• #1

Sind meine Freunde und Bekannte - Familie 4.0?

Liebe Foristen,

in Zeiten, in denen die klassischen Familien durch Trennung oder eben schon nicht mehr erfolgter Gründung weniger werden, und auch immer mehr Patchworkkonstellationen in der Gesellschaft entstehen frag ich mich, ob die Familie der Zukunft nicht immer mehr aus Freunden bestehen wird. Familien quasi, die zum Teil aus einer alten Familie plus Freunden in einer Art WG bestehen, oder ein Erwachsener mit fast erwachsenem Kind und dessen Freunde, die dann mehr oder weniger präsent sind? Und ob uns dies nicht quasi auch Chancen der persönlichen Entwicklung bieten kann, die so in einer “herkömmlichen” Familie gar nicht gegeben gewesen wären, da hier oft noch aus falscher Rücksicht und ungesund gelebten Beziehungsmustern, eher ein Stillstand statt Fortschritt möglich ist. Gibt uns das vielleicht auch die Chance, Kinder besser aufwachsen zu lassen, als in reinen Mutter Kind Familien oder eben Familien, wo der Haussegen dauerhaft schief hängt?

m44
 
  • #2
da hier oft noch aus falscher Rücksicht und ungesund gelebten Beziehungsmustern, eher ein Stillstand statt Fortschritt möglich ist. Gibt uns das vielleicht auch die Chance, Kinder besser aufwachsen zu lassen, als in reinen Mutter Kind Familien oder eben Familien, wo der Haussegen dauerhaft schief hängt?
Liebe FS, meinst du dass das in dem, von dir erwähnten Lebensmodell, anders wäre? Ich meine nein. Überall dort, wo Menschen sich aufeinander einlassen, werden diese Probleme auftauchen, die du genannt hast. Die eigene persönliche Entwicklung hängt in erster Linie ganz von dir allein ab. In jedem Misthaufen wirst du die besten Möglichkeiten und Lösungen finden, um zu wachsen. Es ist deine Entscheidung, was du daraus machst.
Die sogenannte Weichspülfreiheit wirst du nicht außerhalb finden, sie findet in dir selbst statt.
 
  • #3
Gibt uns das vielleicht auch die Chance, Kinder besser aufwachsen zu lassen, als in reinen Mutter Kind Familien oder eben Familien, wo der Haussegen dauerhaft schief hängt?
Da bin ich überzeugt, dass esder bessere Welt ist, jedoch nicht der beste Weg ist, der beste Weg ist nach wie vor, wenn die Beziehung der Eltern stimmig ist, leider wird das zu wenig, gleich schon zu Beginn, ins Auge gefasst! Äußere Werte wie Beruf, Status, finanzieller Background etc., stehen bei den meisten Frauen im Vordergrund bei der Partnerwahl, halten jedoch nur eine kurze bestimmte Zeit!
 
  • #4
Hallo Roscoe,

erst einmal ein Grüßle aus dem Schwabenländle...du bist ja auch von hier, gell?

Also ich kann dem nur zustimmen. Es gibt viele Menschen, die kaum noch Kontakt zur Ursprungsfamilie haben oder auch keine Geschwister haben oder auch keine Eltern. Freundschaften werden in der heutigen Zeit immer wichtiger und hier sollte jeder schon ein bisschen weiter denken. Es ist ja jetzt auch schon Thema in den Medien, dass viele ältere Menschen vereinsamen, weil sie eben kaum soziale Kontakte haben oder aufgrund ihrer Einschränkung nicht mehr aus dem Haus kommen. Neulich habe ich jedoch einen tollen Bericht gelesen über ein Mehrgenerationenhaus (ich wäre selbst für solch ein Modell, wenn ich älter bin und keine Kinder haben werde). Dort leben in verschiedenen Wohnungen Menschen unterschiedlichen Alters. Man hilft sich gegenseitig, ältere passen als Ersatzoma/opa auf die Kinder einer AE Mutter auf und umgekehrt läd die AE Mutter diese älteren auf einen Kaffee ein oder unterstützt im Haushalt. Das Modell finde ich klasse, weil man das Gefühl bekommt, man ist in einer Gemeinschaft. Jeder lebt in seiner Wohnung und hat Rückzug, kann aber auch schnell unter Leute kommen.

Ich habe das früher schon gemocht im Studentenwohnheim zu Komillitonen aufs Zimmer und ein Käffchen trinken, plaudern oder nen Film schauen. Mein Bedürfnis nach Austausch war irgendwann erfüllt und so bin ich wieder ein Stockwerk tiefer in mein Zimmerchen :)

Freunde sind für mich sehr wichtig und die kann man sich zumindest auch aussuchen. Bei der Verwandschaft kannst das eben nicht. Menschen die mich inspirieren, auch nach persönlicher Weiterentwicklung streben wie ich sind mir willkommmen. Dagegen habe ich solche in meinem Verwandschaftskreis nicht.
 
  • #5
Da bin ich überzeugt, dass esder bessere Welt ist, jedoch nicht der beste Weg ist, der beste Weg ist nach wie vor, wenn die Beziehung der Eltern stimmig ist, leider wird das zu wenig, gleich schon zu Beginn, ins Auge gefasst! Äußere Werte wie Beruf, Status, finanzieller Background etc., stehen bei den meisten Frauen im Vordergrund bei der Partnerwahl, halten jedoch nur eine kurze bestimmte Zeit!

Dein Frauenbashing wird immer abstruser! Kein Mann wird gezwungen, eine Frau zu haben oder Kinder.
Bleib doch einfach alleine und fertig!

Zur FS:
JA, Ich denke dass dies die Zukunft ist und finde es gut. Freunde und Partner kann man sich aussuchen, die Herkunftsfamilie nicht. Daher kann man Freunde und Partner verlassen wenn sie einem nicht gut tun und das ist gut so!
Vergiss nicht, viele Ehen haben nur gehalten weil sie mussten, mit Liebe hat das wenig zu tun, es war die Abhängigkeit die nun Gott sei dank endlich langsam abgeschafft wird.
Mir tat die letzte Generation noch leid und finde dass es uns viel besser geht da man nur zusammen bleiben muss wenn man will und nicht weil man nichts anders kann!
 
  • #6
ich wäre selbst für solch ein Modell, wenn ich älter bin und keine Kinder haben werde)
Aha, da sollen jüngere Deine Lücken stopfen. Darum ist dieses Modell auch nicht so sonderlich erfolgreich.
in Zeiten, in denen die klassischen Familien durch Trennung oder eben schon nicht mehr erfolgter Gründung weniger werden, und auch immer mehr Patchworkkonstellationen in der Gesellschaft entstehen frag ich mich, ob die Familie der Zukunft nicht immer mehr aus Freunden bestehen wird
Warum siehst Du das so eng? Es gab auch früher keine klassische Familie, wie kommst Du darauf? Es gibt eine Nachfolge: Eltern und ihre Kinder, die engste Bindung überhaupt. Das ist nichts neues. Deine Familie der Zukunft hat es schon vor tausenden Jahren gegeben.
 
  • #7
Nicht nur Beziehungen sind unbeständiger geworden, sondern auch Freunde falscher und intriganter!
Meinst du wirklich, in heutiger Zeit so loyale Freunde zu haben, die dich in deinen Träumen bestärken? Oder sind das nicht eher Leute, die an deinem Lebenswerk zweifeln und die Blockieren, wenn du eine gute Idee hast?

Du sprichst von deiner Generation, aber wenn ich mir heutige 20 bis 30-jährige anschaue, dann stehen die wieder ganz klar auf ein traditionelles Familienbild, weil "wir alten" ihnen sowas nicht vorgelebt haben.
 
  • #8
Das ist mal ein wirklich interessantes Thema. Ich bin der Mdeinung, Blut ist (meistens) dicker als Wasser. Wie ich darauf komme? Ganz einfach. Mein Vater lebt seit vier Jahren (schwerstpflegebedürftig ) in einem Altenheim. Meine Mutter wohnt in der Nähe und besucht ihn einmal am Tag. Wir vier Kinder leben alle weiter weg und besuchen ihn, wenn wir auch unsere Mutter besuchen, so ca. einmal im Monat.
Genauso oder ähnlich sieht es bei den übrigen Heimbewohnern aus. Diejenigen, die sich kümmern, sind die Angehörigen, die Ehefrau/der Ehemann (wenn sie noch rüstig genug sind), die Kinder, Nichten und Neffen, Enkelkinder.
Freunde? Kann man vergessen. Entweder sind sie schon tot. Wenn nicht, sind sie selbst schon alt, nicht mehr mobil oder haben andere Verpflichtungen.
Und deutlich jüngere Freunde müssen halt noch arbeiten und haben nach einem anstrengenden Alltag auch anderes im Sinn.
 
  • #9
Und ob uns dies nicht quasi auch Chancen der persönlichen Entwicklung bieten kann, die so in einer “herkömmlichen” Familie gar nicht gegeben gewesen wären, da hier oft noch aus falscher Rücksicht und ungesund gelebten Beziehungsmustern....
Kann sein, kann aber auch nicht. Wenn Du in einer WG mit Freunden leben willst, wirst Du genauso Rücksicht nehmen müssen, sonst klappt das Miteinander nicht. Es gilt das Gleiche wie in der Familie: gute Sozialkompetenz, genug Geld und ausreichend Raum für alle erhöht die Chance, dass es gut läuft.
Anders als in der Familie kannst Du Dich trennen, wenn ein toxisches Mitglied in Deine Familie 4.0 kommt. Kann aber auch sein, dass die Familie 4.0 sich von Dir trennt, weil sie mit dem für Dich toxischen Mitglied gut auskommt. D.h. Du musst Dir Familie 5.0 basteln.

M.E. liegt Deine Fehleinschätzung darin, dass Du Familie immer noch aus der Perspektive des abhängigen Kindes siehst. Du bist aber ein erwachsener Mann und kannst Kontakte zu Familienmitgliedern abbrechen, die Dir nicht guttun und zu denen behalten, die passen. Das habe ich gemacht und fahre gut damit.

Wenn Familie gut läuft, ist sie m.E. im Vorteil gegenüber Freunden. Man kennt sich einfach länger und besser, hat die Entwicklung mitbekommen etc. Trotzdem habe ich einige sehr gute Freunde und pflege die Kontakte seit Jahrzehnten auch über Distanz.
Hätte ich nicht geheiratet, dann würde ich zukunftig mit 3 Freundinnen in einer WG leben. Das war in meiner Singlezeit (eigene Wohnung) immer meine Ersatzfamilie am WE und wird nun mein 2. Wohnsitz. Ich halte es für eine Ausnahme, Leute mit so einer Passung zu finden - alle aus großen Familien und daher anpassungsfähig.

Ich bin sehr verwundert darüber, dass verheiratet zu sein, eine ganz andere Verbindung schafft, als mit dem gleichen Mann verpartnert zu sein - Familie eben.

Gibt uns das vielleicht auch die Chance, Kinder besser aufwachsen zu lassen, als in reinen Mutter Kind Familien oder eben Familien, wo der Haussegen dauerhaft schief hängt?
Es gibt ein afrikanisches Sprichwort "es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind aufzuziehen" - ist sicherlich was dran und unter bestimmten Bedingungen auch entlastend für die Eltern.

Die Frage ist, ob unsere gesellschaftlichen Rahmenbedingungen dazu passen. Die 68er haben sich ja an derartigen Sozialexperimenten versucht und sind kläglich gescheitert, wenn man die späteren Berichte der damaligen Kinder liest.
Wenn alle verantwortlich sind, ist es wenn es drauf ankommt eher keiner - meine Erfahrung.

Die Tonalität Deiner Beiträge hat sich in letzter Zeit geändert. Klingt so, als wolltest Du irgendwo ins warme Nest schlüpfen.

Mehrgenerationenhaus (ich wäre selbst für solch ein Modell, wenn ich älter bin und keine Kinder haben werde).
Und genau so funktioniert Mehrgenerationenhaus nicht.
 
  • #10
Kann klappen, muss nicht.
Es hängt sicher von den Interessen und den Verpflichtungen ab, die alle Seiten akzeptieren müssen.
Not schweisst zusammen.
Seit dem 1.10.2018 ist eine Freundin zu mir gezogen. Sie hat keine Kinder und einen Hund. Ich habe 2 Kinder und ein freies Zimmer.
Die Wohnung ist so gross, dass es für alle ein Zimmer gibt und eine grosse Wohnküche. Die Kinder lieben den Hund und gehen mit ihm Gassi. Ich kann länger arbeiten, wir arrangieren uns.
Wir mögen uns und betrachten es als WIN WIN Situation.
2 Frauen, 2 Kinder, 1 Hund. Grosse Wohnung, gleiche Interessen, gleiche Weltanschauung, sehr angenehm.
 
  • #11
E. liegt Deine Fehleinschätzung darin, dass Du Familie immer noch aus der Perspektive des abhängigen Kindes siehst. Du bist aber ein erwachsener Mann und kannst Kontakte zu Familienmitgliedern abbrechen, die Dir nicht guttun und zu denen behalten, die passen. Das habe ich gemacht und fahre gut damit.
Kann man das wirklich immer? Ein Kind kann es nicht, das stimmt. Aber auch ein Erwachsener kann sich nicht immer von allen Familienmitgliedern lossagen die Ihm grad nicht passen. Das geht bei Familie im weiteren Sinn schon eher.
Aber ich wollte ja mit meinem Beitrag auch nicht gegen die Familie im herkömmlichen Sinn sprechen, sondern mal sehen, wie die Meinungen hier so dind.
Wenn Familie gut läuft, ist sie m.E. im Vorteil gegenüber Freunden. Man kennt sich einfach länger und besser, hat die Entwicklung mitbekommen
das ist ein Vorteil, ganz klar
Ich bin sehr verwundert darüber, dass verheiratet zu sein, eine ganz andere Verbindung schafft, als mit dem gleichen Mann verpartnert zu sein - Familie eben.
schafft es nicht zwangsläufig. Auch ein Partner kann dieselbe Verbindung erreichen - da ist die Ehe nicht notwendig.
Die Tonalität Deiner Beiträge hat sich in letzter Zeit geändert. Klingt so, als wolltest Du irgendwo ins warme Nest schlüpfen.
Ist ja interessant - in wie fern hat sich diese geändert? Ich bin halt auch bereit in Situationen dazuzulernen. Aber nein, ein warmes Nest biete ich mir selbst. Ich muss und möchte nicht nur das ich irgendwo unterkomme, hineinschlüpfen. Das muss mit der richtigen Person schon wachsen.
 
  • #12
Ich bin sehr verwundert darüber, dass verheiratet zu sein, eine ganz andere Verbindung schafft, als mit dem gleichen Mann verpartnert zu sein - Familie eben.
Das ist einer der Gründe, warum Menschen heiraten, und auch der beste.

Menschen sind soziale Wesen, es braucht ein Netzwerk.
Schön, wenn man Familie hat, weil es nochmal eine andere Bindung ist.
Der Bruder ist eben der Bruder, und nicht ein Freund.
Meine Kinder werden mir immer wichtig, verbunden bleiben (hoffe ich).
Es ist auch kein besonders gutes Gefühl, zu sagen, man hat keine Familie.

Freundschaften können sich wandeln sind aber auch wichtig auf einer anderen Basis, toll, wenn sich eine ähnliche Verbundenheit entwickelt.

Was aber alle Bindungen / Beziehungen brauchen, ist Zeit, Pflege und Achtsamkeit. Selbstverständlich ist nichts.
 
  • #13
Blut ist dicker als Wasser.
Heute in unserem sozial sehr abgesicherten Staatssystem kann es mit Freunden funktionieren, aber nicht besser und nicht unbedingt schlechter als Familie, das kommt immer auf deine Herkunftsvariablen und deine Umgänglichkeit an.
Es gibt immer noch Menschen, die in stabilen Verhältnissen groß werden, und ich merke immer mehr, wie viel das wert ist, das hielt ich früher für selbstverständlich. Ich würde sehr sehr viel tun, um meinen Kindern Patchwork oder Aufwachsen in einer WG zu ersparen und eher in meine Beziehung zu ihrem Vater arbeiten (solange er nicht z.B. Alkoholismus entwickelt wie im Nachbarthread). Aber ich glaube auch, dass wenn man das nicht selbst zu Hause erlebte, es sehr schwierig ist, seinen Kindern Stabilität zu bieten - nicht unmöglich.
Aber: Wie gesagt Blut ist dicker als Wasser. Roscoe, glaubst du, deine Freunde würden auf einen guten Job in einer anderen Stadt dir und deinen Kindern oder dir als alte Frau verzichten? Vom Partner erwarte ich das bis zu einem gewissen Punkt. Freunde fasst man - nach meiner Erfahrung - grundsätzlich mehr mit Samthandschuhen an, in der Familie darf man ehrlicher sein, ohne zu riskieren, sie zu verlieren. Und in der Familie kann man oft wirklich Mist bauen, trotzdem hält man zusammen. Freunde wählt man freiwillig, genauso kann man sie wenn auch unter Schmerzen loswerden, wenn man sehr stark enttäuscht wurde.
Ich verweise gern auf das Stichwort "Evolutionsbiologie" - dass früher z.b. bei Hungersnöten auch unbewusst rational entschieden wurde innerhalb der Familie, also da bin ich nicht blauäugig. Eltern wurden vom Hof gejagt, wenn sie ausgedient hatten. Aber zu jenen Zeiten hätte man Freunden sicher noch viel weniger geholfen.
Ein Letztes: Du bist glaube ich noch recht jung. Was mit dem Sozialstaat und somit freundschaftlichen WGs passiert in vielleicht 40-50 Jahren, kann keiner wissen, aber ich würde mich nicht so sehr auf Freunde verlassen, dass ich abhängig wäre von ihnen. Cave.
 
  • #14
Nachtrag: Roscoe, wie siehst du denn Freundschaften in Großstädten, sind sie deiner Meinung nach zuverlässig und stabil? Ich bin da sehr konservativ, ich hätte Angst, dass das Geben und Nehmen im Alter schwieriger wird. Solange ich fit bin, brauche ich ja niemanden zur Unterstützung, sondern "nur
 
  • #15
Aber auch ein Erwachsener kann sich nicht immer von allen Familienmitgliedern lossagen die Ihm grad nicht passen.
Guten Morgen,

da gehe ich mit dir, aber auf der anderen Seite birgt es Chancen. Ich bin sowieso der Meinung, dass es nicht immer von Vorteil ist, sich gleich zu trennen, wenn es ungemütlich wird. Das ist heute aber der Trend, klemmt es irgendwo, seilt man sich ab. Folge, wenig Substanz, wenn das Leben wirklich hart spielt. Nicht umsonst bildet sich in Krisen- und Notzeiten, Krieg u.ä., der beste Zusammenhalt. Da wird der Feind zum Freund, weil man in einem Boot sitzt.
Unsere deformierte Gesellschaft suggeriert uns Selbstbestimmung, Freiheit, Weiterentwicklung und damit eine ichbezogene Vereinzellung mit immer schwächeren Sozialkompetenzen. Wir sollten begreifen, dass Freiheit im WIR liegt.
Im Nachbarthread wird das auch sehr deutlich, der arme Mann, der an Hof, Familie und Grundgütiger, auch noch Eltern, gebunden ist, und sich nie leben konnte. In welchem Umfange er selbst partizipiert hat, wird gar nicht erst erörtert, sondern gleich negativ formuliert.
WG's, Mehrgenerationsmodelle etc. funktionieren auch nicht besser, im Gegenteil, so meine Erfahrung. Wir werden unsere Intelligenz in eine ganz andere Richtung hin ausrichten müssen, nämlich dahin, an unseren Werten, sozialen Kompetenzen u.ä., zu basteln, statt an neuen Beziehungskonstrukten. Wir können noch so viele *S* aneinanderreihen, die hier im Forum ja auch immer mehr werden, *teilen* heißt das Zauberwort. Man teilt und bedankt sich im Sekundentakt fürs teilen bei FB. Für mich krank, warum macht man das nicht im realen Leben, eben, weil schon ziemlich deformiert.
 
  • #16
Nicht nur Beziehungen sind unbeständiger geworden, sondern auch Freunde falscher und intriganter!
Meinst du wirklich, in heutiger Zeit so loyale Freunde zu haben, die dich in deinen Träumen bestärken? Oder sind das nicht eher Leute, die an deinem Lebenswerk zweifeln und die Blockieren, wenn du eine gute Idee hast?

Du sprichst von deiner Generation, aber wenn ich mir heutige 20 bis 30-jährige anschaue, dann stehen die wieder ganz klar auf ein traditionelles Familienbild, weil "wir alten" ihnen sowas nicht vorgelebt haben.
Oft ist das Sozialverhalten anderer Menschen einem ggü., ein Spiegelbild des eigenen Verhaltens. Ich meine wer selbst oft Gift versprüht bekommt ähnliches zurück.

Ja @Hammel Blut ist dicker als Wasser aber keineswegs nur im positiven Sinn. Es ergeben sich daraus theoretische Verpflichtungen. Ich habe es aber schon selbst erlebt, dass einem in der Not manchmal lose Bekannte stärker als einige Familienangehörige beistehen.

Allerdings ist eine funktionierende Familie in Krisen ein herausragender Ankerpunkt. Noch wichtiger dabei als die Herkunftstfamilie ist dabei die Gründung einer eigenen Familie. Wer es für wichtiger hält sich durch Kompromisslosigkeit dauerhaft für ein glückliches Singleleben zu entscheiden hat es später schwerer als Jemand mit einigen Kindern und ggf. Enkeln, wenn er dann ein gutes Verhältnis zu diesen hat.

Fremde können dies nicht kompensieren. Genauso wenig wie ein kommerzieller Kuschelworkshop kuscheln mit einem geliebten Menschen ersetzen kann.

Wirklich gute Freunde sind dann aber kaum unterscheidbar zu wohlgesonnenen Verwandten.

Vielleicht kann man es als Pech ansehen wenn man irgendwann doch allein ist, weil alle nahen Menschen vor einem selbst gestorben sind. Mit Kindern und Enkeln sinkt dieses Risiko aber nur wenn man liebt und geliebt wird.
 
  • #17
Roscoe, glaubst du, deine Freunde würden auf einen guten Job in einer anderen Stadt dir und deinen Kindern oder dir als alte Frau verzichten?
Bis zu einem gewissen Punkt glaube ich das, ja allerdings kann man das nie sicher sagen, da geb ich Dir recht. Es war ja wie gesagt nur meine Frage ob ihr glaubt das diese Lebensform plausibel ist. Ich denke, sie ist es mit der richtigen Mischung schon. Und sicher, eine Famile hält mehr aus, aber das tun gute Freunde auch.
Ein Letztes: Du bist glaube ich noch recht jung. Was mit dem Sozialstaat und somit freundschaftlichen WGs passiert in vielleicht 40-50 Jahren, kann keiner wissen, aber ich würde mich nicht so sehr auf Freunde verlassen, dass ich abhängig wäre von ihnen. Cave.
na so jung bin ich auch nicht mehr, aber ich bin guter Dinge das, wenn der Sozialstaat abnehmen sollte, eben Freunde und Familie dann da sind.
Nachtrag: Roscoe, wie siehst du denn Freundschaften in Großstädten, sind sie deiner Meinung nach zuverlässig und stabil? Ich
wenn man sie gut pflegt, dann sind sie stabil. Da bin ich mir sicher. Da würde ich mich im Alter dann auch drauf verlassen.
 
  • #18
Meinung, dass es nicht immer von Vorteil ist, sich gleich zu trennen, wenn es ungemütlich wird. Das ist heute aber der Trend, klemmt es irgendwo, seilt man sich ab. Folge, wenig Substanz, wenn das Leben wirklich hart spielt. Nicht umsonst bildet sich in Krisen- und Not
Das ist leider oft so ja. Aber vielleicht birgt diese Lebensform die Chance zur echten Weiterentwicklung und dies eben auch im sozialen Bereich. Denn dann hätte diese Form der Familie echt einen Gewinn. Durch gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis ein gemeinsames miteinander aufbauen, das dann auch für das gesellschaftliche Verhalten von Vorteil ist.
 
  • #19
Aber auch ein Erwachsener kann sich nicht immer von allen Familienmitgliedern lossagen die Ihm grad nicht passen. Das geht bei Familie im weiteren Sinn schon eher.
So geht das natürlich nicht.
Wenn Oma dir sagt, dass du mal den Rasen mähen sollst, sagst du dich los, weil es dir gerade nicht passt - duftet dann ihr Apfelkuchen, ist Oma wieder in. Oder wie stellst du dir das vor?
Mit der Einstellung gibst du auch keinen verlässlichen Freund ab.
Ich persönlich sehe eine Mischform - die Familie als solche wird individuell um gute Freunde erweitert. Macht auch Sinn, da kaum jemand noch mehr als 3 Geschwister hat.
 
  • #20
Dort leben in verschiedenen Wohnungen Menschen unterschiedlichen Alters. Man hilft sich gegenseitig, ältere passen als Ersatzoma/opa auf die Kinder einer AE Mutter auf und umgekehrt läd die AE Mutter diese älteren auf einen Kaffee ein oder unterstützt im Haushalt.
Ich sehe das schon anders als eine Familie, weil ich denke, dass man in einer Familie eher in schwierigen Zeiten zusammenhält. Ich würde z. B. meine Mutter unterstützen, auch wenn sie in ihrer Kinderbetreuungsfunktion wegen Krankheit etc. ausfallen würde.
Wenn ich jedoch AE wäre und eine fremde Ersatzoma sich wegen Krankheit nicht um meine Kinder kümmern würde, würde ich mich in meiner Freizeit lieber von meinem anstrengenden Job erholen und Zeit mit meinen Kindern verbringen, als mich ehrenamtlich um diese zugeteilte Ersatzoma zu kümmern.
 
  • #21
Auch ein Partner kann dieselbe Verbindung erreichen - da ist die Ehe nicht notwendig.
Das zwischen guter Partnerschaft und guter Ehe kein Unterschied ist, sagen nur diejenigen, die keine gute Ehe führen. Jeder andere sagt, dass die Ehe einen Unterschied macht.

Ich war mit meiner Partnerschaft vor der Heirat hochgradig zufrieden und habe nicht gedacht, dass sich durch die Ehe was ändert (darum habe ich geheiratet) - hat es aber. Es ist ein anderer WIR-Begriff, nicht nur innerhalb der 2-er Beziehung sondern auch von aussen.
Keiner guckt misstrauisch, ob ich auf seine Kosten lebe sondern jeder geht davon aus, dass ich die Familieninteressen vertrete und sorgfältig mit unserem Besitz umgehe.

Ich habe mich immer gut mit seinen Schwestern verstanden, auf dem Weg zu Best friends forever. Seit der Heirat sind sie wie diejenigen meiner Schwestern mit denen ich mich verstehe.
Ich gehöre zur Familie, habe ihre Haustuerschluessel, es wird jetzt schon gesagt, dass ich als "Rentnerin" zukünftig bei ihnen die Handwerker beaufsichtigen kann.
Weil mein Mann ohne mich in Urlaub gefahren ist und ich als Einzige Zeit hatte, habe ich mit der Schwiegermutter Seniorenresidenzen angeguckt. Als Schwiegertochter hat sie die Erwartung, dass ich den Familiensinn lebe, d.h. ich Familienentscheidungen treffe ala "der Schwiegermutter muss es gut gehen, damit es der ganzen Familie gut geht". In der Rolle der Partnerin hätte sie sicherlich abgewartet bis eines ihrer Kinder Zeit gehabt hätte, statt mir zu vertrauen.

Übrigens gehen auch seine Freunde anders mit mir um seit wir verheiratet sind. Wo früher ein "ich ruf' später noch mal an" kam, heißt es jetzt "was meint ihr dazu ...." als Ehefrau eben ins Leben anders integriert in gemeinsame Planungen.

Ich bin ebenfalls davon überzeugt, dass ich meine erste Ehe als Partnerschaft 15 Jahre früher beendet hatte, weil geringere gemeinsame Verantwortung. In dem Fall wäre das auch besser gewesen - für mich, nicht für ihn.

Insofern glaube ich nicht daran, dass Freunde, erst recht nicht Bekannte Familue 4.0 sind.
 
  • #22
Ich müsste erstmal für mich klären, was Chancen zur Entwicklung sind. Ich denke, das sind die Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen, die nicht so grauenhaft sind, dass man sofort denkt "renn weg", und ich seh da auch ne Grenze, was einer ertragen kann. Also wo einer zwar Toleranz lernen könnte, aber eben doch nicht kann.
Die "schreckliche Familie" wiederholt sich öfter mal in Freundschaften und Partnerschaften. Dass man von Menschen umgeben ist, die einem nicht guttun, liegt dann zwar am Selbstgewählten, aber das Problem ist kein anderes geworden. Allerdings geben neue Menschen auch neue Impulse, die die Familie nicht geben kann. Also das, was in der Familie glatt lief oder gar nicht als Problem auftauchte, aber auch nicht entwickelt wurde als innere Stärke, kann durch neue Menschen im Leben auf einmal sichtbar werden. Ebenso auch, dass man merkt, dass man gar nicht falsch ist in manchem Bereich, und dieses Gefühl aber hatte, weil die Familie mit diesen Eigenschaften nicht umgehen konnte und auch keine Toleranz dafür meinte entwickeln zu müssen, weil es das Kind war und man es eben von seinem unpassenden Verhalten "wegerziehen" meinte zu können.

Das gilt auch, wenn man selbst der Erwachsene mit Kind ist.

Wer in der Lage ist, gute Beziehungen aufzubauen, kann sowohl gute Partnerschaften haben als auch gute Freundschaften, denke ich.
Was Du Dir in Deinem Eingangspost vorstellst, habe ich aber nicht 100% verstanden, glaub ich. Denn alte Familie und Freunde - haben die nicht auch ne alte Familie? Also wie auch jetzt im Konventionellen schon: Leute mitohne Bez. mitohne Kinder sind mehr oder weniger befreundet mit anderen Leuten mitohne Bez. mitohne Kindern.
Ich muss und möchte nicht nur das ich irgendwo unterkomme, hineinschlüpfen. Das muss mit der richtigen Person schon wachsen.
Also entweder mit Partner oder Freund. Die Probleme, die das Zusammenleben betrifft, sind dieselben, würde ich sagen. Außer man hat seine eigenen Wohnungen und ekelt sich nicht vorm anderen, dass man nie dort eingeladen werden will. Die Probleme des Zwischenmenschlichen sind unterm Strich auch dieselben: Man wünscht sich ein gewisses umeinander Kümmern. Eine Freundschaft eben. Dazu braucht man wie bei der Partnerschaft den richtigen Menschen, der zu finden ist. Hinzu kommt das Problem, dass nicht jeder Mensch was mit Freundschaften am Hut hat und die Freundschaft nur als Notding nimmt, bis ihm doch endlich die große Liebe begegnet.

Ich weiß nicht, wie viele Menschen wirklich einen Freund gefunden haben, der wie ein Familienmitglied agiert. Der muss mE ähnlich wenig echte Familie haben wie der andere. Wenn einer eine Familie aufbauen will aus Freunden und Bekannten, müssten das auch Leute sein, die das wollen. Ich kenne nur Leute, die sich auf Paarbez. und Kinder konzentrieren und für Freunde nur Kaffeetassenzeit und vielleicht gemeinsame Sportzeit haben.
 
  • #23
@Vikky,

Danke Dir, dass Du, gerade weil Du ja hier als nüchtern, sachlich fern aller Schönfärberei, wahrgenommen wirst, so wunderbar erklärst, was der Unterschied zwischen Partnerschaft und Ehe sein kann.Wenn man denn nicht aus anderen Gründen heiratet. Euer Ja zu einander.
Und gerade bei Dir sieht man dann auch , was Familie sein kann, und ich denke, zum Glück gibt es dies auch weiterhin.
Dir ganz herzliche Glückwünsche, und Daumendrücken, dass es bleibt. (Übrigens, wir Südländer hier sind so, dass wenn wir mal jemanden akzeptieren und mögen, als dazugehörig klassifizieren, dann ist es so. Auch wenn es ein Fischkopp ist :), den man vielleicht irgendwann sogar zur Begrüßung mal drücken darf ...)

Es wird immer alles geben, Familie, Freunde, Bekannte - und je nachdem, stärkere Bindungen und schwächere.
Jeder mag es für sich selbst auch anders.

Mir persönlich ist es wichtig, dass ich hier ein soziales Netzwerk aufbaue, Freundschaften aufbaue, pflege.
Und nachdem meine Familie kaum existent ist, aber auch früher eher eine schlechte Karrikatur war, versuche ich jetzt, den Grundstein zu legen mit meinen Kindern. Irgendwo gibt es ja mal einen Anfang. Wäre mir sehr wichtig, dass hier Familie entsteht und sich erhält.
Und ich sehe, wie hier im Umfeld Familie laufen kann über die Generationen hinweg.
Schön.
 
  • #24
Und ich sehe, wie hier im Umfeld Familie laufen kann über die Generationen hinweg.

Guten Morgen,

ohne eigenes Engagement wird das kaum möglich sein, ebenso die Fähigkeit, sich der Tonart im Umgang miteinander, anpassen zu können und dass nicht nur am Anfang, sondern durchgehend. Eben gerade auch dann, wenn einem dies und jenes nicht passt. Solange der Honigmond am Himmel scheint, ist alles gut, aber wenn mal nicht, wie gibt man sich dann eventuell, genauso schroff, wie hier im Forum? Da sind Probleme vorprogrammiert, denn richtig lernt man sich erst im Alltag kennen, wo jegliches Blendwerk mit der Zeit wegfällt. Am Anfang kehrt jeder Besen gut....

Oft lese ich hier, wie die engsten Mitglieder Vater, Mutter etc.pp., mit Vorurteilen abgewatscht werden, sie nur bestimmend und vereinnahmend dargestellt werden. Ich bezweifel, dass es bestimmten Charaktären überhaupt gelingen kann, sich in Familienkonstrukten einfügen zu können, erst recht in fremden.
Man kann sich leider nicht davon frei machen, sein Ego etwas kleinwüchsiger aufzustellen, auch wenn es schon jahrelang einzementiert vor sich hergetragen wird.

Das ist das Bild was sich ja in der Gesellschaft zeichnet, Vater, Mutter, Oma werden in die Rolle eines unmündigen Kindes gedrängt, instrumentalisiert und wie Schachfiguren hin- und hergeschoben. Gerne nimmt man ihre Dienste in Anspruch, sie haben jedoch wenig Wert, weil selbstverständlich.
Erst wenn man sein Ego aus Beziehungen jeglicher Form rausnimmt, können Beziehungsstrukturen jeglicher Art funktionieren und das nachhaltig und aufbauend. Davon sind wir weit entfernt, im Gegenteil, ich sehe es als ständig wachsendes Monstrum, was jegliche Form von Herzensbildung, Wärme, Mitgefühl, immer mehr im Keim erstickt. Auf uninteressanten Nebenschauplätzen, wird dieses eventuell noch ausgelebt, weil es da für das Ego Beifall gibt.

@Tom hat es mit einem ganz kurzen Beispiel anhand der kuchenbackenden Oma sehr gut auf den Punkt gebracht.
Nehmen, geben, teilen, dazu gehört eine ganze Menge emotionale Intelligenz.
 
  • #25
Der große Unterscheid zwischen Familie und Freunde ist jedoch, dass man sich die Freunde aussuchen kann. Bei den Familienmitgliedern ist dies jedoch nicht der Fall, Da hat man vielleicht den einen oder anderen, denn man nicht ausstehen kann. Dies trifft auch auf die Arbeitskollegen zu. Hier bekommt man ja auch Arbeitskollegen, die man nicht so mag. Bei Freunden ist dies halt ganz anders. Wenn man den einen oder anderen nicht mehr mag, dann ist er auch kein Freund mehr.

Mit sind Freunde wichtiger als die Familie, aber vielleicht habe ich auch so schreckliche Familienmitglieder und eventuell denken die ja genauso über mich.