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  • #1

Ständiges Schwanken zwischen Liebe und totaler Gefühllosigkeit

Ich liebe meinen Freund. Eigentlich. Eigentlich, weil ich diese Gefühle phasenweise überhaupt nicht spüren kann. Dann wird mir die Beziehung zu viel und ich gehe innerlich auf Distanz, habe Trennungsgedanken und schlaflose Nächte, weil ich es neben ihm kaum aushalte. Dies vor allem, wenn sehr viel Zuneigung von ihm kommt, sehr viel Verbindlichkeit, aber wenn er auch sehr viel Nähe und Liebe einfordert. Ist es schwierig und wir streiten, habe ich sehr große Angst, ihn zu verlieren. Meine Liebe scheint dann grenzenlos zu sein und er ist der Traummann für mich. Hat es sich beruhigt, ist es eine Weile schön und „normal“. Wird es zu intensiv, ist es zu lange schön, glaube ich zu ersticken. Dann kann ich wieder keinerlei Liebe spüren und stelle meine Gefühle infrage. So geht das immer hin und her. Meine Gefühle in längeren Beziehungen waren noch nie anders. Immer diese Wechsel. Ist das normal, dass man mal stärker und mal schwächer liebt? Was kann ich gegen die immer wieder auftretende „Gefühllosigkeit“ machen? Ich kann dann keinerlei Zugeständnisse machen. Selbst wenn ich es wollte, etwas in mir sträubt sich und ich kann ihm emotional nicht entgegenkommen. Auch sexuell nicht. In der entgegengesetzten Phase bekomme ich kaum genug von ihm. Dieses hin und her ist schrecklich. Muss ich damit leben, dass ich in einer Beziehung diese widerstreitenden Gefühle habe? Bisher ging noch jede Beziehung daran kaputt, dass ich irgendwann nicht mehr aus der Phase der nicht mehr spürbaren Gefühle und starker innerer Zerrissenheit herauskam. Die Wechsel nehmen mehr und mehr zu. Nach ca. 3 Jahren drücke ich dann den Not-Aus-Schalter. Ich fange dann in immer häufigerer Gefühlskälte an zu überlegen, wie es weitergehen soll. Mit diesem Mann doch unmöglich? Ich bin dann genervt und sehe viele Unzulänglichkeiten. Dann sind der Blick nach anderen und die Trennung nicht weit. Schrecklich! Ich will doch gern Familie! Aber immer wenn es konkret werden könnte, haue ich ab. Auch jetzt scheint es wieder darauf hinaus zu laufen, denn ich spüre unendlich großen Entscheidungsdruck in mir, aber derzeit keine Liebe. Die 3 Jahre sind um. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich glaube nicht, dass die Gefühle wirklich weg sind. Nur habe ich zu ihnen irgendwie keinen Zugang mehr.

W33
 
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  • #2
Stell dir vor du beendest die Beziehung und er würde kurze Zeit später eine andere Frau finden und dir mit ihr verliebt über den Weg laufen. Was fühlst du? Empfindest du wirkliche Liebe, dann sieh deine "Phasen" als Chance ihn über das Gefühlschaos zu informieren, das wäre nur fair. Rede mit ihm, er bzw. sein Verhalten dir und deinen Zweifeln gegenüber sind die Lösung. Fühlt er mit dir oder tut er es einfach ab, dann Zeit um die Beziehung zu überdenken. Jedoch nicht ohne das er weiß was du wirklich empfindest.
 
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  • #3
Klingt ja wie Borderline. Am besten einen Termin beim Psychologen machen. Liebt mich jemand, lieb ich ihn nicht. Liebt er mich nicht, will ich ihn. Ich wette, ihnen gehts schon immer so. Und ich wette, auch in Ihren Freundschaften läuft es nicht anders ab.

Entweder lieb ich jemanden mal mehr und mal weniger oder ich liebe jemanden konstant garnicht mehr.
 
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  • #4
Liebe FS,
das klingt für mich nach einer Bindungsphobie!
Lies mal das Buch:" Nah und doch so fern".
Eine "normale Beziehung" entwickelt sich mit der Zeit weiter...wird verbindlicher und fester. Zusammenziehen ...evtl eine Familie gründen.
Das wird Dir aber mit der Zeit scheinbar zu viel und zu eng und obwohl Du es gerne hättest, distanzierst Du Dich innerlich vom Partner. Vor allem wenn er allmählich gewisse Verbindlichkeiten einfordert. Erfühle es was es ist?
Angst vor Bindung - schätze ich.
Eine Frau...
 
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  • #5
Ich habe dir leider keinen Rat. Ich kenne das nur zu gut und denke inzwischen, dass ich einfach nicht langfristig beziehungsfähig bin. Bei mir genügen sogar 2 Jahre um zu diesem Punkt zu kommen...Ich bleibe also alleine oder in losen "Beziehungen", alles Andere bringt es nicht und wird früher oder später unfair.
Wenigstens habe ich das Glück, dass ich keine Familie möchte und meine Freiheit und das Alleine sein sehr liebe.
Vielleicht musst du dich auch fragen, ob eine Familie wirklich ein unbedingtes Muss in deinem Leben ist? Heiraten würde ich auf keinen Fall, dem Partner zuliebe.
Ich wünsche dir alles Gute und noch einige zuversichtlichere Antworten.
 
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  • #6
Liebe Fragestellerin,

Mutig von dir, so offen zu schreiben.

Was mich interessieren würde: Gibt es das Problem nur in Beziehungen oder zieht sich dieses Schwanken generell durch dein Leben? Irgendwie hat das nämlich so einen Hauch einer bipolaren Störung (früher als manische Depression bekannt) - gewiss nicht in einer starken Ausprägung, aber irgendwie kann ich die Parallele nicht übersehen, zudem Betroffen oft einen Großteil ihres Lebens gar nicht wissen, dass sie eigentlich "krank" sind und ihr Leben relativ einfach simplifizieren könnten... Ohne dich hier pathologisieren zu wollen, klingt das für mich wirklich, als hättest du eine bisher nicht diagnostizierte Affektstörung. Ein Facharzt weiß hier aber bestimmt mehr und hat entsprechende Test, die eine Diagnose möglich machen. Und wenn es nichts pathologisches ist - umso besser!

Vielleicht bist du auch einfach eine Drama-Queen (nicht böse gemeint, mir fiel nur kein anderer Ausdruck dafür ein), die ein Leben wie eine Seifenoper, mit ständigem Auf und ab, braucht...

Außerdem gibt es da noch eine weitere, ganz einfache (und meiner Meinung nach nicht unwahrscheinliche) Lösung: Nämlich, dass bisher tatsächlich einfach nicht "der Richtige" dabei war. Immerhin sind 3-4 Jahre statistisch betrachtet die Zeit, nach der die meisten Beziehungen zerbrechen...
 
  • #7
Die 100%ige Schilderung einer Bindungsstörung / Bindungsangst!
Lies´ das Buch "Jein" von Stefanie Stahl! Du wirst Dich selbst erkennen und Deine eigenen Sätze wieder finden! Versprochen!
Es ist soooooooo erleichternd, zu erfahren, dass nicht nur man selber so tickt, sondern ziemlich viele!...
Und, ja, man kann etwas dagegen tun und die Muster lösen! :)
Von alleine wirst Du es sehr wahrscheinlich nicht los.
Alles Gute! :)
 
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  • #8
als singlefrau macht mich das wütend und traurig
wieso gehen solche menschen überhaupt eine beziehung ein!
 
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  • #9
Liebe W

würde emich interessieren ob du Borderline oder psychisch etwas derangiert bist, da ich einen Mann traf der genauso war wie du. Mann, war das quälend. Mal überquellend vor Zärtlichkeit. Dann total gleichgültig, phlegmatisch und apathisch. Nicht mal Humor konnte den wachrütteln.

Er sagte "Es liegt nicht an dir."
Das tröstet mich nun gar nicht ! Ich möchte so gern wissen warum jemand Liebe zergrübelt.
 
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  • #10
Liebe FS,
wenn du bereit bist, in die Tiefe zu gehen: Stefanie Stahl, "Jein", wäre ein Anfang. Die Spur führt - wie sollte es anders sein - in die Kindheit.
Du hast ein sehr gutes Gespür für deinen inneren Konflikt, seinen Verlauf und die üblichen Lösungsversuche (Trennung). Verlängere doch die 3 Jahre dieses eine Mal auf 3,5. Es wäre eine gute Option, um deine von Angst vor Nähe getriebenen Anteile im nächsten halben Jahr besser kennenzulernen (s.o.) und die eigentliche Bedeutung des Gefühls zu Ersticken zu entschlüsseln.

Gib dir Zeit. Du verpasst da draußen nichts, wenn du erst einmal bei ihm bleibst. Du gewinnst sogar in großem Maße dazu, weil du nicht schon wieder bei Null anfängst (neue Beziehung). In 6 Monaten kannst du dich dann erneut fragen, ob es Zeit ist, zu gehen. Ein Vorschlag.

Herzlichen Gruß von einer, die dein Problem ganz gut kennt. w
 
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