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  • #1

Rationale Steuerung von Liebe und Liebeskummer

Anlässlich des Parallelthreads "Treffen nach 2 Jahrzehnten" und einem ähnlich "pathologischen" Fall im Freundeskreis würde mich Eure Meinung interessieren. Könnt Ihr Euren Liebe(s)kummer steuern? Könnt Ihr die Trauer über eine unglückliche Liebe per eigener Willenskraft auf ein handhabbares Maß reduzieren und zur Tagesordnung übergehen? Wie unterscheidet Ihr überhaupt zwischen echter Liebe und Illusion einer Liebe, beispielsweise wenn die Liebe sehr lang zurückliegt ?

Es wird hin und wieder so dargestellt, als sei das Gefühl Liebe eine Allmacht, der sich alles zu unterwerfen habe. "Es ist eben Liebe".... Für Liebeskummer hat man Verständnis. Ein Mann in unserem Freundeskreis, der seit 3 Jahren einer Illusion hinterherrennt, sagt "Wenn ich mich verliebt habe, bin ich dem machtlos ausgeliefert, das sind eben meine Gefühle" - im Beruf steht er allerdings seinen Mann und hat sich voll im Griff. Mir fällt es wirklich sehr schwer, dafür Verständnis aufzubringen.

Ich habe meine Gefühle ja auch in anderen Lebensbereichen unter Kontrolle bzw. gelernt, mit anderen überwältigenden Gefühlen umzugehen. Nur bei der (vermeintlichen) Liebe soll alles erlaubt sein?

Wie seht Ihr das? Danke für Eure Meinungen!

w, 40
 
  • #2
Als ich jünger war, konnte ich das nicht steuern. Jetzt kann ich damit umgehen. Das eine Trennung tiefe Trauer bedeutet oder unerwiderte Liebe einen ganz schön aus der Bahn wirft, kennt man ja irgendwann.
 
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  • #3
Ja, das geht.
In gewissem Maße.
Tagsüber: kein Problem - es ist einfacher zu lachen, als zu erklären, warum man weint.
Abends allein im Bett: keine Chance.
 
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  • #4
Ich habe auch einmal so geliebt, zumindest dachte ich es wäre Liebe, dass ich nur noch funktioniert habe. Habe mich dabei völlig vegessen. Habe die allermöglichsten Dinge angestellt, um ihn sehen zu können...Habe sicherlich Dinge gemacht, die ich bei klarem Verstand wohl nicht getan hätte. Ich war auch machtlos ausgeliefert. Als es dann zu Ende war habe ich sehr gelitten, so dass es auch vorkam, das ich meinen Schmerz und die Gefühle nicht immer unter Kontrolle hatte. Wenn dann eine liebe Kundin in den Laden kam, brach es manchmal aus mir heraus. Also selbst auf Arbeit hab ich mich ab und zu nicht unter Kontrolle gehabt und konnte meinen Liebeskummer teilweise garnicht steuern.
 
  • #5
Natürlich kann man zunächst nichts dafür, wenn man sich verliebt. Aber man hat es sehr wohl in der Hand, wie man damit umgeht, inwiefern man z.B. die Nähe des Menschen, in den man sich verliebt hat, sucht oder genau das vermeidet, inwiefern man darüber spricht, inwiefern man diesen Gedanken und Gefühlen nachhängt oder versucht, sich abzulenken.
Genauso ist es mit Liebeskummer. Natürlich ist der in der ersten Anfangsphase überwältigend. Aber nach einer Weile muss sich das ändern. Das heißt ja nicht, dass man gar nicht mehr an den anderen denkt oder es nicht mehr traurig findet, dass es nicht geklappt hat. Aber dieses Gefühl muss einen solchen Platz im Leben bekommen, dass es das Leben nicht mehr negativ beeinflusst oder einen gar dominiert. So formuliere ich es für mich bewusst als Aufgabe, mein Leben nach einem Scheitern wieder in den Griff zu kriegen. Denn bei einer Aufgabe überlege ich automatisch rationaler, was zu tun ist, um voranzukommen.
 
  • #6
Wenn mann/frau es steuern kann, war/ist es keine Liebe.
 
  • #7
Es ist ja auch ein gern benütztes Argument von Fremdgängern, man könne sich ja nicht aussuchen, in wen man sich verliebe...

Doch, kann man! So lange aus der Verliebtheit noch nicht Liebe geworden ist. kann da sehr wohl noch gegen gesteuert werden! Da sind die Gefühle noch nicht so tief und unüberwindlich, um nicht noch rational aus einem kommenden Gefühlschaos heraus katapultiert werden zu können.

Bevor aus Verliebtheit tiefe Liebe wird, vergeht viel Zeit! Ich halte es für blanken Egoismus und eine faule Ausrede, wenn diese nicht genützt wird, um eventuelles Leid zu verhindern. (Für sich UND für Betroffene)
 
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  • #8
Ich glaube inzwischen, dass je nach Mensch auch andere nicht ausgedrückte Trauer mit einfliessst, so dass der Liebeskummer ein Ventil für Trauer im Leben ist und es dort auch erlaubt zu sein scheint. Sonst müssen wir uns ja oft zusammen reißen.
Vor allen Dingen scheint mir bei manchen Menschen die Fassade des Spasses ein Zwang zu sein, andere Gefühle sind nicht gestattet.
 
  • #9
Was passiert, verletzt tief, so tief, daß die emotio die ratio nicht in ruhe läßt und die ratio die emotio. So ist es ein Kreislauf, man kommt einfach nicht zur ruhe und klammert sich an den kleinsten Funken Hoffnung und das kleinste Argument.

Und so blockiert der Kreislauf das Neuverlieben und hält sich selbst in Gang.
 
  • #10
Verliebtheit und Liebe sind Gefühl wie alle anderen auch, wenn natürlich auch besonders angenehme und für Menschen und ihr Sozialleben besonders wichtige Gefühle.

Gefühle kann man lernen zu kontrollieren und Gefühle lassen sich natürlich in einem gewissen Rahmen beeinflussen.

Gerade Verliebtheit ist eindeutig beeinflussbar, nämlich indem man die Exposition gegenüber dem Objekt der Verliebtheit vermeidet und sich und seine Gedanken stark ablenkt. Die Zeit heilt dieses Gefühl recht schnell. Natürlich kommt es vor, dass man spürt, dass man sich in einen Menschen verlieben könnte, dieser Typ aber so gar nicht passt, vielleicht sogar gefährlich ist oder einfach die Verbindung unpassend wäre. Ins olchen Momente muss mans ich einfach nur im Griff haben und sich diesen Gefühlen nicht hingeben. Das ist möglich und zwar jedem. Natürlich, je tiefer man sich hineinstürzt, desto schmerzhafter wird das Ende, aber je schneller man reagiert, desto problemlos verläuft das auch.

Liebe wird allzu schnell zu etwas Magischem, Esoterischem, Andersweltlichen hochstilisiert. Das ist sie nicht. Liebe ist einfach ein Gefühl und fertig. Diese Überhöhung tut weder der Liebe gut noch den Menschen. Wir sollten diese Aspekte viel nüchterner, sachlicher und pragmatischer sehen und damit viel näher an der Wirklichkeit bleiben.

Richtig ist auf jeden Fall auch, dass Liebe kommen und auch wieder gehen kann, wie wohl jeder Erwachsene schon erlebt hat. Es hat Gründe, warum sie wieder geht und es hat eben auch Gründe, warum sie kommt -- auch wenn man beides bisher noch nicht gut erklären und detailliert erfassen kann.

Liebeskummer ist ein Gefühl, das zu einem gewissen Teil nach dem Auftreten eines durchlebt und ertragen werden muss, das sich zugleich aber durch Ablenkung und durch Rationalisierung mildern lässt und mit der Zeit von alleine vergeht. Hass, Enttäuschung, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Rachsucht bleiben teilweise wie länger im Gefühlsleben präsent und werden dann fälschlicherweise dem Liebeskummer zugerechnet. Das ist jedoch nicht sachgerecht, da diese Gefühle klar zu differenzieren sind. Liebeskummer selbst wird durch Zeit geheilt und spätestens mit der nächsten Gefühlsregung ist er dann auch vorbei.
 
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  • #11
Verliebtheit und Liebe sind Gefühl wie alle anderen auch .... wir sollten diese Aspekte viel nüchterner, sachlicher und pragmatischer sehen und damit viel näher an der Wirklichkeit bleiben.
Ich glaube, man bringt sich mit diesem Anspruch um die Möglichkeit, Gefühle in ihrer vollen Intensität und Rauschhaftigkeit zu erfahren. Das schließt Ratio zwangsläufig ein Stück weit aus und bedeutet auch Kontrollverlust. Sehr viele Menschen haben davor Angst und ziehen es deshalb vor, sich nicht so weit fallen zu lassen. Das schafft zwar Sicherheit, keine Frage, allerdings schränkt es auch die Tiefe des emotionalen Erlebens ein. Intensives Erleben ist immer auch mit Risiken verbunden - man sollte sich aber immer darüber im Klaren sein, dass man nur einmal lebt und das, was man sich nicht zulässt, ist verloren.
 
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  • #13
Ich glaube, man bringt sich mit diesem Anspruch um die Möglichkeit, Gefühle in ihrer vollen Intensität und Rauschhaftigkeit zu erfahren. Das schließt Ratio zwangsläufig ein Stück weit aus und bedeutet auch Kontrollverlust. Sehr viele Menschen haben davor Angst und ziehen es deshalb vor, sich nicht so weit fallen zu lassen. Das schafft zwar Sicherheit, keine Frage, allerdings schränkt es auch die Tiefe des emotionalen Erlebens ein. Intensives Erleben ist immer auch mit Risiken verbunden - man sollte sich aber immer darüber im Klaren sein, dass man nur einmal lebt und das, was man sich nicht zulässt, ist verloren.
Dem Widerspreche ich nicht nur sondern ich behaupte das genaue Gegenteil. Sich darüber klar zu sein was Gefühle sind und ggf. völlig rational an sie heranzugehen ermöglicht es einem nur sie zu kontrollieren, das ist aber nun mal kein Zwang man kann sich immer noch den Gefühlen frei hingeben und das wiederum geht sogar sehr viel einfacher wenn man sich vorher darüber im klaren ist was Gefühle sind und man weiß das man sie notfalls noch kontrollieren kann.
Ich kann man meine Gefühle jedenfalls sehr gut kontrollieren und je besser ich das zu tun gelernt habe desto besser konnte ich auch Gefühle erleben.
Denn erst wenn man etwas überhaupt kontrollieren kann kann man sich dazu entscheiden dieses nicht zu tun.
 
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  • #14
Nein, das sehe ich nicht so. Man schafft sich nur die Möglichkeit, sich entweder frei dieser Gefühle hinzugeben oder aber die rational zu kontrollieren -- je nach Bedarf, Situation und Willen.
Da wird es wohl keine Übereinstimung geben (können). Aus meiner Sicht sind eben nicht alle Gefühlslagen kontrollierbar - und wie ich finde - glücklicherweise nicht. Es ist eine Illusion, zu glauben, dass alle Emotionen einer rationalen Kontrolle unterliegen (können). Und ich denke auch, wer sich dessen nicht bewusst ist, läuft das Risiko, in Situationen, in denen es ihm dann doch anders widerfährt, extrem verunsichert und hilflos zu sein.

Ich kenne einige Menschen, die aus Angst vor Kontrollverlusten kaum noch bereit sind, sich auf andere einzulassen. Das schützt sie vor Verletzung, keine Frage, hindert sie aber auch daran, sich selbst und ihre Gefühle in allen Möglichkeiten und Facetten zu erleben. Leben verläuft da meist sehr fad und organisiert.
 
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  • #15
Ich habe Liebeskummer und Trennungsschmerz bei jeder Beziehung ganz unterschiedlich erlebt.
Wenn z.B. die Trennung innerlich lange zuvor schleichend eingesetzt hatte, tat es auch weh und es flossen auch ein zeitlang Tränen, aber der Schmerz war mit viel Erleichterung durchsetzt. Wenn sie aus heiterem Himmel kam - weil ich Zeichen ignorieren wollte oder falsch gedeutet hatte, war ein emotional sehr tiefer Fall. Da habe ich schon mal stunden-, tage-, wochenlang heulend im Bett gelegen, und habe es dennoch fertig gebracht, bei wichtigen Terminen zu funktionieren. D.h. die Gefühle forderten ihren Raum, aber es war möglich, sie in einem gewissen Maß zu kontrollieren.
Mit jedem Schritt der gedanklichen Auseinandersetzung veränderte sich der Liebeskummer ein Stück in Richtung Gleichmut und sogar Wohlwollen für denjenigen. Jeden Tag wurden die Trauer und das Verlangen, ihm nahe zu sein ein bisschen weniger, und an die Stelle trat Freude über die schönen gemeinsamen Erlebnisse und die positiven Impulse, die ich aus dieser Begegnung mitgenommen habe, sowie die Gewissheit, stärker daraus hervorgegangen zu sein.

Blieb meine Verliebtheit unerwidert, konnte ich das immer auch rational nachvollziehen, weil aus einem triftigen Grund keine echte Beziehungskompatibilität gegeben war. Gleichzeitig verband mich mit denjenigen Männern eine freundschaftliche tiefe Zuneigung, die immer ausgelebt werden konnte. Daher war der Schmerz darüber, keine erotische Annäherung gewagt zu haben, relativ gering; der seelische Aspekt war ja verwirklicht.

Ich halte meine innere Balance, indem ich meine Anspruchs- und Erwartungshaltung jeweils in die Win-Win-Position zoome ;)
 
  • #16
Aus meiner Sicht sind eben nicht alle Gefühlslagen kontrollierbar - und wie ich finde - glücklicherweise nicht. Es ist eine Illusion, zu glauben, dass alle Emotionen einer rationalen Kontrolle unterliegen (können).
Da sind wir sogar der gleichen Meinung. Ich habe weder behauptet, dass alle Gefühle kontrollierbar oder rational steuerbar sind noch dass dies wünschenswert wäre.

Gefühle sind genauso Folge unsere Denkapparats wie Vernunft, nur eben eine andere Qualität. Gefühle sind unmittelbarer, nehmen auf physiologische Reaktionen sogar deutlich mehr Einfluss als der Verstand und vermitteln uns Erkenntnisse unseres Denkapparats auf ganz andere Art und Weise. Das ist völlig natürlich, gesund und wünschenswert.

Nichtsdestotrotz kann man zum Beispiel Angst in vielen speziellen Situationen abtrainieren oder beginnende Verliebtheit durch Ablenkung verhindern. Ganz generell sind Ablenkung, Fokussierung, Rationalisierung gangbare Möglichkeiten, um Gefühle in einem gewissen Rahmen zu steuern und in eben jenem Rahmen ist das auch sinnvoll, sonst hätte der Mensch diese Möglichkeit gar nicht.
 
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  • #17
Ich glaube, man bringt sich mit diesem Anspruch um die Möglichkeit, Gefühle in ihrer vollen Intensität und Rauschhaftigkeit zu erfahren. Das schließt Ratio zwangsläufig ein Stück weit aus und bedeutet auch Kontrollverlust. Sehr viele Menschen haben davor Angst und ziehen es deshalb vor, sich nicht so weit fallen zu lassen. Das schafft zwar Sicherheit, keine Frage, allerdings schränkt es auch die Tiefe des emotionalen Erlebens ein. Intensives Erleben ist immer auch mit Risiken verbunden - man sollte sich aber immer darüber im Klaren sein, dass man nur einmal lebt und das, was man sich nicht zulässt, ist verloren.
Ich sehe keinen Widerspruch zwischen Kontrollverlust auf der einen Seite und rationaler Beteiligung bei der Bearbeitung von Liebeskummer auf der anderen. Man kann sich ganz tief in Gefühle stürzen, wenn es aber endet, nach einer Zeit entscheiden: Es ist hoffnungslos. Und dann nach vorne schauen und den Blick für die Realität nicht verlieren und lernen, die Gefühle zu steuern.

Es gibt natürlich auch Menschen, die gerade das ewige Nachtrauern als einen Ausdruck ihrer tiefen Gefühle ansehen. Natürlich kann man das, ich habe es in meiner Jugend auch so gesehen. Doch mittlerweile möchte ich lieber was ERLEBEN, als mir neue Erlebnisse durch ein Hängen an Vergangenem zu vermiesen. Auf das neue und reale kann man sich dann auch wieder mit allen Risiken und Nebenwirkungen einlassen. Nur dieses weinerliche Festhalten an Illusionen - dafür habe ich seit ich die 20 überschritten habe, nicht mehr viel Verständnis.

Es ist auch so, dass es Menschen gibt, die sich durch dieses Festhalten an Vergangenem die Gegenwart vermiesen, bis diese ebenfalls wieder zur Vergangenheit wird, der dann hinterher getrauert wird.
 
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  • #18
Das Herz hat Gründe, die der Verstand nicht kennt.

Nein, Gefühle passieren einem einfach, man kann sie nicht "machen" und man kann sie auch nicht "abstellen". Sie sind einfach da. Wie ein Wunder, das einem passiert. Oder wie ein Pickel....je nachdem ;-)

Eine andere Frage ist es, wie man mit Gefühlen umgeht.
Ich glaube nicht, dass man seinen Gefühlen völlig willenlos ausgeliefert ist.
Ein Rest Verstand bleibt.
Ich kann mir aussuchen, ob ich mit dem verheirateten Kollegen und Familienvater flirte und eine Affäre mit ihm anfange, oder ob ich mich zurückhalte und versuche , mir nichts anmerken zu lassen.

Verblassen und verschwinden können Gefühle aber nur, wenn man komplett auf Abstand geht.
Das sehe ich wie Frederika.

w50
 
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  • #19
Ich konnte mein Gefühl der Verliebtheit nicht mehr anhalten oder unter Kontrolle halten, als die Flugzeuge in meinem Bauch ständig starteten und wie wild umher geflogen sind... Auch wenn ich es mir im Nachhinein gewünscht hätte. Die Zeit kann man nicht zurückdrehen. Dennoch bin ich froh, sowas erlebt zu haben. Es kommt doch mal vor, dass man mal nicht alles unter Kontrolle hat. Auch wenn man weiß, das man keine 18 mehr ist und dieses oder jenes hätte besser nicht zulassen sollen an Gefühlen. Weil einiges so wunderschön war, habe ich viel zu lange gebraucht um es zu verarbeiten. Aber es ist doch auch menschlich, wenn man mal nicht so funktioniert. Es ist nun wirklich nicht alles immer zu jeder Zeit steuerbar auch nicht wie kurz oder lange man braucht um es "abzuhaken".
 
  • #20
Wenn Verliebtheit oder Liebe ein so unproblematisches, rational zu steuerndes Gefühl sein soll wie hier teilweise behauptet wird, wieso haben dann so viele Frauen panische Angst vor Gefühlen, Angst für eine gewisse Zeit den Boden zu verlieren, Angst sich Gefühlen ganz hinzugeben..?
#10 trifft den Nagel auf den Kopf: Man verpasst den Partner in all seiner Tiefgründigkeit wenn man versucht Gefühle zu kontrollieren oder abzublocken. Mir tun all diese Frauen die ich treffe leid wenn sie mir erklären dass grosse Gefühle kindisch seien, Liebe ein romantisch verbrämter Begriff und emotionale Intelligenz esoterischer Quatsch.. man kann dann sehr gut spüren wie stark beeinträchtigt und beschädigt die Gefühlswelt solcher Frauen ist. Sie leben nicht, existieren nur. Gott sei Dank kann man echte Gefühle nicht steuern, unsere Welt ist schon oberflächlich genug.
 
  • #21
Gott sei Dank kann man echte Gefühle nicht steuern, unsere Welt ist schon oberflächlich genug.
Natürlich kann man das!
Es gibt Lebensumstände, da muss es in einer zivilisierten Welt so sein. Darf ein Mann seinem Rivalen einfach eine scheuern, weil er eifersüchtig ist? - Obwohl er doch sooo echte Eifersuchtsgefühle hat?

Soll ich mir das süßeste Baby aus einem Kinderwagen klauen, weil ich einen sooo großen, unerfüllten und echten Kinderwunsch habe?

Alles Quatsch natürlich! - Aber, um auf das zweite Beispiel bezug zu nehmen: Das tief empfundene Gefühl zum eigenen Kind bringt erst die wirkliche Erfüllung der Sehnsucht danach.
Eine gewisse moralische Mindestanforderung an das hemmungslose Ausleben von eigenen Gefühlen ist so absurd auch wieder nicht!
 
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  • #22
@3 & 18:

Umsonst sagt man nicht, dass "Liebe" jung haelt!
 
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  • #23
Ja, man kann die Gefühle steuern irgendwie. Was ist denn aber wenn man jemanden kennenlernt, obwohl man verheiratet ist z. B. und sich eben doch verliebt? Obwohl man sich das alles fern halten wollte, nur ist es einfach passiert. Wenn man vorher noch nie solche Erfahrung gemacht hat und nun nicht weiß, wie man mit den Gefühlen umgehen soll, die mit einer solchen Wucht auf einen geprallt sind. Wo man sich hinterher fragt, man oh man was hat man da bloß alles angestellt? Warum hat man all dies mit seinen Gefühlen so zugelassen? -Weil es einfach so war, wie es war! Da kann es eben doch passieren, sich nicht unter Kontrolle zu haben.
 
  • #24
Wenn Verliebtheit oder Liebe ein so unproblematisches, rational zu steuerndes Gefühl sein soll wie hier teilweise behauptet wird
Wer hat das behauptet? Mehrere, darunter ich, haben gesagt, dass man Verliebtheit rechtzeitig spürt und man rational gegensteuern kann, wenn man möchte, zum Beispiel durch Vermeidung von Kontakt und durch Rationalisierung. Niemand hat von unproblematisch gesprochen oder dass Verliebtheit rational erzeugbar wäre. Man muss sich ihr aber nicht hingeben, wenn man nicht will.

Liebe ein romantisch verbrämter Begriff und emotionale Intelligenz esoterischer Quatsch.
Im gesamten Thread kommt das Wort esoterisch vor Deiner Stelle nur bei mir vor. Und da steht nichts von Quatsch und kein einziges Wort von emotionaler Intelligenz.

Was bedeutet das? Es bedeutet, dass Du unfair und respektlos diskutierst und anderen Scheinzitate unterschiebst. Was soll das? Bleibe verdammt noch mal anständig! Diejenigen, die am meisten Sozialzeug sülzen, schummeln oft am meisten. Entlarvend!

man kann dann sehr gut spüren wie stark beeinträchtigt und beschädigt die Gefühlswelt solcher Frauen ist.
Meine Gefühlswelt ist völlig intakt. Empathie, Rücksicht und Anstand sind genau das, was ich hier immer predige und nur weil ich denke, dass aus den dutzenden wichtigen Gefühlen des Menschen nicht ausgerechnet die Liebe dermaßen überhöht werden muss, bin ich weder beeinträchtigt noch beschädigt.

Gott sei Dank kann man echte Gefühle nicht steuern
Das Gegenteil ist zutreffend. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Abtrainieren von Angst? Man kann aber auch Gefühle sich einfach natürlich entstehen und entwickeln lassen, aber die Ursachen dafür steuern, z.B. jemanden eine Freude machen, in Angst versetzen, Hoffnung spenden oder aber Ursachen für Gefühle vermeiden, zum Beispiel wenn man Verliebtheit absichtlich aus dem Wege geht.
 
  • #25
Ja, man kann die Gefühle steuern irgendwie. Was ist denn aber wenn man jemanden kennenlernt, obwohl man verheiratet ist z. B. und sich eben doch verliebt?.
Ja, das kann tatsächlich passieren!
Schreibst du hier von dir und hast dich in einen anderen Mann verliebt? Schmetterlinge im Bauch? Das ist jedoch noch keine tiefe Liebe, die so tief im Herzen sitzt, dass es kein Zurück gibt. Liebe muss wachsen, sich auch nach der Verliebtheitsphase bewähren. Da bleibt noch genügend Zeit, um den Kopf einzuschalten, die eigene Situation zu überdenken und Konsequenzen zu ziehen.
 
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  • #26
ein gutes zusammenspiel von ratio (verstand) und emotionen (gefühl) ist eine voraussetzung für gute bewältung im leben im engeren wie weiteren sinne.
da kommen wir direkt zum sog. vertrauen. wenn ich vertraue kann ich mich fallen lassen, d.h. nichts anderes als meinen gefühlen freien lauf lassen. kann ich jedem vertrauen? kann ich einem fremden einfach auf vorschuss vertrauen? etc. all diese fragen spielen mit rein.

ich habe einen sehr, sehr liebenswerten chef. ich arbeite sehr eng mit ihm zusammen. als wir diese zusammenarbeit begannen, waren deutlich gefühle im spiel, die NIEMALS ausgesprochen wurden! es ist niemals etwas passiert. wir hatte einfach eine nähe und faszination füreinander und das war spürbar. das hat exakt 3 monate gedauert, genauso lange wie die chemie in uns turbulenzen schlägt und ist nie weiter gegangen, weil unsere ratio es uns beiden verboten hat.

ich kann deutlich sagen ,dass ich diesen mann auf menschlicher ebene liebe (nicht das mann/ frau-ding) ich würden diesen mann auch SOFORT heiraten, (und damit bin ich wirklich restriktiv, meine letzte beziehung die 6 jahre dauerte wollte ich z.b. nicht heiraten) er ist der beste mann den ich kenne, der nettest, liebenswerteste etc. aber ich möchte und kann ihn nicht besitzen, und er mich nicht und ich wünsche mir für ihn, dass es ihm in seinem leben gut geht, mit seiner frau.

man kann sehr gut damit leben. wir geniessen die arbeit miteinander, weil es auch ein geschenk ist, mit jemandem zu arbeiten den man sehr mag. das geht, denn wir haben unseren kopf eingeschalten, das richtige mass gefunden, und möchten ganz offensichtlich beide nichts tun, dass in irgendeiner weise negativ ausgehen könnte oder für jemanden werden könnte.

es geht.
 
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  • #27
Das Gegenteil ist zutreffend. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Abtrainieren von Angst? Man kann aber auch Gefühle sich einfach natürlich entstehen und entwickeln lassen, aber die Ursachen dafür steuern, z.B. jemanden eine Freude machen, in Angst versetzen, Hoffnung spenden oder aber Ursachen für Gefühle vermeiden, zum Beispiel wenn man Verliebtheit absichtlich aus dem Wege geht.
Da gebe ich dir recht, wobei ich dir wahrscheinlich nicht darin zustimmen würde, in welchen Fällen man einem Verliebtsein aus dem Weg gehen sollte. Da würden sich unsere grundlegenden Ziele nicht decken. Ich halte nämlich oft das Gefühl an sich schon für wichtiger als irgendwelche anderen "festgelegten" Ziele. Das wäre ein Streitpunkt und meiner Meinung nach auch der Streitpunkt zwischen den "Rationalen" und den "Emotionalen".

Ansonsten finde ich es aber auch extrem, dass andere Menschen in dieser Diskussion behaupten, man könne Gefühle nicht steuern. Natürlich kann man das. Der Zusammenhang zwischen der Fähigkeit, sich Gefühlen hinzugeben und der Fähigkeit, sie steuern zu können, besteht nicht! Nur weil man keine Strategien zum Umgang mit bestimmten Situationen besitzt, heißt das nicht, dass man besonders empfindsam sei!

Um bei dem Beispiel mit der Angst zu bleiben: Man kann sich unglaublich in eine bestehende Angst hineinsteigern, hysterisch werden, schreien. Man kann aber auch versuchen, sie zu bearbeiten, damit umzugehen. Das ist auch eine Entscheidung, die man trifft. Nur weil jemand sich entschließt, eine Angst zu bearbeiten, heißt das nicht, sie sei vorher nicht stark ausgeprägt gewesen - genauso ist es mit dem Liebeskummer. Oder denkt einmal an Süchte: Es gibt stark Abhängige, die ihre Sucht überwinden. Waren sie deshalb zuvor nicht süchtig?
 
  • #28
Die FS spricht von Liebe. Ich persönlich (mich eingeschlossen) kenne keinen Menschen der Liebe "steuern" kann. Man kann sich ihr mehr oder weniger offen stellen. Sie entsteht nicht durch Willenskraft und kann gerade wenn wir sie festhalten wollen wieder verschwinden. Gefühle entstehen und können nicht manipuliert werden wie ein Gerät. In meinem Job habe ich es oft mit Gewalt zu tun. Also entsteht auch Angst. Unweigerlich und unverhinderbar. Aber man lernt mit der Angst umzugehen, sie zu nützen um Energien freizusetzen die einem helfen können. Trotz diesem Wissen kann man Angstgefühle aber nicht verhindern. Genausowenig wie Liebesgefühle. Das kann auch Angst machen, den Menschen die stets die Kontrolle über alles behalten möchten und Gefühle primär als Kontrollverlust wahrnehmen etwas mehr als denjenigen die ihre Gefühle einfach akzeptieren.
 
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  • #29
Ja, das kann tatsächlich passieren! Schreibst du hier von dir und hast dich in einen anderen Mann verliebt? Schmetterlinge im Bauch? Das ist jedoch noch keine tiefe Liebe, die so tief im Herzen sitzt, dass es kein Zurück gibt.
Ja, das habe ich. Ist eine ganze Weile her. Aber dieses Lesen hier im Forum hat mir gezeigt, dass ich damit nicht alleine bin. Hat mir sozusagen mit geholfen. Es war für mich durchaus sehr tief. Das kann man nicht wirklich beschreiben ganz tief vom Herzen war halt ein Gefühl in mir zu ihm...Ich dachte das ist Liebe. Ich könnte schwören soetwas noch nie erlebt zu haben. Zumindest nicht mit solcher Wucht. Da war es schon ganz schön schwer "richtig" zu steuern. Und klar, heute weiß ich dass mir vieles an Gefühlschaos erspart geblieben wäre, wenn ich meinen Kopf mehr eingeschaltet hätte. Es nützt eh nichts mehr. Wollte eben nur sagen, dass man nicht immer alles planen, steuern kann. Das ist meine Meinung aus dieser Erfahrung heraus.
 
  • #30
Eine gewisse moralische Mindestanforderung an das hemmungslose Ausleben von eigenen Gefühlen ist so absurd auch wieder nicht!
Wenn es danach ginge würde ich jede Frau, die mir gefällt irgendwo hinfassen (ist biologisch wohl so drin).

Was ist denn aber wenn man jemanden kennenlernt, obwohl man verheiratet ist z. B. und sich eben doch verliebt?
Die weitere Vorangehensweise hast Du unter Kontrolle, daten, Scheidung, Fremdgehen, abblocken, Fremdküssen, lügen, Offenheit ... alles Deine Entscheidung. Du kannst dieses Gefühl forcieren oder zum Abschwächen bewegen.