• #1

Partnersuche und psychische Erkrankung und wie damit umgehen?

Was denkt ihr ist der richtige Weg bei der Partnersuche mit einer psychischen Erkrankung umzugehen? Gleich auf den Tisch damit oder im Laufe des Kennenlernens langsam einfließen lassen? Und die Suche wie gewohnt betreiben oder die Suche lieber gleich auf "Leidensgenossen" beschränken? Oder die Suche gleich lassen da die Chancen / die Beziehungsfähigkeit eventuell angeknackst ist durch die Erkrankung? Eines ist sicher, die Katalogmentalität und die auf Perfektion getrimmten Profile machen es sicherlich nicht leichter für Menschen mit psychischer Erkrankung einen Partner zu finden.
 
  • #3
Gleich auf den Tisch damit oder im Laufe des Kennenlernens langsam einfließen lassen?
Gleich auf den Tisch, das ist Aufrichtigkeit und Authentizität, alles andere ist feige und Problemaufschiebung und bringt nichts.
Eines ist sicher, die Katalogmentalität und die auf Perfektion getrimmten Profile machen es sicherlich nicht leichter für Menschen mit psychischer Erkrankung einen Partner zu finden.
Lese einmal eine Woche lang die Problem Beiträge hier und es wird ja klar, dass auch Menschen die keine psychische Belastung haben, genauso Probleme haben in der Partnerfindung und in der Partnerbindung.
 
  • #4
Ich muss gestehen , dass ich einen Partner mit einer psychischen Erkrankung beim Kennenlernen kategorisch ausschließen würde. Meine Mutter war psychisch krank, das werde ich mir ganz sicher nicht wieder freiwillig antun. Tut mir leid für dich, ganz ehrlich.
 
  • #5
Darf ich fragen, um welche psychische Erkrankung es sich hierbei handelt? Und wie ausgeprägt ist die Erkrankung bzw. welchen Einfluss hat dies im Alltag? Bist Du in Behandlung? Nimmst Du Medikamente? Kannst Du normal einem Job nachgehen?Ich würde an Deiner Stelle beim ersten Kontakt erst einmal nichts erwähnen und mich rantasten, wie der andere so tickt. Einige , die keine psychische Erkrankung kennen, sind vielleicht ansonsten abgeschreckt, da keine Berührungspunkte vorher gehabt . Allerdings würde ich nach wenigen Treffen es schon zur Sprache bringen.Solltest Du jemand mit ähnlicher Erkrankung suchen,kann es sein, dass hier eher das Verständnis da ist, jedoch kann es Dich auch runterreißen, wenn es Dir gerade mal gut geht. Ich würde das Thema ggf. (solltest Du einen Therapeuten haben) dort mal anschneiden.
Suche gleich lassen? So ein Quatsch!!! Verrate uns ein wenig mehr.
Ich wünsche Dir wirklich alles Gute bei der Partnersuche!
 
  • #6
Inwiefern ist denn deine Beziehungsfähigkeit angeknackst? Weil das ist ja das A und O, wenn man eine Beziehung will.

Ich war 1,5 schöne Jahre mit einem richtig psychisch kranken Mann zusammen. Er hat mir nach und nach von seinen Traumatas erzählt, wir haben gut zusammen gepasst. Jedoch hat er nie die Notwendigkeit gesehen, seine Traumatas behandeln zu lassen und immer nur runtergedrückt. Ich war dumm und naiv, wie sollte es auch anders sein, wenn man bis dato noch nie mit einem eigentlich schwerst psychisch Kranken zusammen ist.

Das Erwachen kam, als er sich nach 1,5 Jahren um 180 Grad wandelte, sich plötzlich ohne Rücksicht wie ein Arschloch verhielt und mich sowas von wegtrat, als hätte es unsere Liebe nie gegeben, als würde ich nicht mehr existieren...ja...im Nachhinein weiss ich, er war aufgrund seiner massiven Traumata noch nie beziehungsfähig und wird es auch niemals sein können.

Es wäre gut für mich gewesen, wenn er von Anfang an klar auf den Tisch gepackt hätte, zu was er fähig ist. Nämlich, dass er zwar lieben kann, aber wenn seine Traumatas hochkommen, dann ist er ein anderer Mensch und zerstört innerhalb kürzester Zeit alles, einfach alles...Ich hätte mich wahrscheinlich nicht auf ihn eingelassen im Nachhinein. Aufgrund seiner psych. Störung.
Um mich und meine Gefühle zu schützen...Die sehr schwer darunter litten und noch heute daran zu knabbern haben.
LG
 
  • #7
Ich denke, in Deutschland gibt es mehr psychisch kranke Menschen, als allgemein gedacht. Die ganzen Suchterkrankungen wie Alkoholmissbrauch, Esssucht, Komsumsucht, Zuckersucht, seelischer und körperlicher Missbrauch von sich selbst und anderen Menschen sind für mich eine Form von psychischen Erkrankungen. Vieler dieser Menschen sind gebunden und leben in Ehen/Beziehungen.

Von daher ist es doch gar nicht so schwer, mit einer psychischen Erkrankung einen anderen Menschen für eine Beziehung zu finden.......

W Ü55
 
  • #8
Liebe/r Metin B

Meine Haltung hierzu (als potentielle Partnerin) ist wie folgt:
Eine psychische Krankheit ist kein Ausschlusskriterium, es kommt jedoch darauf an, WAS es ist und WIE AKUT es ist und was meine Rolle in dem Ganzen wäre. Und natürlich auch, wie viel Eigenverantwortung jemand dafür übernimmt und was er tut, um gesünder zu werden.
Wenn jemand sich in Therapie befindet, weiss wie mit seinen Beschwerden umzugehen und mir relativ spezifisch sagen kann, was es zu beachten gilt, ist doch schon mal einiges getan.
Meine bisherigen Erfahrungen waren, dass Menschen, die behaupten psychisch kerngesund zu sein, es dann manchmal doch nicht sind. Aber sie sind zu stolz um Hilfe zu holen und verschwenden Jahre mit uneinsichtigem Verhalten. Dann doch lieber jemanden, der weiss, dass er einen "Knacks" hat und den wenigstens genau kennt. Zu der Beziehungsfähigkeit soll sich jeder selbst einschätzen, das ist ja auch bei "Gesunden" bei weitem nicht immer gegeben.
Jedoch, ich persönlich möchte nicht beim ersten Date ausführliche Gespräche über Diagnosen und Beschwerden führen. Ich habe mit vielen Dates über psychiatrische und körperliche Diagnosen beim allerersten Date sprechen müssen. Ich empfinde das überhaupt nicht mehr als ehrlich, Karten auf den Tisch gelegt - ich empfinde es als unhöflich und unangemessen für den Stand des Kennenlernens. Ich habe keine Berührungsängste mit diesen Themen. Aber als Mensch möchte ich mich nicht schon von Beginn an reduziert fühlen auf die Rolle der verständnisvollen Zuhörerin. Es ist so enttäuschend, wenn man sich auf ein Kennenlernen freut und dann muss man da sitzen und sich das Elend eines fremden Menschen reinziehen. Ich möchte wenigstens ein klein wenig unterhalten und freundlich behandelt werden.
Mein Fazit: Es ist ein Unterschied zwischen "Ehrlichkeit" und "Alles Negative/Schwierige unaufgefordert und sofort auf den Tisch bringen". Für alles gibt es eine Zeit und einen Ort. Gestalte dein erstes Date so, wie du einen schönen Moment in deiner zukünftigen Beziehung gestalten möchtest. Liefere einen Vorgeschmack auf das Positive. Und, sehr wichtig: Nimm dir vor, dass es trotz deiner psychischen Erkrankung diese schönen Momente geben wird. Das hast du auch in der Hand.
 
  • #9
Frühzeitig auf den Tisch, weil für Partnersuche ein wesentliches Kriterium. Besser noch: etwas dagegen tun.
Leidensgenossen finden dürfte schwierig sein, weil vermutlich viele Menschen mit solchen Problemen das nicht realisieren bzw. offen damit umgehen.
 
  • #10
Eines ist sicher, die Katalogmentalität und die auf Perfektion getrimmten Profile machen es sicherlich nicht leichter für Menschen mit psychischer Erkrankung einen Partner zu finden.
Das sehe ich nicht als Problem bei psychischen Erkrankungen. Das westenliche Themen ist dir von dir selbst angeführte angeknackste Beziehungsfähigkeit. Nicht wenige psychische Kranke sind beziehungsfähig oder zumindest nicht in der Lage ausgewogen die Bedürfnisse ihres Partner zu berücksichtigen. Bzw. Beziehungsstörungen haben immer psychische Ursachen. Das reflektiert aber nicht jeder Beziehungsgestörte.

Die Frage für dich ist aber nicht was andere stören könnte sondern was du willst. Entscheidend bei dem Durchzusetzen was du willst ist, wie auffällig bzw. alltagsrelevant dein Problem ist.

Ist es nicht unübersehbar bzw. offenbart es sich schnell sollten die entsprechenden Karten gleich auf den Tisch. Ggf. empfiehlt sich dann ein Spezialanbieter wie Gleichklang.

Wenn du deine Probleme gut ihm Griff hast, würde ich mich erst Laufe des Kennenlernens offenbaren.

Einige , die keine psychische Erkrankung kennen, sind vielleicht ansonsten abgeschreckt, da keine Berührungspunkte vorher gehabt .
Sehe ich umgekehrt. Jene die die keine psychischen Erkrankungen kennen unterschätzen deren Bedeutung leichter bzw. überschätzen die eigenen Fähigkeiten so etwas bei einem potentiellen Partner zu händeln schneller als jemand der schon Erfahrungen mit psychisch kranken Menschen hatte.
 
  • #11
Es gibt doch völlig "harmlose" psychische Erkrankungen, die eine Partnerschaft kaum beeinträchtigen, etwa bestimmte spezifische Phobien. Mal angenommen, der eine hat Angst vor Spritzen, was würde das in der Partnerschaft ändern? Eigentlich doch nichts. Oder jemand hat Höhenangst, aber der Partner ist ohnehin weder Bergsteiger noch Pilot - dann ist es auch egal. Es kommt sehr darauf an, um was es eigentlich geht. Eine psychische Störung kann alles mögliche sein - von einer harmlosen Kleinigkeit, für die man zwar eine Diagnose vergeben kann, aber die im Alltag völlig irrelevant ist, bis hin zu sehr dramatischen Dingen, die das Leben massiv beeinträchtigen.
 
  • #12
Deine Frage ist so nicht zu beantworten.

Es hängt von Vielem ab
- Von der Art der psych. Erkrankung, einfach oder Psychose
- Merkmale, es gibt bei einem Krankheitsbild eine Bandbreite, die im Individualfall unterschiedlich zutreffen
- akut / revidierend / chronisch
- Gab es erfolgreich Therapien
- Wie geht der / die Patient*in damit um, d.h. Hat er / sie Wege gefunden, das im Alltag zu integrieren ohne weitere (größere) Einschränkungen .
Ich kenne einige, die mit entsprechender Achtsamkeit, sorgsamen Umgang mit der Symptomatik, diese gut mildern können auf ein erträgliches Maß, so dass es das Umfeld gar nicht mehr realisiert, oder ohne dass es zu nennenswerten Auffälligkeiten käme.

Es braucht bei psychischen Erkrankungen die Realisierung, dass etwas vorliegt, den Willen, an Ursachen / Einflussfaktoren zu (ver)arbeiten, die Durchführung der Veränderung - meist grundlegende Veränderungen von Denk- und Verhaltensmustern, Anpassung des Lebensumfeldes und der Lebensweise,
Wenn es rezidivierend / chronisch ist braucht es, wie bei allen chronischen Krankheiten den achtsamer Umgang.
Ein*e Diabetiker*in muss ihre Lebensweise auch adaptieren.

Manche Krankheiten können die Partnerfähigkeit mehr beeinflussen, alles was im Bereich Persönlichkeitsstörung bzw. Psychosen liegt, ist schwieriger, andere spielen dafür kaum / keine Rolle.

Für die Partnersuche - nachdem es so individuell ist, fände ich die Einschränkung nicht zielführend. Macht man bei anderen Krankheiten genauso wenig.

Es braucht eine *n Partner *in, der / die das akzeptiert und damit umgehen kann, wenn z.B. Der andere sagt, ich brauche heute mal ein paar Stunden Couch für mich oder wenn etwas vielleicht doch mal zuviel wird, dann sollte dies einfach akzeptiert werden, ohne Gewese.
Es braucht nie eine *n CoTherapheuten, den Retter / Kümmerer.

Außerdem, jemand, der gelernt hat, mit solchen Krankheiten gut umzugehen, Strategien entwickelt hat, und sein Leben bewusst und achtsam neu sortiert hat, bietet durchaus andere Stärken - Bewusstes Leben und Genuss, Lebensfreude, tiefere Lebensqualitäten, Einfühlungsvermögen, Gelassenheit...

In einem Profil würde ich es nie erwähnen, ich würde abwarten, ob mir der andere überhaupt so sympathisch ist, dass ich mir mehr vorstellen kann.
Wenn es sich aber abzeichnet, dass es zu einem ernsthafter Kennenlernen führt, dann sollte man es sagen.
Dann kann der / die andere entscheiden.

Wenn es mir jemand gleich beim 1. Anschreiben vor den Latz knallte, schreckte es mich ab - als ob bei diesem Menschen die Krankheit DAS Zentrale Thema sei.
Der Mensch ist nicht Die Krankheit, er hat neben vielen anderen Facetten eine Krankheit.

Zum Schluss - es gibt nicht unbedingt Heilung, aber man kann Symptome auf ein geringes Maß reduzieren oder auflösen. Man kann erfolgreich Therapie machen und sein Leben positiv verändern
Es gibt hier im Forum etliche, denen es gelungen ist, andere bei denen es nicht klappte, und manch eine*n, der evtl. Bedarf hätte.

W,49
 
  • #13
Naja, eine handfeste psychische Erkrankung (damit meine ich keine „normale“ Persönlichkeitsstörung) würde mich abschrecken. Wahrscheinlich würde ich das kennenlernen abbrechen. Ich hab schon zu viele Schizophrene kennengelernt, auch Bipolare waren dabei, das würde ich mir definitiv nicht antun. Selbst jemand mit Depressionen wäre mir zu anstrengend in einer Beziehung. Hab das im engen Freundeskreis ein paar Mal gehabt, also täglich will ich das nicht um mich rum haben. Ich hab mein eigenes Päckchen zu tragen.

Das ist alles unberechenbar und einfach viel zu alltagsbestimmend. Gut, das ist eine Krebserkrankung oder eine Lähmung auch, aber ein körperliches Leiden ist etwas anderes. Wobei ich auch da nicht wüsste, ob ich mir weiteres Daten vorstellen könnte.

Ich denke, du kannst es beim Daten erwähnen (vielleicht nicht gleich als ersten Satz), das wäre nur fair, um der anderen Person die Wahl zu lassen. Du kannst es aber auch verschweigen, eine psychische Krankheit kann man nicht lange geheim halten. Das kommt sowieso raus.
 
  • #14
Wenn ich ehrlich bin, meide ich mittlerweile Leute mit extremen psychischen Erkrankungen wie Borderline, Manisch-Depressive oder Narzissten. Ich hatte früher einige Freunde, die damit gekämpft haben, und das hat mir ständig viel Kraft genommen, da sich die Krankheit ja dann ganz direkt auf die Beziehung zu mir ausgewirkt hat. Manipulation, Drama - es war einfach wahnsinnig anstrengend. Wenn ein Freund von mir oder auch mein Partner in der Beziehung psychisch erkranken würde, würde ich alles dafür tun, ihm beizustehen. Und kleinere Probleme, Traumata u.ä. haben die meisten. Aber wenn ich jemand Neuen kennenlernen müsste, würde ich mich nicht darauf einlassen. Besonders Borderline habe ich bei der Schwester einer sehr engen Freundin so extrem mitbekommen, dass mich das sehr abschreckt. Ich kenne aber auch Leute, deren Partner an Schizophrenie oder wiederkehrenden Depressionen leiden usw. Es ist aber immer so, dass die Betroffenen in Behandlung sind und nicht alles mit sich selbst ausmachen wollen oder aber noch schlimmer, es auf den Partner abwälzen möchten.
Ich würde das auf jeden Fall relativ früh sagen, nach ein paar Treffen. So wie man auch Kinderwunsch, Schulden oder andere persönliche Wünsche und Probleme recht früh äußern sollte, damit der andere sich später nicht hintergangen fühlt.

w, 35
 
  • #15
Ich würde es an deiner Stelle auch frühzeitig erzählen.
Für mich würde es ganz drauf ankommen, welche psychische Erkrankung es ist, wie stark sich das auf deinen Alltag auswirkt & wie du damit umgehst, ob du in Behandlung bist etc.

Ich kenne einige Menschen mit unterschiedlichen psychischen Problemen, auch in der eigenen Familie, denen eine Behandlung gut geholfen hat. Wenn jemand seinen Weg gefunden hat, damit umzugehen ohne dass sich die Krankheit negativ auf alles & jeden herum auswirkt, kann ich mir schon vorstellen, dass eine Partnerschaft gut möglich ist.
Was für mich gar nicht ginge, sind Leute, die sich nicht in Behandlung begeben & für die die Erkrankung eine Entschuldigung für Alles ist.
(ich kann nichts dafür, ich bin krank, aber ich tu auch Nichts zur Verbesserung)
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #16
Leider muss ich auch sagen, dass ich als nicht Betroffene mir nur jemand Stabilen suchen würde, ich habe wie wohl viele andere auch mit meinen eigenen Dämonen genug zu tun. Aber wie oben gesagt wurde, es kommt für andere, offenere Menschen auf das Ausmaß an, ob man damit umgehen kann. Ich hätte einfach Angst, weil ich schon im normalen Alltag merke, dass ich unsensibel bin, das würde sich mit einem für mich unberechenbaren Partner zu starken Konflikten aufbauen.
W35
 
  • #17
Aber als Mensch möchte ich mich nicht schon von Beginn an reduziert fühlen auf die Rolle der verständnisvollen Zuhörerin. Es ist so enttäuschend, wenn man sich auf ein Kennenlernen freut und dann muss man da sitzen und sich das Elend eines fremden Menschen reinziehen. Ich möchte wenigstens ein klein wenig unterhalten und freundlich behandelt werden.
Mein Fazit: Es ist ein Unterschied zwischen "Ehrlichkeit" und "Alles Negative/Schwierige unaufgefordert und sofort auf den Tisch bringen". Für alles gibt es eine Zeit und einen Ort. Gestalte dein erstes Date so, wie du einen schönen Moment in deiner zukünftigen Beziehung gestalten möchtest. Liefere einen Vorgeschmack auf das Positive. Und, sehr wichtig: Nimm dir vor, dass es trotz deiner psychischen Erkrankung diese schönen Momente geben wird. Das hast du auch in der Hand.
Hier möchte ich unbedingt annie83 beipflichten: Beim ersten Date möchte ich nicht mit dem Elend der Welt konfrontiert werden (akute Krankheiten, böse Ex-Frau ...), da geht es doch erst einmal nur ums Beschnuppern und darum, ob man einander generell sympathisch ist und wiedersehen möchte. Wenn DU dich auf deine psychische Krankheit reduzierst, ist das genauso ungut wie wenn ich auf die Rolle der geduldigen Zuhörerin und Später-Krankheit-mit-Durchsteherin reduziert werden soll (was ich allerdings nicht mitmache, da kann ich dann auch das Date stark verkürzen).

Ich finde es insgesamt schon gut, wenn mein Gegenüber um eigene Einschränkungen weiß, aber ich möchte damit nicht gleich konfrontiert werden. Beim zweiten Date würde ich mir dann wünschen, dass die Krankheit zur Sprache kommt. Allerdings solltest du ehrlich zu dir selbst und zu deinem Gegenüber sein: Inwiefern "kannst du" Beziehung mit deiner Krankheit? Was sind die Einschränkungen? Was tust du im Alltag gegen die Symptome, was hast du schon getan? Erzähl immer nur so viel, wie dein Gegenüber dazu wissen möchte (geduldige Zuhörerin siehe oben). Und vergiss nicht, auch der Frau bei ihren Themen zuzuhören, das ist auch mal eine nette Erfahrung für dein weibliches Gegenüber ;-)

Parallel würde ich mich unbedingt dort umsehen, wo es auch noch andere Menschen mit der Krankheit gibt (Gesprächsgruppen, Kliniken?), da ist das Verständnis von vornherein größer und vielleicht auch das Zusammensein nicht so kompliziert (oder gerade - das kann ich von hier aus nicht beurteilen).

Alles Gute
w55
 
  • #18
Ich denke, in Deutschland gibt es mehr psychisch kranke Menschen, als allgemein gedacht. Die ganzen Suchterkrankungen wie Alkoholmissbrauch, Esssucht, Komsumsucht, Zuckersucht, seelischer und körperlicher Missbrauch von sich selbst und anderen Menschen sind für mich eine Form von psychischen Erkrankungen. Vieler dieser Menschen sind gebunden und leben in Ehen/Beziehungen.

Von daher ist es doch gar nicht so schwer, mit einer psychischen Erkrankung einen anderen Menschen für eine Beziehung zu finden.......

W Ü55
Zuckersucht ist deiner Meinung nach eine Form von psychischer Erkrankung? Interessant, was sagt der Arzt dazu, bzw. der Psychiater? Man sollte vielleicht die Kirche im Dorf lassen und sich nicht seine eigene Realität bauen.
 
  • #19
Es gibt doch völlig "harmlose" psychische Erkrankungen, die eine Partnerschaft kaum beeinträchtigen, etwa bestimmte spezifische Phobien. Mal angenommen, der eine hat Angst vor Spritzen, was würde das in der Partnerschaft ändern? Eigentlich doch nichts. Oder jemand hat Höhenangst, aber der Partner ist ohnehin weder Bergsteiger noch Pilot - dann ist es auch egal. Es kommt sehr darauf an, um was es eigentlich geht. Eine psychische Störung kann alles mögliche sein - von einer harmlosen Kleinigkeit, für die man zwar eine Diagnose vergeben kann, aber die im Alltag völlig irrelevant ist, bis hin zu sehr dramatischen Dingen, die das Leben massiv beeinträchtigen.
Es gibt einen Unterschied zwischen einer Störung und einer massiven psychischen Erkrankung. Eine Spinnenphobie ist nicht gleich zu setzten mit einer Schizophrenie, nur um das mal deutlich zu machen. Was mich hier langsam echt nervt, sind diese Versuche der Nivellierung, es ist nicht alles gleich und auch nicht alles gut, das muss doch gesagt werden dürfen.
 
  • #20
Darf ich fragen, um welche psychische Erkrankung es sich hierbei handelt? Und wie ausgeprägt ist die Erkrankung bzw. welchen Einfluss hat dies im Alltag? Bist Du in Behandlung? Nimmst Du Medikamente? Kannst Du normal einem Job nachgehen?
Möchte es nicht zu sehr offen legen, da mein Profil verlinkt ist und ich die Frage auch eher allgemein in den Raum werfen wollte. Es gibt auf dem Single-Markt sicherlich einige Menschen mit psychischen Erkrankungen, für die diese Antworten auch sehr interessant sein dürften. Ich würde sogar behaupten dass auf dem Single-Markt der Anteil an Menschen mit psychischer Erkrankung merklich größer ist als in der allgemeinen Bevölkerung, da diese es schwieriger haben einen Partner zu finden. Bei mir ist es BPD, relativ gut im Griff dank Therapie, Medikamenten, Achtsamkeitstraining und anderer Techniken. Richtig in den Griff bekommt man Persönlichkeitsstörungen jedoch nie.

So wie es andere schon erwähnt haben würde ich bei einer potentiellen Partnerin vor allem darauf schauen, wie aktiv diese mit ihrer Erkrankung umgeht. Ohne Behandlung ist die Eskalation vorprogrammiert und die Chancen auf Besserung praktisch Null, da landet der ganze psychische Stress beim Partner. Eine sehr unangenehme Situation und ein klares Ausschlusskriterium. Mit Behandlungswille könnte ich eigentlich alles akzeptieren, aber diese Toleranz kommt sicherlich auch daher, dass ich selbst betroffen bin.

"Gegensätze ziehen sich an" hört man oft, gilt aber eher für Affären. Laut der empirischen Forschung basieren stabile Beziehungen vor allem auf dem Prinzip "Gleich und gleich gesellt sich gern".
 
  • #21
Es wäre gut für mich gewesen, wenn er von Anfang an klar auf den Tisch gepackt hätte, zu was er fähig ist. Nämlich, dass er zwar lieben kann, aber wenn seine Traumatas hochkommen, dann ist er ein anderer Mensch und zerstört innerhalb kürzester Zeit alles, einfach alles...Ich hätte mich wahrscheinlich nicht auf ihn eingelassen im Nachhinein. Aufgrund seiner psych. Störung.
Um mich und meine Gefühle zu schützen...Die sehr schwer darunter litten und noch heute daran zu knabbern haben.
LG
Ja, wenn psychische Erkrankungen akut werden verändert sich ein Mensch schon deutlich. Er hätte dich davor unterrichten soll, wie die schlechten Phasen aussehen, damit du eine informierte Entscheidung bezüglich Beziehung treffen kannst. Aber je nach Erfahrung ist es auch leicht dem Glauben zu verfallen, dass die Erkrankung sich nun gegessen hat. Lange nicht mehr akut, Behandlung läuft top, tolle Partnerin, alles scheint rosig ... Tut mir leid dass es dir so ergangen ist. Gerade Traumata können plötzlich und heftig ausbrechen, ist dann für alle Beteiligten eine sehr belastende Situation.
 
  • #22
Parallel würde ich mich unbedingt dort umsehen, wo es auch noch andere Menschen mit der Krankheit gibt (Gesprächsgruppen, Kliniken?), da ist das Verständnis von vornherein größer und vielleicht auch das Zusammensein nicht so kompliziert (oder gerade - das kann ich von hier aus nicht beurteilen)
Danke für deinen Beitrag :) Auf dies möchte ich noch kurz eingehen. Psychisch krank + psychisch krank kann wirklich ein guter Mix sein, aber das ist sehr stark von den Erkrankungen abhängig. Borderline + Borderline ist eine sehr explosive Geschichte weil beide den Impuls haben Streits eskalieren zu lassen. Dagegen sollte zum Beispiel Borderline + Autismus recht gut funktionieren (zumindest bei Streits), da die heftige Emotionalität des einen an der kühlen Logik des anderen abprallen kann. Ich finde Frauen mit autistischen Tendenzen wahnsinnig attraktiv, diese sind aber recht schwierig zu umwerben. Da beißt man(n) sich die Zähne aus. Aber daran sieht man auch dass das, was die einen als großes Minus bei der Partnersuche sehen, für andere wiederum ein großes Plus sein kann.
 
  • #23
Bei mir ist es BPD, relativ gut im Griff dank Therapie, Medikamenten, Achtsamkeitstraining und anderer Techniken. Richtig in den Griff bekommt man Persönlichkeitsstörungen jedoch nie.
Ich denke, Du solltest das ansprechen, da für Beziehungen sicher relevant. Mag sein, dass das mit Therapie und Medikamenten in den Griff zu bekommen ist, aber eine Partnerin sollte sich bewusst darauf einlassen und sich auch damit beschäftigen können, um Dich ggf. besser zu verstehen oder zu unterstützen. Oder eben für sich zu entscheiden, dass es dann nicht passt. Auf jeden Fall ist das nichts, was man erst nach einem halben Jahr und nur mal beiläufig erwähnen sollte.
 
  • #24
Dagegen sollte zum Beispiel Borderline + Autismus recht gut funktionieren (zumindest bei Streits), da die heftige Emotionalität des einen an der kühlen Logik des anderen abprallen kann. Ich finde Frauen mit autistischen Tendenzen wahnsinnig attraktiv, diese sind aber recht schwierig zu umwerben. Da beißt man(n) sich die Zähne aus.
Lieber Metin,
das glaube ich dir sofort, ist ja Teil des "Problems".
Kennst du die Plattform "Gleichklang"? Dort finden sich (angeblich) viele Arten besonderer Menschen, vielleicht eher als bei den traditionellen Plattformen, auf denen man - wie man hier gern liest - ja schon "raus" ist, wenn man vom gängigen Schönheitsideal abweicht. Evtl. gilt das auch für das gängige "Normalheitsideal" :).

Viel Glück dir!
w55
 
  • #25
Ich denke, in Deutschland gibt es mehr psychisch kranke Menschen, als allgemein gedacht. Die ganzen Suchterkrankungen wie Alkoholmissbrauch, Esssucht, Komsumsucht, Zuckersucht, seelischer und körperlicher Missbrauch von sich selbst und anderen Menschen sind für mich eine Form von psychischen Erkrankungen. Vieler dieser Menschen sind gebunden und leben in Ehen/Beziehungen.

Von daher ist es doch gar nicht so schwer, mit einer psychischen Erkrankung einen anderen Menschen für eine Beziehung zu finden.......

W Ü55
und vor allem ist im allergrössten Teil der Fälle die derzeitige Lebenssituation Auslöser des Problems (vor allem Depressionen). Richtige organisch verursachte Erkrankungen sind eher selten (bipolar zum Beispiel)
 
  • #26
Es gibt einen Unterschied zwischen einer Störung und einer massiven psychischen Erkrankung. Eine Spinnenphobie ist nicht gleich zu setzten mit einer Schizophrenie, nur um das mal deutlich zu machen. Was mich hier langsam echt nervt, sind diese Versuche der Nivellierung, es ist nicht alles gleich und auch nicht alles gut, das muss doch gesagt werden dürfen.
Ich hab eine Spinnenphobie auch nicht mit einer Schizophrenie gleichgesetzt. Wo habe ich denn das geschrieben? Es sind aber alles beides psychische Störungen ("psychische Erkrankungen" ist als Begriff veraltet). Und was ich deutlich machen wollte, ist, dass es darauf ankommt, was genau für eine Störung jemand hat.

Wenn dir jemand offenbart, dass er eine Schizophrenie hat, dann ist das eine ganz andere Situation, als wenn jemand sagt, er habe Angst vor Spinnen oder Hunden oder was auch immer. Aber beides sind psychische Störungen und wenn die Frage lautet, ob psychische Störungen ein Problem bei der Partnersuche sind, dann muss man eben über den Tellerrand schauen und bedenken, dass es mehr als nur Depression, Schizophrenie und Borderline gibt.
 
  • #27
Erst muss man sehen, ob man sich überhaupt sympathisch ist. Vorher erzählt man sowas nicht. Das wäre übergriffig. Wenn dann irgendwann das Kennenlernen in eine vertrautere Phase eintritt, kann man die Geheimnisse (auch Krankheiten) aus der Versenkung holen.

Und da haben ja mehr Leute Leichen im Keller als man denkt. Bei manchen ist es der Schummel mit dem Alter. Bei anderen die verschwiegenen Kinder. Bei manchen Schulden, Krankheiten oder bei manchen eben auch seelische Besonderheiten.

Ich sehe da auch kein großes Problem drin. Der eine will nicht mit einer Frau zusammensein, die zuhause schon 3 Kinder sitzen hat und die nächste möchte keinen Mann, der ein chronisches Rückenleiden hat. Und mancher mag eben auch eine negative Wahrnehmung der Wirklichkeit oder übertriebene Selbstbezogenheit bei anderen als Ausschlusskriterium sehen.
 
  • #28
Hallo Metin B
Glaube auf gar keinen Fall, wenn dir Frauen sagen, deine psychische Erkrankung stelle kein Problem dar. In Wahrheit sehen sie in dir den verrückten Freak. Alles am eigenem Leib erfahren. Heute nach erfolgreicher OP mit vollständiger Gesundung nehme ich mir die Freiheit, Frauen auflaufen zu lassen.
 
  • #29
Wenn dann irgendwann das Kennenlernen in eine vertrautere Phase eintritt, kann man die Geheimnisse (auch Krankheiten) aus der Versenkung holen.
Mir wäre das ein zu später Zeitpunkt, um zu erfahren, dass mein Datepartner Borderliner ist.

bei manchen eben auch seelische Besonderheiten.
Na ja, für mich ist Borderline nicht nur eine "seelische Besonderheit". Für mich wäre es ein Ausschlussgrund.
Aber da sind die Menschen sehr unterschiedlich.

Lieber FS, ich würde es ungefähr beim zweiten Treffen wissen wollen, wenn nicht sogar schon im Verlauf des ersten Treffens.
Wenn du schon festgestellt hast, dass du autistisch wirkende Frauen attraktiv findest, ist das doch vielleicht eine gute Idee, deine Werbebemühungen in diese Richtung zu intensivieren. Da gibt es bestimmt auch Foren ...



w53
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #30
Hallo Metin B,

ich finde du hast einen grossen Vorteil, der dich von anderen Betroffenen unterscheidet. Du bist dir deiner Erkrankung bewusst und arbeitest daran. Damit bist du sicherlich in der Lage, kontrollierter und bewusster heranzugehen. Auch bist du sicherlich schon gut in der Lage zu kommunizieren, worauf der Partner achten muss, oder wie er etwas einzuordnen hat.
Ich finde zunächst sollte aber die Erkrankung nicht so viel Raum einnehmen beim Kennenlernen eines Partners. Das geht ja dann schon sehr in den persönlichen Bereich hinein und muss beim ersten Eindruck nicht haarklein auf den Tisch.
BPT hat ja unterschiedlichste Ausprägungen von leichteren und schwereren Formen. Wo der eine Betroffene nichtmal therapiefähig werden kann, kann ein anderer sehr wohl soziale Beziehungen aufbauen, wenn auch mit Schwierigkeiten z.B. Bezüglich Nähe und Distanz. Wenn es um "Ausraster" geht in welcher Form auch immer, kann das natürlich schon abschrecken. Ausraster können allerdings auch gesunde Menschen haben. Wenn sich herausstellt, dass eine Person an einer Partnerschaft interessiert ist, dann würde ich wohl an deiner Stelle offen darüber reden, was vorkommen kann und wie sich die Person dann am besten verhält.

LG und viel Erfolg.