• #1

Nach einer Trennung: Schicksalschläge und Veränderung des Ex-Partners

Hallo liebe Leser,
es fällt mir sehr schwer mich kurz und knapp auszudrücken, da die Trennung so facettenreich war. Was ich aber in jedem Fall gerne wissen würde ist, habt ihr vielleicht auch die Erfahrung gemacht, dass nach Pech von außen auf beiden Seiten einer Beziehung und durchstandenem Stress aber angehender Arbeitslosigkeit eines Partners sich dieser extrem verändert hat? Oder vielleicht generell, habt ihr durch Arbeitslosigkeit Veränderungen wahrgenommen? Mein Ex-Partner war eigentlich immer sehr liebevoll und hat sich sehr verändert. Er ist seit 4 Monaten arbeitslos. Dazu muss man sagen während dessen habe ich auch einige schwere Phasen gehabt, aber diese sind eigentlich fast durchgestanden gewesen (meine vollständig, seine vermutlich bald, obwohl er nicht daran glaubt). Mir fällt es schwer loszulassen, weil er sagt, dass er mich liebt und gleichzeitig sehr verletztend, zurückstoßend und aggressiv geworden ist sowie nichts mehr für die Beziehung tun möchte. Er meinte man könnte in zwei Jahren ja nochmal schauen und sich neu kennenlernen, falls man bis dahin keinen Partner hat (wir wohnen etwas auseinander, aber das war bislang kein Problem, obwohl er das am letzten Tag auch vorschob, was noch am Tag davor anders betont wurde). Zudem meinte er wenn er einen Job in meinem Wohnort (unwahrscheinlich, vermutlich macht er ein Masterstudium) findet, würde er auch an den Problemen arbeiten, die entstanden sind. Er sagt er hat sich verloren und mag sich selbst nicht mehr. Und er meinte auch, er wüsste nicht ob der Alte das anders sehen würde. Ich will mir keine Hoffnungen machen, aber es fällt mir noch sehr schwer zu glauben, da ich nicht weiß ob das eine Phase ist und es auch traurig ist etwas wegzuwerfen, nachdem man zusammen fast alles durchgestanden hat. Was meint ihr? Danke für das Kommentieren im Vorhinein!
 
  • #2
Oh weh. Ja, ich kenne sie, diese Männer, die nicht alles gebacken kriegen und Depressionen bekommen, wenn es im Job nicht gut läuft.

Mein Ex-Ehemann mutierte mit jeder Arbeitslosigkeit zum Kotzbrocken. Ich blöde Kuh habe gearbeitet, ihn getröstet und ihm über Zeitungsanzeigen damals einen neuen Job besorgt. Ich hätte mir über eine Partnerbörse lieber einen neuen Mann suchen sollen:)

Meine Ex-Langzeitaffäre hatte auch Lebenskrisen, weil er beruflich nie was Dauerhaftes hingekriegt hat. Dann hatte er Depressionen und musste sich von mir zurückziehen. Für eine neue Frau hat es dann doch noch gereicht. Ich halte ihn für psychsich labil und schwach. Ehrlich gesagt, ich habe keine Lust mehr auf einen schwachen Mann, der sein ganzes Leben in Frage stellt, wenn er ein Problem bekommt.

Ich wünsche Dir liebe Fragestellerin, dass Du schnell über ihn hinweg kommst und Dir was besseres suchst. Viel Glück.
 
  • #3
P.S. was mir gerade noch eingefallen ist: es gibt Kriterien, die für die Stabilität einer Beziehung maßgeblich sind. Und weißt Du liebe Fragestellerin, was unter anderem dazu gehört: PSYCHISCHE STABILITÄT.

Leider kommen wir Frauen immer mal auf die Idee, wir müssten solchen Wackelkandidaten helfen. Und wenn man sich bei ihnen anlehnen möchte, dann klappen sie zusammen wie ein leerer Schrank.

Oh, was war ich blöd. Wie konnte ich glauben mit jemanden was anfangen zu können, der noch nicht einmal selbst geradeaus laufen kann. Mit so einem durchs Leben zu gehen, den ich dabei noch tragen müsste. Das hat irgendwie nicht funktioniert.
 
  • #4
Tut mir leid, das zu sagen, aber das sind alles "Ausreden". In Wahrheit liebt er dich nicht mehr und will es nur nicht so direkt sagen. Oder ihm fehlt die Kraft und du bist im Moment auch nicht so eine große Hilfe.
 
  • #5
Darf ich nachfragen, wie lange ihr denn jetzt getrennt seid?

Der Mann hat eine Krise. Das kommt vor. Was nicht verstehe ist, wieso du deinem Ex(!) vorwirfst, er würde nicht an der Beziehung arbeiten. Er ist "ex" - schon vergessen? - und will seine Ruhe und sich wiederfinden, sein Leben überdenken. Das ist doch ok und betrifft wohl jeden Menschen einmal.

Stimmt, du kannst scheinbar tatsächlich nicht abschließen und das ist eigentlich nur dein Problem. Es darf dich also nicht wundern, wenn er dir gegenüber sauer wird und dich zurückstößt.
 
  • #6
Wenn es immer irgendwie lief im Leben und man dieses Weltbild hat, dass jeder sein Leben ausschließlich selber lenken kann, dann ist Arbeitslosigkeit und dergleichen ein Zeichen des Versagens. Der Denkprozess, dass es auch Menschen trifft, die gut arbeiten, die arbeiten wollen und die darunter leiden, wenn sie nicht gebraucht werden und nicht für sich selber sorgen können, muss ja erstmal einsetzen. Dh. der Mann muss erkennen, dass seine Güte als Mensch nicht von seinem "Erfolg in der Arbeitswelt" abhängt. Nicht gewollt zu werden, dh. keinen Arbeitsplatz zu finden, ist eine harte Erkenntnis. Je nachdem, wieviele Kontakte man hat oder wie gut man sich verkaufen kann, kommt man auch gut im Leben zurecht, aber das reicht manchmal auch nicht aus.
Ich war selbst nie dort, aber mein Ex war lange Zeit arbeitslos und musste zum Arbeitsamt. Wie manche dort arbeiten und über Arbeitslose denken, ist wirklich furchtbar. Menschen dritter Klasse sind Arbeitslose für die, eben Versager. Soll heißen, sich dann noch so behandeln zu lassen, um sein rechtmäßiges Geld zu kriegen, als jemand, der gute Leistungen bringen kann und schon gebracht hat, ist auch kein leichtes Ding.
Also dass so ein Mensch, insbesondere Männer, die vielleicht so geprägt sind, dass sie "das Geld" verdienen, depressiv werden bei Arbeitslosigkeit, habe ich auch gesehen. Insbesondere, wenn die Frau dann Arbeit hat, erzeugt das Aggressionen und mieses Verhalten.
Die Veränderung bei meinem Ex kam erst, als er aufhörte, in Eigenregie zu arbeiten und eine Anstellung bekam. Auf einmal wurde er eklig, herablassend und arrogant.
Dass Dein Freund sich verloren hat und selber nicht mag, glaube ich gern, ich finde, er hat es Dir gut erklärt (wobei die Verletzungen usw. natürlich nicht gut sind, aber als Reaktion üblich und DU hättest Dich daraufhin zurückziehen sollen, weil Du sein Problem nicht lösen kannst und auf Dich achten musst, dass man Dich gut behandelt). Er hat sich und den Selbstwert nur über die Arbeit und das gesellschaftliche Gebrauchtwerden definiert und wie gesagt, man nimmt dem Menschen ja auch die Würde, wenn man ihn wie einen Versager behandelt.
Ich denke, er weiß gerade selber nicht, wie er das Problem lösen kann, und muss viel nachdenken. Ich bin in solchen Phasen auch lieber allein.
 
  • #7
@void hat es sehr gut erklärt.

Egal wie gut man selbst für sich aufgestellt ist, mit sich im Reinen ist - es gibt Themen, die an den Grundfesten des Selbstwertes nagen.

Das ist Arbeitslosigkeit, das können Krankheiten sein, längere Arbeitsunfähigkeit, etc. Immer Themen, die einem eine Aufgabe, einen Sinn in Leben gegeben haben.

Und bei manchen Themen erlebt man Vorurteile, Stigmatisierungen, die nicht so einfach abzuschütteln sind, die treffen.
Alleine, was man auf Arbeitsämter erleben kann, ist öfters mehr als
fragwürdig.
Oft wird man dann mit ganz schwierigen Gefühle konfrontiert - Wertlosigkeit, Hilflosigkeit, Machtlosigkeit, Hoffnungslosigkeit.
Es gibt genug Ereignisse, die sind eben leider Schicksal, die passieren ohne Zutun, Versäumnisse, Schuld. Da bleibt nur das Zusammenkehren des Trümmerhaufen, für das man erstmal die Kraft und Energie finden muss.

Da hindurch zu kommen, ist schwierig. Dass jemand diesen Weg für sich alleine gehen will oder meint zu wollen, weil er sich vielleicht auch als Zumutung, Belastung empfindet - kannst Du es verstehen?
 
  • #8
Da hindurch zu kommen, ist schwierig. Dass jemand diesen Weg für sich alleine gehen will oder meint zu wollen, weil er sich vielleicht auch als Zumutung, Belastung empfindet - kannst Du es verstehen?
Leider verstehen das die wenigsten bis gar niemand. Selbst erlebt. Es sei denn man hat es selbst erlebt. Ich verstehe es gut. Es kann die Hölle sein. Tut aber gut wenn man nicht alleine da durch muss und jemanden hat der Vorurteilsfrei für einen da ist.
m45
 
  • #9
Was ich aber in jedem Fall gerne wissen würde ist, habt ihr vielleicht auch die Erfahrung gemacht, dass nach Pech von außen auf beiden Seiten einer Beziehung und durchstandenem Stress aber angehender Arbeitslosigkeit eines Partners sich dieser extrem verändert hat?

Ich denke, es ist wenig zielführend, sich Sorgen um einen Ex-Partner zu machen. Du verhinderst damit nur, eine glückliche neue Partnerschaft zu bekommen.
Arbeitslosigkeit ist für einen Menschen sicher in mehrerer Hinsicht fürchterlich. Daran bessert sich nichts, wenn man sein Leben dann noch an einer Ex-Partnerin ausrichtet in der vagen Hoffnung, dass man irgendwann nach Jahren doch wieder zusammenfinden könnte.
 
  • #10
Danke Void für deinen hilfreichen Kommentar! Ähnliche Gedanken hatte ich auch, es tut mir weh ihn so zu sehen.Dein Kommentar hat geholfen mir nochmal ins Gedächtnis zu rufen, wie es ihm geht, was traurig macht,aber auch hilft weniger wütend zu sein, obwohl dies auch dazugehört, da ich mich im Stich gelassen fühle.Es hilft zu verzeihen,ihn zu verstehen. Es würde mich sehr freuen, wenn er die Absagen nicht persönlich nimmt, kann mir aber vorstellen,dass es an einem nagt, selbst, wenn man vielleicht die ersten Absagen noch neutral betrachtet. Es ist sehr viel Druck, der auf ihm lastet und er war in der Tat ein entspannter Mensch. Er ist perfektionistisch, wollte es ohne Kontakte schaffen mit hohen Zielen.Gerade deswegen finde ich deine Worte sehr treffend.Ich habe versucht ihn aufzuheitern und zu bekräftigen, dass das kein Versagen ist und zu motivieren als er pessimistisch war, aber ja- die härteste Erkenntnis ist vermutlich, dass ich ihm nicht helfen kann bis auf distanzieren. Er meinte nochmal nach der Trennung er wäre wütend auf alles und jeden. Ich finde es schwer, dass ich ihn nicht wie neverever sagt vorurteilsfrei unterstützen kann. Wir haben nochmal telefoniert und er meinte er hat noch eine relativ persönliche Absage bekommen und jede Uni hat ihm abgesagt. Er würde niemandem etwas sagen und das müsste er nun alleine schaffen und Gefühle würde er bis dahin alle abschotten (nicht nur für die Beziehung). Das hat mich sehr schockiert, weil er dies schonmal tat und im Nachhinein unglücklich darüber war.Es stimmt, dass ich mich da nicht früh genug um mich selber gekümmert habe und auch, dass das nun erstmal seine Probleme sind, habe ja auch Verpflichtungen.Dennoch würde ich sagen erstmal eine neue Partnerschaft verhindern ist es wert, da sich etwas geändert hat. Er meinte er wäre sich insgesamt derzeit nicht sicher was er fühlt und würde alle persönlichen Dinge erstmal wegdrücken und dann im September wieder auf mich zukommen und davor mal in sich hineinfühlen, alles wäre offen. Ich habe mich nun dazu entschieden, dass ich so gut es geht versuche darüber hinwegzukommen und meine eigenen Dinge zu machen, mir selbst etwas Gutes zu tun und dann zu sehen, was passiert auch bei mir.Schließlich ist bald September und es ist ungewiss, in welcher Grundlage er sich dann befindet. Ich hatte während der letzten Wochen viel Verständnis, habe aber teilweise den Einfluss seiner Situation unterschätzt und Dinge eher als persönliches Zurückstoßen empfunden.
 
  • #11
Denke der Streit tat niemandem gut und muss auch zugeben, dass ich mich da auch zu sehr aufs lösen fokussiert habe ohne mal eine Pause zu machen. Dann hätte ich vielleicht gesehen, dass das Problem nicht bei den kleinen Dingen lag und dennoch vielleicht einfacher lösbarer gewesen wäre, durch Abstand. Andererseits hätte es mir geholfen, wenn er früher gesagt hätte, dass er sich verloren fühlt. Eigentlich hat es mich sehr traurig gemacht, dass die Intimität in den letzten Wochen weniger wurde und vielleicht hat er da schon abgeschottet und ich dachte er liebt mich nicht mehr. Vermutlich ist es deswegen erst dazu gekommen in Kombination, sein Verhalten und meine teils verkehrte Interpretation davon, die fehlende Distanz vielleicht mal zwischendurch räumlich. Zurückstoßen und Beleidigen in Abwechslung mit liebenden Worten tat dennoch weh. Zu Lionne69, ich bin mir unsicher. Früher war er absolut nähebedürftiger, denke aber es lag eher daran,dass er das Weltbild hat, wie es void beschreibt. Da er sich aber manchmal die Schuld gab bei mir keine Hilfe zu sein, hatte ich auch schon Angst, dass er vielleicht so denkt. Danke für eure Antworten!
 
  • #12
Habe auch nochmal eine andere Seite gefunden, die teilweise gut widerspiegelt, was bei uns ablief. Ich bereue es sehr mir dessen nicht so bewusst gewesen zu sein. Gerne hätte ich weniger Dinge persönlich aufgenommen als Abweisung und direkt gesehen, was dahinter steckte. Sicherlich nicht immer, aber vielleicht hätte es geholfen die Dinge lockerer zu sehen und sich nicht unnötig zu streiten. Natürlich ist es nicht okay zu beleidigen, zurückzustoßen, Entscheidungen die beide beeinflussen erstmal pur egoistisch durchzusetzen, sich Gefühle nicht anzuhören, wenn man ständig Versprechen bricht. Dennoch hätte ich sicher besser immer mehr Abstand nehmen sollen als zu versuchen es zu klären. Das war vermutlich sehr anstrengend für ihn und ich verstehe nun besser, wieso auch etwas positives dann von meiner Seite vielleicht nicht gut ankam. Habe ihm immer deutlich gemacht, dass es mir lieber ist, wenn er mir nichts verspricht, wenn er es nicht kann, aber vielleicht hat ihn meine Enttäuschung, die ich teilweise ausdrückte unter Druck gesetzt und vielleicht fühlte er sich deswegen von simplen Äußerungen meinerseits eingeengt und konnte wenn ich dann versuchte was nettes zu sagen aufgrund seines verletzen Stolzes und seiner Enttäuschung dann nichts erwidern.
 
  • #13
Und wieder befinde ich mich etwas im Wechselbad der Gefühle der letzten Tage. Er wollte sich nicht persönlich von mir verabschieden, auch nicht skypen zunächst, was mir sehr weh tat. Mehr oder minder habe ich ihn zum skypen überredet, obwohl er versprochen hatte von sich aus im September sich persönlich zu verabschieden oder nochmal neu nach der Ruhephase, meinte er nachdem ich auf das Skypen bestand, dass er es noch nicht weiß, aber das läge nicht daran. Keine Ahnung, an was es liegt. Er meinte er bewerbe sich nun an vielen Orten, er wüsste gar nichts über die Beziehung und ob er liebt, erwiderte aber den Kommentar, dass er mich als Mensch liebt. Wir haben uns wenigstens nun ordentlich per Skype verabschiedet, aber es tut weh, ihn vielleicht nie wieder persönlich zu sehen oder erst in einem Jahr (ließ er anklingen als Option, er wüsste nicht falls es negativ ausginge ob er ein Jahr brauche). Ich hätte ihn gerne nochmal in den Arm genommen ein letztes Mal, es macht sehr traurig. Andererseits bin ich mittlerweile teils auch sehr wütend, weil er vorgab, dass wir das schon schaffen eine gemeinsame Zukunft und dann bei den ersten Schwierigkeiten und Unklarheiten geht. Ich bin mir dessen schon bewusst, dass man theoretisch etwas anstreben kann, aber doch praktisch dann anders handelt, aber dennoch fühle ich mich im Stich gelassen. Er wird sein Leben nun vermutlich doch irgendwo in einer neuen Stadt beginnen, ohne die Beziehung, genau davor hatte ich Angst. Damals bekräftigte er mich, nun hat es sich gedreht. Es tut so weh, weil klar, war ich auch unzufrieden (muss ich mir wohl öfter sagen auch, dass ich ebenso mit dem Gedanken spielte ihn zu verlassen), aber ich habe irgendwie versucht mich durch die Phase zu beißen. Vor allem tut auch weh, dass er meinte er kann nicht versprechen sich persönlich zu verabschieden, da ich bei der Abreise fragte (da waren wir noch zusammen), ob das wirklich kein Abschied sei. Außerdem finde ich es krass sich nicht einmal persönlich zu verabschieden, er hat mich ja regelrecht bezüglich dessen zurückgedrückt. Noch offen ob es eine Beziehung gibt klingt vielleicht so, aber für mich fühlt es sich nicht offen an und obwohl ich sah, dass er traurig war, habe ich nicht das Gefühl, dass er noch möchte, selbst wenn er sagt er weiß nicht. Er war während des Skypens bis auf das Traurige am Ende sehr sehr angespannt, sein Gesicht starr bis auf einen Lacher zwischendurch, der mich überraschte.
 
  • #14
Also er ist von allen Unis abgelehnt worden und hätte gern ein Masterstudium gemacht. Das ist nochmal was anderes als Arbeitssuche für manche. Wenn einer als Akademiker Karriere (ich zähl mal den Master dazu) machen will und dann nicht kann, kratzt das mitunter sehr an der Ehre. Ich kannte mal einen, der keine Doktorandenstelle fand und sich dann von allen anderen, insbesondere denen, die eine hatten, komplett distanzierte. Man merkte ihm an, wie sehr ihn das mitnahm, als hätte man ihm persönlich gesagt "du bist nichts wert, die anderen schon".
Ich finde es schwer, dass ich ihn nicht wie neverever sagt vorurteilsfrei unterstützen kann
Manche kommen gut damit klar, wenn der Partner Probleme hat und unterstützt werden muss, aber wenn sie selber im Leben "zurückgestuft" werden und das nicht zu ihrem Selbstbild passt, soll das bloß keiner sehen und schon gar nicht mit Hilfe ankommen.
Er ist perfektionistisch, wollte es ohne Kontakte schaffen mit hohen Zielen.
Genau das klappt nun nicht, weil "man" ihn nicht lässt und das Leben anders ist. Auch wenn einer leistet ohne Ende, muss das noch lange nicht bedeuten, dass er was schafft oder gefragt ist. Das wird aber immer so suggeriert.
Dennoch hätte ich sicher besser immer mehr Abstand nehmen sollen als zu versuchen es zu klären.
Naja, das kann man nicht wissen, wenn man es noch nicht erlebt hat. Merken, wenn es gar nicht um das geht, was gerade abläuft, ist schwierig, wenn man jung ist. Dein Freund scheint auch kein einfacher Mensch zu sein. Er kann sich anscheinend auch nicht vorstellen, dass man IHN mag und liebt und das nicht nur bei schönem Wetter.
Ich denke, solche Menschen kann man nicht trösten, weil das übersetzt heißt "ich mag dich auch noch, wenn du nicht toll bist". Die müssen erstmal selber sehen, was sie alles zu bieten haben, das alles nichts mit äußerem Erfolg und irgendwelchen Überlegenheiten anderen gegenüber zu tun hat. Denn es muss ja für so eine Einstellung auch immer ein "unten" geben, wo man nicht sein will. Andere dürfen gern keinen Master machen, weil sie vielleicht nicht gut genug sind, oder arbeitslos sein, aber man selber auf keinen Fall.
Ich denke, er versucht einen radikalen Strich im Leben zu machen. Alles, was ihn ablenken könnte von dem, was ihm wieder Glauben an sich selbst bringen könnte, kommt weg.
 
  • #15
Also er ist von allen Unis abgelehnt worden und hätte gern ein Masterstudium gemacht.
Er wollte eigentlich lieber arbeiten und machte sich finanziell sehr viel Druck, weil er nicht auf seine Eltern oder zunächst auch nicht das Arbeitsamt zugehen wollte. Er aß kurz vor Studienende weniger, weil er niemandem, auch zunächst mir nicht sagte, dass er kein Geld mehr hat. Er fing an Dinge zu verkaufen. Er ging dann irgendwann auf seinen Bruder zu, jedoch nicht auf seine Eltern, kümmerte sich als sie ihm sagten er solle sich melden nicht darum immer mit Ausreden, weil es für ihn viel mit Stolz zu tun hatte. Er gab dann immer vor er habe die Nummer nicht vom Zuständigen und hat es vermutlich als entwürdigend empfunden, wenn ich meinte, die bei der Hotline könnten ja mehr wissen. Seine Eltern haben ihn dann vor ein paar Wochen unter die Lupe genommen und danach rief er dann an. Als sie fragten wie er überlebt hat log er wir hätten bei meinen Eltern (waren dort einen Monat und in einem Urlaub, aber weil es dort auch viele Probleme gab und ich derzeit keine Wohnung hatte) gespart. In Wirklichkeit habe ich sehr viel bezahlt, der Urlaub war ja okay, aber danach auch sehr viel. Er meinte dann er dachte mir wäre das gegenüber seinen Eltern unangenehm. Klar, ihm war es sehr unangenehm, generell würde ich nächstes Mal ab einem gewissen Punkt nichts mehr bezahlen, zumindest, wenn er sich nicht kümmert mit Ausreden. Den Master zog er daher eher nicht in Betracht. Er bewarb sich am letzten Tag (hatte sich nicht informiert) einfach auf alle passenden. Die Stellen, die er am Anfang interessant fand strebte er nicht mehr an, weil die Situation ihm so zusetzte. Jetzt sieht es wieder nach Stellen aus, aber er deutete an vielleicht ein Praktikum und dann zum SS einen Master. Erst wollte er sogar beides machen. Ein Praktikum oder eine gering bezahlte Stelle wollte er am Anfang hingegen gar nicht, da hatte er riesige Erwartungen, er würde keine Stelle annehmen, die sich nachher schlecht macht oder mit der er dann in einer Gehaltsstufe sitzen bleibe. Schlimm ist, dass bei dem Bewerbungsgespräch die Frage kam, ob er für Geld alles machen würde. Er war sehr aufgebracht, auch über andere provokativen Fragen. Natürlich würde er das nicht. Was ich schade finde, ist aber, dass ihn die Geldnot (teilweise wirklich fast nichts auf dem Konto, aber Nebenjobs hat er nicht gesucht) ihm vielleicht existenzielle Angst gemacht hat.
 
  • #16
Finde ich irgendwie daneben, dass er vor seinen Eltern gelogen hat und Du das alles bezahlt hast. Seine "Ehre" haben, ist das eine, aber er benutzt Dich ja mit, dass er vor den Eltern gut dasteht.
Er meinte dann er dachte mir wäre das gegenüber seinen Eltern unangenehm
Was, dass Du alles bezahlt hast? Das ist IHM unangenehm.
Anscheinend ist das Verhältnis mit den Eltern nicht so gut. Manche helfen ja und reiben es dem anderen immer unter die Nase.
Sein Denken bzgl. der Stelle finde ich auch verkrampft, auch wenn ich verstehen kann, dass er eine gute Stelle haben will und die Fragen würdelos findet. Irgendwie nimmt er alles persönlich, ich meine, weil er sich über die Fragen aufregt.
Zahlt er Dir irgendwas zurück oder hat er mal erwähnt, dass Du ihm den Hintern gerettet hast? Ich würde das auch machen, aber ich könnte auch nicht den Stolz eines Mannes finanzieren, der andere Möglichkeiten hätte oder Arbeit ablehnt, bis er völlig abgebrannt ist.
 
  • #17
Finde ich irgendwie daneben, dass er vor seinen Eltern gelogen hat und Du das alles bezahlt hast. Seine "Ehre" haben, ist das eine, aber er benutzt Dich ja mit, dass er vor den Eltern gut dasteht.
Ich denke, dass er mich nicht benutzt um gut dazustehen, zumindest nicht bewusst. Er wollte teils auch keine finanzielle von mir haben und da es manchmal unumgänglich war, um zum Beispiel den Ort zu wechseln oder man halt einkaufen musste habe ich das dann übernommen. Aber in der Tat finde ich es nicht okay, dass er, wenn er gefragt wird, dann lügt und noch betont wir hätten ja gespart. Ich denke es war ihm sehr unangenehm, er hätte es ihnen ja nicht sagen müssen, aber er hätte zumindest nicht so tun müssen, als hätten wir bei mir zu Hause am Essen gespart.

Was, dass Du alles bezahlt hast? Das ist IHM unangenehm.
Anscheinend ist das Verhältnis mit den Eltern nicht so gut. Manche helfen ja und reiben es dem anderen immer unter die Nase.
Das weiß ich leider nicht gut genug. Ich glaube, dass das Verhältnis zu seinen Eltern gut ist, zumindest war ich dort 14 Tage mit ihm. Was jedoch stimmt ist, dass er meinte sein Vater wäre ab und zu herrisch (hat man mitbekommen). Und er wird wohl nun eingebunden diesem zeitlich mitzuhelfen. Er ist selbstständig und Handwerker. Die Arbeit ist sicherlich auch hart, was ich nicht verstehe, ist wieso er nicht auf sie zugegangen ist. Er meinte eigentlich wäre das kein Problem seinen Vater zu fragen, nahm aber dann eigentlich immer nur, wenn er auf ihn zukam. Dass er vorher etwas brauchte bekamen die Eltern ja gar nicht mit, oder falls doch, dann nur über dem Bruder. Ich frage mich auch ob ich mich moralisch gesehen unangebracht verhalte, weil ich mittlerweile teils auch wütend bin wegen seiner fehlenden Verantwortungsübernahme. Ich habe es ihm zwar nicht unter die Nase gerieben, aber ein kleines Stückchen in mir würde es gerne tun. Das ist, weil es weh tut, dass ich für ihn da war persönlich und finanziell (das Ganze fing ja noch vor der Bachelorarbeit an, wo er sehr nervös war) und er mich nun einfach wegschiebt. Und ich habe Angst davor, dass er nun bald doch ein tolles Praktikum kriegt, am besten noch protzt und dann mal kein Wörtchen fallen lässt. Das ist vielleicht nicht ehrenhaft, würde mich auch für ihn freuen, dennoch fällt es mir schwer.
 
  • #18
Ich kenne das auch. Andere Umstände, aber von den beschriebenen gefühlen her dasselbe. Wenn der Partner sich verändert.. und zwar so dass das vorher Harmonierende zusammenleben plötzlich massiv gefährdet ist. Ich schenk mir jeglichen Rat weil ich glaube dass du deine Antwort finden wirst. Stattdessen möchte ich dir ein Kompliment aussprechen, dafür dass du dir so viele Gedanken um eure beziehung machst, es ist dir nicht egal, das spricht meistens sehr für Treue Menschen. Ich wünsch dir sehr viel Kraft für alles was noch kommt, du wirst sie vielleicht brauchen.
 
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