• #1

Schweigen nach einem Streit

Welche Erfahrungen habt ihr mit einem Partner/in, die/der nach jedem Streit tagelang schweigt und einen ignoriert.

In meinem Fall, wir sind seit 5 Jahren ein Paar, wohnen zusammen, keine Kinder. Ich weiss inzwischen, von seiner Mutter, dass sein Vater sich nach Streitigkeiten immer auch zurückgezogen hat und jegliche Klärung mit ihm nicht möglich war.
Mein Lebensgefährte verhält sich leider gleich. Ich bin am Anfang der Beziehung immer irgendwann auf ihn zugekommen und habe mit ihm über den Streit gesprochen. Manchmal gings, manchmal nicht.
Wirkliche Gespräche sind für ihn schwierig und bedeuten immer, auch in einer entspannen Atmosphäre, puren Stress. Er nimmt solche Gespräche immer als Streit war und ich bin dann sein Gegner. In seiner Familie wird eigentlich auch nichts geklärt, wenn Missverständnisse entstehen. Seine Mutter ist da auch nicht anders, auch wenn sie das sicherlich anders sieht. Die Beziehungen in dieser Familie sind oberflächlich gesehen gut, aber unter der Oberfläche brodeln Themen, die aber lieber nicht angesprochen werden. Jeder fühlt sich dort missverstanden.
Ich verstehe daher seinen Hintergrund und weiss, warum er so handelt. Früher hatte ich dafür mehr Verständnis, jetzt mit den Jahren, werde ich ungeduldiger und habe keine Lust mehr immer von mir aus zu klären und auf ihn zuzugehen.
Er wird auch zunehmend im Streit ausfallender, da er oft keine Argumente hat, unterstellt mir ihn zu provozieren und schweigt mich tagelang an. Ich muss hier sagen, dass ich im Streit das pure Gegenteil bin. Ich bleibe sehr ruhig und diskutiere sachlich. Daher fühlt er sich, denke ich, oft mir unterlegen, da er sehr emotional reagiert und sich sehr aufregt, dann oft keine Argumente hat.
Wir haben uns vor ein paar Tagen gestritten und es sind sehr schlimme Wörter seinerseits mir gegenüber gefallen, die mich sehr verletzt haben. Ich denke er sollte sich, unabhängig vom Streitthema und der Frage, wer Recht hatte, für diese Beleidigungen entschuldigen. Ich habe den Streit unterbrochen und habe ihm das auch so, ruhig, mitgeteilt. Seitdem schweigen wir uns seit einer Woche an, ich sehe aber nicht ein, von sich aus das Schweigen zu brechen. Ich lebe gerade mein Leben weiter, arbeite, treffe mich mit Freunden und versuche für mich zu klären, ob ich diese Beziehung überhaupt noch will und was passiert, wenn das Schweigen weiter besteht.

Rat von Euch?
 
M

Mooseba

  • #2
Trennung! Was sonst? Er ändert sich nicht mehr.

Ich kann dich verstehen. Als Sohn eines Vaters, der mich manchmal zwei Wochen lang - in den eigenen vier Wänden - weder gegrüßt, noch mit mir gesprochen hat, aber stets einen bösen, vorwurfsvollen Blick hatte. Und der Grund war für mich nicht immer klar. Das prägt. Die Folgen eines solchen Verhaltens wird man nie mehr los.
Ich bin im Streit auch eher wie du - allerdings stets mit einer Prise Überheblichkeit, wofür ich mich auch nicht schäme.

(m,33)
 
  • #3
Hallo Lisa,
so einen Partner hatte ich auch. Schrecklich...
Einfach nicht konfliktfähig, diese Menschen. Und ich glaube, das betrifft mehr Männer, als Frauen.
Meiner hat immer heile Welt gespielt, es sei doch alles in Ordnung, und meine Diskussionen an den Haaren herbei gezogen. Mitten im Gespräch wurde abgebrochen, weil es seiner Meinung nach eh keinen Sinn hätte, mit mir zu diskutieren. Tagelanges Schweigen war die Folge. Irgendwann gibt man auf, weil meiner Meinung nach, Themen ausdiskutiert werden sollten, bis man halbwegs auf einem Nenner ist. Das hat nix damit zu tun, dem anderen seine Meinung aufschwatzen zu wollen.
Ich hab mich letztendlich nach 6 Jahren getrennt, weil durch dieses nicht ausdiskutieren viele Sachen angefallen sind, oder auf der Strecke blieben. Es hat sich alles gehäuft. Und es wird nicht besser, eher mit zunehmendem Alter noch schlimmer.
Liebe Grüße
w54
 
  • #4
Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, nicht den Schweiger sondern das Schweigen zu ignorieren.

Ich mache einfach ganz normal weiter, spreche über Belanglosigkeiten, lasse mir nichts anmerken, wenn keine Antwort kommt.

Dann ist der passive Angriff nämlich mehr oder weniger ins Leere gelaufen und der Schweiger hat es leichter, wieder in die Normalität zurück kommen.

Ich ziehe das so lange durch, bis sich der Schweiger selbst blöd vorkommt.

Es gibt Leute, die nicht immer alles gleich sofort klären können. Sie brauchen ein bißchen Zeit, bis sie dazu bereit sind.
 
  • #5
Hallo Lina,

ich habe Respekt vor deinem überlegten Reagieren bei Streitthemen. Und ja , ich muss dir zustimmen, ich finde, dass er sich für Beleidigungen entschuldigen muss, unabhängig ob er im Streit nun Recht hat oder nicht. Beleidigen lassen geht gar nicht. Da würde ich bei jedem Menschen eine Entschuldigung erwarten und ich wäre auch zukünftig zumindest für lange Zeit sehr vorsichtig, ob da nicht noch mal so etwas kommt. Und von einem Partner, mit dem ich doch in Liebe verbunden bin, sollte so etwas überhaupt nicht kommen.

Deine Beobachtung, dass er eine richtige und faire Streitkultur im Elternhaus nicht erlebt hat, ist sicher nachvollziehbar. Nur das Problem scheint mir zu sein: irgendetwas ändern wird sich trotzdem nicht. Es müsste seinerseits die Einsicht bekommen, dass man an seinem Verhalten auch arbeiten kann und muss. Es belastet dich und die Beziehung, also sollte entweder er eine Gesprächstherapie beginnen oder ihr macht gemeinsam eine Paartherapie.

Natürlich dauert so ein Prozess und es ist auch nicht garantiert, dass er von Erfolg gekrönt wird.
Vielleicht ist es gar nicht schlecht, wenn du erst mal ausziehst und dann aus dem Abstand heraus schaust, ob du überhaupt noch Lust auf die Beziehung hast und wenn ja, zu welchen Bedingungen.
Dann zeigt sich auch, ob er auf dich eingehen kann, Verständnis und Einsicht zeigt. Er muss nun reagieren.

Schade, das Menschen sich das Leben so schwer machen, aber ich wünsche dir alles Gute und eine Entscheidung mit der du gut leben kannst.
 
  • #6
Schweigen ist die schlimmste Ausprägung von passiv-agressivem Verhalten und das Gegenteil einer guten Kommunikationskultur.
Ich würde es nicht eine Minute lang tolerieren. Eine solche Beziehung, sorry, hat nichts von dem, was ich mir unter einer Beziehung vorstelle oder wünschen würde.
Den Schweiger in die Wüste schicken. Dort kann er beliebig schweigen, solange er will.
Das Schweigen ist ein so extremes soziales Missverhalten, daß ich mich fragen muss, ob sonst irgendwas mit ihm OK ist.
 
  • #7
Es gibt Leute, die nicht immer alles gleich sofort klären können. Sie brauchen ein bißchen Zeit, bis sie dazu bereit sind.

Das mag schon sein. Es gibt aber auch Leute, die wollen NIE etwas klären. Sobald zu viel Tiefgang ins Gespräch kommt, wird abgeblockt. Ich denke, es ist schon eine Sache, die gelernt sein will. Und wenn man es in der Familie nicht gelernt bekommt, genau, wie bei der FS, dann ist das so. Ich denke, das ist ein anerzogenes, gewachsenes Problem. Offenheit und Ehrlichkeit ist da leider nicht immer angesagt.
Diese Menschen denken vielleicht, wenn nicht diskutiert wird, ist auch kein Problem vorhanden bzw. es klärt sich von allein. Aber es türmt sich eben immer mehr auf.
 
  • #8
Vielleicht müsst ihr nur besser und genauer kommunizieren über unterschiedliche Perspektiven u Empfindungen bei Streitigkeiten! Am Anfang meiner Lebenspartnerschaft musste ich meinem Mann auch erst erklären, dass es mir im Streit nicht darum geht zu "gewinnen", sondern wirklich nur um die Sache an sich, und dass ich es jeweils nur verstehen will. z.B. ein Verhalten das einen gekränkt hat, das man vielleicht frhlinterpretiert hatte. Ich habe ihm erklärt, dass es mir nicht ums Gewinnen bzw Rechthaben geht, sondern dass ich folgenden Ablauf unbedingt brauche: Streit - Diskussion - gegenseitiges Erklären der eigenen Sicht der Sache + des eigenen Verhaltens - ggf gegenseitiges/einseitiges Entschuldigen - Versöhnung.
Er sagte damals dass es für ihn neu sei, dass es bei Streit unter Männern darum ginge, aus Prinzip zu "gewinnen", und dass et durch meine Erklärungen erst lernen konnte, dass ich (Frauen?) anders streiten. Danach erst konnte er sein passiv-aggressives Verhalten ablegen und empfand Streits nicht mehr als so extrem stressverursachend - eben nicht mehr als "Kampf"! - Das passiv-aggressive Verhalten bestand aus: Schweigen, Pokerface, leise provozierende Antworten/ Bemerkungen, extrem unfaire verletzende Kommentare. Das alles wurde besser weil er bereit war mir sich zu erklären (ich war dsmals überrascht, wie anders er als Mann Streit empfand) + mir zuzuhören wenn ich mich erklärte. Nur so konnte die Streitkultur besser werden und nur so konnten wir es dann doch lange zusammen aushalten. Er wollte eben genau wie ich, dass das besser wird. - Im Übrigen wurden im Laufe der Jahre Streitigkeiten immer seltener.
 
  • #9
Recherchiere mal nach passiv-aggressiver Persönlichkeitsstörung. Vielleicht findest du da Antworten.

Letztens las ich mal in einem Forum, man soll sich den Stall vorher ganz genau anschauen, bevor man das Pferd kauft und sich darauf setzt und los reitet .-). Verstehst du?

Wer mich so respektlos behandelt und nach dem Wissen was ich heute habe, wird und kann sich das Verhalten so eines Menschen nicht ändern, mit einer Therapie höchstens abmildern, würde ich schnellstens die Beziehung beenden. Das Leben ist zu kurz
 
  • #10
Ich mache einfach ganz normal weiter, spreche über Belanglosigkeiten, lasse mir nichts anmerken, wenn keine Antwort kommt.
Und das kannst du über Tage beibehalten? Das könnte ich nicht. Mich macht so etwas komplett aggressiv.

Ich würde mich zurückziehen, so wie du es, liebe FS machst. Was macht er denn, wenn es jetzt dringend etwas zu besprechen gibt, eine Entscheidung oder dgl. Redet er dann auch nicht und schliesslich hat man etwas versäumt / geht etwas nicht mehr nur wegen der Schweigerei? Gefallen lassen würde ich es mir nicht auf Dauer, denn es zehrt doch unglaublich an deiner Energie. Immer wieder sich etwas auszudenken, damit der Herr spricht? Ich glaube, ich habe mit meinen Kindern zuviel zu tun, zuviel zu motivieren, erklären usw, dass ich von einem Mann einfach erwarte, anders zu reagieren wie ein bockiges Kind. Ich glaube nicht, dass er sich entschuldigt. Seit einer Woche schweigen? Das ist doch Erpressung…

Ich würde mich trennen, weil sich nichts ändern wird und du das nicht aushältst (sonst würdest du hier nicht schreiben).
 
  • #11
Wir haben uns vor ein paar Tagen gestritten und es sind sehr schlimme Wörter seinerseits mir gegenüber gefallen, die mich sehr verletzt haben. Ich denke er sollte sich, unabhängig vom Streitthema und der Frage, wer Recht hatte, für diese Beleidigungen entschuldigen. Ich habe den Streit unterbrochen und habe ihm das auch so, ruhig, mitgeteilt. Seitdem schweigen wir uns seit einer Woche an

Was ist das für eine Partnerschaft, die du da beschreibst? Sich ständig nach einer Meinungsverschiedenheit anschweigen geht gar nicht. Egal aus welchem Grund. Was passiert denn nun, wenn keiner den ersten Schritt tut?
 
  • #12
Hallo Lisa,

Mein Gefühl und meine Erfahrungen würden sagen - da ändert sich nichts mehr, die Prägungen sind mächtig, und genau dieses Verhaltens- und Kommunikationsmuster ist mir auch leider nur zu bekannt.
Die Kindheit, die einen so prägt, und auch Deinen Freund prägte.

Und deswegen, aus dem Mitgefühl heraus auch für ihn, die Frage, was möchtest Du?
Möchtest Du beenden? Was empfindest Du für ihn?
Wenn Du das noch bejahen kannst, dann würde ich doch in einem ruhigen Moment das Gespräch mit ihm suchen.
Ihm mitteilen, wie es Dir geht, was Du erlebst, dass es so für Dich unerträglich ist.
Der Weg könnte eine Paartherapie sein - Er hat Kommunikation nur auf diese Art gelernt, vielleicht kann er über diese Impulse, Unterstützung merken, dass dies keine gesunde Art der Kommunikation ist, destruktiv.
Wenn sich ein Veränderungswille entwickelt, dann würde das reale Training folgen und eine allmähliche Korrektur des Verhaltens. Das braucht aber Geduld.

Falls Du das möchtest und falls auch er bereit dazu ist.
Ansonsten bleibt entweder die Akzeptanz durch Dich, mit dem Wissen, es wird nicht besser, oder die Trennung.
 
G

Ga_ui

  • #13
Google mal nach Passiv-Aggressivität!

Ist nicht zu ändern, schädigt aber die Beziehung enorm. Bzw. du bist eigentlich die einzige Person, die die Beziehung noch zusammenhält und dich am Ende geschlagen gibst, und wieder redest, diskutierst und dich entschuldigst. Das ist nicht Sinn der Sache!
Was wäre, wenn du nichts mehr machen würdest? Ich denke, deinem Partner wäre es egal und er würde sich auch nicht mehr bei dir melden bzw. die Beziehung schleichend auslaufen lassen!

Für ihn ist das auch ein bisschen ein Machtmittel, um dich zu kontrollieren und tun und lassen zu können, was ihm beliebt. Er hat für sich Recht und duldet deine andere Meinung nicht. Deinen Partnern fehlt es an Reife für eine Beziehung. Und du lässt es immer wieder durchgehen und hast Mitleid mit ihnen, deswegen ziehst du solche Typen auch immer wieder an. Bist du vielleicht selber etwas unreif?

Anfängliches zurückschweigen sollte man definitiv vermeiden, denn damit distanziert man sein Verhältnis. Allerdings ist hier schon zu viel Zeit ins Land gezogen. Wer seinem Partner gegenüber ausfallend wird, hat die Beziehung nicht verdient! Er hat alles kaputt gemacht. Jemanden den man liebt, verletzt man nicht. Punkt. Du solltest deinen Wert steigern! Einzelne Worte schon haben enorm viel Macht und können viel viel Schaden anrichten.
 
  • #14
Wie schon nahezu alle Vorredner, muss auch ich dir leider sagen: Das ist ein so tief eingeprägtes Kommunikationsmuster, das wird sich nicht ändern. Fatal ist, dass zum Schweigen bei ihm noch das aktive verbale Verletzen und Kränken dazukommt. Damit will er dich noch zusätzlich kleinmachen und auf Abstand bringen.
Natürlich fühlt er sich dir unterlegen. Das Schlimme ist aber, dass er deine gute Kommunikationsfähigkeit nicht wertschätzen kann. Er könnte dich ja auch in diesem Punkt bewundern und von dir lernen. Aber nein, stattdessen geht er in Konkurrenz zu dir, seiner Partnerin!
Das sind ganz schlechte Voraussetzungen für eine gute Partnerschaft. Dich wird das zunehmend ärgern und nicht befriedigen, da dir gute Kommunikation wichtig ist.
Du kannst das sicher noch eine Weile aushalten, aber es wird immer unerträglicher. Wenn du Pech hast, trennt er sich sogar irgendwann selbst, was ein besonders blödes Gefühl bei dir hinterlassen wird, weil du dir die ganz Zeit noch Mühe gegeben hast.


w50
 
  • #15
Das passiv-aggressive Verhalten bestand aus: Schweigen, Pokerface, leise provozierende Antworten/ Bemerkungen, extrem unfaire verletzende Kommentare. ..
Sorry, aber was muss bei der Frau eigentlich schief laufen, um so ein Verhalten langfristig zu dulden und auch noch therapieren zu wollen? Eine solche "Streitkultur" ist keiensfalls typisch männlich oder normal, du lügst dir selbst die gestörten Anteile deines persönlichkeitsgestörten Partners zurecht.
 
N

nachdenkliche

  • #16
Starker Tobak! Ein Trennungsgrund allererster Güte!
So wie Du das beschreibst, würde ich das mit seelischer Gewalt gleichsetzen. Hat in einer Ehe nichts zu suchen. Das wird sich nicht bessern, eher im Gegenteil!
 
  • #17
Und das kannst du über Tage beibehalten? Das könnte ich nicht. Mich macht so etwas komplett aggressiv.

Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht, weil es mit dieser Strategie gar nicht erst zu tagelangem Schweigen kommt (Ausnahmen mögen die Regel bestätigen).

Ich denke, es gibt verschiedene Formen des Schweigens (dazu eventuell später mehr). Aber immer wird sich der Schweiger zunächst klein und hilflos gefühlt haben.

Wenn ich in der kritischen Situation zwischen dem Empfinden dieses negativen Gefühles und dem Gang in die Schweigeecke dem Schweiger Vorwürfe und Vorhaltungen wegen seines Schweigens mache, schubse ich ihn geradezu in die Schweigeecke, denn er fühlt sich erneut klein und mies.

Wenn ich meinerseits in Schweigen verfalle, baue ich eine Mauer vor seine Schweigeecke. Der Zustand wird zementiert und es wird für den Schweiger immer schwieriger, aus der Ecke herauszukommen. Er ist in der Ecke, aber vor allem in sich selbst gefangen.

Außerdem entsteht dadurch ein Machtkampf, wer das Schweigen länger durchhält.

Wenn man erwachsen reagiert und den anderen aus seiner Ecke herausholt, hat er sein Ziel erreicht und das Spiel kann von vorne beginnen.

Deswegen empfehle ich die sofortige Intervention.

Im konkreten Fall ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen. Da würde ich mich in Gelassenheit üben - und - wieder bildlich gesprochen - ab und zu mal ins Zimmer schauen, ob das Kind noch schmollt.
 
  • #18
Ich denke, es gibt verschiedene Formen des Schweigens (dazu eventuell später mehr). Aber immer wird sich der Schweiger zunächst klein und hilflos gefühlt haben.
Das Gegenteil ist der Fall. Das Schweigen ist eine Machtdemonstration, der Schweiger fühlt sich stark und überlegen. Er zeigt: du bist mir nicht wertvoll genug, mich mit dir auseinanderzusetzen, du bist mir kein Wort wert, kein Gespräch, keine Kommunikation. Ich verachte dich. Es ist eine ganz tiefe Form der Zurückweisung eines anderen Menschen.
Ein Alarmzeichen der besonderen Art!
 
  • #19
Ich kenne diese Art zu streiten, die du beschreibst, auch von zuhause.
Das verächtliche Vonobenherab. Die sehr ruhige, vordergründig sachliche, aber im Grunde tief verachtende Art, mit einem wütenden, hilflosen Kind umzugehen.
Mein Vater sagte lächelnd 'wer schreit, hat Unrecht' und ging weg.
Auch ich habe diese Art zu streiten verinnerlicht.
Ich kam aber zum Ziel, je besser ich lernte, mit Argumenten meine Wünsche vorzutragen, auch wenn die in der Sache beknackt waren.
Ich kann äußerlich sehr ruhig und gefaßt sein und ich kann dem Wütenden seine Worte im Munde verdrehen.

Grundsätzlich streite ich extrem ungern und kann dann auch nachts nicht schlafen und so, aber wer Krieg haben will, kann ihn haben und weil ich durch eine sehr harte Schule gegangen bin, gewinne ich.
Ich rede hier übrigens von beruflichen Kontexten.
Mein Chef findet mich immer souverän, diese Streits, wenn sie eskalieren, finden mit ihm als Richter statt.
Unser Betriebsrat erhebt gelegentlich Anklage gegen mich und ich gewinne immer.

Ja, ich habe das gelernt, aber zu welchem Preis ? Ich habe in meiner Kindheit sehr darunter gelitten.
Was ich hier inzwischen gewinnbringend anwenden kann, ist ein hochaggressives Verhalten, auch wenn mein Chef in seiner männlichen Naivität das nicht checkt.
Der BR schreit rum, kann sich nicht angemessen artikulieren und entgegnet meinen Argumenten schon mal mit 'ja, aber trotzdem', manchmal fängt einer an zu heulen !
Und dann mache ich das, was ich bei meinem Vater gelernt habe.
In der Sache haben sie nicht immer Unrecht, aber sie können das nicht richtig vortragen.

Dieses Verhalten wende ich übrigens nicht an, wenn ich das Gegenüber lieb habe oder wenigsten sehr mag.
Daher tippe ich mal, dass dein Freund dich möglicherweise nicht so wirklich tief lieb hat, sondern vor allem sich.
Den Gegner-Gedanken habe ich z.B. im Streit mit meiner Tochter nicht, mit dem Betriebsrat aber schon.

w 48
 
  • #20
Ich war 20 Jahre mit so einem schweiger zusammen und das wird nicht besser, im gegenteil das wird noch schlimmer. Ich habe so eine Situation nie ausgehalten da ich ein Mensch bin, der Harmonie braucht und deswegen immer den ersten Schritt gemacht. Ein sehr großer Fehler, den ich habe sehr viel von meiner Zeit mit einen Menschen verbracht, der es eigentlich nicht wert war. Wenn ich heute so zurück denke, bekomme ich eine Wut auf mich selber, was ich da mit mir machen hab lassen und vorallem auf so lange Zeit gesehen.
 
  • #21
Ich lüge gar nichts, denn er hatte das Verhalten nach wenigen Monaten abgelegt! Wir sind jetzt über 15 Jahre zusammen durch Dick und Dünn gegangen, ohne destruktive Streits! - gute Kommunikation kann helfen. - Schlechte Kommunikation allerdings nicht! (Dazu gehören aggressive Unterstellungen ohne Kenntnis der Sachlage...)

Sorry, aber was muss bei der Frau eigentlich schief laufen, um so ein Verhalten langfristig zu dulden und auch noch therapieren zu wollen? Eine solche "Streitkultur" ist keiensfalls typisch männlich oder normal, du lügst dir selbst die gestörten Anteile deines persönlichkeitsgestörten Partners zurecht.
 
  • #22
Das ist ein sehr verletzendes Verhalten und ich bin mir sicher, dass er sich dessen auch bewusst ist. Er sieht sich in der Opferrolle und rechtfertigt damit, dich schlecht zu behandeln.
Übrigens kenne ich dieses Verhalten, wenn auch nicht so extrem, von meinem Freund (und dessen Vater.. scheint sich wirklich zu vererben).
Allerdings kommt mein Freund nach ein paar Stunden schmollen immer wieder auf mich zu und entschuldigt sich. Wäre es so wie bei dir, hätte ich vor allem nach 5 Jahren wohl schon längst den Schlussstrich gezogen.
Ihr schweigt euch seit einer Woche an? Ich würde annehmen, dass die Beziehung schon längst beendet ist wenn das bei mir so wäre. Ich sehe es auch so wie du, dass er jetzt auf dich zugehen muss. Allerdings möchtest du ja auch Klarheit. Ich würde ein letztes Gespräch mit ihm suchen, ihm alles ruhig und sachlich erklären. Wenn er dann nichts einsieht musst wohl davon ausgehen, dass sich sein Verhalten nie ändern wird und dir überlegen ob du so weiterleben willst.
 
  • #23
Du liest dich sehr reflektiert und deine Analsyse klingt stimmig.
Klar ist aber auch, dass deine Beziehung zu einem zunehmenden und endlosen Martyrium für dich werden wird, wenn sich nichts grundlegendes daran ändert. Das spürst du ja auch selbst. Eine intensive Paartherapie könnte euch eventuell noch helfen, die Kurve zu bekommen und gegenseitige Kommunikation zu erlernen. Nach deinen Schilderungen sehe ich da zwar nur geringe Erfolgsaussichten, aber den Versuch würde ich trotzdem starten. Ist auch wichtig, um sich bei einer etwaigen Trennung selber keinen Vorwurf zu machen, dass man nicht alles versucht hätte. Aber dazu müssen auch beide gewillt sein und es als tatsächliches, existentielles Problem für die Beziehung anerkennen. Solange nur du das tust, wird er sich einer Paartherapie vermutlich aktiv (abblocken) oder passiv (mitkommen aber nicht mitmachen) entziehen und einfach so weitermachen. Das ist eine der Situationen, wo ich denke, dass ein Partner dem anderen tatsächlich die sprichwörtliche Pistole auf die Brust setzen kann und darf - und zwar besser gestern als heute.
Wenn er da nicht mitziehen will oder kann, soll er eben die Beziehungsmuster seiner Herkunftsfamilie fortsetzen - aber bitteschön ohne dich. Du kannst ihn nicht zwingen zu seinem Glück und kannst ihn auch nicht "retten". Retten kannst du nur dich - vor einer Fortsetzung dieser Pseudo-Beziehung. Viel Kraft! m/43
 
  • #24
ohweh, das erinnert mich an eine frühere KURZE Beziehung.

Dein Partner könnte mein Ex sein. Ich hatte wie Du Verständnis, weil er genau wie Deiner auch einen Vater hatte, der genauso kommunizierte.

Für mich war am schwierigsten, dass mein Ex nicht nur geschwiegen hat, sondern während seiner Schweigezeit auch unsere Verabredungen nichts mehr galten. Wie ist das bei Euch? Ich wollte aber gerne zuverlässig planen und ich brauche einen zuverlässigen Partner...

Z.B. wenn wir seit Wochen am Samstag Abend mit Freunden verabredet waren, er aber entschieden hatte, ab Samstag morgen zu schweigen, konnte es sein, dass er abends nicht mitgegangen ist. Manchmal fing er sich doch kurzfristig Samstag tagsüber und ging doch mit mir hin.

Ich wusste dann nicht, ob ich bei unseren Freunden für uns beide absagen soll, oder nur für ihn absagen soll, oder ob ich mich alleine treffen soll (mir war das irgendwann peinlich, weil Freunde sich nach einer Zeit wundern, warum er so unzuverlässig ist) oder er dann am Samstag kurzfristig doch mitgeht. Mir war das peinlich. Es gab eine Situation. Da hatte seine Schwester extra für uns groß und sehr fein Sonntag Mittag aufgekocht. Er hat ihr um 10.45 Uhr abgesagt! Sie war sehr sauer über uns beide, auch wegen des vielen teuren, überflüssigen Essens. Aber ich hatte garnichts gemacht! Sein Verhalten hat mich isoliert.

Genauso mit Kurzurlauben o.ä. Wenn die Reise nicht fix gebucht war, konnte es sein, dass er plötzlich im letzten Moment rumschwieg und alleine weg zu seinen Eltern gefahren ist. Ich stand dann da, hatte meine Urlaubstage freigenommen, meinen Freunden abgesagt, alles weil ich ja mit diesem Ex einen schönen Kurzurlaub geplant hatte und stand dann plötzlich da, mit dem gepackten Koffer, allein.
Mein Freundeskreis hat sich darüber gewundert, wenn sie mich nach dem angekündigten Urlaub fragten und ich dann erzählen musste, dass es wieder anders gekommen ist.

Ich habe mich schließlich vollkommen unabhängig von ihm gemacht, gelebt und geplant. Er hat mitbekommen, dass es für mich sogar besser ist, wenn er schweigt, weil ich dann unabhängig von ihm nur für mich entscheide.... ist halt die Frage, was das noch für eine Beziehung ist.
 
  • #25
Du bist seine Freundin und nicht seine Therapeutin!
Du hast Dich schon viel zu sehr in seine Psyche hineinversetzt, versuchst ihn zu verstehen, gibts der Familie die schuld und meinst, er hätte nie eine Chance gehabt, KOnflikte anders zu erlernen, aber wir lernen auch aus unserem Umfeld - von Freunden, Kollegen und sogar aus Filmen eine Menge.
Dei Freund ist stur und egoistisch. Er weiß genau, dass er sich falsch verhält, kann aber nicht über seinen Schatten springen.
Der Rat von @Lisa.Blume so zu tun, als wäre nichts klappt vielleicht, wenn man sich mal über eine Belanglosigkeit gestritten hat und macht es Anderen leichter, wieder normal zu kommunizieren. Aber im Eurem Fall sitzt der Stachel schon sehr tief und natürlich wäre es nun auch mal an ihm, sich zu entschuldigen.
Du bist jetzt an den Punkt gekommen, an dem er sich entweder ändert oder du musst es für den Rest der Beziehung so hinnehmen wie er ist und immer den Kürzeren ziehen.
Ich könnte mit so einem Menschen nicht leben. Er verhält sich bockig wie ein Kleinkind - das ist eines erwachsenen Mannes unwürdig.
Ich würde es ihm sagen oder schreiben: Entweder arbeitet er an sich oder Eure Beziehung ist vorbei.
 
  • #26
Hm... ich kenne das. Sowohl von meiner Seite als auch von der Seite des Partners. So eloquent man auch sein mag - wenn man das Ausfechten von Differenzen von Zuhause nur so mitbekommen hat ist es echt schwer.
Schreib ihm doch. Auch wenn es im ersten Moment lächerlich ist.
 
  • #27
Hier die FS,
vielen Dank für die Antworten. Ich möchte auf einige Antworten von Euch eingehen.
Hier hat jemand geschrieben, dass er teils einen ruhigen , überheblichen Kommunikationsstil hat, der natürlich das Gegenüber verletzt.

Ich kann wertschätzend und überheblich kommunizieren. Mit meinem Partner versuche ich auf ein gemeinsames Nenner zu kommen und versuche seine Argumente zu berücksichtigen. Aber mir ist natürlich auch schon mal passiert, dass ich überheblich von oben herab kommuniziert habe, wenn er mich stark angegriffen hat. Ich werde aber mich nochmal reflektieren, inwieweit ich auch ein Teil des Problems sein könnte.
Es wurde gefragt, ob gemeinsame Pläne während eines solchen Streits von uns beiden noch wahrgenommen werden. Nein, weitgehend leben wir im Grunde, wie in einer WG. Jeder macht etwas für sich. Das stört mich allerdings weniger als dieses Anschweigen. Ich möchte nicht mit ihm irgendwo hingehen, wenn er dabei ein langes Gesicht zieht und die Stimmung zwischen uns eisig ist.
Sonst hilft er aber mir unabhängig vom Streit. Mein Wagen ist z. B. mal während eines Streits kaputt gegangen. Als er das mitbekommen hat, hat er den Wagen für mich repariert.
Ich will nicht wieder(!) auf ihn zukommen und ihn aus seiner Schweigeecke rausholen. Das habe ich sonst immer gemacht. Erstens habe ich, das Gefühl, er nimmt es letztendlich als meine Schwäche wahr, weil ich in seinen Augen nachgebe. Damit nimmt er sich letztendlich als Gewinner wahr. Zweitens werden die Sachen, die zum Streit geführt haben, meist nicht ausreichend dannach durchgesprochen. Damit sammeln sich die Themen, die die Beziehung mit den Jahren belasten.
Wir streiten uns nicht oft und er ist sonst liebevoll, hilfsbereit, loyal und wir lieben uns eigentlich.
Daher bin ich noch nicht gegangen.
Nun überlege ich in der Tat zu gehen, oder ob evt. eine Therapie das Problem lösen könnte.
Ihr habt recht, er muss es aber wollen und ich muss mir erstmal über meine Gefühle klar werden.
Moment bin ich mir nicht sicher darüber, was ich will. Ich bin noch tief verletzt wegen der Beleidigungen, die ich von ihm gehört habe. So hat mich wirklich noch niemand in meinem ganzen Leben genannt.
Wir schweigen uns immernoch an.
Danke Euch allen für die bisherigen Ratschläge.
Lisa
 
  • #28
Eine WG-Beziehung mit viel Nebeneinander und viel Streit? Hm. Wirklich sehr erstrebens- und lebenswert.
Natürlich töten solche Streitereien die Liebe schleichend ab, vor allem wenn sie derartig ablaufen. Insofern ist diese Statusbeschreibung nicht verwunderlich. Die Frage ist, was dich dort überhaupt (noch) hält. Hoffnung, Gewohnheit? Du schreibst: "ich liebe ihn eigentlich..."...?
Da es bekanntlich keine indiskreten Fragen gibt, nur indiskrete Antworten: wie harmoniert ihr denn sexuell-körperlich und wie empfindest du diese Nähe - falls es denn noch körperliche Nähe gibt zwischen euch? Vor allem für Frauen (aber auch für viele Männer) ist diesbezüglich das Empfinden und Zulassen können ja durchaus stark damit verbunden, wie wohl und wie sicher und gewertschätzt man sich in der Beziehung fühlt? Herrscht da auch WG-Status?
Falls ja, sehe ich wirklich schwarz für eine Kehrtwende ins Glück bei euch. Wobei, Kehrtwende? Wart ihr denn überhaupt schon mal ein richtig glückliches Paar?
 
  • #29
Moment bin ich mir nicht sicher darüber, was ich will. Ich bin noch tief verletzt wegen der Beleidigungen, die ich von ihm gehört habe. So hat mich wirklich noch niemand in meinem ganzen Leben genannt.
Du wirst das vielleicht merkwürdig finden, aber in meinem ganzen Leben und all den Beziehungen bin ich noch niemals von jemandem beleidigt worden. Niemals hat mich jemand beschimpft. Es gab weder verbale Gewalt, noch körperliche. Nicht ein einziges Mal. Nie. Never. Ever
Langsam habe ich das Gefühl, daß ich mich offenbar wirklich glücklich schätzen kann, weil mir das noch nie passiert ist.
Oder, nein, ich bin mir selbst dankbar. Ich hatte genug Selbstwert und gute Instinkte bei der Auswahl der Partner.
Was ich hier lese, läßt mich erschaudern. Was sich manche Menschen gefallen lassen, was manche Menschen aktiv tun.
Ich bin mir heute wieder einmal besonders dankbar, was ich mir alles erspart habe. Aber in Wirklichkeit, sorry, ist es wohl eine Frage des intellektuellen Niveaus.
w, 54
 
  • #30
Hallo Lisa,

meine Freundin hat auch so einen Lebensgefährten, der nach einem Streit tage- bis wochenlang schweigt.

Sie hat für sich vor ca. drei Jahren die Lösung gefunden:
meine Freundin bestand auf getrennte Wohnungen.

Ja, die beiden sind immer noch (mehr oder weniger) glücklich liiert. Es kommt aber zum Glück nicht mehr zu diesen belastenden Anschweige-Situationen innerhalb derselben Wohnung.

Und noch ein Vorteil hat sich ergeben: sie hält es nun besser aus, NICHT mehr auf ihn zuzugehen, wenn eindeutig ER im Unrecht war. Seit sie getrennt wohnen, kommt nun er nach solch einer Situation bei ihr wieder an, was er früher nie gemacht hatte.

Alles Gute!

yellow bee
 
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