• #1

Neigt sich unsere Beziehung dem Ende zu?

Hallo Zusammen

Mein Freund und ich sind mittlerweile seit 2.5 Jahren zusammen und es lief eigentlich immer ziemlich gut. Wir verstanden uns immer sehr gut, haben kaum gestritten und hatten vor allem sehr viel Respekt gegenüber einander. Vor einem halben Jahr haben sich aber einige Dinge angefangen zu ändern. Er fing an, negativ auf das Leben zu sehen und zog sich extrem zurück. Meine Versuche mit ihm zu reden klappten meistens, jedoch änderte sich nie etwas. Er lacht nicht mehr, ist ständig ernst und ich habe das Gefühl, meine aufgestellte Art geht ihm auf die Nerven. Ausserdem ist "ich bin müde" seine Ausrede auf alles. Egal ob es darum geht etwas zusammen zu machen, zusammen zu reden oder einfach nur miteinander zu kuscheln.
Auf unsere Beziehung hat sich das Ganze dann auch eher negativ ausgewirkt indem wir kaum noch Gesprächsthemen haben, unser Sexualleben leidet sehr darunter und ich habe einfach im Allgemeinen das Gefühl, von ihm nicht wertgeschätzt, geliebt oder gebraucht zu werden.
Gestern haben wir dann wieder einmal miteinander das Gespräch gesucht, nachdem es vor zwei Tagen zum Streit kam. Er meinte zu mir, er habe viele Probleme die nur er alleine lösen kann. Erst wenn diese Probleme gelöst sind, kann er sich auf unsere Beziehung und mich wieder einlassen. Ich verstehe ihn gut aber auch da frage ich mich, wieso er sich nicht gegenüber mir öffnet und mich nicht an sich ran lässt. Ich würde ihm gerne helfen und ihm das Gefühl geben, nicht alleine im Leben zu stehen. Jedoch ist es für mich nur sehr schwer akzeptabel, dass er mir nur einen begrenzten Platz in seinem Leben zuweist.
Ich weiss einfach nicht, ob ich nach diesem halben Jahr noch die Kraft habe, auf bessere Zeiten zu hoffen. Vielleicht hört sich das egoistisch an, jedoch gibt er mir nicht das Gefühl, dass es sich bessern wird.
ich liebe ihn noch immer sehr, aber ich zweifle einfach daran, ob wir eine Zukunft miteinander haben können.

Nun habe ich ihm eine Pause vorgeschlagen, um beiden Zeit zu geben, darüber nachzudenken, was wir im Leben wollen. Habe ich da zu voreilig reagiert? Ich komme mir sehr egoistisch vor, da ich in seinen schlechten Zeiten "nicht da für ihn bin" jedoch lässt er mich auch nicht und ich bin nicht bereit, diesen begrenzten Platz noch lange einzuhalten.
Ich vermisse es sehr mit ihm zu lachen und weiss einfach nicht, wie ich unsere Beziehung retten kann...
 
  • #2
Die Freund hat vermutlich eine Depression. Müde, keine Lust auf nichts mehr usw., das klingt fast danach. Lies mal darüber nach. Dann verstehst Du auch, wie Du am besten mit ihm umgehst. Es gibt ein Büchlein "Mit dem schwarzen Hund leben" für Angehörige von Depressionskranken, das ich Dir empfehlen kann. Es kann sein, dass Deinen Freund Eure Beziehung in seiner seelischen Verfassung sehr überfordert, aber es wird für ihn auch hart sein, ohne Deine Unterstützung klarzukommen. Wichtig ist, dass Du selbst stabil bist und Dich um Deine eigenen Belange kümmerst.

Noch ein Tipp: "Hilf" nicht zu viel. Du kannst eine Weile mit diesem und jedem unterstützen, und das wird gerne angenommen, aber wenn Du einen Helferkomplex um Deinen Freund entwickelst, schadest Du Euch beiden und Eurer Beziehung.

Depressiver Partner ist aber auch eine enorme Herausforderung, an der der Gesunde zerbrechen kann. Es ist nicht verwerflich, unter diesen Umständen den Rückzug anzutreten. Du hast auch nur ein Leben. Setz Dir selbst auf jeden Fall ein Enddatum. Depression kann vergehen, aber auch bleiben.
 
  • #3
Extremer Rückzug, Müdigkeit und negative Sichtweise könnten ein Hinweis auf eine Depression sein. Dass du ihm immer wieder Gesprächsangebote machst, zeigt ja, dass du für ihn da bist, aber wenn er dir nicht sagt, was seine Probleme sind, kannst du nichts weiter machen. Es kann sein, dass er sich auf den Schlips getreten fühlt, wenn du ihm vorschlägst professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. oder einfach mal anhand eines Fragenkatalogs abzuchecken, ob er evtl. eine Depression hat, die man behandeln sollte, aber das würde ich noch versuchen. Auch verstehe ich, dass du eine Pause machen willst, aber das dürfte das sichere Ende eurer Beziehung sein.
 
  • #4
Nun habe ich ihm eine Pause vorgeschlagen, um beiden Zeit zu geben, darüber nachzudenken, was wir im Leben wollen. Habe ich da zu voreilig reagiert?
Ich finde, Du hast gut reagiert. Er will das ja so, wenn man sieht, wie er sich äußert und verhält. Ich denke, er ist auf Abstand zu Dir, weil ihn die Beziehung und die Zweisamkeit davon abhält, sich dem zu widmen, worüber er grübeln will.
Ich komme mir sehr egoistisch vor, da ich in seinen schlechten Zeiten "nicht da für ihn bin" jedoch lässt er mich auch nicht
Eben. Du kannst Dich ja nicht aufdrängen und anscheinend denkt er, dass Du sowieso nichts tun kannst, oder dass Du bzw. die Beziehung Teil des Problems sind.
Mehr als Dein Hilfsangebot kannst Du nicht machen.

2, 5 Jahre sind nun auch noch nicht viel. Das ist doch so der Zeitraum (ich denke 1 bis 3 Jahre), in dem zwei Leute sich abchecken, ob es für immer sein könnte. Wenn ihr jetzt 10 Jahre Beziehung gehabt hättet, würde ich das anders sehen mit dem "sich nicht öffnen".
 
  • #5
Du hast deinen Freund zwei Jahre lang in einer bestimmten Form erlebt: vielleicht fröhlich, sorgenfrei, interessiert und eurer Beziehung gegenüber offen?
Plötzlich siehst du ihn in einem neuen Licht. Aber das ist auch ER, wir alle haben unterschiedliche Seiten und hier gleich eine Depression zu diagnostizieren ist nach meinem Empfinden etwas kurz gesprungen.

Ich selbst bin (meist) ausgeglichen, überlegt, freundlich ... doch manchmal auch ratlos (wenn ich lese/erlebe, wie sich die Geschichte zu wiederholen scheint) oder auch wütend (wenn ich realisiere, was für ein eitler Hohlkopf z.Zt. die Weltmacht in Händen hält).

Es können aber auch die kleinen Dinge sein, die mich aus dem Gleichgewicht bringen, eine übel gelaunte Nachbarin, eine viel zu hohe Rechnung für irgendetwas, eine misslungene Gestaltung auf meinem Schreibtisch (vor allem das!).

Das kann länger dauern aber manchmal schaffe ich es auch, diese Gedanken einfach beiseite zu wischen. Dazu muss ich dann alleine sein dürfen, Zeit haben mich zu besinnen.

Vermutlich braucht dein Freund diese Zeit - ganz alleine für sich. Möglicherweise fühlt er sich eher bedrängt, wenn ständig wohlmeinende Hilfsangebote (von dir) auf ihn einprasseln. Vielleicht braucht er einfach mal das Gefühl, keine Verantwortung für die Gefühle und das Wohlbefinden anderer zu haben?

Lass ihn einfach mal längere Zeit (auch Monate) in Ruhe. Sei da - aber ohne Erwartungen an ihn. Richte dir, falls der Raum das hergibt, ein eigenes Zimmer ein und mach ihm klar, dass dies kein Rückzug von ihm, sondern ein Öffnen für ihn ist. Stell keine Ultimaten und entscheide viel, viel später, ob du bleibst oder lieber gehst.
 
  • #6
negativ auf das Leben zu sehen und zog sich extrem zurück.
er habe viele Probleme die nur er alleine lösen kann.
Klingt nach Depression oder Sucht oder - eher unwahrscheinlich - Gehirntumor. Hast Du das schon mal angesprochen?! Es hat höchstwahrscheinlich überhaupt nichts mit Dir zu tun. Der Charakter ändert sich nicht mal einfach so, da muss schon was gröberes nicht in Ordnung sein bei ihm. Du kannst ihm nicht helfen, Hilfe muss er selber suchen, wenn der Leidensdruck zu groß wird.
ErwinM, 50
 
  • #7
Es hört sich wirklich nach Depressionen an. Den Rückzug den Du vorgeschlagen hast, ist ein guter Ansatz. Helfen wirst Du ihm nicht können. Er muss erst soweit sein Hilfe anzunehmen. Ob das auch passiert, kann man schwer sagen.
Ich habe eine gute Freundin, deren Mann schwere Depressionen hat. Mittlerweile ist es so, das es anfängt die Familie kaputt zu machen. Sie leidet sehr und findet keinen Ausweg. Er ist zwar in Therapie, setzt aber gerne einfach so seine Medikamente ab und mutet damit der ganzen Familie eine Menge zu. Letztens hat er zu ihr gesagt, das sie die Verantwortung trägt das er nicht in den Keller geht und sich erhängt. Meiner Meinung nach müsste er in eine geschlossene Klinik. Aber das sieht er nicht und macht lieber seiner Frau das Leben schwer.
Das was dein Freund durchmacht, hat nichts mit dir persönlich zu tun. Du kannst deine Hilfe anbieten, aber Du bist nicht dafür verantwortlich sein Leben besser zu machen. Ich würde mich zurückziehen und mein Leben weiterleben. So hart wie sich das anhört, es bringt nichts wenn er dich mit in die Tiefe zieht. Selbsthilfegruppen wäre für dich ein guter Ansatz. Viel Glück!
 
  • #8
Mein Freund und ich sind mittlerweile seit 2.5 Jahren zusammen und es lief eigentlich immer ziemlich gut. Wir verstanden uns immer sehr gut, haben kaum gestritten und hatten vor allem sehr viel Respekt gegenüber einander. Vor einem halben Jahr haben sich aber einige Dinge angefangen zu ändern. Er fing an, negativ auf das Leben zu sehen und zog sich extrem zurück. Meine Versuche mit ihm zu reden klappten meistens, jedoch änderte sich nie etwas.
Ich glaube nicht, dass das mit irgendeiner Depression zu tun hat, ich glaube eher, die Beziehung war sehr einseitig gelebt und auch einseitig geliebt, es war dann ihm einfach zu viel geworden, was von der anderen Seite als spürbarer Druck auf ihn gekommen ist, das ist meine Einschätzung, hat mit fehlenden Kompatibilitäten in ganz wichtigen Bereichen zu tun, da nützt auch keine Pause was!
 
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  • #9
Meiner Meinung nach müsste er in eine geschlossene Klinik. Aber das sieht er nicht und macht lieber seiner Frau das Leben schwer.

Schöne Ferndiagnose. Meine Güte!
 
  • #10
Wieviel liegt dir wirklich an der Beziehung? An diesem Menschen? Ich finde es fast vorschnell nach einem halben Jahr Flaute das Handtuch hinzuwerfen solange keine unvorhersehbaren, ausschlaggebenden Änderungen seiner Persönlichkeit zum Vorschein kommen. Unterstützung finde ich wichtig. Manchmal besteht die beste Art der Unterstützung darin, gar nichts zu sagen oder zu tun.

Wenn du aber irgendwelche Verhaltensmuster bemerkst, die eine Person ausmalen, die du so nicht lieben willst - dann würde ich dir auch eher zur Trennung raten.

Viele Grüße
 
  • #11
Liebe FS,

ich würde mich nicht darauf versteifen, dass er eine Depression hat, halte das eher für unwahrscheinlich. Eine Depression kommt bei einem Erwachsenen nicht von heut auf morgen und zieht auch nicht innerhalb eines halben Jahres auf in der Art wie Du es beschreibst. Entweder hat er eine rezidivierende Depression, dann entwickelt sich eine neue Episode in der beschriebenen Weise, d.h. er hatte das vorher schon mehrfach und kennt den Verlauf.
Ist er ein verantwortlicher und fairer Partner, dann kommuniziert er das Problem und sagt Dir, wie der Verlauf ist, denn er kennt das. Tut er das nicht, wird eine Partnerschaft mit ihm die Hölle. Da ist ein gesunder Egoismus aka Selbstfuersorge ein guter Schutz.

Die erste depressive Episode läuft niemals so in einem halben Jahr ab, wenn es kein auslösendes Ereignis gab, sondern entwickelt sich über Jahre schleichend. Ein auslösendes Ereignis müsstest Du als Partnerin aber mitbekommen haben und bei einer schleichenden Entwicklung über Jahre wären die ersten 2 guten Jahre so nicht möglich gewesen - ausser Du warst komplett betriebsblind und nur mit Dir selbst gefasst.
So liest Du Dich nicht.

Die Probleme fingen nach 2 Jahren an, in der Zeit, in der man sich gut kennenlernen konnte und die Beziehung sich Richtung Langfristigkeit entwickelt oder wieder auseinanderdriftet.
Mir scheint Letzteres bei euch der Fall zu sein. Er verliert das Interesse eure Beziehung fortzusetzen, redet aber nicht Klartext, sondern kommt Dir mit einem Mix an Ausreden, die zwar Symptome einer Depression beschreiben, genauso gut aber zunehmendes Desinteresse, die Beziehung fortzusetzen im Zusammenhang mit Feigheit und Unehrlichkeit.

Es ist gut, dass Du die Pause eingeläutet hast und Du solltest genau nachdenken, wie lange Du pausierst und wann Du es endgültig beendest.
Was für eine Partnerschaft habt ihr geführt, dass Du nach 2 Jahren nicht ahnen kannst, was seine so großen Probleme sind? Habt ihr jemals über irgendwas relevantes geredet oder nur Verliebtheit zelebriert?

Du hast ja ihm Hilfe angeboten. Er will diese nicht, weil
- er gar kein Problem hat und daher keine Hilfe braucht, d.h. Ausrede, kein Problem
- er traut Dir nicht zu, dass Du ihm helfen kannst, d.h. vertraut Dir nicht und hält Dich für inkompetent.
Beide Varianten ergeben kein gutes Fundament für eine Beziehung.
 
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  • #12
Ob Depressionen oder nicht... fakt ist, er hat Probleme und redet nicht mit dir darüber.

Das heisst, dass er kein Vertrauen zu dir hat und/oder dich das Problem direkt oder indirekt betrifft, sonst könnte er ja zumindest sagen was los ist.

Keine gute Basis für eine Beziehung- daher finde ich deine Reaktion absolut richtig. Ich wäre wohl auch sauer.

Wenn er nichts sagen will - seine Entscheidung. Es läge an ihm, es dir zumindest zu erzählen und gemeinsam eine Lösung zu suchen - das wäre im Sinne von "...in schlechten Zeiten".
 
  • #13
Ich habe einen anderen Verdacht , klingt zwar nach Depression aber , wenn er sagt er hat viele Probleme und er dir nichts davon erzählt , dann kann es auch sein , dass er Angst hat Du verlässt ihn wenn er sich öffnet , zb SCHULDEN .. evtl wurde er desshalb auch schonmal verlassen , weil er über seine Probleme geredet hat , die dann zum Bumerang wurden ..
 
  • #14
Das ist kein Egoismus! Was willst du bei einem Mann, der dir absichtlich wenig Platz einräumt! Er ist egoistisch!

Andere Männer sind stolz, eine Freundin zu haben und würden jede Sekunde mit ihr verbringen und sie nach 2,5 Jahren endlich heiraten wollen. Tut mir leid, dass dir das versagt geblieben ist. Ich denke, du verpasst sehr viel schöne Dinge im Leben durch das Festhalten an den falschen Dingen!
 
  • #15
War 26 Jahre mit meiner Frau verheiratet.Nach 18 Jahren stellte sie fest,sie muss ihre schlechte Kindheit aufarbeiten.Nach mehreren Psychologiesitzungen brach sie das Thema ab.Ihre Launen wurden immer mehr.Jetzt zum Ende hin war sogar ich an allem Schuld.Wir haben unsere Beziehung beendet.Was ich sagen will,wenn der Partner nicht will,dass du zur Seite stehst.Dann bleibst du auf der Strecke .
 
  • #16
Weißt Du, WELCHE "gravierenden Probleme" er hat? Wohnt Ihr zusammen, bzw. wie eng ist "Eure Beziehung"?

Je enger und vertrauter Eure Beziehung ist (sei hier bitte Dir selbst zuliebe sehr ehrlich, manche sprechen von einer "festen Beziehung", obwohl es nur eine lockere Affaire für den anderen ist), desto mehr hast Du das Recht, zu erfahren, worum es sich bei seinem Problem handelt.

Versuche nicht, ihm helfen zu wollen, wenn er Dir deutlich sagt, er möchte das Problem ALLEINE lösen! Männer handhaben das so!

Die Problem-Lösung sollte allerdings schon in einem für Dich überschaubaren und ertragbaren zeitlichem Rahmen sein.
 
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