• #1

Rückzugsphase im Kennenlernprozess normal?

Hallo Zusammen,

ich habe heute einen interessanten Bericht eines Psychologen gelesen. Dieser stellt dort die These auf, dass die Binden bei Männern in drei Phasen verläuft: 1. Anziehungsphase 2. Rückzugsphase 3. Bindungsphase. Soll bedeuten, dass ein Mann, der einem erst totale Aufmerksamkeit schenkt und seine Gefühle zeigt, sich plötzlich zurück zieht. Sich kaum noch meldet, kaum Zeit mehr für Treffen hat, keine Zuneigung mehr zeigt etc. Danach folgt dann erst die Bindungsphase. Dies wäre wohl der normale Prozess.

Mich würde interessieren, wie eure Erfahrungen dahingehend sind. Ich habe diese Verhaltensweise auch schon manchmal erlebt, es aber dann als "Interesse verloren" interpretiert.

Glaubt ihr das diese These so der Realität entspricht?
 
  • #2
Ich denke, das ist auch bei Frauen so. Nur ist vielleicht der Mann derjenige, der sich eher zurückzieht, und dann gerät die Frau in die andere Position, dass sie "Mangelerscheinung" empfindet. Oder sie ist sich auch bewusst, dass sie genauso die Rückzugsphase braucht.

Erklären würde ich es mir so: Anziehung, nur noch Augen für den anderen, Erkennen, dass das gefährlich ist (man vernachlässigt sein anderes Leben, man merkt Abhängigkeit), Rückzug. Wenn der andere jetzt weder klammerig noch gleichgültig ist, sondern einfach Freiraum gewähren kann, ohne emotional negativ zu reagieren, merkt der Rückzügler, dass auch sein eigenes Leben noch Platz hat in der Beziehung und öffnet sich wieder. Ob das aber in jedem Fall 100% Bindung bedeutet, weiß ich nicht. Ich würde es für eine geschaffte Bindungshürde halten, und es geht in die nächste Runde.

Ich fänd es ganz interessant, wenn der Mann irritiert wäre über das Akzeptieren seines Rückzugs durch die Frau. Ich glaube, ich hab hier schon sowas gelesen, dass wenn die Frau gar nicht ein bisschen jammert, dass er keine Zeit hat, es als Gleichgültigkeit ausgelegt wird und dann wieder auch nicht richtig ist.
 
P

proudwoman

  • #3
So ein Quark! Zumindest waren meine Erfahrungen total anders und zwar mit jedem Mann in meinem Leben.
1. Anziehung, 2. Bindung, dann 3. Rückzug wenn einer von uns beiden feststellte, dass es nicht passt. Und dabei ist das auch geblieben.
Ich würde sagen nach Anzeichen von Rückzug erfolgt mitnichten eine Bindungsphase. Wie erklärt sich die Rückzugsphase denn? Soll das heißen, dass man in sich geht und verstärkt über eine tiefere Bindung nachdenkt, den anderen ratlos zurück lässt um dann nach reiflicher Überlegung zuzugreifen? Meine Männer benutzten übrigens nie Binden....
 
  • #4
Naja, das ist doch eher eine Binsenweisheit, meinst du nicht ?
Kein Mensch kann bis zum St-Nimmerleinstag Vollgas geben.
Das macht ein Mann ganz am Anfang, wenn er begeistert ist und die Frau für sich gewinnen will.

Und das machen auch Frauen, nicht ?
Ich bin dann bereit, lange spazieren zu gehen, obwohl ich hohe Schuhe anhabe und mir die Füße weh tun.
Ich schlage mir sogar die Nacht um die Ohren und hänge dann die kommenden Tage in den Seilen.
Ich bin auch bereit, täglich mehrere Säusel-WA zu beantworten.

Wenn wir jemanden gewinnen wollen, machen wir alles.
Dann haben wir gewonnen, die Beziehung läuft gut an. Es gibt verläßliche Anzeichen, dass es was richtiges werden könnte.
Wir entspannen uns also und denken, es wäre mal wieder ganz schön, morgens im Büro ausgeschlafen zu sein.
Und es erscheint auch als unschädlich, nach einer halben Stunde des Spazierengehens zu sagen, dass man jetzt ins Cafè gehen wolle.
Und man geht nicht mehr aus der Konferenz raus, um unverzüglich das Säuseln zu beantworten.

Ich finde das nicht nur normal, sondern notwendig.
Man hat ja auch ein Leben neben der Säuselei.

Wenn das Gegenüber die Säuselei aber gar nicht als Werbung auffaßt, sondern als erstrebenswerten Dauerzustand, kommt es zum Konflikt.
Das Gegenüber findet es richtig doof, wenn die WA weniger werden und wenn man nicht mehr täglich eine Stunde telefonieren will, denn das tägliche Telefonieren könnte es sich auf Dauer vorstellen. Bzw. das Nichttelefonieren eben nicht vorstellen.
Dann beginnt das Klammern, das Nachfragen, die Vorwürfe.
So empfindet es der Part, der wieder im Alltag ankommen möchte ( in deinem Beispiel der Mann, in meinen sich anbahnenden Beziehungen ich ).
Der andere nennt es die Rückzugsphase.

Bei der hier geschilderten Konstellation übersteht das Paar diese Phase nicht, weil es nicht paßt.
Man merkt dann, dass die Hoffnungen auseinander gehen.
Und man geht auseinander.

Du fragst jetzt vielleicht, warum ich den Männern in der Anfangsphase etwas vormache, also mir die Nacht um die Ohren schlage mit mehrstündigen Telefonaten und du könntest denken, ich mache ihm etwas vor.
Nein, ich bin echt, ich lüge ihn nicht an, ich vera***e ihn nicht.
Denn in dieser Phase WILL ich es wirklich auch selbst.
Irgendwann dann aber nicht mehr und nur wenn die junge Beziehung das übersteht, kommt es zu Bindung.

Also ich finde dieses Modell der drei Phasen nachvollziehbar.
Ich habe das immer so erlebt.
Fast alle Beziehungen gingen in der Klammerphase auseinander. Die ist nach wenige Wochen, Monaten, teils sogar Jahren.

w 49
 
  • #5
Ich glaube, wenn das auch in den benannten Zeiträumen verläuft, kann ich mir das ab und zu vorstellen. Aber es kann natürlich auch nur das ganz normale "aufwachen" aus der Beziehungsanbahnung sein- wenn die Fehler und Schwächen und ggf mangelnde Kompatibilität ans Licht kommen... Dann zieht man sich zurück, ist unzufriedener. Aber dann folgt nicht mehr unbedingt Phase 3. auch wenn man sich zurück zieht. Und man kann nicht aus jedem Rückzug ne Phase 3 der festen Bindung machen. So hört sich das da manchmal an, finde ich.
 
  • #6
Gelesen habe ich von dieser These auch schon, jedoch - so ganz glaube ich nicht daran. Es würde bedeuten, ein verliebter Mann zieht sich zurück. Hat ein verliebter Mann denn keine Sorge, dass die Frau dieses Verhalten eben so interpretiert, wie es nun mal rüberkommt - dass er nämlich das Interesse verloren hat? Verliebte Männer wollen doch nicht mutwillig die Frau ihres Herzens verlieren.

Aber gern würde auch ich hier die Meinung von Männern hören. Bisher war man sich in diesem Forum überwiegend einig, dass Männer, die plötzlich nichts mehr von sich hören lassen oder Frauen direkt aus dem Weg gehen, von diesen nichts mehr wissen wollten. Sollten Frauen an diese These glauben, würden sie doch unnötig lange auf einen warten, der sich möglicherweise schon längst anderweitig vergnügt.
 
  • #7
Dieses Verhalten habe ich erst durch dieses Forum kennengelernt, jedoch nur aus zweiter Hand und nicht selbst erlebt.
Ob das normale Prozesse sind, vermag ich nicht zu sagen, mir kommen sie befremdlich vor. Doch das Forum spricht auch diese Sprache. Vielleicht habe ich bislang nur Glück gehabt, dass die Partner in meinem Leben, eine Beziehung wollten, so wie ich auch und es dieses hin und her nicht gab.
 
  • #8
Naja, das ist doch eher eine Binsenweisheit, meinst du nicht ?
Kein Mensch kann bis zum St-Nimmerleinstag Vollgas geben. Das macht ein Mann ganz am Anfang, wenn er begeistert ist und die Frau für sich gewinnen will.
Das wäre in der Tat normal. Ich hatte die FS allerdings so verstanden, dass der Mann anfangs Gas gibt, dann in Form eines Rückzugs herunterschaltet, um zur Bindung wieder aufs Pedal zu treten. Also Gas - Bremse - Gas, quasi ein Hin und Her zwischen Wollen und Nichtwollen. Und das bei einem interessierten Mann, der eine Beziehung eingehen will.

Ich denke, man kann hier kaum allgemeingültige Regeln aufstellen. Schließlich geht es beim Kennenlernen doch um das Interesse an einer anderen Person. Also um eine höchst individuelle und subjektive Angelegenheit.

Ein Mann (oder eine Frau - das Geschlecht scheint mir hier nebensächlich), der sich bei Frau x nach dem beschriebenem Muster verhält, kann beim Kennenlernen mit Frau y vollkommen abweichend auftreten. Je nachdem eben, wie groß das Interesse ist, wie er seine Chancen einschätzt, wie vertraut der Umgang miteinander ist, ob noch andere Frauen im Spiel sind, und und und ... Da gibt es unzählige Faktore, die das Handeln beeinflussen können.
 
  • #9
Vergiss sämtliche Berichte, höre ausschließlich auf deinen Instinkt und den gesunden Menschenverstand. Zu 99 % bedeutet Rückzug in der Kennenlernphase kein ausreichendes Interesse. Nichts weiter! So einfach ist das...
 
  • #10
Guten Morgen lieben FS,

Dieser Rückzug vor der endgültigen Bindung, ist nichts weiter, als das sich wieder besinnen auf weltliche Dinge, die zum Leben nun einmal gehören. Sehr viele Beziehungen scheitern dann, weil man sich nicht mehr genügend geliebt fühlt. Das sind normale Vorgänge, die gern dramatisiert werden. In einer Zeit der uneingeschränkt geforderten Verfügbarkeit, zumindest per Technik, ist dieser Prozess für einige dann ein Trauma.
 
  • #11
Zu 99 % bedeutet Rückzug in der Kennenlernphase kein ausreichendes Interesse. Nichts weiter! So einfach ist das...
Vielleicht sollten wir einfach mal definieren, was wir unter Rückzug verstehen.
Wenn du meinst, dass er sich mit dir nicht mehr treffen will oder nur noch alle zwei Wochen für schnellen Sex.
Oder dass er dir gar nicht mehr an die Wäsche will.
Oder dass er nicht mehr Hand in Hand gehen will und schon nach anderen Frauen guckt...
Joa, das würde ich dann auch als Rückzug und als Ursache mangelndes Interesse deuten.

Wenn er aber nicht mehr jeden Abend telefonieren will, wenn er wieder mal was mit seinen Freunden machen will und deswegen nicht mehr jeden Samstag für dich Zeit hat.
Wenn er deine stündlichen WA nur noch knapp beantwortet und selbst keine mehr schreibt, weil du ihm zuvor kommst....
Er aber ansonsten bei euren Treffen lieb und aufmerksam ist.
Das würde ich nicht als Rückzug verstehen, sondern als Einpendeln auf ein alltagsfähiges Maß, was eher bedeutet, dass er gedenkt, dich mit in seinen Alltag zu nehmen, es also eher in Richtung feste Beziehung geht.
Falls du dann angemessen und erwachsen reagierst und ihm zugestehst, dass er ein Leben über eure Liebe hinaus hat.
Falls du nicht aus Angst klammerst oder hinter dir die Tür zuknallst.

Ich drehe es mal um, ok ? Wenn du das tust, endet deine Beziehung zu 99% an dieser Stelle der Kennenlernphase, weil der Mann findet, dass du nicht alltagstauglich bist.
Nichts weiter, so einfach ist das.

Übrigens: ich schreibe hier 'Mann', aber ich beschreibe, wie ich es empfinde, das gibt es nämlich bei Frauen auch.

w 49
 
P

proudwoman

  • #12
Das hätte ich vielleicht gleich zu Anfang fragen sollen, was genau ist mit Rückzug gemeint in der Kennenlernphase?
Für mich bedeutet es eben "sich zurück ziehen", also das Gegenteil von "sich näher kommen". Das ist eigentlich das Ende der Beziehung....Ich kenne das so nicht. Der Rückzug fand eben am Ende statt.
 
  • #13
Moin,

@frei hat eine sehr gute Beschreibung der "normalen" Phasen beim Kennenlernen gegeben - ja, so ist das wohl, das ist auch nicht geschlechtsabhängig. Das Bindungsverhalten an sich verläuft bei Mann und Frau aber natürlich unterschiedlich, das sind sehr tiefsitzende, archaische Mechanismen, Frau und Mann sind auf dieser Ebene nicht gleich.
Die interessante Frage hier wäre also, ob diese "Rückzugsphase" als Teil des speziell männlichen "Urprogramms" tatsächlich zu beobachten ist. Ich hab mal ein bisschen nachgelesen:

Offenbar geht es darum, die Kluft zwischen der ersten, eher oberflächlichen, spontanen "animalischen" Anziehung (Phase I) und einer späteren, auf gemeinsamen Werten, Vertrauen, Interessen usw. beruhenden, sicheren Beziehung (Phase III) zu überbrücken. Wenn das nicht gelingt, bleibt es eben bei Phase I und geht dann wahrscheinlich irgendwann auseinander.
Wenn die Frau schon in Phase I signalisiert, dass es ihr vor allem um Sicherheit geht, würde der Mann instinktiv davon ausgehen, dass es ihr letztlich gar nicht um ihn als Person geht, sondern um "irgendeinen Mann", vielleicht einen "Versorger". Das würde ihn laut Theorie in eine besonders kritische, distanzierte Phase II treiben, mit weniger Aussicht auf eine Fortführung.
Die Frage wäre allerdings, ob es wirklich besonders die Frauen sind, die (vor-)schnell auf Sicherheit drängeln und den freiheitsliebenden Mann dadurch verscheuchen. Hört sich eigentlich schon logisch an... irgendwie ja auch vor dem Hintergrund, dass die Frau nach Phase I unter archaischen Verhältnissen schwanger und dringend auf männlichen Schutz angewiesen wäre. Für den Mann wäre es wahrscheinlich die archaische Frage, wieviel Energie er in die gemeinsame Aufzucht speziell dieser Kinder investieren soll, ev. unter den Aspekten, ob sie überhaupt von ihm sind, ob er sich mit dieser Frau sowieso bald zerstreiten wird etc. (man muss an die kurze Lebenserwartung in der Frühzeit denken, dann verzeiht man ihm so eine Einstellung leichter... normalerweise hat sich der Mann ja für seinen Nachwuchs buchstäblich geopfert).

Na, soweit die Theorie... bei mir selbst beobachte ich diese Rückzugsphase kaum. Ich nehme in so einer Situation mit einem Augenzwinkern (und geschmeichelt) zur Kenntnis, dass die Hübsche gerade besonders viel Nähe möchte, und versuche, das auch zu ermöglichen, weil ich sie mag... und sie nicht verlieren will.

manchmal
 
  • #14
Diese Phasen empierisch festzlegen und die männlichen Verhaltensmuster mit Rückzug vor der Bindungsphase zu umschreiben halte ich für grundsätzlich falsch.
Abgesehen davon, dass Menschen alle unterschiedlich sind, kann ich das als Mann nicht bestätigen.
Denn wenn ich mich für eine Bindung entscheide, warum sollte ich mich vorher zurückziehen?
In Bindungen gibt es immer ein Wechselspiel zwischen dem Geben und Nehmen, zwischen Nähe und Distanz; Aus meiner Erfahrung geht das aber meist beiden Parteien gleich, soll heissen, die Kunst ist, im Moment des Rückzugs des (zukünftigen) Partners eben nicht mit Rückzug zu ragieren, sondern auf den anderen zu zugehen.
Wenn das allerdings bis zu einem bestimmten Punkt außerhalb Deiner Komfortzohne nicht mehr tragbar ist, passt es einfach nicht.
 
  • #15
ch bin dann bereit, lange spazieren zu gehen, obwohl ich hohe Schuhe anhabe und mir die Füße weh tun.
Ich schlage mir sogar die Nacht um die Ohren und hänge dann die kommenden Tage in den Seilen.
Ich bin auch bereit, täglich mehrere Säusel-WA zu beantworten.

Wenn wir jemanden gewinnen wollen, machen wir alles.
Dann haben wir gewonnen, die Beziehung läuft gut an. Es gibt verläßliche Anzeichen, dass es was richtiges werden könnte.
Typisches Beispiel für nicht authentisch sein, erst mal eine Rolle spielen, bis man die/den Andere(n) einigermaßen sicher glaubt.
Wer das macht, muss früher oder später, einen (oder mehrere) Gänge herunterschalten, weil er/sie sich übernommen hat. Der Andere ist zurecht verunsichert und fragt sich, wo denn der Mensch ist, den man kennenlernte.

Genau dieses Verhalten lässt viele Beziehungen erst gar nicht zustande kommen.

Ich habe - gerade in der Kennenlernphase - Wert darauf gelegt, keine Dinge zu machen, die ich nicht später auch gerne und genauso tun würde. Mein künftiger Partner sollte mich kennenlernen, wie ich bin, denn das ist dauerhaft wichtig.
So kann man sich nicht übernehmen/dem Partner ein unrealistisches Bild von sich vermitteln und es gibt keinen Grund für einen irritierenden Rückzug.
 
  • #16
Es gibt so viele "Psychologen", oft mit konträren Auffassungen.

Meine Erfahrung:
Wenn beide sich etwa zeitgleich verlieben, an einer verbindlichen Partnerschaft interessiert sind, sich kennenlernen und verstehen bei Unternehmungen, im erotischen Bereich, im Freundeskreis, aber auch im Alltag, gibt es keinen klassischen Rückzug. Dann lässt zwar diese starke Verliebtheit nach, aber es wird verständlich kommuniziert, gegenseitig die Interessen und Besonderheiten des anderen berücksichtigt und nach Kompromissen gesucht. Wenn diese beiderseits gefunden werden bleibt die Verliebtheit erhalten und es kann zunehmend Liebe entstehen.

Wenn einer hingegen nur große Worte und Träume hat, nach wenigen Wochen aber anfängt, sich kaum noch zu melden, keine Zeit zu haben, rumzueiern, dann ist er ein schwierger Kandidat, hat ernsthafte Zweifel oder Ängste. Das spricht aber nicht für sondern gegen eine tragfähige Liebesbeziehung. Es verlangt dem anderen viel Souveränität ab bei ungewissem Ausgang.

Dazwischen gibt es jede Menge Schattierungen. Absolute Nogos wären für mich: Komplett abtauchen, absolut passiv sein, schon mit der Nächsten anbändeln.
 
  • #17
Moin,
Typisches Beispiel für nicht authentisch sein, erst mal eine Rolle spielen, bis man die/den Andere(n) einigermaßen sicher glaubt.
Nein... das ist typisches Verhalten für "von jemandem hin und weg sein"... dann ist man zu 100% authentisch, gerade wenn man sich verrückt macht, um dem anderen zu gefallen.
Ich habe - gerade in der Kennenlernphase - Wert darauf gelegt, keine Dinge zu machen, die ich nicht später auch gerne und genauso tun würde. Mein künftiger Partner sollte mich kennenlernen, wie ich bin
Ja... auch das ist authentisches Verhalten, wenn man eben nicht so sehr begeistert ist, wenn man eher denkt "naja, wenn es was wird, ist's recht, wenn nicht, dann eben nicht".

manchmal
 
  • #18
Typisches Beispiel für nicht authentisch sein, erst mal eine Rolle spielen, bis man die/den Andere(n) einigermaßen sicher glaubt.
Aber Nein! Genau das meint @frei ja nicht: sie beschreibt - völlig richtig, denn das kenne ich bei mir auch so -, dass sie alles, was sie in der Anfangsphase (freiwillig) macht, auch wirklich selbst so haben möchte, sie verstellt sich also nicht, sondern folgt ihren ganz eigenen Gefühlen in dieser Zeit. Irgendwann, wenn sie dann das gewollte und auch beglückende Werbeverhalten (die rosarote Brille) nicht mehr braucht, kehrt sie Stück-für-Stück in den Alltag zurück und trägt, z.B. für den Spaziergang, bequeme und vielleicht weniger sexy Schuhe:
Das würde ich nicht als Rückzug verstehen, sondern als Einpendeln auf ein alltagsfähiges Maß …
Ich glaube, dass der in der Eingangsfrage beschriebene Rückzug einem Muster der in der Kindheit gemachten Erfahrungen entspricht: wir erleben immer wieder Enttäuschungen, auch in der nicht ununterbrochen anhaltenden Zuneigung der Eltern. Diese wenden sich uU vorübergehend dem Geschwisterkind zu (und wir verkraften das nur schwer). Sie widmen sich Aufgaben, die uns, als Kind, nicht nachvollziehbar sind (und wir verkraften das nur schwer) usw. Um nun selbst in der wachsenden Liebe zu einem neuen Partner, oder einer Partnerin, nicht enttäuscht zu werden, agieren wir plötzlich vorsichtig, ziehen uns evtl. auch zurück. »Vorauseilender Gehorsam«, tritt die Befürchtung (der nachlassenden Liebe) ein, sind wir darauf vorbereitet.

Sehr selbstbewusste Menschen, also oft die, die wenige oder keine »Kindheitsenttäuschungen« erlebt haben, brauchen diesen Rückzug nicht und gehen, so es denn ansonsten passt, gleich in die Beziehungsphase. Oben haben das einige von sich genauso beschrieben.
 
  • #19
Ich habe - gerade in der Kennenlernphase - Wert darauf gelegt, keine Dinge zu machen, die ich nicht später auch gerne und genauso tun würde. Mein künftiger Partner sollte mich kennenlernen, wie ich bin, denn das ist dauerhaft wichtig.
So habe ich das wohl auch instinktiv gehandhabt und war deshalb - als Frau - meist deutlich distanzierter als die Männer.

Die haben sich keine Rückzugsphase geleistet, eher war ich mal weg, verreist etc - aber mit Ansage und transparent.

Keine Ahnung, wie das ablaufen soll, ich habe es nie erlebt. Solch ein Herumgeeiere hätte ich auch überhaupt nicht gebraucht.

Dabei ist natürlich klar, dass einige wenige Männer sich auch aus der Dating-Phase ausgeklinkt haben, weil es doch für sie nicht so richtig passte, eine andere Frau interessanter war etc. Aber das kam nur ganz frühzeitig vor und erscheint mir einfach logisch.
 
  • #20
Ich glaube, fragte man 10 Psychologen, gäbe es 10 Thesen dazu.
Und die eingangs beschriebene Rückzugsphase nach der anfänglichen Nähe ist eben eine Variante unter Vielen.
Apropos Psychologen:
Eine Psychologin, mit der ich mich kürzlich auf einem Seminar unterhielt, sagte mir, es gäbe auch in psychologischen Themenbereichen wechselnde "Moden" oder Ansätze.
So wurde beispielsweise noch vor 20 Jahren Paaren geraten, Konflikte möglichst gründlich auszutragen, alles auszudiskutieren und seine Standpunkte zu vertreten. Heute rät man eher, einiges auch einfach so stehen zu lassen, und sei es um des lieben Friedens willen.
Früher hieß es, man solle den Partner unbedingt so annehmen, wie er sei. Heute wiederum heißt es, man könne durchaus Veränderungen anregen.
Ich glaube deshalb, dass es dort genau so viele verschiedene Thesen gibt wie in nahezu jedem anderen Berufsfeld.
Die Menschen sind so verschieden, zwei Menschen zusammen reagieren aufeinander auf so vielfältige Weise ....
Was konkret die Rückzugsphasen angeht:
Ich kenne langjährige, stabile Beziehungen, die ohne diese Rückzugsphasen entstanden und solche, die das immer wieder durchleben.
 
  • #21
...anfängt, sich kaum noch zu melden, keine Zeit zu haben, rumzueiern, ...
Komplett abtauchen, absolut passiv sein, schon mit der Nächsten anbändeln.
D'accord !
Ich denke, wir meinen etwas unterschiedliches mit dem Wort Rückzug.
Was du beschreibst, ist nicht das Einpendeln auf den Alltag, von dem ich rede und das ich als Erklärungsversuch für die These, die die FS gelesen hat, gegeben hatte, sondern das halte auch ich für das Ende der Beziehung, weil der ( in deinem Beispiel ) Mann dich doch nicht gut findet und sich nur noch nicht endgültig durchringen kann, dir das zu sagen.

w 49
 
  • #22
Ich glaube an diese Theorie nicht und habe es anders erlebt. Eine Rückzugsphase habe ich in der wahren, echten Beziehung/Kennlernphase nicht erlebt. Ich glaube auch nicht daran, dass das notwendig ist, sondern eher, dass es ein Zeichen dafür ist, dass es doch nicht so toll ist.
 
  • #23
Hallo,

da ein paar mal die Frage aufkam, was unter dieser Phase zu verstehen ist, im Bericht wurde es folgendermaßen erklärt:

- nach ca. 2-4 Monaten fällt ein Mann in diese Phase (auch Unverbindlichkeitsphase genannt), in der er sich nicht mehr sicher ist ob er eine Beziehung mit dieser Frau will bzw. spührt den Beziehungswunsch nicht mehr
- Er schaltet dann einige Gänge zurück
- Er zieht sich emotional zurück und wird unverbindlich
- als Frau bliebe einem dann nachts anderen übrig, als diese Unverbindlichkeit für in Ordnung zu halten und abzuwarten ob er der Mann nach dieser Phase zu dem Schluss kommt, dass er eine Beziehung möchte
 
P

proudwoman

  • #24
Finde ich sehr seltsam und habe das so noch nie erlebt, sorry. Was meine letzte Beziehung betrifft, fing es nach 3 bis 4 Monaten erst so richtig an. Wir haben Flüge gebucht, damit die nächsten Treffen gesichert waren, schmiedeten Pläne und telefonierten jeden Abend stundenlang. Er sprach sogar davon, dass er vielleicht zu mir nach Berlin zieht....kurz wir konnten nicht ohne einander....kein Rückzug, nichts! Wir waren sehr verliebt ineinander.
Naja....der kam dann ca. 5 Jahre später...der Anfang vom Ende..:)
 
  • #25
Moin,

vielleicht mal die Gegenfrage:

Ist es denn wirklich so, dass sich Frauen in dieser Phase des Kennenlernens normalerweise schon viel sicherer sind als Männer? Dass es ihnen nach 2-4 Monaten in der Regel vor allem darum geht, die Beziehung nun einfach weiter zu festigen? Dass sie dann überhaupt keinen Gedanken mehr in der Richtung haben "Nun, prima, wir hatten viel Spaß im Bett, auch sonst kommen wir ganz gut klar... aber wollen wir jetzt wirklich zusammen bleiben, ist die Suche jetzt wirklich zu Ende...?"
Frauen machen doch wohl auch manchmal in dieser kritischen Zeit Schluss, auch wenn der Mann noch so schön verliebt ist?

manchmal
 
  • #26
Liebes Blümchen. Was hast Du denn da gelesen? Christian Sander oder Martin van Bergen, die den verzweifelten Frauen dann E-Books und Strategien sowie ein persönliches Coaching verkaufen? Das ist nämlich ein Markt.

Aber: ich kenne Rückzugsphasen bei Männern. Und wenn die sich zurückziehen, meine Erfahrung, sollte man die Zeit nutzen und sich selbst vom Acker machen. Denn dann ist schon der Wurm drin.

Ein Mann, der wirklich will und der normal tickt und der auch bindungsfähig ist, der bindet sich einfach und gut. Und das ganze rumlaborieren mit halbherzigen Exemplaren und bindungsgeschädigten Probanden ist so, wie wenn man sich mit etwas nicht wirklich brauchbarem beschäftigt, Alles irgendwie krank.
 
  • #27
Ja Blümchen, schreib uns bitte, welcher Psychologe das war.

Die Thesen der gerade genannten Männererklärer kenne ich auch. Die verdienen damit tatsächlich viel Geld und werden gern als Strohhalm und Allheilmittel von unglücklich verliebten Frauen gebucht. Dabei ist die Grundaussage, immer souverän zu bleiben, nicht zu klammern oder zu dramatisieren, sich die Lebensfreude nicht nehmen zu lassen ja eine Binsenweisheit. Einige Erklärungen, wie "Mann so tickt" fand ich auch hilfreich.

Aber diese "wissenschaftlich geprüften" Taktikspielchen finde ich hochgradig fahrlässig. Sie funktionieren nicht bei Männern, die nicht wollen oder Konstellationen, die nicht passen. Das wollen aber manche Frauen nicht wahrhaben. Anstatt der Wahrheit ins Gesicht zu blicken, hecheln sie monate- und jahrelang irgendwelchen Männern hinterher. Hatte auch eine Bekannte, die daran glaubte. Dabei konnte jeder sehen, dass sie sich schon von vorherein unpassende Männer suchte, die nur eine Affaire wollten, verheiratet waren, viel jünger, attraktiver oder sportlicher als sie.
 
  • #28
Dass es ihnen nach 2-4 Monaten in der Regel vor allem darum geht, die Beziehung nun einfach weiter zu festigen?
Doch, das finde ich schon. So habe ich bisher eigentlich immer erlebt.

Und ja, mit meiner heutigen Beziehung hate ich nach etwa 3-4 Monaten mal eine Krise, weil sie mich zu sehr drängte und ich alllmählich auch die großen Schatten ihres Charakters kennenlernen musste/durfte.
Ich habe mich dann nach einigem Zögern aber dann doch entschieden, die junge Beziehung fortzusetzen, zumal sie mich auf ihre Vorzüge hinzuweisen wusste.
 
  • #29
Hallo,

ja es war dieser Martin von Bergen, wurde mir als Werbung angezeigt und dann habe ich denn Blog-Artikel gelesen. Umso besser falls die Theorie nicht stimmt, ich fände das furchtbar anstrengend wenn das ein Normalzustand wäre, auf den man sich bei jedem Kennenlernen einrichten müsste.

Gibt es denn Männer, die sich darin wieder erkennen?
 
  • #30
Wie so oft braucht der Mensch Erklärungen der Welt und was sie im Inneren zusammenhält, wenn er nicht weiter weiß, sich seiner unsicher ist. Schon kommt da ein Heilsbringer daher und verkündet genau das Gewünschte oder Befürchtete.

Ich bin meine Beziehung angegangen ohne ein, auch nicht vorübergehendes, Ende, auch keinen Rückzug zu brauchen. 2-4 Monate finde ich einen lächerlichen Zeitraum dafür, dass es für sehr lange gedacht ist. Ein Mehr am Anfang macht mich eher hellhörig, weil ich gerne hinter die Fassade schaue und kleinste Nuancen wahrnehme und da sieht es oft nicht gut aus, das und mit dem Mehr.