• #1

Narzissmus - trotz befreiender Trennung leide ich. Warum ist das so?

Ja ihr Lieben, da bin ich wieder. Ich war ja 2015 hier schon sehr aktiv, auf der Suche nach Rat. Ich habe meinen Partner hier, als trauernden Witwer der den Tot seiner Frau nicht verarbeiten kann beschrieben.

Heute will ich mich hier nochmals melden, weil ich mich sowas von geirrt habe, denn ich bin einem Narzissten in die Hände gefallen. Einem Menschen der nur Selbstliebe kennt, dem Empathie mit anderen Menschen gänzlich fehlt und bereit ist alles zu tun, auch gegen andere Menschen, um sich selber in ein richtiges, gutes Licht zu rücken. Ich habe viel über diese Störung gelesen und ihr werdet lachen, seine eigene Tochter hat mir gesagt "mein Vater ist ein Narzisst". Die ganze Nummer mit seiner Frau hat er genutzt um mein Mitleid zu erhaschen und mich so auf Abstand halten zu können.

Ich habe mich nun endgültig getrennt und leide noch mehr als letztes Jahr.
Wer Erfahrung damit hat, ich wäre für jeden Austausch dankbar.
 
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  • #2
Du solltest Dich nicht so sehr mit IHM beschäftigen oder gar Bücher darüber lesen, sondern Dir überlegen, wieso Du das hast mit Dir machen lassen!?
Ein Narzisst braucht ja immer einen Co-Narzissten - sein Gegenstück.
Lies doch mal "Scheißkerle" von Koidl - das ist interessant, wieso mache Frauen sich solche Männer an Land ziehen und dann auch noch meinen, sie könnten ohne diese nicht Leben... das Buch ist nicht so negativ wie es der Titel vermuten lässt.
Mein Exmann war auch ein Narzisst - leider muss ich ja immer noch mit ihm umgehen, weil wir Kinder haben.
Schwierig!
 

Laleila

Cilia
  • #3
Die Trennung von einem Narzissten ist die Schwierigste überhaupt. Eben wegen der ambivalenten Gefühle welche Du gerade durchleidest. An Deiner Stelle würde ich mich professionell begleiten lassen.
Warum löst diese Trennung solch starkes Leid aus?
U.A. weil Du noch nie solche Hochgefühle wie am Anfang dieser Beziehung erlebtest. Der Narzisst ist perfekt im Spiegeln von Gefühlen, um an sein Ziel (Bestätigung) zu gelangen. So fühlt sich sein "Opfer" gesehen, verstanden wie noch nie, Du glaubst Deinen Seelenpartner gefunden zu haben. Dieses hohe Niveau hält er nicht lang, er beginnt Dich zu kritisieren, zu bestrafen, klein zu machen. Auch wenn Du es ungerecht findest bist Du dennoch bereit die Fehler bei Dir zu suchen, denn dieser tolle Mensch kann ja nicht ohne Grund so verletzend werden.
Also versuchst Du immer mehr es ihm recht zu machen.... Du willst die übergroße Liebe vom Beginn zurück. Du beginnst Deine Standpunkte, Gefühle etc. zu hinterfragen und hin und wieder wird es von ihm belohnt. Auch wenn es schleichend immer seltener passiert, das Zuckerbrot- und Peitsche-Verhältnis kippt... Du kämpfst weiter. Du siehst wie charmant er zu Anderen sein kann, es muss also an Dir liegen.
Irgendwann hast Du so viel Deiner Selbst aufgegeben, Dich ihm do angepasst, dass der bloße Gedanke an Trennung gleichzeitig als befreiend und existenzbedrohend wahrgenommen wird.
Denn Du fühlst Dich mittlerweile so klein, dass Du Angst hast, Dich wird nie wieder jemand lieben.
Vor allem nicht SO! Letztlich ist eine solche, bereis verfahrene, Beziehung zu einem Narzissten, einer Sucht sehr ähnlich.
Du leidest unter den Tiefs aber das nächste Hoch in Aussicht gestellt kannst Du nicht mehr davon lassen.... denn das 'Dazwischen' wird zum luftleeren Raum.

Liebe FS und das Alles beschreibt nur einen kleinen Teil des Problemes. Du bist an ihm erkrankt. Hol Dir Hilfe!

Alles Gute
 
  • #5
Häufig war ein Elternteil narzisstisch oder noch schlimmer sogar beide oder einer war Komplämentärnarzisst (kann auch der Vater sein, der seine eigene Frau nicht emotional erreichen konnte) und die Kinder machten fast alles, um den Vater oder die Mutter emotional zu erreichen: ihre Zuneigung, Wärme, Zärtlichkeit, Liebe und die Bestätigung, dass man ein Liebenswertes Kind ist. Alles vergeblich, denn Persönlichkeitsstrukturen sind so gut wie nie veränderbar und für die Kinder ist das nicht verständlich! Es ist eine vergebliche Liebesmühe und sehr schmerzhaft, wenn man als Erwachsener erkennt, dass die Mutter oder der Vater das Kind vernachlässigte und ihm niemals das gab, was es für seine gesunde psychische Entwicklung gebraucht hätte.

Versuche zu reflektieren, wie deine Kindheit war? Die Eltern zu dir?

Studien besagen, Männer seien viel narzisstischer (egozentrischer, selbstbezogener, empathieloser) als Frauen. Bärbel Wardetzki schrieb ein Buch: "Weiblicher Narzissmus - der Hunger nach Anerkennung" und dass er sich anderes manifestiert. Er ist eher verdeckter.

Doch wie hat sich das konkret bei ihm geäussert? In welchen Handlungen oder Aussagen? Wollte er fast nie auf deine Wünsche und Bedürfnisse eingehen, war er nie kooperativ und kompromissbereit und gab dir an Probleme, immer die Schuld, obwohl die Konflikte auf der Grundlage seiner Persönlichkeit gedeihen. Konntest du mit seiner Tochter über gleiche Probleme/Konflikte reden?

Ein Blick auf deine Kindheit/Jugend könnte dir die Antwort liefern, weshalb du dich zu ihm hingezogen gefühlt hast und Mitgefühl mit ihm als Witwer hattest. (Hattest du Mitgefühl für deine leidende, traurige Mutter oder Vater?) Jeder hat wohl zu Beginn Mitleid aber das darf nicht die Grundlage einer Beziehung auf Augenhöhe sein, denn es sterben jeden Tag Menschen und jeder verliert irgendwann jemanden durch den Tod.

Vielleicht machst du auch eine Therapie, welche die hilft, dich selbst zu erkennen und verstehen.
 
  • #6
Oh Gott - ich kann dich so gut verstehen und deine Verzweiflung nachvollziehen. Narzissten sind das Schlimmste was einem passieren kann.
Glaub mir, ich spreche aus Erfahrung, wenn ich dir sage - sei FROH das er weg ist. Es wird mit der Zeit immer schlimmer. Die Demütigungen, die Herabsetzungen, der Druck. Am Ende bist du nicht mehr vorhanden- du zweifelst an dir selbst, du hasst ihn und dich und fühlst Dinge von denen du nicht wusstest das du sie fühlen kannst. Ich war an diesem Punkt.
Meiner hatte am Ende die Züge von Hannibal Lekter (Schweigen der Lämmer). Ich wusste nicht das es solche Menschen gibt - und leide heute noch unter seiner Existenz. Ich sehe ihn öfter und jedesmal durchfährt mich ein Blitz bis ins Mark.
Geholfen hat mir der Kontakt zu anderen Menschen, besonders das Flirten und die Bestätigung die ich von anderen Männern bekommen habe. Ich glaube nicht das ich jemals ganz davon weg komme. Es ist wie eine Drogensucht. Man ist zwar clean aber immer unterschwellig anfällig für die Droge Narzisst.
 
  • #7
Was Dir helfen könnte, ist vielleicht auch, mal nach dem "emotionalen Sadisten" zu googeln. Die Gefühle, die mich jahrelang an "meinen" Narzisten banden, konnte ich nach dem Lesen von Literatur des oben Genannten besser einordnen und als unwichtig deklarieren.

Es ist eine so große Verbundenheit, die dieser Sadist in einem selbst auslösen kann, eben WEIL er einen selbst so perfekt spiegeln kann.

Aber weißt Du was? Er kann nur deshalb so perfekt spiegeln, weil er selbst innerlich leer ist. Er "spiegelt" also gar nicht, sondern saugt auf. Deine Liebe, Deinen Liebreiz, Deine Zartheit - und er gibt Dir all dies ins Negative verdreht zurück.

Ich habe dort auch einen Spruch gelesen, der mich seitdem begleitet und den ich immer wieder anbringe, bei Freunden oder mir selbst:

Es ist nicht wichtig, ob er nur so tut oder wirklich so ist.
Es ist nicht wichtig, ob er das nicht ändern kann oder nicht ändern will.
Wichtig ist nur, ob du so, wie es JETZT ist, die nächsten 10 Jahre weitermachen willst.

Und noch etwas: Du hast das Recht, so lange zu trauern, wie Du willst. Du darfst so lange weinen und leiden, bis Du ganz leergeweint bist. Vergiss nur nebenbei nicht, den Frühling zu genießen.
 
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  • #8
Ein Narzisst hat ein ähnliches Selbstwertproblem wie die Stiefmutter von Schneewittchen, allerdings gegenüber seiner Frau. Also schikaniert er sie, streut Gift, macht sie kleiner als sie ist und trachtet insgeheim danach, sie zu vernichten. Aber das zeigt er natürlich nicht offen, da es ihm besonders wichtig ist, gut dazustehen als Mann, mit seiner Frau und vor seiner Frau.

Oft ist ein Narzisst daher ein emotionaler Sadist, der seine Frau nicht um ihrer selbst willen liebt, sondern ihre Liebe zur Bestätigung seines Egos braucht. Eigentlich fühlt er sich innerlich aber minderwertig - weswegen er zum Ausgleich dann seine Partnerin schikaniert und herabwürdigt, subtil versteht sich. Sie zu verletzen bereitet ihm heimliche Hochgefühle. Dabei ist er abhängig von ihrer Hingabe, ihrer Liebe, ihrem Leben wie ein Vampir. So tankt er bei ihr auf, aber höhlt sie durch seine Attacken nach und nach aus, bis sie entweder rechtzeitig die Flucht ergreift oder verstirbt.

Gerade die Tatsache, dass ein Narzisst sich gerne wie ein Vampir verhält, macht es leider recht schwer, sich von ihm zu trennen, da man eigene Lebensenergie an ihn verschwendet und selbst erst einmal nicht zur Verfügung hat. Hinzu kommen ganz normale Gefühle von Sehnsucht, wie nach jeder Trennung. Fies kann die Trennung von einem Narzissten auch deswegen sein, da er nicht im Geringsten versteht, dass seine Partnerin ihn, den Allerwertesten verlassen konnte, weswegen er sie auf subtile Weise weiter schikaniert.

Das einzig Gute für Dich dabei: Sei froh, dass Du diesen Menschen so schnell durchschaut hast. Sei froh, wenn dieser Vampir wegfliegt. Sei heilfroh, dass Du ihn los bist.

Eine Beziehung mit einem Narzissten ist wie eine Krankheit.

Danach kommt die Rekonvaleszenz.

Ich wünsche Dir eine gute Heilung.
 
  • #9
Liebe Ballfrau,
leider habe ich Deine alte Geschichte nicht gefunden. Magst Du sie noch einmal erzählen? Es hat ja eigentlich nahezu jeder halbwegs interessante Mensch narzisstische Persönlichkeitsanteile. Sprechen wir von einem "echten Narzissten"? Wie bist Du darauf gekommen und woran machst Du es fest?
Liebe Grüße
 
  • #10
Als Ex eines Narzissten leidest du immer unter der Vorstellung, dich nicht genug engagiert, nicht genug verstanden zu haben.

Ich habe supersehr lange gebraucht, um mich zu lösen, weil ich auch mein eigenes Beziehungsprinzip nicht verleugnet sehen wollte. Ich bin treu, ausdauernd und wollte mir nicht eingestehen, dass mein Konstrukt von Treue und Liebe von Außen so gestört werden könnte.
 
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