• #1

Seit Jahren zerrissen und wie ändere ich dies?

Habe keinen Mut, keinen Anreiz, keine Kraft etwas zu bewegen.
Ich lebe seit 18 Jahren in einer Beziehung, in der wir beide viele wunderbare Dinge teilen. Ansichten, Werte, gemeinsame Hobbys, Gespräche. Ein schönes Zuhause. Die Jahre über hat mir aber immer wieder Sexualität gefehlt. Sie war zwar da, aber für mich viel zu selten. Mein Partner ist chronisch krank, eine Hautkrankheit. Sehr häufig schlägt die ihm auf sein Gemüt und die Libido. Aber ein Leben ohne ihn kann nicht vorstellen. Und ihm geht es nicht anders.
Jedoch habe ich schon seit mehreren Jahren, mit Unterbrechungen, eine Affäre mit einem Mann aus meinem langjährigen Freundeskreis. Vor einigen Jahren wurde er ungewollt Vater. ( Seine damalige Freundin hat sieben Monate lang die Schwangerschaft nicht entdeckt. Die beiden wurden davon völlig überrumpelt. ) Seitdem bin ich auch aus gekränkter Eitelkeit auf Abstand gegangen. Aber die Anziehung war und isr immer sehr groß. Vor vier Jahren entstand wieder eine sehr intensive Affäre, die von ihm ausging. Er lebt mit dieser Frau und seinem fünfjährigen Kind zusammen.

Über Gefühle rede ich nicht mit ihm. Ich habe aber festgestellt, dass man durch eine leidenschaftliche Sexualität Gefühle zwangsläufig entwickelt, auch wenn der Verstand sagt, lass die Finger von ihm und wünsche dir mit ihm keine Beziehung. Denn ich fürchte und schätze es so ein, dass ich bei ihm nie an erster Stelle stünde. Aber trotzdem bin ich sehr scharf auf ihn und ihm paradoxerweise "treu".


Aber ich habe ja auch eine Beziehung, die per se bereichernd, passend und voll Zuneigung ist, jedoch ist die Sexualität ausgelagert.

Wenn es mir gut geht, finde ich meine Leben sehr aufregend und schön. Das Geheimnisvolle auf der einen Seite, die Geborgenheit auf der anderen Seite.
Aber habe ich auch fürchterliche Angst, dass dieses Geheimnis auffliegt, da ich meinen Partner nicht verletzen möchte.

Wenn es mir hingegen nicht gut geht, und das ist öfter der Fall, finde ich dieses Leben ziemlich anstrengend. Ich grüble häufig und verwende sehr viele Gedanken auf meine Situation. Außerdem bin eifersüchtig auf die Lebensgefährtin meine Affäre. Im tiefsten Inneren hoffe ich immer noch, dass ich diese Affäre erhobenen Hauptes beenden kann, auch wenn ich jetzt schon daran denke, mir würde das Herz brechen, wenn ich das tue. Und ich würde so gerne wieder eine vollwertige Beziehung mit meinem richtigen Partner haben, auch wenn sich das im sexuellen Bereich schwierig gestaltet. Das ist mit schon klar.
Immerhin teilen wir gemeinsam die vielen schönen Dinge des Alltags, die wir beide nicht missen möchten. Was soll ich nur machen. ...? Leben nicht viele Leute so wie ich?
 
  • #2
Liebe Zouzou,

für mich klingt dein Text zuallererst wie eine Beichte, als wolltest du dir das alles mal von der Seele schreiben. Und Absolution erhalten.

Ich werd nicht die Moralkeule schwingen, aber wie du lebst kann auch für deine Seele auf Dauer üble Folgen nach sich ziehen, und sei es im nächsten Leben... Ich könnte damit nicht lange leben und in den Spiegel schauen. Ich kenne aus dem weiteren Bekanntenkreis ein Beispiel wo die Frau mit Billigung ihres Mannes fremdgeht. Der Mann weiss immer ganz genau, wann sie bei ihrem Lover ist. Bei ihnen läuft es sexuell auch nicht so doll, und er weigert sich, mal zum Urologen zu gehen...

Realistisch gesehen: Du wirst du Affäre weiterführen und auch bei deinem Mann bleiben, denn es klappt, und sowas gibt man nicht schnell auf, vor allem weil es ja auch schon echt lange läuft. Ganz ehrlich? Arbeite daran, zu akzeptieren, dass du nun so ein Leben führst, zwischen allen Stühlen. Und, JA, es leben viele Leute so wie du, das macht es aber nicht besser, oder? Ich kenne auch noch ein ähnliches Beispiel, da geht die Affäre schon 10 Jahre, kein Ende in Sicht, beide gebunden.

Aber habe ich auch fürchterliche Angst, dass dieses Geheimnis auffliegt, da ich meinen Partner nicht verletzen möchte.

Damit musst du leben, das ist der Preis und das Risiko. No risk no fun.

Mach dich nicht fertig. Pass halt nur auf deine Seele auf, ob das echt tragbar ist. Wo ist eigentlich deine Empathie?

Ich stelle es mir auch für die Partnerin deiner Affäre schmerzhaft vor, Kind ist 1 und da fängt er seine Affäre wieder an. Da würde ich mir an ihrer Stelle, wie in einem Nebenthread, wünschen dass mir jemand reinen Wein einschenkt.

w35
 
  • #3
Habe keinen Mut, keinen Anreiz, keine Kraft etwas zu bewegen.
Hast du schon mal daran gedacht, eine Psychotherapie zu machen?
Ich würde dir das empfehlen. Die Probleme bzw. Ursachen scheinen "tiefer" zu liegen, da werden wir dir hier wenig helfen können.

Eine Hautkrankheit bei deinem Mann, die die Libido beeinträchtigt ... was für eine Hautkrankheit ist das?
Irgendwie denke ich aber, wäre da nicht die Hautkrankheit mit der Folge der mangelnden Sexualität, dann wäre es etwas anderes, was dich in der Beziehung unzufrieden sein ließe ...
Ich will darauf hinaus, dass du dich tief in deinem Inneren vielleicht nicht auf eine rundum glückliche Beziehung einlassen kannst. Deshalb hast du es dir unbewusst so gestaltet, dass du hier die eine Hälfte einer glücklichen Beziehung hast und dort die andere Hälfte.
Das geht in den Themenbereich Bindungsstörung. Du hast dir zwei Männer gesucht, bei denen es für dich sichergestellt ist, dass dich keiner von beiden alleine glücklich machen würde - der eine, weil er nicht KANN, der andere, weil er nicht WILL. So kannst du dir immer selbst einreden, du würdest ja wollen, aber es liegt ja an den Männern. Keiner kann/will dich richtig glücklich machen.

Verstehe es bitte nicht als Vorwurf, es ist nur als Analyse gemeint, was vielleicht die tieferen Gründe sein können. Ich kann dich nämlich gut verstehen, weil ich dieses Gefühl, das du schilderst, selbst kenne.


w54
 
  • #4
Gute Möglichkeit: In den sauren Apfel beißen, Verantwortung für sein Glück übernehmen und sich zu aller erst trennen! Dann vielleicht ein paar Jahre alleine leben, sich selbst finden und was man so will im Leben und dann neu orientieren. Mehr Qualität bei Männern suchen und nicht die große, aufregende Affäre suchen (denn die führt zu nichts). Es ist eben schwer, heutzutage glücklich zu werden und dabei noch aufregenden Sex und Abenteuer zu haben, aber in der jetztigen Konstellation wird es vielleicht nur noch ein paar Jahre gut gehen und dann bricht alles zusammen.
 
  • #5
Hi,

hast Du mal einen Gedanken daran verschwendet, dass Du ermoeglichst dass ein Mann seine Freundin und Mutter seines Kindes! betrügt und ihr und dem Kind dadurch möglicherweise eine unglaublich tiefe Verletzung entsteht. Wenn man jemand sein Vertrauen schenkt und ein Kind, ist das fast das schlimmste was einer Frau passieren kann...

Oder hast Du vor lauter Selbstmitleid nie daran gedacht?

Ich habe offen gestanden eine ziemliche Verachtung für Menschen, die wissentlich in bestehende Ehen oder gar Familien einbrechen.

Ich bin sonst sehr verständnisvoll, aber auch wenn Du Dich hier als armes, verwirrtes Wesen darstellst...Du hast sehr lange sehr destruktiv und illoyal gelebt und tust es noch. Dass es nicht glücklich macht andere Menschen zu verraten, sollte ne BinsenWeisheit sein...

Ich denke die beste Lösung ist Du und Deine Affäre trennt Euch von euren Partnern. Dann haben die die Chance, echte Liebe, Verbundenheit, Ehrlichkeit und Loyalität zu erleben.
Du und Deine Affäre, ihr hättet Euch verdient. Dumm nur dass ihr beide voneinander wisst, dass ihr nicht vertrauenswürdig seid. Wird also schwierig, darauf was aufzubauen...
 
  • #6
Die allermeisten Menschen sind in ihren Lebensverhältnissen "zerrissen". Sie unterscheiden sich nur konkret darin, worin diese Zerissenheit besteht. Affären sind ein Grundbedürfnis, werden aber dennoch als problematisch moralisiert. Andere haben andere Ausflüchte in Form von Süchten, wozu auch Sport gehören kann. Die Leben der Menschen sehen nur von außen heil aus. Tritt man näher, erkennt man überall die jeweiligen Bruchstellen.

Und bei denen, bei denen alles "wohlgeordnet" ist, lastet der Frust und die Unerfülltheit auf ihnen. Ihr Leben verrinnt peu à peu ungelebt wie bei der Sand in einer Sanduhr. Jeden Tag vergeuden sie ein kleines Bisschen ihres Lebens.

Mein Ratschlag ist, keine großen fundamentalen Änderungen anzustreben, sondern in kleinen Schritten Verbesserungen zu realisieren, wenn sich die Chance dazu bietet.
 
  • #7
Ich finde interessant, was Du geschrieben hast zu Deinem Leben, wenn es Dir gut geht und wenn es Dir schlecht geht. Und auch, dass Du in Deiner Eitelkeit gekränkt warst, weil Dein Affärenmann eine eigene Familie gegründet hat, wenn auch eher zufällig.

Was an einem Leben mit Affäre aufregend und geheimnissvoll sein soll, ist noch die Frage. Das klingt auch nach Eitelkeit - die Frau mit dem Ehemann und der Geborgenheit und dem aufregenden heimlichen Sexleben. Aber im Grunde ist doch die Realität eher, was Du geschrieben hast zu Deinen Sorgen damit (Auffliegen) und dass es anstrengend ist. Aufregend und schön fänd ich es, wenn Du eine offene Bez. hättest. Aber so sind es doch nur Lügen, Betrug, Eifersucht und Neid auf die Partnerin Deines Affärenmannes, die vermutlich gar nichts weiß von allem.

Im tiefsten Inneren hoffe ich immer noch, dass ich diese Affäre erhobenen Hauptes beenden kann
Sind solche Gefühle Frage des Stolzes? Hier könnte ich Eitelkeit hineininterpretieren. Du kannst auch leidend wegkriechen, weil es Dir einfach schlimm geht mit der Erkenntnis, diesen Mann niemals als Partner zu haben. Warum auch immer. Vielleicht hätte er Dich ja gewollt als Partnerin, nur Du konntest Dich nicht trennen aus Deiner Ehe. Mitleid mit dem kranken Mann?

Und ich würde so gerne wieder eine vollwertige Beziehung mit meinem richtigen Partner haben
Dann bleibt wohl nur die Ehrlichkeit? Also Bez.öffnen? Oder steht dem ganzen noch was anderes im Weg? Deine innere Zerrissenheit würde ja vielleicht aufgehoben werden, wenn Du alles offenlegen könntest.
Aber da ist noch die Frage, ob das Zitierte wirklich stimmt. Willst Du nicht lieber die Partnerin des Lovers sein?

Ich kann nicht richtig ausmachen, was Du wirklich willst. Die Partnerin des Affärenmannes sein oder mit Deinem Partner eine schöne Beziehung, in der alles ehrlich abgeht. (Wobei das nur erstmal theoretisch ist, denn wer weiß, was er dazu sagen wird)

Wenn Deine Ehe nicht mehr stimmt und Du sie nur noch erhalten willst, damit der Alltag nicht so einsam ist oder die Finanzen nicht weniger werden, musst Du Dir das bewusst machen und daraufhin eine Entscheidung treffen: ob Du zur Ehe stehen willst (keine Lügen mehr) oder ob Du sie beendest und allein bist. Entweder noch als Affäre eines vergebenen Mannes oder das auch nicht mehr.
 
  • #8
Jedoch habe ich schon seit mehreren Jahren, mit Unterbrechungen, eine Affäre mit einem Mann aus meinem langjährigen Freundeskreis.
Das ist nicht gut und kann auch nicht gut sein, du schadest dir und deiner Seele am Meisten! Zeige Rückgrat und beende dies!
Stell dir vor, du bist die Frau deiner Affäre und weißt nicht dass dein Mann langjährig fremd geht oder dein Mann geht langjährig fremd, wie fühlst du dich? Was dich mit recht belastet sind die Lügen auf beiden Seiten, und betrügen auf beiden Seiten, in solcher Haut möcht ich nicht stecken!
 
  • #9
Ich habe offen gestanden eine ziemliche Verachtung für Menschen, die wissentlich in bestehende Ehen oder gar Familien einbrechen.
Ich denke nicht, dass du da den vollen Einblick hast, wie das abgelaufen ist. Sie ist zudem nicht irgendwo eingebrochen. Zum Fremdgehen gehören immer zwei Personen, nicht nur eine.
Dumm nur dass ihr beide voneinander wisst, dass ihr nicht vertrauenswürdig seid.
Sehe ich nicht so, dass die FS nicht vertrauenswürdig wäre. Sie kompensiert die fehlende Sexualität mit einem sozusagen zweiten Partner und ist sicherlich nicht per se eine notorische Fremdgängerin.
Also lass deine Verachtung einfach mal stecken. Die braucht hier keiner.

Zur FS möchte ich sagen, dass dein Handeln nachvollziehbar ist.
Es zeigt, dass du deinen Partner liebst. Du möchtest ihn nicht verletzen.

Das hier ist dein Bedürfnis:
ich würde so gerne wieder eine vollwertige Beziehung mit meinem richtigen Partner haben
 
  • #10
Danke für die mitfühlenden Antworten.
Ihr habt mir wirklich sehr gute Gedankenanstöße gegeben. Zu ein paar möchte ich Stellung nehmen, die mir jetzt gerade durch den Kopf gehen.
Zum einen, ich beabsichtige, eine Therapie zu machen. Schon vor drei Jahren mit einer Psychologen diesbezüglich gesprochen. Sie hat mir damals einen Satz, der mir im Gedächtnis geblieben ist, mit auf den Weg gegeben, "Sie ringen darum, sich selbst sein zu dürfen". Denke auch, dass meine Handlungen durch Gefühle bestimmt werden, die wirklich tiefer liegen, und insofern halte ich eine Therapie auch für notwendig. Denn diese Auf und Abs sind wirklich sehr anstrengend. Mir geht es auch mit meiner Illoyalität nicht gut, keineswegs. Allerdings glaube ich auch nicht, dass ich selbstmitleidig bin. Im Gegenteil. Ich bin oft sehr streng mit mir und versuche, in meinen Leben ansonste keine Fehler zu machen. Das ist natürlich auch sehr anstrengend. Ich könnte mir auch vorstellen, dass meine Geschichte insbesondere Frauen sehr trifft, die selber betrogen wurden und Kinder haben. Natürlich kann ich mich in diese Frau hineinversetzen, aber naturgemäß ist mir das, was mir näher steht, und das tut die Lebensgefährtin meine Affäre nicht, natürlich viel präsenter und wichtiger. Und das ist nun einmal mein Partner und das Leben, dass wir führen. Ich habe auch darüber nachgedacht, wie es wäre, das haben hier mehrere empfohlen, radikale Schlussstriche zu ziehen. Das bringe ich allerdings nicht (derzeit) fertig. Ich glaube, emotional, und ich betone hier auch nicht das Materielle, würden wir uns alle schlechter stellen. Man kann natürlich sagen, Durststrecke und fertig, aber dazu fehlt mir momentan die Kraft und ich habe auch große Furcht vor diesem Schritt. Man sagt ja, manchmal ist das, was man am meisten fürchtet, gerade dass, was befreiend wirken kann, aber in meinem Bauch habe ich das Gefühl, soweit es das einfach noch nicht.
Meistens komme ich auch zu dem Schluss, das wurde mir von der ersten Dame hier in dieser Unterhaltung empfohlen, alles so zu lassen, wie es ist. Auch wenn natürlich die Seele Schaden nimmt. Momentan habe ich keine andere Wahl.
 
  • #11
Wenn ich natürlich verzweifelt bin, und es für Richtige halte, die Affäre zu beenden, habe ich auch deshalb Angst davor, er hat mich nämlich einmal sehr schlecht behandelt. Vor sieben Jahren hatte er eine Freundin, die hatte auch mit mir betrogen. Ich hatte damals gedacht, es könnte wirklich eine Einrichtung sein, der Sex ist "draußen", die Beziehung bei mir bleibt unangetastet. Allerdings hat er sich damals von dieser Freundin getrennt und ging wieder auf Suche. Ich hatte das auch geahnt, aber er hat mich damals ziemlich von oben herab behandelt. Auch ambivalent, ich glaube, er wollte mich nicht ganz aufgeben. Und deshalb bin ich auch auf Abstand gegangen. Und dann passierte die Sache mit der Schwangerschaft, und seitdem leben sie zusammen. Ich habe in dieser Zeit mit ihm eigentlich überhaupt nicht gesprochen, obwohl wir uns hobbybedingt häufig über den Weg laufen. Und ich möchte nie wieder diese Kränkungen erleben. Deshalb habe ich geschrieben, ich möchte mit erhobenem Haupt aus dieser Geschichte heraus gehen. Es ist kindisch, es ist auch eitel, es ist wahrscheinlich auch selbstverliebt, aber irgendwie muss ich mich auch vor diesem Mann schützen. In gewisser Weise bin ich süchtig. Das Thema "Sucht" wurde in den Antworten auch angesprochen, und ich glaube, das trifft es. Ich merke zwar auch, dass er mich sehr scharf findet, mich auch mag, so viel kann ich schon sagen, aber ich hätte auch nie Vertrauen zu ihm. Das möchte ich auch noch sagen, da war ein Beitrag in den Antworten, der etwas gehässig war, was ich auch verstehen kann, natürlich wäre ich die Dumme, und er würde zu mir auch kein Vertrauen haben, insofern wäre so eine Beziehung wirklich schwierig. Und das fasse ich nicht wirklich ins Auge. Allerdings muss ich auch einem weiteren Beitrag Recht geben, ich bin mir wirklich nicht ganz sicher, ob ich nicht diesen Mann im Grunde sehr, sehr gerne als Partner gehabt hätte. Und mich auch wirklich nicht getraut habe, mich aus einer eigenen Beziehungen zu lösen. Das schließe ich nicht aus. Und das wage ich auch nicht zu fragen. Weil ich hätte viel zu große Angst vor einer Abfuhr.
 
  • #12
Liebe Zouzou
Ja, ich kann bestätigen, dass viele Menschen so leben wie du. Allerdings sind das häufig Menschen mit Kindern, die sich um der Familie oder Tradition oder um der Materie willen nicht trennen wollen.
Warum du in deiner Lebenssituation mit einem sexuell inkompatiblen Partner zusammen bleibst, obwohl du bereits in einen anderen Mann verliebt bist, das ist die Frage.
Ich selbst empfinde die Idee lebenslanger Monogamie als ein womöglich zu hoch gestecktes Ideal. Aber wir sind doch im 21. Jahrhundert. Als kinderloses, unverheiratetes Pärchen könnte man über so was doch offen reden, statt sich so heimlich zu verhalten.
Aber habe ich auch fürchterliche Angst, dass dieses Geheimnis auffliegt, da ich meinen Partner nicht verletzen möchte.
Das kaufe ich dir nicht ganz ab. Mein Eindruck ist, dass es hier eher um dich geht und wie du da stehen würdest. Dass du gern bei allen beliebt wärst, keine Konflikte magst und nicht gern als die menschlich-egoistische Frau entlarvt wirst, die du eben nun mal bist. Lieber behältst du die Fassade der zufriedenen Partnerin und der genügsamen Affäre, machst es vordergründig beiden Männern recht und baust Kartenhäuser. Weder gestehst du deinem Mann den Umfang deiner sexuellen Frustration ein, noch gestehst du deiner Affäre deine aufkeimende Verliebtheit und deine Zerrissenheit.
Mein Rat wäre, dich langsam, in kleinen Schritten, darin zu üben, authentisch zu sein. Also zu sagen, was du meinst. Zu zeigen, was du fühlst. Im Einklang zu handeln mit deinen Werten, selbst wenn du hier und da mal aneckst. Allmählich wieder Profil zu zeigen. Und irgendwann wirst du, aus diesem Selbstgefühl heraus, nicht mehr anders können und wollen als etwas zu ändern.
 
  • #13
Meine Einschätzung ist, daß ein Weitermachen wie bisher weiter Kraft zehren wird. Und wenn Du nichts änderst, wird das Leben es irgendwann übernehmen. So wie Du und Ihr lebt, scheint mir das wie ein recht verkrampftes System für alle Seiten. Ich glaube Dir nämlich nicht, daß keiner Deine Affäre spürt.
Frage Dich, ob Du abwarten magst, bis Dir das Universum ungefragt und unvorbereitet den Weg zeigt, oder ob Du Deinen Weg selbst gemäß Deiner Energie gestalten möchtest.
Du hast jeden Moment die Wahl.
 
  • #14
Ich merke zwar auch, dass er mich sehr scharf findet, mich auch mag, so viel kann ich schon sagen, aber ich hätte auch nie Vertrauen zu ihm
Kann es sein, dass er auch Gefallen daran findet, Dich in gewisser Weise zu demütigen? Dann wäre das Scharffinden vielleicht auch darauf bezogen, dass Du a) für ihn einen anderen Mann betrügst (dient sehr der Eitelkeit), b) Dich kränken lässt. Ich kommen drauf wegen:
aber er hat mich damals ziemlich von oben herab behandelt. Auch ambivalent, ich glaube, er wollte mich nicht ganz aufgeben. [...]
ich möchte nie wieder diese Kränkungen erleben.
irgendwie muss ich mich auch vor diesem Mann schützen. In gewisser Weise bin ich süchtig.
Wenn Du Dich selbst nicht gut behandelst, suchst Du vielleicht auch in einem Mann einen Menschen, der nicht gut zu Dir ist.
Vielleicht hat er Dich auch von oben herab behandelt, weil er sich vorher ohne seine Freundin Dir unterlegen fühlte, weil Du Deinen Mann nicht für ihn verlassen hast.

Allerdings muss ich auch einem weiteren Beitrag Recht geben, ich bin mir wirklich nicht ganz sicher, ob ich nicht diesen Mann im Grunde sehr, sehr gerne als Partner gehabt hätte.
Aber dann wärst Du betrogen worden, könnte ich mir vorstellen.

Ich habe auch darüber nachgedacht, wie es wäre, das haben hier mehrere empfohlen, radikale Schlussstriche zu ziehen. Das bringe ich allerdings nicht (derzeit) fertig. Ich glaube, emotional, und ich betone hier auch nicht das Materielle, würden wir uns alle schlechter stellen.
Das wurde ja nun so eingerührt. Also m.E. kann man diese Rechnung nicht aufmachen, ohne die Wurzel zu betrachten: Dass es euch allen schlechter gehen wird, liegt an Dir und dem Affärenmann und eurem Handeln, nicht am Schicksal.
Wenn Du noch nicht bereit bist, bist Du noch nicht bereit. Es liegt ja in Deiner Hand, was passiert. Aber ich denke nicht, dass eine bessere Lösung kommen wird. Es sei denn, ihr vier einigt euch auf offene Beziehungen.
 
  • #15
Vor sieben Jahren hatte er eine Freundin, die hatte auch mit mir betrogen. Ich hatte damals gedacht, es könnte wirklich eine Einrichtung sein, der Sex ist "draußen", die Beziehung bei mir bleibt unangetastet. Allerdings hat er sich damals von dieser Freundin getrennt und ging wieder auf Suche. Ich hatte das auch geahnt, aber er hat mich damals ziemlich von oben herab behandelt. Auch ambivalent, ich glaube, er wollte mich nicht ganz aufgeben. Und deshalb bin ich auch auf Abstand gegangen.
Die Affaire geht ja schon wirklich viele Jahre - also, mehr als sieben Jahre ...
So gesehen, scheint ihr auch eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für einander zu haben. Andererseits ist es ja nicht ungewöhnlich, dass gerade Affairen sehr stabil sind, d.h. sich manchmal über Jahrzehnte oder sogar ein ganzes Leben halten.

Was ich aber aus deinem Text heraus noch nicht so ganz verstehe: Als er sich damals von dieser Freundin getrennt hat, hätte er zu diesem Zeitpunkt dich als offizielle Freundin gewollt? ... und du konntest/ wolltest dich aber nicht von deinem Mann trennen?
Hat er dann weitergesucht und dich von oben herab behandelt, weil er vielleicht auch von dir gekränkt war, dass du ihn nicht wirklich willst?


w54
 
  • #16
Liebe FS,

als deine Affäre Single war, du hast gemeint du hättest es nie angesprochen aus Angst vor einer Abfuhr, aber hat auch er nie angesprochen ob es für Euch ein gemeinsames Leben geben könnte? Was habt ihr für Sternzeichen? Könnte er ein Skorpiongeborener sein? Da ist Anziehung und Sexualität oft groß geschrieben.
Es ist schwierig was zu raten, vielleicht ein Tantraseminar mit deinem Mann? Wieso ist Sexualität gar nicht mehr möglich zwischen deinem Mann und Dir? Möchte er nicht mehr oder du?
 
  • #17
Das ja auch das Dilemma. Ich hatte nie wirklich das Bauchgefühl, dass er in mich verliebt ist. Ich hatte eher das Gefühl, er nimmt mich als lang begehrtes "Zwischenhäppchen" einfach so mit. Auch in der Zeit habe ich Kränkungen erfahren. Er hatte zu dieser Freundin vor sieben Jahren eine On-Off-Beziehung. Die dann auch sehr dramatisch zu Ende ging, die Frau war chronisch eifersüchtig und hat ihm häufig Szenen gemacht. Als hätte sie schon etwas geahnt. Ich glaube allerdings, dass ich wirklich sein einziger "Fehltritt" war während dieser Zeit. Auch glaube ich, dass ich momentan neben der Mutter seines Kindes die einzige Frau bin, zu der er eine Beziehung hat. Ich habe ihn vor sieben Jahren immer noch sehr als Filou empfunden, der eigentlich solider und fürsorglicher geworden ist dadurch, dass er Vater geworden ist. Er hat sich sogar einmal bei mir entschuldigt, weil er mich vor 7 Jahren nicht gut behandelt hatte. Das ist ihm wohl später klar geworden. Ich hätte ihm wirklich aber nicht vertrauen können. Wenn ich mir vorstelle, wir würden alles abbrechen, er sein Leben mit dieser Familie, wo auch viel dran hängt, ich mit meinem Leben, um selber eine eigene Beziehung haben zu können, das wäre, denke ich, einer Katastrophe. Und auf der könnten wir eine reale Beziehung nicht aufbauen. Davon abgesehen fürchte ich nichts mehr, als dass er mir eine Abfuhr gibt. Dann nehme ich lieber den guten Sex mit und das Gefühl, begehrt zu werden.
 
  • #18
Alle eure Beiträge, die ihr geschrieben habt, finde ich, auch wenn sie manchmal etwas schmerzlich sind, sehr gut und sie geben mir sehr gute Denkanstöße. Dafür auch danke. Ich lese aber auch immer wieder mehr heraus, dass es hier auch um die Themen Abgrenzung, Profil zeigen, Selbstwertgefühl geht. Ich glaube, ich mache mich bei meiner Affäre sehr zum Underdog. Und vielleicht nicht nur da.
 
  • #19
Im esoterischen Bereich werde ich, was beide Männer anbelangt, keine Hilfe finden können. Nebenbei bemerkt, die Affäre hat sehr wahrscheinlich Skorpion im Aszendenten. Aber das nur am Rande. ;-) Jedoch das halte ich jetzt nicht für aussagekräftig in meinem Fall. Aber danke für deine mitfühlende Antwort.
 
  • #20
Beim Ehemann wird die Sicherheit und Geborgenheit für Familie, soziale und wirtschaftliche Absicherung geschätzt und deshalb möchte man die Beziehung nicht beenden.
Obwohl der Ehemann Sex noch vollziehen kann, ist dies zu wenig und die Frau unterhält eine Langzeitaffäre zu der auch Gefühle bestehen, weil es auch schon Verletzungen gegeben hat.
Zouzou geht den für sie angenehmsten aber auch den verlogensten Weg. Weil ihr der Sex mit der Affäre so gut tut, profitiert ja natürlich auch der Ehemann davo, na ja, ob der Ehemann das auch so positiv sehen würde. Für sie schade ist, dass es mit der Affäre, die man liebt, keine Beziehung geben wird, weil Ehe + Kind.
Warum konnte man mit dem Partner über die mangelnde Sexualität nicht offen sprechen und gemeinsam Lösungen suchen? Warum musste es gerade dieser Mann sein, mit dem man vermutlich schon vor der Ehe sexuelle Kontakte hatte - anscheinend auch Gefühle da sind, die von seiner Seite zwar für Sex aber nicht für eine Beziehung reichen.
Der Ehemann wird zum Lückenfüller, weil es mit der Affäre beziehungsmäßig nichts geworden ist - wie man mit ihm umgeht - einfach würde los und menschenverachtend.
Wie die Situation ändern? Mit Courage dem Ehemann endlich die volle Wahrheit sagen und sich trennen und dann auf die Reaktion vom anderen warten. Dem Ehemann die ungeschminkte Wahrheit sagen, bleibt der in der Beziehung, auf die Affäre verzichten .
 
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