• #151
Mittlerweile machen mehr Mädchen Abitur als Jungs. Und sie machen es im Regelfall auch besser als die Jungs. Auch im Studium, auch in "Männerfächern" sind sie wirklich gut. An der Leistungsfähigkeit liegt es nicht.

Woran dann? Gesellschaftliche Einstellung? Erziehung? Grundsätzliche Denkweise? Jungen bekommen nach wie vor eingeimpft, dass sie sich von dem, was sie an Ausbildung bekommen, später mal ernähren müssen. Inklusive Familie. Wenn ich hier lese, bei wie vielen Frauen doch noch "Heirat, Familie, Kinder, Teilzeit arbeiten" die Prioritäten sind, dann denke ich, dass in den letzten Jahrzehnten manches sich grundsätzlich nicht weiterentwickelt hat.

Mütter müssen ihren Töchtern endlich vermitteln, dass "Hausfrau'" heute nicht die einzige Perspektive sein darf, die eine junge Frau sich schafft. Und ihren Söhnen, dass sie sich natürlich mit um den Haushalt kümmern müssen. Oder beiden, dass man dafür eben eine Haushaltshilfe nimmt, um sich um den Job kümmern zu können.

Für individuelle Lebensentscheidungen kann die Gesellschaft nur die Optionen offenhalten. Das tut sie aus meiner Sicht. Wenn sich junge Frauen dann immer noch für "Arzthelferin" und "Teilzeit" entscheiden, dann fühle ich mich nicht mehr zuständig.

Meiner Meinung nach, damit wir in die Nähe von Chancengleichheit kommen, ist, den Fokus auf den Mann zu richten. Und zwar Vereinbarkeit von Familie und Beruf für den Mann. Teilzeitstellen für den Mann. Elternzeit durch den Vater genommen.

Solange die Vereinbarkeitsfrage eine Frauenfrage bleibt, bleiben Frauen auf der Strecke, sobald sich die Kinderfrage stellt. Oder sie entscheiden sich gegen Kinder, für den Beruf. Ein Mann kann Problemlos beides haben, Job und Familie.

Alte Rollenbilder zementieren sich ja oft erst dann, wenn Kinder kommen. Vorher ist man/frau partnerschaftlich unterwegs.

Dh mit dem Punkt "Arzthelferin" geb ich Dir recht, hier ist jeder für sich verantwortlich, ganz sicher nicht aber beim Teilzeitaspekt. Ein Kollege von mir ist nach Australien ausgewandert. In völliger Selbstverständlichkeit nimmt er 14 Wochen Vaterschaftsurlaub und arbeitet im Anschluss wie seine Frau Teilzeit, beide 60-70%. Es ist nicht verpönt, mal früher zu gehen wegen Kindern.

Hier ist Chancengleichheit gegeben. Aber solange der Teilzeitmann utopie ist und Vereinbarkeitsfragen Frauensache ist, ist davon nicht die Rede.
 
  • #152
enn ich hier lese, bei wie vielen Frauen doch noch "Heirat, Familie, Kinder, Teilzeit arbeiten" die Prioritäten sind, dann denke ich, dass in den letzten Jahrzehnten manches sich grundsätzlich nicht weiterentwickelt hat.
Genauso, wie die Männereinstellung- Beruf hat Priorität, Hobby hat Priorität, Sport hat Priorität. Bei Familienplanung wird gelogen, genauso wie die Beziehungsabsicht, obwohl man nur Sex will. Apropo, dass Männer Gefühle und Sex trennen können-seltsam, da hat sich auch null was geändert. Lebens_Lust und Co-vielleicht liege ich mit meiner Einstellung gar nicht so verkehrt, dass die Mehrheit der Frauen ganz normales Leben wollen, wo Familie im Vordergrund steht? Wenn Karrierefrauen so vorteilhaft und heissbegehrt sind, warum bleiben so viele ohne Kinder und ewig Single? Warum bekommen die meisten Männer Probleme wenn Frau mehr verdient? Fragen über Fragen.
 
  • #153
Die jungen Mädchen sind hier ja kaum vertreten;-))
Für die sind unsere Herren im Durchschnitt auch nicht als Männer zuständig, eher als Papas.

Selbst ich bin mit der Schere im Kopf noch aufgewachsen.
Nicht was die Ausbildung angeht aber dieses "Mann muss es gut gehen".

Ich habe Gott sei Dank immer gehört: ich kann/darf das nicht, ich bin doch abhängig.
Und meine Mutter ist schon gepuscht worden, was die Ausbildung angeht.
Nur doof, dass ein Ehemann bis 1976 verbieten könnte, dass Frau arbeiten geht.

Karriere im Sinne von viel Geld scheffeln, hätte ich wohl nie. Meine Interessen gingen nie zu den Fächern die Management bedeuten.
Aber ich habe auch nie viel Interesse an Luxus gehabt. Besuche in tollen Restaurants habe ich alle vergessen, tolle Picknicks nicht.

Aber ich brauchte immer mein eigenes Sicherheitspaket: Miete muss gesichert sein, ein altes Auto und 1 Urlaub im Jahr.

Da habe ich netterweise immer mehr verdient und das was darüber hinausging konnte mein Partner sogar auf den Kopf hauen.

Meine Chance natürlich Kinder zu bekommen lag bei unter 20% und das war mir sogar Recht, denn ich wollte nie: ins Hamsterrad und Hausfrau sein.
Als ich am Kap der guten Hoffnung schwanger wurde, hatte ich eher Panik als sofort Jubelschreie.
Aber mein damaliger Mann meinte: kein Problem ich werde Hausmann!
Sehr schön, hatte ich doch einen besseren Job angeboten bekommen.

Nur das plötzlich der Ehemann kein Hausmann mehr sein wollte.
Auch nicht in den drei Arbeitslosigkeiten....

Jetzt kommt aber meine Schere: in dem Moment, wollte ich das es den Kindern und meinem Mann gut geht.
Er würde sich ja klein fühlen und nicht als Mann, der Arme braucht da meinen Support.
Hinter jedem starken Mann....
Und Männer sind so, deshalb ist er auch fremdgegangen, dass sollte man verzeihen können.

Hoffe das wächst sich irgendwann mal raus.
Mein Sohn hat gerade sein Studium geschmissen: Firmen holen gezielt ihre Leute bei der Fontis. Seine Noten waren echt gut.
"Ich will kein Manager werden oder Leute entlassen. Ich möchte mit Kindern und Jugendlichen arbeiten".
Er strahlt Happy jetzt und ich habe ihm nicht erzählt, er müsste später Frau und Kind ernähren.
 
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  • #154
und auch bei mir irgendwo eine Rolle spielte, war die "Schere im Kopf", tiefsitzende Rollenbilder, die aus diesem Umfeld resultierten. Wäre ich nicht auch tief geprägt gewesen davon, hätte ich vielleicht keine Kinder bekommen und einen ganz anderen Weg verfolgt. Ich konnte nicht aus meiner Haut, ok, ich habe es akzeptiert und kann gut leben damit. Aber diese sehr alten, eingefurchten Prägungen spielen auch heute noch eine Rolle, wenn mann/frau genau hin sieht - wie sollte es denn auch anders sein nach etlichen Jahrtausenden Patriarchat mit immer noch ganz eindeutiger Macht - und Vermögensverteilung nahezu überall auf dem Globus.
Absolute Zustimmung!
Ich habe vielleicht "aus Opposition" genau keine Kinder bekommen, aber aus eigener Entscheidung und eigenfinanziert Abitur gemacht und studiert.

Nun ja, wir haben inzwischen 2019 und es ist immer noch überwiegend so, dass Kinder beruflich in die Fußstapfen ihrer Eltern treten.
Kinder von Ärzten studieren oft Medizin, Kinder von Anwälten wählen ein juristischen Beruf, Kinder von Handwerkern arbeiten im elterlichen Betrieb, Kinder von Hartz IV - Empfängern setzen ebenfalls die Tradition fort. Nur in seltenen Fällen machen Kinder etwas ganz anderes als ihre Vorbilder, weil es nicht nur die Intelligenz braucht, um gewisse Muster zu durchbrechen, sondern auch den festen Willen und das Durchhaltevermögen. Da hilft auch BAföG alleine nicht.
Genau das stelle ich derzeit in meinem Freundeskreis und Umfeld fest, wo gerade viele Kinder meiner Freunde und Bekannten ein Studium oder eine Ausbildung beginnen.
Ich bin richtig "enttäuscht", dass auch im Jahr 2019 sowohl die jungen Frauen "typische" Frauenberufe und die Männer "typische" Männerberufe wählen, als auch dass das, was du schreibst, zutrifft, nämlich dass kaum einer etwas ganz anderes macht, als Vater oder Mutter, manchmal auch Oma oder Opa, maximal wird es der nicht verwirklichte, aber gut zur Familie passende ehemalige "zweite" Wunschberuf des Vaters oder der Mutter.
Ich habe den Eindruck, den jungen Menschen fehlt (heute, wie zu allen Zeiten) der Mut, einen in ihrer Familie völlig unerwarteten, unüblichen Beruf zu wählen, mit dem vielleicht die Eltern "nichts anfangen" können und dessen Akzeptanz sie erst in der Familie durchsetzen, vielleicht durchkämpfen müssten ...


w53
 
  • #155
Wenn sich junge Frauen dann immer noch für "Arzthelferin" und "Teilzeit" entscheiden, dann fühle ich mich nicht mehr zuständig.
Ich weiß jetzt nicht, wie es bei dir ist, aber die Alpha-Männer, mit denen ich langjährige Beziehungen hatte und auch die, mit denen ich sonst so befreundet bin oder die ich gut kenne, haben so gut wie nie eine Partnerin gewählt, die beruflich mit ihnen auf Augenhöhe war, nie eine, die im beruflichen Umfeld eine Kollegin auf gleicher Ebene gewesen wäre, erst recht niemals eine, die beruflich erfolgreicher war oder sein könnte, als sie selbst.
Dieses Thema hatten wir ja hier schon unzählige Male: Beruflich erfolgreiche Männer daten niemals up, sondern immer (mindestens leicht) down, einige allerhöchstens auf Augenhöhe.
Man kann wirklich nicht nur den Frauen die Schuld geben. Das ist ein gesellschaftliches Phänomen, das wohl so alt wie die Menschheit selbst ist!
Frau muss schön und jung sein, weil "schön und jung" evolutionär "gesunde Nachkommen" bedeutet. Mann muss beruflich erfolgreich sein, weil das bedeutet "er kann Frau und Brut sicher durchbringen".
Wir sind auch heute noch durch unsere evolutionäre Programmierung geprägt, die, wie bei allen Lebewesen, schlicht und einfach heißt: Überleben/ Fortpflanzung der Art!
Auch wenn wir uns heute so weit weg von der Natur und so zivilisiert finden - die wesentlichen Dinge richten sich offenbar nach wie vor nach dieser schlichten Programmierung! Das ist bei Männern so, und bei Frauen auch.


w53
 
  • #156
Ich denke, mit den differenten Einstellung in diesem Forum kommen wir nicht weiter. Da gibt es die Frauen aus den süddeutschen Dörfern, die weder Abitur und Studium vorweisen könnnen, für sie gilt wohl noch zum großen Teil das veraltete Rollenbild. Aber Leute, hier ist Elitepartner, was für Liese Müller gilt sollte für euch nicht gelten. Wenn man sein "Schicksal" ändern will kann man nicht das Gleiche machen und sich über die Prägung der Eltern aufregen, aber aus Faulheit nicht aus der Schale kommen. Wenn Jammern hülfe würde ich nicht damit aufhören, tut es aber nicht, wie jeder weiß. Ich habe mir weiß Gott jede Menge Gejammer von "Freundinnen" anhören müssen, die partout nichts ändern wollten. Die sind jetzt genau da wo der Weg sie hin geführt hat. Mir tun dazu die Männer leid, jedenfalls manche, die genauso drunter leiden wie die Frauen. Das herkömmliche Frauenbild und das Familienbild hat ausgedient, hoffentlich merkt das die Jugend auch. Was der Einzelne will sollte natürlich nicht außen vor stehen, jeder darf Handwerker/in, Sozialarbeiter/in, Chirurg/in und alles was euch sonst so einfällt werden. Und er kann das auch werden, so der IQ das hergibt. Wir leben in der Besten aller Welten, aber gejammert wird stetig weiter. Ich komme aus einer Großstadt, meine Eltern waren kriegstraumatisiert, Handwerker, wie die Eltern fast aller meiner Schulkameraden auf dem Gymnasium, Jungs wie Mädchen. 2 reiche Kinder, Rest normal. Also reißt euch am Riemen.
 
  • #157
Ein Argument meines jüngeren Sohnes für seine Berufswahl war die Option, dass man beim Staat Kinderzeiten unterbringen kann, und Teilzeit.
Sein Kommentar, dann kann, falls sie es möchte, seine potentielle Partnerin Karriere machen.
Mein Großer hat sich für eine Ausbildung entschieden, keine gängige, als Bildhauer.
Aber auch er möchte eines Tages Kinder, Familienzeit, und es ist schon, zu sehen, wie seine Freundin und er als Paar agieren.

Da war nun kein Druck, vielleicht nur die Prägung, dass Familie etwas Schönes und Wichtiges ist. Auch wenn wir nicht so klassisch waren.
Beide sind definitiv ausgeprägte Familienmenschen.

Man kann also die Freiheiten nutzen - sogar in oberbayrischen Dörfern - die jungen Frauen hier in der Nachbarschaft sind alle gut ausgebildet bis studiert und berufstätig. Irgendwie macht hier fast jeder sein Ding, es ist nur noch unsere Generation, die diese Scheren im Kopf hat.
 
  • #158
Meiner Meinung nach, damit wir in die Nähe von Chancengleichheit kommen, ist, den Fokus auf den Mann zu richten. Und zwar Vereinbarkeit von Familie und Beruf für den Mann.

Völlig richtig. Ein gesellschaftliches Problem. Aber auch ein individuelles. Auch für viele Frauen ist immer noch völlig undenkbar, dass der Mann mit dem Kind zu Hause bleibt und sie arbeiten.

Ich weiß jetzt nicht, wie es bei dir ist, aber die Alpha-Männer, mit denen ich langjährige Beziehungen hatte und auch die, mit denen ich sonst so befreundet bin oder die ich gut kenne, haben so gut wie nie eine Partnerin gewählt, die beruflich mit ihnen auf Augenhöhe war, nie eine, die im beruflichen Umfeld eine Kollegin auf gleicher Ebene gewesen wäre, erst recht niemals eine, die beruflich erfolgreicher war oder sein könnte, als sie selbst.

Ich bin beruflich ehrgeizig. Ich habe nie bewusst downgedatet und hatte in vielen Lebensphasen Partnerinnen auf Augenhöhe. Ich habe mehrfach auch z. B. promovierte Ärztinnen gedatet oder eine Frau aus dem Vorstand einer regionalen Bank. Zugegeben, deutlich nach oben daten würde ich aber auch nicht, unabhängig davon, dass sich die Frage kaum stellt. Meine aktuelle Partnerin verdient fast gleich bei geringerem Bildungsgrad. Gezielt gesucht habe ich aber nicht.
Ich denke, mindestens in meinem Alter gibt es auch noch mehr Männer, die sich beruflich gut entwickelt haben als Frauen.
 
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