• #1

Modern Retro - oder sind es Ausläufer der 50er?

Hallo Forum,

hier ist meine erste Frage, obwohl ich schon ein bisschen länger dabei bin :)

Was ich euch gern fragen wollte : glaubt ihr, dass es in unserem Sprachraum einen gesellschaftlichen Backlash gibt oder gegeben hat, was die Rolle von - insbesondere jungen - Frauen in romantischen Beziehungen betrifft?

Ich lese hier regelmäßig Ansagen an Frauen wie "Mensch, so wie du dich verhältst, hätte sich keine Frau in den 50ern verhalten, die hätte wenigstens ein Minimum an Ansprüchen an den Mann gestellt."

Dabei geht es um gut ausgebildete, beruflich und wirtschaftlich unabhängige Frauen; Frauen, die also durchaus auf eigenen Füßen stehen können und keinen klassischen Versorger "brauchen" oder suchen.

Es gibt natürlich weiterhin Frauen, die sich auch heute für die klassische Herd- und Familienrolle entscheiden, das meine ich nicht. Es geht mir auch nicht darum, eine solche Entscheidung als gut oder schlecht zu diskutieren - das soll m. E. jedes Paar für sich klären. In meinen Augen kann (nicht muss) es jedenfalls eine sehr emanzipierte Entscheidung sein, sich für eine ausschließliche Familienrolle und gegen eine Verwirklichung im Beruf zu entscheiden.

Mir geht es hier um die Frauen, die im emotionalen Sinne unemanzipiert sind.

Meint ihr, dass wir Frauen in emotionaler Weise der ökonomischen Gleichstellung hinterherhinken (eine emotionale Emanzipation noch längst nicht erreicht ist), oder dass uns die Vorgängerinnen der 50er allerhand voraus hatten?

Und ihr Männer - wie seht ihr die Diskrepanz emotionale und wirtschaftliche / berufliche Unabhängigkeit der Frauen? Gibt's da eine gesellschaftliche Entwicklung in die eine oder andere Richtung aus eurer Sicht und was wären die Gründe?

(Und bevor ich es vergesse, natürlich weiß ich, dass sich auch Männer in emotionale Abhängigkeit begeben....)

Ich freu mich auf einen angeregten und anregenden Austausch mit euch!
 
  • #2
Ich lese hier regelmäßig Ansagen an Frauen wie "Mensch, so wie du dich verhältst, hätte sich keine Frau in den 50ern verhalten, die hätte wenigstens ein Minimum an Ansprüchen an den Mann gestellt."

Die Ansprüche in den 50ern zielten vorallem auf eine gute Versorgung durch den Ehemann und Familienvater denn mit der Heirat wurden Frauen damals in vielerlei Hinsicht unter eine Art Vormundschaft des Mannes gestellt.

Sehr patriarchalisch.

Dabei geht es um gut ausgebildete, beruflich und wirtschaftlich unabhängige Frauen; Frauen, die also durchaus auf eigenen Füßen stehen können und keinen klassischen Versorger "brauchen" oder suchen.

Die männliche Versorger- und Beschützerrolle prägt immer noch das Männerbild vieler auch selbstständiger und erfolgreicher Frauen.

Daraus ergibt sich das Problem, dass viele relativ selbstständige und erfolgreiche Frauen nicht den richtigen oder überhaupt keinen Mann finden wenn sie nicht bereit sind Abstriche in Kauf zu nehmen.

Manche die sich des Problems bewusst und für eine konstruktiven Umgang mit ihren ambivalenten Gefühlen stark genug sind entscheiden sich für machbare Wege. Andere eben nicht.

Es ist wie mit der Erwartung an eigene Kinder, dass sie sozial auf eine höhere Stufe als die der Eltern steigen sollen. Sind die Eltern schon ganz oben kann das auf keinen Fall funktionieren. Und auch bei einer niedrigen Startstufe ist diese Erwartung imgrunde übergriffig.

Einige suchende Frauen sehen oft noch stärker als umgekehrt Männer in den auserwählten Männer ihren (idealen) Vater. Väter müssen aus dieser Sicht immer ein starker Beschützer sein. Die Rolle der Mutter kann eine Frau dagegen leichter erfüllen (vermute ich rein subjektiv ;)).
 
  • #3
Hi,
Also m.M.n. melden sich im Forum Menschen, die wirklich ein Problem haben, und die, bei denen es normal bis super läuft, sieht man hier nicht. Ergo würde ich auch nicht von einer Retrowelle reden, weil es - soweit ich meinen Horizont überblicke - schon immer sone und solche gab. Auch früher gab es Frauen, die das westliche Familienbild nicht einfach geschluckt haben, genauso wie es heute Leute gibt, die sich nach genau so etwas sehnen.

Für mich war eher das Weltbild und die Leitkultur früher im Vergleich sehr eindeutig, während wir heute durch die wunderbaren 1000 Freiheiten eben mit einer krassen Pluralität zu kämpfen haben.

Wo ich jetzt lebe, ist es relativ neu, dass Frauen sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen, und ich habe den Eindruck, dass sie innerlich zerrissen werden und es manchmal nicht schaffen, das alte und neue (extrem uneindeutige) Rollenbild für ihr persönliches Leben unter einen Hut zu bringen.
 
  • #4
Mir geht es hier um die Frauen, die im emotionalen Sinne unemanzipiert sind

Ich denke, das betrifft grundsätzlich Frauen und Männer.
In gewisser Form sind wir Menschen alle emotional abhängig - als soziale Wesen benötigen wir die diversen Resonanzen, Kontakte. In der Kindheit ist die emotionale Versorgung überlebenswichtig, Mängel lassen Spuren in der psychischen Entwicklung.
Einsamkeit ist ein nachgewiesener Faktor für Krankheiten, im Alter ein großes Problem.

Es gibt allerdings eine "normale" Abhängigkeit und eine ungesunde Abhängigkeit, hier müsste man die Linie ziehen.
Eifersucht ist z. B. eine Folge ungesunder Abhängigkeit.
Liebe, Zuneigung wären eine gesunde emotionale Abhängigkeit besser als Bindung zu bezeichnen.

Ich denke, wer mit sich im reinen ist, mit sich in einer gesunden emotionalen Bindung steht, wird das auch in den Außenbeziehungen leben.
Wer mit sich selbst Schwierigkeiten hat, gerät leichter in emotionale Abhängigkeiten, toxische Beziehungen, Schieflagen.

Hier im Forum sind die meisten Fragesteller Frauen, daher das Bild - aber emotionale Schieflagen sind für mich definitiv geschlechtsneutral. Ggf. zeigen sie sich anders.

W, 51
 
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  • #5
Meine Ansichten dazu:

Meint ihr, dass wir Frauen in emotionaler Weise der ökonomischen Gleichstellung hinterherhinken (eine emotionale Emanzipation noch längst nicht erreicht ist), oder dass uns die Vorgängerinnen der 50er allerhand voraus hatten?
Nein, die Vorgängerinnen hatten uns nichts voraus. Die haben nur besser in ihre Zeit gepasst, dh. die Gesellschaft drumrum war so, dass sie sich ganz gut so einpassen konnten. Die waren WEDER ökonomisch NOCH emotional emanzipiert.
Ja, wir hinken in emotionaler Weise der ökonomischen Gleichstellung hinterher, teilweise. Das tun aber auch die Männer, also es finden sich Paare, die passen. Würden die Männer jetzt nicht auch hinterherhinken, fänden diese hinterherkinkenden Frauen ja keine Männer.

Wer ökonomisch erwachsen ist, sorgt für sich selbst und braucht keinen Papa. Wer emotional erwachsen ist, sorgt für sich selbst und braucht keine Mama.

Das mit der Ökonomie und dem Geld sieht man recht schnell und sieht auch recht schnell, wo das Problem liegt. Das ist im emotionalen Bereich ja gar nicht so. Man kann sich mit den aus der Vergangenheit rührenden emotionalen Problemen und den kindlichen Illusionen von der allumfassend-umsorgenden Mutter, die man in einem Partner schon finden wird, gut durchs Leben leiden, ohne dass die sichtbare Existenz angekratzt ist. Wer Geld verdient, der steht im Leben - angeblich.

Sich emotional emanzipiert zu haben, ist ziemlich schwierig, weil es für mich beinhaltet zu sehen, dass man nunmal auch ganz allein auf der Welt sein können muss. Dass man das (allein sein) ohne Partner nicht unbedingt SEIN muss, weil man eben auch Freunde, Bekannte, soziales Leben usw. haben kann oder vielleicht Verwandte hat, mit denen es gut passt, wird oft nicht gesehen. Klar ist ein Partner immer der intimste Mensch, aber wenn es mit dem schlecht läuft, ist eben auch keine Nähe da. Man kann sich mE MIT Partner viel schlimmer einsam fühlen als ohne.
 
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  • #6
Nun, es ist in den 50-er nicht alles optimal gelaufen, aber ich finde, dass die Frau trotz wirtschaftlicher Unabhängigkeit und gewisser Freiheit komplett auf sich allein gestellt ist. Es wird heute als normal angesehen, dass der Mann der Frau Parkplatz wegnimmt, ihr die schweren Sachen nicht abnimmt, sie ihre Rechnung selber zahlt, obwohl sie eingeladen wird, sie kann sich weder psychisch noch physisch richtig auf den Mann verlassen. Es läuft heutzutage das meiste genauso schief wie früher, bloß andersrum.
Ich werde hier immer als Buhmann dargestellt, aber meine Meinung ist nachwievor - es gibt sowohl von damals als auch von heute gewisse Vorteile und Nachteile, nur ist es wie immer, die Idee an sich war gut, aber wieder mal extrem falsch umgesetzt worden.
 
  • #7
Und wenn frau diese alte Vorstellung hat, dass der Mann einen beschützt und Gentleman ist, gleichzeitig aber auch alle Rechte haben möchte, kann das schnell zu Rosinenpicken und Anspruchsdenken führen. Oft hilft einem die Realität, da wieder den richtigen Weg zu finden.

Vielleicht kann ich es anders erklären: ich wuchs noch teils in der DDR auf und für mich ist es selbstverständlich, dass ich gewisse Pflichten habe, beispielsweise Arbeiten und meinen Anteil in Kinderversorgung und Haushalt zu übernehmen. Dass das Verhältnis immer mal mit meinem Freund ausdiskutiert wird, finde ich normal, die Belastungen schwanken immer mal.
Ich brauche aber keinen, der mich beschützt oder versorgt, da stehe ich selbst meinen Mann.

Was schön ist: heute kann jeder alles, was er will. Wenn eine Freundin sagt, sie bleibt drei Jahre zu Hause nach der Geburt, und die andere will nach drei Monaten schon arbeiten, ist doch super!

Aber ich kenne genug Menschen, die ob der 1000 Möglichkeiten zum Klappstuhl werden und gar nichts mehr auf die Reihe kriegen, extrem prokrastinieren, 50 Semester studieren (ja geht auch heute noch) oder zu reinen Hedonisten werden. Das konnte man sich in den 50ern wirtschaftlich nicht leisten.


Meint ihr, dass wir Frauen in emotionaler Weise der ökonomischen Gleichstellung hinterherhinken (eine emotionale Emanzipation noch längst nicht erreicht ist), oder dass uns die Vorgängerinnen der 50er allerhand voraus hatten?

Ökonomische Gleichstellung gibt es allerdings längst nicht (Pay Gap/Equal Pay Day) Ich merke täglich, dass klassische Männer- und Frauenberufe unterschiedlich entlohnt werden, aber das führt hier zu weit.

w36
 
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  • #8
Jede Zeit hat gute und weniger gute Seiten.
Die 50 er wären nichts für mich gewesen .... viel zu verkrustet, zu wenig persönliche Freiheit. Kirche, Moral ...... Dinge, die ich nicht mag. Dann lieber in Freiheit leben - und hier sehe ich den Unterschied zu den 10 er Jahren.
In den 50 ern wurde Moral von der Freiheit so langsam ersetzt - heute kommt die Moral zurück. Nicht unbedingt mit der Kirche - aber ähnlich sauer. Die Geschichte könnte sich wiederholen - ein "Grünes Reich" wäre Sozialismus nochmals neu eingekleidet. Erste Warnzeichen gibt es - Jugendliche werden gegen ihre Eltern gehetzt, Extremisten aller Art tummeln sich in unserem Alltag, Desinformation, Irrglaube und die Blockwartmentalität ist schon wieder auf dem Vormarsch. Das Ganze wird dann als Moral verkauft .......
Bisher war der Spagat zwischen Erwartungen, Anforderungen und offiziellem Anspruch für die Frauen wohl höher. In Zukunft wird es die Männer aber ähnlich treffen.
Es passt momentan wenig zusammen. Die Abhängigkeiten sind immer da, werden aber eher noch zunehmen. Und zwar auf allen Ebenen. Für beide Geschlechter.
 
  • #9
Und ihr Männer - wie seht ihr die Diskrepanz emotionale und wirtschaftliche / berufliche Unabhängigkeit der Frauen? Gibt's da eine gesellschaftliche Entwicklung in die eine oder andere Richtung aus eurer Sicht und was wären die Gründe?

Ich denke, wir haben es hier mit einer gesellschaftlichen Entwicklung zu tun, die von bestimmten Seiten vorangetrieben wird. Wie bei vielen gesellschaftlichen Entwicklungen ist es schwierig, sich dem zu entziehen. Wenn ich als Mann die Hausfrauenehe propagiere, gibt es einen Shitstorm.

Wir leben in einer hektischen und stressigen Welt, die Geschwindigkeit und der Druck haben in den letzten 30 Jahren sicher stark zugenommen. Dazu gehört eben auch der ökonomische Druck, immer mehr Arbeitskräfte zur Verfügung zu haben. Die Bestrebungen einzelner Feministinnen und der Wirtschaft passen da zusammen und gehen in die gleiche Richtung.

Frauen haben völlig berechtigt mehr Rechte haben wollen und eine gleichberechtigte Gesellschaft. Wie diese gleichberechtigte Gesellschaft auch für uns Männer zufriedenstellend aussehen kann, darüber gab es keine Diskussion und erst recht keinen Konsens. (Dieses Vorgehen haben wir in vielen Fällen, nicht nur aktuell bei den Corona-Regeln).

In einer Beziehung kann und muss man diesen Konsens zu zweit herstellen, so dass beide zufrieden sind.

Gesellschaftlich betrachtet bin ich persönlich überzeugt, dass das Pendel auf Kosten der Frauen zu stark ausgeschlagen hat. Die sollen sich nämlich neben den Kindern auch noch um einen erfolgreichen Vollzeitjob kümmern und viele gehen dabei ein. Sinnvoller wäre gewesen, mehr Freiheit bei der Wahl zu lassen. Die gesellschaftliche Entwicklung dazu, Erwerbsarbeit mehr und anders zu verteilen, ist ausgeblieben. Viele Frauen auch hier sind immer noch der Meinung, dass Männer die Kindererziehung nicht richtig hinbekommen und sie das selbst machen müssen. Ich hätte z. B. eine vorgegebene Verteilung der Elternzeit auf beide Elternteile besser gefunden als zwei Monate Familienurlaub zusätzlich mit Papa.

Vermutlich wäre einer Reihe Frauen die alte Rollenverteilung (in modifizierter, gleichberechtigter Form) lieber gewesen als das, was die Kampfemanzen daraus gemacht haben.
Ich habe das Gefühl, dass ich da als "alter weißer Mann" gesellschaftlich nicht wirklich mitreden darf, stehe aber eher staunend daneben, wenn ich sehe, was man da für ein "modernes Frauenbild" geschaffen hat.
 
  • #10
Ich glaube nicht, dass aus einer Versorgerrolle des Mannes unbedingt eine Art Vormundschaft erwächst. Meine Mutter hat während ihrer Ehe nie gearbeitet und mein Vater hatte deswegen nicht das Sagen. Beide haben immer alles zusammen entschieden, waren also gleich berechtigt. Er hat sie immer respektiert und ihre Leistung für Familie und Kinder anerkannt und es als gleichwertig angesehen. Geholfen im Haushalt oder mal gekocht hat er auch. Außerdem hat er sie finanziell sehr gut abgesichert, von Altersarmut also keine Spur. Er war also das, was man einen guten Versorger nennt.
Wenn man mit der Partnerwahl weniger Glück hat, dann mag die Sache anders aussehen.
Natürlich kann eine Frau, die im Beruf ihr eigenes Geld verdient, einen missliebigenen Ehemann viel einfacher in den Wind schießen und muss sich nicht über Anwalt und Gericht ihre Unterhaltsansprüche sichern.

Aber ich finde, dass sich die Frauen mit ihrem Wunsch nach einer festen Partnerschaft heutzutage viel zu viel gefallen lassen. Sie lassen sich oft sehr schlecht behandeln von Männern, die egoistisch ihren eigenen Vorteil suchen. Alles scheint sich um unverbindlichen Sex zu drehen. Erst wird Interesse an einer Partnerschaft suggeriert, um die Sache dann in Richtung Affäre umzudrehen und am Schluss gibt es nur noch Verabredungen zum Sex außerhalb der eigenen Wohnung. Was ich so von den jüngeren Leuten mitbekomme, die online daten, ist oft haarsträubend. Nein, das hätte in den 50ern keine Frau mit sich machen lassen.

Die jungen Frauen sind einer Vielfachbelastung ausgesetzt. Sie leisten immer noch den Großteil der Familienarbeit und sollen gleichzeitig ganztags berufstätig sein. Da braucht man schon die Natur eines Arbeitspferdes, um das jahrelang auszuhalten ohne krank zu werden. Mit Emanzipation hat das gar nichts zu tun. Es wundert mich nicht, dass immer weniger Kinder geboren werden.
 
  • #11
Als bekennende Nostalgikerin glaube ich, dass die 1950er Jahre hinsichtlich Mode, Film und Musik schon eine tolle Zeit waren. Die Wirtschaftswunderjahre, es ging nach dunklen Zeiten wieder aufwärts, die Straßen noch nicht so voll ...

Die Rolle der Frau - heute "darf" man mehr. Aber die Arbeitswelt ist stressiger geworden, die Zeiten schnellebiger.

Das muss man sagen dürfen, ohne dass es gleich heißt: "Tja, ihr wolltet doch aber unbedingt ..."

Es ist aber m. E. nicht richtig, pauschal zu sagen, dass die Frauen der 1950er alle unter dem Pantoffel des Mannes standen (wie es oft - ab und zu auch hier - dargestellt wird). Auch damals gab es gleichberechtigte Lebensgemeinschaften, auch damals gab es Männer, die im Haushalt mit anpackten - und natürlich berufstätige Frauen.
 
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  • #12
Ich denke, das betrifft grundsätzlich Frauen und Männer.
In gewisser Form sind wir Menschen alle emotional abhängig - als soziale Wesen benötigen wir die diversen Resonanzen, Kontakte. In der Kindheit ist die emotionale Versorgung überlebenswichtig, Mängel lassen Spuren in der psychischen Entwicklung.
Einsamkeit ist ein nachgewiesener Faktor für Krankheiten, im Alter ein großes Problem.

Es gibt allerdings eine "normale" Abhängigkeit und eine ungesunde Abhängigkeit, hier müsste man die Linie ziehen.
Eifersucht ist z. B. eine Folge ungesunder Abhängigkeit.
Liebe, Zuneigung wären eine gesunde emotionale Abhängigkeit besser als Bindung zu bezeichnen.


W, 51

Unangebrachte eingebildete Eifersucht vielleicht, aber begründete Eifersucht ist völlig gesund .

Wenn ich meinen Kindern ungleich viel Liebe und Zuneigung geben würde und dann wäre das benachteiligte Kind nicht eifersüchtig wäre wohl etwas kaputt. Genauso beobachte ich es bei Erwachsenen, Menschen die ständig damit herumhausieren dass Eifersucht ein Fehler in der Psyche ist oder überwunden werden soll bei denen ist durch die Bank etwas kaputt (gegangen).
 
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  • #13
Ich habe wirklich absolut keine Ahnung, wie die Frauen in der 50er Jahren gelebt haben aber ich gehe davon aus, dass auch damals die Gesellschaft keine homogene Masse war, sondern im Grunde genauso wie jetzt kulturell, bildungstechnisch und in Bezug auf Religion und Moral in Schichten und Kategorien verteilt war. Was sich im Vergleich zu damals geändert hat, sind die Gesetze und die medizinischen und technischen Voraussetzungen. Aber ansonsten kenne ich jetzt Leute, die ein Leben wie damals führen und bestimmt gab es auch damals Menschen, die ihrer Zeit voraus waren und emanzipiert gelebt haben.
 
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  • #14
Menschen die ständig damit herumhausieren dass Eifersucht ein Fehler in der Psyche ist oder überwunden werden soll bei denen ist durch die Bank etwas kaputt (gegangen).

Danke Sirikit für die Beurteilung meiner Psyche, und der Aufklärung, was eine gesunde Psyche darstellt.

Mich stört es nicht, dass ich Eifersucht generell nicht verspüre.
Wenn mich jemand benachteiligen will (Beispiel Kind) oder mein Partner andere Frauen meint brauchen zu müssen, dann bitte gerne...
Ich hole mir ggf. was mir zusteht, beende Kontakte, und einem Partner gebe ich dann gerne die Freiheit zurück, das zu tun.

Eifersucht ist nie gesund, bringt genauso wenig wie Neid.
Nicht auf die anderen schielen, auf sich schauen reicht...

W, 51
 
  • #15
Ich kann nur feststellen, dass ich zu einer schwierigen Generation gehöre, wobei Retro sogar in meinem weisen Alter, nicht die 50ger sind ( bei Musik, Mode und vor allem Vespa, war ich da mal voll drin).

Meine Kindheit waren die 70ger, meine Jugend die 80ger...

Wer Wiederholung von Serien etc aus dieser Zeit sieht, kann erkennen was mir vorgelebt wurde.
Und das war definitiv noch das Patriarchat..kaum einer im Freundeskreis mit arbeitender Mutter und wenn war es: der arme
Vater will schlafen....alle ruhig und auf Zehenspitzen, Kissen auf dem Telefon.
Und wenn er sagte Nein...dann gab's auch kein ja etc.

Gleichzeitig gingen Frauen auf die Straße und in die Unis.
1977 dann: Frau darf selbst entscheiden arbeiten zu gehen.

So waren die Gespräche mit unserem Müttern: Du musst lernen, arbeiten, unabhängig werden
Putzen, bügeln, kochen, mussten zuhause aber meist nur die Mädchen lernen.
Und sich einen netten Mann suchen und immer dran denken: Männer denken so, fühlen sich wohl mit....
Also in den meisten Haushalten ging es also um Männer, täglich...

Eine gewisse Abhängigkeit haben wir wohl vorgelebt bekommen und egoistisch sein, arrogant, stolz war auch nicht förderlich für die Weiblichkeit.

Unabhängig von schlechteren Kinderbetreuungszeiten und somit eher Teilzeit ohne Aufstiegsmöglichkeiten, haben viele ohne Revolution, das auch für sich hingenommen und somit wurde es klassisch: Mann der Hauptverdiener.
( Natürlich gibt es Ausnahmen und einige sind auch davon hier im Forum)
Was ich aber meine, ist die Rolle auch kampflos genommen zu haben und sich unterzuordnen, wie es ihnen vorgelebt wurde. Allerdings noch mit Job obendrauf.
Wenn Mann dann allerdings auch "mehr" macht, also eine Mischung von früher mit mehr obendrauf.

Allerdings habe ich das Gefühl und die Erfahrung aus dem Umfeld: irgendwann bricht die "Neuzeit" dann doch durch, spätestens wenn die Kinder aus dem Haus sind. Vorallem da wo Mann nichts obendrauf zu Retro macht.
Bildlich scheinen sich einige Frauen dann zu schütteln: ja bin ich eigentlich doof?
Und dann ist Retro vorbei!
Und auch die emotionale Abhängigkeit

Übrig bleiben Paare, wo auch der Mann seine Rolle ausbricht, weil sonst die Frau ausbricht.
Das sind dann wenn, die neuen Helden.
 
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  • #16
Ich denke, es gibt einfach mehr Möglichkeiten als 1950, mehr Varianten von Rollenverteilungen in Beziehungen, keine Festlegung von vorneherein.

Frauen haben zunächst viel mehr die Wahl, wie sie leben möchten, aber das setzt voraus, dass sie wählen, entscheiden und auch einen Weg einschlagen, ohne dass diese Entscheidung starr sein muss. Sie haben viel mehr die Möglichkeit, unabhängig zu sein, aber das geht natürlich nicht automatisch.

Ich finde diese Entwicklung gut und richtig, stelle aber fest, dass manche Frauen ihr nicht folgen wollen, weil Entscheidungsmöglichkeiten natürlich Unsicherheit bedeuten und früher alles so schön geregelt war. Und bequemer ist es oft auch, nicht selbst aktiv werden zu müssen samt einem auch nicht nur lustigen Arbeitsleben. Also fallen sie manche da, wo sie unsicher werden, in das alte Muster zurück. Manche Männer sicher auch.

In Beziehungen erfordert das Diskussion, Kompromissbereitschaft und ein gemeinsames Modell. Das ist Arbeit und beide Seiten müssen dafür offen sein, sonst funktioniert es nicht.

Ich bin aufgewachsen mit dem traditionellen Modell im Kopf. Meine Mutter war zwar Hausfrau, hat aber Wert darauf gelegt, dass auch Jungen kochen oder den Staubsauger bedienen konnten und meine Schwester eine gute Ausbildung bekam.
Mein Bild hat sich in den 20ern weitgehend verändert bis hin zu einer Berufswahl, die auch mehr Flexibilität ermöglicht. Da wäre ich sicher auch bereit gewesen, zeitweise komplett Hausmann zu werden. Das funktioniert für mich aber nur mit einer passenden Frau, die auch phasenweise die „Ernährerrolle“ übernehmen kann, denn natürlich habe ich auch eine entsprechende Ausbildung gemacht, um keine finanziellen Sorgen zu haben. Beim „Angebot“, mit einem Viertel meines Gehaltes mit einer Familie auszukommen, habe ich innerlich die Augen verdreht. Meine Schwester ist übrigens Hauptverdienerin, macht aber trotzdem den Haushalt...

Manche Frauen sind da flexibel, andere sehen Gleichberechtigung so, dass statt dem Mann sie jetzt festlegen, wie die Verteilung aussieht. Das ist nicht mein Weltbild und meine Art zu denken. Für mich ist das eine grüne Wiese, auf der man gemeinsam bauen kann was man will. Man kann eben nicht mit jeder Frau Häuser bauen...

Früher haben viele Frauen gezielt nach dem besten Versorger gesucht, den sie bekommen konnten. Manche tun das auch heute noch. Es ist oft sicher bequemer, als selbst sorgen zu müssen. Und Retro ist daran, dass vielleicht auch die eine oder andere merkt, dass die Alten Rollenbilder auch ihre Vorteile hatten, die natürlich von Schwarzer und Co komplett verleugnet wurden. Und natürlich durfte man das eine Weile lang auch nicht laut sagen...
 
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  • #17
Die 50er Jahre sind meiner Meinung nach zu Recht schon lange vergangen. Leider sind noch so einige Menschen, Frauen wie Männer, nicht wirklich in der Neuzeit angekommen. Das Bedürfnis nach emotionaler und körperlicher Nähe ist zeitunabhängig, das braucht, bis auf Ausnahmen, jeder. Was ich persönlich in keiner Weise nachvollziehen kann, und ich bin fast 60, ist das Kleben an Haus und Herd wenn Kinder da sind. Gut ausgebildete junge Menschen teilen sich mittlerweile die Kinderbeaufsichtigung, Frau hat nicht umsonst lange studiert. Was soll sie zu Hause rumhocken, da fehlt einem ziemlich schnell die Ansprache. Mir ging das schon in den 80ern so . Wenn man einen Mann wählt, der meint, die Frau agiert wie Mama, ist man im Grunde selber schuld. Lieber allein als in schlechter Gesellschaft.
 
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