• #1

Schwiegermutter ist Alkoholikerin

Mir ist bewusst, dass dieses ein sehr persönliches Thema ist, erhoffe mir dennoch einige hilfreiche Antworten, da mein Mann und ich (wir sind beide Anfang 30) mit unserem Latein am Ende sind.

Meine Schwiegermutter (Anfang 60, bereits in Frührente, aber mit Mini-Job) ist seit einigen Jahren alkoholabhängig, wie lange genau kann niemand sagen, da wir es natürlich anfangs nicht bemerkt haben.

Aus unserer Sicht gibt oder gab es keine gravierenden Einschnitte in Ihrem Leben, die erklären könnten, warum sie angefangen hat zu trinken. Ihr Mann, mein Schwiegervater, ist ein sehr ruhiger, umgänglicher Typ, es gibt keine Geldprobleme, keine Krankheiten (bis auf die altersbedingten Zipperlein).

Unser Problem ist der Umgang mir ihr in der Öffentlichkeit / bei Familienfeiern. Da sie natürlich ihr Problem nicht erkennt, kommt es immer wieder zu unangenehmen und peinlichen Situationen. Auch mangelt es an der Körperhygiene und die Krankheit ist mittlerweile deutlich sichtbar.

Am liebsten würden wir uns zurückziehen, sie nicht mehr einladen oder an Feiern teilnehmen. Mein Mann hat den Umgang auch schon sehr eingeschränkt, da er es nicht ertragen kann. Gleichzeitig hat er natürlich deshalb Gewissensbisse.

Schwiegervater ist unserer Ansicht nach co-abhängig und redet sich alles schön. Auch der Großteil der übrigen Familie. In besagten peinlichen Situationen tut er so, als wäre nicht gewesen. Er würde sich auch niemals trennen, da er ein verantwortungsbewusster Harmoniemensch ist.

Mir ist klar, dass sie ihre Krankheit selbst erkennen muss, aber was können wir tun, wie können wir helfen? Muss es erst zum totalen körperlichen, Zusammenbruch kommen?

w
 
  • #2
Sich komplett raushalten oder sich zu distanzieren find ich nicht gut und das wäre der einfachere Weg.
Ich würde deinem Mann raten sich mit seinem Vater zusammen zusetzen, wenn noch ein anderer Familienangehörige dabei wäre, wie Schwester oder Tante fänd ich das noch besser also zu dritt zu überlegen, was man tun kann. Anscheinend drückt sich jeder und keiner macht den Anfang.
Irgendwas wird ja sein, ein Mensch fängt nicht ohne Grund an zu trinken also aus Jux und Dollerei, irgendetwas wird sie belasten.
Es gibt genügend Beratungsstellen.....
W42
 
  • #3
Liebe FS,

gehe zu einer Beratungsstelle für Angehörige von Alkoholikern. Die können kompetent sagen, was das Gescheiteste zu tun ist. Solange ihr Mann das deckt und sie das verneint, wird sich nichts ändern.

Haltet euch raus und wenn ihr sie nicht einladen wollt, weil peinlich, dann ladet sie nicht ein. Sagt ihr auch klar, dass sie eine Alkoholikerin ist und ihr ihr helfen wollt, aber nichts beschönigen und zudecken werdet. Die gleiche Ansage an den Schwiegervater. Vor lauter Harmoniesucht und Co-Alkoholismus verstärkt er das Problem seiner Frau, aber letztendlich ist er selbst verantwortlich. Zusammen reden, Klartext ohne aggressiv zu sein, ist denke ich das Beste.

w
 
  • #4
Ihr könnt eh nicht viel tun aber einfach nicht mehr einladen,meinte ich nicht in Ordnung. Ich würde allerdings Regeln aufstellen. Kein Alkohol wenn sie bei euch zu Besuch ist. Und ich würde auch weiterhin Familienfeiern besuchen, allerdings würde ich nach Hause gehen, wenn es peinlich ist und dies auch so immer wieder kommunizieren. Beraten lassen finde ich auch eine gute Idee
 
J

julia1982

  • #5
Mir ist klar, dass sie ihre Krankheit selbst erkennen muss, aber was können wir tun, wie können wir helfen? Muss es erst zum totalen körperlichen, Zusammenbruch kommen?
Ja das ist der Kernpunkt. Wenn die Schwiegermutter kein Alkoholproblem sieht, dann bringt es wenig hier irgendetwas zu unternehmen.

Wenn man aber die Frau aus diesem Grund von Familienveranstaltungen ausklammert, dann verschlimmert man nur doch ihr Problem. Sie trinkt wegen der Einsamkeit. Irgendwie ist dies dann ein Teufelskreis und höchstwahrscheinlich kann hier nur eine Antialkoholikertherapie helfen.

Eventuell sollte man auch ein wenig provozieren. Ohne Therapie keine Familienfeiern und dann sieht man ja was der Frau wichtiger ist. Die Familie oder ihr Alkoholkonsum.
 
G

Gast

  • #6
Grundsätzlich gelten für mich die eigenen Grenzen. Wenn der Kontakt unangenehm ist, dann sollte man sich den nicht antun.
Allerdings muß man damit umgehen können, die Mutter dann eine Weile wirklich leiden zu sehen. Sie wird vermutlich sozial vereinsamen, wenn keiner mehr so tut als ob alles in Ordnung ist.
Es wird vielleicht die Situation verschlimmern erstmal, aber.... entweder schafft sie es dann, in eine stationäre Entgiftungsbehandlung zu gehen oder nicht.
Ob sie wegen einer möglichen Einsamkeit trinkt, das wissen wir nicht. Wenn das so einfach wäre, die Gründe für Sucht rauszukriegen....
Es sollte aber keiner der Nahestehenden in die Rolle des Co-Abhängigen rutschen. Das kann aber nur bedeuten, sich klar abzugrenzen. Und das bedeutet nicht erst, sich abzugrenzen, wenn die Öffentlichkeit das Problem erkennen könnte, das fängt viel früher an.
Und es bedeutet auch, sich in Liebe abzugrenzen. Sprich...ich mag Deine Sucht nicht, aber Dich nehme ich überall mit hin, wenn Du nüchtern bist.
Sich nicht schämen für das Problem eines Familienangehörigen, damit fängt Heilung an.
Meine Meinung.
W51