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  • #91
Die Haltlosigkeit fehlender Grenzen ist für mich vertraut. Und für alles andere habe ich noch keinen ausgeglichenen Umgang mit gefunden…
Grenzen setzen, Stopp sagen war früher nie meines.
Bei mir hat die Therapie am Punkt vorher angesetzt. Ich bin wichtig, mir selbst wichtig genug... liebenswert, ich darf mich selbst lieben, ich muss es nicht verdienen...
Und dann erst kamen die Grenzen.
Die "Erlaubnis", dass ich welche setze, das in mich hinein spüren, was ich will, was mir gut tut, und was mir nicht gut tut.

Ich habe viel auch mit Imaginationen gearbeitet, mit Schutzfiguren einerseits - die ich mir selbst in der Phantasie entwickelt habe. Dazu auch Imaginationen zum sicheren Ort, und da auch Imaginationen zum Inneren Kind hinein gebracht. Das war meines, ich konnte ganze Filme ablaufen lassen ohne direkte Steuerung, alles aus dem Unterbewusstsein mit eigener Dynamik. Wobei ich durchaus gestoppt habe - Grenze! - nicht immer entwickelt es sich positiv.

Es gibt sehr viel Literatur dazu - Boon/Steele /VanDerHart z. B. Traumabedingte Dissoziation, Bessel/VanDerKork, Michaela Huber - auch mal googeln. Ich schätze Dich so ein, dass Du auch mit dieser Fachliteratur klarkommst.
Emotionaler, anders, aber mir sehr Wohltuend waren einige Bücher von Anselm Grün.

Du hast recht, Überforderung und Abrutschen - deswegen mein Rat sowas nicht unbegleitet. Es kann die Augenblicke geben, wo die Erkenntnisse nicht zu ertragen sind.
Ich bin aber aus meiner subjektiven Erfahrung der Meinung, ich musste in die Abgründe schauen - nicht im Detail, aber im Groben - um zu verstehen und letztendlich abzuschließen. Es war nicht ohne Grund einiges gut verdrängt.
Ohne Therapie wäre ich nicht daran gekommen, und ohne begleitende und stützende Therapie wäre es gar nicht mehr zum Ertragen gewesen. War so schon mehr als kritisch.

Nur auch aus der Erfahrung - es kommt der Zeitpunkt, wo man sich stellt, oder stellen muss, weil die Energie zum Verdrängen nicht mehr reicht.
Ich wünschte mir, ich hätte nur nicht so lange verdrängt und Energie damit vergeudet, sondern diese Energie in die Aufdeckung und Aufarbeitung gesteckt. Vielleicht wäre es leichter gewesen.

Du wirst es für Dich entscheiden, was wann geht, und was Du willst - ein Therapeut sagte mal, es kommt nie mehr raus, als derjenige Mensch zu dem Zeitpunkt auch aushält.
Und Zeit und viel Geduld wird es brauchen.

W, 51
 
  • #92
Dieser Thread hat sich zu einer Diskussion entwickelt, die wirklich unter die Haut geht.

Unser Leben wird geprägt - häufig durch Kindheits- oder Jugenderlebnisse. Everybodys Darling oder Mobbingopfer? Sicher keine Frage, wessen Leben leichter ist.

Meist hat es tiefgehende seelische Gründe, warum ein Mensch sich entschließt, sich nicht zu binden (überhaupt ein schreckliches Wort).

Was ich aber ganz wichtig finde - und das gilt für alle, die mehr oder weniger traumatische Erlebnisse hinter sich haben - wenn man daraus gelernt hat, Muster erkennt, sich nicht mehr zum Opfer machen lässt - dann kann man richtig stolz auf sich sein.

Und natürlich gibt man kein Geld an Romance Scammer. Das wäre ja wohl noch schöner. Es ist gut, solche Leute zu erkennen und sich nicht ausnutzen zu lassen.
Vor solchen Leuten kann man gar nicht oft genug warnen. Bei zu vielen liebebedürftigen Frauen wirkt die Betrugsmasche.
 
  • #93
Bei echten Traumata - diagnostizierte Traumata, nicht die inflationäre Nutzung - wird man es aber ohne Therapie nicht schaffen, und da reicht auch die reine Gesprächstherapie nicht.
Da hat Lionne doch recht - zu jeder Krankheit benötigt man den passenden Spezialisten.
Es wird sich doch auch kein Mensch selbst operieren, wenn er die Möglichkeit hat, dies von einem Spezialisten erledigen zu lassen.

Diese "Selbstdiagnosen" - die funktionieren doch nicht einmal bei Alltagskrankheiten wie Schnupfen oder Husten zuverlässig. Aber sie funktionieren immer dann, wenn man sein Gejammer etwas aufpeppen möchte, um wieder ein paar Zuhörer zu bekommen. Irgendwie ist das wie bei den Menschen, die ach so intelligent sind - und alle Anderen sind froh, dass es wenigstens dazu reicht, dass nicht auf die Strasse gekackt wird.

@Dianthus - du leidest unter deiner "Krankheit". Darum suchst du dir Hilfe und willst auch selbst etwas beitragen, damit es dir irgendwann relativ gut geht. Das ist schon mal sehr wichtig. Und gut. Du hast von Lionne und Pfauenauge einige Tipps bekommen, die du anschauen solltest. Was passt zu dir ? Das muss individuell entschieden werden. Diese Entscheidung musst du aktiv mitgestalten und die Vorschläge der Experten abwägen. Und - wie früher an der Schule - Mitarbeit zählt.

Mein Rat - schau dir nicht nur die Tipps an - sondern auch das Auftreten des jeweiligen Ratgebers. Zuversichtlich, freundlich, mit einem Schuss Optimismus ..... willst du so werden ? Offen für Neues ? Oder möchtest du mit 60 noch hadern, dass irgendwann irgendwer deine Frisur kritisiert hat ? Und diese Jammerarien dann als "Reflexion" beschönigen, dich in deinem Elend suhlen und nie zufrieden mit dir und deinem Leben sein ?
Schau nach vorne ... wir bekommen alle die vergangenen Jahre niemals zurück. Aber wir alle haben die Chance, unsere Zukunft gut zu machen .....
Glück, Erfolg, die richtigen Fachleute ... das sind meine Wünsche für dich.
 
  • #94
Ich versteh jetzt deine Antworten zur kleinen Danthius nicht so ganz.
Du willst lieber deine Ruhe haben und Alleinsein, als sie miteinzubeziehen und dich um sie zu kümmern? So interpretiere ich das jetzt, aber möglicherweise meinst du es anders.

Was hält dich davon ab , es nun mit solchen Dingen wie Qigong zu probieren? Immer noch die Pandemie?

Deine Angst vor Überflutung ist nachvollziehbar. Deshalb rate ich dir, mit kleinen Schritten zu beginnen.
Eine Sache anzugehen. Natürlich in Absprache mit deinem Therapeuten.

Dass du deine Grenzen vorsichtig erweiterst.

Es gibt so viele Wege.

Die Entscheidung dazu kann dir keiner Abnehmen.
 
  • #95
@Pfauenauge Das habe ich anders gemeint. Es ging ja um die Einbeziehung der damaligen Bedürfnisse und diese weiß ich nicht. Mein Therapeut würde sagen ich wäre wohl gerne in den Arm genommen worden, aber ich würde sagen ich wäre lieber allein gewesen…Aber das ist eh hypothetisch, letztlich weiß ich es nicht.

Vermutlich habe ich den Beginn von Qi-Gong o.ä. vermieden, einfach weil es doch eine sehr große Herausforderung ist. Eine Gruppensache hat einfach zu wenig legitime Fluchtmöglichkeiten.

Ich werde wegen eurer Vorschläge Rücksprache mit meinem Therapeuten halten, da ich bald wieder die 300h voll habe, dann kann ich die so entstandene Lücke für einen anderen Ansatz nutzen.

@Lionne69 vielen Dank für die Literaturtipps.

Eure vielfältigen und anregenden Rückmeldungen sind sehr hilfreich!

Jetzt habe ich einiges zu überdenken. Mir ist gar nicht bewusst gewesen wie sehr ich meine vermeidenden Strategien weiter praktiziere. Mir gefällt die Psychoanalyse sehr gut, aber vermutlich aus deshalb, weil sie die für mich wichtigen Bedingungen erfüllt (klarer Rahmen, keine Intimität, sehr kopflastig). Ich sehe mich immer als sehr gute Patientin, aber letztlich mache ich ab einem gewissen Punkt einfach dicht. Vielleicht wird das durch einen anderen Ansatz verhindert.
 
  • #96
Aber mir wir jedweder Kontakt sehr schnell viel zu viel.
Wenn einer keine Grenzen setzen kann, verwirrt er mitunter die anderen Menschen. Zumal das auch nicht automatisch Menschen sind, bei denen alles stimmt, die seelisch intakt sind und keine Probleme hätten.

Nicht jeder will Dich vereinnahmen. Und es gibt auch viele Menschen, die ein "nein" durchaus akzeptieren würden, ohne dass sie mit Dir böse sind oder sich abwenden. Und natürlich gilt: Selbst wenn sie es sind - Du darfst natürlich Deine Grenzen setzen und musst nicht deren Erwartungen erfüllen. Dann lebst Du mit den Konsequenzen, aber na und? Andere setzen auch Dir Grenzen und Du ziehst Deine Konsequenzen und sie zucken mit den Schultern.
Zu Bekanntschaft, Freundschaft, Beziehung gehören zwei, und wenn einer weniger will als der andere, funktioniert es sowieso nicht. Jeder muss sagen dürfen "es passt mir so nicht".

Ich habe viel auch mit Imaginationen gearbeitet, mit Schutzfiguren einerseits - die ich mir selbst in der Phantasie entwickelt habe. Dazu auch Imaginationen zum sicheren Ort, und da auch Imaginationen zum Inneren Kind hinein gebracht. Das war meines, ich konnte ganze Filme ablaufen lassen ohne direkte Steuerung, alles aus dem Unterbewusstsein mit eigener Dynamik. Wobei ich durchaus gestoppt habe - Grenze! - nicht immer entwickelt es sich positiv.
Falls Du es willst und es nicht triggert - kannst Du dazu noch Näheres schreiben? War das in der Therapie oder vor der Therapie als Schutzmechanismus? Diese Filme sind, wenn ich Dich richtig verstehe, Vorstellungen gewesen, wie es hätte sein sollen, wenn es gut gewesen wäre? Also z.B. eine negative Erinnerung als Start genommen und gedanklich umgewandelt in ein positives Ende?

Ich war irgendwann meine eigene Schutzfigur und habe mich in bestimmten Situationen gefragt, was ich sagen oder tun würde, wenn es einem geliebten Menschen so ginge wie mir jetzt. Und dann den Schluss gezogen, dass ich mich selbst auch so behandle, sehe, verteidige.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #97
@Pfauenauge

ich glaube manchmal, dass sie nicht auf alles eingehen will oder kann. Wirkt manchmal etwas merkwürdig aber zumindest meldet sie sich und versucht zu beantworten, was wir sie gefragt haben oder als Tipps mitgeben haben.
Ich habe oft den Eindruck, dass sie eher auf die Postings antwortet, wo sie angegriffen wird.

@void

Danke für deinen ausführlichen Bericht.
Als Erstes ein großes Lob an dich, was du alles geschafft hast.

Alles was du erlebt hast, kann ich gut verstehen und Nachempfinden.
Die Seele ist gerade im Kindes -/Jugendalter sehr empfindlich und sollte auf jeden Fall geschützt werden.

Wenn ich auf meine Vergangenheit zurückblicke, habe ich mir sehr vieles selbst aufgebaut. Sei es meine sportliche Leidenschaft, mein Beruf, meine Arbeit im BR, in der Gewerkschaft usw.

Was mir ich gar nicht vermisse, ist das friedhöfliche, was ich an den Tag gelegt hatte.
Ich sage inzwischen gerne meine Meinung und kann auch mit den Konsequenzen umgehen.

Beim Aussehen und der Kleidung bin ich sehr eitel geworden aber mir gefällt es so.

In 2 Jahren habe ich so einen Sprung nach vorn gemacht, dass ich mein Abitur nachholen möchte, um mich beruflich weiterzuentwickeln.

Zurückblickend ist es schon ärgerlich, was für Möglichkeiten ich liegen lassen musste/wollte, um erstmal seelisch auszuheilen.
 
  • #98
@Tamtam

Ihr schreibt sehr viel konstruktives, aber es sind eben doch schwere Themen.
Für meine Antworten brauche ich daher immer sehr lange und muss diese gut durchdenken.
Zugegebenermaßen bin ich etwas überfordert.
Ich will auch nicht so viel deprimierendes schreiben, aber letztlich bin ich ein emotionaler Scherbenhaufen. Obgleich ich schon sehr weit gekommen bin; u.a. sind bin ich nicht mehr in dauerhaften Depersonalisationszuständen gefangen oder kann mittlerweile in Anwesenheit anderer essen.
Hier wurden von 50 Gesprächsstunden geschrieben, ich habe mehr als 10x so viele hinter mir und meine Stabilisation ist immer noch sehr fragil.

Meine ursprüngliche Frage ist eine von viel zu hohem Niveau.
Ich bin noch gar nicht bindungsfähig, muss erst lernen mich selbst auszuhalten.



Mir ist bewusst das die meisten Menschen irgendwie Probleme haben, aber hier wurde doch nochmal mein Abstand von der Norm deutlich. Im Alltag rede ich gerne meine Probleme klein, bzw. ignoriere diese.
 
  • #99
Ich vermute, dass du deine erwachsenen Bedürfnisse/Vermeidungsstrategien auf die kleine Dianthus projizierst.
Es gilt also nicht zu fragen, was hätt ICH damals gebraucht. Denn dein Ich heute ist anders als dein Ich damals. Aus meiner Sicht geht es nur: ich heute, und die kleine Dianthus damals. Sonst verschwimmen die Ichs. Die kleine Dianthus kann sich dir aber nur anvertrauen, wenn die Erwachsene Dianthus da ist. Ihr beide müsst ein Team werden. Das ist ein Prozess und ist nicht mit dem Lesen eines Buches getan. Das kannst du z.B. nach einer Meditation machen, wenn dein Bewusstsein aus dem ewigen Nachdenken raus ist.

Ich dache mir, dass du Psychoanalyse machst. Da kannst du dich ewig im Kopf aufhalten. Trotzdem hat es dir ja auch geholfen, dich zu stabilisieren.
Also alles gut.

Ich werde wegen eurer Vorschläge Rücksprache mit meinem Therapeuten halten, da ich bald wieder die 300h voll habe, dann kann ich die so entstandene Lücke für einen anderen Ansatz nutzen.
Genau. Besprich dich auf jeden Fall mit deinem Therapeuten.
Vielleicht ein tiefenpsychologischer Ansatz. Ein/e Therapeut/in mit traumatherapeutischer Spezialisierung wäre gut.
Schritt für Schritt. Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden.

@Pfauenauge

ich glaube manchmal, dass sie nicht auf alles eingehen will oder kann. Wirkt manchmal etwas merkwürdig aber zumindest meldet sie sich und versucht zu beantworten, was wir sie gefragt haben oder als Tipps mitgeben haben.
Ich habe oft den Eindruck, dass sie eher auf die Postings antwortet, wo sie angegriffen wird.
Und das soll mir jetzt genau was sagen?
Ich werde mich jetzt nicht über sie unterhalten, als sei sie nicht da oder irgendwie nicht zurechnungsfähig.

Ich erwarte nicht, dass sie auf alle meine Fragen eingehen will oder kann, das ist ihr Recht, da Grenzen zu setzen. Viele meiner Fragen hat sie mir im Übrigen beantwortet, so z.B. ob Corona der Grund ist nicht zum QiGong zu gehen oder Vermeidung.

Alles was ich bisher von ihr gelesen habe, wirkt in sich auf mich absolut schlüssig.
Dass sie sich "zumindest" meldet, findet ich mehr als gut, für jemanden, der Flucht/Vermeidung als Hauptstrategie hat.
 
  • #100
@Tamtam
Ich bin noch gar nicht bindungsfähig, muss erst lernen mich selbst auszuhalten.
Eine Freundschaft ist auch eine Form von Bindung. Für mich bist du damit Bindungsfähig.
Deine Ängste und verdrängten Gefühle sind das Problem. Dein Unterbewusstsein will dich immer noch beschützen.


@Tamtam


Zugegebenermaßen bin ich etwas überfordert.
Ich will auch nicht so viel deprimierendes schreiben, aber letztlich bin ich ein emotionaler Scherbenhaufen. Obgleich ich schon sehr weit gekommen bin; u.a. sind bin ich nicht mehr in dauerhaften Depersonalisationszuständen gefangen oder kann mittlerweile in Anwesenheit anderer essen.
Hier wurden von 50 Gesprächsstunden geschrieben, ich habe mehr als 10x so viele hinter mir und meine Stabilisation ist immer noch sehr fragil.
In diesem Fall ist das, was ich geschrieben hatte, absolut richtig.

Du schreibst eher negativ über dich selbst:
Du bist nicht hübsch,
bist ein emotionaler Scherbenhaufen,
bist zu nett und lässt dir zu viel gefallen
du bist zu ehrlich und gleichzeitig zu verletzlich usw.

Deine positiven Seiten leider eher tröpfchenweise:
Du bist sportlich,
bist attraktiv,
bist hartnäckig,
bist diszipliniert,
bist mutig usw.

Deine positiven Seiten sind herausragend.
Es ist wirklich schade, dass du diese positiven Erfolge nur selten zeigst/schreibst. Viele und wirklich sehr viele können sich von dir eine Scheibe abschneiden.

Mein Gefühl ist, dass du diese Seiten erst zeigst, wenn man dich angreift, provoziert usw.
Anscheinend ist deine Wut ist dein Kanal für deine restlichen Gefühle, die ja noch eingeschlossen sind.

Ich würde mir wünschen, wenn du uns/mir mehr von deinen Erfolgen und deinen positiven Seiten schreibst.
Vielleicht ändert sich dadurch dein Fokus auf dich selbst.
 
  • #101
Falls Du es willst und es nicht triggert - kannst Du dazu noch Näheres schreiben? War das in der Therapie oder vor der Therapie als Schutzmechanismus?
Es triggert mich kaum noch was, und wenn, kann ich damit umgehen, kein Problem.
Ich habe Imaginationen mit meinem Therapeuten gelernt.
Die Imagination eines sicheren Ortes ist wohl eine Standardsache - begleitend als Schutz.
Gerade in der Traumatherapie wird man mit Ängsten, mit schwer erträglichen Sachen konfrontiert, da ist das Bild eines Ortes, wo alles gut, alles sicher ist, sehr stützend. Deswegen sollten da ursprünglich auch keine Menschen sein. Ganz sicher.
Ich habe nur diesen Ort immer wieder weiterentwickelt, manchmal gezielt, und manchmal hat es sich von selbst entwickelt - Phantasie, Impulse aus der Therapie, eigene Dynamiken.
Mir hat es einmal diesen Ort auch zerstört - in der Phantasie.

Schutzwesen waren auch Phantasiewesen - die Vorstellung von Irgendwas an der Seite, da entwickelten sich auch unterschiedliche Gestalten. Schutzwesen, Mutterwesen... Auch ein Impuls aus der Therapie, kombiniert gerade bei einem Mutterwesen, wie man es gerne gewollt hätte.
Ist ja Phantasie, es kann so ideal sein, wie man möchte.

Für mich war es ein sehr guter Weg, weil ich gut mit Bildern kann, und mit Phantasie..
Später auch das Teambild - ein Inneres Team, in dem Gefühle personalisiert werden, wie Liebe, Freude, Angst, Wut... Aber auch der Zerstörer, die Saboteurin... Auch ein Teambild kann sich ändern, der Zerstörer, u. ä. verschwand, dann kam der Coach, die Managerin,..
Nach der Therapie endete das auch, aber als Mittel zum Schutz, zum Verarbeiten, zum Veranschaulichen, für die Prozesse in mir war es mein Basic.

Void - und Dianthus - verständlich?

Dianthus, bitte alles sorgsam lesen, nur so wie es für Dich nicht zuviel ist, nicht das zuviel hoch kommt.
Du hast Deinen Weg, und Du gehst ihn. Du hast einen Therapeuten, dem Du vertraust.
Wobei grundsätzlich bei Traumata Psychoanalyse nur bedingt angezeigt ist.
Tiefenpsycholisch wäre passend. Oder ein Analytiker, der den Zusatz Traumatherapie gemacht hat.

Aber leider ist diese Zusatzausbildung nur für Verhaltenstherapeuten interessant, aufgrund der Dauer der Gesamtausbildung.
Es gibt kaum Traumatherapeut*innen, die nicht Verhaltenstherapeuten als Basis haben, und dann ist das Stundenkontingent bei - gute Begründung - 90h. Viel zu wenig.


W, 51
 
  • #102
Eine Freundschaft ist auch eine Form von Bindung. Für mich bist du damit Bindungsfähig.
Bei einer Freundschaft ist aber Sexualität im Normalfall ausgeklammert.
Es ist doch gut, dass Dianthus diesen Freund hat.
Bei einer Paarbeziehung lässt man den anderen nicht nur seelisch, sondern auch körperlich an sich ran. Das geht noch mal tiefer, bzw. es werden andere Bereiche angesprochen.

Deine Ängste und verdrängten Gefühle sind das Problem. Dein Unterbewusstsein will dich immer noch beschützen.
Bei einer Traumatisierung lässt sich das aber nicht mit einem Fingerschnips oder einer Hypnosesitzung mal eben so ausknipsen.
Das versuchen wir hier jetzt schon längere Zeit zu erläutern.
Das mag für Außenstehende unbegreiflich sein.
Der Weg mag für jeden anders sein, einer braucht mehr Zeit, der andere weniger. Das hängt von der eigenen Person ab, wie komplex das traumatisierende Geschehen war und und und.
 
  • #103
Obgleich ich schon sehr weit gekommen bin; u.a. sind bin ich nicht mehr in dauerhaften Depersonalisationszuständen gefangen oder kann mittlerweile in Anwesenheit anderer essen.
Darauf kannst du stolz sein. Deswegen, besprich dich mit deinem Therapeuten, wie weitere Schritte aussehen könnten. Mit Zwang oder Druck wird das nicht klappen. Du hast es doch bis hierhin sehr sehr gut gemacht.
Vielleicht kannst du deine bisherige Therapie auch um einige kleine Elemente ergänzen, wie eben Musiktherapie in Einzelsitzungen oder was immer du dir vorstellen kannst.

Im Alltag rede ich gerne meine Probleme klein, bzw. ignoriere diese.
Das ist halt eine Möglichkeit, durch den Alltag zu kommen.

Ich bin noch gar nicht bindungsfähig, muss erst lernen mich selbst auszuhalten.
In Teilbereichen bist du schon bindungsfähig. Zu deinem Therapeuten, bei deinem besten Freund.

Mit dem sich selbst aushalten: ja. Das müssen wir aber alle mehr oder weniger lernen. Viele Menschen blenden auch so Teilbereiche von sich aus. Deine reinen Bettbekanntschaften doch auch. Die vögeln sich munter durchs Leben und blenden dabei ihre Seele/Gefühle aus.

Du versuchst doch, dich zu reflektieren. Damit bist du weiter als manche, die dumpf durchs Leben gehen.

Die Dissoziation war früher mal eine Schutzstrategie, um psychisch zu überleben. Jetzt ist sie hinderlich.

Als Kind konntest du dich nicht schützen, deine Grenzen verteidigen.
Diejeniegen, die dich hätten schützen sollen haben vermutlich deine Grenzen physisch/psychisch/emotional/sexuell oder sonstwie überschritten. Deswegen geht es darum, dass du nun lernst, es selbst zu tun.

Du sagst, dass du den Männern, die mehr von dir wollen als Sex, klar kommunzierst, dass sie bei dir keine Treue/Sicherheit zu erwarten haben.
Wie wäre es denn für dich, wenn diese nebenbei noch Bettgeschichten am Laufen haben und du davon erfährst? Wär das ok für dich oder würde es dich verletzen?
 
  • #104
Im Alltag rede ich gerne meine Probleme klein, bzw. ignoriere diese.
Liebe Dianthus,
Ich schließeamich TamTam und Pfauenauge an - Du hast viel geschafft, sei stolz darauf.

Natürlich ist man im Alltag anders, der muss funktionieren.
Und das hinzubekommen mit so einer Geschichte geht nur, in dem man zumindest dann verdrängt.
Sieh es als Stärke - egal was ist, Du hast einen Funktionsmodus, Alltag geht. So weit bist Du gekommen.

Und - man muss sich selbst schützen, es gibt Seiten, die kennen eben nur sehr vertrauenswürdige Personen. Mit gutem Grund.

Dich wertschätzen, lieben lernen wäre eine wichtige Aufgabe.
Es geht auch über Berührung, Dich selbst streicheln, ganz bewusst, Füße massieren, so etwas.

Dir ein Stofftier raussuchen zum Knuddeln..
Mein großes Schaf liegt immer noch da, manche Nächte damit eingeschlafen - klingt wohl albern, aber mir vermittelte es Geborgenheit.

Ja, jenseits der Norm, sicher. Aber wer ist normal?
Und was mir ein großer Trost war, Du bist nicht die Einzige - es gibt leider viel zu viele mit solchen Geschichten.

W, 51
 
  • #105
@Lionne69 Schutzwesen klingen schön. Das kann ich mir vorstellen weiterzuverfolgen.

Als der eine Kerle mich blockiert hatte waren meine Gedanken voll davon das er mit einer anderen glücklich ist, infolgedessen habe ich mich verschmäht und wütend gefühlt. Aber dann habe ich meine Gedanken aktiv umgelenkt und mir gesagt, dass es für ihn schön wäre eine (echte) Partnerin zu haben. Ich habe mir dazu schöne Bilder vorgestellt und meine gekränkte Wut ist verfolgen. Der Kummer war noch da, aber eben keine Gram.

Mich hat die Wirkkraft dieses positiven inneren Films fasziniert.

Eigentlich kann ich mir keine Traumatherapie vorstellen, denn ich erinnere mich ja nicht, also auch an kein Trauma.

@Pfauenauge

Das die Männer noch mit anderen Frauen schlafen setze ich voraus. Aber bei dem einen Kerl ist mir irgendwann, kurz vor Ende, bewusst geworden das ich nicht wollen würde das er mit einer anderen schläft.

Mein Fokus liegt gerade auf der Vermeidung von Spielereien meinerseits. Denn letztlich kann ich Männer sehr gut einschätzen und flüchte mich dann in solche. Ich hangle mich an Verhaltenskonstrukten entlang, um dem zu entgehen. Deswegen bin ich auch oft ehrlicher als vermutlich notwendig, aber durch diese ehrlichen Äußerungen kann ich für mich innere Klarheit schaffen.

Gestern Abend habe ich einen Mann getroffen, bei dem mir klar wurde das er mehr als nur Sex will. Aber ich habe heute schon wieder mein inneres Zappeln gemerkt, den Widerwillen mich klar zu positionieren. Ich habe ihm dann eine klare Sprachnachricht geschickt, aber gefühlt habe ich mich als ob ich mir selber meine Süßigkeiten weggenommen hätte.

@Tamtam

Sehr schwierig.

Ich verfüge wohl über ein gewisses Stilbewusstsein. Meine Kleiderwahl ist meist sorgfältig durchdacht und aufeinander abgestimmt. Darauf bin ich tatsächlich sehr stolz, denn früher habe ich mich nie getraut Kleider zu tragen die mir gefallen.
 
  • #106
Ich habe ihm dann eine klare Sprachnachricht geschickt, aber gefühlt habe ich mich als ob ich mir selber meine Süßigkeiten weggenommen hätte.
Das deutet daran hin, dass dir dieses Rumlavieren oder auch Manipulieren eben doch auch Spaß bringt.

Denn letztlich kann ich Männer sehr gut einschätzen
Wie gesagt: du weißt, was du tun musst. Dadurch kannst du schön in der Überlegenen Position bleiben, es sei denn die Männer haben die Schnauze voll und es fliegt dir um die Ohren.

Oder es verletzt dich eben doch.
Als der eine Kerle mich blockiert hatte waren meine Gedanken voll davon das er mit einer anderen glücklich ist, infolgedessen habe ich mich verschmäht und wütend gefühlt.
Verletzt werden kann man so oder so.
Es ist letztlich deine Entscheidung, was du machst oder nicht.

Eigentlich kann ich mir keine Traumatherapie vorstellen, denn ich erinnere mich ja nicht, also auch an kein Trauma.
Mag sein. Kann sein, dass du mit einer Vorliebe für stalkende Gewalttäter, Angst vor Nähe und Dissoziation auf die Welt gekommen bist. Das ist dann halt dein Wesen. Auch das du kaum Erinnerungen an deine Kindheit hast, ist dann eben deinem schlechten Gedächtnis zuzuschreiben.

Welches Verhältnis hast du denn zu deiner Familie, zu deinen Eltern und Geschwistern?
 
  • #107
Es gibt sehr viel Literatur dazu - Boon/Steele /VanDerHart z. B. Traumabedingte Dissoziation, Bessel/VanDerKork, Michaela Huber - auch mal googeln. Ich schätze Dich so ein, dass Du auch mit dieser Fachliteratur klarkommst.
Bessel van der Kolk kann ich auch empfehlen und zwar das Buch "Verkörperter Schrecken", mit beeindruckenden Gehirnscan-Vergleichen, wie viele Bereiche ein traumatisierter Patient abgeschaltet hat, um die entsetzlichen Gefühle abblocken zu können. Und dadurch aber viel Empfindungsfähigkeit und das Gefühl, sich lebendig zu fühlen, verloren hat. Und sich selbst deshalb oft nur in gefährlichen Situationen spüren kann oder sogar wenn er sich selbst verletzt. - Sehr spannend fand ich unter anderem die Berichte, welche Verbesserungen es durch Neurofeedback geben kann.

Mich interessiert aber vor allem das feinstoffliche Energiesystem, die Chakren und Auraschichten des Menschen. Laut den neuesten Erkenntnissen der Quantenphysik besteht ja alles aus Energie und Licht in unterschiedlichen Frequenzen und Schwingungen. Um Blockaden zu lösen, gibt es einiges an Energiearbeit, z.B. Meridian-Energie-Techniken oder auch Reiki. Was mir auch sehr geholfen hat, mich zu stabilisieren (nach drei Jahrzehnten mit immer mal wiederkehrenden depressiven Episoden), sind die Übungen aus den "Lichtbotschaften von den Plejaden" von Pavlina Klemm, z.B. aus Band 5 die "Energetische Arbeit zur Entfernung negativer Grundemotionen aus deinem System". Du kannst ja mal schauen, ob das auch für dich interessant sein könnte, noch zusätzlich zu deiner Therapie.

w 56
 
  • #108
Bei einer Traumatisierung lässt sich das aber nicht mit einem Fingerschnips oder einer Hypnosesitzung mal eben so ausknipsen.
Das versuchen wir hier jetzt schon längere Zeit zu erläutern.
Das mag für Außenstehende unbegreiflich sein.
Der Weg mag für jeden anders sein, einer braucht mehr Zeit, der andere weniger. Das hängt von der eigenen Person ab, wie komplex das traumatisierende Geschehen war und und und.
Ich kann das sehr gut verstehen, da ich ähnliche Sachen durchgemacht habe.
Mir ist wichtig, dass der Fokus auf positive Sachen und Erfolge gelenkt werden.

Jeder Mensch hat eine positive Wahrnehmung und eine Negative über sich selbst.
In der Regel hält sich das Ganze die Waage.
 
  • #109
@Pfauenauge

Meine Mutter ist in meinen Augen das personifizierte Böse. Letztlich ist sie wohl psychisch immens gestört und hat phasenweise psychotische Ausprägungen. Ich habe keinerlei emotionalen Bezug zu ihr.


Mein Vater ist ein schwerst depressiver Alkoholiker. Er ist auch schwierig, aber meine Mutter ist die Hölle (ich habe irgendwann einfach nicht mehr mit ihr geredet).

@freelight
Mit Chakren habe ich mich schon etwas beschäftigt, ich übe mich auch in entsprechenden meditativen Techniken.
Aber das wird mir schnell zu viel.
 
  • #110
Eigentlich kann ich mir keine Traumatherapie vorstellen, denn ich erinnere mich ja nicht, also auch an kein Trauma.
Liebe Dianthus,
Dann kannst Du auch Filme entwickeln.

Das Fiese an gerade frühkindlichen Traumata ist, dass man sich nicht erinnert. Die Psyche blockiert.
Es war eben der Gedanke, weil Dir Erinnerungen an Kindheit /Jugend fehlen.
Bei mir fing es mit Bruchstücken an - Trigger, und irgendwann kam mit der therapeutischen Begleitung mehr. Schmerzhaft, aber für mich wichtig, weil ich verstehen wollte und musste, um zu verändern. Schutzmechanismen, Verhaltensmuster, Denkweisen - die sicher in der damaligen Situation nützlich waren, aber als Erwachsener Mensch dringend zu prüfen und zu verändern sind, weil sie behindern bis destruktiv geworden sind. So etwas auch ohne Verurteilung und Schuldzuweisung an einen selbst - ich habe mich bei mir selbst bedankt. Es geht auch hier um liebevolle Akzeptanz der eigenen Person.

Depersonalisationen/Dissoziationen sind oft ein Indikator - Schutzmechanismus der Psyche, die Analogie sind Fluchtreflexe/Schockstarre, die man bei Tieren beobachten kann.

Aber muss ja nicht sein. Nur wenn es so wäre, wäre eine speziellere Therapie hilfreich.

Wenn Du Kraft und Muße hast, google mal, es findet sich viel im Netz -
Und es gibt viele Wege für Dich.

Schade ist nur, wenn Du Dir Dein Leben selbst begrenzt.
Vielleicht magst Du ab und zu mal prüfen, welche Grenzen Du aufweichen und lösen magst, und welche Dir gut und wichtig sind.

Liebe Dianthus, ich weiß nur nicht, ob das Alles Dir hier hilft oder eher verunsichert.
Falls Du Fragen hast, gerne, aber ansonsten stoppe ich hier.
Du bist zwar therapieerfahrung, trotzdem ist es schwere Kost.

Pass auf jeden Fall auf Dich auf, und sei lieb zu Dir.

Lionne.
 
  • #111
Meine Mutter ist in meinen Augen das personifizierte Böse. Letztlich ist sie wohl psychisch immens gestört und hat phasenweise psychotische Ausprägungen. Ich habe keinerlei emotionalen Bezug zu ihr.


Mein Vater ist ein schwerst depressiver Alkoholiker. Er ist auch schwierig, aber meine Mutter ist die Hölle (ich habe irgendwann einfach nicht mehr mit ihr geredet).
Das ist echt übel.
Mir verschlägt es glatt die Sprache.

Umso mehr Respekt habe ich davor, wie weit zu gekommen bist. Gib ja nicht auf !!!
Mal ne andere Frage: Wie läuft das in deinem Beruf ab ?
Kannst du deine erworbenen Fähigkeiten da nutzen?
 
  • #112
Meine Mutter ist in meinen Augen das personifizierte Böse. Letztlich ist sie wohl psychisch immens gestört und hat phasenweise psychotische Ausprägungen. Ich habe keinerlei emotionalen Bezug zu ihr.


Mein Vater ist ein schwerst depressiver Alkoholiker. Er ist auch schwierig, aber meine Mutter ist die Hölle (ich habe irgendwann einfach nicht mehr mit ihr geredet).
Also ich kann mir schwer vorstellen, dass diese Eltern dir eine liebevolle Kindheit ermöglichen konnten. Es ist eher typisch, dass große Erinnerungslücken auftreten, weil das kindliche Gehirn dass alles gar nicht verarbeiten kann. Für eine Traumatherapie ist keine Erinnerung notwendig. Deine Symptome sind aus meiner Sicht typisch.
Trotzdem kann ich das natürlich nicht beurteilen, ob ein Trauma vorliegt oder nicht.

Man kann z.B. auch eine rein tiefenpsycholgische Therapie ohne Traumaspezialisierung machen.

Letzlich kennst du deine Grenzen am besten und es ist sicher alles richtig, was dich stabilisiert.

Von daher ist aus meiner Sicht nach wie vor dein Therapeut dein erster Ansprechpartner. Denn deine Beziehungsprobleme rühren meines Erachtens schon aus deiner Vorgeschichte. Deine Angst vor Nähe ist nachvollziehbar, denn deine ersten Bezugspersonen waren in dieser Hinsicht keine gute Vorbilder.

Du auf einem guten Weg, weitere Schritte in Absprache mit deinem Therapeuten.
 
  • #113
Meine Mutter ist in meinen Augen das personifizierte Böse. Letztlich ist sie wohl psychisch immens gestört und hat phasenweise psychotische Ausprägungen. Ich habe keinerlei emotionalen Bezug zu ihr.

Mein Vater ist ein schwerst depressiver Alkoholiker. Er ist auch schwierig, aber meine Mutter ist die Hölle (ich habe irgendwann einfach nicht mehr mit ihr geredet).
Liebe Dianthus,

Jetzt fühle Dich einfach mal ganz lieb gedrückt.
Und auch mein ganz großes Mitgefühl an die kleine Dianthus, eine ganz liebe, tapfere Person. Sie hat es überstanden, Du lebst, Du bist anders. Du bist mutig, Du bist intelligent - und ich bin mir sicher, Du kannst auch lieben (sonst würdest Du nicht derart mauern). Du bist loyal bei Deinem Freund. Du bist hartnäckig, sonst würdest Du nicht solange Therapie durchhalten, und dann hättest Du hier schon lange nicht mehr geantwortet.
Deine "Eltern" haben nicht gesiegt. Lass es sie auch in Zukunft nicht.

Mein Post hatte sich überschnitten.

Dir alles Liebe,
Lionne

Und, wer sonst noch mitliest, solche "Eltern" gibt es, vielleicht nicht immer so extrem, aber es gibt sie und quer durch alle sozialen Schichten.
Meine waren beide Lehrer... Die Fassaden sind gut, und viele schauen auch weg.
 
  • #114
Ich will Dir noch was dazu schreiben, wie überhaupt alle Loslöseprozesse bei mir passierten. Und mir ist wichtig, dass das klar ist, dass es keine Entschuldigung ist.

Das Auflösen passierte, als ich begreifen konnte, dass ein Täter selbst mal Opfer war und sein Tun nur Ausdruck seiner eigenen ungelösten Probleme war. Dadurch hörte die Macht auf, die er auf mich ausübte, er wurde seiner Macht und dieser Übergröße beraubt, von der ich unbewusst ja immer noch ausging, weil er die Tat einst tun konnte und sein Einfluss noch wirksam war auf meine Seele.
Das war aber kein schneller und "ach, ich probier das einfach mal so"-Schritt. Es war der letzte Schritt, dem andere vorausgingen.
Ebenso lief das bei Fehlverhalten meiner Eltern.
Alle Machtmissbraucher, die statt Schutz zu geben, an zu schützenden Wesen schlecht handeln, sind irgendwo innerlich klein, verletzt und wissen sich selbst nicht zu helfen. Und ich leite daraus ab, dass sie selbst mal Opfer waren, als sie schutzbedürftig waren. Für mich war es wichtig, das zu sehen, weil sie dadurch ihre Macht verloren. Es war damit auch keine Tat mehr, die auf mich zugeschnitten war, weil ich so war, wie ich war, oder irgendwas provoziert hätte, verdient hätte. Das war wichtig wegen der Schuldgefühle. "Sich schuldig fühlen" als Opfer, das habe ich lange nicht verstanden, weil natürlich der Täter Schuld hat. Emotional gesehen half das aber nicht. Die Frage war "warum passierte mir das". Die Antwort ist: Es lag nicht an mir, auch vom Schicksalsaspekt her nicht. Es war teils blöder Zufall und teils eben, dass die Menschen, die Einfluss auf mich hatten, selbst nicht aufwachsen konnten, wie ein Kind aufwachsen sollte. Ich musste drunter leiden, aber nicht, weil ich dazu einen Grund gegeben hätte.

Die ganz andere Frage ist auch noch die nach der Strafbarkeit, aber darum ging es mir hier nicht. Das ist ja gar keine Frage.

Eine Horrorbeziehung habe ich auch gehabt mit Anfang 20. Keine Grenzen setzen können, öffnet die Tore für weitere Machtmissbraucher. Ein Kind, das destruktives Verhalten der Eltern aushalten musste, muss als Erwachsener erstmal auch lernen, dass es sich entfernen kann von destruktiven Menschen oder aus schlechten Situationen. Und zwar gleich, wenn sich zeigt, dass der andere so tickt. Ich glaube, damit haben viele zu tun: Sie halten auch spätere schlechte Situationen aus, als wären sie immer noch machtlos.

Ja, und vielen Dank, dass Du das so ausführlich geschrieben hast.
Zurückblickend ist es schon ärgerlich, was für Möglichkeiten ich liegen lassen musste/wollte, um erstmal seelisch auszuheilen.
Ja, kenne ich auch, dieses Gefühl. Gerade nach der Auflösung des Traumas und generell dann in der Midlifecrisis kam das extrem hoch als Thema.
 
  • #115
Ja, kenne ich auch, dieses Gefühl. Gerade nach der Auflösung des Traumas und generell dann in der Midlifecrisis kam das extrem hoch als Thema.
Ich habe da eine andere Sicht.
Ja, es war sch***, und manchmal ärgere ich mich, wenn ich wieder mal an meine Belastungsgrenze (Stress, Leistungsfähigkeit) stoße, weil ich mir zuviele Projekte aufladen, und dies aber nicht mehr ganz so geht. Aber das Grenzen ausloten gehört auch dazu.

Ansonsten, ich bin heute der Mensch, der ich bin, weil ich diese Geschichte habe. Ich bin diesen Weg gegangen.
Ich mag mich, mein Leben - deswegen hat es wohl so sein müssen.

Ich habe meinen Frieden geschlossen, was gewesen wäre, wenn... Ist sowieso müßig.

W, 51
 
  • #116
Hier eine Dokumentation, die kürzlich im NDR erschien und weiterhin online abrufbar ist.
Eine Frau spricht über ihre traumatische Erfahrung und ihre Heilung.
Das Thema ist filmisch sehr gut umgesetzt, es kommen auch Nachbarn, Partner zu Wort.
Die Frau kann sich allerdings erinnern, da sie schon älter war.
Sie zeigt, wie sie ihren persönlichen Seelenfrieden gefunden hat.
Trotzdem ist der Film nicht unbedingt leicht verdaulich, das muss jede/r selbst entscheiden, den anzuschauen.
Er enthält viele wertvolle Sequenzen, zeigt auch ihre Symptome der Traumatisierung und endet mit ihrer Heilung.

"Nicht meine Schande-Geschichte eines Missbrauchs", NDR.

Hier geht es um Missbrauch, aber ich denke, die Mechanismen sind auf andere Traumata übertragbar.
 
  • #117
Ich wollte mich nun noch einmal melden.

@Lionne69

Die Auseinandersetzung hier hat mir deutlich gemacht, wie wenig ich noch bereit bin für eine Entdeckung meines Selbsts. Ich gerate sofort unter Stress.

Ansonsten ist mein Alltag sehr von Vermeidungsverhalten geprägt, aber ich setze mir immer kleine Ziele. Zum Beispiel eine mir unbekannte Straße entlang zu gehen/radeln. Ich gerate bei unüberschaubaren, da unbekannten, Wegen schnell in tiefe Panik. Oder alleine im Cafe eine heiße Schokolade trinken. Letztlich bin ich in solchen Situationen in höchster Fluchtbereitschaft, aber ich übe dieses Gefühl auszuhalten. Natürlich kenne ich in solchen Momenten, wie im Cafe, immer alle potentiellen Fluchtwege und setze mich strategisch vernünftig hin.

@Tamtam Ich studiere noch. Zwar mit einem Begabtenstipendium, aber ich denke nicht das meine „erworbenen“ Fähigkeiten hilfreich sind. Es kann mich halt niemand durchschauen, was eben auch beim Kennenlernen das Problem ist. Mein Verhalten und mein Empfinden stimmen überhaupt nicht überein. Ich bin immer total unsicher und spreche daher sehr ungern mit Kommoliton_innen. Dafür komm ich mit meinen Dozent_innen sehr gut klar. Aber das ist halt professionell.


@void vielen Dank für das Teilen deines gedanklichen Ansatzes. Ich fühle mich immer wegen allem schuldig, bzw. neige zum totalen katastrophisieren.

@Pfauenauge vielen Dank für diese Empfehlung.

Im Weiteren ist mir wirklich bewusst geworden, wie viel mir mein unbeständiges Dating bedeutet. Ich will noch keine Beziehung, oder irgendwas anderes Tiefes und das ist vollkommen in Ordnung.
 
  • #118
Liebe Dianthus,

was du immer und überall tun kannst, allein zuhause oder in der S-Bahn, in der Vorlesung, beim Spazierengehen, Lesen oder beim Sex ist deinen Atem wahrzunehmen.
Atmest du tief oder flach, schnell oder ruhig usw.
Dazu brauchst du auch keine Gruppe, keinen Therapeuten.
Es gibt x Atemübungen im Internet, es gibt Meditationsapps etc.
Dadurch kannst du dich mehr spüren. Du kannst es steuern usw.

Dann rate ich dir, dir ein Hobby zu suchen. Tanzen, Malen, Musikinstrument, was Kreatives, dass über Gedichteschreiben hinausgeht.
Um deine Energie in schöpferische Bahnen zu lenken.

Hier noch ein Filmtipp:
" Das Rätsel unseres Bewusstseins", Arte
 
  • #119
Ich wollte mich nun noch einmal melden.

...

Im Weiteren ist mir wirklich bewusst geworden, wie viel mir mein unbeständiges Dating bedeutet. Ich will noch keine Beziehung, oder irgendwas anderes Tiefes und das ist vollkommen in Ordnung.
Wie der andere inzwischen geschlossene Thread ein auch von den Kommentaren besonders komplexer und intensiver Beitrag. Ich ordne einen Fragesteller gerne in eine Schublade ein. Das funktioniert hier nicht gut.

Ich sehe eher den durcheinander gewürfelten Inhalt mehrer Schubladen trotzdem hat @Dianthus selbst noch einen ganz guten Überblick und macht eigentlich schon vieles was man empfehlen kann um erstens Ordnung zu schaffen und zweitens die Giftstoffe zu separieren um sie an einem sicheren Ort einzuschließen. Allerdings ist das Sortieren noch lange nicht abgeschlossen.

Was sehe ich da für Scherben. Distanz und Flucht um Autonomie zu bewahren und Ängste zu verstecken. Promiskes Verhalten um doch eine Art Nähe aber dies ohne Autonomieverlust zu bekommen aber vielleicht auch als gleichzeitige Selbstverletzung und Selbsterhöhung (?) Manipulation um die Kontrolle zu behalten. Vielleicht um sich auch aufzuwerten (?) Kompensation von Ohnmacht (?) Und einiges mehr.

Du hast das als Problem erkannt und experimentiert mit verschiedenen Lösungsansätzen. Zur Zeit noch nicht erfolgreich.

Manchmal bringt das Alter Ruhe in den Karton. So in 20/30 Jahren. Eher keine jetzt direkt hilfreiche Lösung.

Verschiedene Menschen haben gute Erfahrungen mit einer psychosomatischen Reha in Bad Kissingen gemacht. Eine dortige Einrichtung bietet ganzheitliche Therapien (durchschnittliche Dauer ca. 10 Wochen).

Die Therapie bot vor einigen Monaten neben Einzelgesprächen, Gruppentherapie mit der jeweiligen Tischgruppe, Tanztherapie, Musiktherapie, gestalterische Therapie u.v.m. an 7 Tagen in der Woche. Wie das Programm jetzt aussieht weiß ich aber nicht.

Es wird auch eine regional allerdings unterschiedliche Nachbetreuung geboten.

Ich kenne einige entsprechende Einrichtungen. Aus meiner Sicht ist das Programm in dieser Klinik aber wirklich außergewöhnlich und hebt sich von anderen Kliniken sowohl in der Leistung wie auch in den Anforderungen an den Patienten ab. Ein Schwerpunkt sind übrigens die Probleme von HSP.

Die Gäste waren sehr unterschiedlich zufrieden mit ihrem Aufenthalt und gingen auch mit sehr unterschiedlichen Zielen in Ihren Alltag hinein.

Insoweit würde ich die Aussicht auf einen positiven Rückblick auf diesen Ort mit 50 % bewerten. Dabei tendieren aus meiner Sicht eher manipulative Typen eher zu einer negativen Einschätzung da einige Mechanismen dort andere Patienten und die Therapeuten sowieso vor deren Spielchen beschützen.

Wesentlich ist auf jeden Fall die persönliche Offenheit und Bereitschaft zur aktiven Teilnahme.
 
  • #120
@Pfauenauge
Ich versuche gerade mal wieder mich für Bauchtanz und Qi- Gong anzumelden. Aber irgendwas hemmt mich.

Im kommenden Semester beginne ich als Tutorin. Das wird sicher eine große Aufgabe, da ich keine Fluchtmöglichkeiten haben werde (sitze ja vorne) und auch noch Verantwortung. Versuche immer alle verbindenden Verpflichtungen zu vermeiden, da mich das unter Druck setzt.

Atemübungen versuche ich immer wieder, aber bei der bewussten Selbstwahrnehmung verfalle ich in Panik.

@Ejscheff

vielen Dank für die Empfehlung. Werde ich mir für die Zukunft überlegen, derzeit fühle ich mich für eine tiefere Auseinandersetzung mit mir noch nicht bereit.

Zu meinen sexuellen Begegnungen: es ist sicher ein Konglomerat aus vielen Aspekten, aber ganz wichtig ist das Erleben von Kontrolle.
Mir wurde nun schon von mehreren Männern rückgemeldet, das ich sehr dominant sei. Da ich immer sage was ich mag und was nicht - was von den Männern akzeptiert wird.
 
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