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  • #1

Näheangst - Wer kennt das?

Wer musste schon einmal mit diesem Problem umgehen, in dem er/sie eine Partner/in hatte, die darunter leidet? Oder habt ihr selbst ein solches Problem? Wie sind eure Erfahrungen? Hat eine Beziehung zu jemandem, der darunter leidet, überhaupt Chancen?
 
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  • #2
Die Angst vor Nähe kommt ja meist unbewusst davon her, dass wir Angst haben verletzt zu werden, Angst haben, nicht bestehen zu können, Angst haben nicht gut genug zu sein.

Diese Verletzungsgeschichten kommen meist aus der Kindheit und wiederholen sich dann in unserem Leben.

Meiner Meinung nach, und das ist auch der Weg den ich gegangen bin, um mich aus dieser Angst zu befreien, gibt es hier nur eine Chance.
Man muss dieses Kindheitsdramen auflösen und erkennen, dass diese Angst damals berechtigt war, das diese Angst als Kind berechtigt war. Aber jetzt bin ich erwachsen, jetzt "bringt" es mich nicht mehr um, wenn mich jemand verletzen sollte, wenn mich jemand nicht gut findet.

Man muss bei solchen Ängsten an den Ursprung ran, alles andere ist nur Symptomdokterei und bringt auf Dauer nicht wirklich was.

w,41
 
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  • #3
M 48

zu #1 kann ich ergänzen:

Trennungen (durch Tod oder Scheidung) zählen neben Arbeitslosigkeit und Krankheit - bewältigtes oder nicht bewältigtes Kindheitstrauma hin oder her - zu DEN (erschütternden) Krisen im Erwachsenenleben schlechthin...

Wenn ich sehe und lese, mit welcher Selbstverständlichkeit PartnerInnen entsorgt werden (weil sie die Bedürfnisse nicht mehr erfüllten)...

... und da ich weiß, wie schmerzhaft un anstrengend solche Prozesse sind...

--> lasse ich bewusst (aus Selbstschutz) Nähe nur noch bedingt zu. Ich möchte mir mein Leben nicht mehr durch andere erschüttern lassen! ;-)

Mein (immer wieder zu beobachtendes) Fazit: Menschen KÖNNEN (ob ihres Egoismus) nur bedingt kooperieren. Brüche sind (in Nachbarschaft, Freundschaften, Kollegien, Familien, Ehen...) quasi vorprogrammiert und gehören zum Leben.

Für die "robusteren" Naturen "ex und hopp". Die Sensibleren tun gut daran, sich in diesem Sodom und Gomorra in Sicherheit (Abgrenzung) zu bringen, wollen sie nicht nach der x. Runde irgendwann völlig zerbrechen ;-).

Schaut euch mal um in euren Umfeldern... ;-/
 
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  • #4
Je nach Konstitution brennen sich (im Jugend und Erwachsenenalter) Verletzungen und Enttäuschungen halt mehr oder weniger ein. Bei den Sensiblen eher mehr.

Logisch hat das Einfluss auf die anfängliche Leichtigkeit und Offenheit im Umgang mit Nähe.

Gebranntes Kind wird das Feuer scheuen.

Und da macht es auch therapeutisch wenig Sinn, das Feuer zu Wasser umdeuten zu wollen. Das Verletzungsrisiko im Umgang mit Menschen ist real.

Sorry, aber das Leben lehrt(e) mich, von Menschen besser nicht zuviel zu erwarten. Und das geht schon bei Kleinigkeiten los: Schaut sie euch und ihr Benehmen mal an, wenn morgen im Einkaufsgewühle eine weitere Supermarkt-Kasse besetzt wird... ;-O

"Lerne dich selbst lieben und die anderen können dich gern haben." ;-))
 
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  • #5
Ich denke, dass eine Beziehung zu jemanden, der unter Näheangst leidet, die Heilung für diese Person bedeuten würde, wenn der Partner etwas Geduld zeigt. Wenn es jedoch schon sehr extrem ist, also als eine psychische Erkrankung angesehen werden kann, wird es etwas schwierig. Falls diese Person einem viel bedeutet, kann man dennoch eine Beziehung mit ihr führen und versuchen das Problem gemeinsam zu lösen, z.B. indem man diese Person dabei unterstützt, sich einer Therapie zu unterziehen.
 
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  • #6
siri
und ich denke, daß #4 in allen Punkten recht hat - hinzuzufügen wäre vielleicht noch, das es für keinen der Partner sehr einfach werden wird, aber wenn ein Paar eine solche Klippe erfolgreich bewältigt hat, dann kann es eine sehr gute Beziehung werden.

AUSNAHME: wenn der Partner ein typischer RETTER ist. Wenn er seinen Partner aus dessen Näheangst gerettet hat, hat er keine Aufgabe mehr und geht. Der Partner mit Nähe- oder Berührungsängsten sieht sich dann bestätigt und wird vielleicht zum "hoffnungslosen Fall".

Deshalb immer gut in sich hineinhören, und sich selbst klarmachen, warum man sich so oder so verhält, und sich den Folgen seines Handelns bewußt sein!
 
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  • #7
Näheangst heißt nicht gleich Beziehungsunfähigkeit. Kein Mensch möchte ein Leben lang ohne Partnerschaft leben, was gleichzusetzen ist mit "Nähe zulassen wollen". Manche wollen nur nicht zu sehr eingeengt werden, was durchaus berechtigt und gesund ist.
 
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  • #8
Mal das Buch von Fritz Riemann '' Grundformen der Angst lesen''!
Dort steht ziemlich anschaulich beschrieben, was einem so für Charaktere im Leben über den Weg laufen können...
'Näheangst' kann man auch mit den Grundzügen einer schizoiden Persönlichkeitsstörung vergleichen.
 
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  • #9
Ich habe nach meiner sehr schlimmen Scheidung niemand mehr wirklich an mich rangelassen, 16 Jahre lang.
Dann Kam ER und ließ einfach nicht locker. Nach einiger Zeit fragte er ob er 3 Wochen bei mir wohnen könnte, ich war einverstanden. Als er mit seiner Tasche dann dastand bekam ich totale Panik, die legte sich aber bald und ich genoss jede Stunde der gemeinsamen Zeit.
 
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  • #10
Ich glaube, die meisten Menschen, die Probleme mit Nähe haben, haben weniger Angst vor Nähe an sich, sondern vor den aus ihrer Sicht möglichen negativen Auswirkungen von Nähe, s. @2.
Daraus ergibt sich dann ein Zwiespalt (und so interpretiere ich auch den Vergleich von @ 7): Ich kann/will keine Nähe zulassen/ertragen – ich brauche/will Nähe!

Die Geduld eines Partners (@4) spielt sicher eine große Rolle, Vertrauen vermitteln (setzt natürlich auch Geduld voraus) aber wahrscheinlich eine noch größere.

Claire

@5, siri: Ich habe mich doch bei Deinem Posting glatt verlesen und dachte nur: Warum ein typischer REITER? (Der „typische“ Reiter, den ich aus der Reiterszene kenne, wäre nämlich alles andere als geeignet, jemanden von seiner Näheangst zu kurieren.) :))))))
 
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  • #11
#7

Ein wahrlich empfehlenswertes Buch!

Sehr hilfreich, den eigenen Verstrickungen und (unbewussten) Motiven auf die Spur zu kommen!

Aus eigener Erfahrung möchte ich ergänzen: Leider geht das Leben an den 4 Grundtypen (die im Leben allerdings, wie Riemann auch selbst schreibt, eher als "Mischtypen" daherkommen) nicht unbedingt spurlos vorbei :-O.

Und so kann es, wie in meinem Fall, durchaus sein, dass aus einem (Nähe suchenden) "depressiven" Grundtypen bei entsprechend schlechten Erfahrungen ein "neurotischer Depressiver" wird, der auf den ersten Blick wie ein "Schizoider" daherkommt...
 
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  • #12
Ich würde nicht sagen, dass ich Angst vor Nähe habe. Aber mir ist es einfach zu viel jeden Abend mit meinem Partner zusammen zu sein. Ich brauche Freiräume. Manchmal möchte ich einfach nur (ohne Make up und Styling - darauf legt mein Partner nämlich viel Wert) in Ruhe auf der Couch sitzen und ein Buch lesen oder über die Arbeitswoche nachdenken.
Leider versteht dies nicht jeder Mann. Er hat mich deshalb schon gefragt, ob ich ein Einzelgänger bin. Nein - bin ich nicht. Ich muß aber die ganze Woche im Geschäft reden und reden.
Ich brauche einfach nur mal Ruhe.
 
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  • #13
Mein Ex, mit dem ich nur kurz zusammen war, ist wohl so ein schizoider Mensch. Er ging in meinen Augen aus Angst vor Nähe, nämlich in dem Moment, als unsere Beziehung am schönsten war und festeren Boden gewann. Ich habe ihn ein paar Monate später noch einmal getroffen, er hatte inzwischen noch zwei Frauen (ein vor mir) kennen gelernt, die auch wieder "nicht die richtigen" waren. Somit hatte er vier sogenannte Beziehungsaufbau-Versuche in relativ kurzer Zeit hinter sich.
Davor gab es eine sehr lange Ehe, die unglücklich war, mit einer Frau, die sehr unnahbar war. Mit dieser Frau hat er es wahrscheinlich nur ausgehalten, weil sie sich immer wieder entzogen hat. Sie hat sozusagen für ihn die Näheangst ausgelebt.

Ich glaube nicht, dass man solchen Menschen mit Geduld helfen kann. In einer jungen Beziehung bringt es sowieso nichts, weil sie sich dann damit entschuldigen können, das es nicht passt, dass man der falsche Partner ist. Und wenn es eine fortgeschrittenere Beziehung ist, leidet man einfach zu sehr.

Allerdings muss man doch bedenken, dass meines Erachtens sowieso nur Menschen, die ebenfalls (eine unbewusste) Näheangst haben, überhaupt eine Beziehung mit so einem schwierigen Partner eingehen.
Ich glaube in sehr vielen Ehen "verstecken" sich eine Menge Menschen mit Näheangst. Irgendwann findet der Partner vielleicht die Kraft zur Trennung (z. B. wenn die Kinder groß sind) und wir gesunden Suchenden begegnen den Näheängstlichen dann auf dem "freien Markt".

Viele haben sich in ihrem Leben schon so mit ihrer Angst eingerichtet, dass sie es nie als echtes Problem erkennen werden oder es zugeben werden, um mal daran zu arbeiten.
 
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  • #14
Ich habe einen Mann kennengelernt, er hat mich sehr charmant "hofiert", wir hatten absolut die gleiche Wellenlänge, waren beider sehr verliebt - und dann eröffnete er mir, gerade weil es "perfekt", das große Los wäre, hätte er solche starken Ängste und könne leider eine Beziehung mit so viel Verantwortung nicht eingehen, obwohl - man könne es ja irgendwie probieren ... nach einigem Hin und Her mit viel emotionalem Aufgereibe und dramatischen Abschieden hat er mich dann ganz "verlassen". Ich finde es sehr traurig und schade, dass so viele Menschen - ist ja kein Einzelfall - durch Verletzungen so "zumachen" und schöne Gefühle nicht einfach annehmen können. Und der Angst mehr raum geben (lassen) als der Liebe. Sie wollen durch ihr Verhalten niemanden verletzen, verletzen aber so sich UND den/die andere!
 
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Henry

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  • #15
Nicht jeder Mensch der Angst vor Nahe hat, möchte tatsächlich keine Nähe
Auf @1 eingehend würde ich Sagen das Menschen die Verletzungen in der Kindheit erlebt haben und darum so distanziert erscheinen sehr wohl auch den Wünsch nach nähe und einer Beziehung haben.
Leider ist das Gefühlsleben solche Menschen sehr ambivalent. Einerseits möchten sie nähe und Zärtlichkeit andererseits halten sie die Menschen auf Distanz aus Angst vor Verletzungen, aus Angst dem anderen nicht gerecht zu werden. Sie sehnen sich nach der nähe des anderen und gleichzeitig möchten sie allein sein.

Eine Beziehung zu so einem Menschen kann nur dann funktionieren wenn er sich selber dieser Problematik bewusst ist und der gegenüber damit umgehen kann. Das heißt wenn er nähe sucht diese auch zu geben und nicht Anschmiegsamkeit mit einen sexuellen Bedürfnis zu verwechseln und wenn er abstand möchte auch diesen zu gewähren. Ganz wichtig bei diesen Menschen ist die Kommunikation, das Reden, und das Verständnis des anderen
Lb. Henry
7E232BA5
 
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  • #16
leider bietet ein "Supermarkt der Gefühle" wie EP gerade diesen Bindungsphobikern viel Raum. Ohne ihr Problem wirklich lösen zu müssen können sie von Versuch zu Versuch stolpern und haben immer die Ausrede, dass der noch passendere Mensch vielleicht noch nicht dabei war.
So drehen sich die Suchenden, Verletzten, Abwartenden und später Frustrierten in Kreisen umeinander...
Es hilft nichts. Wer ein tiefes Problem hat gehört auf die Couch und nicht auf den Partnermarkt!
Nur - es leiden die Falschen. Bei den "Kranken" stellt sich kein Leidensdruck ein. Sie wähnen sich "einfach" auf der Suche. Wer hat eine Idee, wie diesses Problem gelöst werden könnte?
 
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  • #17
Ich kenne das. Liegt an meinem Körpergeruch. Die Frauen zieht er an aber die Männer werden in meiner Nähe aggressiv und ich dann auch weshalb letztere in einen Angstzustand fallen. (Alles verstanden?)
 
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  • #18
@#15
Eine schnelle Lösung gibt es wohl nicht. Allen Partnersuchenden, vor allem den älteren Semestern, ist zu empfehlen, sich des Problems (beim Partner!) bewusst zu sein. Denn klar: den Balken im einen Auge sieht man erst mal nicht.
Natürlich ist es extrem verletzend, wenn man eine Beziehung hat, aber der Partner sich immer noch suchend wähnt. Trotzdem sollte man das Problem, sobald man sich dessen bewusst wird, ansprechen und auf einen gewissen Widerholungsmechanismus hinweisen. Die ersten Seiten von Pierre Franckhs "Glücksregeln für die Liebe" beschreiben das Problem ganz deutlich. Bei amazon kann man sie durch "Blick ins Buch" lesen.
Da bin ich auch schon beim Thema: In den letzten Jahren sind eine ganze Reihe Bücher erschienen, die sich mit Beziehungsphobie beschäftigen. In "Nah und doch so fern: Beziehungsangst und ihre Folgen" von Steven Carter wird man erst einmal darauf hingewiesen, dass es Gründe gibt, warum man sich einen Partner mit Beziehungsängsten sucht. Das beste Buch z. Z. auf dem Markt ist aber von Stefanie Stahl "Jein". Das waren jetzt nur drei Beispiele von vielen.
Gerade Menschen mit Angst vor emotionaler Nähe fällt es leichter, sich mit Hilfe eines Buches mit ihren Problemen auseinanderzusetzen. Und auch den Partnern ist es eine Hilfe, sich nicht einem unübersichtlichen Gefühlschaos ausgeliefert zu sehen, sondern, sich erst einmal in sachlicher Atmosphäre den Emotionen zu stellen.
Dass das Liegen auf der Couch besonders hilfreich ist, kann ich nicht bestätigen. Sind es doch gerade die Menschen HINTER der Couch, die die Kunst der Beziehung ohne emotionale Nähe bis zur Perfektion kultiviert haben. Irvin D. Yalom beschreibt das in "Die Reise mit Paula" oder auch in "Die Liebe und ihr Henker" (wenn man zwischen den Zeilen lesen kann).
 
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