• #31
Wie geht man mit solchen Menschen mit Beziehungsneurose um?

Wenn Du selbst beziehungsfähig und beziehungswillig bist, wirst Du Dir natürlich (!) einen Partner suchen, der ebenfalls beziehungswillig und -fähig ist. Eine souveräne, bindungsstarke Frau sucht sich einen stabilen Partner für eine verbindliche Beziehung. Die bindungsstarke Frau wird nicht lange in einer instabilen Beziehung bleiben.

Eine Frau, die selbst Bindungsprobleme hat, wählt sich natürlich ebenfalls ein passendes männliches Gegenstück für ihr unsicheres instabiles Beziehungsverhalten aus. Der Partner mit seinen "Beziehungsneurosen" spiegelt lediglich ihr unsicheres Verhalten, was sie aber nicht wahrnimmt.

Kathy aus Berlin, Deine Entscheidung zu welcher Gruppe von Frauen Du gehörst.
 
  • #32
Das mag ja alles sein, aber wenn ein Mensch durch die Bedingungen im Elternhaus andere Prioritäten entwickelt hat, warum sollte er die dann wegwerfen und durch „Wärme, Geborgenheit, Nähe” ersetzen? Das würde ja bedeuten, daß Unabhängigkeit, Freiheitsliebe, Ehrenamt usw. usw. in etwa nur den Stellenwert von Sperrmüll haben, den man bedenkenlos wegschafft, um Platz für etwas Schöneres zu schaffen?
Warum hat nicht das eine als auch das andere Platz im Leben eines Menschen? Warum muss man ein Ehrenamt abgeben, wenn man eine Liebesbeziehung führen will?

Das ist auch deswegen so, weil der Mensch trotz allem das Bedürfnis nach Wärme, Geborgenheit und Nähe hat. Aber diese Bedürfnisse später entweder nicht so richtig spürt oder traut sich nicht, das jemandem zu sagen, weil er schon gelernt hat, dass seine Bedürfnisse immer enttäuscht und frustriert worden sind und aus diesem Grund er sich in die Pseudo-Unabhängigkeit flüchtet. Unabhängig ist in Wirklichkeit niemand. Das alles bildet sich ein Mensch nur ein. Wir sind alle in gewisser Weise voneinander abhängig und das ist sogar normal und auch menschlich.

Unabhängig wäre wahrlich nur ein Mensch, welcher als Selbsversorger ohne andere Menschen auf einer einsamen Insel lebt und quasi zu einem Unmenschen wird oder einem verwilderten Menschen.
 
  • #33
Bei den meisten Männern habe ich den Eindruck, dass sie aus Sicht ihrer Frau eher ein Kompromiss sind. So 100 % zufrieden oder gar glücklich sind nur relativ wenige Frauen mit ihren Männern ?

Leider ist die Auswahl möglicher Partner nur auf Mann oder Frau
beschränkt. Ich würde mir noch weitere Varianten der Spezies Mensch wünschen.
Ein Psychologe sagte mir mal treffend: Frauen gucken einen Mann an und denken sich: "Passt zu 80%. Den Rest kriegen wir auch noch hin."
 
  • #34
Eigentlich wie bei jedem Gegenüber: In dem man ihn zu dieser Beziehung motiviert. Und jeden Zwang oder Eindruck von Zwang vermeidet.

Wer trotz allem gerne eine feste Beziehung eingehen möchte, dem soll dazu Zeit, Raum und Gelegenheit eingeräumt werden. Also das Gegenteil von "sich rar machen."

Wer gerne mit dem Anderen zusammen ist, wird auch weiter gerne mit ihm zusammen sein wollen. (Vorausgesetzt es ist angenehm mit dem Anderen) Und räumt dieser Zweisamkeit immer mehr Prioritäten ein. Bis daraus eine feste Beziehung geworden ist. Aber dabei trotzdem eigene Freiheiten. So das die feste Beziehung nicht als Zwang oder gar "Gefängnis" empfunden wird.

Eigentlich ist es so einfach. Wenn die Menschen es ggf. nicht so kompliziert machen würden.
Das Rarmachen ist ein Problem, und der Umstand, dass für den dauerhaft Beziehungsgestörten die Zweisamkeit nur begrenzt angenehm ist, auch mit einer Frau, die überhaupt nicht stressig ist.
 
  • #35
„Wärme, Geborgenheit, Nähe” ersetzen?.....Unabhängigkeit, Freiheitsliebe, Ehrenamt usw.
Das ist doch kein Widerspruch, und kann alles zugleich auch in einer festen Beziehung/Ehe verwirklicht werden.
Ich will auch als Mann keine "Sklavin" zur Frau. Sondern eine Frau, die auch in einer festen Beziehung wirklich glücklich ist. Aber ihr Glück nicht vom Mann abhängig ist = er für seine Zuneigung keine Bedingungen stellt.

Gewisse Bedingungen gibt es ja trotzdem für Beide, damit die Zweisamkeit überhaupt zustande kommen kann. Aber eben nur soviel davon, wie nötig.
(m,53)
 
  • #36
Warum muss man ein Ehrenamt abgeben, wenn man eine Liebesbeziehung führen will?
Keine Ahnung. Eifersucht? Langeweile? Beanspruchung der Deutungshoheit, worauf es im Leben ankommt, nämlich intensive Zweisamkeit? Die ich in diesem Fall eher Symbiose würde nennen wollen? „Wenn du mich wirklich liebtest, würdest du dich nicht alle vier Wochen einen ganzen Vormittag lang an die Kasse dieses Museums setzen.”

Ein Zuviel an Wärme und Nähe kann ganz schön erdrückend sein, insbesondere wenn es auf gemeinsame Passivität (kuscheln, fernsehen etc.) hinausläuft. Kein Wunder, daß manch einer da lieber seine Beziehungsneurose lebt.
 
  • #37
Genau hier kann man anknüpfen und die erwachsenen Menschen daran erinnern, dass ihre Flucht vor Nähe in Wirklichkeit nichts anderes bedeutet als die pure Angst ... Sie haben es tief verinnerlicht und erfahren: zwischenmenschliche Beziehungen bringen nur Leid, Kummer, Trauer, Enttäuschung, Frust und Einsamkeit.
Das sehe ich genauso. Ich denke, dass jeder Mensch, der das Gefühl der Liebe in sich spürt, allerdings schon daran erinnert wird allein dadurch, ohne dass ein anderer, der mit Sicherheit Eigeninteressen verfolgt und eventuell auch manipulieren wird, den Menschen bewusst drauf stoßen will. Und wenn das Gefühl da ist, beginnt sein Ausweichmanöver, der übliche Mechanismus, um sich vor Schmerz zu schützen. Den muss der Partner dann aushalten und "parieren" im Sinne von Nicht-Einengen, bei sich bleiben, nicht manipulieren usw.

Vielleicht gelingt es einer Frau einen solchen Mann oder umgekehrt auch einem Mann einer solchen Frauen, wenn er/sie nur weitsichtig und gütig ist ihm/ihr klarzumachen, dass wenn seine/ihre Eltern ihm/ihr diese Bedürfnisse nicht erfüllen konnten es nicht bedeutet, dass er oder sie nicht liebenswert ist und dass sie das nicht von jemand anderem bekommen können.
Das passiert aber nicht durch bewusstes Tun, sondern wächst innerlich. Dazu muss der Mensch erstmal bereit sein, die Liebe "an sich ranzulassen". Sonst kann der andere noch so viel wollen und tun (Rettersyndrom kultivieren), es wird nix außer Eigenschaden an der Seele.

Ich denke, Du hast es auch nicht gemeint, dass man den anderen "hinerziehen" kann, doch Vertrauen zu haben. Es las sich nur so, als könnte ein anderer was bewirken. Eigentlich kann er nur zusehen, sich selber zu heilen, dass WENN er auf einen Menschen trifft, den er liebt, der nicht durch unbedachtes, manipulatives oder übergriffiges Verhalten verscheucht wird.
 
  • #38
Das Rarmachen ist ein Problem, und der Umstand, dass für den dauerhaft Beziehungsgestörten die Zweisamkeit nur begrenzt angenehm ist, auch mit einer Frau, die überhaupt nicht stressig ist.
Je nachdem, wie ich Deine Aussage interpretiere, habe ich einen Einwand. Wenn Du mit "begrenzt angenehm" meinst, dass der Mensch Pausen braucht, in denen er allein ist, sage ich:
Das muss nicht sein, dass der Mensch beziehungsgestört ist. Es gibt Leute, die mehr Alleinsein brauchen, als andere, einfach, weil sie viel nachdenken und ergründen.

Wenn Du meinst, dass der Mensch sich z.B. zu sehr anpasst und es ihm deswegen nur begrenzt angenehm ist, wenn ein anderer da ist, gebe ich Dir recht. Wenn man jemanden liebt und ihm gern was Gutes tun will, wird man zuerst vielleicht den Impuls haben, sich um ihn zu kümmern, statt darum, ob es jetzt nicht besser wäre, sich um sich selbst zu kümmern. Das hat nichts damit zu tun, ein blöder Egoist zu sein, denn wenn man seine eigenen Bedürfnisse nicht kennt oder sie immer hintenan stellt, erzeugt das irgendwann Ausweichen, weil man nicht mehr kann. Diese Anpassung und das Gucken auf die Bedürfnisse des Partners sind wie Luftanhalten, während der Partner sich getäuscht fühlt von dem Menschen, der eben noch so liebevoll und nähebedacht war, sich aber eigentlich nur aufopferte, weil er was anderes wollte und darauf verzichtet hat. Interessanterweise werden die Partner mitunter sehr fordernd, statt dem anderen die Luft zu lassen, denn vielleicht haben sie auch eine Beziehungsstörung, die "ich muss es einkrallen" heißt. Und falls nicht, werden sie trotzdem spüren, dass der andere froh ist, mal allein zu sein, was misstrauisch macht.
Der Anpasser sieht so perfekt aus, dass er nur noch hingebogen werden muss, den Partner dauerhaft "zu ertragen". Das ist ein Teufelskreis, weil der Anpasser bräuchte, dass der Partner die Grenze erkennt und respektiert, die da nicht sichtbar ist. Und der Anpasser müsster lernen, auch wenn er dann nicht mehr als liebenswert empfunden wird, seine Grenzen zu setzen und auf seine Bedürfnisse zu achten.
 
  • #39
Keine Ahnung. Eifersucht? Langeweile? Beanspruchung der Deutungshoheit, worauf es im Leben ankommt, nämlich intensive Zweisamkeit? Die ich in diesem Fall eher Symbiose würde nennen wollen? „Wenn du mich wirklich liebtest, würdest du dich nicht alle vier Wochen einen ganzen Vormittag lang an die Kasse dieses Museums setzen.".
Wenn dir das passiert ist, dann tut es mir leid aber ich meine damit keine symbiotische Beziehung und kein sprichwörtliches kleben aneinander, ohne dem anderen die Luft zum Atmen zu nehmen. Menschen mit Verlustangst klammern sich an den anderen und Menschen in einer Beziehung bekommen dann Verlustangst, wenn sie gerade mit einem Beziehungsphobiker zusammen sind, weil er sich entfernt und auf Distanz geht. Je häufiger und länger auf Distanz er geht, desto grösser wird die Angst des anderen, diesen zu verlieren und deshalb verstärkt er das Klammern.

Aber auch ein Beziehungsphobiker braucht Beziehungen und in Wirklichkeit beendet er eine Beziehung selten oder erst dann, wenn ihm das Klammern des anderen zu viel wird. Wenn man ihn lässt und gar nichts macht bzw. auf sein Flüchten nicht reagiert und sich dessen bewusst wird, dass er eigentlich gerade die grösser werdende Nähe/Intimität nicht ertragen kann, so kommt er wieder von alleine, wenn er wieder Sehnsucht nach Nähe, Geborgenheit und Zweisamkeit verspürt. Das macht er dann, wenn sich seine Angst beruhigt hat und die Sehnsucht nach dem Partner grösser wird als die Angst.

Aber das kann für den Beziehungsfähigen zu einem endlosen Spiesrutenlauf werden, zu einem kräfteraubenden und zermürbenden Leben werden. Dann hat dieser die Nase voll und beendet die Beziehung seinerseits, weil seine Bedürfnisse nicht befriedigt werden. Am Schluss hilft vielleicht nur eine Psychotherapie in welcher er seine Bindungsangst behandelt. Dabei sollte es darum gehen, dass er erkennt er kann und darf sehr wohl in der Beziehung bleiben und die Nähe nicht nur aushalten, sondern richtig geniessen und dass er nicht verletzt oder enttäuscht werden würde, wenn die Frau den Mann liebt. Denn wozu sollte eine Frau, einen Mann verletzen, wenn sie ihn doch liebt und sie selbst mit ihm glücklich werden möchte? Das ergibt doch keinen Sinn!
 
  • #40
Das passiert aber nicht durch bewusstes Tun, sondern wächst innerlich. Dazu muss der Mensch erstmal bereit sein, die Liebe "an sich ranzulassen". Sonst kann der andere noch so viel wollen und tun (Rettersyndrom kultivieren), es wird nix außer Eigenschaden an der Seele.

Ich denke, Du hast es auch nicht gemeint, dass man den anderen "hinerziehen" kann, doch Vertrauen zu haben. Es las sich nur so, als könnte ein anderer was bewirken. Eigentlich kann er nur zusehen, sich selber zu heilen, dass WENN er auf einen Menschen trifft, den er liebt, der nicht durch unbedachtes, manipulatives oder übergriffiges Verhalten verscheucht wird.
Eigentlich schon durch bewusstes Erkennen des Bindungswilligen, wenn er entweder selber noch eine Therapie gemacht hat oder sehr viel psychologische Literatur über Bindungsstile, welche sich bereits in der Kindheit herausgearbeitet haben, liest und ein so genanntes unsicheres Bindungsverhalten zeigt. Es gibt ängstlich vermeidenend und ängstlich ambivalent. So könnte er leichter das Verhalten des anderen deuten und erkennen. Ansonsten reagiert er vielleicht anklammernd und treibt den anderen noch weiter auf Distanz.

Aber die Bindungsstile sind nicht in Stein gemeisselt und die Erfahrungen, welche die Kinder gemacht haben können sich im Laufe des Lebens auch ändern, wenn sie später als Erwachsene geraten, welche sicher gebunden sind. Aber auch sicher gebundene Kinder können durch schlechte Erfahrungen im Laufe ihres Lebens zu unsichererem Bindungsverhalten neigen: zu ängstlich vermeidenen oder ängstlich ambivalenten Erwachsenen werden.

Im Web gibt es sehr gute Informationen über die Bindungstheorie (John Bowlby ein englischer Kinderpsychiater Begründer der Bindungstheorie) und Bindungsstile.
 
  • #41
Ein Zuviel an Wärme und Nähe kann ganz schön erdrückend sein, insbesondere wenn es auf gemeinsame Passivität (kuscheln, fernsehen etc.) hinausläuft. Kein Wunder, daß manch einer da lieber seine Beziehungsneurose lebt.

Niemand hier meint mit "sicherer" Beziehung das, was du anscheinend darunter verstehst.

Ich bin selbst beim besten Willen kein "Klammeräffchen", diese Rolle hatte immer eher mein Mann. Aber der ist mit zunehmendem Erwachsensein auch in dieser Hinsicht reifer geworden und würde auch nicht auf die Idee kommen, mich auf dem Sofa festzubinden mit der Begründung, ich liebe ihn wohl nicht genug, nur weil ich Lust auf einen Spaziergang im Wald habe. Dann wartet er entweder ganz gelassen auf mich - oder er kommt eben mit. Ich kommuniziere aber auch ganz klar, wenn ich Zeit für mich brauche und dass das nichts mit ihm zu tun hat.

Solche Albernheiten wie mit dem "wenn du mich wirklich lieben würdest", darf man sich eben nur gar nicht erst gefallen lassen.
 
  • #42
Wenn man ihn lässt und gar nichts macht bzw. auf sein Flüchten nicht reagiert und sich dessen bewusst wird, dass er eigentlich gerade die grösser werdende Nähe/Intimität nicht ertragen kann, so kommt er wieder von alleine,
Besser kann man die Problematik echter Bindungsangst nicht beschreiben. Wer das hinbekommt, könnte eine Beziehung mit dem Ängstlichen führen. Ich weiß nicht, ob Kathy ähnlich liebe Gedanken für ihre Frage, „kann man gewöhnen“, motiviert haben.

Verliebte wollen, dass es dem anderen gut geht und er sich nicht vereinnahmt fühlt. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Startschwierigkeiten durch erlittene Verletzungen, die mit „nicht überbewerten“ und Geduld zu überwinden sind und tiefer Angst, die eine Beziehung dauerhaft dominiert. Zur Vermeidung der von dir beschriebenen Verlustangst-Spirale, braucht es den engen Dialog. Wer lange frei in seiner Wochenendgestaltung war, dem tut es gut, wenn man es langsam angehen lässt und Inseln für ihn einbaut, wie ein verabredetes freies Wochenende. Man kann kurz telefonieren (ich denke an dich) und sich ansonsten entspannt (ich mache gar nichts) auf das nächste Treffen freuen.

Bei echter Bindungsangst verläuft der Rückzug undefiniert. Er / sie weiß nicht, ob die Gefühle noch ausreichen oder Stress im Job beschneidet vorübergehend (manchmal gibt’s das tatsächlich) die Freizeit. Das so eingeleitete Off kann Monate dauern. Oft meldet sich der Verlassende mehrere Wochen nicht, ohne dass ihm etwas fehlt. Er spürt Erleichterung, weil der Stressor weggefallen ist. Wie hält ein verliebter Partner diese Funkstille aus? Kontaktabbruch führt zu Liebeskummer und Verunsicherung.

Kann sich der Verlassene freuen, wenn der Andere von alleine wieder kommt? Und das tun sie, bis zum nächsten Off. Kathy beschreibt die fragegegenständlichen Grundlagen mit: Nie eine längere Beziehung gehabt, weil in der frühen Phase an die Wand gefahren.

Eine Beziehung wäre möglich, wenn der Andere entspannt loslassen kann, wieder sein eigenes Leben führt, bis zum nächsten On. Das mag lebbar sein, wenn beide die Liebespause als das Salz in der Suppe schätzen. Wer liebt verträgt diese Wechselduschen meist nicht und damit bin ich wieder bei der Kurzbeziehung – in der frühen Phase an die Wand gefahren. Therapie? Ja, wenn Leidensdruck dazu motivieren würde.
 
  • #43
...darf man sich eben nur gar nicht erst gefallen lassen.
Es gibt aber halt nun einmal Menschen, die diese Psychoschiene fahren und dem, der sich aus der allzu penetranten Umklammerung befreien will, ein schlechtes Gewissen einreden im Sinne von „ich hatte eine schwere Arbeitswoche, und du willst mich am Sonntag allein lassen oder durch den Wald hetzen, buhuu”. Bei einem Mann nicht vorstellbar, bei einer Frau aber eben schon. Deshalb denke ich, daß viele Beziehungsneurosen bei Männern auf solche Erfahrungen zurückgehen. Was Frau dagegen tun kann? Ganz einfach: ihm keine Entscheidung zwischen Aktivität oder Pärchenzeit aufzwingen. Zumindest so lange nicht, bis es sich auf ein für beide erträgliches Maß einpendelt.
 
  • #44
Bei einem Mann nicht vorstellbar, bei einer Frau aber eben schon.

In meinem Beitrag hatte ich geschrieben, dass in meiner Beziehung mein Mann anfangs so war. Es ist also nicht nur vorstellbar, sondern sogar existent.

Ich erinnere mich sogar an ein paar Wochen, als wir mitten im Abitur steckten und ich unbedingt allein lernen wollte, dass er da tatsächlich gefragt hat, ob ich ihn nicht mehr liebe, weil ich nicht mit ihm zusammen lernen wollte. Auch später war er die treibende Kraft in unserer Beziehung, ER wollte zusammenziehen und heiraten - und interessanterweise hatte sich seine Verlustangst in dem Moment zum großen Teil erledigt, in dem wir verheiratet waren. Weil es meine feste Zusage an ihn war, ihn nicht einfach "hängen zu lassen", wenn ich gerade keine "Lust" auf Beziehung habe.

Ich sehe die Sache also durchaus aus der Sicht des eher "Flüchtenden", ich kann aber nachvollziehen, dass der eher Verlustängstliche Sicherheit braucht. Die besteht bei mir in Zuverlässigkeit und festen Absprachen.

Ich nehme an, dass genau das den echten "Beziehungsängstlichen" schwer fällt, weil sie Angst vor der damit einher gehenden Verbindlichkeit haben. Das Problem, intensive Nähe nicht aushalten zu können, kenne ich auch. Aber trotzdem könnte ich nie einen Partner am ausgestreckten Arm so völlig verhungern lassen, wie das Bindungsunfähige /-ängstliche tun.
 
  • #45
Bei echter Bindungsangst verläuft der Rückzug undefiniert. Er / sie weiß nicht, ob die Gefühle noch ausreichen oder Stress im Job beschneidet vorübergehend (manchmal gibt’s das tatsächlich) die Freizeit. Das so eingeleitete Off kann Monate dauern. Oft meldet sich der Verlassende mehrere Wochen nicht, ohne dass ihm etwas fehlt. Er spürt Erleichterung, weil der Stressor weggefallen ist. Wie hält ein verliebter Partner diese Funkstille aus? Kontaktabbruch führt zu Liebeskummer und Verunsicherung.

Kann sich der Verlassene freuen, wenn der Andere von alleine wieder kommt? Und das tun sie, bis zum nächsten Off.
Das ist so und den Bindungsängstlichen ist eigentlich gar nicht bewusst, weshalb sie sich zurückziehen oder auf Distanz gehen müssen und ihnen ist ihre Bindungsangst gar nicht klar, sondern sie empfinden vermutlich nichts Sonderbares an ihrem Verhalten, sondern für sie ist das völlig normal.
Wie ich gelesen habe manche beschreiben das als Engegefühl in der Brust, als keine Luft zum Atmen haben, als Unwohlsein, manche reagieren auch mit Schweissausbrüchen und sie wissen nicht woher diese körperliche Symptome kommen. Sie können sich auch das selbst nicht erklären - sie wissen nur sie müssen raus und allein sein!

Das kann aber auch ihre Ursachen darin haben, weil die Mutter ihrem Kind tatsächlich keine Luft zum Atmen gab und es mit ihrer Liebe überschüttet und unterdrückt hat und die natürlichen Autonomiebestrebungen des Kindes beschnitten hat. Da fühlt sich dann ein erwachsener Mensch (Mann oder Frau), wenn der Partner ihm zu nah auf die Pelle rückt und ihn für längere Zeit in Anspruch nimmt, in die Kindheitssituation getriggert, was dann sozusagen den Fluchtreflex auslöst.
 
  • #46
@ Mandoline

Interessant, dass das unterschieden wird zwischen ambivalent und vermeidend. Der erste Typ will anscheinend schon und der zweite meidet ganz.

Es gibt aber halt nun einmal Menschen, die diese Psychoschiene fahren und dem, der sich aus der allzu penetranten Umklammerung befreien will, ein schlechtes Gewissen einreden im Sinne von „ich hatte eine schwere Arbeitswoche, und du willst mich am Sonntag allein lassen oder durch den Wald hetzen, buhuu”. Bei einem Mann nicht vorstellbar
Ich kann nur Serenissima wiederholen: Nicht nur vorstellbar, sondern existent. Hab ich auch erlebt. Warum sollte auch ein Mann nicht so sein? Das ist doch keine typisch weibliche Verhaltensweise, dass der Partner ganz vereinnahmt werden soll und sogar Eifersucht auf ein Hobby besteht.
 
  • #47
Das ist doch keine typisch weibliche Verhaltensweise, dass der Partner ganz vereinnahmt werden soll und sogar Eifersucht auf ein Hobby besteht.
Stimmt, mir ging es auch mehr um die Einstellung, Vorschläge für Freizeitaktivitäten entsprängen mehr den eigenen Wünschen als dem Erholungsbedarf des Partners und seien daher egoistisch. Ein Waldspaziergang ist aber ja nun kein „eigenes Hobby”, von dem der Partner sich ausgeschlossen fühlen müßte (Mandoline natürlich ausgenommen).
 
  • #48
S Ein Waldspaziergang ist aber ja nun kein „eigenes Hobby”, von dem der Partner sich ausgeschlossen fühlen müßte (Mandoline natürlich ausgenommen).

Meine Güte, das war ein Beispiel! So wie deine in aller Regel sehr seltsamen und unverständlichen Beispiele.
Aber ja, ich habs verstanden, Frauen sind prinzipiell diejenigen, die dem Mann jegliche geliebte Hobbys verbieten wollen und Männer können gar nicht so sein, weil sie ja ganz anders sind. -.-

Bloß komisch, dass mein Mann seine geliebten Motorradtouren machen darf. Ich entspanne mich derweil lieber zu Hause. Ich dürfte zwar gern mitkommen, aber ich will gar nicht.
 
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