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  • #1

Mein Freund will einen Job im Ausland annehmen

Mein Freund hat vor kurzem seine Dissertation fertig gestellt und muss sich nun natürlich einen Job suchen. Er hatte jetzt ein Vorstellungsgespräch an einer Uni im Ausland und ihm wurde schon gesagt, dass er in der sehr engen Auswahl ist. Ich weiß, dass er den Job gerne hätte und dieser sowohl fachlich als auch finanziell attraktiv für ihn wäre – was Besseres zum Einstieg könne ihm gar nicht passieren, sagt er. Diese kleine Stadt, in die er dann vielleicht ziehen wird, ist mit dem Zug 7 Stunden schon unserem jetzigen Wohnort entfernt, Flüge gibt’s nur mit 2 mal umsteigen und – egal ob Zug oder Flieger – man landet bei einmal hin und zurück bei gut 300 Euro. Die Stelle ist auf 3 Jahre ausgelegt. Mein Freund sagt, er stellt sich das ganze so vor, dass er zweimal im Monat am Wochenende zu mir kommt und ich einmal im Monat zu ihm, sodass wir uns insgesamt jedes dritte Wochenende sehen würden. Richtige Versuche, einen Job in unserer Stadt zu finden, hat er eigentlich noch nicht unternommen, wohl auch, weil er hier noch nichts gesehen hat, was ihn wirklich reizt. Kann aber auch sein, dass der Arbeitsmarkt in seinem Segment nicht einfach ist und er nehmen muss, was kommt. Allerdings hat er sich wie gesagt bislang nur auf diese eine Traumstelle im Ausland beworben. Ich habe hier einen Job und gefragt, ob ich mitkomme hat er nicht – ich würde dort mit meinem Studienabschluss aber auch ganz sicher nichts finden oder wenn nur mit viel Glück bei einem deutschen Unternehmen. Mir geht es bei dem Gedanken, die nächste 3 Jahre eine Fernbeziehungen / Wochenendbeziehungen mit 15 Stunden Fahrtzeit für Hin- und zurück zu führen, überhaupt nicht gut. Ich fürchte, dass man diese Belastung nicht sehr lange durchhält. Für mich würde es andersrum überhaupt nicht in Frage kommen, mich für eine Stelle so weit weg zu bewerben, und wenn sie noch so toll wäre, mir wäre da meine Beziehung einfach wichtiger und es verletzt mich, dass es bei ihm offenbar anders ist. Wir sind übrigens seit 3 Jahren zusammen und glücklich miteinander, er sagt, er liebt mich und kann sich kein Leben ohne mich vorstellten und sieht darum diese Pendelei als guten Kompromiss und würde die ganze Tour darum zweimal im Monat auf sich nehmen. Ich weiß aber nicht ganz, wie ich mit dieser neuen Situation zurecht kommen soll, ich könnte wenn ich näher drüber nachdenke ehrlich gesagt nur noch heulen. Hat jemand von euch schon mal ähnliche Erfahrungen gemacht und wie schätzt ihr das Ganze ein?
 
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  • #2
Ich und mein Partner haben das 2 Jahre gemacht - manchmal haben wir uns sogar nur alle 4-6 Wochen gesehen, je nachdem, wie viel Arbeit angefallen ist. Dank Skype wars tragbar, die gemeinsamen Wochenenden waren immer sehr harmonisch. Jetzt ist er wieder da und wir denken darüber nach uns zu trennen. So ist das Leben.

Prinzipiell finde ich aber, dass Entfernung kein ernsthaftes Problem darstellt. Dank Technik (Webcam und co) kann man trotzdem gemeinsame Abende gestalten - wir haben sogar getrennt-gemeinsam am Sofa gelegen und Ferngesehen. Und weil du nichts gegenteiliges erwähnst, ist anzunehmen, dass du kein Kind hast und damit (im Gegensatz zu mir) ungebunden bist und auch mal ein, zwei Tage Urlaub nehmen kannst um zu ihm zu fahren. Einen Montag/Freitag dranhängen verlängert die gemeinsame Zeit ungemein, ohne dass unmöglich viel Urlaub dafür draufgehen würde. Und das gilt für beide Seiten.

Wenn du ihn liebst, lass dich drauf ein. Ich finde es toll von ihm, dass er den Mut hat, auf seinen Traumjob zu setzen und als seine Partnerin solltest du ihn in seiner Entscheidung unterstützen!
 
  • #3
Will Dein Freund vielleicht später einmal Professor werden? Und war noch nicht oder nur kurz im Ausland? Dann ist sein Verhalten aus meiner Sicht absolut verständlich: Er arbeitet an seinem Lebenslauf, um sein geplantes Berufsziel zu erreichen. Die Post-Doc-Phase ist durchaus die übliche Zeit für so einen "Auslandseinsatz"!
Und es erscheint mir auch auch so, dass er sehr wohl auch an Dich denkt: Er will doppelt so oft die Fahrt auf sich nehmen wie Du, zeitlich wie finanziell, um dich zu sehen. Und er ermöglicht Dir, in Ruhe Dein Studium abzuschließen und auf Stellensuche zu gehen, ohne Dich nach ihm richten zu müssen.
Es wäre langfristig nicht zu Deinem Vorteil, wenn Du im Ausland arbeitslos wärst oder er in Deiner Region beruflich frustriert. Darum steht die Zeit durch, es kann Euch zusammenschweißen!
 
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  • #4
Mein Freund sagt, er stellt sich das ganze so vor, dass er zweimal im Monat am Wochenende zu mir kommt und ich einmal im Monat zu ihm, sodass wir uns insgesamt jedes dritte Wochenende sehen würden.

Wenn er das sagt, ist er vermutlich Geisteswissenschaftler, sicher aber kein Ingenieur oder Naturwissenschaftler.

Kann aber auch sein, dass der Arbeitsmarkt in seinem Segment nicht einfach ist und er nehmen muss, was kommt. Allerdings hat er sich wie gesagt bislang nur auf diese eine Traumstelle im Ausland beworben. Ich habe hier einen Job und gefragt, ob ich mitkomme hat er nicht – ich würde dort mit meinem Studienabschluss aber auch ganz sicher nichts finden oder wenn nur mit viel Glück bei einem deutschen Unternehmen.

Mit abgeschlossener Promotion ist der Berufseinstieg wichtig, gerade auch für die längerfristige Weiterentwicklung. Davon profitierst Du ja auch irgendwann. Und Dein Job ist sicher auch wichtig für Dich. Vielleicht probierst Du ja, ob Du wechseln könntest, obwohl die Frage ist, ob das für 3 Jahre Sinn macht.

m, 46
 
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