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Gast

  • #1

Stiefvater/Mutter immer ein Dorn im Auge des Kindes?

Hallo zusammen,

ich habe als Kind so wie als Mutter immer nur sehr schlechte Erfahrungen mit Patchworkfamilien gemacht. Ich habe meinen Stiefvater gehasst. Im Verwandten und Freundeskreis höre ich nie Gutes über Patchworkfamilie und wenn doch hielt das nicht lange an. Sicher ist, dass es auch viele Probleme in "normalen" Familien gibt, ABER das was ich erlebt, gehört und gesehen habe waren immer nur Probleme in Bezug, des nicht echten Elternteil. Was habt ihr für Erfahrungen. Ich kenne nur Geschichten, wo Kinder irgendwann ausrasten, weil sie den oder die neue Partnerin nicht akzeptieren und regelrecht aus der Familie ekeln. Ist das immer so oder gibt andere Erfahrungen??? Lieben Dank
 
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Gast

  • #2
Wenn Kinder sich so verhalten, sind sie entweder schlecht erzogen - was sich beide Elternteile anrechnen lassen müssen - oder sie werden von einem Elternteil beeinflusst. Ich habe meine Exfrau verlassen und mein damals elfjähriger Sohn ist mit mir gekommen. Als ich wenige Tage nach meiner Scheidung meiner Frau einen Antrag gemacht habe, den sie angenommen hat, war mein Sohn wegen eines in die Länge gezogenen Scheidungsverfahrens schon 14. Ich habe ihm freigestellt, zu seiner Mutter zu ziehen oder mit meiner Frau, ihrer Tochter und mir eine Familie zu gründen. Er hat sich sofort für letzteres entschieden. Es hat von Anfang an sehr gut funktioniert, viel besser als in der Zeit des Zusammenwohnens mit seiner Mutter. Eifersüchteleien gab es entweder nicht oder sie sind von den Kindern intern ausgetragen worden. Meine Frau liebt und bewundert mein Sohn sowieso über alles. Stress kam nur von meiner Exfrau, besonders als ich die Tochter meiner Frau adoptiert habe. (Erbe des Sohnes, Unterhalt an meine Ex - reine Raffgier meiner Exfrau eben) Auch in den anderen "Patchworkfamilien", die ich kenne, geht es gut, es wird nur viel mehr diskutiert als in den Ursprungsfamilien. Ich kann jeden nur ermutigen, die Entscheidung allein - ohne die Kinder - zu treffen, damit sie gar nicht erst mit Erwachsenenproblemen belastet werden.
 
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Gast

  • #3
Erlebe es von zwei Seiten - mein LG und ich mit meiner Tochter - zur Teilzeitpatchwork, aber sie mögen sich und respektieren sich. Auf der anderen Seite lebt meine Tochter ebenso bei meinem Exmann mit seiner Freundin und ihrem Sohn - passt gut. ABER: Es müssen alle akzeptieren und auch am Patchwork arbeiten wollen.
 
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Gast

  • #4
Ich stamme aus einer Patchworkfamilie, mein Mann stammt aus einer solchen.
Niemals haben wir oder unsere (Halb-)Geschwister solchen Sachen erlebt, wie sie hier im Forum immer wieder geschildert werden. Möglicherweise auch deshalb, weil wir eine andere Generation sind und Frechheiten und Respektlosigkeiten den Stiefelternteilen gegenüber von den leiblichen Elternteilen niemals geduldet worden wären. Niemand ist aber, soweit ich mich erinnere, auch nur im Traum auf diese Idee gekommen. Die Stiefväter wurden geachtet, geliebt und im Alter auch mit derselben Fürsorge bedacht wie leibliche Väter.
 
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Gast

  • #5
Das hängt damit zusammen, dass die Mutti den Kindern meinst schon erklärt, die neue Frau des Papas aber "eine ganz blöde Zicke" ist, "die macht immer so komische, blöde, gefährliche Sachen,... die kann gar nicht kochen und zieht sich immer so komisch an". So fängt es doch schon an! Kinder sehen nur: Papa ist ungerecht zu Mama, oder Mama behandelt den Papa schlecht - den wirklichen Grund dahinter wird den Kindern doch rigoros verschwiegen und es wird auch nicht entsprechend frühzeitig aufgeklärt, warum Mama und Papa sich trennen und welcher Sinn dahinter steckt.


Es gibt in dem Bereich mittlerweile viele gute Aufklärungsbücher für Scheidungskinder, dass Mama und Papa sich nun trennen um sich wieder neu zu verlieben. Das ist doch ein ganz normaler natürlicher Schritt, den die Kinder lernen müssen - und vermutlich zukünftig auch selber immer häufiger leben werden! Also were es ganz gut, als Eltern da ein entsprechendes Vorbild zu liefern.

Viele veralteten Beziehungs-Modelle leben immer noch vor, dass man besser 30 oder 60 Jahre zusammen bleibt ohne Liebe und Zuneigung, auch wenn der Partner gewaltitätig ist oder trinkt. Was lernen die Kinder daraus? Nix! Nur Schuldgefühle.

Ich wär froh gewesen, meine Eltern hätten sich früher getrennt, haben sie aber nicht! Klar, wäre es als Kind schwer gewesen und ich hätte geheult wie ein Schlosshund, heute mache ich mir deswegen aber unheimlich Vorwürfe. Sie haben heute nix, außer sich selbst, obwohl sie sich gar nicht mehr lieben und ich muss oft für die Probleme der Eltern herhalten, sozusagen als "Ersatzpartner" und Gesprächsmaschine.
Sowas ist verdammt ungut und geht mir selber massiv auf die Psyche, dass ich selber schon schwere Medikamente wegen Depression nehmen muss. Ich bin praktisch schuld, dass meine Eltern sich ihr Leben verbaut haben.

Also bitte, die Kinder frühzeitig aufklären, dann geht alles! Man kann nicht wegen kleinen Kindern als Eltern so herumhampeln. Und wenn Kinder etwas älter sind, dann wollen sie abmählich ohnhin ihre eigenen Wege gehen. Ab spätestens 12 sind Eltern doch eh "doof", also sollte es keine Probleme geben. Erzieht eure Kinder selbstständig und macht sie nicht so dermaßen von euch abhängig, dann akzeptieren sich auch einen neuen Partner.
 
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Gast

  • #6
Ich denke, es ist wichtig, wenn man/frau einen neuen Partner kennenlernt, dass sich das Kind nicht außen vor fühlt. Es hatte dann ja normalerweise einige Zeit ganz alleine seine Mama / seinen Papa, und muss nun selber ein wenig zurückstecken, weil es natürlich automatisch weniger Aufmerksamkeit bekommt.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sehr wichtig ist, das Kind bewusst zu integrieren, ihm seine extra-Streicheleinheiten zu geben, ihm zu zeigen, dass der neue Partner keine Konkurrenz ist, sondern eine vorher freie Rolle im Leben des Elternteils einnimmt. Das hat bei mir/uns einige Wochen gedauert (am Anfang war die Kleine richtig eifersüchtig), und der Prozess des Zusammenwachsens ist auch nach mehreren Monaten noch längst nicht abgeschlossen.
(was auch vom neuen Partner manchmal ein wenig zurückstecken erfordert!).

w mit 4-jähriger Tochter (vorher 3 Jahre allein)