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Gast

  • #1

Reife Liebe

Als junge Frau habe ich mich an dem Liebsten "geklammert" und wollte ihn nie verlieren.
Natürlich war der Himmel voller Geigen und ich bin tief gefallen beim Beziehungsende.

Mit Mitte Vierzig ist mir bewusst:
Menschen/Beziehungen kommen in mein Leben und gehen irgendwann auch wieder.
Das ist der natürliche Ablauf der Dinge.

Ich frage mich gerade, ob diese Einsicht eine "gereifte" Liebesfähigkeit ist?
 
  • #2
Kommen und gehen....? Hm, das klingt nicht reif, sondern ernüchtert, fast schon verbittert, auf jeden Fall traurig.

Lebenslange Partnerschaften, Familiengründung, gemeinsames Altwerden sind doch eigentlich uneingeschränkt wünschenswert, zumal die Partnersuche im Alter eher zu einer Freizeitkameradensuche degradiert wird.

Ich kann an der Einstellung, dass ein geliebter Mensch einen wohl auch wieder verlassen wird, überhaupt keine "Liebesfähigkeit" erkennen, eher das Gegenteil. Unter so einer Prämisse würde ich es gar nicht erst anfangen.

Ich glaube, du hast Dich da völlig verrannt.
 
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Gast

  • #3
Hmmh , gegen Trennungsschmerz kann man nicht strategisch Immun sein , wenn man wirklich liebt !! Wenn man nicht liebt , gebe ich Dir recht !
 
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Gast

  • #4
Ich frage mich gerade, ob diese Einsicht eine "gereifte" Liebesfähigkeit ist?
Diese Einsicht, wie du es nennst, ist eher Liebesunfähigkeit.

Ich bin 50+ und habe vor einem Jahr geheiratet - nicht zum ersten, aber hoffentlich zum letzten Mal. Davon gehen mein Mann und ich aus und wir tun dafür, was in unserer Macht steht.

Was du schreibst, klingt traurig, bitter und hoffnungslos.Damit, fürchte ich, ist Einsamkeit vorprogrammiert.
 
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Gast

  • #5
Ich glaube ich weiß wie die FS das gemeint hat. Ich kann in ihrem post auch nichts unreifes und verbittertes erkennen!
Natürlich ist es wünschenswert, wenn die Liebe ein Leben lang hält. Das ist die Idealvorstellung. Sehr viele Menschen haben aber mehrere Beziehungen in ihrem Leben, große und kleinere Lieben. Liebe kommt und kann gehen, Liebe bedeutet auch Loslassen können.
Beziehungen, auch gescheiterte, bringen einen weiter, man reift daran.
Also, liebe FS, ich kann dich gut verstehen! Google mal nach Milva, "Ein kommen und gehen". In diesem Liedtext wird genau das thematisiert.
LG
w 55
 
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Gast

  • #6
Das erkenne ich an mir auch, aber ich sehe keine Reifung darin eher eine Entfremdung und Vorsicht. Reifung wäre in meinen Augen, wenn man lernt seine Liebe zu geben und bei sich bleiben zu können. Dazu gehören auch die Auseinandersetzungen usw. jedenfalls nicht das Davonlaufen. Ich finde es eher schwierig jetzt wieder einen Menschen kennen zu lernen, der mich dauerhaft interessiert. Ich habe ein erschreckendes Desinteresse entwickelt.
 
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Gast

  • #7
Das ist eine sehr realistische Sichtweise.
Doch beim Kennenlernen sind eher überschäumende Gefühle und ungebremster Optimismus hilfreich, damit man eine Partnerschaft überhaupt eingeht.
D.h. hebe Dir den Realismus auf für die Wahl des Mannes selbst, behalte Deine Zweifel für Dich bzw. verwandle sie in die Weisheit, mit aufkeimenden Konflikten so umzugehen, dass die Liebe weitergehen kann.
Dann hätte ich noch Hoffnung für Dich, dass es mal wieder mit der Liebe klappt. Und wenn es für ein paar Jahre war, hast Du doch hoffentlich dadurch eine Bereicherung erfahren.
Manche Entwicklungen kann man bei den allerbesten Absichten nicht voraussehen. Man kann auch manchen Trennungen nicht gegensteuern. Sie sind dann einfach richtig für beide.
Aber ganz ehrlich - eine Beziehung nicht einzugehen aus Angst, sie könnte nicht ein Leben lang halten, wäre schlichtweg dumm.
 
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Gast

  • #8
Ja, ich kann die FS sehr wohl verstehen. Natürlich ist eine lebenslange Partnerschaft für JEDEN wünschenswert und der Idealfall. Die Realität ist leider eine andere. Ich sehe es ebenso und bin in einer Partnerschaft, bin also _nicht_ beziehungsunfähig.

w
 
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Gast

  • #9
Als gereifte Liebesfähigkeit würde ich es nicht bezeichnen, eher als Altersweisheit.

Das ganze Leben ist ein Kommen und ein Gehen, alles andere ist Illusion.
Eben genau das Wissen darum und etwas z.B. Beziehung trotzdem zu beginnen, ist doch das Entscheidende.
Kindisch und unreif ist dagegen, eine Beziehung nur unter der Prämisse zu beginnen, dass sie ewig hält. Und das dann für Liebesfähigkeit zu halten.
 
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Gast

  • #10
Liebe einerseits und Beziehung /Partnerschaft andererseits ist nicht automatisch dasselbe und schon gar nicht gehört es automatisch zusammen. Meine Lebenserfahrung: . Partnerschaften können auseinanderbrechen, Beziehungen werden eingegangen oder auch nicht - alles eine Frage bzw. Übung der Beziehungsfähigkeit. Die Liebe lässt sich von diesen Kontrukten jedoch nicht beirren, sie ist - oder sie ist nicht. Ist sie, will sie stetig gehegt und gepflegt werden. Ist sie nicht. kann niemand sie halten (wollen). Die Liebesfähigkeit ist jedem als Basis gegeben, sie kann vertieft, und verfeinert aber auch ignoriert werden. Zwischen diesen Polen zum Wohle seiner selbst und aller Beteiligten jonglieren zu können, ist für mich Ausdruck einer wachsenden Reife und nicht endender stetiger Vervollkommnung.
 
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Gast

  • #11
Philosophisch betrachtet gibt es kein Stillstand, kein Ankommen und ewige Veränderung. Kommen und Gehen kann man zusammenfassen als Weg ohne Ende. ABER realistisch gesehen sollte das alles bedeuten, dass man kennenlernt und im Idealfall bis zum Tode zusammenbleibt, bis wieder durch den Tod das Auseinandergehen einsetzt. Diese Sichtweise wäre reif. Denn Reife bedeutet unter anderem auch, dass man gut zu sich, seinem Körper und seiner Psyche ist und das kann man mit solch einem Denken nicht.