• #1

Nähe/Distanz – das richtige Verhältnis nicht umsetzbar

Hallo zusammen

ich hätte gerne mal euren Rat. Fühle mich in meiner Beziehung zu wenig aufgehoben.

Bin seit einem guten halben Jahr mit ihr zusammen. Zu Beginn war alles wunderbar. Wir sind uns extrem ähnlich, bis auf den Punkt mit der Nähe und Distanz. Ich bin sehr leidenschaftlich und benötige die Nähe. Würde sie am liebsten 2-3x unter der Woche sehen und wenn möglich das ganze Wochenende gemeinsam verbringen. Ich brauche dieses Gleichgewicht. Auch sexuell braucht es für mich dieses Gleichgewicht. Wobei es bei mir ganz sicher nicht an 1. Stelle steht. Hier muss quasi immer ich den 1. Schritt machen – nur so am Rande. Sie hätte am liebsten alles spontan und eher unverbindlich und benötigt viel Freiraum um auch mal nur Zeit für sich allein zu haben. Was ich auch benötige, aber in einem anderen Maß. Ihr würden zwei Treffen in der Woche vermutlich genügen. Zum Beispiel nach einer harten Arbeitswoche erstmal den Freitag Abend alleine verbringen und sich Samstags treffen. Wir wohnen nah beieinander und hätten immer die Möglichkeit auch für spontane Treffen und Übernachtungen. Zum Teil verstehen es selbst ihre nächsten Menschen nicht (Geschwister und beste Freundin), dass sie oft Zeit für sich alleine braucht. Sie sagte auch schon, dass sie sich oft nicht verstanden fühlt. von Niemandem. Auch planen kann ich mit ihr ganz schwierig. Treffen mit Freunden, Besuche bei Freunden in anderen Städten, etc. klappen meist nicht und ich mache mich alleine auf den Weg. Wenn wir uns am Wochenende doch sehen, können wir nicht soviel unternehmen. Lange schlafen ist wichtig. Ihr fehlt irgendwie die Kraft und auch alltägliche kleine Aufgaben machen ihr grossen Stress und manchmal auch Ärger und Wut. Irgendwie kann sie nicht abwägen, was wichtiger ist – Staubsaugen oder der Freund. Die Wohnung ist nämlich auch sehr wichtig. Wenn ich ihr zuviel werde, was manchmal unvorhersehbar erscheint, blockiert sie und wendet sich ab. Das kann soweit gehen, dass sie mich sogar wegdrückt, wenn ich die Nähe zu ihr suche. Es gab auch Momente, dass sie am Morgen einfach aufsteht und die Wohnung verlässt um sich Zeit alleine zu verschaffen. Ich liege dann wirklich rätselhaft im Bett. Manchmal macht mich dies wiederum extrem traurig. Sie merkt es dann 30 Minuten später entschuldigt sich und fühlt sich als schlechter Mensch. Wenn ich sie 4-5 Tage die Woche nicht sehe und wirklich schon fast an der Türe kratze, sie mir dann wieder abweist und ich meine Traurigkeit nicht mehr unterdrücken kann, stresst es sie extrem, dass sie mich so verletzt. Bei Treffen mit anderen, an denen sie quasi nicht nein sagen kann (Geburtstage etc.) sucht sie sich Lücken oder probiert später zu Erscheinen um sich Raum zu verschaffen.
 
  • #2
Es gibt Menschen die sind hypersensitiv. Sie spüren und fühlen das Energiefeld anderer Menschen sehr intensiv. Das kann sehr belastend sein und sie gehen dann auf Abstand oder meiden Familientreffen oder größere Gruppen. Sie wollen nicht allein sein, sie sind sehr gefühlvoll und sozial. Aber wenn das Energiefeld der Gruppe zu anstrengend wird, ist es für diese Menschen eine Überreizung.
Entsprechend re-agieren sie gereizt oder patzig oder verlassen das Fest. Im Grunde zeigen solche Menschen nur, wie geladen die anderen sind. Die Hypersensitiven sind die Wesen mit den feinsten Antennen in der Gruppe und eben an der schwächsten Stelle bricht dann das Gewitter hindurch - ihr zum Ausdruck gebrachter Blitz und Donner waren aber größtenteils die Last der anderen.
Solche Menschen können sich sehr gut in andere hineinfühlen bis hin zum Gedankenlesen bzw. Gedankenhören. Oft wissen sie das gar nicht, denn sie kennen es gar nicht anders. Sie können sehr gute Lehrer oder Therapeuten werden, aber sie müssen lernen sich rechtzeitig ein dickeres Fell zuzulegen und zwischen eigenen Energien und fremden Energien zu unterscheiden. Dies versucht sie bereits. Sie achtet auch gut auf sich, in dem sie versucht Freitags erstmal wieder bei sich selbst anzukommen. Es soll keine Brüskierung gegen dich sein ... aber Menschen die ständig Nähe suchen sind oft ziemliche Energieräuber. Lerne auch du, dein Energiefeld in der Natur zu reinigen und neu aufzuladen. Dann kann sie DICH besser spüren, weil du dann nicht überlagert bist mit dem Stress der vergangenen Woche. Wenn ihr beide ganz präsent seid, kann eine sensitive Beziehung sehr sinnlich und tief sein. Sie ist dann auch eine echte Beziehung - nicht überlagert durch Fremd-Energien.
 
  • #3
Wie vieles andere auch: eine Frage der Kompatibilität. Manche Menschen brauchen ihren Freiraum und sind froh, wenn sie das Wochenende am Freitag gemütlich alleine zu Hause einläuten können, andere gehen Freitag Abend mit Freunden weg. Es muss halt einfach in einer Beziehung passen.

Ihr seid mitten in der Kennenlernphase. Ob Dich ihre Bedürfnisse wirklich ernsthaft stören, kannst nur Du beurteilen. Und natürlich dann ggf. die Konsequenzen ziehen. Ändern wird sie sich nicht.
 
  • #4
Ich finde es etwas beängstigend, dass eure Beziehung sie offenbar so stresst, dass sie nach der anstrengenden Woche den Freitag ihre Ruhe haben will statt mit dir zusammen einen entspannten und schönen Abend zu haben. So wie man sich schon mal Freitags nach dem Feierabend mit Freunden auf Pizza und Rotwein trifft, um die Woche in schöner Gesellschaft abzuschließen. Also ist es für sie offenbar nicht entspannt mit dir. Dafür spricht auch der Umstand, dass sie morgens nach dem Aufstehen auch erst einmal Distanz zu dir sucht. Mir wäre das auch zu viel Distanz obwohl ich selbst Zeit für mich alleine brauche und auch weiterhin logischerweise immer auch alleine Zeit mit meinen Freundinnen verbringen würde. Vielleicht magst du mit ihr sprechen und fragen, was an eurer Beziehung sie denn stresst? Klammerst du zu sehr und machst ihr unterschwellig schlechtes Gewissen? Oder ist sie noch nicht so Feuer und Flamme für dich? Vielleicht solltest du, statt traurig zu sein, einfach souverän das Thema ansprechen? Diese emotionalen Erpressungen, die Frauen auch ganz oft machen, sind Gift. Der andere ist dann immer gestresst wenn es darum geht, etwas zu tun, worauf der Partner dann wieder mit Traurigkeit reagiert und das kann sehr kontraproduktiv für die Entwicklung der Gefühle sein.
 
  • #5
Für mich klingt das so, als ob du neben der Arbeit und Beziehung nicht viel im Leben hast. Wie wäre es, wenn du dir mal Hobbys zulegen würdest und dich mal auch anderweitig betätigst?
Du machst für mich den typischen Eindruck eines Menschen, der nur seine Beziehung hat, vllt mal seine Freunde trifft und sonst nichts. Du redest von Gleichgewicht, ich sehe in deinem Leben aber eine große Disbalance.Ich meine, 4-5 Tage und du gehst fast auf dem Zahnfleisch und "kratzt" an ihrer tür?

Meine Exfreundin und ich haben uns auch nur 2(-3) mal die Woche gesehen: Sie hatte Ihre Hobbys, ich meine. Sie ihre Verpflichtungen, ich meine. Wir hatten die Möglichkeit, uns zu vermissen, aufeinander zu freuen. Bei vielen Menschen habe ich das Gefühl, dass eine Beziehung vorallem ein Zeitvertreib und der Versuch ist, sich aus dem langweiligen Leben zu stehlen.
 
  • #6
Wie Du Deine Freundin beschreibst, dass könnte ich in einigen Zügen sein, es kommt mir vieles bekannt vor. Ich benötige auch viel Zeit für mich, neben Mann und Kindern. Auch mein Mann beschwert sich heute noch darüber, dass ich wenig anhänglich bin, mich mittlerweile aber bemühe, bei den Kindern ist es irgendwie nicht so. Ist Deine Freundin Einzelkind? Wie war die Beziehung zu ihren Eltern? Bei mir scheint beides davon eine Rolle zu spielen. Ich war auch als Kind trotz Freunden sehr gern allein. Erst im Nachhinein habe ich mitbekommen, dass ich zwar liebevolle Eltern hatte, die mich aber wenig umarmten, meine Mutter kannte das nicht und hat es somit auch nicht an mich weitergegeben. Meinen Mann ist das nur aufgefallen und meine Mutter darauf angesprochen ... Familienfeiern meide ich heute noch wie die Pest, sie langweilen mich zumeist. Meine Eltern sind mittlerweile verstorben, mit meinen Schwiegereltern und angeheirateten Verwandten bin ich nie warm geworden und wenn ich es irgendwie umgehen kann, dann sieht mich dort auch niemand, mir ist es dabei auch ziemlich einerlei, was man nun von mir denkt, ich verbringe dann lieber Zeit für mich oder mit meinen Kindern und mein Mann fährt allein hin, wir haben uns darauf geeinigt, wobei hier schon einige Kämpfe mit den SE vorausgegangen sind. Mein Alltag ist oft so mit Terminen zugebaut, dass ich froh bin, wenn mal nix ist. Ich denke, dass es Deiner Freundin auch so geht. Je mehr Du sie drängst, desto mehr wird sie sich Dir entziehen und entweder lernt ihr damit zu leben und vielleicht bessert sich ihr Verhalten etwas, aber ganz ablegen wird sie es bestimmt nicht.
 
M

Meeresrauschen

Gast
  • #7
Ich bin deiner Freundin vom Gemüt her sehr ähnlich. Was du beschreibst klingt so, als sei sie leicht depressiv veranlagt. Melancholische Menschen sind schnell erschöpft und sehr sensibel.
Ich denke, dass du sie extrem stresst. Vor allem mit deinen permanenten Unternehmensvorschlägen, in andere Städte zu anderen Freunden ect. Ich kann auch ihr Bedürfnis, sich Freitags nach anstrengender Woche erstmal zurückzuziehen sehr gut verstehen. Zu ihr passt ein Mann, der auch ähnlich tickt. Dich würde ihr Lebensweg auf Dauer sehr unglücklich machen. Mag aber auch sein, dass sie selber unter sich leidet, auf der einen Seite doch Nähe will, sich aber immer wieder abwendet aus Angst. Wenn sie selbst unter der Situation leidet, sollte sie sich psychologische Hilfe holen. Ich würde sie konkret fragen, was sie braucht und dann schauen, ob es für dich lebbar ist.
 
  • #8
Ich finde es jetzt erstmal wichtig zu wissen, wie genau du deine Bedürfnisse äußerst. Zickst du rum, jammerst du, bettelst du, weinst du sogar? Willst du immer und immer wieder auf diesem Thema rumreiten? Dies würde ich auch sehr einengend empfinden. Es ist halt immer auch eine Frage der Art, wie man Dinge anspricht.

Andererseits kann ich dich auch verstehen, dass es natürlich wenig Sinn ergibt, eine "Beziehung" mit einer Person zu führen, die eigentlich gar nicht greifbar ist. In dem Falle würde ich mich sogar hinreißen lassen, zu behaupten, dass es hier nicht um ein beziehungsinternes Nähe/ Distanzproblem geht, sondern dass die Frau deiner Beschreibung nach grundsätzlich nicht viel Lust hat, mit anderen Menschen wirklich in feste "Beziehungen" zu treten. Sie scheint halt sehr auf sich selbst bezogen zu sein, ihr eigenes Wohlergehen geht ihr offenbar über alles, sprich: sie selbst ist sich mehr Wert, als sie Beziehungen an Wert beimisst.

Wenn es so sein sollte, dann ist es natürlich auch wenig sinnvoll, wenn du bei ihr bleibst, in der Hoffnung, sie könnte etwas daran ändern. Wenn es so wäre, bräuchte sie ja erstmal einen anderen Blick auf sich selbst und müsste den Mehrwert von engeren Beziehungen erkennen. Das kann sie sicher nicht, sie wüsste auch nicht, warum. Es läuft ja für sie. Sie will dir sicher auch gar nicht weh tun, sicher bedeutest du ihr was. Aber ihr System will/ kann sie auch nicht ändern, weil sie das so braucht.

Kurz: ich würde ihr an deiner Stelle nicht hinterherlaufen. Guck, ob du damit leben kannst, oder trenne dich eben von ihr. Und such dir eine andere, die gerne öfter mit dir zusammen ist. Nützt ja nix, du wirst sie nicht ändern.

Wer weiß, was bei ihr im Argen liegt.
 
  • #9
Deine Wünsche, Bedürfnisse und Hoffnungen sind nicht falsch.
Ihre auch nicht.
Ihr paßt nicht zusammen, das ist alles.

w 49
 
  • #10
Wie #1 schon schrieb gibt es solche Menschen, ich erkenne mich in ihrem Text wieder, obwohl ich mich eher als introvertiert bezeichnen würde.
Ich brauche Zeit für mich, und kann in solchen Momenten niemand gebrauchen, der Ansprüche stellt. Ja, es stellte sich als ich in Beziehungen war oft die Frage: staubsaugen oder Freund... Weil man seine Sachen erledigt haben möchte, und im Moment nicht zur Verfügung stehen will für die Bedürfnisse des Anderen.
Klar machen gemeinsame Unternehmungen Spass, aber alles zu seiner Zeit!

Du schreibst, ihr machen kleine alltägliche Aufgaben Stress... Hast du ihr schon mal deine Hilfe angeboten? Wenn ja, warst du auch WIRKLICH eine Hilfe?

In meiner letzten Beziehung wars nämlich so, dass mein Freund bei mir ankam und dann musste ich als er wieder weg war alles aufräumen und wieder so herrichten wie es für mich passte, z.B. hängte er den schmutzigen Abwaschlappen auf statt zuerst auszuwaschen, und das IMMER!
Solche Sachen wollte ich ihm aber nicht unter die Nase reiben, denn ich finde, ein achtsamer Mensch sollte merken wie das Gegenüber dies und jenes handhabt.
So verursachte er mir mehr Arbeit, als dass die Zeit die schön mit ihm gewesen ist es aufgewogen hätte.
 
  • #11
Hallo FS,
da stellt sich die Frage wieso sie dies bei dir macht. Es liest sich so, dass ihr eure Beziehung stressig ist, dass sie da auch nicht sie selbst sein kann. Die Frage ist, ob es an ihrer Verschlossenheit liegt, oder ob du es einfach nicht für sie bist. Ich denke mit der Zeit wird sich dies herausstellen.

Und falls sie dann Nähe z.B. morgens zulässt, und mal statt Staubsaugen lieber mit dir sich beschäftigt: ist wohl dann das Nähe-Distanz Unterschied überwunden? Ich denke nicht. Ich denke nämlich das sind individuelle Bedürfnisse, die man extern nicht ändern kann/soll. Die Person kann sich evtl. ändern. Z.B. kann sich eine Person, die sich maximal auf die Karriere konzentriert, mit der Zeit eine Familie als Priorität sehen. Aber dies kann man nicht von außen bestimmen, es sind innere Bedürfnisse.

In 6 Monaten lernt man sich bisschen kennen und schaut ob es passt. Hier liegt ein gravierender Unterschied vor, was die Beurteilung der Beziehung angeht. Für dich ein Ruhepol, wo du Energie gewinnst, wo du abschaltest. Für sie eine "Aufgabe", ein weiterer Mensch, den sie "befriedigen" muss, Stress. Ob Du dazu beiträgst dass sie es so empfindet - kann ich nicht beurteilen, kann ich mir aber vorstellen. Überlege, ob du sie bedrängst, zu forsch bist, deine Bedürfnisse, Wünsche zu bestimmend formulierst und ihr keinen Freiraum dabei lässt. Ist dies auch nur minimal der Fall, da kannst zumindest selber auch daran arbeiten, dass es besser wird.

Viel Erfolg!
 
  • #12
Ist es wichtig, warum ein Mensch ein bestimmtes Nähe - Distanz Bedürfnis hat?
Jeder Mensch hat sein individuelles Maß, unveränderlich.
Ausgenommen die Fälle, wo sich dahinter andere, negative Themen verbergen, die therapiebedürftig sind.

Das Maß an Nähe- Distanz Bedürfnisse muss in etwa zusammen passen, sonst ist es für beide schwierig.

Es geht nicht darum, ob Dein Bedürfnis zuviel ist - wäre es für mich nicht - und ihres zuwenig.
Es geht darum, ihr werdet Euch beide nicht ändern, und Dir reicht die Nähe nicht.
Leider gibt es da nur eine Konsequenz.

Am Rand, Deine Beschreibung Deiner Freundin klingt schon so, dass sich bei mir etliche Fragezeichen ergeben. Die Schwankungen, der Rückzugsbedarf, ihr Verhalten, etc.
Alles ziemlich kompliziert.

Ihr seid in der Kennenlernphase, kannst Du Dir ernsthaft eine Beziehung vorstellen?
Setz Dich mal hin, versuche Dir, genau das vorzustellen - wie wäre es, wenn ihr richtig zusammen wärt, das Bild, Du und sie in einem Jahr?
Was fühlst Du bei dem Gedanken?

Höre darauf, dann hast Du auch Antworten.
 
T

Toi et moi

Gast
  • #13
Eigentlich bin ich auch ein unnahbarer Mensch. Sehr freundlich und doch möchte ich sehr oft nur in Frieden gelassen werden. Ich habe gerade festgestellt, dass alle Männer, die in meinem Leben waren, müssten quasi die Mauer brechen, um zu mir zu finden. Bei Manchen habe ich es erlaubt, weil ich mich zu diesen Menschen hingezogen gefühlt habe, sie liebte und für sie da sein wollte und bei manch anderen ging es nicht. Ich müsste sogar in meiner Studienzeit zwei mal umziehen, damit man mich in Ruhe lässt.... Ich stehe manchmal morgens sehr früh auf und freue mich darauf 3-4 Stunden nur für mich zu sein. Dafür nehme ich auch die Müdigkeit am ganzen Tag hin. Mein Mann war immer beleidigt und fragte warum ich Nachts mich wegschleiche. Er konnte es nicht verstehen, dass es nicht gegen ihn war.
Meine Mutter kennt mich zum Beispiel sehr gut und weiß, dass ich sehr viel Zeit für mich brauche aber es ist ihr egal, wenn sie mich braucht, ruft sie mich an und ich merke selbst, dass sie jedes Mal die Barriere bricht. Am Ende stellen wir beide fest, dass es eigentlich ein gutes Gespräch war.
Was ich damit sagen will, ist folgendes: Liebst Du sie und möchtest die Beziehung behalten, müsst Du lernen damit umzugehen. Du musst akzeptieren, dass sie diese Zeit für sich braucht und es primär nicht gegen dich ist. Vielleicht musst Du manchmal die Führung übernehmen, um den Tag besser gestalten zu können.
Mit der Wohnung/Staubsaugen würde ich nächstes Mal ihr helfen, damit es sauber ist und sie sich dann besser fühlt, dann geht es auch besser mit der Nähe.
 
  • #14
Du sagst, das richtige Verhältnis sei nicht erreichbar - und meinst damit ganz selbstverständlich, dass dein Wunsch das richtige Verhältnis sei... Denk doch da mal drüber nach... Warum übeelegst du nicht,wie du dich an sie anpassen kannst, weil ihr Vorgehen das richtige ist?
Du kratzt nach 5 Tagen an ihrer Tür? Was hast du denn neben der Beziehung im Leben? Kannst du mit dir selbst nichts anfangen? Job? Freunde? Hobbys? Das wirkt nicht weniger extrem als das Verhalten deiner Freundin...
 
  • #15
Das ist ja alles sehr schön, aber damit bist du als Mann eine Ausnahme, wenn du so viel Nähe willst! Als Frau bedrängt man Männer sexuell, physisch und psychisch sehr schnell, also schränken sich die meisten Frauen total ein. Das haben Frauen so von Männern gelernt. Also würde ich bei einem Mann 2,3,4x pro Woche aufschlagen, der würde mir den Vogel zeigen und wegschupsen. Das ist doch ganz normal. Vielleicht merkst du jetzt mal, was Frauen so immer durchmachen!
Nur so als Beispiel!

Wo ist denn das Problem, den ersten Schritt zu machen, wenn du mehr willst, du bist doch ein Mann? Lehnt sie dich ab oder was ist das Problem konkret?

2-3 mal treffen ist für heutige Zeiten sehr viel, wenn beide arbeiten, Ziele und Träume haben und getrennte Wohnungen haben. Willst du sie häufiger sehen, dann mach den nächsten Schritt und zieht zusammen! Ich finde, wenn man getrennt wohnt und nicht verheiratet ist, hat man nicht die selben Privilegien, seine Dame ständig sehen zu können. Wenn ich heimkomme und hart gearbeitet habe als Frau, möchte ich den Freitag auch für mich alleine haben. Schieb das Problem auf die Emanzipation (Frau muss ja genauso hart arbeiten wie ein Mann, um respektiert zu werden, gelle?) und der gleichzeitigen Verweichlichung der Männer!
 
  • #16


Das kann keiner Wissen. Diese Frau könnte für mich, je nach Stimmungslage und Lebensabschnitt der Traum sein. Ich benötige auch oft sehr viel Freiraum, freu mich auch auf Nähe. Vermutlich wäre es mir dauerhaft auch zu wenig, wenn ich selbst nicht so wäre bzw. sie so "bräuchte", wie du es schilderst.

Du kannst Dich jetzt fragen, ob du das für dich hinbekommst, dir Hobbys suchst etc. Wenn nicht, dann wird es vermutlich schwierig. Aber wenn sie immer so ist, nicht nur zu Dir, dann heißt das noch lange nicht, dass sie nicht verliebt ist.
 
  • #17
Ihr passt ganz einfach nicht zueinander und das bleibt auch so! Ich würde das nicht mitmachen und mich trennen. Orientiere dich zu einer Frau die dich liebt, sie liebt dich ganz gewiss nicht!
Auch wenn das von Menschen, deren Ideal die symbiotische Beziehung ist, gerne so gesehen wird: es hat nichts mit fehlender Liebe zu tun. Sondern mit dem Stellenwert der eigenen Individualität.

Für den einen ist es wichtig, die freien Stunden mit dem Partner zu verbringen, gerne auch mit Kompromissen bei der Art der Beschäftigung. Und für den anderen ist es wichtig, die freien Stunden mit den eigenen Interessen zu verbringen, gerne auch mit Kompromissen hinsichtlich der Partnernähe. Prallen diese beiden Charaktere aufeinander, wird es immer Konflikte geben, auch wenn sie einander noch so sehr lieben und deshalb noch so kompromißbereit sind: der eine fühlt sich in seiner Freiheit beschnitten, der andere in seinem Nähebedürfnis.

Beispiel: der eine geht gerne Skilaufen, der andere nicht. Kommt er trotzdem mit auf die Piste, um dem geliebten Partner nahe zu sein, hat der Skiläufer keinen rechten Spaß. Ihm wäre lieber, er könnte sich nach eigenem Gusto austoben, um dann abends in die geliebten Arme heimzukehren. Das mißfällt aber demjenigen, der sich allein gelassen nicht wohl fühlt. Also völliger Verzicht aufs Skilaufen? Oder nur noch ganz zahm, um den Partner nicht zu überfordern? Das kann’s doch nicht sein!

Es wäre wirklich besser, man verliebte sich erst gar nicht in einen Menschen, der hinsichtlich Nähebedürfnis so diametral anders gestrickt ist.

Und es kommt noch etwas hinzu: wenn man permanent nur zusammengluckt, wird einem das irgendwann einmal ganz gehörig auf den Keks gehen. Das gilt natürlich insbesondere für den Partner, der bis an sein Lebensende nicht mehr so „darf”, wie er gerne möchte.
 
  • #18
Moin,

hier wurde schon Vieles sehr richtig beschrieben, guter Thread!

Ich denke, dass es für viele Menschen belastend ist, wenn der Partner so klar zeigt, dass er am liebsten einfach ständig mit dem Anderen zu tun hat, eigentlich immer traurig ist, wenn das mal nicht geht, dass er ständig Erwartungen hat, ganz oft Sex möchte, dass er schlecht mit sich allein sein kann.

Ich war schon in beiden Rollen, der des "Verfolgers" und der des "Flüchtenden". Deswegen glaube ich nicht, dass das ein festes Charaktermerkmal ist. Leichter umgehen kann ich mit jemandem, der mir ein bisschen hinterherläuft, weil ich eigentlich viel Nähe mag. Ich kenne außerdem den Mechanismus, dass man um so mehr klammert, je mehr der andere sich entzieht, deswegen entziehe ich mich nicht sehr, höchstens ein bisschen, so dass mir genug Zeit für mich bleibt, und es insgesamt nicht langweilig wird.

Mit einer Frau, wie du sie schilderst, wäre ich sehr unglücklich, müsste Spielchen spielen... Nein, könnte ich mir nicht vorstellen.

manchmal
 
  • #19
Lieber FS,
als Alternative zu "unterschiedliches Nähe-Distanzgefühl" fällt mir noch ein: hohe Introvertiertheit auf ihrer Seite.

Du beschreibst viele Symptome, die mit starker Introversion zu tun haben, sich teilweise wie Depressionssymptome lesen:
- Raum/Zeit für sich brauchen
- ordentliche Wohnung, weil Reizreduktion
- teilweise hohes Schlafbedürfnis
- starke Erschöpfungserscheinungen durch den ganz normalen Alltag. Da mag man denken "Lowperformer/Jammerlappen", stimmt aber garnicht. Es liegt draran, daran, dass Außenreize anders verarbeitet werden
- breites Spektrum an Ausreden, um allein seine zu können oder nur das Minimum an gesellschaftlicher Präsenz zu zeigen
- Wut/Aggression, wenn in den Rückzugsraum zu viel eingedrungen wird (Gefühl der Bedrängnis)
- das Gefühl anders/fremd zu sein, ist der Intro ja auch
- Abwehr gegen körperliche Annäherung

Viele stark Introvertierte haben übrigens phasenweise Depressionen, weil sie wegen ihrer mit ihrem "gesellschaftlichen Versagen" ständig unter Druck, negativer Bewertung stehen, auch darunter leiden, wenn sie andere ablehnen müssen, um sich den benötigten Freiraum zu verschaffen.

Ich bin selber stark introvertiert und habe über Jahrzehnte gelernt gut damit umzugehen. Auf dem Weg dahin gab es sehr schlechte Zeiten, weil ich das, was ich brauchte nicht auslebte und mich chronisch überforderte.
Die Menschen, denen ich was wert bin, können mit meinen Macken leben und ich bin sehr geschickt darin, die Klippen des Alltags zu umschiffen um mir Überlastung vom Hals zu halten.

Ich habe mittlerweile keine Probleme mit Nähe zum Partner, auch nicht mit Zusammenleben (war 20 Jahre verheiratet), aber ich brauche genug Wohnraum (pro Person mindestens 70 qm, gern mehr) und möglichst wenig Deko.
Ich fahre in der Bahn 1. Klasse und fliege nur Businessclass um die benötigte Ruhe und Platz zu haben
Ich habe in der Firma ein Einzelbüro und mache Homeoffice, wenn in der Firma der Bär steppt, um der Unruhe auszuweichen. Muss was geklärt werden, werfe ich kurz das Kettenhemd über und erledige das kurz und knackig - zu lange Stressphasen schätze ich nicht.
Das Telefion klingelt? Wenn es wichtig ist, wird man mir eine Mail schicken oder später nochmal anrufen. Smartphone bleibt meistens zuhause, Dauerwhatsapperei - ohne mich, aber immer ein Buch vor der Nase

Es hat gedauert, die benötigten Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen ich gut gedeihen kann und ich lasse es mich eine Menge Geld kosten Außenreize zu reduzieren.

Mit einem ausgeprägten Intro muss man zusammenleben können. Menschen die körperlich klettig sind können das nicht. Sei releben, was Du erlebst: Zurückweisung, Gefühl vonTraurigkeit etc.
Ich habe sehr viel Glück mit meinem Partner, der ein bodenständiger Typ mit ausgeglichenem Temperament ist sowie intelligent und ausreichend empathisch, um sich in meine Welt reindenken zu können. Darüber hinaus liebt er mich genug, um das auch zu wollen. Ich ihn auch, um aufdrehen zu können, wenn es sein muss.
 
  • #20
Als Laie klingen die "Symptome" ein bisschen nach Asperger für mich. Vielleicht helfen dir die beiden Bücher weiter:

"Geliebter Fremder: Wie Frauen ihren Asperger-Mann lieben und verstehen" von Eva Daniels

"Asperger: Leben in zwei Welten: Betroffene berichten: Das hilft mir in Beruf, Partnerschaft & Alltag" von Christine Preißmann
 
T

Toi et moi

Gast
  • #21
Als Laie klingen die "Symptome" ein bisschen nach Asperger für mich. Vielleicht helfen dir die beiden Bücher weiter:

"Geliebter Fremder: Wie Frauen ihren Asperger-Mann lieben und verstehen" von Eva Daniels

"Asperger: Leben in zwei Welten: Betroffene berichten: Das hilft mir in Beruf, Partnerschaft & Alltag" von Christine Preißmann

Auf gar keinen Fall. Nein, die Asperger wollen Ordnung, Routine, Planung und Gleichgewicht. Spontanität passt nicht dazu, außerdem sind sie hoch empathisch also hyperempathisch, sensibel, leidenschaftlich und aufgrund ihrer Intelligenz haben gelernt sich anzupassen. Wenn sie Asperger hätte, würde sie alles in sich reinfressen und sich anpassen. Sie würde wie ein Uhrwerk funktionieren.
 
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