G

Gast

Gast
  • #1

Sind Scheidungskinder bindungsunfähig?

Ich habe seit einem Jahr einen Freund. Wir verstehen uns sehr gut und ich mag ihn sehr. Aber ich habe festgestellt, dass er neben dem sehr freundlichen, humorvollen Wesen auch eine sehr negatvie Seite hat. Ich habe festgestellt, dass er tief im innersten eine sehr frauenfeindliche Einstellung hat. Eigentlich ist er sehr charmant, aber mir fiel von Anfang an auf, dass er bei aller Nähe auch immer eine gewisse Distanz gewahrt hat. Wenn wir uns sehr nahe gekommen sind, hat er sich anschließend eher wieder zurückgezogen. Ich habe nun schon darüber nachgedacht und das auch angesprochen, ob wir nicht zusammen ziehen wollen. Beim letzten Mal ist er richtig wütend geworden und dann hatten wir ein langes Gespräch. Er meinte er wolle alleine leben und auch nie heiraten, man könne sich noch so sehr lieben, am Ende gehe das dann doch in die Brüche. Er hat mir dann von der Scheidung seiner Eltern erzählt. Er hat gesagt, er werde sich nie in die Abhängigkeit von einer Frau begeben und zulassen, dass er so kaputt gemacht wird, wie seine Mutter seinen Vater kaputt gemacht hätte. Ich bin über diese Wendung sehr unglücklich und frage mich, ob man da etwas heilen kann?

w29
 
G

Gast

Gast
  • #2
Ich denke, das ist kein spezifisches Problem von Scheidungskindern, sondern generell von Erwachsenen, die ein zerrüttetes Elternhaus hatten (eine Nicht-Scheidung ist da keine Qualitätsgarantie). Ich könnte zum Beispiel nie von einem Mann finanziell abhängig sein, weil ich bei meiner Mutter gesehen habe, wie hart das sein kann.
Ein Jahr Beziehung ist für deinen Freund vielleicht auch noch etwas zu kurz, um schon zusammen zu ziehen. Eine Instant-Heilung ist da sicher nicht möglich, er muss einfach die Erfahrung machen, dass er einer Frau auch vertrauen kann bzw. selbst dazu bereit sein, sich bewusst mit seinem Problem auseinanderzusetzen. Rational kann man das leider nicht herbeiführen. Ob du die Geduld aufbringst, musst du natürlich für dich selbst entscheiden.
 
  • #3
Es ist doch normal, dass Kinder von ihren Erlebnissen geprägt werden. Und wenn es eine schwierige Scheidung gibt mit viel Streit und Ungerechtigkeiten, dann ist das Bedürfnis natürlich groß zu verhidnern das einem das Selber passiert. Aber oft lassen sich die Verhaltensweisen mit neuen Erfahrungen gut überwinden, allerdings wenn du einengst und Ansprüche stellst ohne zu zeigen und vorzuleben das du eben anders bist als die Mutter. Wenn das gelingt, dann hat er auch keinen Grund mehr sich vor einem möglichen Verhalten der Mutter zu schützen
 
G

Gast

Gast
  • #4
Er ist nun an dem Punkt, an dem er sein Kindheitstrauma anschauen und bearbeiten muss.
Dazu gehört 1. die Erkenntnis, dass Sache seiner Eltern ist, wie sie miteinander umgingen, 2. sich das in seinem Leben nicht wiederholen muss und 3. dass er anders mit eventuellen Ähnlichkeiten umgehen kann als der Vater.
Vielleicht braucht er dazu professionelle Hilfe, oder aber es reichen ihm verständnisvolle Gespräche z.B. mit Dir oder einer anderen Vertrauensperson.
Mach Dich doch schlau (Literatur etc.).
Sicher wäre es falsch, ihn jetzt mit dem Zusammenziehen zu bedrängen. Das könnte sowieso problematisch sein, wenn er nicht an sich arbeitet.
Er braucht jetzt als allererstes Verständnis für seine Gefühle.
Es ist offensichtlich dass er die Lage aus der Sicht eines verletzten Kindes sieht. Als reifer Erwachsener könnte er anders damit umgehen, d.h. ein bisschen Abhängigkeit ertragen und v.a. Nähe genießen, wie es in einer Beziehung normal ist. Dahin gelangt er nur über einen Reifungsprozeß, im Laufe dessen er seine Haltung hinterfragen wird. Zu guter Letzt muss er sich klarmachen, dass er mit seinem momentanen Verhalten Eure Beziehung gefährdet und schlimmstenfalls niemals eine befriedigende Paarbeziehung leben wird.
Es ist seine persönliche Entscheidung, wie er damit umgeht. Und natürlich Deine!
 
G

Gast

Gast
  • #5
Generell bindungsunfähig sind Scheidungskinder sicher nicht. Es kommt immer auf die prägenden Erfahrungen an, die während der Kindheit und Jugend in dieser Hinsicht gemacht wurden. Und sie können auch bei (nach außen hin) "intakter" Familie vorkommen,

Ich finde es aber auch ziemlich hart von deinem Freund, so etwas dir gegenüber zu äußern. Er könnte ja auch an sich arbeiten und sich darüber klar werden, dass nicht alle Frauen so sind, wie seine Mutter. Vielleicht solltest du dich mal ein bisschen zurückziehen, damit er sieht, was er an dir hat. Ein solches Verhalten deinerseits könnte ohnehin bei ihm sehr sinnvoll sein. Er wird bei seinen Erfahrungen auf Frauen stehen, die gerade nicht "klammern" und denen er hinterherlaufen muss.
 
  • #6
Wer eine "schmutzige" Scheidung erlebt oder miterlebt hat, lebt ggf. in der Angst, daß ihm das persönlich (wieder) passiert. Die deutschen Gesetze können sehr drastisch sein. m.E. einzig wirklich sicherer Schutz: Nicht heiraten.
Es ist schwer, so einen Menschen zu überzeugen, daß ihm das bei dieser Partnerin/Ehe nicht passiert.
Männer denken eher rational, als nach Gefühl. Und kalkulieren vorher, was alles schief gehen kann, und welche Auswirkungen.
Daß eine (Trauschein-)Ehe auch Vorteile bietet, ist solchen Leuten schwer zu vermitteln. Aber er soll verstehen lernen, daß man sich in einer innigen Beziehung so nahe als möglich sein will.
 
G

Gast

Gast
  • #7
umso mehr du ihn bedrängst, umso mehr wird er abstand einfordern oder dich auf distanz schießen. informier dich in entsprechender literatur über "bindungsangst" und überleg dir, ob du mit ihm weiter zusammen sein möchtest.
 
G

Gast

Gast
  • #8
Hallo FS,

es ist vieles schon gesagt worden, Deswegen möchte ich nur zu in "Abhängigkeit einer Frau begeben" kurz Stellung nehmen.

Wenn man sich liebt, begibt man sich in Abhängigkeit. Ob mit oder ohne Heirat. Da entsteht einfach durch die Jahre zuviel.

Aus meiner Sicht und Erfahrung gehört auch zu einem Paar dazu, dass jeder von beiden stark bleibt, d.h. sich nicht zu abhängig macht. (Wenn man stark ist, ist man sowieso attraktiver.)

Ich habe in meiner 10 jährigen Beziehung den Fehler gemacht, dass ich (!) mich zu abhängig gemacht habe. Im Nachherein hätte ich meine Hobbys nicht so einstellen sollen, wie ich es gemacht habe.

Abhängigkeit ist auch immer eine Frage der inneren Stärke.
 
G

Gast

Gast
  • #9
Grundsätzlich sind Scheidungskinder nicht beziehungsunfähig. Als Beispiel nehme ich meine eigenen Kinder. Beide führen bereits langjährige Beziehungen, ein Kind hat mittlerweile geheiratet. Meine Tochter hat als Kind und Jugendliche gar zwei Scheidungen miterlebt. In Anbetracht dieser Erfahrungen dürfte sie überhaupt keine ernst zu nehmende Partnerschaft eingehen. Doch gerade sie ist es, die eine grosse Sehnsucht nach heiler Familie verspürt.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Ehen von Scheidungskindern doppelt so häufig scheitern wie Ehen von Kindern die ohne Scheidung der Eltern aufgewachsen sind. Kommen beide Partner aus Scheidungsfamilien dann potenziert sich das Scheidungsrisiko nochmals. Die Erklärung dafür erscheint logisch: Kinder aus Scheidungsfamilien haben die Problemlösungsstrategien der Eltern internalisiert - bei Problemen in der Partnerschaft folgt Trennung, andere Möglichkeiten der Problemlösung wurde ihnen nicht vorgelebt. Je älter die Kinder bei der Scheidung der Eltern waren, desto traumatisierender wirkt dieses Ereignis nach. Ein Teufelskreis tut sich auf, der sich nur durch Bewußtmachung der eigenen Konfliktmechanismen in positive Bewältigungsstrategien lösen lässt.
Für deine Sorgen erscheint mir grenzenlose Geduld unabdingbar und ein permanentes werben um sein Vertrauen.
Viel Glück.
 
G

Gast

Gast
  • #10
Sicher sind die meisten Scheidungskinder genauso bindungsfähig wie Kinder, dessen Eltern nicht geschieden wurden. Es gibt auch welche, auf die die Trennung negative Auswirkungen bezüglich eigener Partnerbindung haben. Es kommt immer darauf an, inwiefern die Trennung der Eltern die Kinder psychisch belastet hat (auch sehr vom Alter der Kinder abhängig) und wie die Eltern danach miteinander umgegangen sind.
 
G

Gast

Gast
  • #11
Hallo ich selbst bin ein Scheidungskind und war sehr geprägt auf meine Mutter sie konnte ohne mich nirgends alleine hingehen. Nun kam es das sie uns Verlies wo ich das 5 Lebensjahr erreicht hatte und so mit habe ich sehr gelitten und konnte zu ihr keine bindung aufbauen nicht mehr so wie fruehee ich habe mich betrogen verleugnet und nicht geliebt gefuehlt von ihr, und dies macht sich in meinem leben bemerkbar die narben sind tief dann der staendige wohnort wechsel und das verlieren von freunden und die nicht akzeptanz der leute und jugendlichen im dorf siwie das mobbing und die haenselein weil ohne mutter aufwuchs ich denke in machen Situationen im leben ist es ratsam sich professionelle hilfe zu holen als im forum eine Diskussion zu fuehren die angst verlassen zu werden der abstand oder gar das gefuehl geliebt zu werden ist mit enttaeuschungen gepraegt also eine selbstprojektion seiner kindheit rat von mir ist die professionelle und einfuehlsame art des partners und eines geschulten psychologen
 
G

Gast

Gast
  • #12
die eigentliche Frage kann man wohl kaum beantworten, wenn man weder Psychologe ist, noch euch beide kennt. Aber eins kann ich dir sagen: Es ist nicht fair von ihm, dir diese seine ziemlich extreme Einstellung erst nach einem Jahr Beziehungsdauer mitzuteilen.
 
Top