G

Gast

Gast
  • #1

Sinnkrise - Beziehungskrise

hallo
zu mir bin männlich 52 und lebe seit 15 Jahre in einer Patchwork Familie mit meiner Lebensgefährtin und ihrem Kind (inzwischen junge Frau) zusammen. Es gab viele schwere Zeiten, die wir überstanden haben und für mich schien es als wäre jetzt alles gut.

Die schweren Zeiten waren eine Alkoholabhängigkeit meiner Partnerin und die damit verbundenen Lügen, Co-Abhängigkeit, Kontrolle, Vertrauensverlust - aber sie hat es geschafft und bin sehr stolz auf sie. Ich würde behaupten, dass sowohl die emotionale als auch die sexuelle Ebene wunderschön sind. Wobei meine Partnerin auch aufgrund von Kindheitserlebnissen sehr starke Bestätigung und Zuwendung benötigt und sehr konfliktscheu war aber daran hat sie gearbeitet.

Jetzt komme ich mal zu den Problemen, die sich bei dieser Konstellation natürlich automatisch ergeben. Ich konnte auf viele ihrer Wünsche in diesen schwierigen Zeiten nicht eingehen (Heirat, Kinderwunsch) habe vieles für sie und über sie entschieden, wollte aber immer für sie da sein und habe meiner Meinung nach versucht das Beste für sie zu tun. Natürlich sind auch die Emotionen,
wenn ich mich mit ihrer Tochter auseinandergesetzt habe verletzt worden.

Jetzt hat sie mir gesagt, dass sie sich einfach nicht mehr wohlfühlt, nicht weis, ob sie das so weiter leben will. Gleichzeitig auch jemanden kennengelernt hat, der ihr das Gefühl der vollkommenen Geborgenheit und Angenommen sein vermittelt, das sie bei mir nicht hat.
Sie hat nach eigener Aussage keine Affäre, der Typ lebt auch weiter weg. Sie glaubt wohl auch nicht, dass er wirklich der richtige sei im normalen Leben.

Wir leben nicht getrennt haben ein gemeinsames Haus - reden viel - sind beide sehr traurig und fertig - konnte seit Tagen kaum was essen. Wir küssen uns, wir umarmen uns - gehen Hand in Hand.
Ich versuche sie nicht zu drängen und ihr Zeit zu geben damit sie zurückfindet - sie hat aber ein "Elefantenhirn" und vergisst nichts.
Ich habe schon überlegt, ob ich mich aus Selbstschutz von ihr trennen sollte, aber sie ist mir als Mensch viel zu wertvoll. Bin vielleicht auch durch eine Trennung von meiner vorherigen Frau geschädigt.
Wie kann ich sie davon überzeugen, dass ich ohne Rückhalt für sie da bin - zu allem bereit - keine Mauern oder sonstige Vorbehalte.

Wäre frohe etwas in Austausch mit euch zu kommen um mein Gefühlschaos zu bewältigen
 
G

Gast

Gast
  • #2
wie du ihr das zeigen kannst?
Wahrscheinilch nur indem du einfach da und du selbst bist.
Ist Ihre Entscheidung, die du als liebender akzeptieren solltest und letztendlich musst.

Klingt ein bisschen wie, alles überstanden, also muss ich (sie) sich etwas neues quälendes für euch einfallen lassen, denn darin sieht sie vielleicht den Sinn eurer Beziehung.
Sie will gerettet werden oder so ähnlich.
Ich bin zwar noch viel jünger und vielleicht weniger Erfahrung in und mit Beziehungen, aber gerade wenn ich Sachen wie Co-Abhängigkeit lese, denke ich auch immer an solche Muster in Beziehungen.
 
  • #3
das ist unabhängig vom Geschlecht, was ich jetzt schreibe.

Oft wird beim Patchwork der kinderlose Part eingenommen, um sich an der Kindererziehung und manchmal
weiteren Problemen zu beteiligen. (Auch wenn das offiziell niemand so zugeben würde)

Kaum sind die Kinder dann flügge, sind die Gefühle dann "nicht mehr so wie früher" und
man kann dann seine emotionalen Bedürfnissen mit einem neuen Partner ausleben.

Der Patchwork-Helfer hat seine Schuldigkeit getan.

Das kommt relativ oft vor. Da liegt sozusagen ein Opportunismus der Gefühle auf einer unterbewußten Ebene
vor. Für den ausgenutzen Partner natürlich schwer zu verdauen. Aber höre mal tief in dich hinein und analysiere mal,
wann sich deine Frau genau "entliebte". Vermutlich als ihre Tochter alles in trockenen Tüchern hatte.
 
G

Gast

Gast
  • #4
Lieber FS,
Deine Partnerin hat ihre Probleme überwunden, aber leider nicht vergessen, was zwischen Euch nicht gut gelaufen ist und ordnet ihren Anteil daran wohl nicht richtig ein. Vielleicht beurteilst Du die Situation auch etwas aus Deiner Sicht, kannst daher ihre Perspektive nicht richtig erfassen.

Mit ihren Sachen ist sie fertig, koerperlich und psychisch wieder gesund und will neu starten, Kind ist groß, also auch kein Hindernis mehr. Das einzige was als ihre Last da ist, ist das was zwischen Euch nicht gut war und das will sie loswerden. Sich Fremdverlieben hilft dann immer, um Aenderungen einzuleiten.

Du musst für Dich sehen, wie lange Du dieses Gefühlschaos aushalten kannst, ohne Dich entscheiden zu müssen. Das hängt sicherlich auch davon ab, ob sie die unguten Dinge endgültig wegpacken kann oder ob das weitermachen in Eurer Beziehung für sie nur ein fauler Kompromiss bleibt und die alten Sachen immer wieder ausbrechen.
Ich weiß nicht, was man da anderes raten soll, als sehr genau auf Deine Gefühle zu achten und warum Du es aufrecht erhältst.

Ich bin so alt wie Du und mit sowas quäle ich mich nicht mehr lange rum - man hat nur ein Leben. Mit meinem Exmann hatte ich auch solche Altlasten. Ich war in der Klinik, danach 2 Jahre Therapie und habe mich sehr bemüht, die 20-jährige Ehe zu retten, aber es ging nicht, ich konnte die Altlasten der Ehe auch nicht vergessen und ihm die Verletzungen nicht verzeihen. Es tat mir sehr Leid, dass ich ihn 2 Jahre so meinen Gefühlsschwankungen ausgesetzt habe, denn er war als er dann doch allein dastand psychisch am Boden. Trotzdem: es ging nicht anders. Politisch betrachtet bin ich im Recht, schliesslich hatte er einige andere Frauen. Das war nach der Therapie nicht mehr der Grund - ich konnte ihm für die Zukunft nicht mehr vertrauen.
 
G

Gast

Gast
  • #5
Hallo und vorab schon vielen Dank für eure Antworten

vielleicht noch als er Ergänzung - bevor die Alkohol-Phase kam hatte sie schon mit Depressionen zu tun und alle möglichen körperlichen Krankheitsbilder - erst war der Alkohol für die Alltagsbewältigung dann kam die medikamentöse Einstellung, mit der sie die Depression in Griff bekommen hat, dann der Entzug mit Rückfall und Führerscheinentzug .

Die Fragen wie geht es mir damit, wie kann ich das Bewältigen, ich muss auch auf mich achten stelle ich mir auch - in dieser Situation andere Partner zu haben geht emotional gar nicht - wäre ja auch nur eine Flucht.

Ich möchte im Moment lieber dran glauben, dass es eine Art Hilferuf ist und doch alles wieder gut werden kann. Aber dann muss auch eine klare Linie her - keine faulen Kompromisse - zweite Wahl und immer wieder die Angst, da kann sich jemand dazwischen drängen - das will ich nicht leben.

Es tut mir gut hier zu schreiben, andere Meinungen zu hören - wobei ich nicht mit jeder Meinung klar komme. "mit sowas quäle ich mich nicht mehr lange rum"
Kann das ein Weg sein so tough damit umzugehen - es kommt mir so vor wie bei Sachen - gefällt mir nicht mehr, weg damit und was neues her.

Während ihres Langzeitaufenthaltes in einer Suchtklinik gab es i.P. schon mal eine ähnliche Reaktion ihrerseits - jemand hatte den richtigen Knopf bei ihr gefunden und damit war sie emotional angreifbar - da hatte sie auch gerade etwas bewältigt.
Irgendwann dann wieder in der Realität angekommen, hat sie erkannt, dass das nicht klappt und auch nicht ihr Status (sehr wichtig) ist. Ihre Persönlichkeit ist m.E. sehr ambivalent - die strahlende Geschäftsfrau - und dann die private Person, die eher mit ihrem Selbstwertgefühl kämpft.

Jetzt bzw. vor einem Jahr hat sie ihren Führerschein wieder bekommen und das war wohl auch so ein Umbruch-Moment. Sie hat mir das jedenfalls so kundgetan, dass sie seit dem wohl immer wieder mit ihren negativen Gefühlen kämpft.

Jetzt wäre der Zeitpunkt nochmal alles auf Anfang zu stellen und neu zu starten aber da wird die große Chance nicht erkannt und statt dessen ....
Ich hoffe ... noch ist das Vertrauen nicht zerstört ......
 
G

Gast

Gast
  • #6
Alkoholabhängig zu sein, bedeutet nicht, ein schlechterer Mensch zu sein, es bedeutet ein Hilferuf, nicht über seine Probleme sprechen zu können oder andere Menschen mit seinen Bedürfnissen belasten zu wollen. Alkoholiker sind stark sensibel und eben konfliktscheu, sie haben nie gelernt, sich äußern zu dürfen. Also pack dich an deiner eigenen Nase. Du hast sie mitunter krank gemacht! Frauen werden nicht einfach so alkoholabhängig, sondern wenn ihnen was massiv entsagt bleibt. Ich finde dich sehr kühl und nüchtern, also das Gegenteil von ihr. Warum willst DU dich von ihr trennen, nachdem du ihr jahrelang Heirat und Kinderwunsch verwehrt hast? Das ist eben das typische männliche Verhalten von Narzissten. Eine Frau jahrelang ruinieren, kaputt machen, ihr alles entsagen und am Ende fallen lassen, wenn sie unbrauchbar ist und keine Kinder mehr bekommen kann. Bist du jetzt stolz auf dich?

Ich denke, die Frau möchte jetzt leben lernen, lernt gerade loszulassen, dazu gehören auch viele Tränen mit dir und irgendwann wird sie freiwillig gehen. Du willst ja nichts von ihr und ihr nichts geben, was ein normaler Mann mit einer Frau tut, der seine Frau an seiner Seite liebt (Heirat und Kinder in die Welt setzen). Ich denke, für Einsicht ist es heute mit über 50 eh zu spät.

Ich frage mich auch, warum man überhaupt an diesen schweren, düsteren Zeiten festhalten muss, die einen so belasten, weh tun und ein Bein stellen, anstatt sein Leben lieber noch mal neu zu leben mit einem Partner, der einem alles erfüllen kann.
Für mich brauchst du kein Selbstschutz. Die Frau braucht Schutz vor dir!
 
G

Gast

Gast
  • #7
Könnte es sein, dass so eine Dynamik in eurer Beziehung war, dass sie eine Art "Vater" gesucht hatte?
Manchmal wird dann der "schwächere" Part irgendwann "erwachsen" und der andere versucht immer noch, den "Vater" zu spielen (oder auch die "Mutter"). Dann fühlt sich der "schwächere" plötzlich durch Verhaltensweisen und Gesprächsabläufe bevormundet, obwohl er sich früher dadurch geborgen fühlte.
Oder aber der Elternrollenspieler will nicht mehr die Betreuungsperson sein und der "schwächere" Part sucht sich einen anderen, der ihm wieder "Geborgenheit" gibt - also weiter die Fürsorgerolle übernimmt.

Möglicherweise bist Du aber wirklich nur so lange hingenommen worden, obwohl schon einiges im Argen lag, das Du nicht bemerkt hast. Es ist vielleicht auch so, dass ein Partner, der so viele Probleme mit sich hat, eine Art Sicherheit vermittelt - wenn man sich gut kümmert, haut er nicht ab. Aber leider hat das nichts mit Liebe zu tun, sondern mit Abhängigkeit und Dankbarkeit. Wenn ein anderer "Wirt" in Sicht ist, löst sich das auf, weil der "Schwächere" all die Dinge unterdrückt und nicht gesagt hat, die ihn schon lange stören, denn er brauchte ja den "Stärkeren", bis ein anderer kam.
Jetzt komme ich mal zu den Problemen, die sich bei dieser Konstellation natürlich automatisch ergeben. Ich konnte auf viele ihrer Wünsche in diesen schwierigen Zeiten nicht eingehen (Heirat, Kinderwunsch) habe vieles für sie und über sie entschieden, wollte aber immer für sie da sein und habe meiner Meinung nach versucht das Beste für sie zu tun.

Naja, das klingt schon so, als hättest Du entschieden, was das Beste für sie ist. Ich weiß natürlich nicht, inwieweit das wirklich das Beste für sie war und sie vielleicht mit ihren Wünschen völlig unrealistisch war. Aber es sieht für mich so aus, als hättest Du total als der "strenge Vater" gelebt.
Der andere Typ ist vielleicht wirklich nur der Auslöser, dass sie Dir mal sagt, dass ihr dieses fremdbestimmte Leben nicht gefällt, obwohl es ihr früher Sicherheit gab. Das sieht undankbar aus für Dich, aber so ein Zustand kann einem erwachsenen Menschen auf Dauer auch nicht guttun, wenn einer immer meint, er wüsste besser, was gut ist.

Du musst erkennen, was Du emotional aus der Beziehung gezogen hast und was Du dafür getan hast. Ich könnte mir vorstellen, dass Dir diese Macht, die Du über ihr Leben hattest, für Dich eine Art sicheres Fundament sein sollte. Wenn sie das nun wirklich als Bevormundung empfindet und nicht einfach nur einen anderen Mann sucht, der besser auf ihren Wunsch nach Führung im Leben eingeht, dann musst Du überlegen, wie Du sie mehr auf Augenhöhe sehen kannst und das auch durch Handlungsweisen klarstellen.

Ich versuche sie nicht zu drängen und ihr Zeit zu geben damit sie zurückfindet - sie hat aber ein "Elefantenhirn" und vergisst nichts.

Was willst Du damit sagen? Meinst Du Situationen, wo Du sie verletzt hast?
 
G

Gast

Gast
  • #8
hallo
wir haben in der Zwischenzeit viel gesprochen und viel geweint - mir sind die Dynamiken in unserer Situation und Entwicklung sehr bewusst.
Wir hatten gestern einen sehr schönen Tag zusammen und unsre Nähe zueinander sehr gespürt. Heute habe ich gemerkt, dass sie den Wunsch hat mit ihm zu sprechen und ich kann nur einver-
standen damit sein (nicht leicht). Sie ist jetzt weg.
Durch diese gesamte Situation spüre ich viel genauer, was sie in ihrer Gefühlsebene spürt, womit ich sie verletzt habe und wann bei mir Mauern da waren über die ich nicht drüber gekommen bin.
Heute sind das solche Peanuts und ich fühl mit so dumm - nix gelernt
Ich konnte ihr nicht den bedingungslosen Rückhalt gegeben den sie gebraucht hat - kein Rückhalt in materielle oder ähnlicher Ebene sondern in emotionaler Ebene.
Für mich ist sie und war sie immer die Nummer eins aber ich hab es ihr nicht so zeigen können, dass sie es verstanden hätte.
Ich habe eine furchtbare Angst davor wenn sie wieder zurückkommt und dann auf einmal so eine gewisse Distanz zwischen uns liegen könnte .. aber ich hoffe ich konnte ihr begreiflich machen dass auch ich Veränderungen machen kann
noch vielen Dank für eure kritischen Anmerkungen und Sichtweisen
 
G

Gast

Gast
  • #9
Sie kam wieder zurück, ich habe ihr auch angeboten nur zu kommen und sie braucht nicht zu reden, es ist ja unser Zuhause.
Es ist im Moment völlig unklar wo der Weg hingeht - ich habe aber aus der ganzen Situation etwas gelernt und lese dazu auch ein Buch einer Bekannten - liebe dich selbst und es ist egal wen du heiratest - war heute beim Arzt erst mal krank geschrieben und ruhig gestellt - suche mir gerade prof. Hilfe für mich um bei mir mal aufzuräumen damit ich paar tauglich werde .

Das Buch handelt von den vielen Missverständnissen in Partnerschaften aber mit dem Resümee -
Die Beziehung die sie haben ist die beste die sie kriegen können - machen sie etwas daraus
 
G

Gast

Gast
  • #10
Lieber FS

Ich kann heraus lesen wie schlecht es dir gerade geht und fühle mit dir. Was auch immer du glaubst in der Beziehung falsch gemacht zu haben, gib dir nicht die Schuld dafür, wie es jetzt ist. Und lass dir das von ihr nicht einreden. Du hast die Zeit mit ihr durch gestanden. Das schafft und macht auch nicht jeder! Was ich als erstes dachte war, dass deine Partnerin mal wieder "fliehen" will. Alkohol war eine Form der Flucht, nun ist es das Infrage stellen eurer Beziehung. Sie scheint ihre Problematik noch nicht geklärt zu haben, hier ist vermutlich noch einiges an therapeutischer Arbeit nötig. Warum eure Beziehung vermutlich gerade wankt: Eure Rollenverteilung des Süchtigen und des Co-Abhängigen ist nicht mehr gegeben. Jetzt könnte alles so toll sein, aber in ihrem Gefühl stimmt irgendwas nicht. Deine Rolle ist nicht mehr vonnöten, deine Schuldigkeit getan. Bitter, aber das passiert oft :( Auch daran hast du keine Schuld. Und auch sie nicht. Entweder ihr schafft es, neue Rollen zu definieren, allem voran SIE, denn SIE hat ja das Problem mit dir, oder die Beziehung zerbricht. Möglich auch, es taucht ein neues Problem auf was euch verbindet. So ist es vermutlich einfach "zu ruhig", das fühlt sich fremd an..

Lieber FS, denk an dich und achte auf dich. Hast du dich mit dem Thema Co-Abhängigkeit befasst? Warst du selbst mal beim Psychologen und hast Hilfe gesucht? Suche dir selbst nun mal Unterstützung statt immer der Unterstützer zu sein. Alles Gute!
 
Top