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Gast

  • #1

...muss man seine Eltern lieben?

Liebes Forum,
angeregt durch den vor kurzem erstellten Thread erlaube ich mir diese Frage: Muss man seine Eltern immer lieben?
Es mag provokant klingen, doch mich interessiert die weitläufige Meinung dazu.

Ich schreibe ganz bewusst nicht meine eigene Geschichte dazu, denn ich bin an neutralen Meinungen interessiert!

w/46
 
  • #2
Selbstverständlich muss man Eltern nicht immer und bedingungslos lieben. Wenn Eltern einem Gewalt angetan haben, dann ist es nachvollziehbar mit ihnen zu brechen.

Sofern man eine normale oder gar schöne Kindheit hatte, dann sollte man seinen Eltern dankbar sein und sie stets respektieren (und auch über ihre Tüddeligkeiten hinwegsehen). Darüber hinaus finde ich es auch wichtig, so spätestens ab dem 30. Lebensjahr, sein Verhältnis zu den Eltern geklärt zu haben. Ab einem bestimmten Alter kann man nicht mehr kommen mit: "weil meine Eltern... bin ich jetzt soundso..." (wohlgemerkt: dies gilt für eine normale Kindheit mit den üblichen Konflikten und Verletzungen)
 
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Gast

  • #3
Nein, denn Liebe ist kein Muss und kann nicht erzwungen werden, auch die Liebe zu den Eltern nicht. Die Mutter die mich geboren und umsorgt hat, kann ich lieben. Diese Erkenntnis konnte ich aber erst nach ihrem Lebensende gewinnen. Was dazwischen alles war, darüber möchte ich lieber schweigen.

m.
 
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Gast

  • #4
Ich liebe meine Eltern nicht, dazu haben sich mich zu sehr als Kind vernachlässigt und nur um sich gekümmert und lange lange emotional misshandelt.

Erst durch eine Therapie habe ich gelernt, dass man auch Eltern nicht lieben muss. Ich habe zu beiden Elternteilen keinen Kontakt. Seitdem geht es mir gesundheitlich in jeder Hinsicht komischer Weise immer besser.

w 49
 
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Gast

  • #5
Nein, man muss sie nicht lieben - höchstens achten, natürlich ein bisschen in Abhängigkeit dessen, wieviel Achtung und Fürsorge sie Dir entgegengebracht haben, und einfach etwas aus dem Leben machen, das sie einem geschenkt haben.

Manchmal sind auch Einsichten und Versöhnungen möglich, wenn etwas in Schieflage geraten war.
 
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Gast

  • #6
Nein, man muss Eltern nicht lieben. Besser man bricht mit ihnen als sich ein Leben lang zu zermürben und sich mit ihnen herumzuschlagen.
Aber: Ohne Wurzeln lebt es sich auch nicht leicht. Die Lücke, die ein schlechtes oder fehlendes Elternhaus hinterlässt, wird sich durch nichts schließen lassen. Man wird für immer ein Defizit mit sich herumtragen müssen.
 
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  • #7
Ich halte es für "normal" seine Eltern zu lieben, alles andere ist für mich "irgendwie gestört", und ich halte mich von solchen Menschen fern.

Also, man MUSS seine Eltern nicht lieben, wenn es da irgend etwas dunkles in der Vergangenheit gibt was die Beziehung unerträglich belastet. Aber eine derart belastete Besziehung wirkt sich nicht nur auf die Liebe zu den Eltern aus, sondern auch auf das Seelenleben des Kindes. Insofern ist für mich auch das Kind gestört, nicht nur die Beziehung zu den Eltern.

m
 
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Gast

  • #8
Muss man nicht - wieso auch? Weil sie einen egoistisch in die Welt gesetzt haben? Soll man dafür dankbar sein, besonders nach Quälereien, Demütigungen, Mißhandlungen?

Ich hasse meine Eltern aus tiefstem Herzen, was mich jedoch ärgert, denn Hass ist ein Gefühl - mir wäre es lieber, sie wären mir egal - damit könnte man leichter leben.

Ich stimme w49 zu - auch ich habe mein "Eltern"haus hinter mit gelassen und war vorher der Meinung (auch durch weitere Verwandtschaft eingeimpft bekommen), dass man seine Eltern lieben müsse, denn "sie wußten es ja nicht besser" - und blablabla...

Aufgewachsen bin ich mit Schuldgefühlen, weil ich als kleines Kind schon das Gefühl hatte, für meine unzulänglichen Erzeuger die Verantwortung übernehmen zu müssen (Vater narzisstischer Säufer, Mutter co-abhängige, um Harmonie bettelnde ängstliche Person). Dieses Gefühl habe ich leider IMMER, auch wenn fremde Menschen Pech haben, merke ich, dass ich mir einen Schuld-Schuh anziehen will und sich das Gefühl triggert. Ich meide auch ältere Menschen, besonders mit älteren graumelierten Männern will ich keinen Kontakt haben. Ich kann alkoholisierter Männer nicht einmal riechen - leider begegnet man ihnen beim Einkaufen, wenn sie an der Kasse ihren Sprit bezahlen...

5 Jahre Therapie...

Hat lange gedauert, davon wegzukommen, denn dieses Verhalten hat mein ganzes Leben leider beeinflusst. Ich bin auch w49, habe mit meiner Familie komplett gebrochen, Kontakt abgebrochen und würde auch niemals in die Bresche springen, wenn einer von denen ein Pflegefall wird. Seit dem Kontaktabbruch geht es mir immer besser, ich lebe, konnte erst vor 10 Jahren anfangen, mich zu entwickeln und habe alles in den Müll geworfen, was mit meinen "Eltern" zu tun hat. Ich wünschte nur, dass es mir bald gelingt, dass sie mir egal sind. Alleine beim Gedanken an diese Gestalten wird mir schlecht...
 
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Gast

  • #9
Ich halte es für "normal" seine Eltern zu lieben, alles andere ist für mich "irgendwie gestört", und ich halte mich von solchen Menschen fern.

Also, man MUSS seine Eltern nicht lieben, wenn es da irgend etwas dunkles in der Vergangenheit gibt was die Beziehung unerträglich belastet. Aber eine derart belastete Besziehung wirkt sich nicht nur auf die Liebe zu den Eltern aus, sondern auch auf das Seelenleben des Kindes. Insofern ist für mich auch das Kind gestört, nicht nur die Beziehung zu den Eltern.

m
Das sind sehr böse und abwertende Gedanken zu betroffenen Kindern, die von ihren Eltern emotional und/oder körperlich misshandelt wurden.

w
 
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Gast

  • #10
Das sind sehr böse und abwertende Gedanken zu betroffenen Kindern, die von ihren Eltern emotional und/oder körperlich misshandelt wurden. w
Mir geht es darum festzustellen, dass ein liebevolles Eltern-Kind-Verhältnis das normalste der Welt ist. - Wenn ein Kind seine Eltern hasst, dann ist das ein sehr deutliches Zeichen dafür, dass im Elternhaus des Kindes etwas schief gegangen ist. Und leider wirkt sich diese negative Prägung auch auf das weitere Leben aus.

Meine Einstellung ist: Mit negativ geprägten Menschen möchte ich mich nicht umgeben, weil mich das selber runterzieht. Das ist mein gutes Recht. und meine Entscheidung. - Und wenn Opfer sich dadurch zurückgestellt fühlen, dann ist das nicht zu ändern.

Wenn ein Kind zum Opfer wird, dann ist das etwas ganz schreckliches, und kann nicht scharf genug verurteilt werden. Wenn Eltern ihre Kinder emotional mißhandeln, dann verstümmeln sie die Seelen ihrer Kinder, und leider heilt das selbst im Erwachsenalter nicht mehr vollständig.

m
 
M

Mooseba

  • #11
Das ist dasselbe wie der Thread neulich, ob man seine Kinder lieben müsse. Diese Liebe kann man nicht herbeikommandieren. Sie ist oder ist es nicht. Und wenn sie da ist, wird sie sich im Laufe des Lebens ändern, aber hoffentlich bleiben.
 
  • #12
Ich finde, die Worte "Lieben" und "muss" schliessen einander aus und "immer" geht auch bei Liebe schon garnicht. Denn jede positiv besetzte Emotion hat ein Gegenstück.
Es gibt zwischen KIndern und Eltern (auch bei engeren Verwandten) oft eine tiefe emotionale Verbundenheit, die nicht hinterfragt werden muss. Man wird angenommen, ohne sich beweisen zu müssen. Aber das kann auch pervertieren. Gerade in der Eltern-Kind-Beziehung, denn das Kind ist viel abhängiger vom Wohlwollen der Eltern als umgekehrt. Man muß als erwachsener Mensch keine Kinder haben. Aber Kinder haben immer Eltern.
Kinder müssen zum Erwachsenwerden den emotionalen Freischwimmerschein machen. Das heißt auch, daß die Liebe mal gar nicht Thema ist.
 
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Gast

  • #13
Ganz im Gegenteil zur landläufigen Meinung ist es unter Psychologen bekannt, dass gerade verwöhnte, verzogene Kinder am schlechtesten über ihre Eltern reden, was von emotionaler Mißhandlung faseln usw. - Verwöhnte Kinder - ungeliebte Eltern. Das ist das Problem der Moderne.

Diese Kinder sind narzisstisch, rücksichtslos, undankbar und egozentriert und verteufeln ihre Eltern, damit sie eine Rechtfertigung dafür haben, sich nicht um ihre alten Eltern kümmern zu müssen, bzw. ihnen helfen zu müssen. - Es gibt sogar viele Frauen, die behaupten von ihrem Vater mißbraucht worden zu sein, was gar nicht der Fall war. Die vielen einsamen, alten Eltern sprechen doch Bände! Ihre verwöhnten Kinder sind auf dem Egotrip und finden sich großzügig und altruistisch, wenn sie zu Weihnachten mal von sich hören lassen. Sollten sie jedoch in finanzieller Not sein, dann wissen sie wo ihre Eltern wohnen.

Sofern Eltern sich nicht im strafrechtlichen Sinn an ihren Kindern vergangen haben, hat man die Pflicht seine Eltern respektvoll zu behandeln, den Kontakt zu pflegen und sich um ihre Bedürfnisse zu kümmern, egal ob man sie liebt oder nicht. - Narzissten können ja bekanntlich nicht wirklich lieben, was bedeutet, beim Großteil der Menschen, die ein gespanntes, bzw. nicht vorhandenes Verhältnis zu ihren Eltern haben, handelt es sich um überempfindliche Narzissten auf dem Egotrip, denn der Anteil wirklich schlechter Eltern ist minimal.
 
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Gast

  • #14
Ich liebe meine Eltern, auch wenn ich nicht immer als Kind die Beachtung fand, wie ich sie mir wünschte, auch wenn ich in der Wochenkinderkrippe und Kindergarten war, auch wenn ich Ohrfeigen und auch einmal eine Popoklatsche kassiert habe und ich habe von ihnen auch nicht alles bekommen wovon ich träumte. Nichts von alldem hat mir geschadet, dadurch bin ich zu einem selbstständigen und nicht verwöhnten erwachsenen Mensch geworden, der mit Achtung, Respekt, Anerkennung, ohne Neid und Vorurteile anderen Menschen(auch Ausländern) gegenüber steht.
Ich achte,schätze und liebe meine Eltern dafür und wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt, muß man auch wieder aufeinander zu gehen können, was in der heutigen Egowelt wahrscheinlich der Auslöser für ewige Distanz zu sein scheint.
Genau dieser Egotrip und da gibt es viele Facetten, von AE, Scheidung, Kindesentzug, Alkohol, Stress und Kinder haben aber nicht gewünscht, gibt den Nährboden für Ablehnung und Distanz zu anderen Menschen, auch zu seinen Eltern!
Auch wenn es manchmal schwer ist aufeinander zu zu gehen, denkt zu Leb-und gemeinsamen Zeiten schon daran, daß wenn man es verloren hat, es zu spät ist- zu lieben!
Es gibt sicherlich Ausnahmen, wo nichts mehr zu "Kitten" ist, aber oftmals ist ein kleiner Schritt zurück, ein großer Schritt nach vorn.

49m deutsch/afrikanisch
 
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Gast

  • #15
Lieben und Müssen geht nicht zusammen. Ich liebe meine Eltern, hatte eine gute Kindheit. Es gab auch ein paar unschöne (vergleichsweise harmlose) Dinge, aber die habe ich ihnen vergeben.
Vergebung scheint mir ein Stichwort für manchen, aber das ist vielleicht zu leicht dahin gesagt, wenn man Wut, Ekel und Hass nicht ausschalten kann.

Beitrag #6 ist sehr rigoros und wertet pauschal alle Menschen ab, die in ihrer Kindheit schlecht bis extrem schlecht und schlimmer behandelt wurden. Es kommt sehr darauf an, wie diese Erlebnisse verarbeitet worden sind und ob Betroffene es als Erwachsene schaffen, sich nicht mehr von diesen Wunden ihrer Seele beherrschen lassen. Ich traf Menschen, die das geschafft haben und die teilweise einen unwahrscheinlichen Tiefgang haben, sicher auch ihre speziellen Eigenheiten. Solche Menschen lasse ich sehr gern an mich heran und wüsste nicht, warum sie einen herunterziehen. Es gab aber auch welche, die ich traf, da halte auch ich mich fern, denn manche tun einem leider überhaupt nicht gut und es hat oftmals genau so einen Hintergrund.
 
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  • #16
Ich respektiere meine Eltern und würde sofort in die Bresche springen, wenn es darum ginge, ihnen zu helfen. Auch wenn einige Dinge nicht ganz so gelaufen sind, wie sie hätten sollen und ich mir gerne etwas "modernere, lockere" Eltern gewünscht hätte (meine sind leider erzkonservativ). Ihre Erwartungen an mich und meine Leistungen waren immer extrem hoch. Doch das hat so seine Vor- und Nachteile. Ich bin froh keines dieser verhätschelten, verwöhnten Kinder von damals zu sein, die ich heute, als Erwachsene wohl als "Weicheier" bezeichnen würde, weil sie schon jammern, wenn sie mal ein klein wenig länger arbeiten müssen oder wegen jedem kleinen Insektenstich zum Arzt rennen.

Muss man seine Eltern lieben? - Nein muss man nicht, aber sofern sie einen nicht misshandelt haben, sollte man sie respektieren! Meine Eltern und ich sind einfach zu verschieden, um ein inniges, liebevolles Verhältnis miteinander zu pflegen, dafür sind unsere Ansichten, Lebenseinstellung und Wertvorstellungen einfach zu unterschiedlich.

w, 39
 
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  • #17
Ein klares No-Go Kriterium. Eine Frau die ihre Eltern nicht liebt, wäre für mich keine Partnerin die ich haben wollte. Meine Erfahrung ist, dass Menschen, die ihre Eltern nicht lieben (können) auch sonst wenig lieben (können).
 
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  • #18
Ein klares No-Go Kriterium. Eine Frau die ihre Eltern nicht liebt, wäre für mich keine Partnerin die ich haben wollte. Meine Erfahrung ist, dass Menschen, die ihre Eltern nicht lieben (können) auch sonst wenig lieben (können).
Dann sprich bitte nur von deiner einen persönlichen Erfahrung, aber verallgemeinere nicht auf alle anderen betroffenen Menschen.

Es gibt z.B. Menschen, die im Kinderheim aufgewachsen sind und trotzdem liebevolle Eltern geworden sind.

Man kann von Einzelfällen nicht auf alle davon betroffenen Menschen verallgemeinern!
 
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  • #19
Klares NEIN!!!

Ich liebe meine Mutter und das hat sie sich absolut verdient!!!
 
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  • #20
Ein großer Teil der Antworten bedeutet für mich:

Wenn man als Kind das Pech hatte, einen schlechten Start zu haben, wird vom Umfeld noch erst recht obendrauf gehauen...

So ist das auch im richtigen Leben - wer schon am Boden wird, der wird noch mal ordentlich getreten...

Gast 12: Sie sollten ihr Wolkenkuckucksheim verlassen und in der Realität ankommen!

Auch ich habe keinen Kontakt mehr zu meinen unfähigen Eltern, bin selbst aber eine liebende, gute, verständnisvolle und fördernde Mutter geworden und liebe meine Kinder über alles. So eine Kindheit wie meine Kinder heute haben hätte ich mir gewünscht. Meine Kinder sind glücklich - ich frage sie das manchmal, um mich zu vergewissern. Da meine Eltern der Meinung sind, bei mir nichts falsch gemacht zu haben (Schläge mit Gürtel, Nahrungsentzug zur Strafe, Demütigungen, schlimmste Irritationen), bin ich der Meinung, dass mich ihre Bedürfnisse auch nicht zu interessieren haben - da sie sich auch nicht für meine kindlichen Bedürfnisse interessiert haben. Sie hatten ihre Chance im Leben, Saufen und Prügel waren wichtiger. Eltern können sich die Liebe ihrer Kinder selbst verwirken - Pech gehabt! Es waren erwachsene Menschen, die sich hätten immer wieder aufs Neue für ein friedliches Familienleben entscheiden können. Haben sie aber nicht. Ich werde meine Kinder bestimmt nicht zu solchen Personen lassen und habe diese Personen aus unserem Leben verbannt. Einmal gab es die Chance, man ließ sich aber lieber im Beisein der Enkelkinder vollaufen, welche Angst vor dem volltrunkenen Opa hatten. Danke, brauche ich nicht, brauchen wir nicht, braucht niemand!

Wenn man seine Kinder nicht kindgerecht und liebevoll aufziehen möchte, braucht man sich nicht zu wundern, wenn man im Alter alleine da steht! Kein Mitleid.
 
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Gast

  • #21
Nein, müssen tut man nicht. Schöner wärs. Aber manchmal lassen es die Umstände eben nicht zu.
Meiner Meinung nach sollte man jedoch, egal wie schlecht die Eltern waren, einen funken Achtung vor ihnen haben. Denn das Leben haben sie einem geschenkt. Ist fürs eigene Seelenheil einfach besser.
 
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Mooseba

  • #22
Da meine Eltern der Meinung sind, bei mir nichts falsch gemacht zu haben (Schläge mit Gürtel, Nahrungsentzug zur Strafe, Demütigungen, schlimmste Irritationen), bin ich der Meinung, dass mich ihre Bedürfnisse auch nicht zu interessieren haben - da sie sich auch nicht für meine kindlichen Bedürfnisse interessiert haben.
Geht das auf Dauer? Meine Mutter bereut heute auch, dass sie Vater hat zuviel durchgehen lassen. Da sollte ich mich heute schon zusammenreißen, so schwer es mir auch fällt. Dass ich keine selbstbewusste, sondern eine eher zurückhaltende und ängstliche Mutter hatte, zeitigt sicher heute noch seine Folgen. Und dieses Märchen, dass ein selbstbewusster und maskuliner Vater zu einem selbstbewussten und maskulinen Sohn führt, kann ich bald nicht mehr hören. Ja, Schläge und Demütigungen gab es reichlich, Nahrungsentzug einmal wegen Arbeitsunlust, reichlich "wertkonservative" Belehrungen, wochenlanges Ignorieren usw. Aber es gab auch viel zu lachen, viel zu lernen, viel zu bewundern mit und an ihm. Meine Wut ist oft groß, aber mittlerweile reiße ich mich zusammen. Mein Vater schreibt mir eine Karte oder SMS, aber ruft mich nicht zurück. Gerade jetzt, wo meine Eltern sich getrennt haben, werde ich in keinen Wunden stochern. Wahrscheinlich mache ich sogar meinen Kirchenaustritt rückgängig, wer weiß... Und ich teile dennoch die Spaßbremseransicht meines Vaters, dass das Leben zuallerst aus Pflichten, sich selbst und den Nächsten gegenüber, besteht. Ich habe meinen Eltern viel zu verdanken, obwohl es mir oft schwerfällt, dies wirklich wahrzunehmen.

(m,31)
 
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  • #23
Ich kann zu dem Thema nur die Lektüre von Alice Miller empfehlen - "Das Drama des begabten Kindes" - und nein, man muss die Eltern definitiv nicht lieben und sich deswegen auch nicht schlecht fühlen. Gut ist es aber, den Gründen dafür auf den Grund zu gehen, das ist einfach für einen selbst heilsam.
 
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Gast

  • #24
Ich wurde katholisch erzogen. Es ist das vierte Gebot und steht damit ganz weit oben. Die ersten drei Gebote beziehen sich auf Gott und dann kommt direkt das Elterngebot.

Meine Eltern haben mich mißhandelt. Ich habe sie nicht geliebt und in der erzwungenen Beichte gebeichtet, dass ich Vater und Mutter nicht ehre. Ich musste ein paar Gebete aus dem "Gotteslob" beten und meine Sünde war mir vergeben.

Mit 19 bin ich zu Hause ausgezogen und aus der Kirche ausgetreten. Die Familie meiner ex-Frau war streng gläubig. Es war furchtbar: man war der Meinung, dass mit mir etwas nicht stimmt. Die Idee, dass die Eltern nicht o.k. waren, war irgendwie abwegig, so wie damals, als der Pfarrer keinen Gedanken daran verschwendete, dass ich vieleicht ein Grund hätte haben können, Vater und Mutter nicht zu ehren.

Jedes Kind liebt seine Eltern am Anfang über alles und möchte seine Eltern über alles lieben.
Eltern können das aber kaputt machen.

Auf der anderen Seite: Ich bin nun selbst Vater und mein Kind muss mir nicht dauernd Liebesbekundungen geben. Ich zeige dem Kind, dass ich es liebe und das Kind geht seinen Weg. Wenn Kuscheln gefragt ist, wird gekuschelt, wenn Distanz angesagt ist, wird Abstand gehalten, wenn ich erziehen möchte, wird erzogen.

Liebe, auch Elternliebe, ist kein "muss", sie ist einfach da.

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