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Gast

  • #1

Nach welcher Zeit stellt sich ein WIR-Gefühl ein?

Ich bin jetzt seit ca. 3 Monaten in einer Beziehung. Wir beide sind sehr glücklich und alles ist ok. Mein Freund spricht schon von einer gemeinsamen Zukunft. Nicht nur die nächsten Wochen oder Monate sondern Jahre. Wenn ich an meine weitere Zukunft denke, kommt mein neuer Partner darin noch nicht vor. Er spielt für mich in meinem weiteren Leben noch keine Rolle. Ich habe auch keine Vorstellung wie seine Aufgabe dabei sein soll. Mir fehlt noch das WIR-Gefühl. W( 49)
 
  • #2
Ich denke, dass es eigentlich ganz natürlich ist, in der Phase der richtigen rosa-roten Verliebtheit weitreichende Pläne zu machen, von der Zukunft zu träumen, seine Lebenswünsche zu formulieren -- auch wenn das realistisch und pragmatisch gesehen noch völlig in den Sternen steht.

Aber Verliebtheit ist eben rosa-rot, da darf man mal von Kindern träumen, da darf und muss man geradezu formulieren, was man sich wünschen und erträumen würde: Dadurch synchronisiert man doch auch die eigenen Lebensziele und stellt dadurch fest, ob zum Beispiel "Haus auf Land in der Nähe von Nürnberg" und "mehrere Kinder" übrhaupt für beide was wären oder der andere eher von "Penthouse in München" und "maximal ein Kind" träumt. Verliebtheit darf überschäumen vor Glück, darf phantasieren!

Insofern glaube ich, dass sich bei den meisten wirklich verliebten und zueinander passenden Paaren recht schnell ein derartig euphorisches Wir-Gefühl einstellt. Wenn das selbst in der Verliebtheitsphase ausbleibt, dann dürfte da von Verliebtheit nicht viel los sein.

Erst in der darauffolgenden Differenzierungsphase leidet dieses Wir-Gefühl wieder. Man erkennt Makel, Macken und Schwächen des Partners, kämpft um Kompromisse, erkennt Differenzen und Meinungsverschiedenheiten und muss sich zusammenraufen -- in dieser Phase entscheidet sich, ob sich Verliebtheit in Liebe wandelt, ob sich eine gemeinsame Basis finden lässt. In dieser Phase sollte sich das euphorische Wir-Gefühl schrittweise und allmählich in ein echtes partnerschafliches Wir-Gefühl wandeln, allerdings durchaus über viele Nuancen des "Ich und Du"-Gefühls. In diese Phase darf man durchaus erkennen, dass man eben nicht sofort zusammenziehen muss, dass man Kinder frühestens in vielen Jahren möchte, dass ein Kompromiss bezüglich Wohnort und Zusammenleben noch schwierig ist.

Allerdings kann man die meisten echten Probleme, den Alltag und die vollwertige Form der Partnerschaft erst erleben und erproben, wenn man dann zusammenzieht. Eine partnerschaft wandelt sich noch einmal grundlegend beim Zusammenziehen: Plötzlich spielt der Alltag, spielen alltägliche Probleme, die Haushaltsführung, nicht nur das Zusammensein, sondern auch mal das Getrenntmachen eine viel größere Rolle. Erst hier zeigt sich, ob ein echtes Wir-gefühl bestehen bleibt, ob das Zusammensein für beide die Priorität und das Wohlfühl-Gefühl hat, das nötig ist, damit eine dauerhafte, erfüllende Partnerschaft entsteht.

Kurze Antwort auf Diene Frage: Wenn sich nach drei Monaten kein Wir-Gefühl einstellt, dann gehe in Dich, ob Du wirklich verliebt bist, ob du wirklich mit diesem Mann alt werden möchtest. In meinen Augen klingt es erschreckend, wenn der frische Partner gefühlt noch "keine Rolle im weiteren Leben" hat. Da stimmt was nicht.
 
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Gast

  • #3
Das sehe ich ganz anders als #1. Du bist eine erwachsene Frau. Du hast dein eigenes Leben. Du hast deine Beziehungserfahrungen. Ich kann mir gut vorstellen und kenne das auch aus eigener Erfahrung: du bist vorsichtig. Vielleicht auch übervorsichtig. Lasse das doch alles auf dich zukommen. Mache dir nicht zu viele Gedanken, plane nicht zu viel. Freue dich darüber, wenn eure Beziehung gut läuft. Lass dich auch auf Planungen und Ideen ein, die nicht nur die nächsten Tage und Wochen, sondern vielleicht auch die nächsten Monate betreffen. Und du wirst sehen und fühlen, was du dir mit deinem neuen Partner zusammen vorstellen kannst. Viel Glück!
w
 
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Gast

  • #4
erzaehle es doch deinem Partner...Bestaetigst Du ihn dabei etwa noch, wenn er ueber gemeinsame Zukunftsplaene schwaermt oder wie reagierst Du ihm gegenueber?

ich sehs wie #1 und empfinde #2 als unfair dem Partner gegenueber, weil der jetzt schon verliebt ist und es wuerde nicht weniger werden, wuerdest Du noch ein paar Monate rumdruxen. Zwei- Drei Monate ist fuer mich persoenlich der Zeitraum in dem man abschaetzen kann obs weiter funktinoiert oder nichtweil hier gerade wie in #1 beschrieben die Rosa bille langsam anfaengt zu verblassen...aber Du scheinst sie nie aufgehabt zu haben..

ich fänd es unfair deinem "nicht"-Liebsten gegenueber zu spielen
 
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Gast

  • #5
Meine Erfahrung ist, dass es überhaupt nichts bedeuten muss, wenn ein Mann schnell große Zukunftspläne macht. Das kann genauso gut ein Strohfeuer sein und vielleicht ist es das, was Du spürst, wenn Du nicht viel spürst. Vielleicht hast Du da eine ganz sensible Antenne.

Ich habe Anfang des Jahres den Fehler gemacht, mich von der Euphorie eines Mannes mitreißen zu lassen und habe nach und nach begonnen daran zu glauben, dass er es ernst meint und habe angefangen seine Zukunftsvisionen an mich ran zu lassen. Doch in dem Moment, als ich mit ganzem Herzen darauf eingegangen bin und selbst anfing darüber zu reden, wie es sich in Zukunft entwickeln könnte, war er von heute auf morgen auf und davon. Das war im Frühsommer, noch immer sind in meinem Kalender Markierungen für Unternehmungen u. ä. die wir für die nächsten paar Monate angedacht hatten....

Natürlich kann er es ganauso gut ernst und ehrlich meinen, aber wie will man das herausbekommen. Du kannst es nur auf Dich zukommen lassen. Und vielleicht ist es wirklich klug, noch nicht zu sehr darauf eintzugehen. Ich für mich habe mir geschworen, mich nie wieder so unvorsichtig in vertrauensvolle Verliebtheit fallen zu lassen. Denn dieses Vertrauen hat mir das Herz gebrochen und ich leide immer noch bitter daran.
 
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Gast

  • #6
Ich denke auch es ist eine Altersfrage, wie schnell man ein WIR-Gefühl entwickelt.
Als Frau in jüngeren Jahren sicherlich schneller, als mit Ende 40. Das ist auch normal, so wie auch #2 schrieb, wenn man eine gesunde Beziehung in dem Alter führen möchte. Anders mag es sein, wenn man einen Versorger sucht und sein Leben eigentlich nicht selbständig weiter führen möchte.
Da ich selber letzteres für mich ausschließe, gehöre ich auch eher zu den Frauen, die einem neuen Partner gegenüber längere Zeit vorsichtig bleibe, auch emotional, und keine langfristigen Zukunftspläne mache.
 
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Gast

  • #7
Vielleicht sollte ich erklären, ich war 25 Jahre in einer Beziehung. Mein Mann ist dann gestorben. Wir haben alles aufgebaut. Ich habe Kinder und alles was dazu gehört. Ich freue mich wenn mein neuer Freund bei mir ist. Ich vertraue ihm. Ich habe immer noch Schmetterlinge im Bauch:).
Aber gemeinsame Ziel fehlen mir noch. Für mich sind diese Ziele wichtig,das gehört für mich zu einer Partnerschaft dazu. Noch kann ich nicht glauben, dass es ein wir gibt und dieses auch noch nicht leben. Ich dachte, meien Reaktionen sind vielleicht für mein alter normal. Wie ich sehe werde ich direkt aus diesem Grunde angegriffen. Dabei ist Verliebtheit und Wir-Gefühl für mich etwas unterschiedliches.Ich habe gehofft, das Gefühl kann noch kommen.
FS
 
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Gast

  • #8
Ich finde es völlig ok, wenn Du Dich noch etwas abwartend verhältst und nicht in dieser rosaroten Verliebtheitsphase bereits Zukunftspläne schmiedest. Das kann natürlich gut gehen, das weiß keiner zu diesem frühen Zeitpunkt, es kann aber leider auch so laufen wie #4 berichtet. Gleiches habe ich vor 2 Jahren erlebt - große Verliebtheit des Partners, ich hinkte mit meinen Gefühlen zunächst hinterher, ließ mich dann aber von seinen Visionen (wie er selbst es nannte) mitreißen und konnte mir schließlich auch eine gemeinsame Zukunft gut vorstellen. Eine mögliche Trennung schien mir unvorstellbar, ich habe daran überhaupt keinen Gedanken verschwendet. Und die kam, für mich völlig unverbereitet, nach exakt 6 Monaten! Da war ihm offensichtlich die Luft ausgegangen und er schmiss von einem Moment zum anderen alles hin. Er ging und ward nie mehr gesehen. Als einzige Reaktion konnte ich ihm gerade mal EINE email mit sehr fadenscheinigen Erklärungen zu seinem Rückzug regelrecht abringen.
Ich finde, Du verhältst Dich genau richtig. Genieße Euer Zusammensein und warte entspannt und ohne zu große Erwartungen ab, wie sich Euer gemeinsames Leben weiterhin gestaltet.
Ich wünsche Dir viel Glück!
w
 
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Gast

  • #9
Liebe Fragestellerin, ich verstehe dich gut und kann mir wirklich sehr, sehr gut vorstellen, dass du einfach nur vorsichtig und pragmatisch bist. Ich habe noch nie in den ersten paar Monaten so weitreichende Zukunftspläne geschmiedet (ok, vielleicht ganz im Stillen, nur in meinen Träumen, mal eine Idee weitergesponnen oder so, aber sicher nie dem Partner gegenüber) und würde das auch nicht machen, weil ich realistisch genug bin zu wissen, dass es auf dem Weg dorthin noch vieles gibt, was den Wünschen und Träumen entgegenstehen kann. Ich glaube außerdem, dass es die allermeisten Männer sogar eher unter Druck setzen, einengen und negativ berühren würde.

Ich würde bspw. auch keinen Urlaub planen, der viel länger im Voraus liegt als die Zeit, die man schon zusammen ist. Bsp: Wäre ich jetzt 3 Monate mit einem Mann zusammen, würde ich sicher nicht mit ihm für nächsten Herbst eine große Reise planen. Bis dahin kann einfach noch zu viel passieren. Das hat nichts mit mangelnder Verliebtheit, sondern mit Realismus und Pragmatismus zu tun. Gerade wenn man so lange Zeit wie du, liebe Fragestellerin, mit einem Mann zusammen war, fällt es sicher extrem schwer sich auf einen neuen Menschen einzulassen und das Wir-Gefühl zu bekommen. Lass es wachsen, lass es sich entwickeln! Viel Glück!