• #1

Partner ohne längere Beziehungserfahrung an Beziehung "gewöhnen"?

Es gibt ja auf dieser Welt viele Männer und Frauen, die aus mannigfachen Gründen nie eine längere ernsthafte Beziehung geführt haben, obwohl sie danach Sehnsucht haben. Das führt dann natürlich auch dazu, dass sie gar nicht damit vertraut sind, wie man überhaupt eine Beziehung führt, etwa im Hinblick auf Kommunikation, persönliche Lebensgestaltung, Sexualität, Anpassung an die Bedürfnisse des Partners, Nestbau usw.

Ist für solche Menschen nach vielen Jahren den Beziehungscruisens (also immer wieder on und off und dann wieder der nächste Kandidat) oder des Pick-up-Artist-Daseins bei gutem Willen ihrerseits Beziehung "erlernbar", oder enden sie immer wieder in Verhaltensmustern, die dazu führen, dass die Beziehung gegen die Wand fährt? Wie geht man mit solchen Menschen mit Beziehungsneurose um?
 
  • #2
Ich denke, eingefahrene Muster kann man nur verändern, wenn man das ganz bewußt und vielleicht mit Hilfe angeht. Ich glaube aber nicht, daß ein Partner den anderen "Beziehung" lehren kann, das würde seine Rolle auch maßlos überschreiten.
Menschen die schon viele Jahre keine "echte" Beziehungserfahrung haben, sind meiner Meinung nach zu stark durch ihre Vorgeschichte, Kindheit, etc. geprägt als daß es dann plötzlich mit "dem/der Richtigen" auf einmal alles anders und paletti ist.
 
  • #3
Eines steht jedenfalls fest: die angemaßte Deutungshoheit, wie "man" eine Beziehung führt, ist genau der Grund, warum diese Menschen schon beim ersten Gespräch darüber sofort das Weite suchen. Denn natürlich gibt es über dieses "wie" sehr konträre Auffassungen, und wenn so ein Freidenker merkt, daß die andere Seite ihm ihre Auffassung von Beziehung aufoktroyieren will, erhält die ohnehin vorhandene Beziehungs-Phobie umgehend neue Nahrung.

Warum nicht einfach mal fragen, warum der- oder diejenige sich nicht (oder nicht mehr) auf eine Beziehung einlassen will? Vielleicht muß ja nicht der Phobiker dazu lernen, sondern derjenige, dessen Vorstellungen von Beziehung der Grund sind, warum sich die Phobie überhaupt herausgebildet hat?
 
  • #4
Liebe FS,
der beste Umgang ist: weiträumig meiden. So jemand hat die falschen Muster gelernt und verlernt diese nur, wenn er massenhaft Beziehungen probiert. Willst Du eine der Frauen sein, die er als Lernmaterial verschleißt?
 
G

Ga_ui

Gast
  • #5
Ich finde diese Frage voreingenommen! Ich hatte zwei lange Beziehungen (einmal 7 und einmal 10 Jahre) und ich würde nicht sagen, dass ich daraus gelernt habe, eine bessere Kommunikation oder Sexualität zu führen! Beides war eher ein Krampf in den Beziehungen und ich habe mehr psychische Schäden davon getragen. Ich glaube ohne diese Beziehungen würde es mir besser gehen und ich hätte auch weniger Hemmungen.

Eine Beziehung bietet für viele Menschen ein Deckmantel an Pseudo-Sicherheit. Hinter den Kulissen sieht es aber oftmals ganz anders aus!
Was soll denn in Beziehungen besser sein? Man gibt sich häufig komplett auf und man verrottet zusammen in seinem Alltagstrott.

Ich stelle sogar fest, dass Langzeitsingles sehr gute und tiefe Gesprächspartner sind und eine sehr vernünftige Einstellung zum Leben haben! Sie sind viel nüchterner und weitsichtiger drauf und sind häufig sehr gescheit, nett und zuvorkommend. Dazu findet sich eben nur schwer ein Partner.

Warum willst du einen Menschen an eine Beziehung gewöhnen, wenn er das nicht will?
Beziehung heißt ja oftmals nur: viel dulden,kein eigener Mensch mehr sein, Bedürfnisse wie ein Idiot zurückschrauben. Das ist wahrlich keine Kunst. Du willst aus einem intelligenten, eigenständig denken Menschen einen Deppen machen. Wahnsinn!
 
  • #6
Welche Art von Beziehung ist es denn, die du ihn lehren möchtest ?
Deine ?
Oder meine ?
Oder eine universelle ?

Oder ist das eine etwas unglückliche Umschreibung dafür, dass du hoffst, ihm begreiflich machen zu können, wie du dir eine schöne Beziehung vorstellst und er sich das im Idealfall auch vorstellen kann ?

Lies doch mal den Nachbarthread mit der LAT-Frage.
Das ist nun gerade meine Idealvorstellung, eine Mitposterin rät mir aber, mich in Therapie zu begeben ( sie hat es etwas indirekter ausgedrückt ). Die Vorstellungen, wie eine Idealbeziehung aussieht sind so verschieden wie die Menschen.
Du kannst demnach 'Beziehungführen' nicht wie Latein lehren.

Und dass Menschen, die lange single waren, es erst wieder lernen müssen, eine Beziehung zu führen, kann ich aus eigenem Erleben auch verneinen. Ich war über 10 Jahre single ( mit Kind ) und kann sehr gut eine Beziehung führen, ohne dass mein Schatz mich erzogen hat.

Ich rate dir, dir einen Mann zu suchen, der dir gefällt, so wie er ist.
Dann musst du an ihm gar nichts verändern und er nichts an dir.
DAS ist meine Idealvorstellung.

w 48
 
  • #7
Aus jeder Beziehung kann man was lernen. Egal, wie lange sie dauerte. Man lernt meistens, was man künftig nicht mehr will.

Definiere Beziehungserfahrung:
z.B. 20 Jahre Ehe, 2 Kinder, teure Scheidung, monatliche Unterhaltszahlungen?

Was ist mit den Leuten, die so klug waren, um sich das zu ersparen?
Aber dennoch als "unerfahren" betrachtet werden, weil sie diese Beziehungserfahrungen nicht gemacht haben?

Meine längste Beziehung war fünf Jahre lang. Es hat gute Gründe, warum keine Längeren. Schlicht, weil es mit meinen Frauen jeweils nicht länger auszuhalten war. (Extreme Gründe)

Wenn ich eine der Frauen geheiratet hätte, die mich heiraten wollten, wäre ich heute zwar mehr beziehungserfahren, aber psychisch k.o. und ggf. beziehungsunfähig geworden?

Keine Vorurteile!
Zuerst mal sehen, wie der Gegenüber in DIESER Beziehung ist, mit DIESER Frau. Bevor man glaubt, ihn belehren oder gar ändern zu müssen.Denn Beziehungserfahrungen hängen nicht alleine von der Person ab. Sondern mit wem er sie gemacht hat.

Es gibt keinen "Beziehungs-Führerschein"
Man muß die Leute so nehmen, wie sie sind.
(m,53)
 
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  • #8
Eines steht jedenfalls fest: die angemaßte Deutungshoheit, wie "man" eine Beziehung führt, ist genau der Grund, warum diese Menschen schon beim ersten Gespräch darüber sofort das Weite suchen. Denn natürlich gibt es über dieses "wie" sehr konträre Auffassungen, und wenn so ein Freidenker merkt, daß die andere Seite ihm ihre Auffassung von Beziehung aufoktroyieren will, erhält die ohnehin vorhandene Beziehungs-Phobie umgehend neue Nahrung.

Warum nicht einfach mal fragen, warum der- oder diejenige sich nicht (oder nicht mehr) auf eine Beziehung einlassen will? Vielleicht muß ja nicht der Phobiker dazu lernen, sondern derjenige, dessen Vorstellungen von Beziehung der Grund sind, warum sich die Phobie überhaupt herausgebildet hat?
Ich unterstelle wie oben dargelegt den klaren autonomen Willen des ehemals Beziehungsunfähigen, eine Beziehung zu führen. Ohne Gebrauchsanleitung. Aber der Begriff "Beziehung" hat bestimmte Mindestanforderungen.
 
  • #9
Meine längste Beziehung war fünf Jahre lang. Es hat gute Gründe, warum keine Längeren. Schlicht, weil es mit meinen Frauen jeweils nicht länger auszuhalten war. (Extreme Gründe)
Wer 5 Jahre lang eine Beziehung führen kann, ist mit Sicherheit kein Beziehungsphobiker, woran auch immer die Beziehungen gescheitert sind. Wer es mindestens 2 Jahre mit einem anderen Menschen aushält, ist meines Erachtens bindungs- und beziehungsfähig. Ich selbst war mit großer Wahrscheinlichkeit in allen von mir geführten Beziehungen zu lange. Ich spreche jetzt nicht von "extremen Gründen", aber doch einem Potpourri an Gründen, die eine Beziehung untragbar oder langfristig aussichtslos machen. Meine Frage drehte sich eher um Menschen, bei denen es nie über die anfängliche Flirtphase hinausging, die zu schnell aufgegeben haben oder sehr schnell selbst verlassen wurden. Solche Menschen haben z.B. nie gelernt, wie man sich um einen anderen Menschen "kümmert", oder vielleicht konnten oder wollten sie es gar nicht und sind deshalb immer allein geblieben. Aber was ist, wenn sie es doch wollen und feststellen, dass sie Beziehungsanalphabeten sind?
 
  • #10
Also ich könnte mich nicht ändern. Ich habe in den Beziehungen vor meiner Ehe zwar dazugelernt, aber grundsätzlich bin ich mir treu geblieben. Auch, wenn ich wollte, geht es nicht. Ich kann mich zwar eine zeitlang sehr gut anpassen, aber verfalle dann wieder zu mir zurück. (Das ist auch gut; damit gibt es keine Probleme; Ich nehme nur mich als Beispiel).

So denke ich, ist das auch bei anderen. Man kann seine Persönlichkeit nicht über Bord schmeissen. Man passt sich irgendwie an, oder entwickelt sich zusammen weiter. Versuch doch mal aus einem sehr Introvertierten einen Extrovertierten zu machen. Das geht auch nicht. Ich glaube auch nicht, dass lange Beziehungslosigkeit nur etwas mit dem Schicksal, niemandem begegnet zu sein, zu tun hat (ich meine jetzt die Altersgruppe von 18 - 40) aus welchen Gründen auch immer - zuviel Angst, Scheu, Ansprüche, etc- das so passiert und zwar jahrelang. Ich würde mir das nicht zutrauen, jemanden, der sich solange in dieser Hinsicht bewegt hat, zu zähmen oder zu dressieren.
 
  • #11
Ich unterstelle wie oben dargelegt den klaren autonomen Willen des ehemals Beziehungsunfähigen, eine Beziehung zu führen. Ohne Gebrauchsanleitung. Aber der Begriff "Beziehung" hat bestimmte Mindestanforderungen.
Der BeziehungsUNfähige scheitert an diesen Mindestanforderungen.
Und sein Gegenüber scheitert wegen dieser Unfähigkeit.

Ich habe vereinzelt beziehungsunfähige Männer kennengelernt. Die den Eindruck eines "großen Kindes" machten. Aber relativ arm an Emotionen. Einer riss sich sogar zu einer Vaterschaft hin, um sich selbst und den Anderen zu beweisen, dass er ein Mann wäre. Aber er scheiterte auch da.
Ein Anderer verübte einen Selbstmordversuch, aber selbst der klappte nicht -> nur einen Arm gebrochen.

Beide Männer haben leibliche Kinder, aber können mit ihren Kindern kaum was anfangen. Die Mütter erlauben nur tageweise das Besuchsrecht, ohne Übernachtungen beim Kindsvater. Weil sie wissen, wie sehr diese Kindsväter eigentlich überfordert sind.

Ihre Frauen erwarten Männer, keine "Männchen" Sie haben keine Zeit und Geduld, ihre "Männchen" auf -beziehungsfähig- umzuschulen. Manche Frauen versuchten es, aber gaben nach 1-2 Jahren auf.

Sozialverhalten lernt man am ehesten in der eigenen Kindheit.
Was dort versäumt wurde, ist später nur schwer nachzuholen.
Weil man eingefahrenen, psychischen Schemas trotzden muß.

Ich schätze, als ersten Schritt sollten diese Männer lernen, sich um ein Haustier zu kümmern. Wenn das klappt, dann kann man weiter darauf aufbauen.
(m,53 - kein Betroffener)
 
  • #12
...wie geht man mit solchen Menschen um, menschlich und respektvoll und nicht wie mit einem Hund, den man an Herrchen und Frauchen, und das damit verbundene Zusammenleben gewöhnen muß..
Um eine Beziehung an die Wand zu fahren, benötigt es immer zwei Menschenskinder. Langen Beziehungserfahrungen können auch ganz andere Gründe zugrundeliegen, wie Bequemlichkeit, materielle Sicherheit, Angst vor dem Alleinsein und dergleichen mehr. Diese menschlichen Geister sind dann beziehungsverfahren und wollen alte Gewohnheiten weiterleben. Einer, der aber den Mut hatte, rechtzeitig aus einer Beziehung auszusteigen, weil es ihm nicht bekömmlich war, ist oft der bessere Kandidat für eine Beziehung. Allerdings wird er sich auch schnell wieder in Luft auflösen, wenn er eine Dressur wittert.
 
  • #13
Aber der Begriff "Beziehung" hat bestimmte Mindestanforderungen.
Die da wären?

Ich denke, daß die „Unfähigkeit” (bzw. der Unwille), eine Beziehung zu führen, auf diese unterschiedlichen Auffassungen von Beziehungspflichten zurückgeht: der eine Partner wäre gerne mal wieder ein Wochenende lang auf der Skipiste unterwegs, der andere kann dem nichts abgewinnen und lamentiert rum, daß alleine zuhause hocken nicht seiner Auffassung von Beziehung entspricht. Und jetzt?
 
  • #14
Wer 5 Jahre lang eine Beziehung führen kann, ist mit Sicherheit kein Beziehungsphobiker,
Liebe Kathy – jein. 5 Jahre Beziehung können bedeuten, dass es nicht sein sollte, obwohl beide sich bemüht und nicht sofort das Handtuch geworfen haben. Das kann aber auch bedeuten, dass sie Kompromisse geschlossen haben, weil endlich jemand da war, der persönliche Präferenzen befriedigte: Beziehungsfähigkeit unter Beweis stellen (ich bin wie die Anderen), unverbindlich und doch nicht allein, materielle Absicherung gegen Versorgung, sich mit fremden Federn schmücken, um sich aufzuwerten … Solche Beziehungen halten Phobiker aus. Sobald Emotionen ins Spiel kommen, fühlen sie sich unter Strom gesetzt und distanzieren sich.

Beziehung führen kann jeder – irgendwie. Einem harmonisch erscheinenden Paar siehst Du auf den ersten Blick nicht an, ob die das leben, was Du unter einer guten Beziehung verstehst.

Ein ewig Beziehungswilliger, der sich mächtig ins Zeug legt und dann eine Auszeit braucht (bzw. Neuorientierung sucht), hat den guten Willen bereits, doch ihm fehlt die Konstanz. Es gibt Menschen, die sich an solchen Kandidaten abstrampeln und ihr Helfersyndrom ausleben, was dazu führt, dass er Distanz wegen Überforderung sucht. Wer für sich erkennt, dass er ein Problem hat, wird in Eigeninitiative professionelle Hilfe suchen. Die große Mehrheit jedoch hat keinen Leidensdruck. Die finden sich völlig in Ordnung und sehen keinen Änderungsbedarf, während andere an ihnen verzweifeln, wenn sie nicht rechtzeitig Konsequenzen ziehen.
 
  • #15
und ihr Helfersyndrom ausleben, was dazu führt, dass er Distanz wegen Überforderung sucht. Wer für sich erkennt, dass er ein Problem hat, wird in Eigeninitiative professionelle Hilfe suchen.
Und warum bitteschön sollte jetzt derjenige, an dem dieses Helfersyndrom ausgelebt wird, professionelle Hilfe suchen? Er wird doch wohl selber Manns genug sein, dem Schranken zu setzen?!
 
  • #16
... an die Beziehung gewöhnen... klingt ein wenig wie, den Hengst an den Sattel und Zaumzeug gewöhnen... also, wenn eine Liebesbeziehung anfangs schon mühsame Arbeit ist und schwer fällt, bin ich immer skeptisch.

Ich meine, dass man sich anfangs schon erst aufeinander einstellen muss, weil die Feinabstimmung noch fehlt. Ich möchte es ganz unromantisch vergleichen mit der Zusammenarbeit mit einem neuen Arbeitskollegen oder dem Spiel mit einem neuen Doppelpartner im Tennis, oder dem neuen Schlagzeuger in einer Band. Natürlich muss man sich aufeinander einspielen.

Allerdings sollten beide schon grobe in die selbe Richtung schauen und die selben "Regeln" anwenden, also in etwa übereinstimmende Vorstellungen haben.

Also der Mann mit Wunsch nach einer gemeinsamen Wohnung im Grünen mit vielen Tieren und eigenen KIndern, der sexuelle Treue erwartet und dem die Familie am wichtigsten ist, wird sich eher nicht mit einer Frau zusammen gewöhnen, die in ihrem Penthouse in der Großstadt zusammen mit der besten Freundin wohnen bleiben will, gegen Tiere allergisch ist, Kinder nicht mag und sexuell offen leben will und mit ihret Familie seit Jahren nicht mehr spricht..

Die Blickrichtung der beiden und die angewendeten Normen sind derart unterschiedlich, dass sich keiner von beiden lange Zeit an die des anderen "gewöhnen" kann. Frauen machen oft den Fehler, dass sie denken "Das wird schon noch, wenn wir erst.... (Sex hatten/ein Paar sind/ein offizielles Paar sind/ zusammenziehen usw.) nein, das wird nicht.

Die Prägung mit Normen- und Wertvorstellungen erfolgt im Kindesalter. Das, was Du damals als "normal" oder "nicht normal/falsch" gelernt hast, kannst Du nicht einfach übergehen.
 
R

rosenmann

Gast
  • #17
Es kann klappen, es kann schiefgehen, wie in jeder anderen Konstellation auch.

Es zeigt sich hier, wer lebt und damit auch Risiken eingeht, oder wer auf lieber alles tausendmal abwägt und am liebsten eine Versicherung abschließen würde, gegen das Scheitern.

Das ist doch der wahre Punkt bei der Geschichte. Und Liebe, zu lieben, bedeutet für mich auch, auf Sicherheit zu verzichten. Es kann scheitern, aber wer immer nur auf Nummer Sicher geht und nie was wagt, dem entgeht so einiges.
 
  • #18
Die da wären?

Ich denke, daß die „Unfähigkeit” (bzw. der Unwille), eine Beziehung zu führen, auf diese unterschiedlichen Auffassungen von Beziehungspflichten zurückgeht: der eine Partner wäre gerne mal wieder ein Wochenende lang auf der Skipiste unterwegs, der andere kann dem nichts abgewinnen und lamentiert rum, daß alleine zuhause hocken nicht seiner Auffassung von Beziehung entspricht. Und jetzt?
Vielleicht kann man Abmachungen treffen, die dem Beziehungsphobiker die Angst nehmen und die ihm Freiräume lassen. Ich denke, dass eine Beziehung ein gewisses Maß an Verbindlichkeit erfordert. Damit meine ich nicht nur Treue. Ein Mensch, der beispielsweise nach Lust und Laune und ohne Ankündigung auf Tauchstation geht, wird auf lange Sicht Probleme haben, wenn es dazu keine Abmachung gibt. Viele Beziehungsphobiker führen auch Beziehungen, ohne es zu merken. Sie definieren einfach: "Keine Beziehung", nehmen aber nicht wahr, dass sie den anderen regelmäßig sehen, anrufen, ihm treu sind, sich mit ihm über Entscheidungen beraten usw. Aber indem sie sagen: Das ist keine Beziehung, fühlen sie sich nicht so eingeengt. Man liest hier im Forum immer wieder solche Fragen zu "Freundschaft Plus", wo die Leute aber dann doch ein geregeltes Liebesleben führen.
 
  • #19
Und warum bitteschön sollte jetzt derjenige, an dem dieses Helfersyndrom ausgelebt wird, professionelle Hilfe suchen? Er wird doch wohl selber Manns genug sein, dem Schranken zu setzen?!
Ein Bindungsphobiker wird sich keine Hilfe suchen, weil ein anderer ihm Hinweise gibt. Der ergreift entrüstet die Flucht und fühlt sich persönlich angegriffen, wenn jemand Verständnis für etwas sucht, das für ihn nicht existiert (bester Vergleich ist der Alkoholiker).

Es gibt ein paar Wenige, die sich zu hinterfragen in der Lage sind, warum es immer zerbricht wenn es enger werden soll. Sie haben einen „ahnenden Zugang“ zu ihren Gefühlen, die sie zur Distanzierung zwingen (On / Off). Diese Wenigen fühlen sich anders aus der Erkenntnis, dass sie es sind, die ihrer Sehnsucht nach einer erfüllenden Beziehung im Weg stehen. Die Initiative muss vom Betroffenen selbst kommen, dann hat Hilfe Aussicht auf Erfolg.

Kathy fragt nicht umsonst, ob mit gutem Willen Lernfähigkeit und Gewöhnung an eine Beziehung möglich wären. Bei dieser Frage geht es nicht darum ob ein Mann Grenzen setzen soll, wenn ihm Dressur droht. Begriffe wie Neurose und Phobie kommen in einer „normalen“ Beziehungsanbahnung nicht vor.
 
  • #20
Ich denke, dass eine Beziehung ein gewisses Maß an Verbindlichkeit erfordert.
Ich auch. Einerseits. Andererseits darf die Verbindlichkeit aber nicht zur Zwangsjacke werden, aus der es ohne die Zustimmung des Partners kein Entkommen mehr gibt. Um beim Skiwochenende zu bleiben: natürlich muß der Wunsch auch eine Chance auf Erfüllung haben. Gibt es mit dem Partner aber Streß ohne Ende nach dem Motto „wenn du mich hier allein läßt, bin ich am Montag weg”, weckt das natürlich den Wunsch nach einem Leben ohne solche „Mindestanforderungen”.
 
  • #21
Einer riss sich sogar zu einer Vaterschaft hin, um sich selbst und den Anderen zu beweisen, dass er ein Mann wäre. Aber er scheiterte auch da.
Ein Anderer verübte einen Selbstmordversuch, aber selbst der klappte nicht -> nur einen Arm gebrochen.

Ich schätze, als ersten Schritt sollten diese Männer lernen, sich um ein Haustier zu kümmern. Wenn das klappt, dann kann man weiter darauf aufbauen.
(m,53 - kein Betroffener)
Es macht immer wieder Spaß, Deine Beiträge zu lesen. Zumindest hast Du den Humor behalten.

Ich kenne Männer, die komplett beziehungsunfähig sind, aber liebevolle Väter und Haustierbesitzer. Das Problem bei solchen Leuten ist manchmal, das sie keine Grenzen setzen können, und dann ziehen sie sich lieber vor dem anderen Geschlecht zurück, bevor sie unter die Räder geraten.
 
  • #22
. Das Problem bei solchen Leuten ist manchmal, das sie keine Grenzen setzen können, und dann ziehen sie sich lieber vor dem anderen Geschlecht zurück, bevor sie unter die Räder geraten.
Behandeln die dann die Frau auch "väterlich"? Führen also die in der der Kindheit betriebenen Verhältnisse "Eltern - Kind" fort, nur mit vertauschten Rollen? Also verhalten sich dann wie ein "Vater" zur Frau ggf. Partnerin?

Das wäre also vielleicht auch ein Kennzeichen für Beziehungsunfähigkeit?
Ist in seiner Rolle als "Vater" für die Partnerin, Kinder, und Haustier - weil er seine Rolle als Partner nicht finden kann?

Moderation: Chat entfernt. Orthographie teilweise angepasst. Bitte achten Sie auch auf die Interpunktion im Zusammenhang mit Leerzeichen.
 
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  • #23
Behandeln die dann die Frau auch "väterlich"? Führen also die in der der Kindheit betriebenen Verhältnisse "Eltern - Kind" fort, nur mit vertauschten Rollen? Also verhalten sich dann wie ein "Vater" zur Frau ggf. Partnerin?

Das wäre also vielleicht auch ein Kennzeichen für Beziehungsunfähigkeit?
Ist in seiner Rolle als "Vater" für die Partnerin, Kinder, und Haustier - weil er seine Rolle als Partner nicht finden kann?
Nein, das tun sie nicht. Ich glaube das ein Teil der Beziehungsstörung einfach mit schlechten Erfahrungen zu tun hat. Da geht ein Mann frohgemuts auf eine Frau zu, und alles passt ihr nicht, sie meckert rum, droht immer wieder mit Trennung, und irgendwann ist sie dann weg. Wenn ein Mann das mehrfach erlebt hat, zieht er sich vielleicht einfach von Frauen zurück, nicht von Beziehungen generell, sondern nur von Beziehungen zu Frauen. Es tritt erhebliche Verunsicherung ein, und die verfestigt sich irgendwann so, dass derjenige gar keine Routine mehr im Zusammenleben mit einem Partner hat. Umgekehrt kann das Frauen natürlich genauso passieren. Wobei Frauen nach meinem Eindruck tendenziell eher "verarscht" werden. Das führt dann eventuell auch zu einer Beziehungsneurose und der Angst, sich voll auf jemanden einzulassen. Ich kenne aber aus meiner Perspektive auch das Thema Kontrolliertwerden und dauerndes Rumgemecker. Das ist auch für den weiblichen Part entsetzlich.
 
  • #24
a geht ein Mann frohgemuts auf eine Frau zu, und alles passt ihr nicht, sie meckert rum, droht immer wieder mit Trennung, und irgendwann ist sie dann weg. Wenn ein Mann das mehrfach erlebt hat, zieht er sich vielleicht einfach von Frauen zurück, ....... Es tritt erhebliche Verunsicherung ein, und die verfestigt sich irgendwann so, dass derjenige gar keine Routine mehr im Zusammenleben mit einem Partner hat
Wie soll der/die Betroffene eine Routine erlangen, wenn er nicht die Chance dazu bekommt?

Man macht und bemüht sich um Alles, aber dem Anderen ist es nicht recht zu machen. Meckern auf höchstem Niveau. Manche sind sogar immer unzufrieden, und springen von einer Beziehung zur Nächsten. Und hinterlassen dabei ihre "Opfer." (Bei Männern wie Frauen möglich)

Dabei wird der "Beziehungs-Hopper" irrtümlich als beziehungsfähig gehalten, weil er ja soo viele Erfahrungen habe. Während seine "Opfer" belächelt werden, weil es mit Denen nicht lange lief.

Die "Opfer" ziehen sich ggf. zurück, um nicht noch mehr schlechte Erfahrungen zu sammeln. Aber sind ggf. nicht beziehungsunfähig, sondern -unwillig geworden.

Ein anderer Faktor ist m.E. weit bedeutender: Wie lange Jemand Single ist. Je länger Single "am Stück" desto individueller geworden, desto unwilliger sich wieder auf einen Partner einzustellen und anzupassen?

Manche Singles stellen sogar ihre Lebensweise um, und stopfen sie mit Aktiviäten voll, um sich von ihrem Single-Dasein abzulenken.
Von Überstunden im Job, via verschiedene Sportarten, bis zu vielen Reisen, Hobbies oder mehrere Vereine. Mehr Interessen, oder mehr Ablenkung gesucht? Wie schnell kann Derjenige seine vielen Aktivitäten reduzieren, wenn er eine neue Beziehung beginnt?

Beziehungsunfähig = kann nicht. - Beziehungsunwillig = will nicht.
Wen hat man ggf. vor sich?
 
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  • #25
Ist für solche Menschen ... bei gutem Willen ihrerseits Beziehung "erlernbar" ?
Wie geht man mit solchen Menschen .... um ?
Eigentlich wie bei jedem Gegenüber: In dem man ihn zu dieser Beziehung motiviert. Und jeden Zwang oder Eindruck von Zwang vermeidet.

Wer trotz allem gerne eine feste Beziehung eingehen möchte, dem soll dazu Zeit, Raum und Gelegenheit eingeräumt werden. Also das Gegenteil von "sich rar machen."

Es geht ja nicht primär um eine Beziehung an sich, sondern um eine Beziehung genau mit dieser bestimmten Person zu erreichen. Also feststellen, welche Einstellung und welche Vorstellung von Beziehungen diese Person hat. Dort ansetzen, und mit ihm zusammen versuchen, das gemeinsame Ziel einer festen Beziehung zu erreichen. Das Ziel muß nicht unbedingt genau sein Ziel, oder genau das Ziel des Anderen sein. Es kann auch ein anderes, aber gemeinsames Ziel werden.

Wer gerne mit dem Anderen zusammen ist, wird auch weiter gerne mit ihm zusammen sein wollen. (Vorausgesetzt es ist angenehm mit dem Anderen) Und räumt dieser Zweisamkeit immer mehr Prioritäten ein. Bis daraus eine feste Beziehung geworden ist. Aber dabei trotzdem eigene Freiheiten. So das die feste Beziehung nicht als Zwang oder gar "Gefängnis" empfunden wird.

Eigentlich ist es so einfach. Wenn die Menschen es ggf. nicht so kompliziert machen würden.
 
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  • #26
Wobei Frauen nach meinem Eindruck tendenziell eher "verarscht" werden. Das führt dann eventuell auch zu einer Beziehungsneurose und der Angst, sich voll auf jemanden einzulassen. Ich kenne aber aus meiner Perspektive auch das Thema Kontrolliertwerden und dauerndes Rumgemecker.
Wer unter einer Beziehung Egoismus, subtile Gewalt und primär Sex versteht, wird m.E. kaum davon abzubringen sein. Wegen seinem Egoismus. Er wird immer wieder neue Opfer dafür suchen (müssen)

Wenn ich eine Frau wäre, dann wäre ich von Männern so sehr voreingenommen, dass ich mir vielleicht lieber eine Frau als Partnerin suchen würde. In der Hoffnung, dass eine Beziehung mit einer Frau anders ist, auch emotional, als mit einem Mann. (Aber auch dort kann man Pech haben.) Aber vielleicht ist dies schon zu extrem ?
Angenommen:"Ich bin ein Mann" - "Ja, eben ... deswegen nicht !"
Diese Person ist zu Männern beziehungsunfähig, aber nicht generell zu Allen.

Bei den meisten Männern habe ich den Eindruck, dass sie aus Sicht ihrer Frau eher ein Kompromiss sind. So 100 % zufrieden oder gar glücklich sind nur relativ wenige Frauen mit ihren Männern ?

Leider ist die Auswahl möglicher Partner nur auf Mann oder Frau
beschränkt. Ich würde mir noch weitere Varianten der Spezies Mensch wünschen.
 
N

nachdenkliche

Gast
  • #27
Ich schätze, als ersten Schritt sollten diese Männer lernen, sich um ein Haustier zu kümmern. Wenn das klappt, dann kann man weiter darauf aufbauen.
:) :) Da gebe ich Dir sowas von Recht!!! Du schreibst wunderbar und bleibst menschlich..Ein Haustier ist übrigens für ALLE Menschen das beste, was einem passieren kann..wir hatten immer Hunde. Ich bin im Augenblick kein großer Menschenfreund, das habe ich begriffen..Über Haustiere lernt man die Menschen kennen..und vielleicht einen Partner!
Ich sage mir immer, ein Mann der Tiere/Hunde mag, hat ein ganz großes Plus !
 
  • #28
Wer gerne mit dem Anderen zusammen ist, wird auch weiter gerne mit ihm zusammen sein wollen.
Nein, das würde ich so nicht unterschreiben wollen. Die Qualität des Zusammenseins kann sich, wenn man sich ihr rund um die Uhr aussetzt, entscheidend verändern. Zum Beispiel kann man feststellen, daß es gar nicht so angenehm ist, beim abendlichen Nachhausekommen immer sofort in Beschlag genommen zu werden. Kuscheln ist nur dann schön, wenn es dazwischen auch Phasen gibt, in denen man etwas Bewegungsfreiheit hat, und sei es nur, um etwas vorzubereiten, das man dann gemeinsam genießen kann.
 
  • #29
Vielleicht könnte man tatsächlich einen Mann, welcher nie jahrelange Liebesbeziehungen geführt hat daran gewöhnen aber nicht mit gutem Zureden und Überzeugen-Wollen, denn damit würde man dem Mann noch mehr Angst machen und ihn in die Flucht treiben.

Meistens kommen die Bindungsängste aus der Kindheit, weil in der Kindheit elementare Bedürfnisse nach Nähe, Geborgenheit, Zuwendung und Liebe schmerzhaft vermisst wurden oder die Liebesbemühungen der Kinder ignoriert und nicht beachtet wurden, was als wahnsinnig schmerzhaft empfunden wird. Irgendwann stellen die Kinder ihre Bemühungen um Zuwendung vorkommen ein und werden zu Eigenbrötler/Einzelgänger, die sich einreden keine Menschen zu brauchen.

Genau hier kann man anknüpfen und die erwachsenen Menschen daran erinnern, dass ihre Flucht vor Nähe in Wirklichkeit nichts anderes bedeutet als die pure Angst, dass seine vorhandenen tief begrabenen Bedürfnisse nach menschlicher Wärme, Geborgenheit, Nähe und Zuwendung. Sie haben es tief verinnerlicht und erfahren: zwischenmenschliche Beziehungen bringen nur Leid, Kummer, Trauer, Enttäuschung, Frust und Einsamkeit.

Vielleicht gelingt es einer Frau einen solchen Mann oder umgekehrt auch einem Mann einer solchen Frauen, wenn er/sie nur weitsichtig und gütig ist ihm/ihr klarzumachen, dass wenn seine/ihre Eltern ihm/ihr diese Bedürfnisse nicht erfüllen konnten es nicht bedeutet, dass er oder sie nicht liebenswert ist und dass sie das nicht von jemand anderem bekommen können.

Das könnte vielleicht Vertrauen schaffen, indem man ihnen zeigt, dass nicht jeder Mensch gleich ist, wie seine oder ihre Eltern. Damit sie erfahren, dass es auch andere Menschen gibt, welche fähig sind Liebe zu geben, aber mit dem Hinweis darauf, dass man niemals die vermisste Liebe der Mutter ersetzen kann.
Mit dieser Lücke muss man leben lernen und die unschöne Kindheit betrauen und sich dann von ihr verabschieden.
 
  • #30
daran erinnern, dass ihre Flucht vor Nähe in Wirklichkeit nichts anderes bedeutet als die pure Angst, dass seine vorhandenen tief begrabenen Bedürfnisse nach menschlicher Wärme, Geborgenheit, Nähe und Zuwendung...
Das mag ja alles sein, aber wenn ein Mensch durch die Bedingungen im Elternhaus andere Prioritäten entwickelt hat, warum sollte er die dann wegwerfen und durch „Wärme, Geborgenheit, Nähe” ersetzen? Das würde ja bedeuten, daß Unabhängigkeit, Freiheitsliebe, Ehrenamt usw. usw. in etwa nur den Stellenwert von Sperrmüll haben, den man bedenkenlos wegschafft, um Platz für etwas Schöneres zu schaffen? Eine solche Geringschätzigkeit würde den Lebenslinien, die ein wenig betütelter Mensch für sich entdeckt oder entwickelt hat, nicht gerecht.
 
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