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Mangelndes Selbstwertgefühl belastet Beziehung. Wie kann ich ihm helfen?

Liebes Forum

Seit ca. einem Jahr bin ich mit meinem Partner zusammen, den ich sehr schätze. Wir verfügen über gemeinsame Zukunftspläne und wohnen nun auch bereits ein halbes Jahr zusammen. Bereits recht früh habe ich bemerkt, dass er Mühe bekundet, seine Gefühle und seine Meinung zu verbalisieren/kommunizieren. Bei Gesprächen bleibt er lieber an der Oberfläche und lenkt tendenziell auf sein Gegenüber.

Inzwischen bin ich recht sicher, dass die Hauptursache dafür ein sehr geringes Selbstwertgefühl ist. Dies lässt sich aus gewissen seiner Bemerkungen über sich selbst, aber auch aus Verhaltensweisen gegenüber anderen schliessen. Beispielsweise glaubt er, anderen etwas geben zu müssen, damit sie seine Freunde sind. Er ist dadurch extrem unterwürfig, opfert sich auf und setzt keine Grenzen. Dies hat in der Vergangenheit oft dazu geführt, dass er schamlos ausgenutzt wurde und sich nicht zur Wehr setzen konnte, resp. Angst davor hatte, sonst plötzlich allein dazustehen.

Im Alltag führt dies teilweise zu absurden Situationen. Unser gemeinsamer Mitbewohner bedient sich beispielsweise im Kühlschrank selbstverständlich an von ihm gekochten Speisen (bei mir traut er sich das nicht wirklich), ohne jemals selbst für uns zu kochen oder sich beim Aufwasch zu beteiligen. Da mein Freund ihm keine Grenzen setzt, macht der Mitbewohner (welcher eigentlich ein netter Kerl ist) fröhlich weiter. Die Ex meines Partners schuldet ihm bis heute Geld - die Trennung war vor drei Jahren - und zahlt zwar gelegentlich etwas zurück, hat es damit offenbar aber nicht besonders eilig. Auch hier wieder: Er traut sich nix zu sagen etc. Dies sind nur zwei Beispiele, welche sich aber durch sein Leben ziehen vom Prinzip her. Ihm schulden diverse Leute Geld und angebliche "Freunde" behandeln ihn teilweise sehr respektlos.

Das Problem für die schlechte Behandlung durch andere liegt offensichtlich bei ihm selbst. Wenn er den Leuten Grenzen setzten würde, würde er m.E. definitv mehr Respekt erhalten. Er hat aber panische Angst davor, plötzlich alleine dazustehen (was ich ja verstehe), weshalb er alles mit sich machen lässt.

Nun die Frage: Wie kann ich ihm helfen, ein besseres Selbstwertgefühl aufzubauen? Hat jemand von euch Tipps oder Erfahrungen? Er sieht das Problem zwar durchaus, weiss aber nicht, wie er in entsprechenden Situationen reagieren soll.

Das Ganze belastet natürlich unsere Beziehung, da ich teilweise für ihn in die Bresche springen muss. Ausserdem verliere auch ich in gewissen Situationen leider etwas den Respekt vor ihm, wenn er sich wie den letzten Dreck behandeln lässt. Es gab zudem auch schon den Fall, dass eine (angebliche) Freundin von ihm mich offen beleidigt hat und er mich nicht verteidigt hat.
 
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  • #2
Das Ganze belastet natürlich unsere Beziehung, da ich teilweise für ihn in die Bresche springen muss

Wieso musst du das ? DU glaubst es zu müssen, aber hat er darum gebeten oder sich dafür dann ausdrücklich bedankt?

Hat er gesagt, dass er sich nicht traut, etwas zu sagen oder unterstellst du ihm das ?

Sorry, wenn ich deinen Text lese, fällt mir nichts zu geringem Selbstwertgefühl von ihm auf, aber zu übergriffigen Verhalten von dir.

Du legst deine Sicht und Handlungsvorstellung als das Nonplusultra fest.

Reagiert er so nicht, ist er schwach und falsch. Im Prinzip möchtest du aber, dass er die Dinge für dich regelt, die dir nicht passen.

Oder beschwert er sich bei dir und sagt selbst nix?

Hast du schonmal in Betracht gezogen, dass er gar nicht über sich reden WILL?

Dass es ihm egal ist, wenn der Mitbewohner sich am Kühlschrank bedient, die Ex etwas zögerlich die Schulden zurückzahlt?

Und wieso muss ER dich verteidigen, wenn dich jemand beleidigt, kannst du das nicht selbst?

Zusammenfassend fällt mir auf, dass er nur einfach anders sein soll, so reagieren soll, wie du es gern hättest. Aber wie verfällst du darauf, dass das die einzig richtige Art ist?
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #3
Hallo Joggerin, wow, heftige Antwort. Aber du hast einen wunden Punkt getroffen. Obwohl ich zu meiner Verteidigung sagen muss, dass ich meine Dinge durchaus selbst regle. Vielleicht hast du aber recht, und es ist ihm wirklich egal, resp. passt für ihn so. Das ist dann tatsächlich übergriffig von mir. Nur leider liegt dann in unser Beziehung grundsätzlich etwas im Argen, da die genannten Punkte mir wichtig sind. Danke fürs Augenöffnen!
 
  • #4
Nun die Frage: Wie kann ich ihm helfen, ein besseres Selbstwertgefühl aufzubauen?
Das funktioniert leider nicht sonderlich gut, weil das Problem in ihm selbst liegt und nur er selbst in der Lage dazu ist, daran etwas maßgeblich zu ändern.

allerdings beeinflussen sich Menschen gegenseitig und nähern sich im Verhalten oftmals an, wenn sie viel Zeit miteinander verbringen.

sprich: er könnte sich mit der Zeit einiges von dir abschauen und übernehmen.
Das Ganze belastet natürlich unsere Beziehung, da ich teilweise für ihn in die Bresche springen muss.
Ja, das kenne ich ....leider beraubst du ihn dadurch der Möglichkeit an Menschen und Situationen zu wachsen.
Ausserdem verliere auch ich in gewissen Situationen leider etwas den Respekt vor ihm, wenn er sich wie den letzten Dreck behandeln lässt.
Das würde ich ihm genauso sagen.
Es gab zudem auch schon den Fall, dass eine (angebliche) Freundin von ihm mich offen beleidigt hat und er mich nicht verteidigt hat.
Tja, das ist die Schattenseite der „netten Menschen“. Bloß nicht anecken und es jedermann recht machen wollen.

Solange er es selbst nicht als Problem empfindet, und dich aktiv um Feedback bittet, sind dir die Hände gebunden.

natürlich kannst du Impulse geben, indem du deine Beobachtungen und deine Wahrnehmung mit ihm teilst ( wie soll man sich auch sonst reflektieren ), aber das ist ein langer Weg, ohne Garantie auf Erfolg.
 
  • #5
Dir wurde hier bereits ordentlich der Kopf gewaschen. Auch wenn Dein Verhalten z.T. übergriffig und mutterhaft ist, so hast Du in einigen Aspekten auch Recht:
Es gab zudem auch schon den Fall, dass eine (angebliche) Freundin von ihm mich offen beleidigt hat und er mich nicht verteidigt hat.
Dieser letzte Satz ist der Schlüsselsatz. Er ist anscheinend nicht zu Dir gestanden, sondern hat gegenüber der anderen Frau den Kopf eingezogen. Alle anderen sind wichtiger - Du kommst zuletzt.
ErwinM, 51
 
  • #6
Liebe @lovetravel,
du kannst ihm gar nicht helfen.
Das was du tun kannst, ist bei dir bleiben. Möchtest du eine Partnerschaft mit ihm oder mit der Wunschvorstellung von ihm?
Sicherlich kannst du offen mit ihm über deine Beobachtungen und Empfindungen sprechen. Wenn er aber kaum Leidensdruck verspürt, wird er sich diesbezüglich nicht ändern. Warum auch!
In erster Linie ist deine Wahrnehmung und die daraus resultierende Einschätzung seiner Persönlichkeit deine Sache. Du solltest einen Weg finden damit umzugehen oder aber die Konsequenzen ziehen.
Das du in die Bresche springen musst, ist so auch nicht richtig. Du tust es, weil du deine Maßstäbe gefährdet siehst und nicht möchtest, das er sich nach deinen Maßstäben schlecht behandeln lässt. ABER vielleicht nimmt er das gänzlich anders wahr, oder er hat weit weniger Probleme mit diesen Themen als du?!
Zu erwarten, dass er für dich mal in die Bresche springt, ist eine Wunschvorstellung. Wie soll er, wenn er das für sich selber nicht tut? Erwarte nicht, dass er anders sein soll als er ist. Das führt immer in eine Sackgasse.
Es gibt viele Menschen, die lieber den Weg des geringsten Wiederstandes gehen. Die auf dem Altar der Harmonie scheinbar ihre Integrität opfern......es ist ihr Weg durchs Leben.
Achte gut auf dich und deine Grenzen und lass ihm seine.
 
  • #7
Nur leider liegt dann in unser Beziehung grundsätzlich etwas im Argen, da die genannten Punkte mir wichtig sind.

Das wäre ja als erstes mal eine Sache der Kommunikation, indem du seinen Standpunkt abklärst.

Und es dann ihn selbst kompensieren lässt, wenn zB der Mitbewohner das Essen wegfuttert oder nicht abwäscht.
Er muss es konsequent selber ausbaden.
Wenn es dich nicht wirklich betrifft, regst du dich auch weniger auf.

Wenn du seine Wesensart absolut nicht abkannst, ist er der Falsche für dich. Aber bedenke vielleicht auch, dass er gerade mit seiner Art gut zu deiner Art passt. Irggendwas gefällt dir ja auch an ihm?

Wenn einen starken beschützenden Mann willst, musst du auch "die Schwächere" sein und nicht Xenia, die Kämpferin.

Man kann auch lernen, sich etwas zurückzunehmen und den anderen zu akzeptieren, wie er ist.
Es ist halt auch immer eine Symbiose. Wenn du zu stark bist, kann er nicht stärker werden.

Mein Tipp: schau erstmal kritisch auf dich selbst und ändere dort ggf was. Denn dieses Problem würde dich wohl in der nächsten Beziehung wieder einholen oder du wieder so einen Typ Mann anziehen.
 
  • #8
Seit ca. einem Jahr bin ich mit meinem Partner zusammen, den ich sehr schätze. Wir verfügen über gemeinsame Zukunftspläne und wohnen nun auch bereits ein halbes Jahr zusammen. Bereits recht früh habe ich bemerkt, dass er Mühe bekundet, seine Gefühle und seine Meinung zu verbalisieren/kommunizieren. Bei Gesprächen bleibt er lieber an der Oberfläche und lenkt tendenziell auf sein Gegenüber.
Nach so kurzer Zeit zusammenziehen, geht zu 99,99% in die Brüche! Es wäre schon sehr klug, den Partner zuvor erstmal intensiver kennenzulernen!
Inzwischen bin ich recht sicher, dass die Hauptursache dafür ein sehr geringes Selbstwertgefühl ist. Dies lässt sich aus gewissen seiner Bemerkungen über sich selbst, aber auch aus Verhaltensweisen gegenüber anderen schliessen. Beispielsweise glaubt er, anderen etwas geben zu müssen, damit sie seine Freunde sind. Er ist dadurch extrem unterwürfig, opfert sich auf und setzt keine Grenzen. Dies hat in der Vergangenheit oft dazu geführt, dass er schamlos ausgenutzt wurde und sich nicht zur Wehr setzen konnte, resp. Angst davor hatte, sonst plötzlich allein dazustehen.
Wieder den gleichen Ursachefall, immer dasselbe, Defizite bei den "S Werten", mangelnde Aufrichtigkeit, mangelnde Authentizität sich selbst gegenüber, dafür bist du nicht zuständig!
Er traut sich nix zu sagen etc. Dies sind nur zwei Beispiele, welche sich aber durch sein Leben ziehen vom Prinzip her. Ihm schulden diverse Leute Geld und angebliche "Freunde" behandeln ihn teilweise sehr respektlos.
Klar man behandelt Leute genauso, wie sie es zulassen!
Nun die Frage: Wie kann ich ihm helfen, ein besseres Selbstwertgefühl aufzubauen? Hat jemand von euch Tipps oder Erfahrungen? Er sieht das Problem zwar durchaus, weiss aber nicht, wie er in entsprechenden Situationen reagieren soll.
Du kannst und sollst ihm gar nicht helfen, weil das nicht geht, wenn er sich helfen lassen möchte, dann soll er sich fremde, kompetente Hilfe holen!
Das Ganze belastet natürlich unsere Beziehung, da ich teilweise für ihn in die Bresche springen muss. Ausserdem verliere auch ich in gewissen Situationen leider etwas den Respekt vor ihm, wenn er sich wie den letzten Dreck behandeln lässt. Es gab zudem auch schon den Fall, dass eine (angebliche) Freundin von ihm mich offen beleidigt hat und er mich nicht verteidigt hat.
Ich sehe keine Chance, dass die Beziehung weitergeführt wird, sie wird irgendwann zur Trennung kommen, da du irgendwann keinen Respekt mehr zu ihm haben wirst, das macht die Trennung dann endgültig!
 
  • #9
Hat er gesagt, dass er sich nicht traut, etwas zu sagen oder unterstellst du ihm das ?

Er wird es sicher nicht sagen, oder?

Du legst deine Sicht und Handlungsvorstellung als das Nonplusultra fest.
Und Du scheinbar deine?


Reagiert er so nicht, ist er schwach und falsch. Im Prinzip möchtest du aber, dass er die Dinge für dich regelt, die dir nicht passen.
Sie möchte dass er SEINE Dinge besser regelt, die ihr nicht passen.

Hast du schonmal in Betracht gezogen, dass er gar nicht über sich reden WILL?

Hast Du schonmal in Betracht gezogen, dass er gar nicht über sich reden KANN, weil es für ihn so ein schambesetztes Thema ist und er selbst weiß wie schlecht er aufgestellt ist?

Und wieso muss ER dich verteidigen, wenn dich jemand beleidigt, kannst du das nicht selbst?

Sie sagt doch nicht, dass er es MUSS.
Ihr fällt nur auf, dass er vor Dritten nicht den Arsch in der Hose hat und das ist ein klares Zeichen von fehlendem Selbstbewußtsein, schwachen Selbstwert.

Liebe @lovetravel,
letztlich wirst Du an seinem Selbstwert, der so stark angeknackst zu sein scheint, nicht so viel ändern können, dass eine für Dich langfristig befriedigende Beziehung daraus entstehen kann.
 
  • #10
Hm, ein bisschen liest sich deine Fragerei auch wie ein Vergleich bzw. Einschätzung von seinen zu erwartenden künftigen Qualitäten als dauerhafte Partnerschaft?

Du reflektierst ihn und dich gleichermaßen, zerdenkst sein und dein Verhalten. Ich glaube je älter man wird desto schwieriger ist es einem Partner vorbehaltlos gegenüber zu treten und sich fallen zu lassen.

Ich habe jeden meiner Exfreunde leichter annehmen können als meinen Partner jetzt. Und dennoch bin ich noch nie in den Beziehungen jemand begegnet der sich so korrekt und fair verhält wie er. Ein sensibler Mensch. Und oft schon fühle ich mich neben ihm als die Starke. Oft ungewohnt. Früher suchte ich den Anschluss. Er stellte sich emotional eher neben als vor oder hinter mich. Und es ist so das auch ich mich neu kennenlernen muss.

Vielleicht bringt dein Partner ja auch nur dein Weltbild etwas ins wanken?
 
A

*a_n_s_i_n*

Gast
  • #11
Hallo Lovetravel,

ich denke, Du kannst Deinem Freund gar nicht "helfen", denn offenbar hat er keinen Leidensdruck, sonst würde sich auch dieser, in meinen Augen früh psychisch geschädigte Mann, so weit über sich selbst erheben, dass er beginnen würde, Grenzen zu setzen. Das macht jeder Mensch instinktiv, wenn sein Leidensdruck groß genug ist. Das ist dann z.B. der Punkt, an dem Drogensüchtige oder Alkoholiker bereit sind, zu entziehen, oder jahrelang mißhandelte Frauen den Absprung in ein Frauenhaus schaffen, etc. (um mal drastische Beispiele zur Veranschaulichung zu nennen)

Menschen entscheiden sich an bestimmten Punkten in ihrem Leben zu einer Änderung, die ihre Haltung Dritten gegenüber impliziert, wenn sie sehr unzufrieden mit ihren Status Quo sind. Das sehe ich bei Deinem Freund nicht. Er lebt offenbar das, was er von früher aus seiner Kindheit kennt, weil er Verlustängste hat und hat sich bequem in dieser Komfortzone eingerichtet.

Zudem kommt noch hinzu, dass er sich die für ihn genau passende Frau gesucht hat, das ist wie aus dem psychologischen Lehrbuch, nämlich eine vermeintlich "starke", unterstützende, helfende "Mama" (Du), die genau sein Pendant ist, passendes Puzzleteilchen, jedoch genau das gleiche Selbstwertproblem hat wie er, das durch ein Helfersyndrom kompensiert wird (jetzt hasst Du mich bestimmt für meine offenen Worte...). Das bedeutet für Deinen Freund doppelte Komfortzone, dadurch dass er Dich an seiner Seite hat.

Er hat überhaupt keinen Grund etwas ändern zu wollen, ihm geht es doch gut in der Entwicklungsstufe, in der er stehengbelieben ist. Sie bedeutet Sicherheit für ihn. Er lebt das, was er aus seiner Kindheit kennt als Erwachsener und ist damit offenbar in Frieden. Du bist das Sahnehäuchen obendrauf. Mit der "starken" Lovetravel an seiner Seite ist er safe und muß nicht erwachsen werden.

Du bist nicht seine Psychologin. Und selbst wenn Du Psychologin wärst, die behandeln keine Angehörigen. Du kannst ihm nicht "helfen". Ihr könntet beide, unabhängig voneinander, eine Therapie machen, aber Eure Beziehung würde diese, wenn sie erfolgreich ist, nicht überleben. Just my 2 cents...
 
  • #12
Sie möchte dass er SEINE Dinge besser regelt, die ihr nicht passen.
Sie legt aber ihren Maßstab an, der nicht unbedingt seiner sein muss.
Wenn es ihm egal ist, dass ihn Leute ausnutzen, dann ist das so und auch, dass er sich lieber ausnutzen lässt, um Sozialkontakte zu behalten.

Wenn sie darum den Respekt vor ihm verliert, dann ist sie in ihrer Wertewelt und muss sich fragen, ob sie auf Dauer eine erfreuliche Beziehung mit einem Mann führen kann, den sie nicht respektiert - nein, kann sie nicht.

Es gab zudem auch schon den Fall, dass eine (angebliche) Freundin von ihm mich offen beleidigt hat und er mich nicht verteidigt hat.
Dazu kann man ohne den Zusammenhang nichts sagen. Generell kenne ich es, dass viele Männer Lappen sind und nur ungern Auseinandersetzungen führen - wenn sich 2 Frauen an die Gurgel gehen schonmal garnicht.

Warum kannst Du die Tussi nicht selber an den Ohren packen und in den Senkel stellen, wenn Du schon so viel selbstbewusster, selbstwertgefühliger oder sonstwas bist? Warum sollte er das tun?

Du kannst seine Selbstwertprobleme nicht lösen. Das muss er selber tun. Entweder kannst Du damit leben oder Du kannst es nicht.
In einer guten und lebendigen Beziehung, wachsen Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl mit der Zeit und dann lernt er auch Grenze zu ziehen, hat keine Angst mehr vor Zuneigungsverlust, wenn er nicht mehr zu allem "ja" sagt.
 
  • #13
Er ist eben eindeutig kein Alpha-Männchen. Sicherlich hat er - auch gerade dadurch - ja Vorzüge für Dich und Eure Beziehung, ist z.B. besonders sensibel, zärtlich, fürsorglich für Dich. Oder?

Du wirst mit Sicherheit KEIN Alpha-Tierchen aus ihm machen können. Er wird in seiner Grundstruktur schon so bleiben (wollen), wie er ist.

Ihn grundlegend ändern zu wollen, wird nicht funktionieren. Zumal Du ja, wie Du schon jetzt schreibst, dadurch schnell den gesamten Respekt verlieren würdest.

Ausserdem verliere auch ich in gewissen Situationen leider etwas den Respekt vor ihm, wenn er sich wie den letzten Dreck behandeln lässt.
DAS würde mir genau so gehen an Deiner Stelle. Das wäre für mich aber von Anfang schon ein Nogo gewesen und ich hätte ihn dadurch nicht attraktiv genug empfunden, auch nur irgendetwas mit ihm anzufangen.
Es gab zudem auch schon den Fall, dass eine (angebliche) Freundin von ihm mich offen beleidigt hat und er mich nicht verteidigt hat.
Was genau hat die Frau zu Dir gesagt? Hat er sie wirklich "als seine gute Freundin" offiziell Dir vorgestellt. "Verteidigen" hättest Du Dich - zumindest mit einer humorvollen, zurechtweisenden, vielleicht auch leicht witzig-süffisanten Reaktion ihr gegenüber - selbst sollen! Ich würde es aber schon auch sehr begrüßen, wenn mein Partner auf so etwas schon reagiert, zumindest auch mit einer humorvollen Zurechtweise-Aktion und/ oder mit eindeutigen Gesten.
 
  • #14
Das Ganze belastet natürlich unsere Beziehung, da ich teilweise für ihn in die Bresche springen muss.
Nein musst du nicht.
auch ich in gewissen Situationen leider etwas den Respekt vor ihm, wenn er sich wie den letzten Dreck behandeln lässt
Warum hast du dir diesen Partner ausgesucht?
eine (angebliche) Freundin von ihm mich offen beleidigt hat und er mich nicht verteidigt hat.
Naja das kannst du doch auch selbst.

Ist er ein Erwachsener? Dann trägt er selbst Verantwortung für sich. Du musst da nichts machen. Du als Partnerin solltest ihn so lieben, wie er ist und nicht an ihm rumprobieren, ob er doch noch veränderbar ist.
Bereits recht früh habe ich bemerkt, dass er Mühe bekundet, seine Gefühle und seine Meinung zu verbalisieren
Gekauft wie gesehen.

Wenn er unter seinen Hemmungen leidet, sollte er sich professionelle Hilfe holen.
 
  • #15
  • #16
Liebe FS, Du kannst nichts machen.
Meiner hat es so weit gebracht, dass wir unseren geplanten Urlaub verschieben mussten, weil seine Kollegin ihren Urlaub angeblich schon gebucht hatte, ohne den sich von meinem Freund vorher zu " genehmigen". Er fand es auch nicht so schlimm und ich war die böse, weil ich das Verhalten der Kollegin schlecht fand. Normalerweise spricht man den Urlaub mit Kollegen ab und sie hat es nicht gemacht. Ich musste mir anhören, dass ich aufhören soll, seine Kollegin schlecht zu machen. (Nein, er will nichts von ihr)
Dieses Jahr ist es ähnlich, ich habe ihm im Vorfeld gesagt, wenn er ihr wieder den Vortritt lässt, fahre ich in Urlaub alleine.

Du kannst sein Verhalten nicht ändern.
Es akzeptieren und es nicht persönlich nehmen, wenn er dich z.B. nächstes mal wieder nicht verteidigt. Du hast sicherlich auch deine eigenen Schwächen, die er akzeptiert.
 
  • #17
Hier die FS:

Vielen Dank für die zahlreichen Antworten. Diese widerspiegeln in vielen Fällen Gedanken, welche ich selbst schon hatte, aber so nicht formulieren konnte. Danke!

Einige haben noch nach zusätzlichen Hintergründen v.a. in Bezug auf die "gute Freundin" gefragt. Er hat sie mir tatsächlich als solche vorgestellt und sie hat mich - evtl. auch weil sie eifersüchtig war - mehrmals beleidigt (im wörtlichen Sinne, sie hat offensichtlich nicht gerade die besten Manieren). Ich war zunächst perplex, habe sie dann aber damit konfrontiert und gesagt, dass ich ihr Verhalten unmöglich finde. Sie hat sich zwischenzeitlich von ihm zurückgezogen. Ich hätte in dieser Situation einfach erwartet, dass er seine Freundin - mich - in Schutz nimmt und nicht einfach stumm dort steht (das könnte von ihr theoretisch sogar als Zustimmung misinterpretiert werden).

Natürlich hat er viele gute Seiten, ansonsten wären wir nicht zusammen. Er ist ausserordentlich hilfsbereit, freundlich, für spontane Aktivitäten zu haben (wegen Corona leider z.Z. nicht so möglich), behandelt mich liebevoll und ist im Alltag aufmerksam.

Er hat mich zwar ursprünglich nicht ausdrücklich um Unterstützung gebeten in dieser Sache - auch weil, wie jemand gemutmasst hat, das Thema schambesetzt ist und er seine Gefühle ohnehin schlecht artikulieren kann. Er sieht das Problem aber schon und bemüht sich nun auch, etwas gefühlsbetonter zu kommunizieren und - falls ihm etwas gegen den Strich geht - etwas zu sagen. Darauf bin auch ich als Partnerin angewiesen,, damit die Beziehung auf Augenhöhe sein kann.
 
  • #18
Ich hätte in dieser Situation einfach erwartet, dass er seine Freundin - mich - in Schutz nimmt und nicht einfach stumm dort steht
Ich hatte gefragt.
Ich hätte dich in der Situation einfach angefasst. Meine Hand auf deinen Rücken, deiner Hüfte oder deinen Bein. Kommt drauf an ob ihr standet oder gesessen habt. Nichts Großes und schon gar kein Händchenhalten. Dann hätte ich die 'Freundin' noch böse angeschaut. Gesagt hätte ich nichts.
Wäre halt meine Art. Wenn er nicht so wortgewandt bzw. schlagfertig ist, sollte das doch reichen.
 
  • #19
sie hat mich - evtl. auch weil sie eifersüchtig war - mehrmals beleidigt
Wenn ich sowas lese, dann frage ich mich immer, in welchem Umfeld sich Menschen bewegen.
Tut mir Leid, aber es kommt doch niemand auf jemanden zu und beschimpft/beleidigt ihn zusammenhangslos und der Partner steht daneben, alle andern auch und tun nichts. Deine Geschichte ist vage und unvollständig. Kann sein, dass Dein eigenes Verhalten Dein blinder Fleck ist und Du etwas forderst, was falsch ist.

Dass Dein Partner nichts tut, weil er nicht der Antriebsstärkste ist, das nehme ich noch hin, aber dass kein anderer was dazu sagt, weil er sich von der gezeigten Asozialität (mehrfaches beleidigen) belästigt fühlt, das glaube ich Dir nicht.
Da nehme ich eher an, dass Du besonders schnell beleidigt bist (schon wenn nichts ist) und das das Eifersuchtsproblem auf Deiner Seite liegt, denn Du schreibst anfangs ja "(angebliche) Freundin"

Doch kann sie. Sie tut es und sie schreibt, dass er den Wunsch zur Veränderung hat, es in Maßen auch hinbekommt.
Persönliche Veränderungen dauern nunmal lange und sind nur in gewissem Rahmen möglich. Nicht ohne Grund dauern die meisten Psychotherapien Jahre und wirken noch Jahre nach.
 
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