• #1

Mein Partner kann sich nicht entscheiden

Hallo,
Ich bin verheiratet mit einem 57 jährigen Mann, der seit 2012 wegen einer schweren Erkrankung in einem Pflegeheim leben muss. Diese Krankheit, die 2006 (mehrere Schlaganfälle mit jetzt Pflegestufe 3) ganz plötzlich auftrat, hat unser beider Leben völlig zerstört.
Ich bin seitdem die Betreuerin meines Mannes und tue alles für ihn.
Wir haben uns erst im Jahr 2000 kennengelernt, hatten eine wundervolle Zeit und wollten den Rest unseres Lebens gemeinsam verbringen.
Die ersten vier Jahre habe ich meinen Mann alleine zu Hause gepflegt und bin selber krank geworden und fast zerbrochen, sodass eine Unterbringung in einem Heim nicht zu umgehen war.
Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich mich einer Selbsthilfegruppe angeschlossen.
Dort habe ich einen Mann kennengelernt.. Er selber ist verheiratet mit einer Frau, die seit 10 Jahren eine Zwangserkrankung hat, das Haus nicht mehr verlässt, keine ärztliche Unterstützung zulässt, täglich Alkohol konsumiert und sich für den Haushalt überhaupt nicht interessiert., er muss die Wohnung in Schuss halten und alle täglichen Arbeiten alleine verrichten, hat eine Eigentumswohnung, die zwischenzeitlich mehr oder weniger verwahrlost, weil er auch unter Depresionen leidet und völlig erschöpft ist.

Allerdings lebt er jetzt, genau wie ich, in völliger Zerrissenheit.
Es gibt Tage, da plant er unser gemeinsames Leben. Will mit mir eine Wohnung beziehen. Zur Zeit ist der Stand so, dass er seine Frau und mich, also uns beide, will.
Er sagt, dass er ohne mich niemals leben kann, aber seine Frau liebt er nach 25 Jahren auch noch.
Die Ehefrau weiß um unsere Beziehung. Sie hat meinen Partner jahrelang unter Druck gesetzt und ihm klargemacht, wenn er sie verlässt, bringt sie sich um.

Ich kann mit dieser Hin- und Her Situation kaum noch umgehen.
Allerdings weiß ich ganz tief in mir, dass ich meine Konsequenzen ziehen müsste.
Mein jetziger Partner und ich brauchen uns wie zwei Ertrinkende, die das rettende Ufer suchen und an drei Tagen in der Woche finden.
Aber so kann es auch nicht weiter gehen.

Ich bin also eine Geliebte ohne Zukunft und er ist ein unterdrückter Ehemann, der die Kraft für Entscheidungen auf ein "neues schöneres Leben" nicht hat.

Über Antworten würde ich mich sehr freuen.
Santosha
 
  • #2
Das ist eine ziemliche Misere. Das aber:
Die Ehefrau weiß um unsere Beziehung. Sie hat meinen Partner jahrelang unter Druck gesetzt und ihm klargemacht, wenn er sie verlässt, bringt sie sich um.
geht gar nicht.
Ich vermute, ihr habt beide mittlerweile in der Selbsthilfegruppe genug gelernt, um nicht auf emotionale Erpressung einzugehen.
Ich empfehle dir, die Themen auseinanderzusortieren: Unterstützung für dich bei der Pflege, sodaß du deine Energiereserven nicht bis zum totalen Nullpunkt aufbrauchst einerseits, die Affäre mit dem Mann andererseits. Die kostet ja momentan auch noch Kraft, und die hast du einfach nicht.
Wenn er sich nicht entscheiden kann, dann kannst du das nur akzeptieren, was wäre denn sonst dein Handlungsspielraum?
Ich empfehle dir den Rückzug, und daß du mehr positive Aspekte in dein Leben holst, und die Energiefresser reduzierst.
 
  • #3
Du bist selbst nicht frei. Nicht wirklich. Und den neuen Mann, der ist auch nicht frei und durch seine Situation ist eine Beziehung mit ihm nicht zu befürchten. Genau deshalb hast Du ihn Dir ausgesucht. Ein Dilemma, wenn man sich auf den Beziehungsmarkt begibt, ohne selbst klare Verhältnisse mitzubringen. Eine Situation ohne Lösung. Viel Glück.
 
  • #4
Hey Santosha,
das hört sich echt fürchterlich an. Tut mir leid. Es ist immer schwierig, aus langjährigen Beziehungen rauszukommen, vor allem wenn Krankheiten im Spiel sind. Ich würde an Ihrer Stelle mir überlegen was ich eigentlich will. Was ist mir wichtig im Leben? Was erwarte ich mir von einer Beziehung? Wie kann ich wieder glückich werden. Dann würde ich mich zuerst mit meinem Partner und dann mit meiner Affäre in Ruhe hinsetzen und entscheiden wie es weiter gehen soll, was realistisch ist.
Wissen Sie denn, was Sie wollen?

Liebe Grüße
 
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  • #5
Liebe Santosha
Das ist in der Tat eine schwierige Situation. Ich kann dir deine Zerrissenheit sehr gut nachfühlen (habe in etwa dasselbe erlebt wie du mit meinem Mann).
Ich hatte nach einiger Zeit andere Männer kennengelernt. Allerdings habe ich bald gemerkt, dass ich mich nur mit jemanden einlassen werde, der "wenig" Probleme hat. Vor allem auch, weil ich mich nicht noch mehr runterziehen lassen konnte. Ich war bereits unten angelangt.
Für mich hätte dein Freund zu viele Probleme, welche er zuerst regeln sollte. Man/Frau kann nicht auf dem Buckel von Expartnern eine neue Beziehung aufbauen, welche glücklich machen sollte. Du wärst freier, er aber noch nicht.
Denk darüber nach und viel viel Glück
 
  • #6
Warum klammerst du dich an einen Kerl, der selbst sagt seine Frau noch zu lieben???

Dieser Mensch ist hochgradig entscheidungsunfähig und kommt auch in 5 Jahren nicht in die Pötte. Lass ihn versauern in seiner Misere und dir sollte auch egal sein ob seine Frau sich umbringen will oder nicht. „Hunde die bellen beißen nicht!“ fällt mir dazu nur ein.

Konzentriere dich auf DEIN Leben und die Betreuung deines Mannes. Du musst dich nicht rechtfertigen dafür, dass er in einem Heim untergebracht ist. Selbstverständlich möchte man die Angehörigen pflegen solange es geht. Das aber kostet immense Kraft und irgendwann kommt der Mensch an einen Punkt, wo die Kräfte aufgebraucht sind. Ich spreche aus Erfahrung, meine Mutter ist schwerst dement und jetzt ein Jahr im Pflegeheim, sie wird 84 Jahre alt. Eine Rundum-Betreuung 24 Stunden am Tag kann ich als berufstätige und allein erziehende Mutter eines 14jährigen Jungen nicht gewährleisten. Da bleibt einem am Ende nur noch der Weg „Pflegeheim“, wo es qualifizierte Kräfte gibt.

Ich rate dir: Lebe dein Leben, aber sei als Betreuerin für deinen Mann da solange er lebt.

Und den Geliebten jage zum Teufel…
 
  • #7
Liebe Santosha,
du scheinst eine Frau mit sehr viel Kraft zu sein.
Deine Ehe scheint für dich inzwischen mehr schlechte als gute Zeiten mit sich gebracht zu haben.
Ich kann gut verstehen, dass du das Gefühl haben willst lebendig zu sein. Wie alt, wenn ich fragen darf, bist du denn selbst?
Ob ein neuer Partner, neben deinem Mann den man wahrscheinlich nicht mehr als Partner im eigentlichen Sinne bezeichnen kann, die Lösung darstellt, das kann ich einfach nicht einschätzen.
Was diesen Selbsthilfe-Mann angeht:
Allerdings weiß ich ganz tief in mir, dass ich meine Konsequenzen ziehen müsste.
Ganz genau! Du kannst nicht sämtliches Leid der Männerwelt auf deinen Schultern tragen. Helfen kannst du diesem Mann nicht, das kann nur er selbst.
Denke bitte an deine Gesundheit, dein Wohlergehen! Mit diesem Mann handelst du dir nur zusätzliches Leid ein.
Brich den Kontakt zu diesem Selbsthilfe-Mann rigoros ab - sofort!

Gesellschaftliche Kontakte tun dir sicherlich gut - suche dir dafür aber bitte gesunde Menschen aus und niemanden aus der Selbsthilfegruppe.

Ich glaube jeder der einen Angehörigen in einer Pflegeeinrichtung hat geht durch einmal durch dieses Tief in dem auch du dich gerade befindest. In diesem Moment muss man dann verstehen und auch annehmen, dass das gemeinsame Leben vorbei ist. Man ist einander zwar (noch) verbunden, aber du bist nicht im Pflegeheim.
Du lebst und musst anfangen dir ein Leben außerhalb des Heimes ohne deinen Mann aufzubauen. Das ist schwer und bringt immer mal wieder Schuldgefühle mit sich - dennoch ist es notwendig und absolut legitim.
Achte bitte auf dich!
Alles Gute
 
  • #8
Liebe Santosha, deine Geschichte und die deiner "Mitspieler" macht mich sehr betroffen. Alle vier leidet ihr mit - und aneinander, weil ihr emotional aneinander gekettet seid und kaum seht, wie die jeweiligen Knoten zu lösen wären. Du schreibst, dass du das Hin - und her kaum mehr aushältst, aber die einzig richtige Konsequenz, dich zu befreien, auch nicht durchziehen kannst, weil auch du deinen Partner brauchst. Du weißt, dass das Beziehungsgeflecht dich krank macht und siehst die Beziehung gleichermaßen als Medizin: das ist eine klassische Konstellation von Beziehungssucht oder Co-Abhangigkeit.

Wenn du allein nicht die Kraft findest, dich zu sortieren, suche dir bitte therapeutische Unterstützung. Du gehst nach der Betreuung deines Partners und auch deines Freundes (!) emotional komplett auf dem Zahnfleisch.

Erlaube dir die Hilfe von außen (die Krankenkasse übernimmt die Therapiekosten). Du kannst dann behutsam gucken, was du eigentlich möchtest und dich begleitet freischwimmen. Du bekommst auch ein Rettungsboot, Schwimmflügel oder was auch immer du brauchst und musst dich nicht mehr an einen anderen Ertrinkenden klammern. Vielleicht klettert er mit ins Boot. Einen Versuch wäre es wert. Allerdings sorge jetzt für dich, auch wenn er das Ertrinken vorzieht - sorge dafür, dass es dir gut geht. Nur so kannst du auch für andere sorgen!

Alles Gute dir.
 
  • #9
Nur zur Klärung, besteht die Affäre schon, also habt ihr schon Sex miteinander und ist das Ganze schon treuetechnisch und sexuell in den Brunnen gefallen oder spielst du momentan nur was-wäre-wenn mit dem Elfenbeinturm deiner Gedanken?

Ich würde unabhängig davon ganz laut schreien "Hände weg", du schlitterst nur von einer Abhängigkeit und Co-Abhängigkeit ins neue Leid und tust dir selbst damit auch nicht gut. Auch, dass er depressiv und leicht von seiner Frau manipulierbar ist, ist keine vielversprechende Voraussetzung für eine Beziehung. Pschisch angeknackste Menschen würde ich als Beziehungsanwärter grundsätzlich meiden. Wechsle die Gruppe, wenn es sein muss, bringe Ordnung in dein Leben, aber hüpfe nicht gleich in die nächste Baustelle. Und lass der anderen Frau ihren Mann, hier geht es auch um Werte und Versprechen, selbst wenn die andere noch so ein Biest ist. Es ist ihr Mann, nicht deiner.

Wenn er dich so lieben würde, würde er klar Schiff machen und einer neuen Beziehung möglichst festes Fundament ermöglichen, nicht ständig die alte Leier von wegen Verantwortungsbewusstein, gemeinsamer Zeit mit Ehefrau, jahrelange Verbundenheit, etc.pp. tröten (das machen ja sogar auch Männer ohne pflegebedürftige Frau im Schlepptau, diese Story ist Asbach Uralt.) Sei nicht eine weitere dumme Frau.
 
  • #10
Ich bin also eine Geliebte ohne Zukunft und er ist ein unterdrückter Ehemann, der die Kraft für Entscheidungen auf ein "neues schöneres Leben" nicht hat.
Genau, er ist nicht dein Partner, denn ihr seid beide nicht frei.
Und die unterdrückter-Ehemann-Karte ziehen auch Männer mit weniger dramtischen Schicksalen. Zudem sagt er, er liebt seine Frau.
Also, es ist verständlich, dass ihr zwei euch gefunden habt als Flucht aus dem Alltag. Letztlich bringt dich das aber nicht weiter, im Gegenteil, mittlerweile belastet es dich nooch zusäztlich.
Ich würde dir auch zur Trennung von diesem Mann raten. Dann für dich klären, wie es mit deinem Leben weitergehen kann.
 
  • #11
Ich hoffe ich verstehe es richtig...
Ihr habt beide stark pflegebedürftige Ehepartner. Dein Mann ist bereits in einem Pflegeheim und die Frau Deines Freundes wird Zuhause gepflegt?
Du hast selbst noch viele Gefühle für Deinen kranken Mann aber eben nicht mehr als geliebte und Partnerin. Somit ist die Frau in Dir frei geworden sich neu zu verlieben!
Du bist innerlich soweit und auch räumlich, da dein Mann bereits im Pflegeheim ist?

Dann ist es so, dass Du nicht gezwungen warst, Deinen kranken Mann für eine neue Liebe zu verlassen.
Du musstest schon viele Schritte gehen, bevor Du Dich verliebt hast.
Vielleicht hilft Dir das, allem mehr Zeit zu geben.
 
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  • #12
Ich bin also eine Geliebte ohne Zukunft und er ist ein unterdrückter Ehemann, der die Kraft für Entscheidungen auf ein "neues schöneres Leben" nicht hat.
Ja, Du hast das Problem aller Geliebten, er will sich nicht trennen und Du ihn, nur für Dich allein.
Er ist kein armes Opfer oder unterdrückt, er ist nur entscheidungsschwach, will kein Risiko oder sein altes Leben aufgeben. Du bist 3 Tage jede Woche sein kleiner Sonnenschein.

Was raten? Du weißt selbst um deine Optionen. Du sprichst aber von beidseitiger emotionaler Zerrissenheit, glaube mir ruhig, diese fühlst Du nur Du allein! Du nimmst deinen Geliebten in Schutz und sagst auch noch ihr braucht euch wie Ertrinkende? Das bedeutet nichts anderes, als das eurer Drama der Kitt und Reiz eurer Affäre ist.
Als Affäre wäre mir dies zu anstrengend und den Gedanken weitergesponnen, als Partner würde ich so einen Mann nicht wollen. Ich glaube, wenn Du ihn für dich hättest, wäre das Drama und somit der Reiz weg und letztlich hättest Du einen weichen, unterwürfigen und dazu depressiven, jammernden Mann an deiner Seite.

Andererseits warum leidest Du eigentlich? Benutzt er die Affäre und Dich als seelischen Mülleimer, um sich durch Dich emotional zu stabilisieren und Du klärst gedanklich seine Probleme? Bist Du seine geheime Frau im Schatten und unternimmt er nichts außerhalb deiner 4-Wände mit Dir?

Warum genießt du nicht die 3 gemeinsamen Tage? Jammern und heulen bleiben vor der Tür. Weglaufen wird er nicht und so könntet ihr doch noch Jahre eine schöne und zufriedene LAT-Beziehung führen.
 
  • #13
Ich finde die Situation sehr schwierig. Auf der einen Seite, dass der geliebte Partner so krank ist, dass man selbst dran kaputt geht, auf der anderen das Bedürfnis, nicht "in Haft" genommen zu werden und selber auch noch ein Leben zu haben und glücklich sein zu dürfen.

Ich fand es sehr irritierend, dass Du den Affärenmann anscheinend als "Partner" bezeichnet hast. Eure Partner sind ja die Menschen, mit denen ihr verheiratet seid.

Meiner Ansicht nach siehst Du durch die Lage eurer beider Ehen die Situation natürlich sehr emotional und als Rettungsinsel im ansonsten schweren Partnerschaftsleben, aber nicht realistisch. Den anderen Mann und Dich verbinden scheinbar gleiche Schicksale und das könnte der einzige Verbindungspunkt zwischen euch sein. Ob da mehr ist, konntest Du ja nie rausfinden, und wie es aussieht, will der andere Mann das auch gar nicht, weil er seine Frau liebt, Angst vor Konsequenzen hat oder finanzielle Einbußen fürchtet. Er klingt für mich so, als seiest Du eine willkommene Abwechslung zu dem, was er zu Hause hat, aber nicht mehr, auch wenn er Dich sehr zu brauchen scheint.
Seine Frau hat ihm gedroht im Falle, dass er sie verlassen will. Das mag stimmen, nur scheint es bei Dir das Bild zu erzeugen, wenn das nicht wäre, würde er gehen. Und das glaube ich nicht, sonst hätte er nicht auch noch gesagt, dass er sie liebt. Dabei wäre es egal, ob das stimmt oder nur gesagt wurde, damit nicht der Eindruck entsteht, er würde sich trennen wollen.

Manches von dem, was er sagt, klingt sehr nach Schema F von Geliebten. Aber man kann sich schlecht die Situation von außen vorstellen, wie ein Mann mit einer Frau, die nichts macht, außer Alkohol konsumieren und krank sein, lebt.

Ich seh das so: Die Entscheidung ist längst gefallen und Du willst oder kannst sie nicht sehen und er vermutlich auch nicht.

Ich frage mich auch, wie Du mit ihm eine Beziehung führen wolltest. Ich meine, wenn er seine Frau jetzt zwangseinweisen lassen und sich scheiden lassen würde, sie auf nimmer Wiedersehen irgendwohin, wo sie niemals sein wollte und deswegen leidet, einfach weg mit dem Ballast - könntest Du so einen Mann lieben?
 
  • #14
Vielen Dank für die ganzen Antworten zu meinem Thema "Mein Partner kann sich nicht entscheiden".
Ihr habt mir viel Mut gemacht, endlich selber über eine Entscheidung, die für mich gut ist, intensiver nachzudenken.
Ich möchte noch sagen, dass die Frau meines Freundes nicht gepflegt werden muss. Die Frau kann sich völlig normal bewegen. Ihre Zwangserkrankung beinhaltet das Nichtverlassen der Wohnung seit Jahren, Suizidandrohungen, Ängste vorm Alleinsein, vor allen möglichen Dingen und ständigen Kontrollzwang in allen Lebenslagen. Zärtlichkeiten lehnt sie seit Jahren völlig ab und auch ein "normales Eheleben".
Da mein Freund das seit Jahren mitmacht, ihr jede Arbeit, die in einem Haushalt anfällt, abnimmt, und sie für sich selber keine Verantwortung übernehmen muss, wird sich da gar nichts ändern.

Mein eigener Mann war schon drei Jahre im Pflegeheim, bevor ich selber überhaupt mal wieder in der Lage war, Gefühle zuzulassen. Ich habe durch eine Traumabehandlung in einer Klinik erstmal viele Geschehnisse aufarbeiten können.
Da war die SHG mein Anker und Halt.
Auch mein Freund ist, seitdem er mit mir zusammen ist, sehr viel ruhiger und ausgeglichener geworden. Deshalb verstehen die sich bei ihm zu Hause auch wieder besser, weil nicht mehr so viele Streitigkeiten auftreten. Man muss sich das so vorstellen wie in einer WG.
Er tut alles für mich, kann aber keine Entscheidungen treffen die Veränderungen bedeuten, wenn es um seine eigene Zukunft geht. Er hat panische Angst vor Veränderungen und auch die evtl. dadurch entstehenden Existenzängste sind vorhanden.
Aber er steht zu mir und ist stolz darauf, dass ich an seiner Seite bin. Wir besuchen gemeinsam seine erwachsenen Kinder, die mich auch sehr mögen. Das hat er seit Jahren nicht mehr gemacht und wenn, dann alleine. Wir gehen ins Kino, treffen alte Freunde von ihm, fahren öfter mal in den Harz, waren in Berlin in einem Musical. Gehen zu Geburtstagen und an Feiertagen gemeinsam essen und verbringen auch dann die vorher abgesprochenen passenden Tage miteinander.
Wir können gemeinsam lachen, verstehen uns blendend, haben den gleichen Humor und sehr viel Zärtlichkeit füreinander. Unser Sex ist unglaublich gut. Wir sind dann einfach nur glücklich und ausgesprochen liebevoll miteinander. Wenn er abends an den drei Tagen in der Woche nach Hause fährt, haben wir beide wieder Depressionen.
Ja, und nun muss ich mich entscheiden, ob ich das alles weiter so
will.

Liebe Grüße
Santosha
 
  • #15
Wenn er abends an den drei Tagen in der Woche nach Hause fährt, haben wir beide wieder Depressionen.
Nein, habt ihr nicht. Ihr seid traurig, habt aber keine Depressionen.
Du solltest mittlerweile genug über Krankheiten wissen, um sie richtig zu benennen - und nicht zu übertreiben.
Übertreibst du sonst auch? Brauchst du Drama?
Ein wenig MIßtrauen ist bei mir schon geweckt.
Und: du stabilisierst die Ehe deines Affärenmannes. Die läuft jetzt viel besser. Es gibt also noch weniger Grund für ihn, sich zu trennen, als vorher.
Ändern kannst nur du die Situation, wer wird das nicht tun.
 
  • #16
Noch eine Nachfrage:
Wenn Ihr 3 Tage zusammen verbringt, Familie besucht und Freunde, auch Kurzreisen -was ist dann in der Zeit mit seiner angstgestörten Frau? Wird sie betreut?
In dem Falle wärst Du so sein "Urlaub" und füllst seine Lebensfreudetanks auf, bevor er wieder in den Alltag muss.
 
  • #17
Ich stelle mir das ein bisschen so vor, dass du dir in der schwierigen Zeit jemanden gesucht hast, der nicht frei ist - weil du es selbst nicht warst. Mir ist auch nicht ganz klar, ob du es schon bist. Für deinen Mann bist du weiterhin da, aber eure Liebesbeziehung ist beendet? Du schreibst Pflegestufe 3, aber wie muss man sich das konkret vorstellen: ist er bei Bewusstsein und erkennt dich noch?

Du schreibst, dass du alles für ihn tust - ist das so? Bitte nimm mir die Frage nicht übel. Ich hatte eine Nachbarin, deren Mann mit 47 von heute auf morgen nach einem Schlaganfall pflegebedürftig wurde. Er war nicht mehr ansprechbar. Ob er sie noch gehört und gespürt hat - wir wissen es nicht. Sie hat ihn fünf Jahre zusammen mit einem Pflegedienst gepflegt, dann starb er. Inzwischen ist sie in einer neuen Beziehung. Ihr neuer Partner hatte seine vorige Frau auch bis zum Tod gepflegt (Lungenkrebs) - beide verbindet diese Erfahrung. Aber beide haben sie sich gefunden, als sie wieder frei und gut beisammen waren - das ist der Unterschied zu deiner Geschichte.

Wenn dein Mann dich noch versteht - weiß er von deiner neuen Beziehung? Du solltest dich für deinen inneren Frieden - um deine eigene Zerrissenheit zu überwinden - fragen, ob du frei bist. Wenn nein, mache dich zuerst selbst frei. Dann erst kannst du auch neue tragfähige Beziehungen eingehen. Du musst zuerst zu deiner Entscheidung stehen, deinen Mann zu verlassen, weil er ein Pflegefall ist. Du musst damit klarkommen, dass du deinem Selbstideal nicht gerecht wirst ("bis dass der Tod.... "). An dieser Stelle vermute ich nämlich deinen Konflikt.

Du hast extrem viel durchgemacht - dir auch im Laufe deiner Geschichte schon viel Hilfe gesucht. Ich bleibe dabei, lass dir auch bei dieser Entscheidung - ob du deinen Freund verlassen sollst, weil er sich nicht von seinem hoffnungslosen Fall löst (wie auch du nicht von deinem) - professionell helfen. Ihr seid alle so sehr mit euren Leidensgeschichten verstrickt, dass es dir nur gut tun kann, dass dir jemand dabei hilft, auf emotional eigene Füße zu kommen (denn die emotionale Abhängigkeit ist es ja, die dich jetzt zweifeln lässt und hin und her reißt).

Ich glaube dir, dass du Depressionen hast. Lass dir helfen.
 
  • #18
Liebe FSin, ich kann Deine Zerrissenheit verstehen, doch diese Affäre als Beziehung zu führen, ist aussichtslos. Ihr werdet beide Eure Geister nicht los. Du müsstest Dich von deinem pflegebedürftigen Mann trennen, wie er von seiner zwangserkrankten Frau, für der er seit Jahren ebenfalls Liebe, Verständnis, Unterstützung und Hilfe aufbringt.
Ihr seid nur im Leid und Pflege miteinander verbunden, weil ihr Eure beider Situationen versteht.
Doch Du hast Dich, wie er auch, auf einen verheirateten Mann eingelassen, und da musst du teilen; und auch mal verzichten können; und einige Wünsche hinten an stellen müssen. Ihr habt beide Partner, welche ebenfalls berechtigte Bedürfnisse an Euch haben und auch das diese erfüllt werden.
Du hast doch bereits die Hälfte seines Lebens und seine Frau die andere Hälte! Jede Frau 50%. Bedenke, sie ist SEINE EHEFRAU, ihr stünden eigentlich 100 % zu.
Warum willst du der kranken Ehefrau den Mann wegnehmen? Er will sich nicht von ihr trennen, aus Verantwortungsgefühl und Liebe zu ihr. Mit deiner egoistischen Forderung ihn für dich allein haben zu wollen, machst du drei Menschen unglücklich. Und was wäre, wenn du ihn dann für dich allein hättest? Er hätte gegenüber seiner Ex-Frau Schuldgefühle, massiv finanziell gerupft und ihr habt beide ein ausgeprägtes Helfersyndrom und bemuttert Euch, wie soll das dann in eurer Beziehung funktionieren? Vor allem gibt es dann nichts mehr zu beklagen oder wird dann über deinen Mann im Pflegeheim gejammert? Irgendwie muss diese Lücke, das gemeinsame Leid, welches euch jetzt verbindet, dann geschlossen werden.
 
  • #19
Mein jetziger Partner und ich brauchen uns wie zwei Ertrinkende, die das rettende Ufer suchen und an drei Tagen in der Woche finden.

Ein Dilemma, Du schreibst es ja selbst. Meine (erhebliche) Erfahrung mit Pflege: Du bist zunächst mal für Dein eigenes Leben verantwortlich. Die folgerichtige Entscheidung hast Du ja mit der Unterbringung Deines Mannes in einem Pflegeheim auch getroffen. Dein neuer Partner ist noch nicht so weit. Das ist das eigentliche Problem. Solange er nicht bereit ist, das Probem mit seiner Frau anzugehen, gibt es für euch kaum eine Zukunft.
Selbstmorddrohungen sind in dem Fall keine gute Methode. Auf die kann man nur reagieren, indem man sie entweder nicht beachtet oder aber konsequenterweise die Einweisung in die geschlossene Psychiatrie veranlasst.
 
  • #20
Selbstmorddrohungen sind in dem Fall keine gute Methode. Auf die kann man nur reagieren, indem man sie entweder nicht beachtet oder aber konsequenterweise die Einweisung in die geschlossene Psychiatrie veranlasst.
Nicht beachten ist nicht so gut. Bitte eine Selbstmorddrohung immer beachten! Man weiß nicht, ob es nicht doch zum Vollzug kommt - damit MUSS man rechnen. Der professionelle Rat, den ich in einer entsprechenden Situation erhielt, lautete so: jede Drohung grundsätzlich ernst nehmen und dann anbieten, in die Klinik zu fahren. Dann kommt womöglich die Reaktion, es sei nicht so schlimm. Dann muss man nachfassen. "Komm, es geht dir schlecht, das hast du gerade gesagt, ich bringe dich jetzt in die Klinik." Wenn dann weiter abgerüstet wird: konsequent ansagen, dass man NIE wieder eine solche Übertreibung hören möchte, wenn es nicht stimmt. Dass man sich nicht mit solchen Methoden erpressen lässt. Dann sollte man darauf bestehen, dass sich derjenige behandeln lässt. Wenn man nach einer entsprechenden Ansage wieder erpresst wird, die Rettungsstelle informieren.

Sollte sich der Suizidgefährdete tatsächlich in die Klinik bringen lassen, dann ist das in dem Moment auch der richtige Ort.

Mir scheint aber, dass sich der Freund von der Ehefrau gar nicht trennen möchte. Ihre Erpressungsversuche können auch ein Vorwand sein, sich nicht trennen zu müssen. Wie @void schon schreibt, die ganze schwierige Geschichte hat - zumindest wie sie hier dargestellt wird - Züge einer ganz klassischen Affärenkonstellation. Wenn der Freund sich wirklich trennen wollte, würde er Wege finden, mit der Erpressungssituation umzugehen. Meine Vermutung ist, er will sich vielleicht trennen - hat aber als Co-Abhängiger nicht die Kraft. Der Fall seiner Frau klingt so extrem, dass er wohl auch extrem coabhängig ist. Genau wie es auch Suchtgrade beim Alkoholiker gibt, ist das für die Beziehungssucht der Co-Abhängigen ähnlich. Weiterhin: sucht euch Hilfe.
 
  • #21
Liebe Santosha,

Mein ganz tiefes Mitgefühl.

Ich weiß nicht, ob für Dich das Forum die richtige Plattform ist.
Diese ganze Geschichte ist sehr kompliziert - die Gefühls- und Zwangslagen, die bei Euch allen gegeben sind.
Ob Außenstehende, die nur rudimentäre Details kennen, wirklich adäquat raten können?

Ich würde Dir empfehlen, Dir professionelle Unterstützung zu holen, für diese spezielle, sehr verstrickte Thematik, und generell für Dich.

Mein Denkanstoß -
Fang bei Dir selbst an, da hast Du am ehesten Handlungs- und Veränderungsmöglichkeiten.

Wie geht es Dir, was fühlst Du, was empfindest Du noch für Deinen Partner, wo sind Deine Grenzen, was möchtest Du für die Zukunft, etc.?
Es ist möglich, wenn Du nicht mehr kannst und willst, die Partnerschaft zu beenden. D.h. nicht, dass Du ihn im Stich lassen sollst, Du kannst weiterhin in dem für Dich gesunden und erträglichen Maß für ihn da sein.
Dann kannst Du Dein künftiges Leben so gestalten, wie es für Dich stimmig ist.
Das ist ein weiter Weg, ein langer Prozess.
Es ist kein Egoismus, es ist niemandem geholfen, wenn Du immer über Deine Grenzen gehst, irgendwann kannst Du nicht mehr.
Vielleicht entwickelst Du andere für Dich gangbare Wege, wie Du die Partnerschaft erhalten kannst - aber es klang danach, dass sie nur aufgrund der Verpflichtung besteht.

Die jetzige Beziehung mit dem anderen Mann, da wirst Du für Dich Deine Grenzen definieren müssen. Einfluss hast Du nur geringen, Du kannst akzeptieren, was er gibt, oder den Schlussstrich ziehen (und den Schmerz aushalten und verarbeiten).

Es ist sein Part, sich um seine Beziehung(en) zu kümmern, sie zu ordnen.
Auch für ihn gäbe es Wege, sich zu trennen. Nur braucht es das Wollen und vor allem den Mut dazu - Angst vor den unkalkulierbaren Konsequenzen einer Entscheidung ist eine fast unüberwindbare Barriere. Auch für ihn wäre dabei die professionelle Unterstützung sinnvoll.

Nur solltet ihr beide unabhängig von einander und einer evtl. gemeinsamen Zukunft diese Fragen angehen, gerade die Trennungsprozesse. Begleiten ja, aber nicht aktiv.
Oder ihr könnt Euch mit dem Status Quo arrangieren, es gibt Euch beiden sehr viel Positives und Schönes. Aber dann genießt es, ohne Träume von einer gemeinsamen Zukunft, ohne schlechtes Gewissen.

Nur, kannst Du es?

Dir alles Gute, ganz viel Kraft und pass gut auf Dich auf.
 
  • #22
Hallo und einen schönen Sonntag für alle, die mir bisher mit gutem Rat zur Seite gestanden haben.
Um einige Fragen aus den letzten Antworten zu klären: Der Mann, mit dem ich verheiratet bin ( er ist bei Bewusstsein mit erheblichen Defiziten, benötigt bei allen Dingen des Lebens Hilfe .Wenn ich, wie üblich bei uns, ca. viermal in der Woche bei ihm bin, erledige ich all diese anfallenden Aufgaben und die Pfleger haben mal eine Auszeit).
Er wird immer in meinem Leben eine ganz wichtige Rolle spielen.
Ich begleite ihn immer und bin für die Ärzte auch die Ansprechpartnerin.
Nicht nur weil ich seine gerichtlich festgesetzte Betreuerin bin, sondern weil es eine Selbstverständlichkeit für mich ist, meinem Mann zur Seite zu stehen.
Mein Mann kann durch die schweren Verletzungen im Gehirn und einer darauf folgenden OP am Gehirn, keine Gefühle mehr zeigen und empfinden.

Ich bekam dann Herzrhythmusstörungen mit Vorhofflimmern.

Mein "Affärenmann", wie er hier im Forum immer wieder genannt wird, war schon Jahre vor mir in der offenen Selbsthilfegruppe für Depressionen, Ängste und Panik wegen seiner eigenen Thematik.

Für ihn war diese Gruppe auch sein einziger Lichtblick in seinem, ebenfalls seit 10 Jahren bestehenden Drama zu Hause. Er ist übrigens genau wie ich auch seit Jahren in einer psychotherapeutischen Gesprächstherapie.

Wie ich dann wegen meiner Einsamkeit diese offene Gruppe besuchte, habe ich freundschaftliche Kontakte zu anderen Menschen bekommen. Das hat mir gut getan.

Zu meinem "Affärenmann" bekam ich erst nach ca. einem halben Jahr einen privaten Kontakt. Er hat mich zwar oft nett angebaggert, aber mein Interesse war gleich Null.
Irgendwann sind wir ins Gespräch gekommen.
Danach haben wir uns häufiger privat getroffen, stellten fest wie gut wir miteinander umgehen können und dass unser Leben wieder Spaß machen kann.
Nie hat einer von uns seinen Ehepartner dabei vergessen. Aber ein wenig egoistisch darf man nach so vielen Jahren auch noch sein.
Immerhin leben wir noch.
Ich habe es nie darauf angelegt, einer kranken Frau, die nicht pflegebedürftig ist, und sich in der Wohnung frei bewegt, den Ehemann wegzunehmen, wie in einer Antwort stand.

Ich möchte gerne, dass mein Leben wieder in geregelten Bahnen läuft, ich mich nicht überfordere, ob mit dem "Affärenmann" oder ohne, weiß ich noch nicht.

Alles andere habe ich euch zum größten Teil in meinen Schreiben schon mitgeteilt.

LG
Santosha
 
  • #23
Liebe Santosha,

ich finde, dass du bereits recht gut sortiert bist. Bin auch sehr froh, dass du noch bzw. schon eine Therapeutin hast! Gibt es dennoch Dinge, die du mit ihr nicht besprechen kannst? Ich frage, weil ich dein Anliegen, ähnlich wie @Lionne69, ganz schön komplex finde für so ein Forum, wo wir zeitversetzt, anonym, laienhaft, auf 2500 Zeichen beschränkt, alle durcheinander schreiben. Was können wir leisten, was die Therapeutin nicht bringt - oder bist du vielleicht noch nicht in den richtigen Händen?

Meine Frage, ob du innerlich frei bist - (natürlich geht das trotz Pflege deines Mannes) - sehe ich noch nicht so richtig beantwortet. Ich frage mich, warum du möchtest, dass dein Freund seine Frau verlässt - aber du nicht gewillt bist, dasselbe zu tun, oder - so wie er - auch zu akzeptieren, dass er auf seine Weise seiner Frau verbunden bleibt.

Ja, egoistisch kann man und muss man sein, wenn du damit meinst, dass man auf seine Grenzen achten muss und seine Ressourcen kennen. Aber worum geht es genau?

Du möchtest deinem Mann verbunden bleiben, deinen Freund aber für dich. Dass er seine Frau verlassen sollte, machst du daran fest, dass seine Frau - im Gegensatz zu deinem Mann - kein Pflegefall ist, sondern psychisch krank - mit Suchtproblem und Zwangsstörungen.

Hmm. Ich kann deine Sicht einerseits verstehen. Die Frau deines Freundes ist für ihre Gesundung selbst verantwortlich. Alkoholiker und auch Zwangsgestörte müssen für sich entscheiden, ob sie der Sucht die Stirn bieten wollen, sonst kommen sie da nicht raus. Dein Freund müsste das "nur" einsehen, dann könnte er sie vielleicht frei geben bzw. sich selbst frei machen und sich "nur" auf eure Beziehung konzentrieren.

Allerdings ist er - und das ist nun mal für die langjährigen Partner von Alkoholikern so - beziehungsmäßig verstrickt.

Wie wäre es denn, wenn er selbst einen Pflegefall zuhause hätte - würdest du die Frau in seinem Leben akzeptieren können? Denn immerhin erwartest ja auch du, dass dein Freund dein Engagement für ihn mitträgt, und das tut er offenbar. Denn auch du liebst doch deinen Mann - denn sonst würdest du dir das mit seiner Pflege nicht seit 2006 aufbürden!

Was genau ist es, das dich zur Ertrinkenden macht? Denn du schreibst auch, dass du in der Zeit, in der du mit ihm zusammen bist, sehr glücklich bist.

Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft fürs Klarwerden. LG, Melusine
 
  • #24
Ich habe es nie darauf angelegt, einer kranken Frau, die nicht pflegebedürftig ist, und sich in der Wohnung frei bewegt, den Ehemann wegzunehmen, wie in einer Antwort stand.
Liebe Santosha, auch wenn es von Dir fett geschrieben, ich mache und sehe keinen Unterschied zwischen einer einschränkenden Angsterkrankung und Pflegebedürtigkeit. Die Frau kann sich eben NUR in ihren 4 Wänden frei bewegen und schnell mal eben jemanden Neuen auf der Straße kennenlernen. Sie kann nicht einkaufen, zum Arzt oder Apotheke, nicht zum Psychiater, Arbeit, Behörde, nicht zur Selbsthilfegruppe. Wer weiß, ob sie noch Freunde hat? Wie soll sie andere Menschen kennenlernen, was ihnen erzählen ohne Erlebnisse, außer ihren Alltag daheim? Wie soll sie gar einen anderen Mann kennenlernen?

Ich glaube, man kann nicht aufwiegen, ich habe es schlechter, weil dein Mann Pflege bedarf. Dich unterstützt das Pflegepersonal im Pflegeheim.
Um Aufrechnen geht es mir nicht, eher um das Aufzeigen, warum dein Freund sich nicht einfach mal schnell von seiner Frau trennen kann. Er ist das Fenster, der Kontakt und Sprachrohr für sie mit der Außenwelt und er weiß das. Weil sie niemanden außer ihren Ehemann hat, wird sie sich dann umbringen, wenn er geht, weil ihr Lebensinn, Lebensinhalt und ihre einzige Bezugsperson wegfällt. Damit leben zu müssen, schwer.

Ich glaube, Du möchtest wieder ein Stück Glück in deinem Leben, nach der jahrelangen aufopferungsvollen Pflege und Sorge deines Mannes, dem Verzicht auf Partnerschaft. Sechs Jahre hättest Du eine glückliche Beziehung und im zeitlichem Vergleich seit 10 Jahren nur Verantwortung und Pflege, aber keine Beziehung mit deinem Mann mehr (Humor, Kuscheln, Sex, Ausflüge meine ich damit). Dieser Zustand wird wohl noch einige Jahre so weitergehen bis dein Mann irgendwann stirbt. Irgendwie dankt es dir auch keiner und sieht wie umfassend du dich um ihn kümmerst.

Meine Frage an Dich nochmal, warum willst Du nicht teilen? Warum zerreißt es Dich so sehr? Warum muss es ganz und gar sein? Er hat doch gar keinen Sex mit seiner Frau, also läuft es exklusiv mit Dir.

Ich bin dafür, dass Du sie einmal kennenlernst und ihr eine Beziehung zu Dritt führt. Ihn gibt es nur, mit seiner Frau im Gepäck, so wie es Dich nur mit deinem pflegebedürftigen Mann gibt. Jeder neue Partner hat das zu tolerieren und akzeptieren, wenn er sich auf eine Beziehung zu Euch oder gesamt einlässt.
 
  • #25
Ihr Lieben, die ihr mir immer wieder schreibt,
ich bin auch der Meinung, das dieses Forum nicht dazu geeignet ist, meine Lebensgeschichte aufzuarbeiten.
Das war so auch nicht geplant.
Mir ging es bei meiner ersten Frage um die jetzige Zeit mit meinem "Affärenmann" bei der ich mir sehr unsicher bin.

Nicht ich möchte ihn für mich alleine, sondern er kam bereits nach einigen Monaten des Kennenlernens zu mir und wollte mit mir Wohnungen ansehen, weil er angeblich nicht ohne mich leben kann, aber auch nicht alleine sein kann. Es gab bei ihm Zu Hause täglich Streitigkeiten oder eisiges Schweigen. Er war immer sehr traurig.
Seine Frau würde schon Hilfe von außen annehmen, wenn es sein müsste und er auszieht. Außerdem wollte er weiter für sie einkaufen und auch mal für sie da sein.
Ich fand das alles nicht so prickelnd.

Von Abschieden war überhaupt nicht die Rede, weil sie sich das gar nicht nicht gefallen lassen würde. Sie ist ihm weitaus überlegen und hat das Sagen in der Ehe.

Mir wäre natürlich, wenn überhaupt, eine Beziehung in getrennten Wohnungen viel lieber gewesen, als ein unüberschaubares Zusammenleben ohne vorherige Probezeit, die in unserem Fall ja gar nicht möglich ist.
Außerdem habe ich mich selber gerade räumlich verändert, bewohne eine kleine Apartmentwohnung, fühle mich hier ausgesprochen wohl und möchte diese Wohnung nicht aufgeben.

Ich habe meine Angelegenheiten, so gut es ging geregelt. Wenn ich jetzt nochmal mit einem Mann leben wollte, dann müsste er vorher genau wissen was er wirklich will. Und das ist hier nicht der Fall.
Die Frage von Melusine nach meiner Therapeutin kann ich nur so beantworten, dass ich sie neun Jahre kenne und sie ganz wundervoll finde, sie auch meine Yogalehrerin ist und meine Vertrauensperson mit der ich alles besprechen kann.
Damals, als ich ihr erzählte, dass ich mich etwas verliebt habe, hat sie sich unsagbar gefreut, weil wir beide nie daran geglaubt haben, dass ich nochmals Gefühle für jemand anderen als meinen Mann aufbringen würde.
Deshalb ist sie umso enttäuschter, dass ich an jemanden geraten bin, der noch sehr viele Altlasten mit sich trägt und Veränderungen im Leben schwer zulassen kann.

LG
Santosha
 
  • #26
Hm. Ich komme nicht mehr mit. Er will mit dir zusammen ziehen, aber trennen will er sich nicht von der Frau, die im Alltag auf ihn angewiesen ist? Wie geht das?

Sie würde sich schon behandeln lassen, wenn er sie verließe bzw. auszöge? Ja, warum macht er es dann nicht, denn damit wäre doch ihr UND ihm geholfen?

Re Möglichkeiten, das Forum zu nutzen: Unklarheiten in wichtigen Lebensdingen berühren ja die Lebensgeschichte - deswegen kommt es ganz unweigerlich zur Aufarbeitung, wenn man innere Zerrissenheit dauerhaft überwinden möchte. Je gravierender das Problem, desto ungeeigneter ein Laienforum.

Ich kann mich deiner Therapeutin nur anschließen. Es ist traurig und schade, dass du dir dein Glück bei jemandem suchen musst, der sich nicht für sein Glück und dich entscheiden kann. Die Beziehung zu seiner Frau ist allein seine Sache zu regeln, und wie du sagst, möchte er ja sogar eine gemeinsame Wohnung mit DIR. Dann muss er ja wohl auch in einer getrennten Wohnung mit dir klar kommen können. Wenn er das nicht kann, dann ist er wirklich nicht der richtige für dich.

Du kannst es positiv sehen: die Zeit mit ihm hat dir gezeigt, dass du wieder zu lieben imstande bist.

Dass dich diese Beziehung aber nicht glücklich macht, ist auch Fakt. Es gibt nur zwei Wege zum Glück. Beziehung verbessern oder gehen. Verbessern heißt für dich, dass er die Frau verlässt und auf eigenen Füßen stehen kann. Ich finde, dass das kein übertriebenes Bedürfnis ist, ganz besonders wenn es stimmt, dass die Frau sich in Behandlung begibt wenn er es ihr durch seinen Rückzug ermöglicht.

Ich würde ihm das so sagen. Ich würde ihm noch etwas Zeit einräumen, es sich zu überlegen, aber ihm auch sagen, dass ich nicht ewig auf seine Entscheidung warten werde. Wenn er sich nicht entscheidet, und davon ist auszugehen, würde ich mich trennen. Ich würde fürchterlich leiden, aber ich wüsste, ich käme darüber weg. Dann würde ich mich neu aufstellen und schauen, was das Leben bringt. Vielleicht eine neue Liebe, die mir rundherum gut gefällt und an der ich nicht leide.

Weiterhin alles Gute.

P. S. Yogalehrerin UND Therapeutin? Finde ich schräg, aber du musst dich ja gut fühlen. Ich frage mich nur, warum das Forum wichtig ist für dich, wenn du sie hast.
 
  • #27
Sie ist ihm weitaus überlegen und hat das Sagen in der Ehe.
Ich denke, dass er in Dir eine andere Frau sucht, die stark genug ist, um ihn zu befreien, deswegen macht er die Frau vor Dir schlecht, oder aber er will nicht befreit werden, aber hat was davon, in euren Stunden mal seine verträumte Seite zu zeigen und alles ist nur angenehm, während er mit ihr halt den harten Alltag hat.
Träumen kost' ja nix. Anscheinend ist ja auch er krank, während Du Dich ganz gut berappelt hast.

Was ich auch denke, was aber für Dich sicher nutzlos ist, ist, dass die beiden sich gegenseitig in der Starre halten. Sie hat die Angsterkrankung, er bleibt deswegen. Würde sie sich Hilfe holen, ginge er vielleicht, denkt sie. Das gibt manchmal so ein Wechselspiel, wenn eine Krankheit die Grundlage ist oder wenigstens zu sein scheint für eine Beziehung. Ist das weg - was ist dann mit der Beziehung?

Das passt alles nicht so wirklich zusammen. Bleibt er nun freiwillig, weil er sie liebt, oder muss er bleiben, weil sie so böse und er so schwach ist? Der Mann redet eine Menge.
 
  • #28
Habe ich es nicht richtig verstanden, er war schon eine lange Zeit vor Dir in der Selbsthilfegruppe ?

Ich vermute, dass er bereits seit Jahren in diesem Dilemma lebt.
Er liebt auch seit Jahren diese Frau in diesem Zustand.

Anders als bei Dir! Du hast den Mann den Du liebtest an eine Krankheit verloren, und ehrst noch seine menschliche Hülle.

Bei Dir ist etwas gegangen und bei deinem Freund ist etwas hinzugekommen!

Er wäre schon lange Zuhause weg, wenn er es nicht als Verlust sehen würde.
Jetzt hat er Dich und sie!
 
  • #29
Hallo an alle,
ich habe gestern in meiner Angelegenheit mit meinem "Affärenmann" die Konsequenzen gezogen und eine längere Auszeit für mich eingefordert.
Ich bin traurig und fühle mich elend und völlig alleine. Habe Angst, dass meine körperlichen Beschwerden (Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern), die ich vor unserer Beziehung hatte, wieder auftreten. Durch unsere intensive Nähe und Wärme zu ihm hatte ich diesbezüglich keine Probleme mehr. Selbst meine Kardiologin war überrascht und es war für sie unerklärlich.
Er war am Anfang unseres Kennenlernens ein sehr cholerischer Mensch, zwischenzeitlich ist das aufbrausende Verhalten in meiner Gegenwart nicht mehr vorgekommen.
Nur in den letzten Tagen sind seine alten, teilweise sehr kränkenden Bemerkungen und Gewohnheiten wieder aufgetreten, weil ich ihn immer wieder gelöchert habe mit Fragen über unser Leben, vielleicht auch durch die Antworten im Forum, die mich noch nachdenklicher gemacht haben.
Ich weiß, dass er selber sehr unzufrieden ist mit sich selber, weil er eben so entscheidungsunfähig ist und nichts auf die Reihe kriegt.
Wenn ich in den letzten Tagen versucht habe, ganz in Ruhe mit ihm zu reden, dann gab es ständig Streit und ich dachte, der versteht gar nicht, was ich meine. Respektiert keine andere Meinung, kann nicht konstruktiv diskutieren. Schreit mich an.
Er sagte, dass er sich momentan von seiner Frau nie trennen wird, dass er sich wunderbar und stundenlang über alles mit ihr unterhalten kann, das sie klug ist usw.
Er hat sich sehr in mich verliebt, will nicht ohne mich sein, obwohl er anfangs eigentlich nur eine Geliebte suchte. Seine Frau toleriert eine gelegentliche Äffäre, aber keine Frau, die ihr Mann liebt.
Deshalb ist die Sache jetzt auch so schwer für ihn. Meine Gefühle dabei und auch die der Ehefrau sind irgendwie Nebensache. Sein Wohlergehen steht im Mittelpunkt.
Natürlich weiß er, wenn ich mich nicht wieder breitschlagen lasse, dass sein Leben auch kein Highlight mehr hat. Bei mir ist es aber genauso, das weiß ich.

Ich habe ihm jedenfalls gesagt, dass, wenn man eine neue Partnerschaft eingehen möchte, wie er sooft gesagt hat, frei sein muss dafür und das sind wir beide nicht.
Er meint, durch unsere Affäre, könnten wir beide ein wesentlich angenehmeres Leben führen und ich sollte mir das nochmal überlegen.

Was sagt ihr dazu?

LG
Santosha
 
  • #30
Das ist die typische Argumentation von Affärenmännern, man könne doch das schöne genießen. Immerhin weist du jetzt Bescheid, er will sich nicht trennen und du bist sein Highlight.
Versuche dir andere Highlights zu schaffen. Und, was dein Herz angeht, was bist dir selbst wert?
 
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