganz besonders blöd ist es, wenn man die Leute erst kennenlernte durch den Lebensstandard oder eben "während" man ihn schon hat.

Ich kenne eine Frau, die ne Tochter hat. Scheidung, Frau zahlt Mann aus für das Haus. Sie ist Selbständige, bewegt sich nun durch das Abzahlen des Kredits immer an der Armutsgrenze, was das Restgeld angeht. VORHER hatten sie zwei Einkommen und nicht den Kredit, nun hat die Tochter die Freundinnen mit den gutbetuchten Eltern halt aus der Zeit und kann durch die Scheidung bei nichts mehr mitmachen, weil kein Geld da ist für viel Chichi drumrum.
Über Lebensqualität wird nicht geredet bzw. ansatzweise nachgedacht
Ob das für die vielleicht sogar Lebensqualität ist, ihresgleichen zu beeindrucken?
 
  • #167
Ich kann nicht erkennen, dass sich Paare (auch heutzutage) leichtfertig und wegen Nichtigkeiten trennen. Ich erlebe viel öfter Paare, die trotz Problemen und schlechter Beziehung noch jahrelang zusammen bleiben, weil sie zu bequem und zu ängstlich sind, sich zu trennen. Was ich teilweise auch verstehen kann, denn die meisten wissen, wie hart der "Single-Markt" ist. Dass jeder ständig auf der Suche nach etwas Besserem ist, kann ich jedenfalls nicht erkennen. Ich halte es für ein Gerücht. Dennoch ist es gut, als Frau nicht mehr wirtschaftlich abhängig zu sein - denn so KANN man sich wenigstens trennen, wenn man den Mann gar nicht mehr liebt oder er z.B. fremdgegangen ist. Ich glaube, nicht die alte oder neue Rollenverteilung macht Paare unzufrieden, sondern der wachsende berufliche Stress insgesamt und die Tatsache, dass Dienstleistungen und Ladenöffnungszeiten arbeitnehmerunfreundlich gestaltet sind (werden meistens nur zu so genannten "normalen Arbeitszeiten" angeboten, an denen früher die Hausfrau daheim war). Würde man die 30-Stunden-Woche für alle einführen und man könnte Einkäufe, Behördengänge, Arztgänge etc. auf die Woche und das Wochenende verteilen, wäre der Alltag sowohl für Familien, als auch für Singles weniger stressig und aufreibend.
 
  • #168
Ich glaube, nicht die alte oder neue Rollenverteilung macht Paare unzufrieden, sondern der wachsende berufliche Stress insgesamt und die Tatsache, dass Dienstleistungen und Ladenöffnungszeiten arbeitnehmerunfreundlich gestaltet sind (werden meistens nur zu so genannten "normalen Arbeitszeiten" angeboten, an denen früher die Hausfrau daheim war).
Wie bitte, die Ladenöffnungszeiten sind arbeitnehmerunfreundlich?

In meiner Stadt kann ich bis 24 Uhr Lebensmittel einkaufen gehen. Die meisten Discounter sind bis 22.00 Uhr geöffnet. Das sollen nur Hausfrauenzeiten sein?

Richtig ist, dass die 30-Stunden Arbeitswoche mehr angeboten werden sollte. Ich glaube aber, dass viele Männer das Angebot nicht annehmen würden, weil sie dann zu Hause mehr tun müssten, was sie gar nicht wollen.

Ich kenne dazu einige junge Mütter, die nach dem Erziehungsjahr wieder Vollzeit eingestiegen sind. Sie und ihr gut verdienender Mann bräuchten unbedingt das Geld..... Meinen Hinweis, als ehm. AE-Mutter, das Teilzeit fürs Kind und die Ehe viel besser wären, wurde mit vernichtenden Blicken quitiert. Inzwischen ist die junge Frau so abgearbeitet, das Kind ständig krank (bei mir war das nicht so...), dass sie entweder bald wieder schwanger wird, oder vielleicht doch auf Teilzeit geht, weil sie nun doch gemerkt hat, dass manchmal weniger doch mehr ist und sie vor allen Dingen ihr Kind, das 12 Stunden in der Krippe ist, öfter sieht, als nur zum Essen und zum schlafen.

WÜ50
 
  • #169
Zufriedenheit ist nicht nur von den Umständen abhängig, sondern ist auch eine Lebenseinstellung.
Es gibt Menschen, die mit sehr wenig zufrieden sind - dafür aber gerne in der Sonne liegen oder lesen oder fernsehen.
Und es gibt Menschen, die mit 25 Mios auf dem Konto noch unzufrieden sind, obwohl sie eigentlich sehr zufrieden sein könnten.
Ich habe neulich ein Interview mit einem Millionenschweren Unternehmer gelesen - Urlaub macht er nicht, das wäre zu teuer. Seine Frau bekommt keine Blumen, weil die eh kaputt gehen und zu teuer wären. Zufrieden mit seinem Leben und seinem Erfolg hat er nicht gewirkt. Dabei ist er 70 Jahre alt und sollte doch so langsam daran denken, sein Berufsleben ausklingen zu lassen ......
Geld, eine Rolle, Status etc machen also nicht zufrieden. Manches muss man eben in sich und nicht auf der Bank oder bei der Gesellschaft suchen.
 
  • #170
Es ist vor allem die Lebenseinstellung, die den Unterschied macht.

Eins der Hauptkriterien dafür ist für mich das Wort Müssen.
Müssen ist negativer Stress.
Die Erwartungen anderer erfüllen, die Kriterien anderer, zur eierlegenden Wollmilchsau mutieren - was immer schief geht. (Ich bin auf jeden Fall dabei ganz grandios gescheitert, aber für eine Zeit klappte es und auch der Tag hatte mindestens 48h, man muss sich ja nur schneller bewegen, Multitasking).

Man kann nicht der perfekte Mensch sein, perfekter Partner, perfekter Freund, perfekte Eltern, das Maximum aus Karriere herausholen, etc.
Es wird einem zwar vorgegaukelt, was alles möglich ist, aber das nicht alles zusammen möglich ist, wird verdrängt, und geflissentlich übersehen.
Mit dem müden, gestressten Familienvater auf den Heimweg im Stau auf der A96 macht man keine Werbung, auch nicht mit der übermüdeten, genervten Mutter nach einer durchwachten Nacht - um Klischees zu bemühen.
Heute ist es das erfolgreiche Paar, jung, dynamisch, top gestylt, gepflegt, mit perfekten Kindern im Eigenheim und alle fröhlich und lachend...

Man hat die Möglichkeit, die eigenen Prioritäten zu setzen, sich bewusst zu entscheiden, welche Wege man geht.
Man muss - gar nichts.

Eine bewusste Entscheidung kann genauso mit Stress verbunden sein, aber durch die bewusste Entscheidung - das Können - ist es positiver Stress. Dieser trägt, und wenn man dann die Erfolge sieht, macht es doppelt glücklich.

Die Rollenverteilung ist ganz sicher nicht ursächlich an Unzufriedenheit und negativem Stress, nur eben die eigene Einstellung zum Leben.
 
  • #171
Die Männer, die für eine gleichberechtigte Partnerschaft geeignet wären, wirken "unmännlich"
Die "männlichen" Männer sind meistens für gleichber. Partnerschaft ungeeignet, weil sie sowas nicht wollen. Hormone steuern auch das Gehirn und das Wesen. Vielleicht mehr, als uns lieb ist ?

Aber auch viele Frauen kommen mir in Beziehungen "wie dressiert" vor. Sie sind blindlings davon überzeugt, als ihr Daseinszweck, dem Manne zu dienen. Oder sie glauben, sie müssen ihren Mann versorgen, weil er sonst hilflos oder gar "verloren" wäre. Sie haben einen psychischen Druck dafür. Sie bringen es nicht zustande, radikal "Nein" zu sagen und zu handeln. Sie schaffen es nicht, sich durchzuringen, und z.B. den Mann nicht zu versorgen. Vgl. wie ein Tier, das nicht gegen seine Dressur handeln kann.
 
  • #172
Aber auch viele Frauen kommen mir in Beziehungen "wie dressiert" vor. Sie sind blindlings davon überzeugt, als ihr Daseinszweck, dem Manne zu dienen. Oder sie glauben, sie müssen ihren Mann versorgen, weil er sonst hilflos oder gar "verloren" wäre.
Ich denke, die alten Rollenbilder sind einfach (noch?) tief verankert. Frauen, die gezielt einen Mann suchen, der eine Familie versorgen kann, Männer, die gezielt eine Mutter für ihre Kinder suchen. Ich finde aber irgendwie logisch, dass sich Jahrhunderte alte Strukturen nicht in eienr Generation aufbrechen lassen. Vor allem nicht, wenn es ja eigentlich kein wirklich klares Alternativbild gibt. Aktuell müssen sich Mann und Frau eben viel mehr damit auseinandersetzen, wie sie ihre Beziehung gestalten wollen und nicht basierend auf irgendwelchen Annahmen handeln.
 
  • #173
n Mann versorgen, weil er sonst hilflos oder gar "verloren" wäre. Sie haben einen psychischen Druck dafür. Sie bringen es nicht zustande, radikal "Nein" zu sagen und zu handeln. Sie schaffen es nicht, sich durchzuringen, und z.B. den Mann nicht zu versorgen. Vgl. wie ein Tier, das nicht gegen seine Dressur handeln kann.
In welcher Realität lebst Du ?
Ich kenne wirklich gar keine Familien (ich schreibe jetzt nicht von der alten Generation 60+) wo Partner vom anderen einfach so "versorgt" wird.

Wenn Frauen (oder Männer) zeitweise zuhause bleiben und eben dann entsperchend mehr essen kochen, Putzen oder Wäsche waschen, oder für das Familieneinkommen sorgen, ist das heute immer eine Absprache zwischen den Partnern die auch fast immer temporär für bestimmten Lebensphasen begrenzt ist.

Grundsätzlich müssen bei morderne Familien beide Partner alle möglichen Rollen wahrnehmen können und machen das auch. Anders geht es gar nicht.

"Versorgerehen", wo gib es denn noch sowas ?

Selbst bei älteren Paaren kenne ich das beide gemeinsam oder abwechselnd kochen, auch der Mann sein Hemden bügelt (oder zum Bügeln gibt) .
 
  • #174
Wenn ich an die "alte" Rollenverteilung denke, ploppt bei mir automatisch ein Bild im Kopf auf, dass ich als früher oft bei anderen Familien mitbekommen habe:
Mutter den ganzen Tag zu Hause mit den Kindern, fühlt sich vernachlässigt & wünscht sich mehr Zeit mit dem Mann der viel zu viel arbeitet. Vater geht den ganzen Tag arbeiten um genug zu verdienen, ist todmüde wenn er Abends nach Hause kommt & wünscht sich dann eigentlich nur noch Ruhe.
Die Kinder wünschen sich mehr Zeit mit dem Vater, der Vater sieht sie oft nur schlafend oder am Wochenende, am Wochenende ist er aber immer noch müde & will eigentlich entspannen während die Kleinen endlich Zeit mit dem Papa nutzen wollen..
Bei einer Trennung sieht sich jeder als der Blöde, der soo viel gegeben hat (Kinderbetreuung oder Arbeit) & sich vom Partner nicht wertgeschätzt fühlt.

Es gibt sicher auch Familien in denen das besser funktioniert, aber das ist eben das Bild, das ich oft vermittelt bekommen habe.. & ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich es nicht so machen möchte. Ich bin selbst ohne Vater aufgewachsen & fand es immer sehr schade Kinder zu sehen, die zwar einen Familienvater haben, der vor lauter Arbeit aber nie Zeit für sie hatte.

Ich möchte die Kinderbetreuung, wenn es finanziell möglich ist, mit meinem Partner teilen, er kann auch einen Teil der Karenzzeit in Anspruch nehmen. Wir könnten beide Teilzeit arbeiten, damit für beide Zeit mit der Familie & Hobbys bleibt. Ich hätte auch kein Problem damit auf etwas Geld & Luxus zu verzichten, solange man damit trotzdem halbwegs gut über die Runden kommt.
Zur Familie gehört für mich auch mein Partner & den möchte ich genauso wenig als Arbeitstier oder Versorger in die Arbeit abschieben, wie ich mich selbst nur noch als unbezahlte Vollzeit Putze & Mutter sehen möchte.
Auch wenn er seine Arbeit gerne macht, er ist schon froh, wenn er wieder zu Hause ist. Keiner von uns soll sich komplett aufgeben müssen & die Lebensqualität den Bach runter gehen, damit das so "irgendwie" funktioniert. Was habe ich denn von einer Familie, wenn ich weder Zeit noch Energie, für die Menschen die ich liebe habe?

Ladenöffnungszeiten arbeitnehmerunfreundlich gestaltet sind
Ich habe neben dem Studium im Handel gearbeitet, wir hatten täglich 12Stunden geöffnet.. Wer es da nicht schafft an einen von 6 Tagen, an denen geöffnet ist, eine Stunde Zeit zu finden, kann mittlerweile auch Einkäufe online erledigen & das wird bequem nach Hause geliefert oder man holt es sich in der Filiale fertig zusammengepackt einfach ab.
 
  • #175
Das gibt es doch auch bei jüngeren Menschen. Drei Kinder, Mann mit Top-Job, Frau mit Master/Diplom/Doktor arbeitet wenndann halbtags.
Gerade in den angesagten Wohngebieten leben doch solche Paare. Die Frauen arbeiten nur, damit sie sich nicht langweilen.

Selbst bei älteren Paaren kenne ich das beide gemeinsam oder abwechselnd kochen, auch der Mann sein Hemden bügelt (oder zum Bügeln gibt) .
Aber es heißt heute noch in Statistiken, dass den Hauptanteil der Hausarbeit die Frau macht.
Ob die nun ihre Umsorgung als ihren Beitrag zur Liebe sieht - ich weiß es nicht. Männer denken ja auch, sie bringen sich ein durch Geldverdienen.
Die Männer, die für eine gleichberechtigte Partnerschaft geeignet wären, wirken "unmännlich"
Ich fürchte, da geht es Frauen ganz genauso mit dem "Unweiblichsein", und davon gibt es mehr als "unmännliche Männer". Sobald die Frage aufkommt, wer die besseren Chancen auf Karriere hat und bestimmt, wo das Paar leben soll, stellt sich heraus, ob der Mann gegebenenfalls zurücksteckt. Ich denke nicht, dass das viele machen. Und eine Frau, die sich dem Mann anpasst und eine angenehme Beziehung ohne viel Reibung verspricht, wird immer noch vorgezogen. Das sind aber die, die die Beziehung zu ihrer wichtigsten Sache machen, womit sie nicht auf Augenhöhe mit dem Mann sein können, der das nämlich selten tut und z.B. denkt, wenn er an seiner Karriere bastelt, tut er das für beide.
 
  • #176
Ich habe mir die Antworten alle durchgelesen, und während von den "Konservativen" nicht verlangt wurde das die "Modernen" Ihre Lebenseinstellung überdenken so kommen doch die "Modernen" daher und maßen sich an dieses zu verlangen, weil schließlich die Frauen der 60/70er nicht umsonst gekämpft haben sollen.
Ich denke es gibt deutlich Unterschiede in einer heutigen klassischen Beziehung und damals
 
  • #177
Viele Ehen würden besser funktionieren, wenn die Frau weniger arbeiten würde und dadurch entspannter und ausgeglichener wäre. Durch den Gender-Gleichheitswahn werden die ohnehin nicht besonders weiblichen deutschen Frauen immer mehr zu herrischen Gouvernanten, die den Mann wie ein Kind erziehen wollen, ihn ständig runterputzen usw.. Und da deutsche Männer oft weichgespülte Memmen sind, lassen sie sich das im Gegensatz zu.
 
  • #178
Viele Ehen würden besser funktionieren wenn der Mann weniger arbeiten würde und dadurch entspannter und ausgeglichener wäre.. Durch den falschen Männlichkeitswahn werden die ohnehin verunsicherten deutschen Männer in ihrer Entwicklung gehemmt und tendieren zu latenter Frauenverachtung, das zeigt sich indem sie die Frauen gerne herunterputzen, an den Herd verbannen möchten und einem vergangenen Frauenbild anhaften.
Merkst schon was, oder?
 
  • #179
Also doch, was Großvater schon schätzte, hatten wir schon.
Der Mann muss hinaus ins feindliche Leben schrieb der gute alte Schiller in der "Glocke" und
drinnen wartet die züchtige Hausfrau, die Mutter der Kinder etc. und so weiter.
So ist es und so bleibt es wohl, ob man es zerredet oder analysiert oder emanzipiert.
Immerhin gibt es jede Menge Frauen, die als "Nur Hausfrau" anscheinend glücklich sind,
kenne welche, die sich den Stress mit Kollegen und Chefs im Job nicht mehr antun wollen.
Kann ich auch verstehen.
Also nicht jede Frau will unbedingt Karriere machen oder arbeiten gehen.
 
  • #180
Obwohl ich in meiner letzten Partnerschaft weniger verdiente als mein Partner, war es mir wichtig, nach einem Restaurantsbesuch ab und an ebenfalls einmal eine Rechnung zu bezahlen. Mein Freund hat mich über Jahre hinweg immer sehr großzügig in Restaurants usw. eingeladen. Und auch ich habe umgekehrt ihn sehr gern eingeladen. Er sagte mir immer wieder mal, dass er sich darüber freut, wenn ich einlade.

In Zeiten der Gleichberechtigung finde ich dies eigentlich völlig normal, dass eben nicht automatisch immer der Mann sämtliche Rechnungen übernimmt. Ich würde mich dabei unwohl fühlen, da ich ja selbst Geld verdiene und es mir ein gutes Gefühl gibt, mich auch einmal zu "revanchieren".