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  • #1

Meine Freundin wurde in ihrer Kindheit sexuell mißbraucht. Ich weiß nicht mehr weiter.

Ich habe vor 1 Jahr meine Freundin kennengelernt. Sie ist 41, ich 42. Sie erzählte mir nach zwei Monaten, dass sie noch nie Sex gehabt hätte. Gleichzeitig will sie immer kuscheln (ohne Sex) und ist sehr liebesbedürftig. Ebenso ist sie überraschend aggressiv und streitet. Ich fand heraus, dass irgendwas mit ihr nicht stimmte, und fragte sie vorsichtig, ob sie in ihrer Kindheit mißbraucht wurde, Sie wollte dazu nichts sagen, bejahte dies aber indirekt. Sie ist mir ggü.immer wieder verbal aggressiv, beleidigt mich. Sie kann nicht mit Menschen umgehen, hatte immer nur kurze Zeit einen Job. Sie lebt noch bei ihrer Mutter im Haus, die sie nicht eigenständig werden lässt. Ich habe wegen der Streitigkeiten nicht die Kraft bei mir aufzunehmen, obwohl sie gerne zu mir ziehen würde. Sie möchte keine Therapie. - soll ich mit ihr mein ganzes Leben leiden, weil ihr Leid angetan wurde, was kann ich tun ?
 
  • #2
Hattet Ihr denn jetzt schon Sex oder nicht? Ihr seid schon ein Jahr zusammen!

In welcher Hinsicht harmoniert Ihr, passt Ihr zusammen?

Nach dem wenigen, was Du erzählt hast, scheint mir das ganze eine aussichtlose Angelegenheit zu sein. Das ist Leid und Kummer und wenig Freude und nicht absehbare Zeit. Tue Dir das nicht an, auch Du hast ein erfülltes Leben verdient. Schon so scheinst Du ein Jahr verplempert zu haben.
 
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  • #3
Lieber FS,

deine Freundin braucht unbedingt professionelle Hilfe. Die kannst du ihr nicht geben, gleichgültig, wie tief deine Gefühle für sie sind. Wenn sie keine Therapie machen will, dann kannst du das nicht ausgleichen. Das einzige, was du für sie tun kannst, ist auch von dir aus noch mal mit Beratungssstellen zu sprechen, um zu sehen, welche Tipps du ihr geben kannst. Aber, so hart es klingt: geh in die Distanz zu ihr. Denn sie lädt sonst ihre Probleme auf dich ab, statt sie anzupacken. Und du kannst ihr erstens nicht helfen auf diese Weise und gehst zweitens selber dabei kaputt.
 
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  • #4
[Mod. = unsachliche Bemerkung gelöscht!]

Ihre Mutter weiß wohl was war, sie beschützt sie.

Sie sagt Dir, das da was ist - sie traut Dir also zu, daß Du sie verstehst, daß Du auf sie Rücksicht nimmst und mit ihr das Problem löst. Das ist der erste Schritt.

Aber ich denke, Du weißt, daß Sie in manchen Dingen kein Selbstbewußtsein hat, daß sie auf dem Zahnfleisch daherkommt, daß sie nicht aus eigener Erfahrung sagen kann, daß Sex schön war, daß sie ein Problem mit Heiß und Kalt hat, daß sie ein Problem mit Nähe hat und so weiter.

Den Blick hinter die Fassade konntest werfen, und was, wenn sie sich schämt für das was war, die Schuld für das was war bei sich sieht, traurig ist, daß sie nicht einfach mit Dir eben Sex haben kann wie sie das vielleicht bei Bekannten oder im Fernsehen mit ons erlebt. Wenn ihr das Selbstbewußtsein fehlt und wenn ihr andere zu nahe kommen, dann ist klar, daß sie sich bedroht fühlt und aggressiv reagiert.

Deswegen mach ihr klar, daß sie akzeptiert wird und Deine Freundin ist mit allem was dazu gehört, die Vergangenheit ist nunmal so, aber was zählt, ist die Zukunft. Bangemachen vor dem Problem gilt nicht, sie muß dir sagen können, was sie erreichen will und wo sie hinwill und Dir kommunizieren, was Du tun kannst.

Aber sie muß doch selbst, unabhängig von Dir, irgendwo hin wollen im Leben. Wenn sie nur einen Ernährer sucht, keine eigene Entwicklung hinter sich hat und nie für sich allein gelebt hat, wirds schwer für sie, denn sie muß ja auch und wenn sie mit Dir zusammen leben sollte, einen eigenen Standpunkt definieren und den ggf. auch gegen Dich vertreten, und je nach Deiner Art braucht es mehr oder weniger Selbstbewußtsein dazu. Kann sie das ? Will sie das ? Und was wenn Frau Mama tot sein sollte ? Kann sie dann allein leben ?

Und wenn die Belastung aus dem letzten Absatz zu groß sein sollte, dann ist es allein deswegen besser, wenn Ihr Euch jetzt trennt. Aber das hilft ihr ja nicht. Sie sucht doch jemand, der sie aus dem selbst gemachten Gefängnis rausbringt - doch dazu muß sie substantiell raus wollen.
 
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  • #5
Nein, wir hatten noch keinen Sex, Sex ist für meine Freundin "ekelhaft"- wg. der Erlebnisse in ihrer Jugend/Kindheit. Vielen Dank #2, ich werde mich näher um eine Beratung und Information hierüber bemühen. Ich fürchte, die Erfahrung wird ihr Leben für immer zerstört haben, nicht nur, wg. der niemals positiven Erfahrung intimer körperlicher Zuneigung (das ist ein Teilbereich des Lebens- mehr nicht), auch die Arbeitsplatzprobleme, damit verbunden finanzielle Probleme. Für einen Kurierdienst buckelt sie für wenige Euro manchmal 10 h am Tag- sie will auch arbeiten, aber in ihrem Beruf als Verkäuferin hat sie schon zu viele zu kurze Arbeitszeiten hinter sich....
Sie reitet seit ihrer Kindheit in Form von Reitbeteiligungen- das ist das einzige, was ihr Kraft gibt, der Umgang mit den "Tieren".

Ich habe ihr schon zweimal deutlich gesagt, dass mich ihre Attacken belasten, sie fing dann an am ganzen Körper zu zittern, aus Angst mich zu verlieren, meine Güte, mir kommen die Tränen, wenn ich daran denke...ich habe Angst, dass sie sich das Leben nimmt, wenn ich mich von ihr trenne, möchte sie auch nicht hängen lassen, weil ich irgendwie nicht damit leben kann, einen Menschen mit so einem Schicksal sich selbst zu überlassen...
 
  • #6
Lieber FS,

es ist und bleibt ein Drama. Diese Menschen haben keine Vorstellung, was sie anderen mit Mußbrauch antun.

Es ist einfach nur traurig! Aber du wirst ihr nicht helfen können, so lange sie nicht einsieht, dass sie endlich professionelle Hilfe braucht. Ihr Verhalten ist typisch für Mißbrauchsopfer. Sie suchen Nähe, Liebe und Zuneigung - der körperliche Kontakt aber, oder auch nur die Möglichkeit, versetzt sie in Panik.

Es ist schwierig, wenn die Therapie erst nach so langer Zeit erfolgt. Es wird lange dauern, aber es kann ihr geholfen werden. Allerdings ist es nicht wahrscheinlich, dass sie es jemals 100 %ig verarbeiten wird. Aber sie kann lernen, damit umzugehen.

Es ist deine Entscheidung, ob du dies mit ihr gemeinsam durchstehen willst/kannst. Wenn du dir nicht sicher bist, dann trenne dich lieber von ihr. Halbe Sachen werden nur noch mehr Schaden anrichten. Das kannst du ihr nicht antun.

Ich weiß übrigens sehr genau, wovon ich hier schreibe, denn ich bin auch ein Opfer. Mehr dazu zu schreiben, geht auch heute noch über meine Kraft, obwohl schon mehr als 50 Jahre vergangen sind.

Versuche - wenn du kannst - ihr zu helfen, sich helfen zu lassen. Mehr kannst du m.E. nicht tun.

Alles Gute für euch beide!
 
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  • #7
[Mod. = unsachliche Bemerkung gelöscht.]

Lieber FS,
wenn jemand einmal sexuell mißbraucht wurde, ist es nie leicht. Weder für die Person selbst, noch für die Personen aus dem sozialen Umfeld.
Es scheint mir so, als fehle deiner Freundin so etwas wie Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein und auch das Vertrauen in andere Menschen komplett. Da jemanden das "Richtige" zu raten, ist sowieso schwer.
Mir stellt sich hier als allererstes die Frage, ob der Täter jemals verurteilt oder strafrechtlich verfolgt worden ist? Nach all den Jahren ist es mit Sicherheit auch nicht einfach, so ein Verfahren nachzuholen. Und es stellt sich die Frage, ob das deine Freundin überhaupt will. Aber es könnte ihr bedingt weiterhelfen, mit ihrer Vergangenheit besser klar zu kommen.

Des Weiteren sagst du, dass sie selbst eine Therapie ablehnt.
Aber wie wäre es, wenn sie davon nicht unbedingt etwas mitbekommt, das sie gerade therapiert wird?! Der Umgang mit Tieren kann zum Beispiel auch sehr hilfreich sein. Gibt es denn Tiere, die deine Freundin besonders mag? Ich denke dies bezüglich an eine Pferdetherapie, Schwimmen mit Delphinen oder Hunde, die können einem Menschen sehr helfen, wenn die Seele weint.
Denn es scheint mir so, als würde deine Freundin mehr oder weniger gefangen sein, in dem was sie erlebt hat. Ist klar, so etwas kann man nicht vergessen. Aber man kann daran arbeiten, dass man mit dem Erlebten besser umgehen kann. Auch wenn der Weg ziemlich steinig und lang wird.
Eine andere Möglichkeit wäre auch, dass du selber einmal bei einem Therapeuten nachfragst, welche Möglichkeiten es denn gibt. Oder erkundige dich beim Frauen- und Mädchennotruf.
Hast du einen Therapeuten oder Psychologen in deinem Freundeskreis? Sonst könntest du
den darum bitten, sich mit deiner Freundin einmal zu unterhalten. Du könntest ihn ihr aber auch eher als deinen Freund vorstellen, dann könnte sie vielleicht in aller Ruhe Vertrauen zu ihm aufbauen. Dabei sollte allerdings nicht verheimlicht werden, dass er Therapeut ist, sonst fühlt sie sich übergangen. Auf einer freundschaftlichen Basis sind solche Gespräche sicherlich leichter, vor allem wenn es ganz langsam angegangen wird, als wenn man das Erlebte direkt einem wildfremden Menschen erzählen darf/muss.

Für den Fall, dass ihr trotzdem einen Weg zu einer Therapie findet, lass ihr Zeit, denn die wird sie brauchen, um das Ganze verarbeiten zu können.

Mit Sicherheit verlangt von dir keiner, dass du dein Leben lang mitleidest. Du selbst kannst nichts für ihre Vergangenheit. Aber du könntest ihr dabei helfen, mit der Vergangenheit besser klar zu kommen. So, dass es für euch beide in Zukunft ein besseres gemeinsames Leben gibt.
Letztendlich musst du selber entscheiden, ob du die Kraft dafür aufbringen kannst und ob du deine Freundin genügend liebst. Aber wieso wärst du sonst schon ein Jahr mit ihr zusammen?


Viel Glück!
 
  • #8
ohne proffizionelle Hilfe hat deine Freundin keiner Chance auf eine normale Beziehung. Wenn du bereit bist auf eine Beziehung in der auch du deine Bedürfnisse erfüllt bekommst, bereit bist zu ver verzichten, dann bleib bei ihr. Aber da sie sich ihren Problemen nicht stellt und keine Hilfe in ANspruch nimmt, ist das Drama vorprogramiert. Sie kann dir nie eine normale Partnerin sein. Und ob du sexfrei leben willst, dass solltest du gut überlegen. Ohne Therapie würde ich niemals eine Beziehung mit so jemanden beginnen oder weiter führen
 
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  • #9
Du kannst Deiner Freundin nur helfen, in dem Du zwar Verständnis zeigst, aber NICHT mit ihr leidest - denn damit kannst Du nicht helfen.

Du mußt, auch wenn dies hart klingt, Dich weigern, mit ihr zu leiden. Gib ihr zu verstehen, dass Du zu ihr stehst (sofern dies wirklich Deine innere Einstellung ist!), dass Du sie begleitest, WENN SIE IN THERAPIE geht - nur dann!

Alles andere, lieber Fragesteller wäre der blanke Masochismus! Wenn sie sich weigert, solltest Du um Deinetwillen ganz schnell 'Tschüss' sagen.
 
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  • #10
Liebe Angeline,
vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Meine Freundin ist unendlich liebesbedürftig, sie fragt oft, ob ich sie nicht noch mal in den Arm nehmen kann und möchte dann nie wieder losgelassen werden. Oft kommen wir gut miteinander klar, wenn wir etwas unternehmen-gemeinsame Ausflüge sind oft klasse, sie ist manchmal netter und lieber als viele Menschen die ich kennengelernt habe- im Harz habe ich einen Tag auf meinem Snowboard einen Neustart probiert und sie ist etliche Stunden mit mir den berg rauf und wieder runter und ist neben mir gelaufen, um mich vorm Stürzen zu stützen. Ich kenne niemanden, der so eine uneigennützige Geduld hat.
Sie liebt mich auch sehr, dass hat sie mir oft unter Tränen gesagt, leider gibt es aber auch die andere dunkle Seite, dann ist wieder alles unglaublich schwierig.

Ich hoffe, dass sie irgendwann tatsächlich lernt, die Vergangenheit irgendwo abzuschließen.
Wenn ich den Täter kriegen könnte, meine Freundin kennt ihn, weiß aber nicht, ob er noch lebt, ich glaube den würde ich mir vorknöpfen, zerlegen und bei Nacht und Nebel im Moor versenken.
Wenn es aber auch nach 50 Jahren nicht einfach ist, ist es unfassbar schlimm.
Ich wünsche dir Angeline alles Gute !
 
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  • #11
#6: Die Strafrechtliche Verfolgung habe ich ihr auch schon mal vorgeschlagen, die Täter dürfen nicht ungeschoren davon kommen. Sie reitet, dass schrieb ich schon.

Wenn ihre Mutter stirbt, die den Täter ebenfalls kennt, sie hat aber nicht gesagt, ob die Mutter von den Vorkommnissen weiss, dann wird es für sie schwierig...das Haus, Erbschaftssteuer u.ä., möglicherweise Absturz in lebenslange Armut.

Ich muß jetzt weg, bin aber für jeden weiteren Kommentar dankbar, lese es mir später durch.
 
  • #12
@ #9:

Es ist OK, mir geht es gut! Das mit den 50 Jahren habe ich nur erwähnt, damit nicht Betroffene begreifen, wie einschneidend solche Erlebnisse für Opfer sind.

Ich bin therapiert. Habe mich auch selbst durch Bibliotheken gearbeitet und alles gemacht, was man selbst tun kann. Allerdings muss man auch bereit sein und aus diesem Dilemma heraus 'wollen'.

Man kann es niemals ganz vergessen, aber man kann lernen, ein normales Leben zu führen (was immer das sein mag) - aber es bleibt die Hemmschwelle, darüber zu reden. Das geht (bei mir jedenfalls) nur mit Menschen, denen man 100 %ig vertrauen kann.

Du hast eine schwierige Entscheidung zu treffen. Aber deine Freundin auch!
 
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  • #13
Die anderen Antworten habe ich noch nicht gelesen. Meine Meinung:
# Sollte Sie gesprächsbereit sein und Ihre Situation zusammen mit Dir offen analysieren.
# Bereit sein "Streitigkeiten" in eine sachliche Diskussion umzuwandeln.
# In allen Dingen zuverlässig und vertrauenswürdig zu handeln.
# Und dann eine Therapie zu machen, dann könntet Ihr meiner Meinung nach zusammen leben.
Es wird allerdings von beiden starke Nerven und Disziplin erfordern. Ich glaube es lohnt sich.-
M 53J
 
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  • #14
Hallo lieber FS.

Ich hatte selbst (bin w) einmal eine Beziehung zu einer sexuell missbrauchten Frau. Und... ich bin mitgegangen, den Weg durch die Therapie. Wir waren 5 Jahre zusammen, und sie hat währenddessen irgendwann mit der Therapie (die in dem Sinn noch nicht abgeschlossen ist) angefangen.
Aber - Therapie ist eben nötig.
Und Therapie ist, ich finde kein anderes Wort - "krass". Ich hatte permanent das Gefühl, in einen Strudel hineingerissen zu werden, hin und hergeworfen zu werden. Ich hatte das Gefühl, zu Täter und Opfer gemacht zu werden, ich konnte meine eigenen Bedürfnisse (nicht im sexuellen Bereich, darum geht es mir nicht) nicht mehr ausleben, weil alles auf sie gerichtet war.

Ich würde es wieder tun.
Weil ich sie geliebt habe. Die Beziehung ging in die Brüche - warum, ist hier nicht von Belang. Jedenfalls sind wir noch heute eng befreundet.
Es ist keine "vergeudete Zeit". Schon allein deshalb, weil ich sie geliebt habe und für sie da sein konnte war es keine vergeudete Zeit. Aber auch ich bin gereift. Ich habe gelernt, meine Grenzen zu setzen und zu definieren, ich war selbst in Beratungen und habe gelernt, was ich akzeptieren darf, wie ich mit mir und anderen umgehen darf aber auch muss.

Ich möchte dir gern ein Buch empfehlen, es heißt "Verbündete" und ist von Laura Davis, falls du dich entschließen solltest, es mitzutragen - mir hat es sehr geholfen, denn dort schreiben auch Leute, die Ahnung haben von dem, was sie sagen. Für später (!!!) würde ich ihr das Buch "ausatmen" empfehlen, das geht um sexuelle Selbstbestimmung und Empfindungen und ist für Frauen, die sexuelle Gewalt erlebt haben.
Aber darum geht es ja jetzt noch gar nicht.

Deine Freundin braucht Hilfe. Therapeutische Hilfe. Die muss sie wollen. Du bist nicht ihr Seelenretter und nicht ihr Therapeut.
Und du musst verstehen lernen, wie die Aufarbeitung von Missbrauchserfahrungen vonstatten gehen kann, und dass der Satz "Opfer haben lebenslänglich" keine Platitüde ist. Verstehen - nicht nur mit dem Verstand, sondern mit dem Sein.

Ich weiß auch, dass man manchmal sauer wird.
Weil nichts zurück kommt, weil sich der andere Part dann aber wieder an einen klammert, als wäre man der einzige Halt. Weil man nichts tun kann, wenn der andere dissoziiert und/oder sich selbst verletzt.
Ich hatte Phasen, da war ich wütend - auch so wütend auf die Vergangenheit, die Täter, und zugleich wusste ich, dass ein Strafverfahren vor allem zu dem Zeitpunkt NICHTS gebracht hätte.

Ich höre wegen der Zeichenbegrenzung jetzt auf zu schreiben, aber ich wünsche euch beiden alles Gute und viel Stärke.
 
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  • #15
erst als mein Mann mich verlassen wollte, habe ich einer Therapie zugestimmt. Ein normales Leben werde ich trotzdem niemals führen können. Mit Sex ist es bei mir genau das Gegenteil. Vor und nach meiner Ehe lebe ich bevorzugt Affären - mein Körper ist mir einfach nichts wert. Sex ist für mich eher wie ein Ventil, aber bitte ohne Nähe und Gefühl. Das ganze geht auch oft in eine narzisstische Persönlichkeitsstörung über. Mir bestens bekannt. Beruflich bin ich jedoch top und im Alltag lebensfähig. Gespräche mit Männer verlaufen eher provokant und ich merke, dass ich oft auf "Kampf" aus bin. Eine echte Heilung ist nicht möglich. Und ich kann Deine Angst verstehen, mein Mann ist mit mir damals durch samtliche Höllen gegangen.
Alleine schaffst Du das nicht aber Du kannst Dir fachliche Hilfe suchen und Dich beraten lassen. Oft sind es Kleinigkeiten die einem triggern - ein Geruch, ein TV-Bild, eine Satzstellung und man fühlt sich wie damals ohnmächtig, hilflos, und am schlimmsten ist die Scham - man kann in diesen Momenten nur Streiten, um sich schlagen und hoffen, dass der Schmerz aufhört. Schön das es so Menschen wie dich gibt, ein kleines Pflaster für so eine große Wunde. Mein Täter war aus der Familie, es dauerte ganze 3 Jahre und ich war gerade 12 geworden.

W41
 
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  • #16
Vielen Dank an # 12, # 13, #14. Insbesondere ist es gut zu lesen, dass hier schon jemand (# 13, danke für die Buchtipps) diesen Weg der "Begleitung" mitgegangen ist- und zwar über einen langen Weg und dies wohl um der Verbindung zu diesem Menschen willen, wieder tun würde.
Da mir meine Freundin oft - insbesondere morgens nach dem Aufwachen sagt, dass sie Angst hat- und auf Nachfrage wovor stets-vor allem- antwortet, gehe ich nach dem von der extremen Nachwirkung hier gesagten davon aus, dass wohl das Gefühl extremer Ohnmacht seit Jahrzehnten nachwirkt. Ich versuche immer zu erklären, dass sie keine Angst zu haben braucht- aber logisch kommt man da wohl nicht weiter.
Meine Freundin muss sich auch permanent beschäftigen (oder ablenken), sie kann nur schlecht mit sich alleine sein- das wird wohl auch die Flucht vor dem sonst durchbrechenden Gefühl der "Ohnmacht/Angst" sein.
Was ich nicht verstehen kann, ist, wieso sie mir das nicht klar sagt. Immerhin, wenn sie viele Tage mit mir zusammen ist (eine Woche bei mir, Urlaub, etc), wird sie wesentlich ruhiger und gelassener- im Griechenlandurlaub war sie 2 Wochen völlig entspannt, froh und unternehmenslustig.

Das Schwierigste wird wohl sein, sie für eine Therapie zu öffnen. Die Frau meines besten Kumpels (kenn´ich 30 Jahre) ist klinische Psychologin- die wohnen aber 500km entfernt- m.E. kann die aber nicht sonderlich gut mit Menschen umgehen (Sozialkompetenz, Emphatie ?)- wirkt akademisch abgehoben und hat vielleicht eher Probleme mit sich selbst- mein Kumpel weiss um das Schicksal meiner Freundin- seine Frau vermutlich nun auch, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Freundin und dessen Frau sich überhaupt etwas zu sagen hätten...
 
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  • #17
Habe mir gerade das Buch "Verbündete" von Laura Davis (gibts z.Z. nur gebraucht) bei amazaon bestellt (35€), Danke für den Tipp.
 
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  • #18
FS ich bins nochmal die #14
ja Deine Vermutung ist richtig. War auch immer dauer beschäftig. Selbst bei 5 min warten, habe ich mein Buch zum lesen rausgeholt. Das brauche ich jetzt nicht mehr. Sie kann es Dir nicht sagen. Sie fühlt es nicht bzw sie weiß nicht ob das Gefühl, welches sie gerade hat richtig ist, gut ist. Mein Mann war für mich wie ein Spiegel, oder besser gesagt ich habe durch Ihn gelebt. War er entspannt war ich es auch.
Die Frau Deines Freundes - da würden bei mir alle Alarmglocken leuten. Ich wollte damals nur die Hilfe von meinen Mann. Heute weiß ich, dass ich niemals das Recht hatte mein Leben ihm zu verantworten. ALs er wollte das ich in Therapie gehen, hatte ich das Gefühl, dass er mich abschieben wollte. Mit Logik kommst Du da null weiter.
Unternehme Du was für Dich und vielleicht kannst Du Sie dann um Hilfe bitten, das Sie dort mal mitgeht, damit Du ihr weiter besser helfen kannst. Und bitte ganz ganz langsam. Wenn Du das nicht kannst dann gehe. Sie hat bis jetzt 41 Jahre überlebt, und davon einen großen Teil ohne Dich. Du hast absolut keine Verantwortung was ihr passiert ist und wie sie weiter leben wird.

W41
 
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  • #19
Auch wenn ich mit diesen Problemen und auch Therapie keinerlei Erfahrung oder Bezug habe, möchte ich einfach sagen, wie sehr ich Deinen Mut und Deine Energie bewundere, Deine bzw. Eure Situation anzugehen und eben nicht einfach aufzugeben.

Ob ich weiterhelfen kann, weiß ich natürlich nicht, habe aber ein paar Gedanken:
ich könnte mir vorstellen, daß sie vor einer Therapie extreme Angst hat, weil sie (wohl zu recht) befürchten muß, daß ihr Trauma ihr wieder voll bewußt wird, ja, sie es quasi wieder (vielleicht auch wieder und wieder) in der Therapie wie in einem Film durchleben muß. Und da kannst Du ihr vielleicht das Gefühl geben, daß ein guter Therapeut ihr einen Weg aufzeigen kann, sich etwas von diesem Trauma zu lösen.
Vielleicht solltest Du als ersten Schritt auch ganz eindeutig allein für Dich klären, ob Du sie auf diesem Weg begleiten willst und wirst, unabhängig davon, welche Rückschläge und Schwierigkeiten es gibt. Dann kann auch Deine Sicherheit ihre Sicherheit werden. Du kannst ihr das Gefühl geben, daß sie Dich nicht verliert, auch wenn Du mal etwas mehr Zeit für Dich brauchst.
Eine Therapie auf "wissenschaftlicher" Basis halte ich für eher weniger geeignet. Eine Therapiegruppe kann vielleicht eher vermitteln, daß man mit seiner Situation nicht alleine ist und das Augenmerk richtet sich nicht so extrem auf die eigene Person und die eigenen Erlebnisse.
 
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  • #20
Vielen Dank # 14. Das ich etwas für mich unternehmen soll, um sie zu bitten mal mit zu gehen, um ihr wieder helfen zu können, klingt nach einem sehr komplizierten Kreislauf. Auch wenn die Beziehung schwierig ist, sehe ich nicht, wie ich auf diesem Wege ihr helfen kann. Sollte das erforderlich sein, werde ich professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Ich bin selber eine stabile Persönlichkeit und habe die Erfahrung gemacht, dass bestimmte Menschen in meiner Vergangenheit mir geholfen haben, einfach durch Verständnis und Beistand in schwierigen Zeiten. Zunächst möchte ich eigenständig versuchen, mehr Klarheit zu gewinnen- das geht wohl auch nur ganz ganz langsam- ich hatte das Problem Mißbrauch zwar schon "auf meinem Zettel"-im Hinterkopf- aber mir wurde erst ganz langsam klar, wie einige Zusammenhänge/Reaktionsweisen sind (bin sonst nicht blöd-aber so eine Beziehung hatte ich noch nicht, mir war auch nicht bewusst, wie überschattend die Mißbrauchserfahrung einen Menschen auf so lange Zeit prägt).
 
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  • #21
#19- Ob eine Einzeltherapie oder eine Therapiegruppe (Selbsthilfegruppe- vielleicht gibt es sowas, wohne in HH) besser oder richtig ist, ist wohl als Laie schwer zu beantworten. Eine Gruppe hätte sicher den Vorteil mit anderen, die ähnliches erlebt haben, sich gemeinsam über das Dunkle austauschen, Tipps zu geben, die praxiserprobt sind, auch würde ich mich, wäre ich Opfer, nur ungern auf einen Menschen allein einlassen, diesem allein die Führung aus dem Dschungel der Finsternis zu überlassen- das kann vielleicht auch verdammt schief laufen- vielleicht krepiert man daran, wenn der am Unterbewusstsein rumexperimentiert- wer hilft dann ? Auf der anderen Seite braucht man vielleicht einen einzelnen therapeutischen Führer, damit dieser die Kontrolle behält, wenn der zu Theapierende zu fallen droht- ich weiss es nicht..?
 
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  • #22
@19 und 21, ich kann nur aus dem sprechen, was ich mitbekommen habe, und denke im Allgemeinen, dass man keine allgemeingültige Aussage treffen kann.

Ich habe erfahren, dass eine Gruppentherapie den Nachteil hat, noch "zusätzlich" belastet zu werden und die Folgen des Missbrauchs als "ungerechtfertigt" zu empfinden, zum Beispiel, weil es anderen ja schlechter ging - dadurch entstehen dann natürlich noch mehr Probleme. Zum anderen habe ich auch mitbekommen, dass Gruppentherapie deshalb ungünstig ist, weil sich einzelne Leute häufig in den Vordergrund spielen - und das istweder für diese noch für die anderen geschickt.

Einzeltherapie hat natürlich den Nachteil, dass man sich auf EINEN Menschen und seine Einschätzung verlassen muss, weshalb man auch beachten muss, wie dieser arbeitet, und gerade eine Therapeutensuche kann anstrengend sein...

@#20 bzw. FS, wenn es um Therapien geht würde ich übrigens entweder im Internet forschen oder bei Wildwasser nachfragen, ob es empfehlenswerte Therapeuten in eurer Region sind, die sich mit Missbrauch auskennen - und: es muss nicht gleich EMDR sein, manche verkaufen das irgendwie als Allheilmittel...

Und was du schreibst, in #20, bzgl. der Tatsache, dass man erst mit der Zeit versteht, wie weitreichend Missbrauch ist - das ist wirklich wahr.
Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft.

#13
 
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  • #23
Danke #13 für deinen Erfahrungshinweis bzgl. Einzel- oder Gruppentherapie. Kann erst morgen früh wieder hier reinschauen, muss zur Nachtschicht...
 
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  • #24
Vorsicht - das klingt nach Borderline-Syndrom. Im Zweifel nicht zusammenziehen! Auf keinen Fall! Sie soll sich therapieren lassen vorher.
 
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  • #25
Borderline-Syndrom ? Hab´das gerad mal bei Wiki..gelesen. Zumindest die "Panangst", das nicht Alleinsein können, Stimmungsschwankungen geht in diese Richtung. Ursache wird wohl dennoch der Mißbrauch sein.
Nicht zusammenziehen wg. psychischer Gefahren für mich oder wg. Gefahren für meine körperliche Integrität ? Ich trage mich mit dem Gedanken ihr zumindest einen Wohnungsschlüssel zu überlassen, bin aber nicht sicher, wie sie dann damit umgeht...

Kann mir hier noch jemand einen Tipp geben, was für Betroffene in einer Partnerschaft sehr wichtig ist ?
 
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  • #26
@25, nochmal die #13:
Vom Zusammenziehen würde ich zunächst (!) auch eher (!) abraten. Am Besten fand ich die Lösung: beide behalten ihre Wohnung in schnell erreichbarer Nähe (40 Gehminuten), beide haben einen Schlüssel für die Wohnung des Anderen. Wir waren fast durchgängig zusammen während der Zeit, aber so hatte jeder noch Rückzugsmöglichkeiten.

Vereinbarungen zu treffen erschien mir auch sehr wichtig, also wann aufgeräumt wird usw. - nicht alles komplett von ihr abhängig zu machen. Natürlich gab es dann auch Phasen, in denen es sein musste, dass doch etwas war, zum Beispiel nach Re-Traumatisierung durch eine Begegnung in der Stadt oder Ähnlichem. Darauf kann man dann auch eingehen. Muss man auch.

Borderline KANN vorliegen, MUSS aber nicht und wird zu häufig diagnostiziert - jemand bezeichnete es in einem entsprechenden Forum als "Pizza-Störung", weil von allem ein bisschen dabei ist, und es sich übrigens auch hervorragend zur Zuschreibung einer Störung eignet. Borderline ist übrigens eine typische Störung bei Missbrauch - ABER, nicht alle Überlebenden haben Borderline! Das ist sehr wichtig, sich das bewusst zu machen, mir zumindest wurde das oft "unter die Nase gerieben".
 
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  • #27
Vielen Dank #13- Du hast mir schon sehr geholfen-kannst meine Situation sehr gut einschätzen. Ich werde ihr wohl einen Schlüssel für meine Wohnung überreichen. Das mit dem Borderline ist für mich schwer einzuschätzen- zumindest bin ich sicher, dass sie sich niemals mit einem Messer irgendwie um Mitleid zu erhaschen die Haut anritzen würde o.ä.- die vielen mgl. Untertypen von Borderline scheinen diesen Oberbegriff ja wie Gummi dehnbar zu machen- das scheint eher die "wissenschaftliche" Lösung für nicht abgrenzbare psychische Abweichungen zu sein- toll für Psychologen, Nonsens für Hilfebedürftige- ein Mensch muss in der Seele geheilt werden, das geht sicher nicht, in dem man ihn psychisch zerlegt- Anatomie der Psyche könnte man sagen- so wie Ärzte nicht heilen können- sie können nur diagnostizieren- wir leben in einer viel zu wissenschaftsgläubigen Zeit- vielleicht bräuchten wir neben Vernunft auch mehr Priester und Heilige in dieser Welt-Wissenschaftsgläubigkeit, Konsumorientierung, Ausrichtung auf stetiges Witschaftswachstum, Kapitalmaximierung- das sind Geißeln der Menschheit- diese angeblich so aufgeklärte Zeit in der jeder alles kann, darf und weiss, hat uns in unhaltbare Zustände gebracht- eine grenzen- und zügellose Gesellschaft die in wenigen Jahrzehnten wohl mindestens so viele Perverse auf den Plan gerufen hat, wie ein Mittelalter in Jahrhunderten "zu bieten" hatte-wenngleich die Freiheit des einzelnen ein lange umkämpfter und unantastbarer Wert ist und hoffentlich auch bleibt...
 
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  • #28
Hallo

Ich erlebe selbst gerade wie sowas sein kann und bin langsam am Ende ..

Ich glaube ich bin Krank, kein Plan warum ich mich zur Zeit nicht Verhalte wie ich normalerweise BIN ..
Völlig daneben, neben mir stehe und selbst nur noch den Kopf über mich schüttel ..

[Mod.= Wegen extremer Überlänge und Nebenthema, mussten wir den Rest Ihres Beitrages löschen. Wenn Sie eine Frage haben, eröffnen Sie einen eigenen Thread - und lesen Sie vorher die Verhaltensregeln! - Außerdem sind Signaturen auch nicht gestattet.!]

Mfg
 
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  • #29
Lieber FS

es spricht nichts dagegen dass deine Freundin -wenn sie zu dir Vertrauen aufgebaut hat-
keine intakte Liebesbeziehung entwickeln kann.
Aber das braucht sehr viel Geduld und Verhaltenstherapie. Vor allem kostet es sie Überwindung
("der Ekel" richtet sich ja nicht gegen dich, deinen Körper, sondern gegen einen historischen Körper).

Die Mutter weiss was passierte und schützt ihre Tochter.
Aber das ist natürlich eine asexuelle Basis.
Jetzt kommst du an und sie ist restlos überfordert.
Ich würde es mal mit einer Stunde nackt streicheln
versuchen - sonst gar nichts weiter tun.
Dann langsam steigern: beim nächsten mal eine Stunde
den ganze Körper massieren und Küssen.
Du kannst ihr helfen über die Schranke zu kommen, du bist ja nicht der Täter.
 
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