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Gast

  • #1

Neue Situation in einer Partnerschaft: wie damit umgehen?

mich interessieren unterschiedliche sichtweisen von euch:

wie reagiert ihr, wenn ihr in einer partnerschaft seid, wo es dem partner aufgrund massiver überlastung nicht gut geht? (privat und beruflich) Der partner gerade aufgrund jahrelanger überlastung jetzt einfach nicht(s) mehr (geben) kann.

lebt ihr euer leben weiter, schaut auf euren beruflichen, privaten erfolg? verfolgt ihr weiterhin eure ziele, pläne, unabhängig vom anderen? geht ihr euren interessen vermehrt nach, um euch selbst energie zu geben, da der partner im moment keine hat? könnt ihr euch da gut abgrenzen? wie geht es euch mit unternehmungen, freundestreffen, partys, hobbies? habt ihr den kopf dafür frei?
sehnt +sucht ihr dann nach einem anderen, starken partner, der vor selbstbewusstsein nur so strotzt? der erfolgreich im business und privatleben ein glückliches, lachendes leben führt?

oder nehmt ihr euch zeit, stellt eure pläne, projekte mal in den hintergrund und seid für euren partner da? sei es durch zuhören, einfach in den arm nehmen, für jemanden da sein? ohne Wunsch nach einem kraftvollen partner, sondern einfach nur der wunsch, daß es dem eigenen partner wieder gut geht? und die Partnerschaft wieder glücklich ist?

nichts ist richtig oder falsch, denke ich, mich interessieren nur erfahrungen, falls jemandem von euch sowas schon passiert ist.

danke!
 
  • #2
Das Wort Partnerschaft sagt es doch aus: man ist einfach für den anderen da.. ohne im eine zusätzliche Last zu sein.

Ich lese Deinen Satz: "sucht ihr dann nach einem anderen, starken partner, der vor selbstbewusstsein nur so strotzt?" mit grosser Besorgnis. Suchst Du immer einen starken Partner, dann läuft etwas falsch bei Dir.
DU bist immer für Dich verantwortlich, Dich selber zufrieden und glücklich zu machen, nicht der Partner!
 
  • #3
Wenn man einen Menschen mag oder gar liebt, dann hilft man ihm auch.

Einer Partnerin wurde ihre Belastungen im und wegen ihrem Job immer größer. Ich interessierte mich dafür, sprach sie an, und half ihr. Auch beim Jobwechsel.

Aktuell: Meine ex-Partnerin zieht bei ihrem aktuellen Partner aus. Sie rief mich an, weil sie meine Hilfe brauchte, um eine bestimmte, sehr gute + günstige Mietwohnung zu bekommen. Ich half ihr, sie bekam die Whg. -knapp- doch noch.

Schwerwiegender: Wenn eigene Interessen größer einbezogen werden.
z.B. der Partner will aus beruflichen Gründen umziehen - will man auch dorthin ? Und dadurch ggf. den eigenen, guten Job aufgeben ?

Ein Paar zog von München nach Düsseldorf, wegen ihrer Karriere. Er (Handwerker) gab seinen Job in München auf, aber fand in Düsseldorf nur Arbeit als Taxifahrer. Trotzdem haben m.E. Beide diesen Umzug nicht bereut. Weil sie zusammen blieben. (Quelle: TV-Diskussionsrunde)

Eine Partnerschaft = "in guten wie in schlechten Zeiten zusammen halten". Man sollte sich auch als Nicht-Verheirateter das Eheversprechen zu Herzen nehmen.
 
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Gast

  • #4
für mich wäre es definitiv die zweite Option:

"oder nehmt ihr euch zeit, stellt eure pläne, projekte mal in den hintergrund und seid für euren partner da? sei es durch zuhören, einfach in den arm nehmen, für jemanden da sein? ohne Wunsch nach einem kraftvollen partner, sondern einfach nur der wunsch, daß es dem eigenen partner wieder gut geht? und die Partnerschaft wieder glücklich ist?"

Muss aber dazu sagen, dass ich keine Karriere mache und daran auch noch nie Interesse hatte. Nur "normaler" Job. - Ich weiß nicht, wie ich es machen würde, wäre ich selbst beruflich 150% eingespannt rund um die Uhr. - Auf jeden Fall ist ein geliebter Partner im Notfall wichtiger als alles andere.

W
 
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Gast

  • #5
Am wichtigsten ist für mich, dass der Partner für seine Situation die Verantwortung übernimmt und eine Veränderung herbeiführt. Woher kommt die Überlastung? Wie lässt sie sich abmildern oder abstellen? Dabei unterstütze ich den Partner selbstverständlich mit Rat und Tat.
Außerdem empfiehlt sich ein Erholungsurlaub oder eine Kur um wieder zu Kräften zu kommen.
 
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Gast

  • #6
Ich habe es bisher so erlebt, dass Partner sich in schwerigen Phasen, wenn ich nicht die Aufmerksamkeit liefern konnte, die vielleicht erwünscht gewesen wäre, davongemacht haben.
Es fehlte dann wohl einfach die Leichtigkeit und der Lebensgenuss. Ich finde das auch völlig legitim, dann an sich selbst zu denken. Als verlassener Part hat man zumindest den einen Vorteil: Man lernt, dass man sich am besten nur auf sich selbst verlässt und nicht vom anderen erwartet, dass er in schlechten Zeiten für einen da ist. Man lernt, dass man alleine alles schaffen kann. Und auch das gibt Kraft. Jemand, der weiß, dass er seelisch auch alleine überlebt, wird niemanden völlig vereinnahmen, sich in Beziehungen aber auch nicht vereinnahmen lassen.
 
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Gast

  • #7
Partnerschaft ist Geben und Nehmen!
Die Balance muss stimmen. Ich merke bei mir, dass wenn ich down und die Nehmende bin, irgendwann versuche ich automatisch auch zu geben , auch wenn es "nur" Kleinigkeiten sind ..., die meinem Partner aber auch signalisieren, dass für mich NICHTS selbstverständlich ist und ich seine Hilfe mit DANKBARKEIT annehme. Ich versuche mich auch zurück zu nehmen, um meinen Partner nicht mit meinen Problemen zu überladen , so dass ihm die Luft ausgeht...
Das tue ich aus Liebe, auch wenn ich in solchen Momenten die Hilfe annehme.
Umgekehrt ist es genauso, wenn ich der stärkere Part bin, gebe ich uneingeschränkt, bis mein Partner auf die Beine kommt, ohne mich dabei zu vergessen! Wenn ich aber merke , dass ich nur gebe und es als selbstverständlich nur genommen wird und als nicht genug hingestellt wird, dann mache ich innerlich nach einer Weile zu. Als Selbstschutz.
Grundsätzlich bin ich für meinen Partner voll da und suche mir keinen Ersatz, wenn es ihm schlecht geht. Liebe ist nicht nur ein Gefühl , sondern auch eine Entscheidung und aus Liebe gebe ich gerne, denn es macht MICH glücklich, meinen Partner glücklich zu sehen.
 
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Gast

  • #8
danke für eure antworten!
hier die fs:
ja, ich sehe es auch so, daß jeder für sich selbst verantwortlich ist. ich bin jahrzehntelang beruflich und privat sehr erfolgreich und lebe mein aktives leben.
mein partner hat durch viele gründe derzeit einen durchhänger und sollte sein leben neu organisieren. ich habe ihm dabei zugehört, mit ihm geredet, ihn verstanden. er wollte aber (oder konnte es nicht?) nichts ändern. oder noch nicht.
jetzt bin ich an dem Punkt, wo ich auf mich schaue, meine dinge erledige, meine Karriere plane, weil ich beruflich immer erfolgreich war.
mir geht das alles zu langsam, er bremst mich, hinkt hinter mir her und kann gerade nur die wesentlichen dinge erledigen.
es ist also die frage, ob eine Partnerschaft so etwas aushalten soll und kann.
denn wenn ich mich seinem tempo anpasse, dann wird ja durch ihn mein leben behindert
und ich will, daß es ihm gut geht und endlich wieder lebt.das sollte jeder mensch tun.
ob es da nicht vernünftiger wäre, so einem menschen in seiner situation zu lassen, falls er was ändern will, dann soll er das. falls nicht, dann nicht.
ob hier eine starke Abgrenzung nicht vielleicht besser und gesünder wäre als ein "ich bin bei dir, stütze dich", da er das im moment gar nicht annehmen kann?.
 
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Gast

  • #9
Erfahrungsgemäß ist es immer schiefgegangen, wenn einer den anderen durch seine Liebe oder Aufopferung retten wollte. Der Kranke suhlt sich dann im Mitleid, und wenn er wieder Kraft hat, ist er weg. Der Gesunde bleibt auf seiner "Nächstenliebe" hocken und hat sein eigenes Leben verpasst.

Anders gesagt: Ich würde ein bisschen Egoismus walten lassen und mein Leben nach meiner Facon in meinem Tempo gestalten. Du kannst ihm erklären, dass Du sonst vor die Hunde gehst - das kann er als liebender Partner nicht befürworten. Gleichzeitig kannst Du ihm ein Türchen offen lassen. So kann er sich an Dich wenden, sobald er sich wieder zu konstruktivem Handeln bereit fühlt. Sag´ ihm, dass Dir wichtig ist, dass er sein Leben auf die Reihe bekommt, dass es ein längerer Prozess sein kann, bis er soweit ist, klarzusehen, wie er weitermachen will, und dass Du dafür Verständnis hast. Bitte um Verständnis, dass Du Dein Leben auf eine Weise weiterlebst, die Dir guttut.
 
  • #10
Liebe FS
Das sind keine Gegensätze finde ich.

Ich habe solche Situationen auch schon erlebt, die für mich richtige Reaktion war:
-Ihr helfen aus dieser Situation herauszukommen, Also zuhören, Denkanstösse, Unterstützung.
Aber: machen muss der PArtner schon selbst- und das wird er erst wenn er selbst die Einsicht hat dass was geändert werden muss.
- Aber natürlich gleichzeitig die eigene Karriere nicht vernachlässigt und auch das eigenen Leben weiter gelebt.

Es bringt dem durchhängenden weder was wenn auch Du Deinen Job verlierst noch wenn Du Deine Hobbies nicht weiter führst. Eher im Gegenteil- dann denkt er nämlich dass ja alles gut ist udn er ja nix ändern muss. Ist ein wenig wie bei meinem Hund: den trat ne Kuh auf die Prote was natürlich zum humpeln geführt hat- er hat noch Jahre später spontan gehumpelt wenn er Zuspruch oder Futter wollte....
 
  • #11
Ich würde vor allem dafür sorgen, dass sich der Partner professionelle, ärztliche Hilfe sucht. Bei psychischen Erkrankungen braucht vielfach auch der Gesunde Unterstützung und Beratung, um genau diese Fragen zu beantworten, um das optimale Maß zwischen Helfen und für sich etwas tun zu finden.

Sicher, jeder ist in erster Linie für sich selbst verantwortlich, also nicht bis zum letzten aufopfern. Doch hast Du Dich mit Deinem Partner besprochen, wie Du ihm helfen, ihn entlasten kannst?
Dein Partner scheint eine schwere Depression zu haben und nicht nur einen "Durchhänger" und Du denkst an Deine Karriere? Sehr einfühlsam von Dir. Liebst Du Deinen Partner wirklich?

Wieso bremst er Dich, was geht Dir zu langsam? Deine Karriere kannst Du allein machen, dazu bedarf es den Partner nicht. Oder ist er Dir dann nicht ebenbürtig?

Dein Partner muss erst einmal gesund werden, um sein Leben neu organisieren zu können, vermutlich braucht er eine intensive Therapie, und das braucht Zeit.

Mache Deine Karriere (wofür eigentlich?), vielleicht stehst Du irgendwann an dem Punkt, wo er jetzt steht - Erschöpfungsdepression.

Eine gute Partnerschaft hält so etwas aus, auch wenn es ein-zwei Jahre dauert. Mein Partner hat zu mir gehalten, obwohl auch zeitweise überfordert, weil er sich nicht hat beraten lassen. Und er hat einen harten Job. Mein Zusammenbruch ist nun 9 Monate her, und es gab Rückschläge. Jetzt bin ich auf dem besten Weg der Heilung und stelle mein Leben wieder auf die Beine,