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Gast

  • #1

Schwangerschaftsabbruch - wieviele Frauen betrifft es?

Mich (40) würde mal interessieren, ob jemand schon mal von Zahlen gehört/gelesen hat, wieviele Frauen in Deutschland zumindest einmal in ihrem Leben einen Schwangerschaftsabbruch haben.
Ich habe bisher leider nur von Japan und den USA gelesen, wo ca. 15% bzw. 20% der Frauen zumindest eine Abtreibung vornehmen lassen.
Kann mir dazu jemand etwas sagen?
Mich beschäftigt das Thema zur Zeit sehr, da eine Freundin vor der Entscheidung steht, ob sie ihr Kind austragen soll oder nicht.
 
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Gast

  • #2
Wenn ich das gerade richtig im Kopf habe hat jede 6te Frau schon mal einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen.

Aber inwiefern soll diese statistische Information deiner Freundin bei der Entscheidung helfen?
 
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Gast

  • #3
<MOD: Wir bitte ALLE Teilnehmer, nur dann zu antworten, wenn Sie KONKRET etwas zu der Titelfrage beizutragen haben.

Dieser Thread wird nicht erneut andere Aspekte des Themas diskutieren.>
 
  • #4
Die Fakten
Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 800.000 Frauen schwanger und nutzen damit die freie Entscheidung, das Kind entweder auszutragen oder die Schwangerschaft abbrechen zu lassen. Sechs Siebtel entscheiden sich für, etwa ein Siebtel gegen das Austragen der Schwangerschaft. In Deutschland gab es 2010 etwa 680.000 Lebendgeburten und etwa 110.000 Schwangerschaftsabbrüche. Etwa 98% aller Abbrüche erfolgten in den ersten 14 Wochen. Jedes Jahr brechen in Deutschland nur etwa 7 von 1000 Frauen im gebärfähigen Alter eine Schwangerschaft ab, was eine der europaweit niedrigsten Quote ist (im Vergleich: Österreich 25 je 1000). Etwa 15% aller deutschen Frauen brechen mindestens einmal im Leben eine Schwangerschaft ab.

Die Entscheidung
Wir leben zum Glück in einem Land, in dem eine Frau selbst darüber entscheiden darf, ob sie eine Schwangerschaft austrägt oder nicht. Jede Frau muss diese Entscheidung selbst treffen und mit ihrem eigenen Gewissen, ihrer eigenen Moral und ihren eigenem Lebensentwurf abstimmen, optimlaerweise auch mit dem Vater. Wenn man sich entscheidet, eine ungewollte Schwangerschaft nicht auszutragen, dann sollte man sie so früh wie möglich abbrechen lassen und nicht zu lange zaudern.

Ich kenne etliche Freundinnen, die eine Schwangerschaft abgebrochen haben und finde diese Entscheidung absolut in Ordnung und ihren damaligen Lebensumständen angemessen. Ich bin strikt dagegen, frühe Schwangerschaften zu mystifizieren und den Embryo zu einer Person hochzustilisieren, die er noch nicht ist. Eine Schwangerschaft verändert das Leben der Mutter für immer und unwiederruflich. Man sollte sich der Tragweite der Entscheidung uneingeschränkt bewusst sein.

Aber inwiefern soll diese statistische Information deiner Freundin bei der Entscheidung helfen?
Die Fragestellerin hat nur gesagt, dass sie das Thema beschäftigt, weil eine Freundin betroffen ist. Niemand hat behauptet, dass statistische Angaben der Freundin helfen. Es ist doch aber ganz natürlich, dass man sich für ein Thema interessiert, das im Bekanntenkreis akut wird.
 
  • #5
Etwa 15% aller deutschen Frauen brechen mindestens einmal im Leben eine Schwangerschaft ab.
(...)
Ich kenne etliche Freundinnen, die eine Schwangerschaft abgebrochen haben (...)
15% finde ich eine ganze Menge. Woher kommt denn die Zahl? (Die anderen waren ja in ungefähr den genannten Größenordnungen bei Wikipedia zu finden.)
In meinem weiteren Umfeld sind mir lediglich zwei Fälle bekannt, in meinem Freundeskreis kein einziger. Aber vielleicht machen einfach die potentiellen Eltern die Frage unter sich aus...
 
  • #6
...und dabei hat Deutschland eine sehr niedrige Quote, andere Länder wie Österreich oder Griechenland erheblich höhere Quoten.

In meinem weiteren Umfeld sind mir lediglich zwei Fälle bekannt, in meinem Freundeskreis kein einziger. Aber vielleicht machen einfach die potentiellen Eltern die Frage unter sich aus...
Ich glaube, das liegt daran, dass sehr viele Menschen sich entscheiden, nicht darüber zu sprechen, weil die Ablehnung und das Pharisäertum bei den nicht Betroffenen doch extrem groß ist. Viele können sich einfach nicht vorstellen, welche Tragweite das Thema bekommt, wenn man erst einmal selbst betroffen ist.

Ich weiß es auch nur von guten Freundinnen und auch die erzählen es den meisten anderen Menschen eben nicht. Bei der Quote von 15% müsstest Du also ungefähr 13 Frauen so gut kennen, dass sie Dir den Schwangerschaftsabbruch anvertraut haben -- das klingt doch realistisch. Alle andere vertrauen sich Dir vielleicht nur nicht an?
 
  • #7
Bei der Quote von 15% müsstest Du also ungefähr 13 Frauen so gut kennen, dass sie Dir den Schwangerschaftsabbruch anvertraut haben -- das klingt doch realistisch. Alle andere vertrauen sich Dir vielleicht nur nicht an?
Wie Du von den 15% auf die 13 Frauen kommst, erschließt sich mir zwar nicht.
Aber dass man nicht darüber reden mag, verstehe ich schon. Eine solche Entscheidung geht schließlich niemanden außer den potentiellen Eltern etwas an. Und auch danach muss man sich wirklich nicht Diskussionen oder Angriffen aussetzen, weil man einfach schon genug gelitten hat. Ich würde das auch nicht tun.
 
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Gast

  • #8
Ich bin die FS.

@ Frederika

Ich danke Dir für die sehr ausführliche Information!
Dann ist die Rate der Schwangerschaftsabbrüche ja wohl in etwa gleich mit der in Japan.
Ich finde 15% auch recht viel, mir war aber schon bekannt, dass in Deutschland die Zahl der Abtreibungen deutlich niedriger ist als in einigen anderen europäischen Ländern.
Ich habe auch Freundinnen, die eine Schwangerschaft haben abbrechen lassen und es nicht bereut haben.
Ich finde, jede Frau muss das für sich selbst entscheiden.
Wenn sie fest hinter ihrer Entscheidung steht, dann ist es ok und die meisten Frauen haben später auch keine psychischen Probleme.
 
  • #9
Wie Du von den 15% auf die 13 Frauen kommst, erschließt sich mir zwar nicht.
Angenommen, alle Dir ausreichend vertrauten Frauen erzählen Dir freimütig von einem vergangenen Schwangerschaftabbruch, dann müsste man 2 / 0.15 = 13 Frauen kennen, damit zwei dabei sind, die tatsächlich einen Abbruch hatten. Oder anders herum: 15% von 13 Frauen sind etwa 2.

Aber dass man nicht darüber reden mag, verstehe ich schon. Eine solche Entscheidung geht schließlich niemanden außer den potentiellen Eltern etwas an. Und auch danach muss man sich wirklich nicht Diskussionen oder Angriffen aussetzen, weil man einfach schon genug gelitten hat. Ich würde das auch nicht tun.
Eben. Da sind wir uns einig.
 
  • #10
Ich danke Dir für die sehr ausführliche Information!
Gern geschehen.

Mir erscheint die Zahl nicht so hoch, dafür dass auf sieben Geburten ein Abbruch kommt. Schwangerschaftsabbrüche sind Routine. Auch angesichts der Zahlen, dass etwa 7 aus 1000 Frauen je Jahr einen Abbruch haben und etwa 20-25 Jahrgänge dafür in Frage kommen, erscheint 15% sehr plausibel.

Wenn sie fest hinter ihrer Entscheidung steht, dann ist es ok und die meisten Frauen haben später auch keine psychischen Probleme.
Richtig. Traumata entstehen dadurch, dass den Frauen die Probleme eingeredet werden. In Ländern mit liberaler Einstellung, treten psychische Probleme bei frühen Abbrüchen quasi nicht auf. Psychotraumata sind hausgemacht durch die Gegner und jene argumentieren dann auch noch damit. Schon eine perfide Situation.
 
  • #11
Wenn wir die Geburtenrate (1,4 Kinder pro Frau) in Beziehung setzen zum Anteil der Schwangerschaftsabbrüche an den Geburten, dann ergibt sich noch, wieviele Fraun in ihrem Leben mindestens ein mal einen Abbruch vornehmen lassen haben:
Jede Frau hat 1,4 Kinder plus die abgebrochenen Schwangerschaften. Das sind nach Frederikas Zahlen 110/790 = 14%. Die 1,4 Kinder entsprechen also 86% aller Schwangerschaften. Oder: Jede Frau hat 1,63 Schwangerschaften, davon 1.4 Geburten und 0,23 abgebrochen. 23% der Frauen haben also mindestens einen Schwangerschaftsabbruch in ihrem Leben.
 
  • #12
Wenn wir die Geburtenrate (1,4 Kinder pro Frau) [...] 23% der Frauen haben also mindestens einen Schwangerschaftsabbruch in ihrem Leben.
Prinzipiell halbwegs in Ordnung, aber natürlich nur eine sehr grobe Abschätzung, da sich sowohl die Geburtenrate als auch die Abbruchsrate in den letzten Jahrzehnten stark verändert hat und beide Werte nicht unbedingt die gleiche Stichprobe und die gleichen Zeiträume betreffen. Hinzukommt, dass es leider einen nicht insignifikanten Anteilen von Frauen mit mehreren Abbrüchen gibt, was den Anteil der Frauen mit Abbruch senkt.

Aber prinzipiell kommen wir ja auch vielen Wegen zu etwa den gleichen Werten 15-20% Anteil. Auch 7 Frauen je 1000 mit Abbruch pro Jahr und etwa 20-25 Jahren Fruchtbarkeit ergibt etwa 15-20%.
 
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